Ausgabe 
1.12.1916 Zweites Blatt
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Die Trauerfeier in Men.

Wien, 30. Nov. (WTB.) Heule früh traf der deut­sche Kronprinz zur Teilnahme an der Leichenfeier ein. Im Nordwestbuhnhof hatten sich zum Einpfang der Bot­schafter v. Wedel mit den Herren der Botschaft, der General- adjutant des deutsck)en Kaisers v. Messen, der dem ver­blichenen Kaiser zugeteilte General v. Cramon, der zum Ehrendienst Ungeteilte Feldzeugnreister Rohn von Hermann- stadten, der Kommandant oes Kriegspressequartiers General Hoen, der Direktor der Nordwestbahn Goudebrück eingesun­den. Kirrz vor acht Uhr.traf Kaiser Karl in der Uni­form seines preußischen Hnsarenregiments mit dem Bande des Schwärzen Adlerordens und den Abzeichen des General- feldmarschaÜs ein. Er hielt einen kurzen Cercle mit den zum Empfange erschienenen Persönlichkeiten ab. Der Kronprinz trug die Uniform seines österreichifch-ungarischen Hnsaren- Regirnents Nr. 13 mit dem Bande des St. Stephansordens. Der Kaiser hieß den Kronprinzen herzlich willkommen. Kaiser und Kronprinz fügten einander und drückten einander herzlich die Hand. Sodann begrüßte der Kronprinz den deutschen Botschafter und Herrn v. Plessen und die übrigen Herren der Botschaft und nahm die Meldung des Feldzeug- meisters Rol)n entgegen. Hierauf erfolgte die Vorstellung der beiderseitigen Begleitung. Sodann verließen der Kronprinz und der Kaiser den Bahnhof und fuhren mit dem Automobil in die Hofburg. Sogleich nach dem Eintreffen in der Hofburg machte der Kronprinz der Kaiserin Zita seine Aufwartung. Um Vall Uhr vormittags empfingen Kaiser Karl und Kaiserin Zita in der Hofburg die fremden Fürstlichkeiten, die in Wien zu den L-eicheufeierlichleiten ein- getrosfen finb, hierauf die hierher entsandten Spezial­gesandten.

Die Beisetzung.

Wien, 30. Nov. (WTB.) Unter Entfaltung allen Ge­pränges, welche-' das Hvfzeremvniell für diesen tief trauri­gen Anlaß vorsieht, unter einer seit Menschengedenken wohl £nmt je dagewesenen pietätvollen Beteiligung des Herrscher- ' Hauses der verbündeten urrd befreundeten Staaten und der BÄcker der Monarchie fand heute die Beisetzung weiland Seiner Majestät Franz Josefs in der Gruft seiner Väter statt.

Eine Rede de§ bulgarischen Ministerpräsidenten.

. Sofia, 29. Nov. ' (WTB.) Finanzminister T 0 n t - sch e w gab gestern in der S ob ra n j e eine Darstellung der Finanzlage Bulgariens. Hieraus ergriff Minister­präsident Nadoslawow das Wort, um die politische Lage des Landes seit der letzten Tagung der Sobranje darzulegen.

Die bulgarische Neuerung bemühte sich stets, mit Rumänien freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, selbst nach dem tiefen Schmerz, den dieses ihm durch das feindliche Eingreifen im Jahre 1913 und durch die Abtrennung der Dobrudscha bereitete. Diese Bemühungen schien.cn anfänglich einen so guten Erfolg zu haben, daß 1915 bei Eröffnung der FeüidseligLsiten rnit Serbien die ru­mänische Regierung in Sofia die formelle Versicherung abgab, daß sie die Neutralität bis zum Ende des europäischen Krieges beolxrchten werde. Bald jedoch begamren sich seitens Rumäniens wenig frarndschastliche Anzeichen bemerkbar zu machen. Im August 1916 hatte int bulgarische Regierung, vollkommen unterrichtet darüber, roas bei chaen Nachbarn im> Nordchr vor sich ging, keine Illusionen über dessen Absichten So Mußte sie denn ihre Vor­sichtsmaßnahmen treffen,, die Berteidigimg der bulgarüch-ruTnäni scheu Grause verstärken, wobei sie Rumänien noch versicherte, daß die von Lr getroffenen Maßnahmen nur auf den Schutz des bulga rischen Gebietes gegen einen etwaigen Einbruch abtzieltem

