Ar. 296 Drittes Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
*66. Jahrgang
Beilagen: „Gietzener ZamilienblStter" und ..Kreisblatt für den Kreis Sietzen".
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Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Samstag, *6. Dezember *9*6
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Brüh l'sche Universitäts-Buch-u.Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schristleitung, GeschästssteKe und Druckerei:
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Anschrist für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
)m deutschen Belgien.
Von einem Brüssler Mitarbeiter.
Die wallonische Bewegung.
B r ü s s e l, den 9. Dezember 1916.
Wer die belgische Flüchtlingspresse und auch die holländische Presse lieft, der könnte annehmen, seit einigen Wbchen denke man in Belgien Nur noch an die Arbeitslosen, die nach Deutschland reisen, um dort nach 27 monatlichem Nichtstn erleben endlich wieder einmal regelmäßige Beschäftigung zu finden. Die ententefreundlichen Zeitungen suchen denn auch der Angelegenheit ein ganz besonderes Interesse dadurch' zu geben, daß sie täglich Tartarennachrichten verbreiten, an denen kein wahres Wort ist. Ihr Wirklichkeit aber geht das Leben im besetzten Belgien seinen ruhigen Gang weiter. Es wird ebensoviel gearbeitet wie vorher und mit ebensolcher Ruhe wie seit Begirrn des Krieges. In den Straßen der Stadt Brussel herrscht das gleiche geschäftige Hastein und Treiben wie ehedem. Als Beweis dafür, daß tatsächlich alles seinen Weg weitergeht, möge dienen, daß in der letzten Zeit sich eine gewisse Bewegung xm Lande geltend gemacht hat, der man anfänglich kerne große Beachtung schenkte, die aber allmählich so gewachsen ist, daß man ihr eine ernste Bedeutung nicht abspvechen kann.
Es handelt sich um die wallonische Bewegung. Um diese zu verstehen, muß man zurückgrcifen auf die Zeit vor dem Kriege. Als im Jahre 1912 die allgemeinen Kammerwahlen nach einem beispiellos heftigen Wahlkampfe zuungunsten der vereinigten Opposition, also der Liberalen und Sozialdemokraten^ ansgiugen, erhob sich dieselbe zu einem scharfen Kampf geyen die katholische Partei. Iw einer außerordentlichen Session der Kämmer wurden während voller drei Wochen die schwersten Anklagen gegen die katholische Regierung des Herrn De Broguevftle erhoben. Man sagte ihm nach, er habe den Sieg durch unlautere Mittel erkämpft. Und als schließlich die Bewegung in ruhigere Bahnen einlenkte, da benutzte sie der sozialistische Wgeordnete für Charleroi, Jules Deströe, um Propaganda für eine separatistische Bewegung zu machen. Den Niederschlag seiner Agitation bildete ein offener Brief, den er an König Akbtert richtete. In diesem schön geschriebenen Brief verlangte er stürmisch die Bettvaltungstrennung für Belgien. Der König hat den Br«f nicht beantwortet, aber bei dem Nenjahrsempsang des Senats im ghre 1914 unter deutlichem Hinweis auf die von Destrve gesühnte ewegung zur Einigkeit gemahnt; das belgische Volk könne Großes leisten, wenn es einig sei, wenn die beiden Rassen sich ergänzten. Die Destreesche Bewegung wuchs kurz vor Beginn des Krieges, und sie verdichtete sich zu einer in Lüttich gegründeten wallonischen Liga, die als ihr Wahrzeichen den gallischen Hahn auf gelbem Grunde annahm. Ueber diesen Coawallon ist um jene Zeit viel gewitzelt worden und man muß gestehen, wie sich diese wallonische Liga um jene Zeit gebärdete, mußte sie den Spott der breiten Menge herausfordern Die Zahl ihrer Anhänger war nicht groß, denn sie wurde schon desbalb von oben herunter bekämpft, weil sie im Gfrunde gao keine Rassenbewegung war, sondern eine demokratische Bewegung gegen die klerikale Partei, die in Mllgien seit 28 Jahren die Ro- grerungsgewalt in Händen hatte. Es handelte sich also hier um den Ausfluß einer oppositionellen Minderheit, die wahrend der Wählen im Jahre 1912 eingesehen hatte, auf normalem agitatorischen Weg nicht zum Sturz der Regierung zu gelangen.
