Ausgabe 
19.12.1916 Zweites Blatt
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Nr. 298 Zweiter Blatt

Erscheint tüGllch mit «urnechme deS Sonntags.

(66. Zahrgang

Beilagen: ..Sietzener ZamMendlStte^ Kretsblott für den «reis Stehen"

und

-ofischeiNonlo: Frankfurt am Main Nr. U686. vankoerkehr: Sewerbedank Stehen.

nzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dienstag, Dezember lysö

ZwtllingSrunddruck und Verlagr B r ü hl'fche Universltäks-Buch-u.bteindruckerei.

R. Lang e, Gießen.

Schristleitung, SeschSftrfteLe und Druckerei:

Schulstrave7. Geschäf.snelleu. Vertag:

Schristtettung: 112.

Anschrift für Tr.! htnachrichten:AnzeigerGieöen.

5taat§darlehen für Urieqsteilnehmer.

. Die Hess. SRegicnrng bat bcr jimteti ©fcäribetommer soeben eine Geietzesvorlage izugehen lassen, die den Zweck oerfolgt, die von: Kriege betroffenen Personen und zwar zunächst und in erster Linie teu btreften Kriegsteilnehmern Notstandsdarlchen zu gewähren, falls sie mfolge der KriegsverhAtnisse in ihrer wirtschaftlichen Exi­stenz gefährdet toerden. In richtiger Würdigung der hohen Be­deutung dieser Art der Kriegsfürsorge haben Preußen, Sachsen und jW^tteurberg bereits entspreckMrde Miaßuahmen getroffen, andere Bundesstaaten sind in der Borlxratung solcher begriffen und,der Reichstag hat am 25. yhugust di. I. eure Entschließung gefaßt, in der die verbündeten Regierungen ausdrücklich ersucht roerden, den schweren SchÄ>igungen entgegenzntreten, von denen die selbständigen Gewerbetreibenden infolge der Einberufung z-um -Heere 'und den sonstigen Wirkungen des Krieges betroffen sinb, insbesondere rechtzeitig Fürsorge zu treffen, daß diesen (^werbe­treibenden nach ^Zeeirdigung des Krieges unter leichten, ihrer be­sonderen Lage angepaßten Bedingungen ein billiger .^ßredit eröffnet werde. Mit demselben Gedanken beschäftigte sich auch der bereits am 11. Januar d. I. in der zweiten Kammer ein gebrachte Antrag der Mgg. Köhler und Tr. Osann, der dahin ging, die Regierung zu ersuchen. Vorkehrungen dahin zu treffen, daß den aus dein Felde zurück kehrenden Anmchörigen des selbständigen Mittelstandes im Bedarfsfälle durch Gewährung von Not- starck>skrediten die Fortsührung der bisherigen Be - rufstätigkeit ermöglicht werde. Auch die Abg. MH tmid Genossen unterbreiteten oer Kammer einen ähnlichen Antrag.

Die Vorlage der Regierung geht nun dahin:

»1.. der Großh. Regierung ffir die angegebenen Zwecke einen Kredit bis zu drei Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, der nach Maßgabe der vorstehenden Grundsä he zu ver­wenden wäre:

2. die ZuAmUrung dazu zu erteilen, daß die nötigen Mittel im Wege des Ltacrtskredits flüssig gemocht werden und zu diesem Zweck gegebenenfalls in dem erforderlichen Steuerbetrag Staats­schuldverschreibungen, Schatzanweisungen und Wechsel zu einem! der Lage des Geldmarktes entsprechenden Zinssatz aus-gegeben, werden können:

3. die Großh. Regierung zu ermächtigen, Stundungen zur Rückzahlung der den einzelnen Schuldnern gegebenen Darlehen und Nachlässe der Schuldsumme in den ihr geeignet erscheinenden^ Fällen in Uebereinstimmung mit den beteiligten Gemeinden zu

gewähren:

4. die Großh. Regierung zu ermächtigen, zu bestimmen, daß die Beitreibung der rückständigen Darlehens summe nebst Zin­sen im Verwaltrmgsivege startfinden können.