Gegen Ende desselben Monats kam der rumänische Gesandte DeMffi' der seit einiger Zeit abwesend war, nach Äofia. Es be- tzrmr sich das Gereicht m verbreiten, daß seine Regiermg in dem

Ä , in galten Be^iel-ungen mit Bulgarien zu bleiben, bereit sei 1913 aunckrierte Dobrudscha zurückzuerstatten, die Berpfiichtrrng, für den Fall einer militärischen Aktion Rumäniens geigen Oesterreich-Ungarn passive Haltung zu beob­achten. Diese heuchlerische Freundschaft, durch die Rumänien Zeit gsvinnen trachtete, um die höllischen Pläne gegen Bulgarien öarHnftrhren, übte in Sofia einige Wirkung aus. Die Regierung jedoch, die den durch diese Mannschaften verfolgten Zweck wohl Nannte, ließ sich inichtt in die Schlinge locken, und als Deruffi um eirre Audienz bei Radvslaiwivch bat, lchntce dieser ach, ihn zu ernp- sLLHen: denn er hatte selbst 11/2 Jahre vorher Rumänien und allen Desverungen der Ententemächte, die damals ängstlich Vermieden hstten, diese Frage Kt erörtern, einen ähnlichen Vorschlag gemacht Unterdeffev erklärte Rumänien Oesterreich-Ungarn den Krieg, und seine Truppen verletzten die bulgarische Grenze. Bulgarien

ein owgcndkrckkiches ZurÜcLvekchnc, dar in der Erwartung de- Augen­blicks, in dem man das verlorene Gebiet zrurückgeroinnen und sogar noch weiter vorstoßen können wird, -nr Verhütung unnötiger Opfer beschlossen wurde. Dieser Augenblick naht, denn die vom Kriegs- sckMchlatz in Rumänien kommenden Nachrichten, wo unsere Truppen bereits die Donau aus der ganzen Länge ihres Laufs überschritten l>aben und die auf Bukarest zurückweichenden rumänischen Truppen verfolgen, lassen erhoffen, daß die dort im Gange bestndliä-en Ope­rationen sehr bald einen glücklichen endgültigen Llusgang abschließen werden.

Der Ministerpräsident kam sodann aus die Vertreibung der Vertreter der verbündeten Mächte in Athen durch den französischen Äldnttral zu sprechen und sagte: Wir stehen nach wie vvr zu der rechtmäßigen Regierung und dem »Nig von Griechenland, die ohne Macht war, diese Gewalt­tat zu verhindern, doch sind wir ohne Verbindung mit ihnen. Schließlich erklärte Nadoslawow, er hoffe, daß in einiger Zeit die verbündeten Regierungen ihren Parlamenten glückliche Nachrichten bekanntgeben können, die die Zustimmung aller verbündeten Nationen finden werden.

Arr§ Stadt und Land.

Dießen, 1. Dezember 1916.

Deutschlands Säuglings- und Kleinkinderschutz.

Die unter dem Protektorate der Herzogin Viktor ia Luise zu Braun schweig steheirde große deutsche Organisation zum Ausbau der Säuglings- und Meinkinderfürsorge hat ihre ernsten itnb wichtigen Arbeiten in vollem Umfange ausgenommen.

Seinem Begründmrgsprogramm getreu, fördert der, unter dem Ehrenvorsitz des Generalfeldmarschalls v. Hindcnburg und des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg tätige Verein Deutschlands Spende" (Geschäftsstelle Berlin W. 8, Tauben­straße 16 1 ) den Ausbau irrt Gebiete des Deutschen Reiches, überträgt aber die Sonderarbeit den für die einzelnen Bundesstaaten gebil­deten selbständigen Organisationen.

Diese LarteesanssckKsse haben sich irunmehr gebildet; es ge­hören- ihnen die hervorragendsten Vertreter der Regierung, der Gelehrtenwelt, der Industrie und des Handels an.

