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3.1.1916 Erstes Blatt
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Erster Blatt

166. Jahrgang

Mittag, Z. Januar 1916

Der «etzever Lrrzeßßer

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger s»r Oberheffen

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NeujahrzhoffnMgen im In- mb Auslande Cm britischer postdampser versenkt.

(DTB.) Grotzes Hanptquartier, 31. Dezember. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nach erfolgreicher Sprengung wurde den Engländern nordwestlich von Hulluch ein vorgeschobener Graben ent­rissen. Zwei Maschinengewehre und einige Gefangene fielen in unsere Hand.

Ein feindlicher Fliegerangriff auf Ostende richtete in ider Stadt erheblichen Gebüudeschaden an, wobei besonders auch das Kloster vom Heiligen Herzen gelitten hat. Neunzehn belgische Einwohner sirw verletzt, einer getötet. Militärischer Schäden ist nicht entstanden.

Oestlicher und Balkankriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 1. Januar.

(Amtlich.)

W e st l i ch c r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

OestlicherKriegsschauplatz.

Bei Friedrichstadt scheiterte ein über das Eis der Düna geführter russischer Angriff in unserem Feuer.

Feindliche Jagdkommandos und Patroillen wurden an mehreren Stellen der Front abgewiesen.

Nördlich von Czartorysk stießen stärkere deutsche -mti» österreichisch-ungarische Erkundungsabteilungen vor. Sic nahmen etwa 50 Russen gefangen und kehrten nachts in ihre Stellungen zurück.

Oesterreichisch ungarische Batterien der Armee des Ge­nerals GrafenvonVothmer beteiligten sich wirkungs­voll flankierend an der Abwehr russischer Angriffe südlich von Bnrkanow.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

WTB.) Großes Hauptquartier, 2. Januar. (Amtlich.)

W e st l i ch c r K r i e g s s ch a u p l a tz.

In der Nacht zum 1. Januar wurden Versuche stärkerer englischer Abteilungen, in unsere Stellung bei F r e l i n g - hem (nordöstlich von Armentieres) einzudringen, vereitelt.

Nordwestlich von Hulluch besetzten unsere Truppen nach erfolgreicher Sprengung den Trichter.

Bei der Eroberung eines feindlichen Grabens südlich des Hartmannsweilerkopfes fielen über zweihundert Gefangene in unsere Hände.

O c st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

An verschiedenen Stellen der Front wurden vorgehende schwächere russische Abteilungen adgewiesen. Nördlich des Dryswjaty-Sees war es einer von ihnen gelungen, vorübergehend bis in unsere Stellung vorzudringen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

O b e r st e H e e r e s l e i t n n g.

Fn Neu Stegeshoffnungeii, wie sie zum Jahreswechsel ian hohen Stellen der kriegsfüh-renden Länder zum Aus­druck gekommen sind, macht sich ein Unterschied bemerk­ter. Unser Kaiser hat in seinem schönen, hochgemuten Handschreiben an den Gen eral stab schef v- Falkenhayn noch einmal kurz, die Runde durch die Schlachte ncreignisse des Jahres gemacht und! dadurch alle Gemüter im Glauben an ein neues, kommendes Siegesjahr gefestigt. Der Präsi­dent Poincare hat der französischen Armee ebenfalls Worte von Schwung und Begeisterung gewidmet, und cs sei uns ferne, seine Gesinnung, die an den schweren -Opfern, dem tapferen Aushalten seines Volkes haftet, zu verspotten. Wer er hat die Aufzählung der bisherigen Grfvlge Frankreichs und seiner Bundesgenossen völlig ver­gessen. Ja, er hat nicht einmal aiuff eine Siege statsache fernen Ausspruch gegründet, daß Frankreich an' der Seite ferner Verbündeten den .Krieg fortführen müssebis zur Vernichtung des derttschen Militarismus".Ihr werdet siegen", so ruft der Präsident den französischen Soldaten Au, die bisher ihre Front nur deshalb haben -behaupten können, weil die deutsche Heeresführung zunächst andere Ziele ins Auge fassen mußte. Wenn aber die Stunde kommt wo .Herr von Falkenhayn den Vormarsch nach Westen unter Aufbietung aller deutschen Kräfte anordnen darf? Wenn dann die russischen und englischen Bundesgenoijcn in ähnlicher Weise an ihren eigenen Fronten festgehalten werden wie jetzt Frankreich? Aber Herr Poincars hat doch auch noch von anderen Möglichkeiten gesprochen, die offenbar in der Meinung seines Volkes umgehen. Er betonte, daß der Einsatz dieses Krieges -ein furchtbarer fei und verteidigte feine Haltung gegen die­jenigen, die etwa zum Frieden neigen sollten. Ist aber der -Ausspruch, daß die Nation zu wählen habe zwischen resiq- n te xt ent Vasallentum oder wirtschaftlicher Unab­hängigkeit und nationaler Selbständigkeit nicht eigentlich

ein Zugeständnis der schlimmen Lage, in der sich Frankreich befindet?Jeder Friede", so klagt das fran­zösische Oberhaupt,der in verdächtiger, zweideutiger Form unter fragwürdigen Abmachungen und falschen Kombinatio­nen Frankreich dargeboten werden sollte, würde ihm unter trügerischer Außenseite doch nur Unehre, Ruin und Knecht­schaft bringen können." Sind das nicht auffällige Worte?

