Ludwig IN.. König von vayern.
Zum ft«b|fgfien Geburtstage. .
1846 — 7. Januar — 1916.
Von Paul Pastg. ______
Mitten in die Tage schweren Ringens und Kämpfen- de- Vaterlandes um seine nationale Existenz, die ihm neid- und baß- erfüllte Gegner in maßloser Ueberbebung und unerhörter Selbstsucht streitia zu machen suchen, fällt der. siebzigste Geburtstag eines deutschen Fürsten, der an die Spike des zweitgrößten Bu:u- desstaateS gestellt, selbstlose Hingabe an die Interessen deS großen deutschen Vaterlandes mit treuester Fürsorge für das mit dessen Wohl auf das Innigste verknüpfte Gedeihen des engeren Heimat-- landes stets aus daS Glücklichste zu vereinen gewußt hat: Es ist Könia Ludtvia III. von Bayern. Der Ernst der Zeit verbietet rauschende Feste und glänzende Festlichkeiten. Aber mit dem allezeit getreuen Bayernvolle weilen an diesen: wichtigen Gedenktags alle Deutschen mit herzlichster, teilnehmender Freude und innigsten Segenswünschen im Geiste an: Throne des erlauchten WittelS- bacher Fürsten, der, wenn auch erst in höheren Jahren Negierung berufen, es doch in vorbildlicher Weise verstanden hat. sich die Herzen seiner Untertanen im Sturme zu erobern und sich die ungeteilte, aufrichtige Zuneigung und Liebe aller Deutschen zu erobern.
König Ludwig III., mit seinem vollen Namen Lildwig Leopold Joseph Maria AloiS Alfred, geboren am 7. Januar 1845 in München als ältester Sohn des damaligen Prinzen, späteren (seit 1886) Pnnzregcnteu Luitpold von Bayern, lvar nach menschlicher Voraussicht ursprünglich ebenso wenig zur Regieruna be»- rufen wie sein erlauchter Vater, und erst die Königskatastvophe im Starnberger See, wo der einst mit so stolzen Hoffnungen begrüßte, geistesumnachtete Ludwig II. ein selbstgewählteS Ende fand, hatte die bekannte Aenderung zur Folge. Denn da Ludwig II. unvermählt und kinderlos verstorben war, — seine Verlobung mit der geistvollen Herzogin Sophie von Bauern im Jahre 1667 wurde später gelöst, — Jo wäre nun sein jüngerer Bruder Otto der Thronerbe gewesen. Allein da dieser als geistesgestört nicht in Betracht kam, so übernahm nun alS nächster thronberechtigter Prinz, der Oheim beider, Luitpold, die Regierung, die er bis zu seinem am 12. Dezember 1912 im Alter von 91 Jahren erfolgten Tode in segensreichster Weise führte. Seit dieser Zeit steht Ludwig III., der also damals bereits 6? Jahre zählte, an der Spitze der Regierung, und zivar führte er zunächst den Titel „Prinzregent".
Wenn er auch, wie das in fürstlichen Häusern Brauch ist, eine militärische Erziehung erhielt, so trat doch bet ihm wie bei seinem Vater, dem Prinzregenten Luitpold, die Vorliebe für das rauhe Kriegshandwerk nicht in deni Grade hervor, wie es im Hodens zollernhause traditionell ist. Doch trat Prinz Ludwig ins Heer ein u:w nahm bereits als junger Lljähriaer Offizier an dem deutschen Kriege im Jahre 1866 teil, in dem sein Vater eine» Dimswn gegen Preußen befehligte. In denr Gefecht bei Helen-- stadt am 25. Juli 1866 schiver verwundet, gab Prinz Ludwig später den aktiven Dienst ganz auf, avancierte jedoch, als nach dem französischen Kriege die einzelnen Bundesstaate:: im machtvollen Deutschen Reiche inniger miteinander verknüpft waren, im deutschen Heere bis zun: hohen Range eines Generalobersten und General- feldmarscballs. Eine ausge,prochene Vorliebe zeigte Ludwig HI. schon frühzeitig für die Landwirtschaft, wozu ihn seine Eigenschaft als Besitzer einer Anzahl vorzüglich bewirtschafteter Güter ange- spornt haben mag. Eng damit hängt seine Wirksamkeit für das bayerische Känalsystem zusammen. Denn die Landwirtschaft bedarf vor allem zum Betriebe ihrer Erzeugnisse günstiger und zahlreicher Verkehrswege, unter denen die Kanäle, schon wegen der geringeren Beförderungskosten, obenan stehen.