Als Auftakt zur Arbeit des Vereins können die Worte ange­sehen werden, mit denen der deutsche Kaiser am jüngsten Geburts­tage der Kaiserin seine Spende für die Erweiterung des Säug­lingsschuhes begleitete:

Tie Bekämpfung der noch immer hohen Säuglingssterblich­keit gewinnt im Zusammenhang mit dem zunehmenden Geburten­rückgang und den schweren Opfern des Zkrieges für die Zukunft des deutschen Volkes eine Bedeutung, dix das wanne Interesse und die tatkräftige Müarbcit aller Vaterlandsfreimde beansprucht."

Der Krieg hat die Wichtigkeit des Problems der Bekämpftm§j der Säuglingssterblichkeit inö hellste Licht gerückt. Umsomehr mutz von den Spitzen des Staates bis zum Vorstand der kleinsten Ge­meinde, der Säuglings- und Meinkind er schütz als eine der wesent­lichsten Aufgaben für das deutsche Volkstum erkannt und gefördert werden. In den Volksschulen nruß mit der Lehre der Grundsätze für Kinderhygiene begonnen lverdcn. Tie Gemeinden, insbesondere auch die auf dem Platten Lande müssen in der Organisation der Sänglings-Fürsotgesteltcn, der Schaffung von Mütterheimen, der Nenerrichtung von Krankenhäusern für erkrankte Säuglinge ener­gische Fortschritte machen. Das Reich muß durch Fortführung des Gedankens der Reichswochenhilfe weiteren Grund legen zu einer Mutterschaftsversicherung großen Stils.

An dieser großen Aufgabe für Deutschlands Volksgesundung urrd Deutschlands Kraftmehrung kann ein jeder im Deutschen Volke Mitarbeiten, sei es an amtlicher Stelle, sei es vom Lehrstuhl der WissensäMt, sei es durch Geldspende, sei ,es durch Mitwirkung in der Organisations- und Aufllärungsarbeit. Aehnlich wie die Na- tionalstiftunq sollDeutschlands Spende für Säuglings- und Meinkinderschutz" zu einer der großen Kraftquellen werden, aus beneu nacb dem Weltkriege Deutschlands nationales Wachstum schöpfen kann. ^

** Der Dezember im VolksmUnd. Der Dezember wird mit Recht! als ein Wimtormonat bezeichnet, denn in seinen Lauf fällt der kalenderinäßige Anfang des Winters. Die Witterung soll daher nach alten Bauernregeln ein echt winterliches Gepräge tragen/denn es heißt:Im Dezember sei der Winter kühn, Weih­nachten sei nur ans dem Tiffch grün".Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtlwres Jahr mit reichlichem Klee ,Jst's in der heiligen Nacht hell -und rlast so gibt es ein segens­reiches Jahr." Dagegen:Weibnachten naß. gibt leere Speicher und Faß" undWeihnachten im Klee Ostern im Schnee". Hoffen wir daher mit Dezember aus Winters Anfang.

** Weizengeb ä ck ohne Hefe! Wie wir erfahren werden in der Versuchsbäckerei der Neichsgetveidestelle nicht nur von sämtlichen Mehlen der ihr angeschloffenen Mühlen Backproben hcrgestellt, sondern es werden auch zweckmäßige Mehlmischungen! und Backverfahren ausprobiert. F. Nebelung, dem Leiter der Ber- suchsbäckerei der Reichsgetreidestelle ist es gelungen, durch besonde res Backverfahren WeizenineUgedäcke ohne Hefe herzu stellen. Die Gebäcke unterscheiden sich kaum weder in Form, Farbe und Ge schmack (von den sonst üblichen und haben noch den Vorteil längeren

entschlossen, seinen Bündnisverpflichtungen treu zu bleiben, konnte! Frischbleibens als diejenigen mit Hefe her gestellten. Das Backvcr nicht länger zögern, obtvohl es auf zwei Fronten zu kämpfen hatte, fahren ist daher von großer Wichtigkeit, weil durch diese Erfindung Seine ist gegenwärtig in jeder Beziehung besriedignld. Zwar bei allgemeiner Einführung erhebliche Mengen Rohstoffe erspart mußten die bulgarische:! Behörden Bi t olia vor dem Vorstoß der und der menschlichen Ernährung ans einfache Art Zugänglich ge- darck der Sck)wäcbe der griechischen Politik aus sämtlichen Verbünde- macht toerbctt könnten. Die Reichsgetreidestelle stellt dieses , sehr ten der Entente gebrühten Salonrk-Armee räumen, aber dieses ist 1 einfache Verfahren, welches aus einer Neuzüchtung von Roggensauer

aus Weizen beruht, im Jntereffe der Allgemeinheit kostenlos durch

Veröffentlichung in den Bäckcrsachzeitungen zur Versorgung.