Der König von England hat ein Ncujahrsschreiben an Poincars gerichtet, von dem es sich nicht lohnt, den phrasenhaften Inhalt ausführlich Wiederzug eb en.Die glänzenden Eigenschaften" der französischen Kämpfer sollen die sichere Gewähr für den fchließlichen Frieden dar- stellen". Den Zaren hat König Georg zum britischen: Feldmarfchall ernannt. Das alles sind Verzierungen der neuen Jahrespforte, die zwar festlich glitzern, aber nur Eintagswert haben, da sich keine Türme darauf bauen lassen. England wird im Jahre 1916 die Völker nicht mehr derart in Ketten halten können wie ehemals, und das französische Volk wird vielleicht doch einst eine andere' Wahl treffen als'Herr Poincare ihm empfohlen hat.

In Griechenland ist in den letzten Tagen nichts wesentlich neues geschehen. Denn die Fortschleppung der Konsuln Deutschlands und seiner Verbündeten aus Salo­niki ist nur insofern wesentlich, als damit die Entente einen neuen Beweis der schroffen Mißachtung griechischer Neutra­litätsrechte liefert. Ueberraschend kam diese englisch-fran­zösische Anmaßung keinesfalls. Sie ist höchstens noch ein Zeichen dafür, daß sich der Himmel über der griechischen .Hafenstadt mehr und mehr schwärzt. Schon haben deutsche Flieger in die dortigen Befestigungsarbeiten unserer Feinde hineingeschaut und einige platzende Grüße herab geworfen. Mackensen, war in Sofia, wo wegen des Fortganges der Balkannnternehmungen verhandelt worden ist, und auch der österreichisch-ungarische Oberkommandierende Feldmarschall Erzherzog Friedrich hat inzwischen nach der feierlichen Ein­weihung der Semlin-Belgrader Eisenbahnbrücke, die am 30. Dezember stattgefundcn hat, mit dem König Ferdinand in Semendria eine längere Zusammenkunft gehabt.

Von den letzten Vorgängen ans dem SeekriegtsschaU- Platz ist besonders hervorzuheben die Versenkung eines' englischen Postdampfers, der nach Indien unterwegs' war, vor Kreta. Wieder sind, wie im Falle derAnoond"> Passagiere dabei zugrunde gegangen, und wieder waren auch drei Amerikaner dabei. Es wird schon seine Richtig­keit haben, daß solche englischen Dampfer, die Kontrebande an Bord haben, nicht versäumen, stets auch einen oder mehrere Amerikanerziem Schutze" mitzusüh«ren. Denn dann kann der Kapitän nach Belieben vor deutschen und öster­reichisch-ungarischen U-Booten flüchten oder sie gar be­drohen, und bei Maßregeln des Gegners ist der erwünschte Konfliktstoff zwischen Herrn Wilson und den Zentralmäch?- ten gegeben. Wir bedauern natürlich auch in diesem neuen Falle der Torpedierung eines Tampsers den Tod zahlreicher Passagiere, müssen aber immer wieder der Verwunderung Ausdruck gebän, daß die mehrmals verkündete Todesgefahr an Bord britischer Schisse fortdauernd Wagehalsige nicht zurückschreckt. Die Einzelheiten bei der Torpedierung der Persia" kenn wir noch nicht, und hinter die Rertter- Meldungen ist erfahrungsgemäß mehr als ein Fragezeichen zu machen. Möglicherweise wird Präsident Wilson, der durch eine versöhnliche Note Oesterreich-Ungarns schon halb- Wegs sich beruhigt hatte, neuerdings sich ins Mittel legen, denn es heißt, sogar der amerikanische Konsul von Aden sei an Bord derPersia" gewesen. Ohne große Aufregung sehen wir weiterer Aufklärung des Falles entgegen.

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 31.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 31. Dezember 1915.

N u s s i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Das Vorgekünde unsererStrnpafro nt war zwischen Bnczacz und Wisniowzcyk auch gestern der Schauplatz wieder­holter, mit starken Kräften geführter russischer Angriffe. Abermals brachen, wie an den Vortagen, die feindlichen Sturmkolonnen unter dem Feuer der kaltblütigen urpfcrcn Truppen der Armee Pflanzer-Baltin zusammen.

An der unteren Strypa und an der dessarabifchen Front hat die Tätigkeit des durch die letzten Kämpfe stark erschöpften Gegners vorläufig nachgelassen. Die Verluste, die die Russen in den vergangenen Tauen aus den ost- g a l i z i s ch e n G e f e ch t s f c l d e r n erlitten, über­steigen überall wcit d as gewöhnliche Maß. So lagen gestern an der Strypa vor einem Kompagnieabschnitt 161, vor einem anderen 325 russische Leichen.

