Nr. 294 Zweites
Erscheint täglich mit Ausnahme de» SamttagS.
V ei lagen: ..Sietze«« Zamllleablttte^ und ^Lreirblatt für den Ureis -ietze«'^
Postscheckkonto: ZravkfLrt mn Main Nr. N68L. Vaniverkehr: Ge»erb«bank Sietzen.
vlatt sbö. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheßen
Donnerstag, tt. Dezember 4946
Znnllingsrunddruck und Verlag: f Br ühl'sche Unioersltäts-Buch-n.Steiildructereu R. Lange, Gießen.
' Zchristleitnntz, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Ceschäfisstelle u. Verlag: bi,
Schriftleilung: 112.
Anschrift ftir Trahtaachrlchten:AnzetgerG1«jzen.
Graf Tisza über das Zriedensangebot.
Budapest, 12. Dez. (WTB.) Reichstag. Das Haus ist dicht besetzt, aiff den Galerien ist «in sehr zahlreickies Publikum versammelt. Mil Spannung sieht man allgemein. den angekündigten Erklärungen des Ministerpräsidenten entgegen. Unter allgemeiner Erwartung erhob sich Graf Tisza und verlas die Note der verbündeten Mächte an die Ententeftaaten. Daran anschließend sagte er-. '
Ich möchte hervvtheben, daß der in der verlesenen Note vertretene Standpunkt eigentlich nichts Neues enthält, sondern! :urr jenen Gesichtspunkt ausdrückt, den die Monarchie und ihre Verbündeten wälxrend des Krieges und schon vor diesem einnahmen. Diese Tatsache muß hervorgehoben werden, um den unternommenen Schritt nach seiner wahren Bedeutung zu würdigen. Der Ministerpräsident gab sodann einen geschichtlichen Rückblick auf die europäische Lage und darauf, wie diese sich seit der Bildung der zwei Mächtegruppen entwickelte. Die Gruppe der Mittelmächte sei auf Berteidegung und Abwehr bedacht gewesen, während Rußland infolge seines Ausdehnungsdranges auf dem Balkan und Frankreich durch seine Revanche gelüste eine aggressive Politik verfolgten, doch erst der Anschluß Englands stärkte in Petersburg und Paris die Hoffnung auf Bernürklichung der Angriffspläne, die auf eine Zertrümmerung Deutschlands und der Monarchie gerichtet waren. Als die Bierverbandsmächte sich uns in den W'eg stellten, mußten wir, sagte der Minifterpuäfident. um die Abwehr der beispiellosen H«auHorderimg zu verhindern, zur Währung unserer bedrohten Lebensinteressen und ftur Sicherung unserer Existenz zu den Waffen greifen. Wir ergriffen aber das Schwert o h n e j e d e n Gedanken an Eroberung und ohne haßerfüllte Leidenschaft auf Vernichtung unserer Gegner. Wir waren stets vor dem Kriege, dann im Augenblicke seines Ausbruches und auch während der ganzen Dauer bereit, Frieden zu schließen. Der Grund, daß wir in fettrlicher Form die Kundgebung unserer Friedensabsicht nicht früher veranstalteten, war, daß wir einem solchen Feinde gegcnüber- standeu, der auf Vernichtung ausging, dem wir daher ein Friedensangebot nur dann machen «konnten, wo es niemandem in den Sinn kommen konnte, ein Zeichen der Schwäche darin fu erblicken.
