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2.12.1916 Zweites Blatt
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Sr. 284

Zweites Qfatf

Erscheint ILglich mit Ausnahme des Sonntags.

veilagen:Gletzener ZamttienblStter" und ^LreirBlLtt für den Kreis -ietzen".

pofifcheLrnlt-: Zras^utt am Dein Ur. N68-. v«ck»«rehr: »ewerbebiitt Eiehen.

M. Zahrgang

General-Anzeiger für Sberheffen

Samstag, 2. DezMber MS

ZwillingSrunddruck und Verlag:

B r ü hl'sche Unwersiläls-Bllch-u.Stsindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchrifNeitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstrave?. Geschäf.SsleUe'.uVerlag: ezg&bi, Schriftlettuttg: e=^ 112.

Anschrift für Trü htnachrichtenr AnzeigerGießen.

3ur Annahme -es hrlftdienstgefetzes.

Mit der im Reichstag in der heutigen dritten Lesung zur Annahme gelangenden .Hilfsdienstvorlage empfangt die allgemeine Dienstpflicht für das Vaterland ihre^ Vollendung. Fortan ist niemand mehr über­flüssig, niemand so schwach, daß er nicht einen Posten ausfüllen könnte, der, wenn er auch keine Lebensgefahr in sich birgt, so doch ebenso die Aufbietung aller Kraft erfordert, wie der Dienst im Felde. Daß mit dieser Heranziehung vie­ler noch brach liegender Männerkraft füv die Mehrzahl bon ihnen ein Herzenswunsch in Erfüllung geht, wer-wollte das leugnen? Wie mancher derjenigen, die über 45 Jahre alt sind, würde gern zur Waffe greifen, wenn seine Gesund­heit es ihm erlaubte. Wie mancher junge Mann, der als zu schwach für den Dienst mit der Waffe ausgemustert wurde, iuird nun einen Platz finden, wo er ailch mit seinen geringen Kräften dem Vaterland dienen kann! Fortan hat niemand mehr die Ausrede, das Vaterland habe seiner nicht bedurft. Diese Pflicht zur Arbeit im Dienst des Reichs darf freilich nicht als Zwang der staatlichen Gewalt aufgefaßt werden, sondern als eine sittliche Pflicht, die aus der Erkenntnis her- vorgeht, daß, wenn unsere gesamte waffenfähige Mannschaft gegen unsere Feinde auf der Wacht steht, die Daheimbleiben­den auch die Ehrenpflicht haben, jeder nach seinem Können zur Verteidigung der Heimat beizulragen. Denn jedem Recht entspringt auch eine Pflicht; jede Leistung erfordert eine Gegenleistung; darum können unsere Brüder in Feindesland von allen denen, die sie mit ihrem scharfen Schwert schützen, so daß sie daheim wie im tiefsten Frieden ihrer Alltagsarbeit nachgehen können, erwarten, daß sie in dieser schweren Zeit auch ihr Teil zum Dnrchhalten beitragen und so den Kämp­fern an der Front ihre Ausgabe erleichtern. Denn wir wol­len uns nicht verhehlen, daß das Vaterland aller Kräfte be­darf, gerade wie vor hundert Jahren, als es galt, Napoleon niederzuwerfen: nur daß heute der Kampf noch weit schwerer ist. Denn nicht nur unsere Feinde stehen uns gegenüber, sondern hinter ihnen als Helfer neutrale Staaten. Auch sie müssen wir mit überwinden.

Die Volksvertretung hat sich bereit gezeigt, alle Opfer, die das Reich fordert, zu bewilligen, so einschneidend sie auch sind. Jetzt kommt es darauf au, die gleiche Opferwilligkeit in den breiten Volksmassen zu wecken und rege zu halten. .In eingehender Weise sind in den Ausschußsitzungen alle Fragen durchgefprochen worden, die einer Prüfung bedurften. Jede Partei hat Gelegenheit gehabt, ihre Ansichten und Wünsche ivorznbringen und sie mit den maßgebenden Männern zu er­örtern. Und hier hat sich herausgestellt, daß von einer kleinen Grüppe abgesehen alle von der Notwendigkeit überzeugt waren, es müsse auch dieser letzte Schritt geschehen, um die allgemeine Dienstpflicht für das Vaterland zur Wirk­lichkeit zu machen. Eine ganze Reihe wertvoller Verbesserun­gen wurden vorgeschlagen und angenommen, und die Ver­treter des Volks und der Regierung sind sich so nahe getreten, wie bisher bei gesetzgeberischen Maßnahmen nur selten. Ja, man darf die freudige Erwartung hegen, daß diese Besprech­ungen auch für die Folgezeit sich segensreich erweisen toerden. An Entgegenkommen hat es auch die Regierung nict)t fehlen lassen; erklärte doch General v. Gröner, er werde alle Fragen vor der Entscheidung eingehend mit dem vom Reichstag be­rufenen Ausschuß beraten. Eine einseitige Auslegung und Anwendung des Gesetzes ist also ausgeschlossen.

