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glas zur Seite, funkelte hellroter Wein, herrschte ein undefinierbarer Geruch ähnlich Kirchen, die nie gnAstet werden.

Allenthalben »nie in alten

(Fortsetzung folgt.)

An der §omme.

Gebet vor der Schlacht Von Hans W i n a n d.

Aussteigen!" Fünfhundert Kriegsfreiwillige recken die jungen Glieder, lii Stunden Bahnfahrt find im Schlafwagen eineNervew- probe; im Güterwagerr aber eine Körperstrafe. 2er Kommando- ruf war Erlösung. Kalt war es auch, und stockfinster^u.

Tornister her so! und imr taumeln ins Freie. Em Oellicht flackert im Morgenwind; die Gestalt, die es hält, hat den breiten Mantelkragen bis hoch über die Ohren geschlagen.

Servus. Bayern!" Tie Oellaterne tanzt wie zum Grütze durch das Tuntel auf und nieder.Servus, Eisenbahner!"Grütz dt (Hott. Prcuß!" Im müden Lichtscl^ein erkannten wir das h aus der Schulter und die schirm rz-iveiße Kokarde am schwarzen Mützenrand. Sakrisch kalt is!" Ter Eisenbahner lacht nur. Ein paar Schritt neben uns klirrt es metallisch: beschlagene Stiefelabsätze stoßen auf Eisen. Kies klappert.Ärunfu!" ruft eine Stimme Tann stolpert man schon selber über schienen. Einen Augenblick blitzt weih und grell der Schciir einer Tasckzetckatcrne auf. Man blin­zelt; und schon kommt eine scharfe Stimme:Licht aus!" Und die Finsternis hat dich wieder am Nacken.

Fragt mich nicht wie: aber seinen Platz fand dock) ein jeder. Wo das Auge verzweifelt, triumphiert der Tastsinn.Geh weg!" ruft es und eine Hand schlägt auf eine andere die da im Tunket den Nachbar zur Identifizierung abtastet.Ach, du bist's!"Nu frei­lich. doch nicht mei Tante!" Er hat recht; grau mag seine Tante sein, aber feldgrau noch nicht ... ^ t . _

Eine ganze Weile dauerte es, bis das Auge sich au die düstere Lage ein wenig gewöhnt. Das Ohr erriet es schneller; bis weit hinaus über bcu kleinen Bahnsteig klirrte leise Schanzzeug, knarrte neues Leder. Jetzt schrie es dort unten.Pfcrdewärter!" Ein Gaul schnaubte.

Neben dem kleinen Bahnhofsgebäude stieg der Rübenacker in sanftem Bogen an. Das sah man nicht, man fühlte es nur. Und dann hörte man es: ait der Stimme, die von dort oben kam, aus dem Dunkel, herab vom Hügelrücken.Borrücken zur Straße!"" kam es von oben. Das war des Häuptlings Stimme.

Später blitzte dort aus der Kuppe auch ein Licht aus; einen Pserdehals sah man, und den behelmten Kops des Reiters, der ein kleines Helles blinkendes Biereck in den Händen hielt. Ein paar Sekunden lag der Lichtschimmer auf Karte, Hand, Gesicht und Pserdenacken. Tann erlosch alles, war sortgewischt, und es blieb nur das dumpfe Stampfen von Pferden, die dahingaloppierten. Sic galoppierten gewiß über einen Acker, der feucht sein mußte, fort über schwarze, fette, nasse Erde.

Tann aber, als wir hielten und die Geivehre zusammenge­setzt hatten, da klang noch etwas anderes an unsere Ohren. Nur sver sich ein paar schritte von den dichten Gruppen entfernte, konnte es hören, dann aber auch so deutlich und fein, daß. kein Raum blieb für eine Sinnestäuschung. Ta »oar es und blieb: ein Glucksen und Quirlen, ganz dünn, ganz zart, das nicht dnfhörte und die Nacht durchwachte und sich immer gleich blreb.

. Mein Nachbar machte vorsichtig zlvei, bret Schritte. Plötz­lich packte er wich hart am Arm. 2a raschelte es, es war das singende Rauschen von ausgestörtem Schilf, ein leises, hastiges Schnattern: und nun ward es jäh lebendig im Rohr.

