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29.12.1916 Zweites Blatt
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Nr. 305 Zweiter Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

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fbb. Jahrgang

iehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Zreitag. 29. Dezember !9lb

ZwtUrngsrunödrurk und Verlag: Brüht'scyeUnlversuälo-Bnch-u.St utdr> ckerei.

R. Lange, Wietzen.

Zchriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schutstralze?. eschäf.sileUeu.Verlag:

Schriftlcuung: 112.

Anschrift für Tr. htaachrtchten:AnzeigerGießen.

Rückblick aus ba§ llrieg;Wirtschast§jchr fysb.

(Vom Handelskammer-Syndikus Dr. Zeidler.)

I.

Wiederum neigt sich ein Jahr seinem Ende zu. Wenn auch eine so kurze Spanne Zeit im großen Weltgeschehen recht wenig zu bedeuten hat, so bildet sie doch! nicht nur :n: Leben des Einzelnen oft genug einen Wendeprmkt, sondern sie rann auch für die Ge­schicke eines großen Volkes bestimmend lverden. Und wer unter uns wollte verkennen, daß auch das scheidende Jahr gleich seinen? beiden Vorgängern 1914 wird 1915 ein Markstein in der Geschichte unseres Voltes und der Beginn einer neuen Epoche der Weltge­schichte sein wird. Und aus dieser Empftndung heraus läßt uns die Jahreswende einen Augenblick stille stehen und den Blick nach rückwärts wenden. Freilich, in einer Zeit, wo alles der Zukunft gilt, wo jeder Wille intb jedes Gefühl aus die Gegentvart, auf den Krieg und den Sieg gerichtet ist, hält es schwer, die Gedanken in die Vergangncheit zu führen. Und doch, ist ein solch stilles Verweilen in der Vergangenheit nicht nur lehrreich, sondern auch heilsam. Tenn es lehrt mt§ die Dinge ruhiger betrachten, wo wir sonst in der gewaltsamen Spannung und Hast des Alltags unseren augen­blicklichen Stimnvungen in nervöser Ueberreiztheit viel-leicht all­zuscharfen Ausdruck verliehen haben. Und dieses Gefühl der Ruhe, Besonnetcheit und Vorurteilslosigkeit soll uns auch, bei einem Rück­blick auf das Kriegswirtschaftsjahr 1916 leiten.

Tie Hoffnung, daß das Jahr 1916 den heißersehnten Frieden und damit die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse bringen' würde, hat sich leider nicht erfüllt. Im geraden Gegensatz hierzu hat vielmehr der Kampf der europäisch,en Völker an Ausdehnung und Schärfe zugenommen, der Völkerhaß wurde immer wilder geschürt und feierte grauenhafte Triumphe. In dieser ernshen und- schweren Lage hat das deutsche Volk von neuem glänzende Beweise seiner Einigkeft, Stärke und Opfertvilligkeft gegeben. Ungebrochen, steht es am Jahresschlüsse in stahlharter Willenskraft da, und mit eindrucksvoller Sicherheit und ohne Nervosität hat die deutsche Volkswirtschaft auch im Jahre 1916 ihren Lauf vollendet.