Wir glauben, daß jetzt, wv die im Sommer begonnene große Offensive unserer Fernde als gescheitert betrachtet werden kann, wo der letzte Trumsff, die Einmischung Ruruäniens, vergeblich ausgespielt ist, wo eben wegen der Erfolge in Rumänien auch focx Aushungerungsplan vereitelt ist, der geeignete Augenblick gekommen ist, um ein Friedensangebot zu machen. Unser Mi n'i - stier des Aeußern setzte sich deswegen mit den Bundesgenossen in Verbindung. Diese Anregung ist sympathisch ausgenommen worden. Im vollsten Einvernekvnen und nach reiflicher Ueber- legung entschlossen sich sämtliche Mächte des Vierbundes, ein Friedensangebot zu machen. Es ist jetzt Sache unserer Gegner, dazu« Stellung zu nehmen. Sie stehen vor einem Entschluß von einer Bedeutung, wie sie nur vereinzelt in der Geschichte da steht. Wenn sie wollen, können sie den Krwg focts-etzenj. ab^r der Krieg kaNnt von ihnen nunmehr oh« jede Hoffnung aus Erfolg und ohne jede «Aussicht <nrs irgend ein Ergebnis weitergeführt werden. Wenn es tust Sünde ist. den Kri^ in der Hoffnung auf Machterweiterung zu entfesseln, so ist die Sünde noch tausendmal größer, ihn fort- sllsetzen, wenn auch diese Hoffnung geschwunden ist. Wenn unser Früdensangebot einen entsprechenden Widerhall bei unfern Gegnern finden wird, wird die Herstellung des Friedens nach meiner UAerieagintg keinen wcküierwrndlichen Schwierigkeiten begegnen. Meiner U-berzengung »ach sind die Frieden sanerbietung en, die wir stellen würden, anwchmbar und geeignet zur Herstellung eines dauernden Friedens. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Wenn unsere Gegner dieser! Weg betreten, werden sie bei uns auf ehrliche, loyale Aufnahme rechnen .können. Wenn die Gegner jedoch den Krieg fvrtsetzen wollen, wird der Krieg weitergefuhrl. Wegen des Ergeb- rrffses kann kein Zweifel sein. Wir haben in den schwierigsten Zeiten des Krieges standgehalten, wer kann zweifeln, daß wir den. Krieg auch weiterhin siegreich führen tverden. Die Verantwortung trifft diejenigen, die offen die mannhaft zum Frieden ausgestreckte Rechte zurückgewiesen haben. (Beifall.) Wir werden diesen Schritt träft dann nicht bereuen, wenn er kein Entgegenkommen finden! sollte. Wir werden dann den Krieg in dem ruhigen Bewußtseins fortsetzen, daß nur einen ehrlichen, ernsten Versuch unternommen hkchen, der verheerenden Arbeit des Kriegsdämons ein Ende zu 'machen. (Lebhafte Zustimmung auf allen Seiten.)
Die Rede, die an vielen Stellen von Zeichen der Zustintmung Unterbrochen wurde, wurde am Schluß mit allgemein lebhaftem!
Beifall ausgenommen. Hierauf sprachen die Vertreter der einzelnen oppositionellen Fraktionen, die die rückhaltlose Zustimmung zu dem Friedensangebot ausdruckten.
Krlegs&rlefe aus -sm Westen.
Von unserem Kriegsberichterstatter.
^Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Tagebuchblätter von der Somme.
Großes Hauptguartier West, im Dezember.
Sehr schwierig war in ben Hmiptkauipftagen die Versorgung der Truppe in den vorderen Stellungen mit Trinkwasser. Es war zwar Minerallvasser in großen Mengen angeliefert worden, jedoch> das wenigste davon gelangte bis nach vorm. Die Bestimmung, daß niemand in die Kampfeslinie ging, ohne den Kamerad^! etwas mitzubringen, Munition, Konserven und vor allen! Getränk, ivurde zwar sehr genau ausgeführt, und jeder Einzelne lud sich aus Kameradschaftlichkeit gern eine möglichst große^ Last für den schwierigen Weg auf. Aber sobald man in die Sperrfeuerzone geriet, hieß es alle Augenblicke, die Last abwerfen und Deckung nehmen. Handgranaten, Patronen und Konservenbüchsen vertragen schon einen Puff. Doch den Mineralwasserftaschen erging es schlecht. Von 400 Flaschen, die eine Kompagnie an einem Tage vorschickte, langten 17 heil im.Kampfgraben an. Oft mußte man das Regenwasser aus den Granatlöchiern trinken, das man, so gut es ging, filtrierte. Trotzdem ist der Gesundheitszustand an der Somme ganz überraschend gut geblieben, wie mir an den verschiedensten Teilen der Front bestätigt wurde. Nur Fußleiden sind in dem ewigen Schlamm unvermeidlich und sehr quälend.