So lagen die Dinge, als der Krieg im Jahre 1914 ausbrach. Die Führer oer wallonischen Partei wurden mit der belgischen Regierung landslüchtig, und sie haben lange nichts von sich höreft lassen. Zu Beginn des Jahres 1915 hatten sie in Paris ein Blatt „La Wallonie" herausgegeben, das aber von der französischen Regierung unterdrückt wurde, weil es die bekannten annexionistischeft Ideen propagierte. Mit derarttgen Quertreibereien wollte die französisch« Regierung nichts zu tun haben, wenigstens wünschte sie nicht, daß sie von Fremdlingen, die die französische Gastfreundschaft genießen, weiter verbreitet würden. Durch die Unterdrückung dieser Zeitschrift^ wurde es einige Zeit still. Man hötte nichts mehr von den Wallonen, bis sie vor etlichen Monaten mit einer neuen Zeit
schrift ans dem Plan erschient, mit der ,^Dpiuion Wallonne", deren Hauptleiter Raymond Collehe wurde. Inzwischen hatten sich die Wallonen offerchar eines unangenehmen Schreiers, des Schriftstellers Louis Dumont-Wilden, enlledigt, der die Befähigung hat, alle Bewegungen, denen er sich anschließt, nach kurzer Zeit zu kompromfttieren. Er soll es auch gewesen ssinj, der die Zeitschrift .La Wallonie" in den Tod getrieben hat. Die neue Zeitschrift erschien mit ihrem alten Programm, mit dem Programm der administrativen Trennung; aber ihre geistigen Führer bewiesen von der ersten Nummer ab, daß der große Weltkrieg, in den auch Belgien hineingezogen wurde, nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen! war. Während die meisten Wallonen vor dem Kriege die flämische Bewegung bekämpften und zum Ausdruck brachten, daß sie das Recht der Flamen, ihr eigenes Leben zu leben, nicht anerkennen wollten, bejahte jetzt die neue Zeftschrift diese Frage. Sie geht sogar so weit, die Gründung der flämischen Universität in Gent zu begrüßen, und sie richtet den schärfsten Kampf gegen alle, die die imperialistischen Gedanken einiger belgischer Minister unterstützen; sie will weder holländisches, noch luxemburgisches, noch deutsches Gebiet annektieren, sondern das alte Belgien auf föderalistischer Grundlage her- gestellt wissen. Mit dem Temperament, das den Wällonen eigen ist, treten die Mitarbeiter der „Opinion Wiftbonue" für ihre Sache ein. Ihre Tätigkeit ist ans das besetzte Gebiet übergesprungen. Es haben sich nämlich die Wallonen auch in Belgien zusammengeschlos- sen, um ihrerseits die Verwaltnngstrannung aus den gleiche:: Gedanken heraus, aus denen sie die Flamen reklamieren, zu beanspruch chen. Die Zahl ihrer Anhänger ist so groß geworden, daß mit der Agitation im innerpolftischen Leben Belgiens fortan gerechnet werden muß ; sie ging dazu über, eine neue Zeitschrift zu gründen, die .L^Avenir Wallon", die mft großem Geschick das Programm der neuen wallonischen Bewegung verficht. Mft diesem Anwachsen der wallonischen Bewegung ist sie zu einer Rassenbewegung geworden, denn sie erkennt nunmehr an, daß Belgien aus zwei verschiedenen Vol^stämmen zusammengesetzt ist, von denen jeder einzelne das Recht auf Existenz hat, ohne daß der eine dem andern seine Sitten, seine Sprache oder seine Pohftik aufdrängen könnte. Die deutsche Verivaltnng hat in richtiger Würdigung dieser offen zutage getretenen Verhältnisse und in Fortsetzung dessen, was sie bereits für die Unterrichtssprache getan hat, im Unterrichtsministerium eine Aenderung vorgenommen. Dort gibt es eine wallonische, d. h. eine französische Abteilung und eine flämische. Durch diese Neuerung wird den alten Gesetzen, die die belgischen Parlamente angenommen batten, Rechnung getragen, und es wird dafür gesorgt, daß die Flamen iftcht wieder, wie es früher geschähen ist, in ihren Rechten geschmälert werden. Auch die wallonischen Zeitschriften begrüßen diese Zweiteilung im Unterrichtsministerium mft Freuden, und sie sind der Ansicht, daß es sich hieir um etwas handelt, was auch die belgische Regierung anstandslos, wenn sie wiederkehrvn sollte, nicht mehr unterdrücken kann, genau wie die Wallonen jetzt in Frankreich erklären, die flämische Universität in Gent sei für Zeit und Ewigkeit geschaffen. Daß diese Bekundungen der belgischen Regierung in Le Havre keine besondere Freude bereften werden, läßt sich denken, denn den Standpunkt, den das Ministerium gegenüber dresen separatistischen Gedanken einnimmt, kennt bis jetzt niemand. Zuerst hieß es, man werde später, wenn man wieder zurückgekehrt sei, gegen alle die Vorgehen, die unter der Okkupation die flämische Bewegung begünstigen/ por allem aber gegen die, die das bekannte Hochschulmanifest zugunsten der Genter Universität unterzeichnet haben. Einer der Minister hat erklärt, das sei unrichtig, trotzdem es das XXe Siöcle verbreitet habe; das Ministerium habe keinen Beschluß nach dieser Richtung hin gefaßt.