** Zuckerzuteilung int M 0 nat Dezember. xhe iEinkaussgenossenfchaft für das Großherzogtum Hessen m. b. v. in Mainz teilt Mit: Mit dem !.. Tczember tritt die Neuregel fcter Zuckerabgabe aus Grund der Einheitsznckeickarte in Kraft. Dre .stärke besteht bekmrntlich alus einer Stammkarte, auf die der Haus- btrltungsvocstand seinen st^amen eintragen muß, und au§ einer Reche Zuckermarken (Abschnitten), die mit fortlaufenden Nummern verse­hen sind. Jede Märke gilt für 250 Gramm. Nach bm nmnt Vor­schriften gelangen vorerst- im Monat ihn: 500 Gramm für den Kops zwr Ausgabe. Für den Mvrrat Dezember ist indeß von der Girv- tak,'ssgesellschaft in Mainz eine besondereZuckerzulagc vor­gesehen, so daß noch einmal die bisherige Menge von 750 Gramm ausaegeben wird. Es gelten somit für den VLowat Dezember die Zurtermarken Nr. 1, 2 und 3. Mit dem 31. Dezember verlieren die noch nicht' eingelösten Marken ihre Gültigkeit. Die einzelnen stvm- mnnalverbände werden noch bekannt geben,^ von welchem Tage an die Zuckermarken bei den Kleinhandelsgeschäften gegen Zucker ein­gelöst werden können.

Kreis Friedberg.

oa. Friedberg, 1. Dez. Dem Musketier Otto Frey im Jnf.-Rgt. 186 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

,;a. Assenheim, 1. Dez. Der Kanonier Friedrich Ftnk- b ein er, 1. Batterie Feld-Art^Rgt. 241, wurde mit der Hessischen Tapserkeitsmedaille ausgezeichuet.

Q. Bad-Nauheim, 1. D^ember. Der Bortrag desReichs- tagsähgeordneten K 0 p s ch - Berlin überDie politische und wirt­schaftliche Lage Deutschlands" war vortrefflich besucht. Die Ans- sührungeu des Redners, der die Piolitilk des Reichskanzlers als vertrauenswürdig bezeichnete, fanden den ungeteilten Beifall der VersamMung, in der sich auch viele Damen befanden. Einer An­regung des Prof. Strecker der die Versammlung leitete folgend, winde die Absendung eines Telegramms cm den Reichs­kanzler beschlossen, in dem ihm das Eurverständnis mtt feinet Führung der Staatsgeschäfte ausgedrückt wird.

oa. Ockstadt, 1. Dez. Dem Musketier Joses Henritzi, Sohn des Landwirts Georg Henritzi, wurde die Hessische Tapser­keitsmedaille verliehen.

oa. Pohl-Göns, 1. Dez. Dem Pionier Otto Z ö r b von hier, bei einer Minenwerser-Komgagnie im Westen, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Hessen-Nassau.

F r a n k s u r k a. , 29. Nov. Bei naturgemäß sehr schwacher Beteiligung und unter voller Wahrung des Burg­friedens wurden heute die Stadtverordneten wählen vollzogen. Die von den vier politischen Parteien genieinsnm aui- gestellten Kandidaten wurden glatt und ohne jeden Zwischenfall gewählt. Gewählt wurden 15 Fortschrittler, 7 Sozialdemokraten, 4 Nationalliberale und 1 Zentrumsmitglied.

