Nr. 209 Zweites Blatt
Erschein! täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Beilagen: „Gietzener ZsimlienblAter" und „«reisblatt für den Kreis Gießen".
-sftfchrSronto: Frankfurt am Main Nr. U68-. Savtoerkehr: Gewerdedank Sichen.
M. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheffen
Mittwoch, 20. Dezember 1916
ZwillingSrunddruck und Verlag:
B r ü hl'jche Unwersiläts-- Luch-u.Stnndruckereu N. Lange, Gießen.
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Koloniale KriegZziele.
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( T Jg* Drutschc K^° Io,rialgesellsckaft ^röffenüicht bk
^ dem Friedmsschliltz hinsichtlich ber Kuküirftlgeu deuffchen Kolonien tnaßgebende:: Leitsätze:
Notwendigkeit überseeischer und insbesonde kolonialer Betätigung.
1 Ileberseeische itir b insbesondere koloniale Betätigung ist völ- S toWig, wirtschaftlich und ethisch unentbehrlich, wenn das ^Eche Volk eur rührendes Weltvolk, das Deutsche'Reich cffrg Großmacht bleiben Null.
< 2‘ Vergrößerung des eigenen Gebietes in Europa ist
Ircherlrch für das Deutsche Reich und Volk ebenso aeboten wie ein möglichst enger, politifcher, mstitättscher uno wirtschaftlicher Zu- lammttstchlnß mit befreundeten Staaten in Mitteleuropa und nach dem Orient hin: der Besitz eigener Kolon ich bietet aber die durchaus notwendige Ergänzung des europäischen Deutschlands, loo- Nrrck, .die, es zugleich für seine Bnndesgenvssen in uorf> höherem nu wirtschaftlich und politisch loertvoller Freund wird. Die militärische Sicherung unserer überseeischen 'undkolonialenBetätigung.
3 Wenn es auch ein undurchführbares Verlangen wäre, jede Kolonie gegen jeden Feind dauernd halten zu wollen, und wenn au.chcherfehlt wäre, bei der Enverbung von Kolonien nur vott militärifck)en Gesichtspunkten auszugehen, so muß dort) nach Möglichkeit dafür gesorgt werden, daß unser künftiges Kolonialreich, Nicht wieder so gut wie wehrlos einem feindlichen Ungriff preis- gegeben ist.
4. Eine ans reichend, starke Kriegsflotte wird stets der wichtigste Schutz jeder überseeischen und kolonialen Betätigung 1 <nn müssen; die Sicherung gewisser Landverbindnngen kann eine wirkungsvolle Ergänzung dieser Aufgabe der Flotte bilden, niemals aber eine solche ersetzen.
5. Außer einer Kriegsflotte verlangt die militärische imd wixt- schastlickx: Sicherung unserer überseeischen und kolonialen Betätt- mmg die E r w c r b u n g von Stützpunkten, nämlich einer ausreichenden Zahl von nach Bedarf zu befestigende:: Flotten-, Kohlen -, Kabel- und Fnnkenstationen.
6. ^ Soweit solche Stützpunkte nicht ans Inseln liegen, ist aus militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten ihre Ergänzung durch ein entsprechend großes koloniales Hinterland dringend erwünscht.
Unser-künftiges Kolonialreich im allgemeinem.
7. Der große Bedarf Deutschlands und auch seiner Bundes^ genvssen an kolonialen Rohstoffen, die Notwendigkeit der Sicherung von Absatzgebieten für seine Industrie und insbesondere eines Ersatzes für die ihr durch unsere Gegner bereits zugefügte uirb noch weiterhin zugcdachte Verdrängung von bisherigen Absatzmärkten lassen die Erwerbung eines große:: Kolonialbesitzes ohne kleinmüttge Aengstffchkcit um so mehr geboten erscheinen, als eine gleich günstige Gelegenheit sich dazu nicht so bald wieder bieten dürfte.