Tie deutsche Industrie hat sich auch im abgelaufenen Jahre als ein starkes Rüstzeug ber deutschen Kriegführung bewährt; trotz der Ausdehnung der- Kriegsschauplätze und trotz der Steigerung der Kampfhandlungen ist sie bisher all den an ihre Leistungsfähig­keit gestellten Anforderungen gerecht geworden. Ties gilt in erster Lftrie von der Eisen- und Stahlindustrie, welche sich restlos auf die Herstellung von Munition eingestellt hat. Die rheinisch-westfälische Industrie gleicht heute einer einzigen ge­waltigen Kriegswerkstätte. Auch die M a s ch i n e n i n d u st r i e ar­beitet mft äußerster Anspannung ihrer'Kräfte nicht mir für den Kriegsbedarf, sondern auch> für die kommende Friedenszeit, denn» die starke ?lbnutz:rng der Maschinen hat zn bedeutenden Aufträgen in neuen Maschinen und Ersatzteilen gesiihrt. Die Elektrizi-^ tätsindustrie ersetzte die fehlenden Anslandsaufttäge durch, Errichtung neuer Anlagen für die Ausführung von .fßriegsauf- träge u. Sie bereitet sich gleichzeittg für die gewalttgen Aufgaben, vor. die ihrer nach, dem .Kriege harren. Ihr Ziel ist die Ver­billigung der Erzeugilngskosten unserer Industrie durch, Bereit­stellung elektrischer Kraft zu möallichst niedrigen Preisen. Der Kohlenbergbau ist gleich,falls bis an die Grenze seiner Leistungsfältzgikeft in Anspruch genommen gewesen, so daß er nicht immer die starke Nachfrage des Arislmrdes nach) Kohlen befriedigen konnte. Tie Steinkohlenförderung sank nrit Kriegsbeginn auf die Hälfte der Friedensförderung, jetzt hat sie wieder 90 Prozent er­reicht ; die Braunkohlenerzeugung ist im Kriege weit über die Hüchfterz-euguug des Friedens gestiegen. Die Erneuerung des rhei­nisch-westfälischen Kohlensyndikats bis zum 30. März 1922 gibt dem rheiriisch'-westsälischen Bergbau die feste und bewährte Ver­fassung für weitere 5 Jahre und sie sichert vor allem für bi& Kriegszeit die geregelte Versorgung von Heer und Flotte sowie der Kriegsindusttie, sie sichert aber auch den übrigen Verbrauchern einen ausreichenden Bezug von Brennstoffen zu allerdings hohen Preisen? Freilich wird von mancher Seite die Umgestaltung und Umwandlung des Kohlensyndikats auf eine genleinwirtschaftliche Grundlage für notwendig erach,tet. Die Befürworter einer solchen Regelung sind der Meinung, daß die Allgemeinheit ein gewisses Anrecht auf dieses UrproduÄ der Erde hat, und stellen daher die Folgerung auf, daß die Interessen der privaten Kapital geber mit denjenigen der Allgemeinheit in Einklang gebracht werden. Dies

Grinst, wisdenscbait ttttb Leben.