*
Seltsam erging! es einem Essenholer. Er hat^e außer seinen Kochgeschirren noch einen großen Eimer mit Ertrasuppe^über- nommen, mit der er seinen Kameraden eine unerwartete Freude machen wollte. Tenn es war Hühnersuppe oder hieß wenigstens so, und für die Echtheit brauchte niemand Gewähr leisten, da das Huhn im Kriege und zumal an der Somme immer mehr zu einem. sagenhaften'Vogel wird: vielleicht hatten auch nur ..picar- dische Feldhühner," sonst Ackerkrähvr genannt, der Suppenbrühe den köstlichen lukullischen Duft verliel)en, an dem sich der brave Essenholer in selbstloser Vorfreude aus die strahlenden Kameradengesickffer ergötzte, solange der -Eimer noch dampfte. Mer der Weg^war weit, und ehe es sich der Mann versah, schoß der Feind Sperrfeuer rings uin ihn. Da hieß es, Sprung ins nächste Granatloch, duck dich, Sprungauf ins nächste Granatloch, links, duck dich wieder, liegen bleiben, bis der Segen wo anders hin geht, dann im Bogen um die Emschilagszone -herum und so weiter vorwärts. wie es gehen wollte. Bei alledem hatte der unerschrockene Infanterist seinen S-uppeneimer immer in Obacht genommen und sich gelegentlich! überzeugt, daß nicht zuviel von dem köstlichen Inhalt verschüttet war. Schließlich hatte er das Sperrfeuer hinter sich und schritt nun tapfer in der ihm wohlbekannten Richtung vorwärts. Da hörte er, ohne daß er gemerkt hatte, daß er in die Linie gekommen war, hinter sich Männer, die er anrief. O Weh! Das waren Engländer. Er hatte sich in die englischen Linien verlaufen. Schnell gefaßt, sagte er ihnen, daß er ein Gefangener und nach hinten geschickt worden fei. Ob ihn die Engländer, die Nötigeres zu tun hatten, als sich mü einem waffenlosen Deutschen aufzuhalten, verstanden hatten, wußte er nicht. Sie wiesen ihm barsch eine Richtung und kümmerten sich nicht weiter um ihn. Sobald er außer Sehweite war, schlug er einen Haken, um in die erttgvgengesetztie Richtung zu kommen, stieß aber alsbald wieder auf Engländer, die er rechtzeitig anrief. Der Vorgang wiederholte sich. Ein Engländer rief ihm einen Ort zu, wo er sich melden sollte. Bei dem Versuch!, wieder die Richtung zu ändern, geriet er abermals in Sperrfeuer, diesnral in deutsches. So platt er sich in die Erdlöcher Preßte, die Splitter pfiffen um ihn herum, und die Schollen klatsch- ten ihm gegen den Stahlhelm. Dann wurde das Sperrfeuer, dessen Wirkung er an dem Aufschreien der Engländer in den umliegenden Granatttüchtern wahrnehmen konnte, nach einer anderen Stelle verlegt, er erkannte ein deutsches Lenchtsignal, schlich darauf zu und war bald darauf in seinein Unterstände, wo er den Kameraden mtt fliegendem Atem berichtete, daß er direkt von den Engländern komme. „Und die Hühnersuppe Hab' ich Euch doch gerettet!" sagte er und wies glückselig auf den Eimer hin, den er mit jenem zähen Eigensinn, der in diesem Kriege auch in lleinen Dingen so nötig ist, niemals aus der Hand gegeben hatte, auf seiner tollen Wando
rung durch« englisches und deutsches Sperrfeuer. „Hühnersuppe?^ fragte ztveifelud ein Kanrerch), der neugierig mit der Taschenlampe in den Eimer geleuchtet hatte. „Hühnersuppe?" Nee Walter, mir scheint, det is Schokolade." In der Tat. Das Sperrfeuer, das an seinem Leben vorübergegangen war, war der Hühnersuppe schlecht bekommen. Er hätte sie ruhig den Engländern lassen können.