# 8. So anziehend der Gedanke auch zunächst erscheinen mag, sich auf ein geschloffenes Kolonialreich zu beschränken mrd auf allen übrigen Kolonialbesitz zu verzichten, so zeigt doch ein Blick ans die vielseitigen politischen und wirtschaftliche:: Bedürfnisse und Interessen des Deutsche:: Reiches, daß ein in Afrika altern zu errichtendes ,Kolonialreich uns nicht genügen kann.
Zwar ist Afrika das zunächst gegebene Kolonialfeld, daneben verlangt die außerordentlich große Zuürnft Chinas die Festes A7Ä> Erwerbung von Stützpunkten im Gebiete des Indischen und des Stillen Ozeans.
9. Bei der Schaffung dieses künftigen Kolonialreiches ist in erster Linie an unseren bisherigen Kolonien festzuhülten.
10. Bei der Auswahl neuer Kolonien ist zu beachten:
a) völkisch : Erwerb neuen Siedelungslandes;
b) militärisch: 1. positiv: Erwerb von Stützpunkten: 2. negativ: Besitzergreiftmg solcher Kolonien, die die heimische Kraft unserer Feinde durch Mgabe farbiger Truppen tatsächlich oder ihrer Ansicht nach zu stärken geeignet sind.
c) wirtschaftlich: Betätigungsfeld für den ff che Arbeit und deutsches Kapital, insbesondere zur Sicherung 1. des Bezuges von Rohstoffen, vor allem solcher, öie uns in besonders hohem Muße
fehlen ober deren Besitz aus andeven Gründen für «ns besonders wertvoll ist: 2. des Absatzes deuffcher Erzeugnisse. Hierfür ist eine möglichst zahlreiche, arbeitswillige und kaufkräftige Bevölkerung eine wichtige Vorbedingung: außerdem sind die gesundheitlichen Bedingungen »zu berücksichtigen. Das Vorhandensein! deutscher Interessen ist in Betracht zu ziehen.
Z) finanziell: Bevorzugung solcher Kolonien, deven Ausbau keine übermäßig große:: Reichszuschüsse erfordert:
e) geographisch: 1. vositiv: Anschluß an unsere bisherigen Kolonien; 2. negativ: Verhütung, daß gewisse ftemde Kolonien wirffchaftlich oder politffck Mächten znfallen oder verbleiben, deren Herrschaft gerade dort für uns besonders störend sein würde.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Dezember 1916.
Geschenke für den Unterstand.
Aus dem ersten Dezemberheft des „Deutschen Willens" (Kunstwort):
Die W'eihnachtspakete, die freuet an die Front gehen, werden aus zwei Gründen verschieden sein von denen der beide:: vorigen .Kriegsweihnachtei:: die Stimmung der Gebenden wie der Empfangenden ist eine andre und auch die Auswahl der Geschenke michmrus wirtschaftlichen Gründen eine andre sein.
Früher sandte man meist Geschenke, deren Aufgabe es »var, augenblickliche Bedürfnisse oder Bedürfnisse für ein paar Wochen, höchstens Monate zu beftievigen. Der Krieg erschien uns im allgemeinen als ein Ausnahmezustand, der bald vorübergehen müsse. Heut rechnen wir kaum mit einen: Ende des Krieges, wir nehmen ihn als Dauerzustand. Daher sind wir viel melyr geneigt, Dinge zu schenken, die eine dauernde Freude machen können. Ferner: die Lebensmittelsendungen müssen zum großen Teil unterbleiben, weil sie der „Rationierung" widersprechen. Von der Front bis zur^ Heimat ist die Lebensmittelverteilüng so abgemessen Uno abgestuft, daß der Spielraum! ,für die Versendung von „freien" Eßwaren sehr gering ist.