In den der Vorlage beigegebenen Grundsätzen spricht die Re­gierung ihre Ansicht dahin aus, daß für die Staatshilfe alle die- ienigen in Betracht kommen sollten, deren wirtschaftliche Ge­fährdung eine Folge des Krieges ist. 'Selbständige Erwerbstätige, Inhaber eines (Betriebs der Landwirtschaft, des Handels, dep Industrie, des Gewerbes und des Handiverks. Angehörige der sog. freien Berufe, Rechtsanwälte, Aerzte, Zahnärzte, Zahntech­niker, Künstler. Kunstgewerbler, Privatlehrer, die zum Kriegsdienst einberufen fcnti) Hamit ihrer Erwerbstätigkeit entzogen wurdew, Wo der Einberufene etwa gefallen ist. werden seine Witive oder die Angehörigen das hinterlaffene Geschäft oder dm Gewerbe- betrieb trotz der gefährdeten Lage sich oder dm Abkömmlingen dei Gefallenen erhaltm wollen. Auf diese letzteren die Staatshilfe zu beschränken, hieße diejenigen Personen ausschließen, die infolge der Einwirkungen des Krieges einen unselbständigm Beruf ans- gebm und sich einem selbständigm zuwmden müssen. Dazu zu rechnen sind diejmigen aktiven Militärpersonen, Privatangestellte und ?lirbeiter, die als Kriegsbeschädigte zu einem Berufsrvechsel genötigt sind, sich für eine Tätigkeit im Angestellten- oder Ar- beitsverhültnis nicht mehr eignm und darum zu einem selbständi­ger! Beruf übexzugehen unbedingt gezwungm sind. Auf die nur' mittelbar durcp Kriegsdienste in ihrer Existenz gefährdeten Personen allgemein soll der Kreis der zu Unterstützenden nicht ausgedehnt werden, weil damr die Zahl ins Ungeheure wachsen würde. Es sollen indessen ausnahmsweise in besonderm Fällm auch Darlehen an Personm gewährt wevderr könnm, die nicht am Kriege teil­genommen haben.

Die zu gewährenden Darlehen sotten insbesondere zu ge­schäftlichen Aufwendungen dienm, die die Ausrechterhaltung, Wie­derbelebung oder Neuaufnahme einer selbständigm Erwerbstätigkeit bezwecken, also zur Beschaffung von Maschinen, Werkzeug, Ma­terial usw. Miete für gewerbliche Räume, bei Landlvirtm zur Beschaffung von lebendem und totem Inventar. Die Darlehen dürfen nicht von Gläubigem zur Beftiedigung alter Forderungen in Anspruch geirommen rverden. Zur Behebrmg einer anderen, als der geschäftlickfen Notlage, tz. B. zur Befriedigung persön­

licher Lebensbedürfnisse ^einschließlich der eigenen Wohnung') ist die Staatshilfe nicht bestiinmt. Ter ein Staatsdarlehen Nach- suchende muß mftrdestens ein Iähr vor Ausbruch des Krieges in Hessen gewohnt Loden und kredittvürdig sein, Tie Höhe des Darlehens sott 1500 Mark nicht übersteigen. Es soll der Antrag hierzu spätestens auf ein Jahr, für erst nach Friedensschluß Ent­lassene vom Tage der Demobilisierung ihres Truppenteils ab, und idas Darlehen für fünf Jal-re gewährt werden. Das Dar­lehen soll im ersten Jahre zinsfrei sein, im 2. und 3. Jahr mit 2 Prozent, im 4. und 5. Jahr miit 4 Prozent verzinst werden und die Tilgung im allgemeinen mit Beginn des 3. Jahres mit je ein Drittel erfolgm.

Zur Durchführung des Gesetzes unter der obersten Leitung und Aufsicht des Ministeriums des Innern eineLandes kom- Mission für Kriegsdarlehen" ^bildet wmdm, welche die Beschlußfassung darüber hat, ob und rn welcher Höhe^in den Fällen, in denen die Gemeinde Darlehm gewährt, ans Staats­darlehen gegebenenfalls unter Erlaß von Sicherheiten, gewährt werden. Mich die Entscheidung darüber, durch _ welche Mittels­person (Genossenschaft, Sparkasse) die Darlehms summe zur Aus­zahlung gelangt. Die Landeskommission besteht aus einem Re­gierungskommissär und seinem Stellvertreter und.9 vom Mini­sterium zu ernennenden Mitgliedern, und zwar je einem Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Handelskammern, der Handwerks­kammer mit Landesgewerbeverein, der Landeshypothekenbank, der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften, der geioerblichen Kredit­genossenschaften, der Handwerler-Zentralgenossenschast, der Spar­kassen und einein Arbeitervertreter.

Zur Zettversorgung.