m
Manchmal, in einem Augenblicke des Ausschnaufens, fragen sich- Offiziere Und Mannschaft nach den Tagen voller wild- unentwirrter, ungeheurer und unbegreiflicher Erlebnisse, was wohl das Schwerste war, was sie durchgemacht lmben. Das Schioerste! Wer kann das sagen? Der große Angriff an jenem Sonntag, als der Feind dreimal in den Graben kam und dreimal hinausge- worsen wurde und dann, als alle von der furchtbaren Blutarbeit erschöpft waren, Nene Massen über die Leichenwälle herankletterten. — Oder nein, das ist das Schwerste noch nicht gewesen. Aber das Trommelfeuer, was wir in der Nacht darauf bekamen, als die Granaten Meter fi'ir Meter unseren Graben einrissen und wir wehrlos nur damit zu tun hatten, die Verwundeten zu bergen und eiu sicheres Plätzchen für sie zu finden. Tann sinnt der ganze Kreis wohl eine Weile nach,, und einer nach dem anderen stimmt dem Syrier zu: „Ja, das ist wahr, das war das Schwerste."
Ein Sturmtruppführer hat mir gesagt, was für ihn das Schwerste, in diesem ganzen Kriege das Schwerste, gewesen ist. Der Trupp hatte einen Vorstoß zu unternehmen und den Feind bis hinter eine genau besfimmte Linie zu werfeu und sich' dann sofort zurück auf eine ebenfalls vorgeschriebene Linie zu begeben. Sobald die erste Linie erveichlt war, mußte die eigene Artillerie verständigt werden, um vor die zum Festhalten vorgesehene zweite Linie Sperrfeuer zu legen. Dieses sollte sechs Minuten nach der Verständigung der Artillerie durck. die Leuchtsignale einsetzen. Ter Sturm begann. Die Franzosen leisteten zuerst tapferen Widerstand, dann wichen sie, und vor dem unwiderstehlichen Angriffsmut der Stnrmtruppe, die an packte, wie wütende Bullenbeißer, stoben sie schließlich zurück, sauve, qui peut, ohne Halten. Wie die Rasenden waren die durch das lange Liegen im beschossenen Graben wütenden Angreifer nachgestoßen. Ohne Verlust wurde der ganze Zwischenraum vis zu der zweiten Linie genommen. Jetzt Halt! Tie Lenchtsicmale steigen. Halt, nicht weiter! Aber die Zugführer! haben die zweite vorbestimmte Linie in dem zerschossenen Gelände nicht erkannt, und die Leute sind in ihrer Wut und ihrem Siegesrausch nicht zum Stehen zu bringen Halt, halt! Lllles zurück! Mer kein Ruf, kein Pfiff dringt durchs den brandeirden Lärm. Die Nächsten kann der Hauptmann mit eigener Hand zrlrückreißen. Sie erwachen wie Schlafwandler, sie begreifen, der Befehl pflanzt sich fort, aber einige der besten Leute sind schon mehr als hundert Meter vor. (Sm banger Blick ans die Uhr. IN drei Mttruten setzt das eigene Trommelfeuer ein, und unsere Batterien schießen Strich! Endlich- halten auch die Vordersten. Sie kehren mn, zögernd, unwillig. Jetzt fliegen können und unseren Batterien, unserer Ge- fecktsleitung sagen können: schießt nicht, wir