Ueberhaupt nahm Ludwig III., namentlich solange er noch als unverantwortlicher Prinz sich freier bewegen konnte, gen: zu den öffentlichen Angelegenheitei: Stellung und zeigte dabei ungewöhnliche Begabung, indem er in fließender Rede seine:: Gegenstand überrascheiw beherrschte und geschickt verfocht, tvobei er übrigens, wie man zu sagen pflegt, aus feinem Herzen durchaus keine Mörderarube machte. Manche charakteristische Anekdote acht darüber im Volke um. lieber seine treudeutsche Gesinnung ließ er bet all seiner Betonung des bayerischen Standpunktes jedoch niemals eine:: Zweifel aufkommen. Uebrtgens tvurde er lvegen seiner Verdienste um die Landwirtschaft zum Dr. öcon. publ. 'der Universität München ernannt, und aiuh die dortige Technische Hochschule ehrte ihr: durch Proniotion zum Dr. ing.
In der Regel sind Kronprinzen oder überhaupt Prinzen, ehe sie zur Regierung gelangen, hftc der herkömmlich Ausdruck lautet, „ein unbeschriebenes Blatt", d. h. man weiß lvegen der» ihnen mehr oder weniger durch Gesetz und Herkommen auferlegten Zur ücklial taug noch nicht, wessen man sich von ihnen als Rer- geten zu versehen hat. Anders bei Ludwig HI Als dieser nach den: Htuscheiden seines verdienstvollen greisen Vaters am 12. Dezember 1912 die Zügel der Regierung ergriff, rvnßte alle Welt u:ü> vor allem jcher Bayer und jeder Deutsche, fcmfe mit deni nunmehrigen „Prinzreaenten" Ludwin III. ein Herrscher de:: ehrwürdigen Thron der Wittelsbacher bestieg, der willens und bo [ä&tat war, die ruhmvollen Traditionen dieses erlauchten Fürstenhauses nicht nur zu pflegen, sondern auch kraftvoll und ziel
bewußt lveiter zu entwickeln Und zu fördern. Und dazu gehört bekanntlich vor allem auch die Pflege der Kunst, die ja von jeher in: Bayerlande eine vielbeneidete Heimstätte gesunde,: hat.
Bekanntlick) ging das Bestreben aller >:ationalen Kreise Bayerns dahin, gleich nach der Thronbesteigung Ludwigs III. dein unhaltbaren Zustande, daß ein für unheilbar geisteskrank erklärter Herrscher, wem: auch nur nominell, die Regieruna des Landes ans- ühte, ein Ende zu mache:: und die KönigÄvüroe auf den. der sie tatsächlich besah, $u Übertragen. Aber VerfassnngSbedenken. die namentlich von fct tm der mächtigen ultra montanen Partei dagegen geltend «macht louvden, ließen cS vorerst nicht dazu komme,:, und Ludwig 111 . zeigte sich auch hier als durck-aus konstitutiv- neUer Herrscher und ließ es zunächst beim Alten bewende::. Erst als cö zu einer entsprechenden Verfassungsänderung gekommen: und diese von allen dazu berufne:: Jnstcmzen gebilligt worden war. erklärte sich Ludwig 111. zur Annahme des KönigStitelS bereit (6. November 1913). Seitdem ist den: längst als unhaltbar erramtten Zustande der Prinzregentenschaft m Bayern ein Ende gemacht, und der tatsächlich:' Herrscher führt auch de:: Ihm zukommenden Titel.