Um so mehr werden wir bei der Suche nach geeigneten Gs- schenken für die Front ans das verfallen, was das Leben dort, draußen dauernd Behaglicher machen kann. Da kommt vor allem in Betracht die Ausstattung der Unterstände und Wohnungen. Vieles freilich zimmert, schneidet, zeichnet sich der Soldat selbst zurecht, aber er möchte doch auch manches um sich haben, >vas et) sich selbst nicht beschaffen kann. Häufig fehlt es an gute::, billigen Bildern, die man cm die Wände heften oder gar rahme:: kann!« Durch ein rechtes Bild kann ein Unterstand oft einen ganz besonderen Charakter erhalten. Man achte bei der Auswahl auf kräftige Formen und Farben, die in dem nicht gerade mit Licht durchfluteten Raum von der Wand her wirken.
Auch Bück^er wird inan mehr schicken als früher, freilich nicht fo sehr „Kriegsbücher" und allerlei „aktuelle Sache::" — dieser Dinge sind wir allmählich arg überdrüssig geworden! Aber für gutes. echtes Schrifttum von zeitlosem Wert witt> vielfach gerade jetzt der Boden bereitet sein wie nie zuvor. Endlich: es wir- an und hinter der Front auch gern musiziert. Geige, Zupfgeige^ in Glücksfällen ein Klavier — ist dergleichen draußen vorhanden, so sorgt dafür, daß genügend gute Noten hinauskommen. Volle Bücherbretter und Note::mappen in die Unterstände!
Die ganz triviale äußere Not der Zeit zwingt uns, den Blick aus die tteferen Werte des Lebens zu richten und im Innert die Befriedigung zu suchen, die uns draußen nicht xntest werden kann. Möge es recht vrelen gelingen, auf solche Wesse Segen zu schöpfen ans der schwersten Not. (nt.)
** Hindenbnrgspende un d Vaterländischer S t n d e n t e n d i e n st. Die vom geschäftsführender: Ausschluß der Deutschen Burschenschaft kürzlich von neuem ausgegangene Anregung zu möglichst allgemeiner Aufnahme des Vaterland i s ch> e n S1 u d e:: t e u d i e n st e s hat dem Rektor der Universität Münster Veranlassung gegeben, die dortige Studentenschaft ftir die Aufklärung der Landbevölkerung über die von H^i n de n b u rg ge forderte st ärke re Versorgung der Städte (besonders aber der Mnnitwl^rrbeiter) mit Nahrungsmitteln zu gewinne::. Für die auf den 15. Dez.,
also kurz vor der Heinrreise der Studierenden., einüeruseue Sttw dentenveffamnttung sind Anspvachen der Regierungspräsidenten imb her Professoren der Nationalökononffe und dm praktischen Theologie vorgesehen. Es ist zu wünschen, daß dieses höchst dankenswerte Vorgehen auch an den übriger: Hochschulen, vielleicht auch indcnoberenKlassenderMittelschulen, ra! che Nach ahmung ftndet.
** Der Gedenkbaum. Der Kriegswirtschaftlich' Ausschuß beim Rhein--Manüscher: Verband für Volksbildung schreibt uns: Manch einem, der auf fremder Erde sein Leben hingab, war daheim ein Plätzchen lieb vor anderen, fei cs im G-atten, sei es 'auf den: Ackerfeld, sei es am Wege, von wo ans ec saust beim Heimkommen zuerst oder :vo cr beim Auszug zuletzt seine Heimat erblickte. Tahin pflanzt einen Baum zu seinem Gedenken, wenn es sich, irgend tun läßt. Wählt aber einen O b st - bäum, seinem schaffenden Sinn zur Erirrnerung und zwar eine:: dauerhaften, der in späten Jahrzehnten noch, das Andenken eures Gefallenen weitetträgt, einen Apfelbaum oder besser noch- einen barten Birnen Hochstamm. Vielleicht steht auch der Baum an eurem Lieblingsplatze gut. Und hatte der Gefallene einen Freund, der gleichfalls fiel, oder einen treue:: Kameraden, der bei ihm >var :md ihn versorgte ff: seiner harten Stunde, so pflanzt dem Baum auch :wch einen Bruderbaum. Vielleicht nrag auch die Gemeinde eines ihrer Allmcndstucke bereitstelle:: für eine Ehren ge rde von Baumreihen zum Gedenken der fürs Vaterland, für Haus und Hof und für den Heimatboden Gestorbene::. Kind :rnd Kindes- ffnder werden unter dem Bamndenkmal sprechen von den Beschützern unserer Heinmt und werden Mitempfinden, was euer Herbewegt hat unter euren: Baum.