können die ganze Höhe haben, wir haben sie. wir halten sie, wir wollen Nicht! zurück! Mer es gibt keine Möglichkeft der Verständigung. Noch sind über 200 Stürmer nach vorn versprengt. Da naht ein Trupp, dort noch! einer. Anderthalb Minuten! Da fo'rmrrt der letzte Trupp an. Sie begreifen mit entsetzten Gesichtern. Wenig mckhr als eine halbe Minute bleibt, und über 200 Meter sind in voller Sturmausrüstung 1m ausgelveüb/en Lehm zurückzulegen. Me flüchten zurück, wie eine Meute Windhunde so schnell, die Gefahr gibt jedem übernatürliche Kräfte. Da ist die sichere Linie, und da — kaum 40 Meter von den Letzten — schlägt die erste Lage GvcmatLa ein. Einen Augenblick später spieft die ganze Zone Avischerr den beiden Linien Feuer und Tod. „Fehlt keiner?" Keiner! Gott sei bedankt! „Diese tolle Flucht, diese halbe Minute, in der ich meine brave siegreiche Sturmtruppe schon von deir eigenen Granaten erschlagen sah, das war für mich das Schwerste im ganzen Kriege," sagte der Hauptmann.
W. Scheu ermann, Kriegsberichter stat te r .
* * *
Die Aufnahme der kaiserlichen Kundgebung an der Westfront.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.;
Großes Hauptgn-crrtier-Wesf, 12. Dezember.
Den kämpfenden Truppen nnd den in Reserve- imb Ruhestellungen befindlichen Formationen tvurde die kaiser-
Rumäniens Petroleum-Industrie.
Mtt der Einnahme von Ploefti stehen die Truppen der Verbündeten (bekanntlich mitten in den Gebieten der rumäsischeri Erdöl-Industrie. Ihr Beginn fällt in das Jahr 1857, was u. a. mit dem Bekanntwerden der Photogenlampen im Zusammenhänge stM Im Juli 1856 sah der Bukarester Bürger dNeheditzianu m Öffenbach bei Frankfurt a. M. die Photogenlampen, das- waren Lampenkvnftruktionen. durch die sich eine qualmlose und Helle Verbrennung erzielen ließ. Gr versuchte sie mit hermrscher Erdölabkömmlingen, die er sich durch Destillation herftellte. Schon im Oktober 1856 übernahm er die Straßenbeleuchtung von Bukarest das erste Mal mtt Petroleum in sogen. Dimkelampen erfuhr in der Fabrik von Noblet, die eine besondere Kohle destillierte, hie (Adressen der Firmen für die Herstellung der Destillierapparate und der Lampen. Auf Grund der in Deutschland gewonnenen Erfahrungen wurde im Dezem-ber 1856 in ; Rloesti die erste Raffinerie erbaut. Am 1. April 1857 lourdc Bukarest das erste Mal mit Petroleum in sog. Trmkellamper. «ms Hamburg beleuchtet. 