Ausgabe 
23.12.1916 Drittes Blatt
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m.592 Drittes vlatt

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(66. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Tberheffen

Samstag. 2?. Dezember Mb

ZwillingSrunddruck und Verlag:

B r ü hl'jche Universitäts-Buch-rr.Stemdrrrckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Seschäftsftelle und Druckerei:

Schulstraße 7. Geschäftsstelle u. Verlag:

Schriftleitung: SE 112.

Anschrift für Drahtnachrichten:AnzeigerGießen.

Uriegsbrrefe aus dem Osten.

SBüit irnjercm zum Oftheer entsandten Kriegsberichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.!

Drei Weihnachten an der Ostfront.

~ w Ostfront, im Dezember 1916.

Olik-n das russische Trommelfeuer

mxi) ^rcK eingesetzt, die österreillffschen Armeen ?.^ir d5n Raird der oberitalienischen Ebene vor, ^ Skagerrak war gewonnen, die Nachricht van «mbic Front gekommen, da saßen wir in der

vr^rr' schon sommerweichen Abend

o« mrffycte Artillerredonn-er vom Nawczsee war langst ver-

Mond an. Plötzlich sagte ein junger Wechnachiben wohl zu Hause feiern?" Ä!^ geneigt, die, Frage zu bejahen.

im Höhepunkt der russischen Offensive, sah anders ans. Am 28. August erfolgte dann die *5rL l '~*!L ' da sah man das 'dritte Kriegsweih-

^te bissen die Zähne zusammen in den Schützen- M deir Karpathen. Die Kampflust nahm afu. Was, Weihnachten? Die Ruffen durften nicht durch, die Ru- F^H 1 Machte an den Tag, an die Stunde, die wrll war, voll Not und Qual, voll Kampflärm und Ddannessterben. Der grüne Baum mit den Friedenslichtern schien auf der zer- rriienen, gvanatenzerfetzten Erde keinen Raum zu haben.

Hrndenourg wurde Generalstabschef. Die Kräfte der Armeen schienen^ sich zu verdoppeln. Das Marschieren begann, der riesen- groste Schichfpiel«: setzte seine Figuren. In kaum glaublich aus- gcnutzter kurzer Zeit standen die Offensivarmeen bereit, die Ost- fwnt war neu und stark hergestellt, Rumänien wurde vernichtend g^chiagen, die Hauptstadt besetzt, gewaltige Offensivkräfte zeigten stch ungebunden. In diesem Augenblick greifbarer militärischer Überlegenheit und unumstößlicher Erfolge sprach Deutschland das WortFriedet.

Es ging wie eine heiße Welle durch die Front, man sah, wenn auch noch flackerig im Kriegswind, doch die Friedensweih- nachtslrchter schüchtern brennen. Dein selbst 2y 2 Kriegsjahre haben beim deutschen Soldaten den Glauben nicht zerstört, daß ehrliches gutes Wort Ohren ffnden müsse. Sie übersahen dabei, daß Wort und Angebot Nicht von Schützengraben zu Schützengraben gingen, sondern zu Leuten nt gut durchwärmten Londoner und Peters- itturger und Pariser Ministerstuben, die scheinbar völlig abge- drchtete Türen gegen den Sterbensschrei von den Schlachtfeldern haben.

Also zum drittenmal Weihnachten im Felde: Man trägt's mit den anderen bitteren Lasten, aber es wird ans der Rechnung verbucht. Tie leichtfertige russische Polterrede wie das kMre Ber­ühren, das man sich in London überlegt hat, weiden einmal beantwortet sei». Da man die Sprache der Menschenzunge nicht hören will, da man die Helligen Friedensbotschaften, die selbst abg-chärtete Herzen weicher machen, nicht merken will, so müssen die Mäuler der Kanonen weiter ihre entsetzliche Sprache reden Wiede r gehr eine Welle, eine heiße Weibe der Erschütterung und Erbitterung durch die Front. ... -

m

Bei der Erinnerung an die zwei vergangenen Kriegsweihnacht en kommt neben dem Wissen, daß es nicht gerade leichter geworden ist. das freundlichste und schönste Fest fern von aller Kinderzärttic^ keü und Frauengüte zlu stimm, auch das Bewußtsein, daß die Last zwar größer geworden ist> aber auch der Erfolg, der mit ihrem Tragen erreichst wurde.