** Feldarbeit int Dezcmü>e r. Wohl selten dürfte es Vorkommen, daß im Dezember die Landwirte twch mit solchem Fleiß ihre Feldarbeit besorgen, wie in der jetzigen Kciegszeit. Ucberali ist man damit beschäftigt, die Sturzäcker un:zupflügen und allen überflüssigen Dünger auszufahren. In den Wiesen werden Ent- wässertingsgräben angelegt, die Bachnfer von Buschwerk befreit und nach Kräften gedüngt, laider fehlt aber hier vielfach der Kunstdünger. Auch in den Gürten kann :wch manches Versäumte ^nach- geholt werden, Bäume und Sträucher können jetzt noch überall mit Erfolg beschnitten und gepflauzt werden.
** A bsatz von Gemüsekonserven. Die Gemilsekonser- vcn-Kriegsgesellschaft m. b. H. zu Braunschweig, mit deren Erlaubnis» allein Gemüsekonserven abgesetzt werden dürfen, teilt amtlich mit, daß der 2lbsatz von Gemüsekonserven bis auf weiteres (wahrscheinlich bis Mitte Januar) verboten ist. Alle gegenteiligeni Mitteilungen sind irrig. Wer Gemüsekonserven ttotz des Absatzverbotes verkauft, macht sich strafbar. Die Gesellschaft ist gehalten, jeden Fall der Uebertretung. der ihr bekannt ivird. zu versolgerU Landkreis Gießen.
tt. Treis a. L„ 19. Dez. Das Eiserne .^trenz erhielt als 23, aus unserer Genreinde der Unterofffzier Wilhelm Becker beim! 2. Marine-Infanterie-Regiment, die Hessische Tapserkeitsmedaills als 1.7. der Musketier Konrad Michel beim Infanterie-Regiment Nr. 186. — In der vergangenen Woche wlrrde:: dahier nahezu! 3000 Zeittner Speisekartoffeln für den Konrncunakverband Gießen verladen, um an Großstädte geliefert zu werden, in: vorigen Monat sind schon einmal 1200 Zetttner aus unsetcer Gemeinde ab- gegangen, zusammen also 4200 Zentner, eine stattliche Menge in Anbettacht der meist kleinen Landwirte unseres Torfes. Da die Behörde mit der Anforderung so genau vorgegangen ist, daß nicht einmal der durch Einttocknen und Fauftn unvermeL>lick^ Ausfall berücksichtigt Wochen ist, so ist ffn Frükßahr aller Wahrscheinlichkeit nach ein großer Kartoffel Mangel in den landwirffchafttichrns Betrieben zn befürchten, der für die nächstjährige Anssaat und Ernte von höchst ungünstigem Einfluß sein kann.
Kreis Büdingen.
# Seeg beim, 1^. Dez. Das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhielt der hiesige Lehrer Heinrich 51 rausch, Leutna»:t und Korn- pagniekührer.
G e l n h a a r. 18. Dez. Aus dem jlolde der Ehre starb infolge eines Kovfschuffes der Musketier Karl R e i s s ck: n e i d e r.
H ö ch ft a. d. N., 18. Dez. Das Eiserne Kreuz erhielt der hiesige 2. Lehrer Rudolf Heinrich, Gefreiter in: Neicrve-Jnf.- Regiment 253.
Nun st, wßsscn^chKft und Leben.
