Ausgabe 
30.12.1916 Zweites Blatt
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Nr. 306 Zweites Blatt

Erscheint täglich mtl Ausnahme des Sonntags.

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l66. Jahrgang

euer Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Samstag, 30. Dezember M6

Zwillingsrimddruck und Verlag:

B r ü hl'jche Universitäts-Buch-u.Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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Der Zar an sein Heer und seine gloftc.

Petersburg, 28. Dez. (MB. .Nichtamtlich.) Meldung ver Petersb??rger Telegraphen-Agentur. Der Oberbefehls­haber richtete am 25. Dlezember an die Armee und Marine; folgernden Tagesbefehl.

Mitten im tiefen Frieden griff Deutschland, das sich seit langer Zeit darauf vorbereitet hatte, alle Böller Europas, sich zu unter­werfen, vor nunmehr über zwei Jahre?? plötzlich Rußland und seine tvenen Verbündeten Frankreich! und England alt und zwang sie, sich., mit uns zu verbinden und ant Kampfe teilzunehmen.. Die vollkommene Mißach.ttrng der Grundsätze des internationalen, Rechtes, wovon Deutschland Proben ablegte mrd die sich in der Verletzung der belgischen Neutralität sowie in der unbarmherzigen Grausamkeit der Deutschen gegen die friedliche Bevölkerung in den von ihnen besetzten Gebieten ausdrückte, vereinigte allmählich alle großen Mäck te Eeuropas gegen Deutschland und das mit ihm verbündete Oesterreich. llitter dem Drucke der deutschen Armee, die dank ihrer technischen Mittel außerordentlich stark war, rourden Rußland und Frankreichs im Laufe des ersten Kriegsjahres ge- Vvunge??. dent Gegner Teile ihres Gebietes zu überlassen. Der zeit­weilige Mißerfolg schlug nicht den. Geist uitserer treuen Verbündeten proch den eungen rcieder. Meine tapferen Truppen! Gleich­zeitig wurde dank der Anspmrnnng aller Kräfte des

Landes der Unterschied zwischen unseren technischen Mitteln und deiren Deutschlands allnrählich airsgeglicheu. Indessen Konnte der Gegner schon lange vor dieser Zeit, bereits