Leider sind infolge falscher Auffassung schon manche irrige Anschauungen über die Anwendung des Hilfsdiensb- gesetzes in die Öffentlichkeit gedrungen. Vielfach glaubt man, es werde nun ohne jede Prüfung jeder Betrieb stillgelegt werden; man werde die Männer aus ihren Geschäften weg­holen, um sie in den Dienst militärischer Betriebe zu stellen. Nichts ist falscher als dies. Denn dadurch würde ja ge­rade die gesunde Grundlage unseres Wirtschaftslebens, um die uns unsere Feinde beneiden und die uns das Durchhalten erstermöglicht, untergraben werden. Ganz im Gegenteil wird man zunächst an die Freiwilligen appellieren und erst dann, wenn deren Zahl nicht auSreicht, die notwendigen Kräfte mit Zwang heranziehen. Doch hier wird mit größter Schonung vorgegangen und gewissenhaft geprüft, was jeder Betrieb loftet und wie er auf seinem Gebiete für das Vaterland schafft. Daneben liegen ja auch manche Geschäfte und Be- tn&e still, deren Inhaber es mit Freuden begrüßen werden, rortm ihnen in des Vaterlands größter Zeit eine Aufgabe zugewiefen wird, die sie mit der frohen Genugtuung erfüllt, daß auch sie zu ihrem bescheidenen Teile mit dazu beitragen können, daß Deutschland diesen Weltkrieg siegreich beendet. Srier sage niemand: es komme auf ihn nicht an, es werde auch so gehen. Wir wissen nicht, wie lange noch der Kampf währt, den unsere Feinde uns aufnötigen. Da gilt es, auch den letzten Mann auf den Posten zu stellen, wo er dem Vater­land am meisten nützen kann. Mancher wird bei dieser Ge­

ben letzten Atemzug, die letzte Muskelkraft hergab, um das von den Vätern überkommene Gut zu wahren: das einige deutsche Vaterland.

Rnr KtsrdL rsnd Land.

Gießen, 2. Dezember. 1916

Spart mit Kartoffeln? denn fie müssen bis 15. August reichen.

Milchversorgung der Stadt Gieße».

Bon zuständiger Stelle wiro uns geschrieben: /

Ter seit langem vorhandene Mangel an Fetten, insbesondere aber der Umstand, daß zur FettgewinNnng in der Hauptsache did Milch in Anspruch genommen werden muß, hat zu der äußerst einschneidenden Verordnung des Kriegsernährungsamtes vom 3. Oktober 1916 Veranlassung gegeben. Nach dieser sind nur noch bestimmte Personen zum Bezug von Vollmilch berechtigt, so Kinder, stillende Frauen uflv., während alle anderen Personen auf den Genuß von Magermilch angewiesen sind.

Die zur Versorgung der vollmllchberechtigten Personen er­forderliche Milcb wird der Stadt aus folgenden Gemeinden zuge­wiesen:

Albach Mendorf a. d. Lahn, Alten-Buseck, Annerod,Birklar, Daubringen, Dorf Gill, Eberstadl, Garbenteich, Gießen, Großen- Buseck, Grüningen, Hausen, Heuchelheim. Klein-Linden, Leihge­stern. Lick) mit .Hofgütern, Lollar, Muschenheim mit Hof Güll, Ober-Hörgern, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Steinbach, Trohe, Watzenborn mit Steinberg, Wieseck, Winnerod.

Als S a m m e l st e l l e ist die Molkerei Gebr. G r i e b in Gießen bestimmt, die gleichzeitig als städtische Verteilungsstelle eingerichtet ist.

Als Milckckieferer kommen sonach 30 Ortschaften in Betracht. Von wieviel Milcherzeugern die Milch gesammelt wird, läßt sich heute nicht feststellen, sicherlich aber sind es mehrere Hunderte.