— Die Krankenschwester einst und jetzt. Unter denen, die im gegenwärtigen Kriege ihre ganze Kraft denk Vatcv- lande zür Verfügung stellen, sind die Krankenschwestern wahrlich nicht zuletzt zu nennen. Wie viele Verwundete haben sich schon ihrer Fürsorge uno Sachkunde erfreut, wie viele wahren diesen ! geduldigen, liebevollen, still und tre:: sorgenden Frauen für ffnmcL' ein dankbares Gedächtnis! Der Schwesterngedanke, der Gedanke der sozialen Hilfsarbert an körperlich oder geiffig Leidenden bleibt, wie Karl Ernst Knatz in einem lehrreichen Aufsätze ff: ver bei der ,Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart erscheinenden Wochenschrift „.lieber Land und Meer" lhervorhebt, ein dauerndes Verdienst des Christentums, aus dessen .Gefühls- und Ueberzeugungskreis cr Unmittelbar heraus ge wachsen ist. Aus vorchristlichen Zeiten sind nur auf Ceylon und ff: Kaschmir buddhisffschc .tbrankenbülser geschichtlich nachweisbar, während im Christentume sich aus den Anfänge:: der männlichen und weiblichen Dienstschaft oder, um das griechische Wort ZU gebrauchen, Diakonie, eine Bewegung entwickelt hat, die bis Kur Zeit der Kreuzzüge im Morgen- imd Abendland emporgestiegen ist, sich ausgebreitet hat, in Klöstern, Kranke::- und Armenhäusern und Spitälern gewirkt und ff: den ritterlichen iKrankenpftegeordeu eure soziale Oberschicht erhalten lyai. Schon früh hat sich da? NTeibliche Geschlecht den Eintritt in diese Tätigkeit erobert, und als die erste aller Krankenschwestern ist wohl die Römer 16,1 erwähnte Schwester Phöbe, die in der Gemeinde von Konchroie wirkte, zn ltemtat. Ja, die Diakonissinnen erhielten später sogar das Recht, in gewisser: Fällen die Sakramente zu verwalten u'tb zu predigen, bis die Svnoden von ^Qrlcans in: Jahre 533 mrd das Kotrzil von Autun (670) der Seelsorgs-Arbeit der Frau ein .Ende bereiteten. Gegen Eüde des Mittelalters war ein allgemeiner Verfall des Hospitalwesens eingettcten; mit der Reforma ff ons'-.-nt aber setzte ein rreuer Aufschwung des Schwesternwesens ein, der dann im 17. und 18. Jahrhundert sich inuner deutlicher bemerkbar macht. 1633 gründete Vinzenz de Paul den Orden der Barmherzigen Schwestern, während die ne:^itlichen protestantischen Schwesternschaften in der Hauptsache auf Amalie Sieveking zmückgehen, die 1832 den „Weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege" schuf. Wie sich seither das Schwestermvesen in Denffchland <n:tw:ckelt hat, bleibt es ein überaus reiches, aber auch tmübersichtliches und! zerrissenes Bild, Wozu die nnermeUiche Vielheit der Trachte:^ nicht :venig beiträgt. Folgende große Hcawtgruppen kann man etwa inttcrschciden. Zunächst die katholischen Ordensschwestern- schafte::, von denen die Barmherzigen Sclpvestern am bekanntesten sind: sewfer sind etwa die Graue:: Schwestern und die Franziska- nerinnen besonders zu ne:rnen. / Ihre Eresanttzahl dürfte vor dem 5«riege etwa 26 000 bettagen habe:: Dam: die protestantischen
Diakonisse:: lititb Diakon iffertf ch Western, von denen jene 12 000, diese 1000 Köpfe umfassen dürfte::. An Johanniter innen wurden ungefähr 1000 gezählt: die Zahl der Schwestern vom Rottn Kreuz wuroe vor dem Kriege - auf 5000 beziffert und endlich Umfaßte die Berufsorgmnsation der Krankenpflegerinnen 3500
Frchren. 13 Schwesternvereine gehören einer jüdische:: Organisaffon an. Jede der großen Organisationen verfügt über mehr als ein halbes Hundert AtutterHäuser und ebenso viele Trachten Und man kann sich hiemacb vorstellen, welche Mannigfaltigkeiten der Einrichtungen Wie der Trachten auf diesem Gebiete herrschen.