Kuriosa aus der Geschichte der Oper. Das Wort von der heiteren Kunst trifft besonders auf die Geschichte der Oper zu, wenn nun: alle uns heule mit Recht grotesk anmutenden Verirrungen im Verlaufe der Entwicklung der Opernkunst von der heiteren Seite zu betrachten gewillt < ist. Tatsächlich hatte feine* Kunstform so viele und so inertwürdige Enrwrcklungsphasen und Ausschreitungen durchzumachen, wie die Oper. Ties ergibt sich schon aus einem kurzen Ueberblick über die .Kuriosa der Opernge­schieße, über die Adolf v. Muralt .im nächsten- Heft der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinezrden Zeitschrift Heber Land und Meer interessante Mitteilungen macht. Wenn auch die Nrsprungsgmllen der Oper so weit zurückreichen, daß ihr Stammbaum im grauen Altertum zu suchen ist, so trat sie doch erst in den Mysterien. Singspielen, Posstm und musikdurchsetzten, Schwänken des Mittelalters in ihren ersten greifbaren Formen in Erscheinung. Tie ersten Opern im wirklichen Sinne des Wortes gingen aus der italienische Renaissance hervor, und der italienische Einfluß auf dem fffebiete des Opernwesens war lange Zeit für die übrigen europäischen Länder maßgebend. Bald setzten starke, oft ungewollt komische Uebertteibungeu ein, hervorgerufen durch die fast krankhafte Sucht, den Opernaufführungen durch übertrieben prächtige Ausstattungskünste beorderen Glanz zu verllihen. Man verwendete die kompliziertesten Maschinen- mrd Feuerwerkseffekte, das Ballett wurde in nicht immer gerade harmonischer Weise eingefügr, und nicht nur die italienischen Städte wetteiferten, sich in der Aufführung von Prunl'opern zu übertreffen, sondern auch die anderen europäischen Fürstenhöfe machten diese übertriebene Mode meist zum großen Schaden ihres Geldbeutels mit. Charakte­ristisch. für das Opernunwesen im 17. Jahrhundert ivar die Auf­führung der OperPomo d'Oro" im Jal/re 1668 am Wiener Hofe anläßlich der Beriuählungsfeiert ichkeiten des Kaisers Leopold. Ten Glanzpunkt bildete ein Pferdeballett, und die Ausgaben kann man barmt ermessen, daß allein der Federbusch für! jedes der 40 mit- wirkendeu.Pferde 100 Dukaten kostete. Der Erfinder dieses merk­würdigen Pferdeballetts wurde durch, Erhebung in den Freiherr:: - stand, ein einmaliges Geschenk von 20 000 Gulden und eine Pension von jährlich 1000 Gulden belohnt. Auch in der Folgezeit gab cs mannigfaltige Auswüchse, so daß Gottsched zu seiner Zeit den Aus­spruch. tat:Tie Opera ist das ungereimteste Werk, so der mensch­liche Verstand jemals erfunden." AM in der Kostümierung gab es die sonderbarsten Geschmacksverirrungen, so daß z. B. ein Hannibal im Ballettröckchen und eine Iphigenie im Reifrock bei dem heiteren Publikum freudigen Beifall auslöste. Tie erste ständige deutsche Oper, in Hamburg von 16781728, war ebenfalls reich an Geschmacklosigkeiten. Einige Operntitel genügen:Tie Klug­heit der Obrigkeit in Anordnung des Bicrbraueus",Tie Kunst zu schmarotzen",Fröhlicher Brüder Sauflust" usw. In einer Oper mit dem schönen TitelTie Hamburger Schlachtzeit" holte

könne dadurch geschehen, daß dem Reiche, den Arbeitnehmern und auch, den Verbrauchern ein bestimmter Einfluß auf die Verwaltung eingeräumt wird. Dem Eisenerzbergbau war die Ausgabe gestellt, der Erde alles Eisengestein bis zur äußersten Kraftauspannung .abzugewinnen, Tie chemische Industrie hat die ganze Welt durch, ihre Leistungen in Staunen und Verwunderung versetzt. Unter dem Zwange der eisernen Zeft sind Erfindungen gemacht worden, die im gewöhnlichen Laufe der Zeit wahrscheinlich nicht gemacht worden wären. Man hat die überragende Bedeutung einzelner Zweige der chemischen Industrie für den ungestörten Gang des Wirtschaftslebens und für die militärische Bereitschaft übrigens vielfach erst im Laufe des Krieges allgemein begriffen, wo die Notwendigkeit, das eigene Wirtschaftsleben mit den Er­zeugnissen des eigenen Gewerbefleißes zu versorgen, dem Ver­ständnis der weitesten Kreise nähergerückt worden ist. Durch­drungen von dem Gedanken, daß der nach dem Frieden ein­setzende Wirtschaftskrieg zur. Rückeroberung des Weltmarktes eine .einige und geschlossene Industrie vorfinden muß, haben sich schon jetzt die großen chemischett Uuteruehmuugeu zu einer Inter­essengemeinschaft zufammengeschlosfen. Man darf daran die Hoff­nung knüpfen, daß deutsche Tüchtigkeit auch aus dem Gebiete der Farbwaren und sonstigen chemischen Produkte nach dem Kriege das Feld behaupten und die hinterlistigen Anschläge un­serer Feinde, besonders Englands, zu Schanden machen wird, denn Preis und Qualität werden auch in Zukunft die ent­scheidenden Faktoren im Welthandel bleiben. In der T e x - tilindustrie ist das Bild über den Beschäftigungsgang nicht einheitlich. Das Webstoffgewerbe hatte mfter der behördlichen Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren für die bürgerliche Bevölkerung zu leiden; die Baumwollindustrie und die Le:nenind>strie waren mit umfangreichen Heeresauf- trägeu beschäftigt. Neben solchen Industrien, welche dem Kriege eine lebhafte Beschäftigung verdanken und denen ein reicher Ge- hrimt zugeflossen ist, standen auch solche, welche still gelegt wer­den oder von dem Ertrage ftüherer Jahre ein kümmerliches Da­sein fristen mußten. Das (galt namentlich von der Porzellaniudu- strie, der Spielwarenindustrie und der Luxuswareniudustrie, alles Unternehmungen, welche in der Hauptsache auf den Export an­wiesen sind.