Wir war das, Weihnachten 1914? Am letzten Adventssonntag war ich in den Stellungen bei Gumbinnen. Die Russen hielten ja noch einen Teil Ostpreußens besetzt. Ich saß in einer Stunde beim

wie Weihnachten das deutsche Heft wurde.

Weihnachten ist das deutsche Fest schlechthin. Mes Hohe Vnd Hellige, alles Schöne und Zarte, was deutscher Glaube, deut­sches Gemüt .und deutsche Kunst empfunden und erschaut hüben, ist mit verklärendem Schimmer Um diese Feier gebreitet. Mle geistigen Erlebnisse des deutschen Volkes spiegeln sich seit dem 14. Jahrhundert, ha die Weihnacht' zu einem Wesensstück deutschen Seins wurde, in der Geschichte unseres Christfestes bald heller, bald dunkler wieder. Wo Weihnachten gefeiert wird, wo der Lichter bäum strahlt, auch bei denen, die heut unsere erbittertsten Feinde sind, da beugen sich die Menschen verehrend vor deutscher Art, die unauflösbar verwoben ist mit allem Weihevollen dieses Tages. Wie aber konnte das Jesus-Geburtsfest, das in Rom eingesetzt und im Orient ausgebildet wurde, zu einem so deutschen Feste werden? Es hat langer Jahrhunderte bedurft, bevor die zuerst ftemdartigen christlichen Vorstellungen so innig mit ger­manischem Glauben und Fühlen in Eins verschmolzen, daß die deutsche Weihnacht daraus geboren wurde. Das Fest war zunächst in Deutschland durchaus nicht volkstümlich, zumal die Germanen Um jene Zeit nie eftr Fest'gefeiert hatten. Es gibt keine altgerma­nische Feier der Wintersonnemvende, die mit Christi Geburt zu­sammen ge fallen wäre, sondern das alte Julfest war eine Feier des Winteranfangs, wie aus der Bedeutung des Namens Jeochol Sch nee sturm hervorgeht. Diese Monate-des Winteranfangs, No­vember und Dezember, waren für die alten Deutschen eine Zeit ahnungsvoller geheimnisreicher Stimmung, in der wieder beson­dere Nächte einen besonderen schauerlich gewaltigen Zauber aus­übten. Daß das Weihnachtsfest zunächst auch mit solchen ^Weih­nächten" in Verbindung stand, beweist der Name, der anfänglich nur als Plural austritt. Die christliche Einsetzung derZwölf­ten", der 12 heiligen Mächte, hat also einen altgermanischeni Hintergrund, aus dem die heidnischen Gestalten immer deutlicher in den Lichtkreis der Festeszeit traten. Die Kirche hatte den Jahresanfang -aus den Tag der Jesusgeburt, den 25. Dezember, gelegt, und auch in Deutschland setzte die Kölner Kirchenversamrw- lung vom Jahre 1310 Weihnachten als Beginn des Jahres fest. Ein Kampf entspann sich nun zwischen den alten Marksteinen des Jahres Und dieser neuen .Einrichtung, und die Kirche benutzte geschickt die vorhandenen Bräuche und Feste, um sie mit den Tagen ihrer Heiligen und mit ihren Zeremonien zu verknüpfen., So war das Tor geöffnet, durch das der altdeutsche Volksglaube, in die Weihnachtszeit emströmen und die chrislliche Gedankenwelt mit seiner Phantastik utth- Poesie durchsetzen konnte. Alles Wun­der und aller Segen, der die heilige Nacht so hoch hinaus hebt über alle anderen Nächte, ist auf diese Weise entstanden. Dahin ge­hören die merkwürdigen Gebräuche, ans denen man die Zukunft erkennen kann; dahin gehört die Sitte des Beschenkens, die aller­dings überhaupt eine Begleiterscheinung des Neujahrstages ist. Ihr tiefster Sinn bericht aber darin, daß ein Glück an diesem Tage Segen fürs ganze Jahr nach sich zieht. Segensreich dünkte es auch dem alten Germanen, wenn er bei Winterb^grnn immer­grüne Zweige oder Bäume ins Haus brachte. Die Macht des BlühenS und Sprießens war so gleichsam an seine Schwelle ge­fesselt. Mit der Segenskraft des Grüns verband sich die des

Regimentssbrb, der in einem halbzerschossenen Gutshause lag. ÄÜ?' es ansing fchummrig zu werden, meldete eine

Ordonnanz:6 Wagen, 2 vom Regiment und 4 andere, werden m 10 Minuten mit 1600 Wdihnachtspaketen hier sein."