Aus alledem geht hervor, daß die jetzige Bcwiegnng ernst ist, daß sie Boden unter den Füßen hat und daß sie anwächst. Das merken die Herren in Le Havre, die immer gute Rechner waren, schon jetzt, und deshalb werden sie sich wohl auch hüten, voreilige Schritte zu unternehmen, die ihnen später unangenehm sein könnten. Im ganzen darf man die Bewegung begrüßen, weil sie eben den Beweis liefert, daß das belgische Volk aktiv ist und schon jetzt über seine Zukunft nachzudenken beginnt.
Kriegsbriese aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die neuen russischen Angriffe in den Waldkarpathen.
In den Karpathen, 13. Dezember 1916.
Nachdem in den Kämpfen des August und September durch die siegreichen deutschen Truppen dem drohenden Eindringen der Russen in die ungarische Tiefebene ein fester Wall nftgegengestellt tvar, begannen ain 28. November starke Angriffe gegen diese schützende Mauer. Hauptsächlich war es dem Gegner um den Besitz der beiden Straßen zu tun, die aus der Bukowmaa über die Kar- pathenkämme nach Ungarn führen. Im Norden ist das die Sttaße von Kolomea über dm Tartarenpaß nach KörösMezö, im Süden die von Kampvlung dem Tal der Goldenen Bistritz folgende nach Felsö Vissv. Die jene beiden Straßen beherrschenden Punkte waren daher auch den stärksten Stößen ausgesetzl.
Charakteristisch für den Ernst dieser Kämpfe gerade in den j letzten Tagen ist die Tatsache, daß sie sich auf verhältnismäßig/ enger Front mit einem ganz! außerordentlich großen Aufwand von 1 Menschen und Munition abspielen. .Es ist den Russen trotz ihrer schweren Opfer nicht gelungen, an irgend einem Punkt einen wesentlichen Erfolg zu erzielen. Wenn der Heeresbericht einmal das Aufgeben eures Grabenstückes meldet, so ist das bei der Eigenart der Front, die sich dem Gelände anpassen mjuß, nicht archers zu! bewetten, als das vorübergehende Vibrieren einer Kompaßnadel. Im ganzen steht, unsere Karpathenfront völlig heil und unerschüttert. Gerade die Kämpfe der letzten Tage haben ihre Festigkeit bewiesen und uns nennenswerte Vorteile gebracht. Mittags am 10. erfolgte ein ziemlich heftiger Angriff auf unsere Stä- lung, westlich von _ Meftecanesci, hier restlos abgeschlagen wurde. Zur selben Zeit wie hier hatten wir im Norvab schnitt unterhalb des Dattarenpasses unsere Stellung SumareM-Whzna Preluka viermal jnach lebhafter Artftlerietätigkeit behauptet. Am Kapul, im Tal der Kirlibaba Und im Mesbeoaneslü-A'bschnftt richtete der Russe am 11. Angriffe auf die Höhen des Lozdun und Snwtrec ohne Erfolg. Sein Angriff auf die Tunnelhöhe von Rdestecanesci führte zu erbitterten Nahkämpsen, in denen unsere Handgranaten-, Werfer den sich zäh wehrenden Feind vertrieben, aber schon in der Nacht zum 10. erfolgten neue Angriffe gegen denselben Punkt. Der Feind glaubte in der Dunkelheit unsere Grabenbesatzung über-, rumpeln zu können und brach nach Mitternacht mit starken Sturmkolonnen ohne Artillerievorbereitung vor. Unsere Batterien sorgtest dafür, !daß er schnell ,wieder Kehrt machte. Nicht viel anders verlief ein zwei Stunden später einsetzender Sturm gegen den ganzen Mestecamestt-Wschnitt. Die anrennenden Masten werden durch unsere Maschinengewehre und unser Infanteriefeuer niedergemacht. In den darauffolgenden Dagesangriffen hat der Feind neue blusige Verluste und läßt uns außerdem noch 124 Gefangen^ Für Kttegsbettchterstatter Rolf Brandt, i. V. WH,
Meteorologische veobachtungen der Station Sieben.