----Bad Homburg v. d. H., 30. Nov. Seit vier Jahvar spielte zwischen der Stadt Homburg und dem Nachbarort Ämzen- heim ein P rozeß, bei dem es sich um eine Forderung Gonzen­heims ans Verlegung der Homburger Klärbeckenanlagen handelte. Die Gemeinde Gmrzenheim hat in der Nähe der Anlagen eür auf- blühendes Villcngclände erschlossen und sieht dieses durch die Klär­becken gesundheitlich geschädigt und in seiner Eittwicklurtg stark gel-ewmt. Das Verivaltungsgericht hatte dem Verlangen Gonzen­heims stattgegeben: nunmehr hat auch das ObervenvaLtungsgericht als letzte Berufungsinstanz zuungunsten der Stadt Homburg ent- scksteden. ___

WirrverHitLts-Nachrrchten.

Frankfurt a. M. , 30. Nov. Professor Dr. Morgen- roth aus Berlin, zurzeit Abteilungsvorsteher an dem Patholo­gischen Institut der Universität Berlin, hat den Ruf als zweiter Direktor des hiesigen Georg Speper-HaufeS abgelehnt.

Märkte.

ke. Wiesbaden, 1. Dez. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu 7,00 bis 0,00 Mark, Stroh (Richtstvohi

0.000.00 Mk., Krummstroh 4,00 Mk., Kornlangstroh 0.00 Mk. Alles für 50 Kilo.

Bekanntmachung.

Betr.: Landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs zur Anlag« einer Grubenbahn für die Gewerkschaft Glückauf Hessen zu Gieße?! von dem Haas'schen Gleis an der Main- Weser-Bahn bei Großen-Ltnden bis zur Landesgrenze.

Tie Pläne zur Anlage einer Grnbeubahn für die Gewerkschaft Glückauf Hessen zu Gießen von dem Haas'schen Geleis an der Main-Weser-Bahn bei Großen-Linden bis zur Landesgrenze liegen mif der Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden vom 2. Dezember 1916 bis einschl. zum 5. Dezember 1916 zur Einsicht offen.

Zur landespolizeilichen Prüfung des Projekts ist Termin aus Donnerstag, deu 7. Dezeniber 1916 nachmittags 12 Uhr 20 Mi­nuten auf Bahnhof Großen-Linden festgesetzt.

' Einwendungen gegen das Projekt, welches sich Ansprüche wegen Verlegung mrd Aenderung öfsenllicher Wege, An- und Zufahrten auf Grundstücke, Einfriedigungen, Wasser- und Bor­flutverhältnisse usw. sowie die Herstellung von Schutzvorrichtungen zur Sickierung gegen die aus dem Bahnbetrieb entstehenden Ge- fahreir und Nachteile beziehen, sind bei Meldung des Ausschlusses spätestens im Termin vorzubringew Gießen, den 29. November 1916.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

Der Wohnsitz Kaffer Carls.

Man schreibt uns aus Men: Kccffrr Carl zircht ,stn die Burg seiner Väter," er wird im alten SchLoß der Habsburger, mittettz fester den Wienern, im Herzen der Stadt nwhnen, und mit dem jugendlicki raschen Tetnperament, das tmn in diesen acht Tagen an allm senren Handlungen bemerkt hat. wird auch