Das sind ja mindestens drei große Stuben voll," sagte der .Kommandeur in kölnischer Verzweiflung. Man hielt geradezu Kriegs rat, wr-e man die Geschenke verstauen könnte.

,^n der Scheune gcht's nicht, da schießen sie dos ganze Zeug Womöglich zusammen."

Schließlich wurde beschlossen, die ganzen Pakete in den großen Reservcunterständeir dichit beim Gutshaus bei Laternenlicht batall- lonsweise zu ordnen.

Tie viele Mühe und Liebe in den 1600 Paketen", sagte der Oberleutnant.Sie glauben nicht, wie auch die Armen und Aller­ärmsten sich mühen, den Truppen was zu schicken. Harte Hände stricken dre fernsten, iveichen Schals, müde, sorgenvolle Finger mm>en so sorgfältig hübsche Bündel zusammen und binden ihre Gedanken und ihre ganze große Frauentapfierkeit mit hinein."

Am heiligen Abend selbst war ich in der Stadt Lötzen und der Feste Bo Yen. Aus irgend einem Grunde war das Gaslicht nicht in Ordnung. In den schmutzigen Straften, die voller Soldaten waren, me noch etwas für Weihnachten mit hinausnehmen wollten in die Stellungen, konnte man nicht die Hand vor den Augen sehen. In dem Lokal, in dem wir zu Tritt zu Abend aßen, beleuchteten Stearinkerzen die Räume. M /imb zu lieft einer der Herren seine Taschenlampe aufflaurmen, well es ihn doch interessierte, genauer zu sehen, was er eigentlich äße. Unablässig donnerten dabei zum begrünenden Abend die schweren Geschütze.

Noch am selben Abend führen wir über hart gefrorene Wege durch Ostpreußen nach Insterburg zurück. Der Schnee glänzte au.s -"Feldern und Tannenbreiten, leuchtete über die schlafenden Dörfer und kreiselte immer von neuem von dem bannigen Himmel hernrÄ>er. In den Dörfern sah man Weihnachtslichtschein hinter den Fenstern. Me uns noch begegnenden Kolonnen hatten alle ihre grünen Dannenbäumchen bereit neben ihrem Sitz. In den Dorftlraßen gingen Soldaten beladen wie Weihnachtsmänner mit Paketen. Die Glocken riesen über das weite, weifte Land.

Sicher, es gab ntehr zum Schicken und znm Schenken, als in diesem Weihnachten 1916 aber der Russe war noch in Ost- preuften.

Es kam der SiegessomMer 1915Ut Unsere Festnngstied".

. Den zweiten Kriegswechnachten feierten unsere Truppen überall rm Osten aus erobertem Gebiet. Ich war in der Heilige:! Nacht bei einem Landsturmbatalllon an der Mitauer Strafte. Es war bitterkalt, über 10 Grad-, und der Schnee stiebte unbändig vom Himmel herab, so daft man froh war, ein Dach über dem Kopf zu haben, froh war, den meterhohen Schneewehen draußen entron­nen lzu sein. In der kleinen russischen Dorfkirche spielte ein Lehrer, der bei dem Bataillon war, die Ovgel, an der die Pedale zerbrochen waren,Stille Nacht, Heilige Nacht". Die vielen) nicht mehr jungen Svldatengesichter, die der Krieg hart gezeichnet hatte, wurden stlll und andächtig. Sie sahen wohl durch weite Fernen.

Kameraden", begann der Ko-mpagniefühver seine kurze Weih­nachtsrede,das ist das zweite., Kriegsweihnachten. Würde es wohl leder gern anders feiern. Der Krieg dauert, wir find in Feindesland und tun unsere Pflicht. Haben da keinen Grund den Kopt hängen zu lassen, können froh sein und stolz sein, über -E fische Weihnacht in Feindesland. Im Osten, im Westen rm dwrden. im Süden stehen siegreich unsere Kameraden. Feiern wrr Weihnachten m dankbarer Demut, in heißem Gedenken, in Kameradschaftlichkeit, mit allen, die für deutschen Frieden käinpfen arbeiten, siegen.".