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Höchste Temperatur am 14. bis 15. Dezember 1916: -ft 2.7* 0. Niedrigste „ „ 14. , 15. „ 1916: — 0,7 ° C.
Niederschlag 1,4 mm.
wie man vor hundert Zähren Not und Teuerung betämpste.
Es war vor hundert Jahren. Napoleons Heere waren längst besiegt, aber die Besatzungstruppen der Verbündeten standen noch> in Nordsrankreich. Da erschien in ganz Mitteleuropa ein furchtbarer neuer Feind: der Sommer 1816 hatte unendlichen Regen und viele kalte Tage gebracht, noch im September stand an vielen Orten der Roggen unreif <ntf den Feldern, unendlich viel verdarb durch die Nässe, die Ernteergebnisse waren äußerst dürftig, zeisig begann der Winter, Not und 'Teuerung brachen allenthalben aus. Wie erwehrte man sich damals dieser schlimmen Feinde? Dr. H. Knüfer- mann geht dieser Frage in einem interessanten Anffatze des nächsten Grenzbotenheftes nach, der durch den Vergleich mit der Nahrungsmfttelknappheit der Gegenwart eine um so größere Bedeutung erhält. Tie ruhigen, besonnenen Deutsche fanden sich, nach Möglichkeit mit den schovierigen Verhältnissen ab; nur an einzelnen -Orten Süddeusichlands kam es zu erregtem Einsprüche gegen eine Kornausfuhr mach der Schweiz. In England und Frankreich dagegen kam es zu schweren Tumulten; in London erstürmte im 9Lovember 1816 der Pöbel die Bäckerläden und in einzelnen französischen Städten zerstörten die Bolksmassen wiederholt die Getreidespeicher, \o daß bte Regierung Militär ausbieten mußte.
In Deutschland wetteiferten die Hilfe Einzelner und die der Vereine mit der des Staates und schon damals zeigte sich, daß Deutschland auch der größte« Schwierigkeiten Herr zu werden wußte. Tie Preise Ovaren wegen der geringen Kornmengen auf des Vielfache des normalen gestiegen. Ta waren es die reichen Leute, die durch freiwilvige Sammlungen beträchtliche Summen für die Armen aufbrachten. So sandten wiederholt Hamburger Bürger größere Beträge nach dem sächsischen Bogtlsude, nach dem Erzgebirge, nach der Schweiz. Aus den sächsischen Berawerks gegen den wird berichstet, daß die Belegschaften einzelner Zechen llebsrstuuden machten und den Verdienst bedürftigen Kameraden zukvmmen ließen. , Vereine gegen Teuerung" ensitanden an zahlreichen Orten. Wvhl- habende Bürger brachten Summen von einigen hunderttausend Talern zusammen; dafür wurden Borväte an Korn, Mehl und sonstigen Lebensmitteln angekauft und den Bedürftigen all:nählich znm Einkaufspreise abqelassen. Oder aber die Vereine ließen Brot backen und verteilten dies gegen geringe Bezahlung oder gar umsonst an die Notleidenden. Auch Volksküchen, sogenannte „Sutzperr- mrsückten", wurden cingettchtßet. Tie bedeutendsten dieser Vereine out standen in Elberfeld, Frankfurt a. M., 'Berlin, Hannover, Ham- biroj und Wien. Vielleicht noch wichtiger cM die Unterstützung der Notleidenden durch diese Vereine war chr Einfluß auf die Getreidepreise. Sie geboten erfolgreich den schlimmsten Preistreibereien und dem furchtbarsten Wucher Einhalt. Als besonders erfolgreich ist der Elberseldcr Verein zu nennen, der im Sommer 1816 gegründet worden war und anscheinend im Anfänge des Dezembers die ersten „Brotmarken" einführte. Sie wurden geprägt, um dem Mißbrauche zu steuern, daß das auf Kbsten des Bersftrs gebackene billige Brot aus Merfeld ausgeführt und so den Bedürftigen der Stadt ent- zogen wurde. Jeder Arme erhielt so viel Brotmarken, als ihm nach dem Satze von dreiviertel Pfund für den Kopf und Tag zukam. Diese Marken kosteten das Stück 5 StÄvew. Ma'n! gab sie dem
Bäcker zu diesem Wette in Zahlung, und der Bäcker konnte mit ihnen den von dem Verein gelieferten Roggen kaufen.
