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Gklb ein. Es rcbcfc da freilich Oft bei* Bearbeitung eines solchen Kalenders auch immer noch ein gut Stück Astrologie mit und auch ein Gelehrter, wie der berühmte Doktor Theophrast Bombast Paracelsus verschmähte cs nicht, sich in die Reihe der Kvlender- wacher zu stellen. Ja auch der nicht weniger berühmte Astronom Kepler gehörte zu den Kalendcrmachern.

Ter Jul-alt aller dieser alten Kalender ist so ziemlich immer der gleiche. Einen breiten Raum nehmen schon hier allerlei Haus- und landwirtschaftliche Porschristen ein. die heute freilich mir noch als Kuriosa gelten, wenn z. B als Mittel gegen das Käsenbluten das Legen einer pulverisierten Schnecke auf die Stirne empfohlen oder bei dem Nährwert der verschiedenen Flcischsorten das Schweinefleisch an erster Stelle genannt wird. Nach und nach kommt freilich auch in den Inhalt der Kalender so etwa- wie ein geschichtlicher Zug. Nicht ohne Bezug darauf wurden sie deswegen oft als Boten bezeickmct Der Titel dafür ist freilich manchmal noch ziemlich lveitschweifig.Ter Hinckend und Stolpernd doch eilfertig steigende und lausende Reichs Bott: Evangel. verbesserter katholisch Neuer und Aller Jnlianisch. Röm. Kayserl. Reichs- Staats Kriegs Siegs- und GcfchichtSkalcnder. Auf Franckfnrtisck. scheinbarem Meridian Horizont und Polhühe 50° cakustirt von Friedrich Wohlgemuth genannt der Hinkende Bott, der malhcmat. Künsten und denklvürdigen Geschichten Liebha­bern". TaS ist der Titel eines Kalenders, dessen Inhalt eine ganze Reihe geschichtlicher Begebenheiten answeist. Daneben gehen allerdings auch jetzt schon allerlei belehrsame Kalendergeschichten, für welche bekanntlich I. P. Hebel das bis jetzt unerreichte Bor bild geblieben ist, und daß die Kalcnderschreibcr auch vor Schauer­geschichten nicht zurückschreckten, das beweist der BerichtBon einer unerhörten Grculichkeit, so eine Mutter in Frankreich vor kurzer Zeit wider ihre eigenen Kinder gebraucht hat. In welchem Scythierland ist eine solche greuliche Thal jemal- verbracht wor­den. »velche ich jetzt beschreiben will? Welch, Wölfin, Tigerthrcr und Trach, ja allergrausamsteS Thier des Landes »vokania kann wohl einer solchen Mutter verglichen werden. ES ist ein Exem­pel ohne Exempel..."

Sehen wir uns in einem solchen Kalender nehmen wir einmal einen aus dem Jahre 1659 etwas näher um. Neben einem Kalendarium, das wesentlich die gleiche Form zeigt, wie das der heutigen Kalender, bringt erkurtze Anzeigungen der vornehmsten Kriegshändel, und anderer denkwürdiger Sachen, die sich von Anno 1650_ bis 1658 im Röm. Reiche, von 1655 bis 1658 zwischen den Schiveden, Polen und Moskowittern und derer Alliierten und von Anno 16571658 zwischen den Schul­den und Dähnen begeben haben" und fügt dieser politischen Iah- jresübersicht für jeder! Monat Gesundheitsregeln bei, die nicht ohne Humor sind. Es seien deren mr ;>ic für die letzten drer Monate des Jahres bestimmten angeführt.

SBeinmo n.

Artzneyen das ist jetz und gut.

Hast Du zu viel, so last. Tein Blut.

IN ringe Speist und halt dich- wohl.

Ein Hebung l-ab, Irina Dich nicht voll.

W intcrm on.

Ist, wärmend Speist, trinck starken Wein,

Dock) nicht zu viel, last Artzney seyn, ^

Ueb Dich, im Feld doch nicht zu sehr,

Leb mäßiglich, folg meiner Lehr.

Christin o n.