inr herbste 1915, sich keines Stückchens russischer Erde mehr be­mächtigen, während er im Frühling und Sommer 1916 eine Reihe furchtbarer.Niederlagen erlitt und an unserer ganzen Front v-on der Offensive zur Defensive überging. Augenscheinlich erschöpfen sich seine Kräfte, während die Macht Rußlands und seiner tapferen Verbündeten unfehlbar^andauernd »nächst. Deutschland fühlt, daß die Stunde seiner endgültigen Niederlage, die Stund« der Vergel­tung für alle Rechts bräche und der von ihm begangenen Grau- sanrkeiten nahe ist. Deshalb schlägt Deutschland ebenso, wie es zur Zeit seiner Ueberlegenheit an Kampfkräften über die Kräfte feiner Nachbar?: ihnen plötzlich den Krieg erklärte, jetzt, da cs sein Schwäckorrverdc?? enrpsind-et, den alliierten Mächten, die sich gegen Deutschland Gefolgscl-ast leisten, indem sie ein« unlösbare Gruppe bilden, plötzlich vor, Friedens Vorbesprechungen zu be­ginnen, bevor der -Grad seiner Schwäche vollkommen an den Tag Ü?wmt, vor den: endgültigen Verlust seiner Widerstandskraft. Gleichzeitig versucht es, um eine lügenhafte Vorstellung über die Stärke seiner Armee zu schaffen, seinen zeitweiligen Erfolg in Rumänien zu benutzen, das noch keine Zeit hatte, sich Erfahrung über die gegenwärtige Mt der .Kriegführung zu erwerben. Aber wem: Deutschland die Möglichkeit hatte, Rußland und Frankreich den Krieg zu erkläre?., und sie zu seiner Zeit angriff, die für sie dre ungünstigste war, haben die Alliierten, unter denen jetzt das mächtige England und das edle Italien, nachdem sie sich im Laufe des Krieges verstärkt hatten, gegenwärtig ihrerseits die Möglichkeit, Friedensverhandlungen zu begrünen in dem Augenblick, den fte als günstig für sich betraclften. Der Augenblick ist noch nicht ge­kommen. Der Gegner ist noch nicht aus den Gebieten vertrieben, de­ren er sich bemächtigt'.Die Eichü.lung der durch den Krieg gesckMsftnen "Aufgabe Rußlands, der Besitz Konstantinvpels und der Meerengen, die Schaffung eines in allen drei gegenwärtig ge­trennten Teilen freien Polens ist noch nicht gewährleistet. Gegenwärtig Frieden schließen würde gleichbedeutend sein mit der Mchtnusnutzung der Früchte der unsagbaren helderrhaften Anstren­gung der russischen Armee und Flotte. Diese Anstrengungen und noch mehr die geheiligte Erinnerung an die tapferen auf Herr Slacht- feldern gefallenen Söhne Rußlands lassennichtei um a l d e n Gedanken an Frieden zu" bis zum endgültigen SiegeüberdenFckind,derdie Kühnheit hatte, zu vermuten, daß, wenn es von ihm abhing, den Krieg zu beginnen, es gleicher­weise von ihn: abhänge, ihn zu beendigen, w!enn er es ivünscht. Ich zweifle nicht, daß jeder treue Sohn des heiligen Rußlands, sowohl derjenige, der mit den Waffen in die Reihen meiner tapferen Truppen eintrat, wie derjenige, der im Innern des Landes arbeitet, um seine Militärmacht %u verstärken, oder friedliche Arbeit ver­richtet, von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß der Friede dem Gegner erst dann aufgezwungen werden kann, wenn er aus unseren Gebieten vertrieben, endgültig zerschmettert ist und uns/ und unseren treuen Verbündete?: feste B ü r g s ch a f t e°n für di« Unmöglichkeit einer Wiederholung des treulosen Angriffes und feste Sicherheit geben wird, daß er durch die .Kraft der Umstände selbst -gezwungen ist, die Verpflichtungen zu beobackten, die er gemäß dem 'Friedensvertrag wird auf sich nehmen, müssen. Seien wir also unbeugsam in der festen Zuversicht auf den Sieg! Der Mlmächtige wird unsere Fahnen segnen intb sie von neuem mit unvergleich- licheni Ruhme bedecken. Er wird uns den Freden gewähren, welcher

den Heldentaten meiner ruhmreichen Truppen würdig ist, den Frie­den, für den die zukünftigen Geschlechter euer Gedächtnis segnen werden, das für sie heilig sein wird.

Au» Stadt «nd Land.

Gießen, 30. Dezember 1916.

** Der Jahreswechsel im Sprichwort. Zu Silvester ein gutes Gewissen ist besser als Punsch und gute Bissen.> Silvester Nachtwind und Movgensonn' wirft jede Hoffnung auf Wein und Korn in den Born. Silvester Wind, früh Sonn er? schein, bringt keinen guten Wein. Wie's Wetter zu Silvester war, ist's wiederum im Februar. Silvester kalt mit Schnee gibt Koru auf jeder Höh. Bit Silvester Schnee oder Regen, streut auf die Felder reichen Segen. Geht zu Silvester nacht der Wind, im' neuen Jahr viel Nüss' an den Bäumen sind. Zu Neujahr kann's nichts Klügeres geben, als man fängt an, gescheiter als im alten zu leben. Scheint Neujahrs tag die Scmin klar, so lacht darob der Fischer Schar.i Ist zu Neujahr auf den Flüssen Eis, wird der Sommer trocken und heiß.

