Ausgabe 
30.4.1915
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Betr.: Sefijleüima der Äntloifefuoaätf.

An de» Oberbürgermeister der Stadt Gichcn und an die Krohh. Bürgcrmeistereic» der Landgemeinden des Kreises.

Nach BniideSratsbeschlns! sollen ani 15. Maid. I. die Kar- tosielvorräle erneut fcftgcftcllt werden.

Tie Turchsührimg der Zählung innerhalb des Grotzherzogtiuns ist durch Bersüanng des Gcoüh. Ministeriums d«§ Innern der Erotzh. Zentralstelle silr die LandeSstatistik zu Darmstadt über- tragen worden.

Tie Erhebung selbst crsolgt gemarkungsweise durch die Grosth. Bürgermeistereien (Oberbürgermeister, Bürgermeister). Eine Ber- gütnng iür die Mitlvirkenden lvird von Staatswegcn nicht geleistet.

Tie nötigen Zähl listen and Gemeindebogen wird Ihnen die Ärotzh. Zentratslcllc für die Landcsstaiislik unniitlclbao insenden. Diejenigen Bürgermeistereien, die bis zum 7. Mat »uhr im Besitze der nötigen Zahlpapiere sind, ivollen sich telcgra- phisel, an die genannte Zentralstelle wenden wie folgt:Landes- stalntik Tvrmstadt Zählpapicrc noch nicht cingctrosscn Bürger­meisterei N. N."

Auf dem Gemeindebogen ist eine Anweisung ausgedrnckt, aus der Sie ersehen, loie die Zählung im einzelnen durchzufllhrcii ist. Damit dies richtig geschieht, Ivollen Sie sich niit den Bestim- nrnngen genau vertraut machen tnid die Zahler belehren. TaS Ergebnis der Zählung ist dieses Mal von ganz besonderer Bcdeu.tnng.

Ter zur Angabe »ervflichteie Haushaltungsvorstand. Betricbs- inhabcr usw. hat seinen Karloffelvorrat möglichst genau zu Ichätzen. Ein Ablrnegen lvird nicht verlangt, Karlofselvorräte unter 1 Zent­ner sind diesinal bei der Erhebung nicht zu berücksichtigen.

Anfragen bezüglich der Zählung siltd an die Grotzh. Zentral slelle für die Landesstalistik in Taraistadt zu richten.

Tie Grotzh. Bürgermeisterei oder die von ihr beauftragten Beamten sind befugt, zur Ermittelung richtiger Angaben Vorrats- räume oder sonstige Aufbewahrungsorte, wo Vorräte von Kar­toffeln zlt ocr,unten sind, zu unlersnchen und die Bücher des zur Anzeige Verpflichteten zti prüfen.

Wer sich weigert, Angabe» zu mache», oder wer sahr- läjsig oder wissentlich nnrichligc oder unvollständige Alt­gaben lliacht, wird mit Gesänguis bis zu {«1)4 Monalen oder mit Aeldstrase bis *u zehntaniend Mark bestraf!: auch könuelr die Kar­tosselvorräte, deren Vorhandensein verschwiegen wird, im Urteil sür den Slaat vcrsallen erklärt werde».

Tie an s g cs ü l l t e n g ä hl l i st cn und die Urschrif­ten der G c nt e i n d c bo g e n sind spätestens bis zum 2 0. M a i d S. I s. a n die Ä r o st h. Zentralstelle für die Lan des sta l ist i k in Tarmstadt c i»z u s e » d e n. Der Termin muh unbedingt c i n g e h a l t e n werden.

Die ZählnngScrgebnisse sollen nickst verössenilicht werden.

Gießen, den SS. Slpril 1915.

Grotzherzogiiches KreiSamt Gictzen.

Dr. Usingc r.

Bekanntmachung über stlcis.

«om SS. April 1915.