dieser Entschluß rascher, äls man denkt, ausFeführt sein, obwohl sehr viele Vorbereitungen, zeitgemäße Justallatronen und hygienische Neuerungen vorzunehmen sind. Kaiser Franz Josef hat die letzten Jahre seiner Rech^wmtg aus GesundhettSrücksnhten ansschließlstl) in der Park- und Wiesenluft von Sck>önbrwrn ver- br«ht.Sichmtbrunn", dasBÄvedeve" (der Wohnsitz Frawz Ferdinands', derBallplatz", auf dem das Ministerium des Aeußern steht, waren europäische Begriffe der Politik und Tiplo- matie geworden, während dieHofburg" seit anderthalb Jahr- zelmten nicht mehr. im Wörterbuch der Politik stand. Zuletzt hat sie Kaiser Fratrz Josef zu öffentlichem Anlaß wohl vor Mus Jahren anläßlich der feierlichen Eröfsmrng des neugewählten Parlaments im Hochsonckner 1911 betreten. Nun wird der uu- gel>eure Bau neu belegt werden, ein ganzer Stadtteil, la, eine kleine Stadt für sich, die nebst so inri> so vi^n hundert Wobn^ zimmern, nicht weniger als zwei Rresenbtblivlheken (dw Hos- bibliothek mit 1 Mllion Bänden, 27000 Inkunabeln und die Fideikommißbibkiol'hcck Mit 17 Sälen) und nicht weniger als znwi Museen umfängt: Tie Weltreisesanttnluug Franz Ferdinands ^md die unermeßlich, kostbare Schatzkantm'er. In ihr befindet sich, imter anderem die Kaiserkrone, der Ruchsapfel und das Reichsschwert des ehemaligen Heiligsn römischen Reiches deuffcher Nation, derFlorentiner", der viertgrößte Diamant der Welt, die Schlüssel zu den kaiserlichen Und erzhei^ogltchen Särgen m der KapiMnergmft, Napoleonische Andenken, und dre von der Kaiserin Elisabetl) bei der ungarischen .Krönung getragene ^ Dminariten^ krvtic, deren Wert man aus drei Millionen Kronen schätzt, 'und vre wahrsckenstich Kaiserin Zita beim gleichen Akt wieder verwenden wird. ?lußer den zwei Btblivcheken und den zlvei Museen mn- schließt die Kchserstadt iwch eine Sommer- und eine Winterreit- schnle, eine Stallmig, eine eigene Hofapotheke, ein eigenes Gericht (Olierhsfniarschallamt), eine Kirche mit der weltberühmten Hof- musikkavelle, au der im Laufe dar Jahrhunderte Mozart als Organist. Gluck als Konwositeur, Schrrbert als Sängerknabe. Anton Bruckner als Organist wird als Letzter in der Rerl>e der ganz Großen Hmns Richter von 18931900 alsKapellmeister'

gewirkt hat. Diese Fülle von verschiedenartigen Bestimmungen, bei denen die Zerenioniensäl«, die Ball- und Nedoutenräume, die Frem- denappartemertts, die Amtsrüume für das Obersthoftneister-, das Oberstjägermeifter- das Oberküchenmeister- uiid Oberstkämmerer- amt nock> gar nicht «mfgezählt sirrd, gibt einen beiläufigen Begriff von den miifüualichen Dimensionen der Hofburg, die ^vohl das kolossalste GebLn>e Mitteleuropas ist. Der Kern ist ein fast guadra- tischcs Viereck von vier Palästen, das sich aus den epheuumwach- senen, nrwi Jahrhunderte altenSchweizerhof" mit Graben, Türmen, Gitterfenstern (einst Wohnsitz Kronprinz Rudolfs), dem anstoßenden., ganz schmucklosen ,L-wpoldinischen Trakt" (einst Wohnsitz Kaiserin Elisabeths, künftijg, Kaiserin Zitas), dem dunveren Atnalisntrakt" und dem Hellen, hoch.senstrigen, barock gebauten Reichskanzlertraktt zusammensetzt, dcrr der große Baukünstler Hildebrandt zur Zeit Karls VI. geschaffen, Franz Josef II. be- w-cchnt hat und den nun Earl I. bewohnen wird. An diesen guadvatisch-en Palastkern aber sind stadt- und ringwärts noch eine Menge von Kolo ssalgebäu den augebaM oder durch Schwibbogen verbunden, stadtwärts die z^wei Riesen- swnten der Hofbibliochek, der Redoutensüle, in denen es zur Kongreßzeit hoch herging, die Stallburg, die Hofapotheke und ringwärts der drei Stock hohe, an b-te 60 Fenster lange Barock­flügeldie neue Hofburg" (im Sttl der Hofmuseen) 1881 nach Gedanken Fischer von Erlachs durch Gottfried Senrpcr entworfen, von Hasenauer begonnen und heute noch im Innern nicht ganz vollendet, trotzdem Franz Ferdinafrd in der Absicht, lper einst zu residieren, den Bau möglichst beschleunigt hat. Für die innere Aus- schmückimg dieser neuen Hofburg hat Franz Ferdinand von Wiener Künstlern, Ludwig Koch, L. B. Eichhorn Carl Friedrich Csur, Carl Pippich einige Msmimentalgemälde bestellt, die Szenen aus der habsburgtsch'en Geschichteleider mehr großflächig als groß- artig darstellen. Ein Teil des Flügels bcherbergt die sogen. Estenischen Sammlungen, bas kulttirhist 0 rische und naturhistorische Museum, das Frmrz Ferdincntd von seiner Reise um die Welt aus Indien, Java, Persien mttgebracht und hier in 23 ,Riesen- sälen aufgestellt hat. Im Oberstock ist die Fideikommißbtbliothek untergebracht, die u. a. eine einzigartige Sammlung von Por- ttättsterr aller Zeiten und Länder und eine interessante Samm­lung der Huldigungsadressen an Kaiser Franz Josef enthält. Stadtwärts aber an dieAlte Burg" anschließeitd liegen die, frei­lich noch nicht eingerichteten PZohrlgemäcl-er, die Kaiser Catt und Kaiserin Zita nach dem Proviiorium in der alten Burg Mnfttghin dmiernd bewohnen werden, Aug in Ang n;it dem ,Heldenplatz", Hen