Der Deutsche LandwirtschaftSrat hat in seiner Sitzung vom 2. d. Mts. einen außerordenttich dankmswertm Beschluß gefHt, indem er alle Landwirte, im Hinblick auf das dringende Speisefett- Bedürfnis der gesamten Bevölkerung, aufgefordert hat, sich allge­mein mit einer Versorgung von ViPsirnd Pro Woche znfriedcku zu geben. Bisher betrug die Wochenration für dm Selbstver­sorger bekanntlich im Höchstfälle 180 Gramm. In einer Anzahl von Bundesstaaten und Provinzm, und darunter auch in solchm, die für die Butter erzen gnng von besonderer Wichtigkeit sind- hatten die mit der Aufbringung der Butter befaßten Behördm Kriegsftellm, ebmfalls im vollm Einvernehmm mit dm land- wirtschaftlicheu Vertrctungm, dm eigenm Verbrauch des Butter- Erzeugers iauf HI Pfund ttco (Woche herabgesetzt, so z^ B. in Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Polen, Mecklmburg-Sttiverin und anderen. Es lvar dies geschehen, nur ein entsprechend größeres Quantum Butter zur Versorgung der Bedarfsgebiete abliefern zu könnm. Das Beispiel von opferfteudigem Vaterlandssinn, welches diese Gebiete damit gegeben habm. soll nun nach dem Beschluß der obersten Vertretung der deutschen Landwirtschaft im ganzm Reiche befolgt werden.

Um die rechtliche Grundlage hierfür zu schaffm, hat die Reichs­stelle für Speisefette die von ihr zur Verordnung über Speise­fette vom 20. Juli 1916 getroffenen allgemeinen Bcstimmungm nunmehr dahin abgeändert, daß dem Selbstversorger von nun an nur noch höchstens 125 Gramm Butter pro Kopf und Woche zustehen sollm.

Ta zu dm Selbstversorgem auch ihre Hanshalttlngsangehöri- gm hinzugerechnet werden, so ist die durch diese Maßregel zur Versorgung der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung fteiwerdende Buttermenge knicht unbedeutmd. Nbit Hilfe dieses auf einem freiwilligen Angebot der oberstm Vcrttetungm der deutschm Land- ivirtschaft bernl>enden Verzichtes auf einm bisher zugestandenen Vorzug wird es daher möglich sein, die regelmäßige Versorgung derjenigen Teile der Arbeiterschaft, jv-elche unter erschwerenden Verhältnissen besonders große Arbeitsleistungen zu vollbringen habm, also der sogenannten Schwcrstarheiter, auf eine gesicherte Grundlage zu stellen.

Auch in dieser Beziehung sind von der Reichsstelle für Speise­fette nunmehr feste Grundsätze erlassen und dm Kommrinalverbäm den zur Durchführung mitgeteilt nwrden. Es wird hiernach an- geftrebt. das Fettbedürfnis der Schwerstarbeiter durch Massen- und Fabrikspreisungen, durch Fabrik-Kantinen oder durch Sveise- sectzulagen besser zu befriedigen, als es an vielm Stellm bisl^q möglich tvar.

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Gietzener Strafkammer.

Gießen, dm 15. Dezember 1916.

Der bereits siebenmal wegen Diebstahls vorbestrafte Schreiner Ludwig P. bvn Niederrad, zuletzt wohnhaft in Butzbach, ist nnederunr angeklagt, in dm Jal-rm 1915 und 1916 zu Bad-

Nauheim und Butzbach eine Mnze Reihe von DiebIählett verübt zu haben. Der Angeklagte war seit 1913 bei dem Schreiner- nieifter Heinrich Mürler in Bad-Nauheim als Geselle tättg und wurde er in den letztm Jahvm, nachdem die übrigm (.öesellm zum Heeresdimst eingezvgm warm, von seinem Meister beauftragt, dre Ausbesserungs- und Reparatuvarbeiten in dm einzelnm Wohnnw- gm vorzunehmm. Auch hierbei benutzte er die günstige Gelegmhert zur .Entwendung von Sachm. So hat er ber 9 Einwohnern m Bad-Nauheim 15 Hasm im Werte von zusammm 170 Mark mtwendet, außerdem eine Mmge anderer Sachm wie Zigarren, Zigaretten, Anzüge, Schuhe, Uhren, Stoffe für Herrmanzüge, einen Einlochapparat. Einkochgläser. ein Kaffeeservice und dergleichen' meljT. Auch seinem Meister hat er Handwerkszeug und Materialim im Werte 'von zirka 400 Mark, wie der Angeklagte selbst zugibt, entwendet. Ter Angeklagte ist in vollern Umfange geständig. Das Gericht verurteilte ihn wegm einfachm Diebstahls i. R. in 28 Fällen, sowie wegen schweren Diebstahls i. R. in 6 Fällen, zu einer Gesanrtzuchjthausstrafio von 5 Jahren, auch erkannte es ihm die bürgerlichm Ehrmrechte auf die Tauer von 10 Jahren ab. Ter Angeklagte erkannte das Urteil alsbald als rechtskräftig an.