** Landwirtschaftlicher Lehrgang für Krieas- beschädigte. Der Landesausschuß für die .Kriegsbeschädigten­fürsorge ?m Großh. Hessen hat im Oktober l. Js. in der Gcoßh. Real- !und Landwirtschaftsschule in GrosMmstadt ei??en land­wirtschaftlichen Lehrgang für Kriegsbeschädigte eingerichtet, der von 11 Teilnehmern besucht wird. Der Lehrgang hat den Zweck, Kriegsbeschädigten, die aus der Landwirtschaft oder verwandten Berufen stammen, und die infolge Verwundung oder Erkrankung Einbuße an ihrer Arbeitsfähigkeit erlitten haben, in abgeschlossener Form landwirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln, die sie in den Stand setzen, durch intensivere Betriebsweise und rationellere Bewirtschaftung einen Ausgleich in ihrer Erwerbsbeschräukungl herbeizuführen. Eine rötere Absicht, die mit dem Lehrgang ver­folgt wird, ist die, durch den Unterricht in den Kriegsbeschädigten, die oft mit großer Besorgnis in die Zukunft sehen, neue Zuver^ sicht und Freudigkeit für ihren Berus zu erwecken und sie zu be­fähigen, später auch auf ihre Berufsgenossen anregend und för­dernd einzuwirken. Der Unterricht, der durchaus volkstümlich gehalten ist und lediglich Volksschulbildnng voraussetzt, erstreckt sich auf Deutsch, Rechnen, Geometrie, Physik, Chemie, landwirt­schaftliche Betriebslehre, Bodenkunde, Buchführung und ähn- lrches. Der Unterricht wird erteilt von Lehrkräften der Real­schule Groß-Umstadt, sowie von Herren des landwirtschaftlichen Instituts der Universität Gießen. Die Erfahrungen, die mit dem Lehrgang gemacht wurden, sind durchaus befriedigend, so daß bei genügender .Beteiligung im April kommenden Jahres ein! neuer Lehrgang von etwa halbjähriger Dauer eröffnet lver- den soll. KrieaÄieschLdigte Landwirte aus dem ganzen Grvßher- zogtum, insbesondere solche, die berefts aus dem Heeresverband entlassen sind, können sich schon jetzt bei der Geschäftsstelle des Landesausschusses für Kriegsbeschädigtenfürsorge in Darmstadt, Wilhelünnenstraße 34, zur Teilnahme anmelden und können von dort auch Näheres über die Kostenfrage ?rnd Unterkunftsverhältnisie in Groß-Umstadt ermahnen. Bemerkt wird, daß der Landesausschuß in entsprechenden Fällen Kostenzuschüsse leistet. Es ,väre nur zu wünschen, daß unsere kriegsbeschädigten Landwirte von der ge­botenen Gäegenheit zur Vermehrung ihrer Kenntnisse und zur Förderung ihrer wirtschaftlichen Zukunft reichlich Gebrauch machen.

* Rotes Kreuz. Tie Wei hnachts spenden des Hes­sischen Roten Kreuzes sind zirm Teil bereits bei unseren Truppen r?n Felde angekommcn. Für Liebes gaben-Einheftskisten, die aus Alzey, Gießen und Heppenheim abgesandt wordeil sind, liefen Empfangsbestätigungen bcä der Materialien-Abteikung ein. Alle Quittungen^ werden urschriftlich an die Zweigvereine ioefterg «reicht werden. Für manche K r i e g s b e s ch ä d i g t e, uxstche dauernd aus dem Militärdienst scheiden, ist die Beschaffung von Zivil- kleidern erforderlich. Nach! dem Friedensschluß wird weiterhin eine Anzahl gesund zurückkehrender Soldaten solche Kleider nötig haben. Tie Beschaffung neuer Kleider loird sich in vielen Fällen tragen der an geordneten Sperre n?rd der Hohe der Kosten nicht ermöglichen lassen. In manchen Orten werden aber aus der soge­nannten Reichswollwoche bessere Männerkteider vorhanden sein. Auch lassen sich wohl durch geeignete Werbung brauchbare Stücke als Geschenk beschaffen. Diese Kleider müssen sämtlich gereinigt und, wo nötig ausgebessert werden. Je früher mit einer solchen! Arbeit begonnen wird, um so eher sind die Zweig vereine imstande, den schon jetzt und in verstärktem Maße 'nach dem Friedensschluss an sre herantretende?? Anforderungen gerecht zu werden. Das Rote Kreuz bittet alle Zweigrareine, dieser Angelegen heck ihre Aufmerk­samkeit fteundlichst zuznwenden. In Ortenberg, Kreis Bü­