Standbildern Prinz Eugens und Karl von Aspern, den: Parla­ment, dem Rathaus Und dem Kranz der Berge und Weingelände un: Wien, die der Natursinn des Kaiserpaares so sehr liebt.

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Wiesbadener Uraufführungen. Atts Wies­baden wird uns geschrieben: Das Könsgll Theater brachte die veichsdcrttsche UrauMhrung des MärchenlustspielsB a s e m der GrvbschMied" von Otto Stößl. Kein NLärchen ftte Kinder. «nUr eine sehr ausgewachsene Harmlosigkeit, deren Stoff den Märchen vonTaniendmnd eine Nacht" entnommen ist. Basem der Grobschmied, der stets zinfriedene, der nur 5 Derhem täglich braucht, um glücklich zu sein und leben zu können, roird durch ein Arbeits­verbot des Kalifen, der seine Freude daran findet, den Anspruchs­losen zu cpiälen, mis seiner gleichmäßigen heiteren Gemütsverfas­sung gerissen. Zuletzt aber kommt alles in schönste Ordnung, da der Kalif sich wieder besänftigen läßt. Der lebhafte Beifall ist wohl vor allem der GestalttingÄcaft zu danken, die Herr E v e r t h als Basem der Grobschmied" entfaltete. Das Residenz-Thea­ter überraschte durch die Uraufführung eines Bauerndrmnas« A l t m u t t e r" von Fritz P h i l i p p i. Der Verfasser ist ein hie­siger sehr geschätzter Pfarrer, der durch seine Romane imd Novellen in ganz Deutschland bekannt geworden ist. Es ist ein Kriegsstttck im ''guten Sinn. Tär Krieg bricl/t aus', die Männer eilen zu dem Fahnen. Auch den Raabhntter Jung treibt es fteiwillig hinaus, den Siebzehnjährigen. Tie Mütter tvill den Einzigen ziehen lassen, aber die Alttnutter sträubt sich. So lange er niklü hinaus m u ß, soll er Kr Hause bleiben, danfttdie Sach!", das Lantz. zu seinem Rechte kommt. Da ist Bauerrrtrotz, ,;»ider Bauerntrotz, d»ck beide sind zäh. Der Raabhütter Jung geht in den Krieg, während die Altmutter wie ein Mwm Iws Land besorgt, verbissen nutz böse, dabei eine starke, heimlick>e Sebnsncbt nacb dem Enkel im Herzen, Ms der Enkel mit einem zerschossenen Arm, aber dos> als ein ganzer Mann, ein echter Raabhütter, znnickkehrt, d« k«nn tzie Alt- mütter rulfig sterben, denn nun ist eiirer tz«.', der fürdie Sach!" sorgt. Und das alte, abgearbeitete Wleiib stirbt, wlie es gelebt hat. im' Bewsnßtsein erfüllter Pflicht. Der Beifall n^r sehr herzlich. Fite den abwesenden Autor, der als Pfarrer im Feuer der Somme« schlack)t seines Amtes nmltet, dankte Direkter Dr. Rau ch, der das Sttick mit Liebe rnrd Umsicht rwrbereitet mrd inszeniert hafte. ^Tie ..Altmntter" von Fvcm A nd ree-H uvar t war eim sehr gute Leisttmg, Mäske nnd Shiel ans einem Miß. Sie hatte starken Anteil an dem Erfolg des. Stückes.