Das niederländische Dankgebet brauste durch den Raum.

Das wird auch die Rede für das dritte Kriegslveihncrchten sein. Dre Lippen smo noch schmaler geworden, die Augen haben noch

länger Leid gesehen. Inbrünstiger geht der Gesang durch die Ostfront^

Wir treten Aum Beten,

Zu Gott dem Gerechten,

Er schaltet und waltet Nach strengem Gericht..

RolfBrandt

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag, 24. D e z., 4 A d v. Gottesdienst. I» der Stadtkirche Vorm. 9V, Uhr: Pfarrer Schwabe. Nachm. 3 Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Montag, 25. Dez., 1. Weihnachtsfeiertag: Vorm. 9 1 /, Uhr: Pfarrer M a h r. Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus- u. Markusgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Abds. 5 Uhr: Pfarrer Hoff­man n . D i e n s t a g,, 26. Dez, 2. WeihnachtSseiertag. Vorm. 9^/^ Uhr: Pfarrer Schwabe. AbdS. 5 Uhr: Liturgischer Weth- nachtsgottesdienst. Pfarrer Mahr. Abds. 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.

In derIohanneslirche. Sonntag, 24. Dez., 4. Adv. Vorm.

Uhr: Pfarrer Hoffmann. Vorm. II Ithr: Kinderkirche

für die Johannesgemeinde. Pfarrer AuSfeld. Nachm. 3 1 /, Uhr: Weihnachtsfeier für die Kinderkirche der Johannesgemeinde. Pfarre, Ausfeld. - Montag, 25. Dez., 1. Weihnachtsfeiertag. Vorm. 9^/z Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte u. heil. Abend­mahl für die Lukas- u. Johannesgemeinde. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Abds. 5 Uhr: Pfarrer A u s f e l d. Dienstag, 26. Dez.. 2. Weihnachtsfeier­tag. Vornr. 9% Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abds. 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheirner. Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Berein. Mittwoch, 27. Dez., abdS. 8 Uhr: Weihnachtsfeier feier im Markussaal, Kirchstr. 3. Sonntagsverein für Mädchen. 2. WeisnachtSfelertag, nachm. */,4 Uhr: Weihnachtsfeier.

Sonntag, 24. Dez.: Kirchberg vorm. 10 Uhr; Lollar nachm. IV, Uhr; Mainzlar abds 6 Uhr. 1. Weihnachtsfeier­tag, 25. Dez.: Kirchberg vorm. 10 Uhr. (Heil. Abendmahl für Staufenberg.) Kollekte für die Heidenmission. Nachm, b Uhr: Liturgischer Weihnachtsgottesdienst. (Kollekte.) 2. WeihnachtS- fetertag, 26. Dez.: Vorm. 10 Uhr; nachm« 4 Uhr: KindergotteS- dienst. Dekan G u ß m a n n.

katholische Gemeinde.

Gottesdienst. Samstag, den 23. Dezember: Nachm. 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag, 24. Dez., 4. A d v e n l s - S o n n t a g. Vorm. 6 /, Uhr: Gelegenheit zur hell Beichte. Vorm. 7 Uhr: Heil. Mesie. Vorm. 8 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Heil« Mefie mit Predigt. Nachm. 5V, Uhr: Andacht. Nachm. 5 Uhr und abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Montag, 25. Dez Weihnacht?- fest. Vorm. 5 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Vorm. 5 Uhr: Christmette. Vorm 6, 6'/., 7, ?V, Uhr: Hl. Messen. Borm. 9 Uhr : Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt Militärgottesdienst. Nachm. 5V, Uhr: Feierliche Vesper mit Segen. Nachm. 5 Uhr und abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Dienstag, 26. Dez., Fest des hl. Stephanus. Vorn,. 6 1 /, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte; 7 Uhr: Hl. Messe. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Militärgottesdienst. Nachm. 5V, Uhr: r^est-Andacht mit Segen. Freitag abend 8 Uhr ist Kriegs- btttandacht. Diaspora-Gottesdienst. Am 24. Dez.: fln Grünberg 9V, Uhr, in Hungen 9ff, Uhr. Am 26. Tez. In Grünbcrg 9 1 /, Uhr, in Hungen 9V, Uhr, in Li. '