Ter Bundesrat hat aus Grund deS § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung deS Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen nsw. vom 4. August 1914 .Reichs Gesetztst. S. 327) folgende Ver­ordnung erlassen:

S 1. Wer Bollreis , Bruchreis oder R c i S m e h 1 Niit Beginn des 2 9. April 1915 in Gewahrsam bat, ist verpstickstct, die vorhandelie» Mengen getrennt nach Ar­ten und Eigentümern unter Nennung der Eigentümer der Zen­tral Ciiikmifs-Gescllschast in. b. H. in Berlin anzuzcigcn. Tie Anzeige ist bis zum 29. April 14>z zu erstatten. Anzeigen über Menge», die sich mit Beginn des 29. April 1915 auf dem Trans- port befinden, siild unverzüglich nach dem Enipsange von dem Elnpiänger zu erstatten.

Tie Anzeigepslicht erstreikt sich nicht

1. all,' Mengen, die iin Eigentume des Reichs, eines Bundes­staates oder Elsast-Lothringens, insbesondere im Eigentume der Heeresverwaltungen oder der Marineverioaltnlig stehen,

2. auf Margen, die insgesamt welliger als zwei Doppelzent­ner betragen.

Geht der Gewahrsam an den angezeiglen Mengen nach den, 29. April 1915 aus einen anderen über', so bat der Anzeigcvtlick)- >:gc der Zentral Einkauis-Geseltschast m. b. H. aus deren Erfor­dern auch den Verbleib der-Biengen a»znzeig,n.

-i 2. Wer mit Gegenständen der im § 1 bezeichne!«! Art han­delt oder sic im Betriebe seines Geioerbcs hcrstellt, oder sic sonst rm Besitze hat, hat sie der Zentral-EinkausS Gesellschaft in. b. H. aus Aitisordeniiig käuflich zu überlassen. Die Aufforderung mutz bis spätestens innerhalb einer Woche nach Etnpfang der Anzeige iS 1 Abs 1, 3) erlassen werden.

Xti- Aufforderung hat die Wirkung, das; Berändcrnilgen an den von ihr beirossencn Mengen und rechtsgeschästtiche Versü- 'ipugm darüber verboten find, solocit nicht die Zeritral-EinkanfS- i»"'"!1Iä,a't m. b. H. znstimmt. Den rechtsgeschästtichcn Vcrsid- «uugei! Iidira Versüaunaen gleich, die im Wege der Zwangsvoih- slreäuiig oder Arrestvollziehuttg erfolgen. Trr Ausgcsorderte bat Iür ÄpsbUrhcuugnd pflegliche Behgndlnna zu sorgen, er hat

auch der Zentral-Einkauss-Gcsellichast »r. b. S. aus Erfordern Sttis- fimft zu geben und Muster der eiirzclncn Reismciigcn zu übersen­den, auch ihre» .Vertretern die Besichtigung der Mengen zu gc-

^^^Die Zentral-Einkauss-Gesellschast m. b. H. hat dem Ailsaesor- hersten binnen zwei Wochen nach Erlast der Aufforderung zu er-

übernehmen will. Mit de

klären, ivelche Älengen sie käuflich übernehmen will. Mit dein Ab­laus der Frist erlischt die Wirkung der .Aufforderung, folucit die Nebernahme nicht verlangt ist. ,

Diese Vorschriften gelten nicht für Mengen, die rm Eigcn- tnmc des Reichs, eines Bundesstaates oder Elsast-Lothringenls, insbesondere im Eigentume der Heeresverwaltungen oder der Marinevcrwaltung, oder eines Kommiinalverbandes stehen.

8 3. Tie Zentral Einkauss-Gesellschast nt. b. H. hat sür die von ihr übernommenen Mengen dem Verkäufer eiueu ailgemeisencu ileberiiahmeprcis zu zahl«,. Sie darf für de« Toppelzenlner höchstens bezahlen bei: .

Patna Reis, grob, 76 Mark, Patna Reis, kurz, r0 Mark, Spanischem Reis 72 Mark, Ftalienisck'em Glace Reis 72 Mark, Italienischem »nalaciericn Reis 98 Mark, Siam Patna, grob, 70 Mark, Siam-Patna, kurz, 66 Mark, Arracan 69 Mark, Moul- mein 69 Mark, Bassein 64 Mark, Rangoon, grob, 62 Mark, Rangoon, normal, 60 Mark, Rangoon, Stürzung, 59 Mark, Bruchreis I 44 Mark, Bruchreis II 40 Mark, Bruchreis III, IV 40 Mark, Reismehl sür Eßzwecke 50 Mark.