Das Bild von den glänzenden Leistungen und hervorragenden Verdiensten der deutschen Industrie cm unserer Kriegsrüstung vermag auch die hier und da sich hervorwagende oberflächliche Kritik an den hohen Gewitmen einzelner Jndustriegesellschaften nicht zu. trüben. Diese Kriegsgewinne sind in den uieisten Fällen durchaus Irlich verdient und beruhen durchaus nicht, wie vielfach angenommen wird, auf einer Uebervorteiluug der Heeres­verwaltung. Denn einmal darf doch nicht vergessen werden, daß gerade die Aussicht auf hohen Gewinn es gewesen ist, welche den Schaffensgeist in unserer Industrie mächtig angeregt und den Ansporn zu höchst gesteigerter und beschleunigter Produktion, zu dem Suchen und Erfinden von Ersatzstoffen und zur Heran­ziehung der besten und leistungsfähigsten Kräfte gegeben hat. Und auf der anderen Seite muß es als durchaus wünschenswert, ja sogar notwendig bezeichnet werden, daß gegenüber den vielen dnrch den Kireg geschwächten wirtschaftlichen Unternehmungen zu Beginn des Friedens auch große kapitalkräfttge Betriebe vorhanden sind, welche mit Hilfe ihrer während des Krieges ge­stärkten Kapitalreserven den Kampf um den Welttnarkt neu auf­nehmen können. Nichts wäre verkehrter, als alle Mehrgewinne möglichst einzuziehen und dem Staate zuzuführen und dadurch geradezu uns unfähig zu machen, bei Beginn der Friedenswirt­schaft stark und leistungsfähig zu sein. Und schließlich darf nicht übersehen werdet:, daß die Umstellung der industriellen Betriebe auf die Friedenstättgkeit mit erheblichen Unkosten verknüpft sein wird, wodurch ein gewiß nicht geringer Teil der Kriegsgewinne aufgezehrt werden wird. Im übrigen muß es dem Staate über­lassen bleiben, dnrch Heranziehung des außerordentlichen Pcr- mögenszuwachses während des Krieges zur Kriegsgewinnsteuer das verletzte Rechtsempffnden zu versöhnen.

Die Kriegsverhältnifse und die aus ihnen unstreitig erwach­senden, mit früheren Zeiten gar nicht vergleichbaren finanziellen Anforderungen der kommenden Friedensjahve haben nun die In­dustrie vor Gefahren gestellt, deren Ernst und Größe vielerorts noch kaum ermessen wird. Wir meinen die starke Strömung für Staatsmonopole, ioelche letzten Endes zur Verdammung

sich besonders derChor der Wurstmacherinnen" viel Beifall. In einer anderen OverStörtebecker und Gödge Michaels" wurden sogar auf offener Bühne Kälber und Ochsen geköpft. Nicht minder sonderbar waren die in England beliebtenBettleropern", die in Verbrecherkreisen spielten und meist wahllos aus den wüstesten Gassenhauern zusammengesetzt waren. Auf diese Zeit des größten Tiefstandes folgte der Wettstreit zwischen deutschen und italienischen Komponisten, der mit der Konkurrenz von Hndäel und Bononeini einsetzte. Tie schärfsten Kämpfe wurden auch zwischen den Ver­ehrern von Gluck und den Anhängern der italienischen Oper geführt. Die von Schlacken gereinigte Kunstperiode der Oper setzte in Deutschland schließlich mit Ddozart ein. Daß aber damals die durch die geschilderten Mißgriffe perwirrte Zeit noch nicht reff für die Reinheit der Mozartscken Kunst war, geht ans der folgenden Aeußerung Kaiser Josefs über dieEntführung aus dem Serail" hervor:Zu schön für unsere Ohren und gewaltig oiel Noten, lieber Mozart!" Mozart aber begnügte sich mit der kurzen Er­widerung:Gerade so viel, Euer Majestät, als nötig sind."