Bon! Schweinefleisch ist. nicht zu viel,

Ter Magen macht sonst böses Spiel,

Ist hitzig Speist, trinck starken Wein Und last Artzneyen jctzund seyn.

In keinem Kalender fehlte natürlich das Kapitel von! Pur- giren und Aderlasten und fehlte auch nicht dieGroße Practica oder (wie es insgemein genannt wird) eine Porsorgung. das ist Beschreibung derjenigen Dingen, welche sich in dem gestirnten Himmel, in der Luft und unten aufs Erden zutragen iverden, neben ausführlichen! Bericht von den Finsternissen". Ta kouv- men nun die vier Jahreszeiten mit ihren Wetterausfichten, kom­men d.ie einzelnen Monate mit der Witterung und denver­mutlichen Welthändeln" und natürlich auch die landwirtschaft­lichen Ratschläge, sowie Belehrungen über Krankheiten, die nach einem solchen Kalender zumeist von den herrühren,was wir essen und trincken und von dem Lufft, den wir als rin nothwendigesi Stück der Erhaltung unseres Lebens an uns ziehen, und in uns schlucken. Dcßwcgen jeder, dein seine Gesundheit lieb ist, sich vorsehen und mäßig leben soll. Es werden sich erstlich allerley kalte flüssige Kranckheilen, heruacher aber hitzige Fieber, Kopff- wehe, Seüenstechen, und dergleichen erzeigen, und vielen den Garaust machen, ivelches doch Gott verhüten und uns ein ge­sundes Jahr verleihen wolle."

Dast auch die Unglückstage namentlich im Bauernkalender eine große Rolle spielten, ist wohl kaum überraschend. Sie sind ia freilich nur heidnische Erbschaft, die der christlichen Geistlichkeit mancherlei zu schaffen machte, so dast ein bayrischer Geistlicher tchon im .Jahrhundert Gelegenheit nimmt, 'eifrig dagegen zu sprechen.Nicht wenige," sagt er ln einer Predigt, fallen auch

iri diese Laster, ba sie sorgfältig zu erspähen suchen, an welchem Tage sie auf Reisen gehen sollen. Sic nehmen ängstlich Rück­sicht auf Sonne, Mond, Merkur, Jupiter, Benus, Saturn, ohne zu wissen, die Unseligen, dast falls sie nicht durch Büste sich! rei­nigen. sie an der Höllengnal teilnehmen, deren trügerische Ehre sic augenscheinlich ans dieser Erde fördern. Deshalb fliehet vor allem jene abergläubischen Greuel und meidet sie wie todbringendes Gift." Und weiter führt der Geistliche dann auS, dast Gott die Lonne und den Mond als unsere Wohltäter und nicht als unsere Götzen ersck-assen, wesl-alb wir ihm zu ewigem Tank verpflichtet Und. Merkur, Jupiter, Benus und Saturn sind aber nach der Lage, verworfene, habsüchtige, gelvalltänge und wollüstige Bösc- wickle gewesen, und zu einer Zeit geboren worden, als die Kinder Israel in Aegypten waren: damals auch seien die Tage »ach ihnen genannt worden gegen Gottes Gesetz, da frühen die Tage als erster Tag, zweiter Tag usw. bezeickM't werden mußten. Und in einem allen Kalender heißt cs nach Ermah­nung solcher Unglückstage:So auch die l-nttige Aftrosofi Hallen vor gewiß, das obbeschncbene Tage unglückliche Tage seien, an denselben soll niemand zur Aderlasten. auch nicht Artzney ein- nehmen, denn, sagen sie, derjenige so auf einer dieser Tagen ui eine Kranki-eil fällt, so werde er daran sterben, und nifc toterer genesen; desgleichen so einer Blut von sich lasset, er sev zur Aderlasten, Schröpfen, Fallen oder sonstviel Blut von ihm gehl <ptf einen verworsscncn Tag, der lvird sterben oder sonst in langweilig Krankheit verfallen. Sie beweisen auch aus Zeitschrift alten und neuen Testaments, dast aufs die verworffene Tag alle Unglücksfälle vorgegangen als zum Exempel die Sünd- sluth, das Feuer zu Sodoma und Gomorrha, der Tod Absalons, der Tod .Judas, welcher just auf den 9. April gebohren und lricdernni auf gleichen Tag in die ewige Pein eingegangen. Bey unfern Zeiten haben viele Gelehrte noch genommen, daß große Ueberschwemmungen der Wasser, Erhebungen und andere Unglücksfälle just au ff einen verworffene» Tag geschehen."