Neben dem NeLcrnahmepreis ist für die Aufbewahrung c>uc angemessene Vergütung zu zahlen, deren Höhe die höhere Ver- waltnngsbehördc des Ansbclvahrnngsortes endgültig seslsetzt.

Der Reichskanzler kann die weiteren Bedingungen der Uebcr- lassnng festsetzen.

8 4. Erfolgt die »cberlassung nicht freiloillig, l» wird das Eigentum ans Antrag der Zcntral-Einkaufs-Gesellschast i». b. Ä. durch die zuständige Behörde auf die Zcntral-Einkanfs-Gesellschast m.b. 8. oder die von ihr in dem Antrag bezeichnet« Person über­tragen. Die Anordnung ist an den Besitzer der Mengen zu richten. Das Eigentum geht über, sobald die Anordnung dem Blitzes zugeht.

8 5. Kommt zlvischcn den Beteiligten eine Einigung über den Preis nicht zustande, so wird er von der höheren Verwaltungs­behörde endgültig sestgeseht. Diese entscheidet ferner endgültig über alle Streiligketten, Ine sich »nnschen den Veteilichen ans der Anitvrderung zur Ilebcrlassnng und aus der llebcrlassnng ergebenst

8 6. Tic Zentral-Einkauss Gesellschaft m. b. H. darf nur an Kommunalverbände oder an die vom Reichskanzler bestinimlen Stellen abgeben.

Ter Reichskanzler bestimmt die Bedingungen, unter denen die Zentral-Einkanfs-Gesellschast m. b. H. die von ihr übernom­menen Mengen zu verteilen und abzngeben hat.

8 7. Ter Reichskanzler kann von den Borschnsten dieser Ver­ordnung Ausnahmen gestatten.

8 8. Die Vorschriften dieser Verordnung beziehen sich nicht ans Gegenstände der im 8 1 bczeichneten Art, die selbst oder deren Robstossc nachtveislich nach dem '26. April 1915 ans dem Ans land cingeführt worchen sind. e

8 9. Mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder m i t G c l d ft r a s c b i s z n f ü n f z c h >i t a u s e n d M a r k lv i r d b e st r a f t:

1. wer die im ßl vo r g e s ch r i c b e»e n Anzeigen nicht erstattet oder wer w i s s e » t l i ch u n r i ch - t i g c oder u n v o l l st ä n d i g e Angaben macht,

2. >v c r u n b c s n g t Mengen, die von einer Ausfor- derung nach §2 Absatz 1 bctrosfen sind, bes­serte schasst, beschädigt, zerstört oder ver­braucht,

3. w c r einer B c r p s l i ch t u u g nach 8 2 Absatz 2 S a tz 3 zu w id e r h a n d c l t.

8 10. Tic Landcszcnlralbchörde erlästt die Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung. Sic bestimmt, >ver als höhere Vettvalluugsbehördc, als zuständige Behörde und als Konimuual- vcrband inr Sinne dieser Verordnung anznschou ist.

8 11. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Bcrlündnng in Kcast.

Ter Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Jttchcr'rast- trctcns.

Berlin, den 22. Aprit 1915.

Ter Stellvertrelcr des Reichskanzlers.

Delbrück.

Vekanutmachun» iibcr stleis.

Vom 26. April 1915.

Im Sinne der Verordnung des Bnndesrats über Reis vom 82. Avril 1915 ^R.G.Bl. S. 237) sind anzuschen:

a) als höhere Bertvaltungsbehörde der Kunsansschntz:

b) als zuständige Behörde das Kreisamt;

c) als Kvminnnalverband der Kreis.

Tarmstadt, den 26. Aprit 1915.

Grohherzogliches Ministerium des Innern.

v.jt ü in 1) e v g f Krämer.