1860 und besonders 1862 erbaute man noch einige anoere Destillerien: im Jahre 1857 gewann man an mehr als 30 Orten oas Erdöl. Die Gewinmmg stieg bis 1874, .Uno einzelne größere Unternehmungen organisierten die Ausbeute, so daß der WIert des exportierten Petroleums iin Jahre 1867 auf 2 398128 Franken ftreg, während 1866 für 1685 545 Franken Rohöl ausgeführt vmrde. Der Export ging besonders nach Kronstadt, Odessa, Konstantmopel und Marseille. Nach letzterem Platze betrug er 1866 2 712 826 Kilogramm Petroleum doch war die Ausfuhr nicht orgmrisiert. Der Bergbau arbeitete zu planlos, und die amerikanische Konkurrenz drückte stetig immer stärker. Dadurch wurde die jimge rumäuischc Petroleuminduftrie von 1875 bis 1900 schwer geschädigt. Es machte sich auch die galizische und russische Konkurrenz immer mehr fühlbar, so daß der Absatz schließlich fast ganz auf Rumänien beschränkt blieb und nur 2000 Waggons Rohöl ber reduziertem Zoll nach dem nachbarlichen Kronstadt in Siebenbürgen ausge-
E wurden. Ja. es wurden noch Schmieröle und andere Ab- rlrnge des Petrols, insbesondere von Rußland nach Mnna- nien erngeführt. Ms int Jahre 1895 der PetroleUmverbrauch allgemein stieg, wendete sich einheimisches und fteindes Kapital der rumänischen Petroleummdustrie zu. Die Oelfelder wurden eingehend von Geologen und Bergüigeiiteurcn studiert,, die deren Reichtum seststetten konnten. 1895 wurde durch dre Deutsche Bank die Gesellschaft „Steaua Romana" gegründet, die zwar in die Betriebe mehr Großzügigkeit brachte, jedoch verjchiodene finanzielle Reformen durchleben mußte. Im Anfang des Jahres 1907 gab es in Rumänieu 49 Rohrleitung«l VE msgesamt
528,8 Kilometer Länge. Am häufigsten werden zur Herstellung der Leitungen die Mannes marmrohre mid daneben patentgo schweißte Mrhre deutscher Herkunft aus Siemens Martin-Fluß- eisen usw. verwendet. Die Hauptleitungen transportierten wähörend 12 Monaten im Jahre 1905/6 mehä als 600 000 Tonnen Rohöl. In Deutschland entstanden im Bundesstaat Bayern die ersten Tankanlagen zur Einlagerung rumänischen Erdöls, das auf dem Donauwege nach Regensburg gelangte, im Jahre 1898. Die Anlagen wurden im Laufe der Jahre mehrmals vergrößert, so daß jetzt am Regensburger Petroleumhafen 16 Behälter verschiedener Größe stehen, die insgesamt etwa 20 000 Tonnen Oel auszunehmen permlögen. Zur Ernfuhr gelangte in den ersten Jahren (hauptsächlich Leuchtüt, d. h. Lampenpettoleum — es ivurde aber später vom Rohbenzin, einem Mkömmling des Rohpetroleums — vollständig verdrängt und konnte erst nach Kriegsausbruch wieder Bedeutung erlangen. Die Beteiligung großer deutscher Bankinstitute an der rumänischen Petroleumindustrie berechtigte zunächst zu der Hoffnung, daß das rumänische Leuchtöl in verstärktem Maße zur Deckung des derrtschen Bedarfes heran- aezogen werde. Mlein schon bald kam die bekannte europäische Petvoleum-Verkauss-Union zustande, und damtt gerieten die deutschen Jnsfitute unter die Kontrolle der Standard-Oil-Kompagnie. Die Folge war der allmähliche Rückgang und das gänzliche. Aufhören der Einfuhr rumänischen Leuchtöls; man beschränkte sich auf die lohnendere Ernfuhr von Rohbenzm.