Wildenten!"" flüsterte mein Nachbar und preßte meinen Arm so heftig, daß« ich mich losriß.Tu, Mensch, Kind Gottes, mir sind da: wir sind an der Somme!"

Und weiß der Teufel, er hatte rcckck: endlich, endlich warm mirda"" an der Somme...

Dort, um die Weidenhecke den Erdrücken hinauskricck< führt der zum Feind. Aus zlvei sckrlanke heNe mündet diese

ke; uvischen ihnen hält ein Bursche einen Alpselschimmel. 'as Pferd mirft den Klops, daß die silbergraue Mähne hoch gegen den leuchtenden Abendhimmel auftvirbelt; das Schnauben des Tieres erreicht unser Ohr; im Dämmerglühen funkelt der Odem svie Melalldampf. Fern dröhnen Schüsse.

StittgcstandenEine Mauer lebendiger junger Menscheil versteinert und hin über ihre Kopse geht der Hall einer klaren bellen Mannesstimme. Begrüßungsworte: Willkommen den

Jungen. Seit zwölf Tagen liegt das Regiment im Schützeir- groden. 2ie fernen Kanonenschläge schlagen dm Takt; dumpf Poltert ihr Donner in das Gefüge der Sätze und crsttckt den Klang einzelner Worte. .

Ta tritt ein Mann in ungewohnter Tracht vor die Front. Am grauen Militärrock Aufschläge dunklen Violetts; auf der Brust, die der Abendsonne zugekehrt ist, fimfelt und blitzt cs mie Temalit. Wessen Brust da draußen trägt anderen Schmuck als den von Eisen? An lairger. güldener Halskette leuchtet das Wahrzeichen des Krnizes. Und Worte vom allmächtigen Gott unb seiner Ewig­keit klingen hin über Hügel. Aecker und Menschen.Zum Gebet!" Es senken sich die Köpfe. Zur Helmschiene gleitet die Hand. Und tiefes Schweigen um alle. Trei ©tuitbcn, vielleicht zlvei, und die Zeit zur letzten stillen Einkehr ist dahin.

Wird einer jenen Augenblick des SchweigNlö vergessen? Hinter denen, die da in der Stille die Hand zum Helm hoben, versinkt die Welt der Daheimgebliebenen tu wundersam tiefe Unerreich­barkeit. Immer noch rufen und suchen die Kanonen. Tas Klirren einer Säbelscheide flattert wie ein verstörter Vogel durch das Schweigen. Oben längs des Weges rast knatternd ein Motorrad vorüber: man hört, wie das Rasteln deö Motckrs verebbt; plötzlich ist es ohne Uebergang erloschen.

2a kommt eilt Komwaitdornf; wie unter dem Sck,lag eines Hammers zerbricht klirrend die Stille.An die Gewehre." Unter hastenden Füßen wirbeln schlvere schwarze Erdschollen hoch vom Acker empor. In tauseltd Patronentaschen rasseln gedämpft die Pa­tronen. Tas graue Auto, das dort hinten wie vom Teufel ge­hetzt den Hügel emporbraust, konimt iroch gerade recht, um vor der Marschkolonne die Straße zu überqueren. Ter Schlamm, den die großen Räder auslvirbeln, schlägt noch den ersten Leuten ins Gesicht. Hinter einer Kurve verschwiltdet der Spuk' Es ist fast dunkel; kaum erkennt man noch int grauen Zwielicht die ttefen Furchen, die der Kraftwagen in das Wegbett gezogen.

Als sich die graue Schlange hinter einer zerschossenen Scheune, deren ausgebrannter Tachsttihl gleich einer stunnnen Anklage zum Nachthimmel emporstrebt, hervorgewunden hat, liegt vor uns Ebene, Nacht und Finsternis. Was wollen die Kanonen des Feindes in solcher Nacht und solchem Nebel? Immer klarer hören wir ihre Stimmen. Bald werden wir ihre Sprache auch verstehen lernen

Hinten im zweiten Zuge beginnt ein Mann zu singen. ES ist ein schöner weicher Bariton; eine zweite Stimme fällt ein.Du mein allerliebstes Mädchen, wir sehen uns nicht mehr, du mein allerliebstes . . .""