Zwecks Verbringung der Milch nach Gießen muß diese in Kannen gefüllt tverden, und hierbei ist es am vermeidlich, daß. was auch bereits ftüher Ws geschah, Milch aus verschiedenen Stal­lungen zufammenges<Mttet wird. Daß hierbei die Qualität der Milch leidet, ist ganz selbstverständlich.

Es hat deshalb in den Uebergangstagen zur neuen Regelung die Stadt den Weg eingeschlagen, der seit Jahren von fast allen Großstädten mit Erfolg begangen wurde. Die Versorgung dieser lag von seither in Händen der Molkereien.

Um einem V erd erbe n der Milch vorzubeuZen, wird diese nach der Anlieferung nochmals gereinigt, einer Säureprvbe un­terworfen. aus zirka 60 Grad erhitzt und sodann ttes gekühlt. Daß durch dieses Verfahren eine Verschlechterung der Milch nrcA ein- tritt, liegt auf der Hand.

Wenn an dem ersten Tage der Neuregelung die Milch viel­leicht erst am 2. /oder 3. Tage den Verbrauchern zugesührt werden könnte, so lag dies wie bei Beginn all-er Verbrauchsregelungen in der Sache selbst. Um den nötigen Milchvorrat zu heben, mußte «eben ein Tag zum Tell mit der Lieferung ausgesetzt werden.

Bei der heutigen Regelung behalten die größeren Mllchlie- seranten, insbesondere die Hofgüter, die tem ihnen gelieferte Milch zur direkten Abgabe an die Verbraucher. Es ist also ledig­lich insofern geaerrüber Srm früheren Verfahren eine Aenderung eingetreten. als die aus kleinen Milchwirtschaften stammende Milch zu ibrer Verbesserung einem Verfahren unterworfen wird..

Was nun die sog. Kur-Vorzugs-Kindermilch an­langt, die von verschiedenen Gütern bisher in kleinen Mengen als tuberkelfrei geliefert wurde, so handelt es sich um eine gerei­nigte gekühlte Milch aus Stallungen, die zum Tell unter tier­ärztlicher Kontrolle standen, bei denen insbesondre die Kühe gegen Tuberkeln geimpft wurden. Kindermilch in ausgesprochenem Sinne wurde seither nur von einem einzigen Händler bei Trocken­fütterung geliefert, die Mengen waren.aber bei einem Viehbestand von 23 Kühen derartig gering, daß fte zur allgemeinen Ver­sorgung gar nicht in Betracht kommen konnten und heute aus- sck^iden. da der Besitzer die Kühe abgeschafft hat.

Daß die Stadtverwaltung für dre Säuglinge und .Kinder in den ersten Lebensjahren nichts tue. entspricht nicht den Tatsachen. Der M i l ch ch e. ,und dem Säuglingsheim sowie der Kinderklinik wird dieselbe Milch, wie bisher, weiter geliefert. Diese entspricht allen Forderungen, die an Krndermilch gestellt werden können. Die Mllchküche gibt an Säuglinge, die die gewöbn- liche Milch nicht vertragen können, gegen Abgabe der Milchkatten diese Milch ab. Das Grvßb. Kreisgesundheitsamt hat diese Ver­sorgung für hinreichend erachtet.

Wenn besondere Bestrebungen für den Verbrauch von Vor­zugsmilchzu bedeutend erhöhten Preisen (60 Psg. für das Liter) nicht gefördert werden konnten, es waren diesbezügliche Verhand­lungen im Gange, so geschah dies im Interesse der Allgemeinheit, insbesondere aber, um der ärmeren Bevölkerung den Milchbezug zu /ermöglichen. Eine einzige /Ausnahme aber tvürde veranlaßt haben, ldaß alle größeren jMllchpvvduzenten sich zur Lieferung von Vorzugsmilch zu erhöhtem Preis für berechtigt gehalten hatten, was zu Verhältnissen geführt hätte, die für die Ernährung der Säuglinge der ärmeren Bevölkerung geradezu verhängnisvoll geword"n wären, ganz abgesehen davon, daß in späteren Zellen voraussichtlich nur noch Vorzugsmilch zu haben sein würde.