(ßcridUfjaal.

X Hanau, 16. Dez. Die B e z e i chn u n gEngländer" kann als Beleidigung aufgefaßt werdm, so ist an Gerichtsstelle entschiedm worden.Schrde, daß der Feldschütze Oe st reich heißt, Engländer wäre besser," so schrieb der Drogist Rudolf Franke aus Frankfurt a. M. auf den Abschnitt der Postanweisung, mit der er bei der Gemeindekasse zu Fechmheim eine Polizeistrafe bezahlte. Auf Grund einer Anzeige des Feldschützm Oestreich war er polizeilich bestraft wordm und hatte nun versucht, in dieser Weise an den Beamtm sein Mütchm zu kühlen. Dieser hattc Strafantrag wegen Beleidigung gestellt und Franke hatte sich nun vor dem Schöffengericht Bergm (Kreis Hanau» zu verantwortm. Ter Angellagte erllärte die Absicht einer Beleidigung lei nicht vorhanden gewesm. Er habe rrnr zunr Ausdruck bringen wollm, daß der Beamte lleinlich> gehandelt habe. Ter Gerichtshof war anderer Meinung. England gehe heute mit Menschentvürde und Mmschmrechtm nach Willkür um. In der BezeichurmgEng­länder", wie sie gebraucht worden sei. verkörpere sich daher auch der Vorwurf von Gemeinheit und Niederträchtigkeit, das empfinde heute jedermann und das habe der Angeklagte auch> zum Aus­druck bringen wollen. Das Gericht erkannte auf 30 Mark Geld- strase. ____

Spielplott des Giestener Stadtthcaterr.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Mittwoch, den 2 U. Dezember, nachmittags 3*-, Uhr, bei Dolkspreisen: Kinder-Borstellung:Das Märckien vom Daumen- liitscber" oderWunderbare Erlebnisse des kleinen Koiirad im Lande Trivstrill. Ein Märchen in 6 Bildern mit Gesang und Tanz, unter freier Benutzung einiger Figuren aus HoffmannsStrilivelpeterE, von Heriiiaiin Steingoetter. Musik von Ludwig Marguth. Ende Uhr. Montag, den 25. Dezember (erster Feieriag), abends 7 1 /, Uhr, bei kleinen Preisen: »Iphigenie auf Tauris." Ende gegen 9", Uhr Tieiistag, den 26. Dezember (zweiter Feiertag), nach­mittags 3*/, Uhr, bei kleinen Preisen: »Der siebente Tag." Ende gegen 6 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei gewöhiittchen Preisen (er­mäßigt):Robert und BertramE oderDie lustigen Vagabonden." Ende 10 Uhr. Diittwoch, den 27. Dezember (dritter Feiertag), nach­mittags 3'/, Uhr, bet Volkspreisen: Kinder--Vorstellung: »TaS

Märchen vorn Taiimenliltscher" oderWunderbare Erlebnisse des kleinen Konrad im Lande Tripstrill." Ende gegen 5X Uhr. Abends 7 1 /, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt): »Der Bursche des Herrn Oberst. (Neuheit!) Lustspiel in 3 Aufzügen von PordeS« Dtilo und Harry Pohlmann. Ende 9»/^ Uhr. _

Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen.

Dez.

1916

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Höchste Teinperatltr ain 17. bis 18. Dezember 1916: -ft 2.6° C. Niedrigste 17. , 18. » 1916: 1,7 ° 6.

Niederschlag 0,0 mm.

Attnst «nd Wissenschaft.