Achtes, das man in dieser dunkelsten Zeit als ein Unterpfand der siegenden Lvnne entzündete. So ist das Anstecken der Lich- ter am grünen Baüm ein Symbol des Blühens und des Glückes und so ist der deutsche Lichterbanm, der sich freilich erst iw 18' und 19. Jahrhundert vom Elsaß ans über Deutschland verbrei- tete, die höchste Gabe der deutschen Weihnacht an die ganze Welt, ein echtgermanischer Bolksbranch, der sich im Gegensatz zur Kirche erst langsam einbürgerte. Ms sein Vorläufer Tann der Julblock gelten, der kcäftereiche Holzklotz, der am helligÄi Mend die ewige Dauer des Verdieners gewährleisten soll. Wie im Christblock" so ist auch in den weihnachtlichen Essensgebräuchen die Erinnerung an altdeutsche Opferfeste lebendig. Me Fest- maUzeit, die im deutschen Weihnachten eine so große Rolle spielt, hängt zusammen mit dem Schlachten des Ebers, dem Backen der Kuchen am Julfest, und die Reste des Mahles dienen auch im Weihnachtsbrauch noch zu besonderen Zaubern und Opfern. Ebenso tverden die Heiligen der Kirche von der deutschen Phantasie zu heimischen Geisterii um^gedeutet. St. Martin erhält die Züge des bäuerlichen Weidegottes, wie erst jüngst Arnold Meyer in seinem gelehrten Buch über das Weihnachtsfest. überzeugend nachgewiesen.- St Nikolaus verschmilzt .mit dem altgermanischen Mntersckmtz- geift, dem Mnprecht, in eine Person. Christlich gefärbter alt­deutscher Volksglaube erfüllt so das neue Fest mit einem trauten und gemütvoll derben Geiste. Um 1400 ettva hat sich diese Um gestaltung schon vollzogen, wie wir ans dem Bericht des Pvesby. ters Msso entnehmen kömum, der als Geistlicher einen heftigen Kampf gegen diese volkstümlichen Sitten führt und doch ihre Be­deutung anerkennen muß. Neben diesen heidnischen Zügen aber hat sich die Stimmung der chrisllichen deutscheii Weihnacht um die Krippe in Bethlehems Stall gebildet, die erst in Deutschland ihre reiche Ausgestaltung erfuhr. In der Sitte des KiMein- wiegens, in den idyllischen lWeihnachtsspielen beseelen und er­füllen Glaube, Dichtung und bildende Kunst die orientalisch-anttken Erzählungen mit urdeutschem Geist. Um das Kindlein in der Wiege entfaltet sich das schönste deutsche Familienleben, und deutsche Schäfer beten es an zusammen mit Ochs urrd Eselern. Nim erst wird Weihnachten zu einem Familienfest, zum Fest der .Kinder. Durch das magische Helldunkel dieses Lichtes, das im deutschen Weihnacktsbrauch von der Wiege her strahlt, erhalten Bescherung und Lichterbanm einen eigentümlichen Glanz. So fest und un­auflöslich dos Weihnachtsfest mit der kirchlichen Feier verbunden bleibt, es ward doch erst durch den deutschen Geist zu einem Familienfest, zur Feier eines gmizen Volkes, von Groß und Klein, Hoch und Niedrig, zur deutschen Weihnacht.

Zur Psycholo gie des Geru chsi uns. Daß die Ge­ruchswahrnehmungen im allgemeinen viel komplizierterer Natur sind als der Laie anznnehmen pflegt, geht ans der Tatsache her­vor, daß die GeruckDwahrnehmungen fast stets gleichzeitig auch mit andereii Sinneswahrnehmungen, und zwar in der Mehrzahl mit optischen Eindrücken, verbunden sind. Im prakttschcii Leben wird aber meist das Zusammenwirken von GeruchswahrnehMurig und optischer Wahrnehmung kaum beachtet. Anßerdeni ist es für eine Geruchsempfindung durcharis nicht gleichgültig, ob man nur mit einem Nasenloch oder mit beiden gleichzeitig riecht, und ob dabei nur ein oder aber ztvei verschiedene Riechstoffe irnfgenommen