Die Ameise als Geruchstier. Das scheinbar nack äußerst scharfen Vernunftgrundsätzen geregelte Leben der Ameisen wurde von den uieisten Forschern durch das Vorhanden­sein psychischer Elemente im Ameisenvolke erklärt. Auch der große Ameisen forscher Forel schreibt den Ameisen Sinnes tvahr- nehmung, soziale Gefühle, Gestaltsausfasfung. Assoziation, Gedächt­nis und ein bestimmtes Denkvermögen, ja sogar ein individuelles Seelenleben zu. Von umso größerem Interesse sind die Versuche von Hans Henning über die Art und Weise, wie die Ameisen sich orieutiereu. ans denen hervorgeht, daß mm: es' bei den Ameisen! nicht mit Wesen psychischer. Struktur, sondern vor allen: mft Ge­ruchstieren zu tun hat. Die Versuche, über die Henning selbst ft: der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift berichtet, wurden mft der best'eheiwen Ameiseuart, der rötet: Waldameise, (Fermica rufa L), die ja auch in den deutschen Wäldern in gewaltiger Zahl anzutreffen ist, vorgeuommen. Daß es sich bei der Ameise um ein Geruchstier handelt, ist schon daran zu erkennen, daß die Amputierung der die Gevuchsendeapparete enthaltenen Antennen unvermeidlich den Un­tergang des betreffenden Exemplars herbeiführt, währei:d geblen­dete Exemplare weiterhit: die Heerstraße verfolgen und so Nah­rung ffnden können. Der Geruch der Heerstraße wird von der im Körper der Ameise eifthaltenen Ameisensäure hervorgerusen, mit der die Tiere den zurückgelegten Weg betupfen. Nun nahm Henning seine Versuche vor, indem er durch Verwendung von Ameisensäure uno ameisensauren Verbindungen mft einem Pinsel kürrstliche Geruchsspuren zog, die auch sofort von den Ameisen hin und her begangen wurden. Wo eine solche künstliche Geruchsvur aufhörte, kehrten auch die Ameisen um. Wem: von einer solchen' Spur beispielsweise ein Stein, über den sie führte, durch Waschen von der Ameisensäure gereinigt wurde, stellte sich sofort be: den Ameisen eine Verkehrsstockung ein, während die menschliche Nase

des Privatunternehmens führt und möglichst vielseitige Staats- und Gemeindewirtsck>aft empfiehlt. Daß sich das Erwerbsleben m dieser Zeft mft mancherlei staatlichen Maßnahmen abfinden muß, welche eine schwere Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit kvs Einzelnen bedeuten, ist selbstverständlich. Die Arnvenduug der Ver­ordn nngsgewalt des Bundesrats muß überall als # berechtig und notwendig anerkannt werden, wo die besondere:: Kriegsverhältnisse scharfe Eingriffe erforderlich mache::. Es soll auch nicht geleugnet werden, daß schon in Friedenszeiten der freie ungehemmte Ver­kehr zn gewffsen Privatmonopolen von äußerst t:Mtetliger Wir-' kung für die Allgemeinheit und selbst für den Handelsltand geführt hat. Solche Privatmonopole sind natürlich aus die Tauer nicht zu ertragen und ihre Ueberleitung in gemeinwirtschaftliche Form! muß nach dem Kriege die Losung sein. Ob nun finanzielle Sorgen des Reiches auf diesem oder jenen: Gebiete zu Monopolen führen; werden, mag hier unerörtert bleiben. Eins muß aber doch schon jetzt betont und kann nicht oft genug wiederholt iverden, daß die Sicherheit und Stärke unserer Volkswirtschaft auf der Freiheit der Bewegimg beruht, unter welcher allein die deutsche Industrie und der deutsche Handel das leisten kouttten, was sie in der ganzen Welt so geachtet und gefürchtet gemacht hat und woraus auch unsere Zuversicht einer neuen glänzende:: Enttvickeluug der Zukunft be-> ruht. Man muß sich immer wieder vergegenwärtigen, daß gerade das bewegliche, jeder Sachlage sich leicht :m.d schnell m:passend» industrielle mtb kaufmännische Vorwärtsstreben Deutschlands eft:er der Grundpfeiler unserer schwer erruagenet: wirtschaftlichen Welt- stelluug ist, das sich auch in dieser Kciegszeit so über alle Vor­stellungen und Begriffe hinaus gezeigt und bewährt hat.