Dan ton s Tod" im Berliner Deutschen heate^r. Aus Berlin toird uns geschrieben: Das Deutsche heater das während des Krieges schon mehrmals seine großen Mittel mit Erfolg cinsetzte, !cm z-u wenig gewürdigten und wegen wer schwierigen Aufführbarkeit kaum gespielten deutschen Ltucken l neuem Leben zu verhelfen, brachte Freitag nach langem ©tu- aim und nach Ueberwindung verschiedentlrcher Zensuremwcmde Dantons Tod" zur ersten Axifführung. Das Jugendwerk des so üh verstorbenen Büchner zeigt mit seiner Mischung der ver- hiedensten, oft mit gewöhnlichen Bühnenwitteln überhaupt nicht x meisternden Elemente das stürmische Draufgängertum Ruch- ers der zur Zeit der Abfassung des Werkes sowohs im täglichen eben wie auch in seiner politischen Stellmig mit äußerst schwe- "i Widerständen zu kämpfen hatte. Der Ausschnitt aus der kran- Üischen Revolution, in dessen Mittelpunkt der nervenerregendo vmpf zwischen Danton und Robespicrre steht, erhält m zahlrercheii, lh einander ablösenden Szenenbildern erne-aus- und abwogcndei jlastik der nur das größte Einfühlcn m die Absichten des Dichters, epaari mit souveräner Beherrschung aller Regiemittel. «Niger-« laßen gerecht zu werdeii vermag. Max R,eruhardt ließ alle Bck- er und Gesichte mit lebendigster Phantasie Wirklichkeit werden und mßtc auch die schroffeil Gegensätze abzutönen und ni ^ft'n Rahmen a bringen, in dem er die ganze Aufführung musikalisch und irbig abtönte. Darum ist auch die,er Abend rn der Hauptsache ls ein geschlossenes Ganzes beurteilen und werten, als ine Vision sozusagen, als ein Schrei , des lungen Bacher nach -rfüllung seiner ethischen und künstlerischen Ideale. Die größte Sirkung^erreichten die Massenszenen, die das, Werk durchsetzen, nv hier zeigte Reinhardt seine ganze Kraft m der ^lrederungt Tir» im steigernden Aufbau Die Einzelleistungen waren fest m lesen Rahnien gestellt irnd volllonünen mit der Masse verwoben, die beiden gros-en Gegenspieler der sranzösrschen Revolution >onr- cn von Ferdin<vrd Bonn und Briuio Tecarlc dargcftellt. ^e- arlis Robesvierre. von eiserner EiiorM b,S l Nemste sE ältig dvrchgesührt uird ohne psychologische Ueberlabimg: auch ,ehr isserenzierten Forderungen gerecht tvcrdcnd, bildete dm . ktt s unkt, während der Danton Ferdinand Downs im Anfang em oenia zurücktrat, um aber dann immer mehr durch Ei Mutze Sertiesung zu wachsen und zum Sckflutz tn erschütternder Wcise En Ausklang einer großen Leistung zu geben. Im Gefolge Roms

pierres fiel wieder Werner Krauß als St. Just ans, die eigen­willige Leistung eines geistvollen Künstlers, originell und schau­spielerisch mit den nervösesten Feinheiten ausgestattet. Von den sonstigen männlichen Darstellern, die alle aus ihrem Platze waren, sind vor allem swck : der scharf karikierende Max Gülstorfs, Paul Biens seid t und Josef Da ne g ge r zu nennen. Die drei Frouenrollcn wurden von Fräulein Pünkösdy, Maria Fein uno Gertrud Welcker verkörpert. Den stärksten Eindruck machte Fräulein Pünkösdy. ein T-arstelleifn von großer Ent- tvicklungsfähigkeit, von der noch viel zu erioarten ist. Die Auf­führung löste von Bild zu Bild gesteigertes Interesse ans und wurde zu einemgroßen Abend" mit stünnischem Applaus, der aber dicsinal keine einfache Beisallsbezengung, sondern die Reaktion unbedingten seelischen Mitgehens lvar.

Die Uraufführung eines portugiesischen. Königsdramas. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Jnr Thalia-Theater gab es die Uraufführung eines fünf aktigen Dramas von Paul Mexander,Ines des Eaftro", das in seiner Handlung zur nrittelalterlichen Zeit an den portu ­giesischen Königsthron führt. Der Thronfolger Don Pedro bat nach dein Tode seiner Gattin die schöne Hofdame Ines des Eaftro für sich gewonnen und verlebt mit ihr in stiller Abgeschiedenheit selige Tage des Glücks. Ein Mordanschlag aber, auf das Leben der Ines des Castro, die den zukünftigen Herrscher seinen staat­lichen Pflichten entzieht, bereitet dem Liebesidvll ein jähes Ende. Don Pedro besteigt nach dem Heimgänge seines Vaters den Thron, aber zwingt die Mörder, die einbalsamierte Tote, mit der er die gesetzliche Trauung vollziehen ließ, als ihre Königin an­zuerkennen. Die Handlung klafft in der Mitte auseinander. Es ist ein Sviel mit schönen Worten, das aber nicht ganz ohne theater- mäßige Wirkung ist. Die sorgfältig einstudierte und inszenierte Ausführung brachte dem Verfasser einen Achtungserfolg.