Wie in allen anderen Städten, so war es auch in Gießen der , 5 .. . cm r j- ,c - . Fall, daß gerade die Säuglinge und die dringend Bollmrlchberech-

legeuhert ein Können und -wollen in sich entdecken, das er ! ttgleii die Milch entbehren mußten, weit eine gleichmäßige Ber

bisher vielleicht noch gar nicht gekannt hat. Vor allem wird man Sorge tragen, den Mittelstand lebenskräftig zu erhalten, da ja jeder Tag aufs neue zeigt, was er für den Staat be­deutet. Hier wird daher mit größter Schonung vorgegangen werden, von einer wahllosen Stillegung von Betrieben wird und soll dies kann nicht oft genug betout werden keine Rede sein. Geschädigt soll niemand werden, solange es sich vermeiden läßt. Aber natürlich müssen Opfer gebracht wer­den; Opfer im Interesse der Allgemeinheit. Wen sie schwer

ankommen sollten, der schaue nur auf unsere Tapferen in .^s den Mllchgenuß wirken

! teilung fehlte. Es kamen sogar Fälle vor, daß nicht vollmllchberech- tigte Personen die von ihnen bezogene Milch noch ver­butterten.

Es erscheint deshalb viel weniger wichtig, ob die eine oder arrdere Einrichtung einer sog. Vorzugsmilch bestehen bleibt oder nicht, die Zuteilung der Vollmilch (eine andere kennen auch die ganzen Verordnungen nicht) an diejenigen, denen sie zukommt, ist die Hauptsache. Unbedingt haben Säuglinge und stillende Mütter in den letzten Monaten ün Milchmangel gelitten. Eine wellere Verteuerung der Milch wmrde aber wiederum einschränkend

den Schützengraben, die auch das größte Gut des Menschen, ihr Leben, jeden Tag willig darb ringen, in der festen Ueber- zeugung, daß dies Opfer nötig ist und dem Volke die Sicher­heit gewährt, m Zukunft den Arbeiten des Friedens zu leben, ohne befürchten zu müssen, daß unsere Feinde uns aufs neue angreifen.

Nun wird erst das Wort von der Dienstpflicht jedes Deutschen zur Wahrheit! Das ganze Volk nimmt den Kampf

Was den Verkehr mit Pb a g e r m i l ch anlangt, so stehen zurzeit so geringe Mengen zur Verfügung, daß an eine Rationie­rung nicht gedacht werden kann. Es steht aber zu erwarten, daß innerlmlb kurzer Zell bei regelmäßiger Lieferung der Gemeinden die Menge steigen wird. Es nnrd dann alsbald eine Regeluv a Der Versorgung mit Magermilch erfolgen.

**

Oberhessischer Kunstverein. Tie Gemälde

aus; die einen mit den Waffen, die anderen mit Hammer 8 auSftellung hat nach dem letzten Bilderwechsel wieder nahe und Zange hinter dem Amboß und am Arbeitstisch. Ein zu 70 Gemälde, Bronzen und Plaketten neu aufzuweisen, spartanischer Zug geht durch unser Staatslcben, doch er ist Darunter befinden sich Werke von Anna B eher-Darm- uns aufgenötigt worden, wir haben ihn nicht freiwillig ein- stadt, L. C o r r e g i o-München. P. Ehrender g-Münchcn. gefügt, stets aber sind wir des Dickiterworts eingedenk:Nicht W. Geißler-Berlin, I. G r ä ße r-Vegesack, H. H a würdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an bcrl-München, A. L u t t er o t h - Hamburg, I. G. Mohr ihre Ehre!" Die späteren Geschlechter aber werden voll Hoch-§ Frankfurt, M. Schö ner-München, W. Straube-Cob achtung auf die Kämpfer des großen Weltkrieges sehen, die ^lenz und F. W uche rer-Cronberg, sowie Bildhauerarbei­

ten von B. Ehermann -Leipzig. In der Ausstellung ver­blieben noch von den bisher ausgestellten, auf Wunsch, die­jenigen von Prof. M. Fritz, G. Segantini und W. T y b i c it. Die Ausstellung ist täglich, mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1, Mittwoch nachmittag auch noch von 3 bis 5, und an Sonntagen ununterbrochen von 11 bis

3 Uhr geöffnet. Die Verlosung von Anrechtscheinen, unter den Mitgliedern des Kunstvereins, findet in nächster Zell statt.