dingen. herrscht eine besonders rege Tätigkeck für das Rote Kreuz. Es arbeiten boxt die Zweigvereme vom Roten Kreuz und des Alice-Frauenvereins vereint mät dem evangelisch-kirchlichen Frauen- verein. Seit Kriegsbegftrn wurden über 17 000 Mark bar imi> für etwa 3000 Ddark an Naturalien aufgebracht. In jüngster Zeit ging außerdem bei der Materialien-Abteikung ein ganzer Eisenbahn­wagen, gefüllt mit Liebesgaben für die Lazarette, bestehend ans eingemachtem Obst, Gemüse usw., ein. Man sieht, was auch kleinere Orte durch Opferwilligkeit fertig bringen könne??.

** Das Abzeichen der Hi l fs d ie n ftp f lich Li­gen. Alle bei ntilitärischen Behörden und militärischen Ein­richtungen beschäftigten Hilfsdienstpflichtigen unb weib­lichen Personen erhalten in Preußen als Abzeichen eine schwarzweiße Arrubinde mit dem Dienststempel des Stellver­tretenden Generalkommandos und mit der AusichriftVater­ländischer Hilfsdienst", sowie einen schriftlichen Ausweis der militärischen Dienststelle, die sie angestellt hat.

** Das neue Ein-Pfennigstück aus Aluminium wird in einige?? Wochen in Umlauf konrmen. Es wird etwas! kleiner sein als das Kupferstück. Während dieses einen Durch» Messer von 17,5 Millimeter hat, wird daS neue Stück mir 16 Millft m eter fassen. Tie Alu min nimmünze itrtcb dicker als das Kupferstück 'sein; sie soll sich schon durch den Griff von anderen Münzen, namentlicl von den Fünfpfennigstücken unterscheiden. Aus 1 Kilo­gramm Aluminium werden 1250 Einpfennigstücke geprägt werden. Das Stück wird 0,8 Gramm wiegen.

** Bestandserhebung von Nähfäden. Mit dem 30. Dezember 1916 tritt eine Bckanntmach-ung betreffe??d Bestands- erhebung von Nähfädcu (Nr. W. M. 500/12. 16. K. R. A.) in Kraft. Durch! diese Bekanntmachung wird eine Meldepflicht für sämtliche am 1. Januar 1917 vorhandenen baumwollenen Nahfäden, Näh- zlvirne, Nähgarne, Heftgarne, Reihgarne. Biuhbrnderfäden, Kon- fettionsgaime, Trrkotagennähzwirne und sonstige Jndustriegarne in ha??delsfertt.gen Aufmachungen für de?? Klei??verkauf, sowie für sämtliche Flachs-, Hanf- urrd Ra??rie-Nähfäden in jeder Auf­machung für Groß- und Kleinverkauf a?rgeordnet. Die Meldungen haben bis zum 10. Jlanuar 1917 an das Webstoffmeldeamt der Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Königlich! Preußischen Kräegs- ministeriums, Berlin 81V 48, Verlängerte Hedemannstraße 10 zu erfolgen. Tie gleiche Meldurig ist für den am ersten Tage eines jeden Vierteljahres vorhandenen Bestand bis zum zehnten Tage eines jeden Vierteljahres ,zu wiederholen. Von der Meldepflich-t ausge??om??ren sind bestimmte Mindestmengen. So sind nicht melde- pflichlig bei baumwollenen Nähfäden, toenn sie nach der Länge aufgemacht si??d, dieje??igen Vorräte einer Lagerstelle, welche in einer Qualität, Zwirnung, Farbe und A?ifmachung bei Langen bis zu 200 Meter weniger als 5 Groß, bei Längen über 200 Meter weniger als 1 Groß betragen: u??d wenn sie nach, de?n Gewicht ausgemacht sind, diejenigen Vorräte ei??er Lagerstelle, welche i?i derselben Zwirnung und Farbe, jedoch ohne Rücksicht auf Q?talftät u??d Ausmachung, weniger als 10 Kilogramm betragen. Bei Flachs-, Hanf- mrd Ramie-Nahfäden sind nicht meldepflichtig, wenn sie nach der Länge aufgenrocht sind, diejenigen Vorräte einer Lagerstelle, ^ welche in einer Sorte weniger Äs 50 000 Meter, ?nu> wenn sie nach! dem Gewicht ausgemacht sind, diejenigen Vorräte einer Lagerstelle, welche in einer Sorte weniger Äs 10 Kilogramm betragen. Tie Bekannt???achu??g errthält außer der A?rord??ung zur Lagerbuch,führung ??vch eine ganz« Reihe von Einzelbesümmungen und ist mft Beispielen für die Art der MeldepfliM ver^hew Ihr Wortlaut ist im Giehener Anzeiger «Musehen.