Die gewaltige Auspaunung aller Kräfte, welche der deiftschen Wirtschaft durch die Versorgung des Heereskörpers wie des Jn- laudsmarttes erwuchsen, spiegelt sich auch in der Lage des Ar­beit s m a r k t e s wieder. War zu Begim: des Krieges eine Arbeitslosigkeit eingetreten, so daß ein erhebliches Uebe ran gebot an Arbeitskräften vorlag, so änderte sich das Bild bald von Monat zu donat und heute ist eit: ausgesprochener Mangel an Arbeits­kräften, besonders an geschulten, vor banden- trenn es auch vielfach mit Hftfe der Organisatioi: ^>es Arbeits­marktes gelungen ist, ungelerntet: Arbeitern den Uebergang in die Klasse der ausgebildeten Arbeiter zu erleichtern. Angesichts dieser Verhältnisse und der Notwendigkeit, die Herstellullg des Heeres­bedarfs unter allen Uinständen sicher zu stellen, hrtt es die Heeres­leitung für unumgänglich erachtet, ^ die heimischen Arbeitskräfte in weitgehendstem Maße zu organisieren. Diesen Zielen d:ent das Gesetz über die Ei::führut:g der Z:vildie::stpfl:cht, wonach jeder matinliche Deutsche von: 17. bis 60. Lebensjahre zum vater­ländischen Hilfsdienst verpflichtet^ wird. Es kann keinem Zweifel unterliege::, daß dieses Gesetz außerordentlich tief in unser ganzes Wirtschaftsleben einschneiden wird; es muß sich aber dem Zwecke des Krieges imtexorbiten. (Fortsetzung folgt.>

vermischte».

* Der König der Eierhamster. Der König der Eier­hamster lebt nicht etwa in Deutschland oder in einem der anderM! kriegführenden Länder, so:ft>ern in den Vereinigten Staaten. Dorv hat nämlich, wie das Journal zu berichten weiß, ein besvndersl unternehmender Mann mft Nau:en James E. LLertS sich auf die Bildung grandioser Eierläger geworfen. Bisher hat er in seinem! Hauptgeschäft in Chicago nicht weniger als 72 Millionen Eier an gesammelt, die er zum Preise von ungefähr 1 bis 1,50 MarZ für das Dutzend gekauft hat und zu Begftrn des Frühjahrs vor der neuen Eiersaison um 3,50 bis 4 Mark für das Dutzend zu verkauseu gedenkt. Trotz aller Beschwerden gegen dieses kauf­männisch nicht gerade einwandfreie Vorgehen verharrt der geiriale Eierkönig bei seinem Plane, mit der edlen Versicherung, daß das Publikirm durch den dank seiner Aufkäufe entstehenden Eiermanoel schließlich bedingungslos sich seinen Preisen werde unterwerfen! müssen.