** Sorge für die Schuljugend. Zu dem schon einmal an dieser Stelle bclgohrten Theina geht uns jetzt wlgende Zw* schrill zu: Von versMchenen Seiten ist dieser Tage angesichts der vorliegenden Ernährungsschwierigkeiten eine Abände­rung des Stundenplanes und eine Herabsetzung der Lehrziel« für unsere Schuljugend bcstrrwortct worden zuletzt auch eine Verrin­gerung der SchUlaufgaven. Sollten -dabei die Folgen der Nalwungs- mrttelkrrapvheit für den Gesundheitszustand unserer Schuljugend nicht doch erheblich überschätzt worden sein? Eine Reihe erfahrener Schulärzte hat sich dahin ausgesprochen, daß bisher eine solche; schädigende Wirkung im großen Ganzen nicht eingetreten, daß aus dem da und dott beobachteten Zurückbleiben des Wachsttcms mtb Fettansatzes der Kinder keine Schlüsse auf eine wirkliche Herabdrückung des Gesundhettszustand es zu zieh en seien. Jeden­falls aber nröchte bei der Erwägung der vorgeschlagenen Maß^ regeln eins nicht zu vergessen sein: daß eine Vermindermrg der Unterrichltsstunden und der Hausaufgaben auch ernste fahren für die Kinder, namentlich! der unbemittelten Familien m sich schließt. Schon seit Beginn des Krieges hat nur allzuoft auf die durchl die mangelnde elterliche Ailfsicht und Erziehung emgettetene Verwildernngder Schuljugend hingewiesen Werden müssen. Vielfach sind die Väter zur Fahne ein gerufen- die Mütter durch/. Berufsarbeit außer Hause in Anspruch genom­men. Ilnbeaufsichtägt tteiben sich die Kinder, die durch die Kriegs* eveignisse ohnehin ungewöhnlich- erregt' sind, lärmend in den fraßen bis in die ttefe Tuncelheit umher. Immer wieder nracht sich diese ungezügelte Erregung in rvheii Zerstörnngstaten bemerk- lich, wie z. B. bis in die jüngste Zeit die Mi dem Schreiberswege aufgestellten Bänke immer wieder beschädigt und in die Bach ge­worden wurdeii. Beschränkt man die Schulstunden und Hausauf­gaben, so wrrd solcher Treiben zweifellos rurr noch mehr gefördett, wenn es nicht gelingt, hen Kindern den Einfluß der elterliches Erziehung nach _-iHckHeit zu ersetzen. Diesem Zwecke dienen bereits die hier eingerUcheten .Knabenhorte wo die ellcer genügenden! Behütung entbehrenden .Kinder in der schulfreien Zeit Aufnahme! und Boaufsichttgung finden. Die Vermehrung und Er- weiterung dieser segensreich wirkenden Hotte sollte mit allen Mitteln angestrebt und damit der weiteren Verwilderung der lauf dm Gassen sich herunttreibendcn Jugend vorgebeugt werden. Den ohnehin schon über Gebühr belasteten Lehrern, müßtQi bei der Boauflichttgung und Leitung der Horte freiwilliger Hel- sjer und Helferinnen zur Seite treten, als welche wohl in erster Linie unsere Studenten und Studentinnen in Frage kommen. In diesen Tagen, wo die nationale Dienst­pflicht auf alle Bolkskreise ausgedehitt wird, würde ein solcher Liebesdienst an_ unserer Heranwachsenden Jugend für unsere aka­demischen Kreise sich ganz besonders empfehlen. Die Leiter der Gießener ^ Jugendpflege werden solche Bundesgenossen, zlverfellvs mit herzlichem Tank willkommen heißen.