** Stenographie. Da die Ku?^schrift in den meisten kaufmännischen BNreaubetrieben ein unentbehrliches Hilfs?nittel zur Verkürzung der Schreibarbeit geworden ist, kann .es ran dringend empfohlen werden, sie zn erlernen. Gelegen heck zur gnmiw licken Erlernung des Systems Gabelsberger bietet die Steno­graph en - Ge sel l sch! a ftGabels berg et u. Damen-« a b t e i l u n g e. B. dirrck- Wiedereröfftru??g eines ne??e?? Llnfänger- lehrgangs am 2. Januar in ihrem Vereinslokal K i r ch st r a ß e 11 Siehe A??zeige in heutiger Numnrer.

Kreis Büdingen.

M idd a-, 27. Dez. Gestern und heute veranstaltete der hie­sige Kaninchenzüchtervercin hier im Gambrinussaal« die Proviüzialverbands-Kaninchenausstellung oberhessischer Ka??in- chenzückfter, die recht gut mit meistens erstklassigen Tieren im Alter bis zu l 1 / Fuhren beschickt war und über 200 Nnnrn?ern umfaßte. Daher hatte der Preisrichter, A. Or t l ep p aus Offenbach a. M., kei??en leichten Sta??d. Im ganzen wurden 108 Preise u??d 61 lo­bende Llnerkennnngen zuerkannt. Tie Ehrenpreise erhielten für belgische Riesen: Hauptlehrer Ch. Roth- Lich und Heinrich W e - ber--Gießen; für weiße Riesen: Wilhelm R epp-Nidda; für französische Widderkaninchen: Willuckm Schultheis -Lollar; für Hasenkcminchen; Ch. D ü b e ck e - Fronhausen und Wilh. Schuß-

In und um Macin.

Maci?? ist der alte türkische Hauptort des nordwestliche,? Zipfels der Dobrudscha, den das russisch-rnmänische Heer noch verteidigt. Er liegt ?mmittelbar^ an dem recht«? Arm, dem Altwasser der Dorniu, ?w dieser sich aus südnördlicher Richtung im rechten Winkel nach Westen wendet, um im Bogen auf den Hauptarm zu- xuströme??, den er junmittelbar unterhalb von Braila erreicht. Die letzten Ausläufer des Hügella??des der Norddobrudscha schieben sich hier von Südost Mach Novdwesten vor, kreuzen die Straße, die von Macin. im großen Bogen nach Jsaccea führt, und schneiden Macin im Norden von dem gewaltigen Smnpfgebiete ab, das Awffcheu dem n??rgekehrten lateinischen IV liegt, das hier von der Donau gebildet wird. Fährt man von Braila das Altwasser der Donau stromauf Braila hat eine regel???Äßige Schiffsverbindamg mit Macin, so hat man zunächst links wie rechts ungeheuer ausgedehnte Su???pfflächen, in denen größere lagimenartige Becken liegen, die durch kleine, in dem s?m?pfigcn Gelände sich ansammel??de Bachläufe gespeist werden, bald erblickt man vor sich das Städtchen Macin, das schön an einer Halde liegt, und einen durchaus vrie??tw- lischen Eindruck macht: es hat zwar eine ru??tänisch-oitthodoxe Kirche mit ei??eM Kuppeldache, allein die beide?? schla??ken, hochanftagenden weißen Viinarets beherrschen das Stadtbild. Hinter Macin ge­wahrt man die blauen Hügel der Dobrudscha, deren Sand- ?md Kalksteinfelsen sich bis dicht an die Donau yeranschiebem An der Stelle deS heutigen Macin lag im Altertume eine Römerfeste, das alte Ar?mb?u m, das auf seiner Höhe die Donau und die ganze Balte <Sumpfland zwischen den Dvnauar?ne??) beherrscht l^aben muß. Frei-' lich, das Vorgebirge, auf dem die Feste lag, ist selbst heute nicht mehr eichalten: vielmehr wird es als Steckibruch seit langem ab- gelxoit. ?luch die übrigen, aus der Römerzeit erhaltenen Reste Machen einen kümmerlichen Eindruck, llrimittelbar südlich von Mäcin durch den laguneuartigen See von der Tnrkenstadt getrennt, liege?? die Ruinen von Troesmis, die iM Jahre 1860, z?rrzeck der Türkenherrschasr, ein Franzose namens More zufällig ansgefundei? hat. Er erhielt nämlich von der türkischen Regierung ein Stück Lar?d in dieser Gegend geschenkt, auf dem er eure landwirtschaftlick-ei Musterwirtschaft einrichtete. Die Ruinen der Gegend erregten ferne Aufmerksamkeit, er fano Inschriften u??d alte Münz«? und aus diesen Funde?? ko?u?te er schließen, daß er auf dem Boden des alben Troesrnis stehen müsse. Die Entdeckm?g erregte in der Welt der Archäologen getoaltiges Aufsehen. Ersteigt man aber die Höhe her Hügel beim alten Troesmis, so erlebt man eckre große Enttäu­schung: nirgends steht noch eine Mäuer, nirge?lds ragen mehr