* Amerikanischer Humor. Ein Prediger erzählte bi einer amerikanischen Smrutagsschule die Geschichte von Eutychus, der während einer Predigt des Apostels Paulus, aus Fenster ge­lehnt. einschlief und darum au£ dem Fenster siel und starb.Was kann n:an aus diesem Ereignis lernen?" fragte der Lehrer. Ein kleines Mädchen antwortete stink:Mm: kann daraus lernen, daß Prediger keine zu langen Reden halten sollten."

auch an dem abgespülten Stein noch die Säure zu riechen ver-» mochte. Demnach besitzen die Ameisen für Ameisensäure eine höhere Reizschwelle als die Menschen. Im Durchschnitt ttürb eine nicht riechende Strecke erst durch 66 Ameisenüberschreituu^n zur Heersttaße gemacht. Daß die Ameisen die Säure nicht so leicht riechen wie die Menschen, erklärt sich daraus, daß sie ja selbst Ameisensäure produzieren. Auch das gegenseitige Erkenne:: be­ruht auf dem Geruch, so daß z. B. ein mit Patschul: gettapftes Exemplar von den at:deren Mftgliedern der Kolonie totgebissen witt>. Demnach sind bei den Alneffen meist nicht soziale Instinkte oder Gedächtniskomplexe wirksam, sondern einfache Geruchs- reaktionen.

Fund einer Schachfigur aus dem 11. Jahr­hundert auf Oeland. Wie aus Stockholm berichtet wird, beftndet s:ch seft kurzer Zeft :m geschichtlichen Museum eine merk­würdige, aus Walroßzahn geschnitzte Schachftgr:r, die unlängst in der Gegend vvn^Soberga auf der Jns^l Oeland aufgefimden wor­den ist. Die Schachfigur, die 7 Zentimeter hoch ist, stellt eine Rittergeftalt dar. Der aufrechtstehende .Krieger hat auf dem Kopie einen halb kugelförmigen Helm mit einer Krempe und einen: ans- gesetzten. Klrvpfe; bewaffnet ist er mit einem zum Teil abgebroche­nen Schwerte, das er aufrecht in der Hand hAt: das Gehe::k be­stächet sich an der linken Seite und hängt an einem Riemen, der über der rechten Achsel liegt. In der linket: Hand hält er vor sich einen schmalett oreieckige::, mit einem Kreuze verzierten, Schild, der bis auf den Boden reicht. Die Belleibung ist cch ärmelloser bis auf die Füße fallender Rock. Das C.'mrhf Ot ziem- hcft grob geichnitzt; auffällig daran sind die kugelrunden Augen sotvie die Locken des Haupt- und Barthaarcs. Den Fachleiften ist es gelungen. Herkunft und Alter des Fundes ziemtick' sichert zu ermitteln: die Schachfigur stanunt etlva aus dem 11. Jahrhun­dert, wofür die gat:ze Arbeit spricht, allein es Handel: sfty nicht um ein Erzeugnis des^ alten schwedischen Kunftgewerbes, wie der Vergleich mit den drei alte:: Schachfiguren beweist, die die ge­nannte Sammlung schon hat: diese besteht: aus besten: Elsenbern und sind sehr fein ausgearbeitet, während die aus dun selb rau new Walroßzahu bestehende Schnitzarbeit viel gröber ist. Aller Wahr- scheinlickkeft nach ftamntt sie aus England. Auch dies lehrt ein Vergleich. Im Jahre 1831 wurde 'nämlich in Lowis (Hebriden) durch eine Sturmflut ein unterirdischer Raum atlfgedeckt, in dem imter anderen Dingen 67 Schachfiguren aus Walroßzahn auf­gesunden wurdet:. Die meisten davot: befindet: sich gegenwärtig im Britischen Niuseum. Sie weisen in jeder Hinsicht die größte Aehnlickikeit mft den: Funde von Oeland auf. Be: dem Funde von Lowis handelt es sich um mehrere Könige, eine Anzahl Könft ginnen, einige iLäufer, Mehrere Sprin.wr (zu Pferd? und um 10 aufrechtstehende Kriegergestalten. Diese wie die Schachfigur von Oeland köimen aber nur Bauert: oder Türme darftelletr.