** Landaufenthalt erhokungsbedürftiger Kinder. Voll Verständnis für die Hebung der Volksgeftmtchert hat die Großherzogin in hochherziger Weise im Frühjahr dieses Jahres die Schlosser Seeheim a. d. B. und R on rrod in Oberbessen zur Verfügung gestellt und mll entsprechenden Einrickttmgen ver­sehen, um er ho lungsbed-ürsti gen schwächlichen Stadtkindern einett gesnndheitskrästigen Landaufenthalt zu ermöglichen. Ferner hatte die Großherzogin iwck) den Mittelbau des Kurhauses ht Bad Salz­hausen gemietet und dott 60 Stellen ftrr kurbedürftige Kinder ge­schaffen. Vom Juni dieses Jahres ab fand die Aufnahme der Kinder in die ErholuiuEeiMe statt. Tie Kruder wurden den größeren Städten des Larides enttronrnren und im Benehmen mit den Leh- rcui, Aerzten und örtlichen Fürsorge stellen ausgewäblt. Ter Aufenthalt in den Erholungsheimen dauerte sechs Wochen. Die Zahl !der in Bad Salzhausen verabreichten Salzbäder bttrug in der Regel 12 für das einzelne Kind. Die in Seeheim und Rvmrod untergebracksten Kinder setzten den Schulbesuch in ben dortigen Schulen fort. In Bad Salzhausen verbot sich dies durch die Lage des Bades. ^ Die Kinder standen unter dauernder ärztlicher An­sicht, die Pflege lag in den Händen von Schwestern unh sonstigen sachlich vorgelnldtten Damen. Wie. erfolgreich der Landaufenthalt auf die Kinder gewirkt hat, geht daraus hervor, daß Gewichtszu­nahmen bis zu 10 Pfund festgestellt werden konnten. An Leib und Seele gestärkt, haben die Kinder die Erholungsheime verlassen. Nur schwer trenriten sich die Kinder von dem herrlichen Landaufent­halt, der ihnen frische reine Luft und reichliche kräftige Nahrung bot. Ms liebe Erinnerung an die schöne Zeit dursten sie aber ein von ihrer Wohltäterin geschenktes hübsch gerahmtes Bild des Groß- herzogspaares mll nach Hause nehmen. In dieser Woche sind die letzten Kinder zurückgekehrt. Nahezu 300 Stadtkinder konnten! der Wohltat des Attfenthafts in den Erholmrgsheimeu teilhaftig werden. Die Großherzogin hat sich durch ihr edles Werk den bleiben^ den Dank vieler Kinder- und Clternherzen gesichert. Möchte auch) im konrmenden Jahre noch Manchen unserer Städtkmder. denen Licht und Luft oft bitter Not 'tut, der Aufenthalt in der heilkräftigen Luft des Vogelsberges oder der Bergstraße vermittelt werden!

** Stad tthe ater. Zum Gesamtgastspiel desFrankfurter Neuen Theaters" ain kvminenden Morttag mll dein spanischen! SchauspielDvri'fl' dürfte noch folgender Ansschnllt mcs der Besprechung derFrankfurter Nachrichten" interessieren. Es heißt da:In köstlich kunstvoller Durchdringung wird uns lner Wahr­hell und Dichtung, die Schauspieler- rurd die Menscheuseele darge­stellt. Eugen KKpfer gab hm herzlich lieben alten Hottk, der aus! der glückhaften Sonnigkeit seines Künsllerdaseins in die düsterste! Umschlingung von Schirld und Sühne sinkt, mit meisterlicher Kraft. Ausgezeichnet in der Haltung, maßvoll und edel, war Leontittck Sagan als Poriks schuldige, doch rührsame Gattin. Edmund .He- dina löste seine unerschöpfliche Aufgabe, Shakespeare zu vergegen- ivättigen, mit kraftvollem Anstand. Jeder der drei bühnen technisch glänzend ausgekauten Akte rief brausendar Beifall hervor, und beim mächtigen Schlußakkord nruß man geradezu von Enthusiasmus bef Publikums faretfjen."

Hessen-Nassau.

X. Kassel, l. T^. Der Landesausschuß des Regier rungsbezirkes Kassel hat in seiner letzten Sitzung den Voranschlag des Bezirks Verbandes für 1917 festgestellt und verabschiedtt. Die Einnahmen und Ausgaben vergleichen sich in der Summe von

4 742 600 Mark gegen 4 592 850 Matt in 1916. Die Bezittssteuer ist wiederum mit 10 Prozent vorgesehen imb ihr Ertrag mit Mark 1 270 000 eingestellt geg^v 1160 000 Mark im Vorjahr. Der Un- terhaltungszuschich für die Landeshellanstalt Marburg ist mit 135 200 Matt eingestellt gegen 121 800 Matt in 1916, ft'ir die Jrrenpslegeanstatt Haina ist der Bedürfniszufchuß mit 192 900 Matt angenonlMgn gegen 143 400 Matt in 1916. Der Unterhal« tungszuschuß für das Landeshospital Merxhausen ist aus 142 200 Mark veranschlagt gegen 138 800 Mark in 1916. Tie Taubstum- men-anstalt zu Homberg erfordert einen Bedürftttszuschuh von 93 300 Matt gegen 91 200 Matt in 1916.