Pfeiler oder Säulen empor; altes ist dem' Erdboden gleichgemacht und der Pflug zieht dort seine Furchen. Die weitere Umgebung! von Macin ist in strategischer Hinsicht von größter Bedeutung m?d bererts im Jahre 1877, zur Zeck des russisch-türkischen Krieges^ hat der scharse Knick der Donau in der Gegend von Galatz er??« bedeuterrde iRolle gespielt. Unmittelbar hinter dem Mußlaufe nämlich liegt die Haupteisenbahnlmie. Zwischen Mac??? u??d der Donau sind allerdings überall ausgedehnte Sümpfe und zudem ist das Verhältnis der Uferhöhen an diesem Teile der Donau anders, als an der rumänisch-bulganscheu Donau: während weiter ober­halb das rechte Ufer höher ist, als das linke, liegen hier die Dinge umgekehrt: da, wo Sereth und Pruth in die Donau münden u??d der Strom UM das E??de der Dobrudschahügel sei??e große Wck?d?mg beschreibt, ist das linke Ufer höher, als das rechte; von der Ein­mündung des Sereth an, der an der Mmtdung an die 200 Meter breit ist, zeigt das linke Donauufer steile Lehmwände; teils sind die Ufer zerrisse??, und stellenweise bckden die Lehn?felsen förmliche Zacken und Schluchtengebiete.

*

Vo m Speisezettel des alten RvTni. Die durch­greifenden IDeränderunge??, denen wnser Speisezettel fortlaufend durch die Kriegsverhältnisse uMerworfien wckd, legen Vergleiche mck ftüheren Zeiten ra© anderen Völkern nahe. Eine Menge lehr­reicher Und interessanter Dinge läßt sich z. B. über den Speise­zettel des alten Rom sagen, vor? dessen Wartungen Heinrich Göh- ring im nächsten .Heft der bei der Deutschen Verlags-Mrstalt in Stttttgmtt erscheine??!)«?? ZeckschriftUeber Land ?md Meer"' man­cherlei Bemerkenstriertes lieriastet. Ganz ?m ge heu er war der Ge­gensatz ztvischen der Lebensweise der Römer in den Anfängen ihres Weltreiches und dem Luxns aus der Zeck der Höhe und des Verfalles. Wie die alten Griechen eiare bescheiderre Nationak- speise, den Gerftenbrei, zur Grrindlage ihrer Tafelfre?ü)en hatten, so vertrat bei den alten Römern der 2^Nzenmehlb-rei die Stelle des B?Dtes. Nur an Festtagen oder bei sonstigen feierlichen Gele­genheiten wurde diesem Brei ein Stück Fleisch zu gesetzt. Ansonsten gehörten einfache Gemüse, rv-ie Kohl, Linsen, Bohnen, zu den da­maligen Tafelfteuden. Zu Begirm des 2. Jahrhunderts v. Ehr. jedoch setzte die Zeit des Tafelluxus ein, der überraschrmd schnelle Fortschritte machte. Hierzu ?nag auch der Lhusenthalt der römi­schen Soldaten in? Orient beigetragen haben, wo sic diese?? Luxus kennen Lernten. So erzählt Livius 187 v. Ehr. M?läßlich eckie^ Triumphes des Heerführers Mänlius Vrrlpo:Auch die Gast- mähler begann man mck größter 'Sorge und Verschwerchung anzu-