Eine Forschungsreise zu einem unbekann­ten Volke in Suva meri k,a. Wie aus Stockholm berichtet wird, ist soeben in Buchform der Reisebericht Gustav Bolinders über seine Forschungsreise in den Bergen Colunrbias erscheinen. Jnr Beginne des Jalwes 1914 ist Bolinder mit seiner Frau nach Columbia abgereist: in der Hafenstadt Santa Marta bat er sich einige Zeit lang mit archäologischen Forschungen anfgehalten. bei denen einige Töpfenvaren und andere Reste einer vcrfchfvundenen Kulttlr gefunden ivurden: dann ivandte sich der schioädische For­scher fti die unbekannten Eordilleren. In etw>a tausend Meter

Höhe erreichte er Pauzuba, eine Siedelung der Jjca-Jndianer, deren Lebensiveise. Sitten und Gebräuche er ein paar Monats lang studierte. Tann begab er sich in etwas geringere Tiefen und' batte Gelegenheit, einige Siedelungen Colunrbias zu durchreisen, die hauptsächlich von Mulatten bewohnt werden. Hier fand er selt­same, patnarchalisch anmutende Ehegewvhnheiten: jeder Plan­tagenbesitzer hat neben seiner Eheftau eine Reihe Nebenfrauen und senei zahlreiche Nachlommenschaft Bolinder lernte einen Mu­latten kennen, der nicht weniger als 132 Kinder hatte dient zur Bewirtschaftung der Pflanzungen. Ter unssenschaftlich tvichtigste Teil der Forschungsreise war der min folgende Aufstieg in die Waldberoe von Perija, rvo der Schwede sich lange Zeit anshieltt und in engste Fühlung mit dem tvissenschoftlick' noä> nicht er­forschten Volle der Motil-on kam. Es handelt sich dabei um! einen karaibiscken Stamm, der arft 3000 büs 4000 Köpfe ver­anschlagt wird: die Motilons leben in Feindschaft mit allen be- nack harten Jndianervölkern und werden von diesen sehr gefürchtet. Bolinder stellte fest, daß die Motilons vieb besser sind als ihr Ruf, im wenigstens gelang es. lange Zeit in Freundschaft mit ihnen anszukommen. Nack der Erforschung des Motilonvolkcs mackste Bolinder kehrt. Frau Bolinder, die die gesammelten Gegenstände an die Küste zu bringen hatte, wandte sich dem Magdellmonströme zu. um ihm bergab zu folgen: Bolinder selbst bahnte sich seinen Rückiveg durä die columbischen Urwälder und verweilte dabei eine Zeitlang bei den Ebibchaß und denr aus sterbenden Ehimila- Stamme. um nach zwei Neonaten in der Luisenstadt Barranquilla einzutressen, von wo ^er die Heimreise antrat.

Deutsches Th eater in Lille. Ans Lille toirv uns geschrieben: Nach einem kurzen Eßistspicl des Stadtrbea- ters Metz (Die^ schöne Galathee" undBrüderlein sein"^ bot das Düsseldorfer Schauspielhaus den Feldgrauen stiminungsvolle Aufführungen von Goetlx'sFaust" und dann eine Reihe von Lust­spielen. Die gewaltige Dichtung Goethes löste bei dem feldgrauen Publikum einen nachhattigen Eindruck aus. Eine reizende Ab- ivechslung brachte dann Lueie Kiesel Hausen in't ihrem Wiener Ballett. Für die Zeit der Vorweihnachten sind Aufführungen von Lohengrin" undParsisal" durch das Kgl. Hoftheater in Stutt­gart vorgesehen, für den 2. Weibnachtstag eine Auffiibning do.> Haisttnsckwn OratoriumsDie Jahreszeiten" durch den S t ä d t i - scheu Gesangverein Aachen, der lner m einer Stärke von 250 Personen erfrxn'tet nnrd.