— Die Wiener Uraufführung eines Wiener Ko mödiendichters. Man schreibt uns aus Wien: Der neue Komiwiendichter ist Victor Fleischer, der bisher ein Paar schöne Romane <u:s dem nordböhmischen Dorf- und Klem- stadtleben geschrieben hat. Sein erstes Lustspiel, von der Wiener Volksbühne zum ersten Male aufgefühtt, HÄßt: .Follgga Ersen hart". Es ist ein Verwechflungs- und Jnttigenstuck. Mer du Verwechflmrg, der zufolge sich der ehemalige Corckeur- student und derzeitige Weinhcffrdler Hüber für den bang erwarteten Dr. .Eisenhart ausgibt, ist nur der Bewegungshebel des Spieles, der elekttische Druckknopf, der in die Glieder der sieben oder acht Kleinstadtärzte höck>st possierlich kribbeliche. Angst vor dem neuen Konkurrenten leitet, und die „Intrigen." sffrd über-' Haupt nicht böser Sittrationsnntz, sondern garte Milieuschilderung und rein künstlerische Charakterisierunge:: der Herren Doctores med. univ., die. emander die Patienten wegschnapper: wie Fisch- mänler eine Brotkrume. Und tum geht es gar um de:: großen Happen der frei gewordene.: Genosfenschaft-Arzt-Stelle! Wie sie sich da alle rund um die Herren Genossens-chaftsvorsteher, die -Herren Novotny und Strimz imd Diene! t drehen, und bei dem einen neue Formentafieln, bei dem andere:: Frackanzüge und bei dem dritten weiß Gott was bestelle::, da doch geschrieben steht, daß eine Hand die andere wäscht! Ja, das ist sehr witzig, laun» voll juno saffrisch daraestellt, aber eff: bißchen schmerAich unb trcrmng ist es auch, oieses Lied vom intellektuellen Elend, das vor der wohlhabenden Vierschrötigfeit dienern und scharwenzeln muß und am Ende zeigt, daß die Gelehrten und Gesckwiten im' Leben doch die DuMmen such. Nur mit dem rechten Auge lacht dieses Lt:stspiel, im linken, das über dem Herzen sitzt, ist eine Träne, und beche Zusammen erst machen ihr rechtes und wahres Gesicht. Die Volksbühne, hat sich um diese Ganzheit redlich bemüht iritb eine hübsche Auffühnmg zustande gebracht, ff: der Herr Barn atz als lächelnd resignrerender Dr. Arnstein mehr als anständig war, und so etwas lme Würde und Größe um und in sich lmtte. Das Publikum ging auf die Absichten des Autors gerne ein. H. W.
. — Ueber Theatergagen plaudert Äjrth::r Langen in
NUMMer 9 der illustrierten Zeitschrift: „lieber Land :md Meer" (Deutsche iVerlags-Anstalt, Stuttgart). Wtt greifen aus den Summen eff: paar heraus: Bor etwa anderthalb Jahrhunderten bezogen yamhafte erste Künstler, deren ^Ruf zu ihrer Zeit kein geringerer war als derjerffge ihrer heuffge:: Kollegen aus gleicher Stufe, wie der Schauspieler Fleck am Berliner Königlichen Theater nur 1300 Taler im Jahre, UntzelMann imb seffw Frau zusammen 1248 Taler: der Direktor, Schauspieler und Regffseur Döb- belin 1200 Täler, seine Gattin als erste Hjyroine 832 Taler und Ihr rste Tenor, üippert, ebenfalls nicht knehr als 1200 Taler, '"^«rend hcnttc ein Vrrvattheaterdirektvr, Dr. si^eorg M- mann voi«: Kleinen Theater zu Berlin, seinem erste:: Darsteller