richten. Bon da an stand der Koch, bei den Alten der nach Schätzung und Benutzung niedrigste Sllave, im Wert, und was früher ein Bedientenamt war, galt für eine Kunst." Tatsächlich »vurde bald darauf für einen ausländischen Kochkiinstler bereits d?e mehr als ansehnliche Summe von 100 000 Sesterzen bezahlt. Die einfachen Gemüsegerichte wurden durch kornplizierte Fleisch- rrnd Fischgerichte rardrängt. Auch die Auguren und Oberrmiester veranstalteten zur Feier?hres Amtsantrittes große Schma?iserei-en von denen manche 30 000 Sesterzen, also fast 7000 Mark, kosteten^ D?e röm?schen Feinschmecker leisteten sich besondere Anlagen zur Mästung von Geflügel mrd Vierfüßlern imd machten das Essen überhaupt zu einem raffinierten Sttrdium. Fulvrus Lnpinus z D war der Erfinder eck?es Behälters zum Mästen von Schnecken, und der Bwgraph Cornelius Nepos studierte die Kunst, besonders fette Kvammetsvögel heranzrnüchtern Auch viele Wurstarte?? wurden in Rom erfunden, so die Blnt,vurst mrd ehre besondere Gattung von Bratwürsten, die mit edlen Eingeneiden gefüllt waren. Mit großer Sorgfalt wurden die verschiedensten Fischarten gezüchtet, intb tne Erben des Lukullus verkauften den Inhalt der zur Hinten lassenschast gehörigen Fischteiche für das runde Sümmchen von 40 Millionen Sesterzen. Immer seltsamer und verschrobener wurde Ider Geschmack; zur Zeit des Kaisers Bitellius z. B. erfreuten sich gebratene r>-lamingozungen besonderer Wertschätzung. Dabei spielt? aber lckcht nur der Geschmack, sondern die durch ihre verhältnis­mäßige Seltenheft hervorgerufene Kostbarkeit der enrzelnen Lecker- bissen eine führende Rolle. Den Ruhm des größten Fern schrrveckers der alten .Welt erlmrgte Apicius, der zur Regiermngszeit des Tiberius ein denkwürdiges Kochbrrch verfaßte. Apicius fördert« auch die sog. Saucen mode, wobei es darauf ankam, durch ver­schiedene Saucen des? Geschmack der Gericht« so zu verändern, daß kein Mensch die «Art der betveffendeu Fleischsorte zu erkenne?, vermochte. Zum Schmuck der Tafel gehörten mir allem die Tafti-' tücher, die hauftg auch dazu benutzt wurden, besondere Leckerbissen einzupacken mrd mit nach Hause zu nehrnen. Daß auch vornehme Leute sich angesichts der Leckerbissen zu solchem Benclstnen Hin­reißen ließen, geht aus den von Mjartial an den reickp-n Cäcüiauns gerichteten Morten hervor: ,,Du fegst alle Gerichte rechts und' links weg. Alles das wickelst du noch naß ft? deftre Mappa und gibst es deinem Sllaven, es heftnizutrogen; und wft liegen rrrüUg am Trsch und bekommen nichts. Schckne dich, Cäcilian. gib d<?s Essen zurück; du bist nicht eftrgeladerr, um für nwrgen das Esse?? zu haben." Das hier geschilderte Vargebe?? des Cäcckianus bildete im alten Rom die beliebteste mrd bcksigste Mt de?- Hamsterer.