werden. Nähere Feststellungen über die Psychologie des Gcruch- smnes machte am Psychologischen Institut der Frankfurter Uni­versität der Forscher H. Hennig auf Grund ebenso einfac^r wie lehrreicher Versuche. Ziach den hierüber veröffentlichten Mittei­lungen in der naturwissenschaftlichm Umschau der Chemiker-Zei- tting wirkten bei den von Hennig angestellten Experimenten 76 Per­sonen mrt, und zwar 30 Versuchspersonen und 46 Hörer der Uni­versität. Zum Zweck der Versuche wurden insgesamt 415 Riech- ßoffe verwendet, außerdem wurden das chemische Laboratorium der Palmengarten und der Zoologische Garten auf sog.Riecht exkurstonen" besucht. Der größte Teil der Versuche wurde ganz unwissenlchaftlich vorgenommen, in einfachster Wei)e, d. h. dir be- tteffenden Versuchspersonen hatten mit geschlossenen Augen und ohne Zuhilfenahme anderer Sinneswerkzeuge den betreffenden Ge­ruch wahrzunehmen und ihr Urteil darüber abzugeben. Es kam also nicht derGegenstandsgeruch" in Frage, an dessen Zustande­kommen auch das Auge betelligt ist, sondern der von opttschcM 'Mid anderen EinMserr gänzlich freie Geruch, den manGe­gebenheitsgeruch" nennt. Hierbei konnte festgestellt werden, daß Me meisten Perivnen beim Aiechen mit gesMossenen Augen an­fangs dre Geriick>e auf ganz erstaimliche Weise verwechseln, so z. B memten Versuchspersonen Veilchen zu rieckwM wahrend es sich um Kaffee handelte, oder aber es wurde Terpentinöl mit Knob« wuch verwechselt. Hierdurch war einwandfrei erwiesen, daß die Rolle, dre das Auge im allgemeinen beim Rischen spÄt nichts weniger als unbedeutend ist. Weitere Versuche ergaben, Laß der Eindruck beim Riechen mit einem Nasenloch weniger reich ist, als Mit beiden Nasenlöchern. Weiterhin wurde die interessante Fest­stellung gemacht, daß bei den meisten Personen die Nastmldcher in bezug auf Me Oieruchstvahrnehmung nicht gleichwertig an Schärfe und Genauigkeit sind, sondern daß meist das linke Nasenloch hi dreier Hinsicht dem rechten überlegen ist. Aber iricht nur das Auge, sondern auch andere Sinneseindrücke wie der von Wärme obet, Kälte, )mb häufig mit dem Geruch verbunden. So erwecken Mo- ichus oder Helwtrvpin das Gefühl von Wärme, Schwefelkohlenstoff und Knoblauch hingegen eine gewisse Kälteempfindang. Auch auf die Geschmacksorgane wird durch Geruchwahrnehmungen ein Reiz ausgeübt, und die im Nasenrachenraum befindlichen Geschmacks­organe lassen uns bei gewissen Gerüchen sauer, süß oder bitter empsftiden. Zur Psychologie des Geruches gehört schließlich der an Die sog. Gedächtnisfarbe gemahnende Gedächtnisgeruch, da wir bei Erwähnung eines bestimmten Gegenstandes auch einen bestimmten Geruch zu empfinden vermeinen, trotzdem der Gegenstand und da- ^er auch sein Geruch in Wirllichkeit garnicht vorhan^den sind. Selbjt Me Einbildung von Tastempfindungen kann durch den riKf) geweckt werden. So erklärten einige Versuchspersonen bei Rosenöl nne deutliche Tastempfindung des Weichen zu verspüren etwa als ob sie Watte zwischen den Fingern hrellm. Das (&> samtergebnis der Versuche faßt H> Hennig in der HauptsE da- hm zusamtnen, daß wir im Leben fast ausschließlich an Me t mt dem Anblick verknüpftenGegenstandsgerüche" gewöhnt sind Da­her die allgemein bekannte Tatsack>e, daß Weinirinken oder Rau­chen nrit geschloNenen Augen iveit roeniger Genuß gewährt als nmtn man den Wein und den Rauck) auch sieht Gerüche mit «, schioffenen Augen vermögen nur datier auck> nur selten und meist nur wlgenau mit den Mitteln der Sprache m chaEerisiercn.