!1iuhe!" kommt halblaut von der Spitze ein hastiger Befehl. Nicht singen. Wir sind im Feuerbereich.""

Feuerbereich! Wie von ungelösten Geheimnisseit behängen Hallen die vier Silben im Ohr nach Schwarzgran ist der Nebel geworden: keine zehn Schritt iveit reicht der Blick. Tapptapp die eisen beschlagenen Stiefel bahnen sich wie von selbst ihren Weg durch Lehm und Pfütze. Wo sind nur? Wohin geht es? Seltsam, ivie die mechanische Gewalt des RhychmuS die Glieder hypnotisiert; du brauchst nicht inehr zu wollen, ganz vor: selbst setzen beine Beine da unten die Füße weiter.

Tie Gespräche sind verloschen. Ruhe ist besohlen, grüßte Ruhe. Ter Wind geht zum Gegner"" er trägt ihm gern (Geräusche zu. Ruhe Wind Gegner dunkel l-allen die Worte in dir nach, ohne ihren Sinn lebendig jwerden zu lassen. Unjd während die Stiefel unter dir weiter tappen, durch Lehm und Pfütze, fragt es halbverschlafen in deiner Seele:Wo sind wir?. Wohin gchts?" Jrgenbtvo im Unterbewnßtsein hallt es zur Antwort:Feuerbereich Feind!"

Tie Somme lvar es; aber »vir sahen sie nicht mehr. Als das Morgengrauen kam, lag sie schon »veit hinter uns. Als es im Osten licht ward, hingen uns die Stiesel schon schwer von Schlamnt und Lehm an beit Füßen. Tie Mittagsstunde ist sang dahin, als der .Befehl fällt, der uns halten macht.

Tic Nebelstreifen, die uns begleiteten, als sollten die künf­tigen Streiter noch ein letztes Mal in Watte gehüllt werden, sind verschwunden. Ter graue Himmelsraum hat sie sortge- trunken. Schüchterne Streifen aus mattem, blassem Blau zeich­nen sich am Horizont ein, sie wachsen; als der General kommt, sind sie schott leuchtend und gelb geworden. Ter Herbstabend will verdämmern. Tort unten, ganz fern, wo ein langer schmaler schwarzer Streifen einen Wald ahnen läßt, weht Kumm eine Ftuctgarbe gen Himmel, lieber der Flamme tanzt finster der Ranch, bis der Wind seiner Herr ist: der Wind nimmt ihn mit sich und zerfasert die dunklen Wolken, bis sie locker und zart werden gleich grauen Spinnweben.

Ganz kahl ist die Hngelktrppe, aus der die jungen Feldgrauen letzt antretcn. Tie sliekl klammern lies int feuchten Ackerboden.

*

Deine Füße, die da tappen, deine Seele, die da dämmert sie haben Recht. Nebel und Nacht decken uns zu: nach einer halben.Stunde ist auch der Länn der Geschütze eingeschlasen

Ein Tors gleitet vorüber: es liegt wie toi im Dunkel. Eiu Posten an der Straßenkreuzung winkt uns zu: in einem leeren Hof heult kläglich ein verlassener Hund.

Tann mußt du dich zusammenreißen, um nicht zu fallen. Steil geht's hinab, nun wieder hinauf eine Schlucht. Tie Müdigkeit läßt von deinen Gliedern. Verdammter Nebel * über ein zerbrochenes Gewehr bist du gestolpert. Tu prallst ans deinen Vordermann:Au,"" flüstert der grimmig.Halten!"" Es klirrt leise ringsunr; ohne Kommandoruf wird das Getvehr abgenomnien. Wer gab das Zeichen?

Im Nebel huschen schwarze Gestalten.Daher!"" sagt halb­laut eine fremde Stimme.Obacht und dann gleitest du hinab in ein tiefes, schmales, schwarzes Loch.

Na also, da wären wir! Feuerlinie? Ter Nebel I*U alles zu ged eck t auch den Kamps. Feucht und kalt geht es heuts