allein eine Monatsgage von 3000 Mark zahlt. Die Sängerin Gertrud Mara verlangte fitt ein Konzert in Berlin das für damals ungeheuerliche .Honorar von 300 Talern. Der Besuch, desselben war so stark, daß ein zweiter Abend zn gleicken Bedingung e:: vereinbatt iverden konnte. Für ein drrttes Auftreten bvt nurn der .Künsllerin nur 200 Taler. oW Ablehnung, für dieses Honorar zu singe::, zwang den Unternehmer, airs eigenen Mitteln für die seienden 100 Taler zu gavanfferen. Die sich auf schwindelnder Höhe bewegenden Ziffern der Gagen Uifferec nanchaften Künstler gehören jedoch überwiegend mehr ode-c weniger in das Reich der Sage. Bei ruhiger Erwägung muß sich jeder ausrechnerr, daß weder ein Vrivatdrrektor, wie Viktor Bariwwffv, einem Schauspieler von der starken Qualität Albert Basscrnramis 100 000 Rcark Jahresgage zu betvilligcn imstande ist, noch daß die Generalintendantur der Königlickun Schauspiele ähnliche Sunrmen Herrn Schwarz oder Herrn Jadlowker vertragsmäßig zu sichert J oses
Kainz, wohl der zugkräftigste Gast seiner Zeit, wenn er nicht eine prozentuale Betelligung an den Einnahme:: vereinbart hatte, ttat nur gegen ein festes Honorar auf, das ztoischeu 1000 urid 1560 Mark pro Vorstellung oder Vorlesung schwankte.- Ag-v-.-, Sornia welche bei der Begründung des Deutschen Theaters nnt einet Monatsgage von 150 Mark engagiert war. konnte die nämlichen Bedrngungen stellen. Lichwig Barnay hatte seine Töngteit als Trrert-or, Schauspieler Und Oberspielleffei' mit :nonallich 2500 Mark bewettet, während Fttedrichi Mitterwurzer das winzige Horwvar von 160 Mark pro Abend, ohne eine 0H rau tun bezog Der Dvmrg und die Notwendigkeit, größere Summen zu iw dienen, veranlaßte den -zu rttrh verstorbenen Giampietto ^ou dessen eminente künstlerische Gestalttmgsfähigkeit es ein Jammer war, ern Engage:nent am Mettovoltbeater cn:zunehmen dessen bo.here Mmrahmen, die Zahlung größerer Gagen ecm'ög!ill,te ^lestlben DLottve leiteten auch.> Harry Waldm, für längere Zeit den« kunstlerrsch gelettete:: Theater sich ftrnznhalten und seine Zug. kraft Mrranszirnützen, weil er ftir ein nicht 40000
oder 50 000 Mark :m Jahr u>ert war. Beträchtlich- Gage:: zahlt fernen Mttglleder:: Prvfchsor ÄLar Reinhardt. Früher Elw 'stb- mann, letzl Hermine Körner. Lneie .Höflich-, Paul Weaeuri' <wus Waßmmn: und mcht zuletzt Pallenberg sind Größen, deren' Zalire^. b^üge :m fetten EngagemeM zwischen 25 000 :md 50 0' > svchi bewegen.
Berlin. 13. Dez. Heute wurde hier im Hotel Esplanade unter dem Barsche^ von Pessar Dr. Haus Goldschnnd, Cnfcm ^rckftn Borsitzeuden der Deutschen Buuserlgejell- kchaft, dem sowohl dm Anregung als auch die Durchfflluuug dieses mnzrgarttgen Unternehmens zu danken ist, die Grnndnn4 brIrvenoren-Bereins vollzogen. Der Vernn bo zweckt, deuffcha: Chennker:,: nach abgeschlossenen: Hochschulstudium ^ Gewa^ung von Sttpendien die Möglichkeit zu verschaffe LM^L^o::.Äoch'ckmlleh«rn ihre Kenntnisse zn rviiH'itrnu 6tibmbi < itn: ift es simgestellt. ob sie sich danach de: Wissenschaft, den: Lehrfach, oder der Industrie widmen wollen.