Für das Elsaß hat dereinst August Stüber 41 lolcher Un­glückstage festgestellt: den 1., 2. 6., 11., 17., 18. Januar, den

8., 16., 17. Februar, den 1., 12.,, 13., 15. Marz, den 3., 15.,

17., 18. April, den 8., 16., 17 30. Mai, den 1., 7. Juni, den

1., 5., 6. Juli, den 1., 14., 30. August, den 15., 18.,

20. September, den 15., 17. Oktober, den 1., 7., 11. November und Dezember. Andersivo kommen hierfür noch in Betracht der 7. und 30. Januar, der 29. Februar, 22. März, 9. und 20. April, 14. Jnni, 14. August, 7. September und 19. November.

So ein Kind in diesen Tagen geboren wird, bleibt cS nicht lange bei Leben und so eS gleich bgi Leben bleibt, tvird es armselig und elend. Wenn sich einer in diesen Tagen ver­heiratet, die verlassen gern einander und leben in Streit und Armuth.

Wenn einer reifen thut, kommt er gemeiniglich ungesund wieder .nach Hans, oder er leidet am Leib oder seinen Sachen Schaden.

So soll man auch in diesen-Tagen keinen Bau anfangen, kein jung Vieh absetzen, das zur Zucht bleiben soll; cs l)at kein Gedeihen, viel lvenigcr etwas auSsäen oder pflanzen: man fange an, was man will, so kommt alles zu Schaden."

Als Unglückstage, an denen man nickst reisen soll, kommen auch noch der 1. März, der 17. August und der 1., 2., 3. Sep­tember in Betracht, und die allerschlimmstcn Tage sind der 1. ?1pril, an dem Judas geboren wurde. (Oben ist hierfür der 9. April genannt), der 1. August, ivo der Teufel vom Himmel geworfen ivurde, und der 1. Dezember. ivo Sodom und Go* inorrha versanken.Welcher Mensch in diesen drei unglück­lichen Tagen gebohren unrd, der stirbt eines bösen Todes oder er unrd von der Welt zu Schaden und auch selten alt."

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Gute und schlimme Tage? Glaubt der moderne Mensch heute, »oo Mars regiert die Stunde, noch an solche? Wir ivvklen diese Frage gsfen lassen. Wer stiU beobachtet, kommt da auch in unserer ansgeklärten Zeit auf manche seltsame Tinge, und wir wollen es lieber nrit hinein alten Kalenderspruch halten:Ge- segnc Dir Gott, lieber Leser, jeglichen Tag." DaS ist auch eme alte Praktika..

Die 5pur des Krieges im Antlitz der Erde.

Noch kurz vor seinem Tode hat der große Geograph Friedrich Ratzel, der Schöpfer der wissenschaftlichen Geo- grirphie des Krieges, in einer Untersuchung der erdkundlichen. Problente der Vergangenheit und Zukunft auf die Verände­rungen Hingeiviesen, die das A n t l i tz d e r E r d e in seinen »veltewigen Zügen durch einen längeren modernen Krieg er­leiden würde. Die ganze Wirkung des Weltkrieges hat er freilich nicht ahnen können, der in den rieseilhast ausgedehn­ten Operationsgebieten strichweise das Landschaflsbild völlig geändert hat. Jii den Vogesen und Argonnen, int Osten in dem nadelholzreick-en Gouvernement Smvalki sind, alles zu­sammengerechnet, viele Quadratmeilen Wälder niedergeschla­gen, um der Artillerie freies Schußfeld zu schassen und Mate rial zu Besestigungszwecken, Brcnitholz für inillionenstarke