— Todeine sirischenTichtersaufdemSchl ach t- felde. Im Herbst dieses Wahres ist. wie jetzt bekannt wird, an der englischen Front ein irischer Dichter gefallen, der die größte Hoffnung der irischen Literatur war. Es handelt sich^ um T. M. Kettle, der sich durch „Des Tages Last". „Das offene Geheimnis" und andere Werke einen Namen als Dichter gemacht hatte und zudem als Professor der Nationalökonomie und als nationalistischer Vertreter Irlands im Parlamente eine bekannte Persönlichkeit war. Er war von glühender Liebe zu seiner Heimar Irland erfüllt und es begreift sich, daß die Lage der Dinge in Irland ihn zu einem Pessimisten gemacht hatte. Durch die kriegerischen Ereignisse war er überdies auf merkrourdige Weise in einen unlösbaren Zwiespalt geraten. Vor dem Kriege war er, ein begeisterter Vorkämpfer der Freiheit Irlands gewesen: bei Kriegsausbruch war er gerade in Belgien, um Waffen für die nationalistischen Freiwilligen aufzukausen. Da kam der Krieg, er sah. wie die deutschen Heere Belgien überfluteten und unbegreiflicherweise (so stellen die Engländer wenigstens die Dinge dar) drängte sich ichn ein Vergleich Belgiens mtt seiner Heimat Irland auf. Jedenfalls meldete er sich als Freiwilliger für das England, von dem er seine Hei
mat hatte befteien wollen, um nun gegen Deutschland zu kämpfen. Allein die wettere Entwickelung der Tinge war für ihn furchtbar: im Frühjahr dieses Jahres, während des Aufstandes in Dublin, gehörte er zu den Kämpfern, die ihn unterdrückten. So ivenig er den irischen Aufstand gut heißen konnte, so wenig konnte er deffen Unterdrückung billigen, un.d zu alledem kanr noch, daß er persönlich zu einem unschuldigen Opfer in naher Beziehung stand: jener Shechy Skefftngtou, den britische Soldaten auf Geheiß eines (angeblich ntalhnfinnigen) englischen Offiziers erschossen, war fein Schwager. Der Tod muß dem irischen Dichter aus einem Leben voller unlösbarer Widersprüche als Befreiung erschienen seist.
— Die Uraufführung eines Weihnachtsmärchens. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Im Alten Thea- t e x gab man die Uraufführung eines neuen MärckenspielA „Pips der Pilz" von Gerdt von B a s s e w i tz, dem Verfasser des vielgespielten Märchens „Peterchens Mondfahrttst Pips der Mz, muß die alte Erfahrung lernen, daß jeder an dem Fleckchen bleiben soll, das ihm nun einmal vom Schicksal bestimmt ist. Pips aber wollte es anders. Vom Viooskönig mtt einem Glücksblatt beschenkt, machte er sich auf die Wänderschaft, die vielgestaltige Erde zu erforschen. Er muß sich freilief) erst Beine wünschen, um von Flips, dem Hasen, das Laufen zu lernen. Bald versucht er fich auch im Fliegen, und schließlich landet er in den Sumpfregiomm der Frösche: am Ende aber ist er recht zufrieden, als er sein Würzelchen und seine Stelle im Walde wiedergefunden hat. Me aU sich originelle Idee, das Stück nur unter Tieren und Pflanzen spielen zu lassen, wirkte in der Durchführung auf die Dauer doch etwas eintönig, und die feineren satirischen Beziehungen, die Spiegelungen menschlicher Schwächen in den Tiergestalten bleiben dem Kindergemüt unerreichbar. Die Musik von Clemens Sch mal stich enthält sympathische und leicht eingängliche Melodie. Paul Prina hatte für ansprechende dekorative Wirkungen gesorgt, und die Da1>< stellung befriedigte.
— Eine osmanische Hauptwarte für Witterung s k u n d e. IN Konstantinopel soll eine Hauptwatte für Witterungskunde errichtet werden, wie der „Prometheus" erfährt: Professor Obst ist vom türkischen UnterrichtÄnttrister beauftragt worden, an der Erforschimg des Klimas der Türkei zu arbeiten, und hat nun einen Aufruf zur Förderung hieses Unternehmens erlassen, das auch für die Verbündeten der Türkei von Wichtigkeit tverden muß. Besonderen Nutzen werden die Larrd- und Forstwirtschaft aus der Erforschung des Klimas der Türkei ziehen; sie soll aber auch die wissenschaftliche Grundlage für die wirksame Ausnutzung der Wäsier- kräfie des Laubes liefern, und eingehendes Studium der Nffeder- schlag- und Mslußmengen wird den Technikern die nötigen Unterlagen zur Ausführung VE Bewässerungsanlagen, von Talsperren usw. geben.