Noch wichtiger waren die Maßregeln, zu denen Staaten und Regierung in der Not gttffen: Ausfuhrverbote wurden erlassen, die Getreideeinfuhr oagegen vvn Abgaben und Zöllen befreit. Viele Regierungen verboten das Bierbranep, das Brennen von Kornschnaps und die Erzeugung von Kartoffelschnaps ganz oder teilweise und in der Schweiz ging man stellenweise so weit, das Backen von "Kuchen und das Abhalten von Lustbarkeiten zu verbieten Die Zersplitterung Deutschlands brachte es mit sich, daß keine Einheitlichkeit herrschte. Preußen versuchte zwar, auf dem Bundestage ein Ueber ein kommen mit den anderen deutschen Staaten zu schließen, um alle Hindernisse zu beseitigen, die dem fteien Verkehr mit Gv-- trerde und sonstigen Lebensmitteln im Wege standen, allein anscheinend wurde Nur von Fall zu Fall ein Uebereinkommen zwischen den rn Frage kommenden Bundesstaaten erreicht. Einzelne Regierungen gttffen zu außergewöhnlichen Mitteln. So ließ der König von Württemberg zur Linderung der Not als erster das Md in seinen Forsten abschießen und die Tiergärten schließen. Die für sie ansgestapelten Vorräte kamen dem Volk zugut und das Flttsch der abgeschossenen Tiere wurde beträchtlich vermindert.
Lang und schwer war der Winter. Biele Deutsche wandetten ans. Aber man kam über die furchtbarste Not hinweg, im Frühjahr kamen große Getreidesendungen aus den russischen Ostseeprovinzen und Polen und das Jahr 1817 mit seiner günstigen Ernte machte der Not ern Ende. / >
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— Nene Aphorismen Dostoiewskiis. In dem tn bm nächsten Tagen erscheinenden diesj.ährigen „Mmanach Münchener Verleger" werden n. a. eine Reihe Äphottsmen Tiostoiewskis veröffentlftht, die zmn ersten Male ins Deutsche i'cbersetzt sind. Ter große russischer Dichter kannte wie kaum ein anderer sein Hevniatland, das er mft schonungsloser Offens>ttt ge- schildctt hat; ihm ist aber auch Deutschland so wenig wie Frankreich und Engianb fremd geblieben. Mft scharseur, unbestechlichem Mrck h«t ec überall beobachtet und sich in das Wesen der Länder und Völker versenkt. Dabei kommt er zu mancher: bedeutsamen Er- kennttnssen, die gerade heute von Jnteoeff« sein dürften. Im August 1870 hielt er sich in Dresden auf, er erlebte den Ansbruch des Kriegs und schrieb dattiber nieder: „Ich sah damals diese deutschen Soldabe,: rn den Krieg ziehen :knd sah sie mft unwftl- küttich-em WvhlAesatten: man sah es, daß sie nicht gettteben wurden — sie Hingen von selbst." Mft ©tarwn öenuerft er ein andermal: „Danach zu urteile«, wie die Deutschen arbeiten harcdelt es sich bei Men nickst um besondere Dimststücke, sonderir vielleicht nur üm die qwtz attgenteine Gewohnheit der dlrbttt unb sozusagen um den Sieg über die Mühe der Arbeft." Und er findet die G«Msiiberstellnng: ,„Der deutsche Junge: Pflicht; der russische Junge: z-erfallene Familie." Ein rückhallloses Urteft fällt er über die FianFosen als Kultirrbvmger: „Selbst der banalste und siedettichste Franzose verläßt uns mft der Ueber- zeugamg, die Ricssirr beglückt irrst) Rußland wenigstens zun: Teil reformiert zu haben." lftrd lvft^erum; „Ter Franzose lebt in dem Glauben, alles M toisssn und zu kentten, st4bft das, wovon er keinen Schftnmer hat/' Und über das PechMnis der Brftvn
den Franzosen schrieb Dostojewskis die bezeichnender Wotte: Der Engländer ist selbst heutigen Tages noch) nicht fähig, in der Tatsache daß es Franzosen auf der Welt gibt, eine vernünftige 9ft)twendiqkeft zu sehen. Der Franzose zalstt ihm das mft genau deffelben Münze heim, sogar mit Zinsen, und das trotz aller Bündnisse und ententes cordiales."
