Ausgabe 
14.12.1916 Zweites Blatt
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Dche Kirndgebung heute mittag um 12 Uhr «rr Kenntnis ge Fracht. Der Eindruck vxrr überall, soweit mir bis zur Stunde Nachrichten Ivorlteigen, gewaltig und großartig.Das war die größte Weih nachts sreude, die unser Kaiser der Welt Lurchen kannte!" riefen die Kämpfer. DaS weltgeschichtliche Ereignis, dessen Wucht den letzten Mann im feldgrauen i^riegrrrtetb spontan parkte, wurde alsbald lebhaft be­sprochen. Man hörte die verschiedensten Ansichten. Gar mancher sagte:Friede, das Wort ist zu schön. Ich bin tn diesem Kriege Pessimist geworden^', andere vertraten mit Lebhaftigkeit die Meinung, darß die hochherzige Dar­bietung der Friedenshand in diesem Augenblicke, wo unsere Keinde auf allen Fronten die Hoffnung auf Sieg verloren Haben, einen tiefen Eindruck auch auf die verhetztesten unter unseren Gegnern machen müsse und daß der Kaiser die beste ^nnde zu diesem in der Weltgeschichte noch niemals da- Hewcheneii Friedensangebote eines unbestrittenen und vor Leuen unabsehbaren Erfolgen stehenden Siegers gewählt hrbe Alte aber begrüßten das soldatische Schlußwort der Kundgebung und schlvuren, den Feind, bis er Vernunft an-- HLnormnen hat, weiter zu schlagen wie bisher, wo er an- greift und sich stellt. Die sich auf Reisen, Märschen und in der Etappe besindlick>en Truppen erfuhren die kaiserliche Kund- HLbVng durch Anschläge, die überall an den Bahnhöfen und VoMiNMldanturen erschienen. Sofort bildeten sich überall vor diesen Anschlägen Gnrppen. Die Soldaten zogen ihre Notizbücher heraus, um die bedeutsamen Sätze wortgetreu für ihre Kameraden aufzuzeichnen, und an der Größe des Kedvanges und der freudigen Erregung erkannten die Ein­wohner des besetzten Gebietes sehr schnell, daß die deutschen Heeresangehörigen vor einer herzersreuenden Nachricht Dtanden. Auch sie strömten daher in großer Zahl herbei, namentlich Greise, Väter und Frauen in Trauergewändern. Sie baten mn eine Uebersetznng der kaiserlichen Kund­gebung, die sie sichtlich ergriffen anhörten. Nne alte Dame,

die zwei Söhne ln der französischen Armee hat, sagte laut: Wenn Kaiser Wilhelm uns endlich den Frieden bringt, dann werde ich als erste Französin öffentlich aus dem Marktplätze rufen:Es lebe Kaiser Wilhelm, der der Welt den Frieden und den weinenden Müttern ihre armen Söhne wiedergab!" Viele von den Franzosen befürchten nur, daß ihre verblendeten Landsleute in Paris niemals den kaiser­lichen Erlaß erfahren werden.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

hes?. Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen

Der Vorstand hielt am 5. d. Mts. unter dem Vorsitze des Geheinren Rats Dr. Dietz eine Sitzung ab. Es nähmen daran teil als Regierirngsvertveter die Herren Staatsrat Dr. Kratz und G^ime Rat Dr. Wagner. Bei Erstattung des Geschäfts­berichts machte der Generalsekretär it. a Mitteilungen über die in Hessen getroffenen Einrichtungen zur Regelung der Miet- und Hypothekenzinsverpflichtungen. In den großen Städten des Landes sind Mieteinigungsämter errichtet worden. Diese haben bisher Bedeutendes geleistet und es sind durch ihre Vernnttlnng ans Mitteln der Städte und zum Teil ans privaten Zuwendungen zur Deckung rückständiger Mieten und Zinsen schon erhebliche Summen gezahlt worden. Auch ui vielen Heineren Gemeinden wurden zu gleichem Zwecke bedeutende Gelder aufgewendet. In wieder anderen Gemeinden waren solche Aufwendungen mangels Bedürfnisses nicht notwendig; es trifft dies insbesondere ans ländliche und sonstige Gemeinden zu, in denen das Kleinhaus vorherrscht. Bei dem Ausschuß zur Ansiedlung von Kriegsbeschädigten und Krie­ger witwen sind bereits zahlreiche Meldungen eingelauien; es sind zunächst wegen Bereitstellung geeigneter Grundstücke und Beschaffung der erforderlichen Geldmittel Verhandlungen ringe- leitet worden. Me Frage der Befreiung gemeinnützi­ger Bauvereinigungen von der Zahlung von Gerichts- rnü, Stempelkosten wird voraussichtlich im Sinne des Vereins

gmgrlt werden. Me finanzielle Lage der Vanver-, eine äst im allgemeinen gut, einige von ihnen konnten Miets-, und Zinszuschüsse gewähren. In verschiedenen Städten und Ge­meinden werden schon jetzt Vorbereitungen getroffen zur För­derung des Kleinwohnungsbaues und insbeson­dere ver Kleingartensiedlungen, namentlich der Kriegerheim st ätten. Einen wichtigen Teil der Beratungen bildete die Regelungdes Grundkredits zur 2. Stelle. Me von dem zur Vorberatung der Frage eingesetzten Außschuß vor- gelegte Denkschrift kommt in eingehenden Darlegungen zu folgen­den Vorschlägen:

1. Die Regelung des Grundkredits zur 2. Stelle ist auch in Hessen im Interesse einer gefunden Fortentwicklung des Woh­nungswesens dringend notwendig.

2. Es empftehlt sich,, die Durchführung der Ausgabe der Hessischen Landeshypothekenbank zu übertragen.

3. Das Risiko ist zwischen Staat, Gemeinden und Inter­essenten zu verteilen.

4. Die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel hat im Wege der Ausgabe von Pfandbriefen durch die Bank und unter Bürg­schaft des Staates zu erfolgen. Es sollen hierbei dieselben Be­dingungen gelten, die für Ausgabe von Pfandbriefen für 1. Hypo­theken vorgesehen sind.

5. Es ist eine Aenderung des Reichs-HypotheVenbankgesetzes anzustreben, durch welche der genannten Bank die Uebernahme dieser Treuen Aufgabe ermöglicht wird.

Diese Vorschläge wurden vom Oberbürgermeisier und Kammer­präsidenten Köhler-Worms eingehend begründet und fänden nach ausführlichen Erörterungen einstimmige Annahme.

Ferner wurde beschlossen, beim Ministerium den Erlaß von Bestimmungen zur Erleichterung des Kleinwoh­nungsbaues zu beantragen. Es handelt sich dabei insbe­sondere um die Beschleunigung des Verfahrens zur Bereitstellung von Baugrundstücken, um eine rnöglichst zweckmäßige Einteilung derselben. Um bau technische Erleichterungen und Beseitigung von Vorschriften, die die Errichtung kleiner Häuser erschweren.

Die Hauptversammlung des Vereins findet im nächsten Monat statt.

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