Jeder Deutsche :ociß, »vie Ludwig III. seit seiner Thronbesteigung keine Gelegenheit vorübergeyen ließ, nicht nur seine persönliche treue Hingabe,an Kaiser und Reich zi: betonen und |U bestätigen, sondern auch bei aller Wahnma der berechtigten Sonderstellung seines Landes bestrebt war, seine Regierung in echt nationalem Geiste zu führen. DaS geht n. a. nicht :mr aus de:: Veröffentlichungen der auf seine Veranlassung inS Leben gerufenen ,,Bayerischen Staatszeitung" hervor, sondern auch cuoS de:: verschiedensten Veranstaltungen, die er teils selbst getroffen hat oder an denen er teilnahm. In aller Gedächtnis ist ,uxl) da- ebhaste Interesse, das Ludwig III. der huiwert jährigen Jubeleier der Befreiungskriege im Jahre 1913 entgege::brachte. Er elbst lud zu einer prunkvollen Feier in der von seine::: Großvater Ludwig I. errichtete:: Befrciungshalle iu Kelhcim (26. Aug.) die deutschen Fürsten, an ihrer Spitze de:: Kaiser zu sich) und betonte in gehaltvoller Ansprache seine aufrick)t:ge, echt deutsck»- na:ionale Gesinnung und als T«utsck)laichS Fürsten im Verein mit Vertretern auswärtiger Regierungen sich an: 18. Oktober desselben JahrcS auf Leipzigs blutgedüiyften Fluren cinfanden, um daS großartig« VölkersckKacküdenkinal zu weihen, da fehlte a:rch Ludwig III. nicht. Und seitdem Deutschlands wackere Söhne in den: heißen fftingm um des Vaterlandes Ehre unb Sein wider dessen erbitterte, haß- und neiderfüllte Gegner Sieg auf Sieg an ihre ruhmreich:: Fahnen hefte::, hat Ludwig III. zu wiederholten Malen nicht nur sein tiefes Verständnis für die hohe nationale Ausgabe bekundet, sondern auch keine Gelegenheit vorübergehe:: lass«:, seinen lvackeren Bayen:, die unter sei- nem Sohne, dem Kronprinzen Rupprocht, so hervorragenden Anteil an den jüngsten Ruhmestaten der deutschen Armeen haben, seine Anerkennung auszusprechen und sie zu neuen Heldentaten anzufeuern. Darum wurde ihm vom Kaiser bereits die höchste KriegSauszeichmmg, das Eiserne Kreuz erster und ztveiter Klasse, zuteil.
So steht König Ludwig III., der seit de::: 20. Februar 1868 mit feiner hohen Gemahlin, geb. Erzherzogin Maria The- resia von Modena (geb. 2. Juli 1849), ein überaus glücklich)«- Familienleben führt, als vorbildlicher, 1r«:deutscher Bundesfürst da, eine der festesten Säulen des demschen Reichsbaues, ein Fürst, in d«n gewissermaßen Bayerntum und Deutschtum sich zu einer höhern Einheit in herrlichster Weise verschnwlzen haben. Ihn: gelten aller Deutschen aufrichtigste Glück-unb Segens,oünsch«!
Vas Leben der Kriegsgefangenen in wologöa.
Gleich beim Ausbruch des Krieges wurden von der russischen Regieruirg deutsch gesinnte Leute unter irgend einem Bonvand als Kriegsgefangene nach de:n Gouvernement Wologjdcr verschickt. Jetzt sind dort etwa 7000 solch unfreiwilliger Ansiedler vorhanden. Biete unter ihnen sind, wie aus einem Bericht der „Rjetfch" hervorgeht, bemittelte Leute, die Mehrheit aber völlig mittellos. Fast alte lebtett vorher in Riga, Liban, Reval und anderen Städten der Ostseeprovinzen. Etwa 3000 Maim der Kriegsgefangenen sind in kleine:: Orten und in Dörfern untergeoracht, die übrigen in Wologda selbst. Seitdem die Kälte eingetreten ist, leiden die armen Gefangenen, denen eS cm den notwendigsten Bekleidungsstücken fehlt, außerordentlich. Die Behörden künunern sich Herzlich ivenig um sie u:ck> ordnen nur an, daß die begüterten Kriegsgefangenen für ihre armen Leidensgenossen sorgen sollen. Die ersteren bildeten auch ein Hilfskomitee, das unter ftrenaster Aufsicht der HeereS- verwnltnng steht. Dieser (Änrichtn:^ verdanken tausend Mensck)en eine Volksküche, in der anfangs däs Essen ^ür 10 Kop. adgegeben wurde und jetzt schon für 6 Kopeke::. Auch die Kranken sind lediglich ans dies Hilfskomitee angewiesen, das ein Ambulatorium, eine Apotheke eingerichtet und Upei Aerzte — einen deutschen und einen österreichi