An derStrypa, an der I k w a und an derPuti - lowka gab es keine besonderen Ereignisse. Am Kormin- bach und am Styx wurden abermals mehrere russische Vorstöße abgewiesen

Italienischer Kriegsschauplatz.

In Südtirol wurden zwei Alpini-Vataillone, die unsere Stellung südöstlich von Torbolc zweimal angriffen, abgewiesen.

An der K ä r n t n e r Front nahm die feindliche schwere Artillerie den Ort Wolffbach (südöstlich Malborghet) unter Feuer.

An der küstenländischen Front dauern die Geschütz- und Minenwerserkämpse stellenweise fort.

SüdöstlicherKriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstaüs v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Wien, 1. Jan. (WTB. Nichtamttich.) Amtlich wird verlautbart: 1. Januar 1916.

NussischerKriegsschauplatz.

Die Schlacht in Ostgalizien dauert unvermindert heftig an. Das Schwergewicht der Kämpfe lag auch gestern aus unserer Front an der mittleren und unteren Strypa. Im Raume nordöstlich von Buezacz traten kurz nach Mittag die russischen Artilleriemassen in Tätigkeit, deren Feuer bis in die Abendstunden währte, dann ging der Feind zum An­griff über. Seine Kolonnen drangen inzahlreichenAn- griffswellen stellenweise vier- bis fünfmal an unsere Drahthindernisse vor. brachen aber immer und überall unter der verheerenden Wirkung unseres Feuers zusammen. In der Nacht zog sich der Gegner, Hunderte von Toten und Schwerverwundeten Liegen lassend, in seine 600 bis 1000 Schritt entfernte Ausgangsstellung zurück., Auch die Angriffe, die die Russen bei Jaslowiec südlich von Buezacz und nächst Nscieezko am Dnjestr unternahmen, en litten das gleiche Schicksal wie die an der mittleren Strypa. An der bessarabischen Front verlief der Tag abermals ver­hältnismäßig ruhig. Die Stellungen der Armee des Generals Grafen von Bothmer an der oberen Strypa mW der Heeres­gruppe Boehm-Errnolli an der Jkwa standen unter feind« lichem Artilleriefeuer. Bei der Armee des .Erzherzogs Josef Ferdinand wurde ein russisches Bataillon zersprengt, das südlich von Berestiany vorzustotzen versuchte. Am Styr- Bug nordöstlich von Czartorysk überfielen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen mit Erfolg die feindlichen Vorposten. Bei Kolodia westlich von Rafalowka schkugon wir einen Angriff ab.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern beschoß die italienische schwere Artillerie neuer­dings die Orte Malborghet und Wolffbach. In der Neu­jahrsnacht unterhielt sie ein besonders lebhaftes Feuer gegen den Col di Lana. Die Lage ist u n v c r ä n d e r t.

SüdöstlicherKriegsschauplatz.

Bei Jpek wurden neuerlich vier von den Serben ver­grabene Geschütze e i n g e b r a ch t. An der Tara Ge­plänkel.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 2. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Januar 1916.

RussischerKriegsschauplatz.

Der Feind nahm nun auch seine Offensive gegen die bessarabische Front der Armee Pflanzer-Bal-! 1 i n wieder auf. Nachdem er schon in der Neuiahrsnacht zwei­mal und am darauffolgenden Vormittag ebenso oft vergeblich versucht hatte, in unsere Stellungen einzudringcn. führte er um ein Uhr nachmittags gegen die Verschanzunsen bei To - p o r o u tz einen neuerlichen starken Angriff aus, der von den tapferen Verteidigern im Handgemenge abgeschla­gen wurde. Zwei Stunden später drangen im gleichen Raume sechs russische Regimenter vor, die zum größten Teil abermals geworfen wurden. Nur in einem Ba- taillonsabschnitt ist der Kampf noch nicht abgeschlossen. Die Verluste des Gegners sind außerordentlich g r o ß. Auch unsere Strypafront nordöstlich von Buezacz griff der Feind am Neujahrsmorgen Der Angriff mißlang ebenso wie ein russischer Vorstoß - ' eine Schanze nordöstlich von Burkanow. Die Zahl der seit einer Woche in Ostgalizien eingebrachten Gefangenen reicht an d r c i t a u s e n d heran. Südlich von D u b n o und bei B e r c st i a n y im Kormingebiet wurden schwächere feind' lichc Abteilungen adgewiesen.

Italienischer Kriegsschauplatz^

Nichts Neues.

SüdöstlicherKriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs - v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Türkische Berichte.

Konstant in opel. 31. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Be­richt des Hauptquartiers.' An der Dar da nelle in front herrschte bei Sedd ul Bahr in der Nacht vom 29. zum 30. Dezember bis zum Morgen ein zeitweilig heftiges Gewehrfeuer und Bombenkämpfe. Am 30. Dezember fanden nachmittags luftige Kämpfe der Artillerie, der Infanterie und mit Bomben auf dem rechten Flügel statt. Zwei Kreuzer und ein Monitor beteilig-, ten sich an dem Feuergefecht auf den: Lande. .Unsere Artillcnü