~ Kriegserniihrung und Z ah n kr a n k h e i t c n. Fchon mehrfach wurde der Versuch unternommen, vom ärztlichen Standpunkt wertvolle Beziehungen zwischen der gegenwättigen Kriegsernährung und dem allgemeinen Gesuirdheft^ustand zu erforschen. Hierbei effcheint eine Beobachtung von Interesse die der Schularzt Dr. Schäfer in seinem Bezirk, der Gemeinde Ber-> lm-Pankow, machte. Dr. Schäfer hatte sich nach seinen Ausführungen rn der Berliner Klinischen Wochenschttft hauptsächlich mit den Zahnkrankheiten der Schuljugend beschäftigt. Bekanntlich war' cm Frieden du Zahl der mit Zahn krankheften behafteten Schulkinder verhältnismäßig sehr groß, von einzelnen Aerzten wurdet sie sogar mit 90 Prozent angegeben. Nunmehr machte Dr Schäfer die überraschende Entdeckung, daß in seinem Bezirk die: Verhältnisse sich während des letzten Jahres bemerkenswett ge-- andett haben. Während zu Ostern 1914 in der Schule ein Prozent-, satz von 53 zahn kranken .Mädchen und 58 zahnkranken Knaben- festgeftellt rourde, betrug am 23. Februar dieses Jahres der- Prozentsatz Unter den Mädchen mix noch 35, unter den Knaben, nur noch 16, Demnach kann nicht mehr daran gezweiselt wer-- den, daß die Kriegsernährung den Zustand der Zähne in äußere ochentlich votteilhafter Weise beeinflußt. Die Er-nzelgründe diesest ZUsamwenhanges bedürften noch näherer Erläuterung, doch kann wohl heute schon ausgesprochen werden, daß die .Haupt::rsache in dem vermindetten Fleischgenuß und übenvicgenden Brotgrnuß der gegenwärtigen Ernährungsweise zu suchen ist.
~ ^1S c Friedens jeder. Daß fkf- die Franzosen oftmals? um umorchsige Nebendinge etwas zuviel kümmern, beweist die Ge-- schachte einer berühmten Fttedensfeder, dettenigen nämttchi, mit der- der dritte Frieden von Paris im März 1856 unterzeichnet wurde der dem KrrmLiege ein Ende machte. -Es schsint teiitafc, als ob bi» Kesorgmig dieser Feder sorgfältiger vorbereitet wurde, als der Fn^en selbst. Zum Zwecke der Echaltuirg dieser Feder nämlich» ^gab sich der Vorgesetzte der Protokollführer, Herr Deuillet de;
nach den: Pariser Iardrn des Plmrtes. um dem dortigen gfcofeen Adler eure Feder ausreißen zu lassen, jedoch', nicht ohne ' werteres bewmchstelligt werden komtte. Man urußte erst das Tier ftr em starkes Netz hüllten in welchem es sich lange Zeit gegen die-' 'Prozedur stmubte und so unruhig und widettpenstig gelmrdcfte daß es den mft dem Ausnrpsen der Feber beauftragten Wärter einige Male zu B^en wqrf, so daß dieser erst die Feder nach regelrechten Kampf mft dein Mer erweichen konnte. Nachdem dann mft dieser schwer errungenen Feder der Friede uuterzttck>ntt war! wßirde sie von ernem Hoftulvelrer mit Edelsteinen und alleg^ui schein Ziewt ansgeschimickt !und aus <nm-n großen PapLbogvn gebeitete auf den um dre Feder herum alle bei den Fttedensmrterbandftmaeir b^nlWdm Gchwü«» te Unterschritt« wü> *ntSfi»grf ,rtS gerrjannd de Conchrs beschchrigt.- aus domsÄben Pchpier' daÜ ^ ^ Bcranlasbmg und unter seii^r Aufs«,! ^nrin.
umgarne Matt Momgk- dm«ns in den Besitz d>n >ttliser-in
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