Ausgabe 
13.12.1916 Erstes Blatt
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Lin« Seutsche Kote an den Papjt.

Berlin, 12. Dcz. <WTB3 DieYLorddcutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Teurer Heiligkeit Papst Benedikt XV. ist der Srf.TUt der Kaiserlichen Regierung durch folgende Note des Gesandten v. Mühlberg an Staatssekretär Kardinal Gasparri $wc Kenntws gebracht worden:

>,Erhaltenem Aufträge gemäß beehre ich mich, Euerer Eminenz anbei eine ?l b s ch r i f t der E rk l ä r u n g zu übersenden, U-elche die Kaiserlrche Regierung heute an die Regierungen derjenigen Staaten, mit denen sich, das Deutsche Reich im .Kriegszustand befindet, durch Vermittelung der mit dem Schutz, der deutschen! Interessen in jenen Lander? betraute Mächte gelangen läßt. Die K. und K. Oesterreichs-Ungarische, die Kaiserlich Otto manische und die Königlich Bulgarische Regierung Haben ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in Friedensverhaudlangen in gleicher Weise erklärt.

Die Gründe, die Deutschland und seine Verbündeten zu diesen! Schritt bewogen, sind offenkundig. Seit 2Vs Jahren der- wüstet der Krieg den europäischen Kontinent. Unendliche Kultur- werte sind vernichtet und weite Flächen mit Blut getränkt. Millionen tapfere Krieger sielen im Kampfe, Millionen kehren kn schwerem Siegtnni in die Heimat zurück, Schmerz und Trauer erfüllen fast jedes Hans. Nicht bei den Kriegführenden allein, auch bei den Neutralen lasten die verheerenden Folgen des gewaltigen Krieges schwer auf den Völkern. Handel und Wandel, ulühsam in den Jahren des Friedens aufgebaut, liegen darnieder, die besten Kräfte der Völker sind der Schaffung nutzbringender Werte entzogen. Europa, sonst der Ausbreitung von Religion, Kultur und Lösung sozialer Probleme gewidmet, eine Stätte für Wissenschaft, .Kunst fund für jede friedliche Arbeit, gleicht einem einzigen Kriegskagrr, in dein die Errungenschaften und die Arbeit vieler Jahrzehnte der Vernichtung entgegengehen. Deutschland fuhrt einen Verteidigungskrieg gegen ine Vernich.tungsärbeit seiner Feinde. Es kämpft für die reale Sicherheit seiner ^Grenzen, für die Freiheit seines Volkes und für dessen Anspruch, Ungehemmt und gleichberechtigt mit allen anderen Staaten seine geistigen und wirtschaftlichen Kräfte in einein friedlichen Wett- ben^rb frei zu entfalten. Immer offenkundiger haben unsere Feinde ihre Cwoberungspläne enthüllt. Aber unerschüttert stehen die ruhmreichen Heere der Verbündeten, schützend vorweg die Grenzen ihrer Heimatländer, erfüllt und getragen von dem Be­wußtsein, daß es den Ge gnern niemals gelingen wird, den eberneu Wall zu durchbrechen. Hinter sich wissen die Kamvfreihen das gesamte Volk in hingebender Vaterlandsliebe, entschlossen, seine geistigen und wirtschaftlichen Güter, seine soziale Organisation und jeden Zoll heimatlichen Bodens bis zum letzten zu verteidigen.

Voll Kraftgefühl, aber auch/ voll Verständnis für Europas düster^ Zukunft bei längerer Tauer des Krieges und voll Mit­empfinden für das namenlose Elend und den Jammer der mensch­lichen Gemeinschaft wiederholt daher das deutsche Reich im Ver­ein mit seinen' Brnrdesgenossen in feierliche: Form die schon vor Jahresfrist di'rck: den Mund des Reichskanzlers mlsgesprock>ene Bereftwilliakeit, der Menschheit den Frieden wieder zu geben, indem es an die Welt die Frage stellt, ob sich nicht die Grundlage für eine Verständigung sinden läßt. Seine Heiligkeit der Papst bat von dem ersten ' Tage seines Pontifikats an den zahllosen Opfern deS Krieges seine teilnehmmde Fürsorge in reichstem Mose cmgedeihen lassen. Schwere Wunden sind durch ihn ge­lindert, die Geschicke Tausender, von der Katastrophe Betroffener erträglicher gestaltet worden. Im Geiste seines hohen Amtes nahm Seine Heiligkeit auch jede Gelegenheit wahr, um im Interesse der leidenden Menschheit auf die Beendigung des blutigen tstingens hinzuwirken. Die Kaiserliche Regierung glaubt sich daher der Hoff­nung hin geben tzn dürfen, dojß jdie Initiative der vier Mächte wohlwollenden Widerhall bei Seiner Heiligkeit sinden wird, und das; ihr Friedenswerk ans die wertvolle Unter­stützung des Apostolischen Stuhles rechnen darf.

Armee- nnd Flottenbesehl Kaiser Carls.

Wien, 12. Dez. (WTB.) Der Kaiser hat nachfolgenden Armee- und Fl o t t e n jh e f e h l erlassen.

An meine Soldaten der Armee und Flotte!

Gottes gnÄnge Hilfe, Euere und unsere treuen Verbündeten Tapferkeit nnd Ausdauer haben eine Lage geschaffen, die unseren endgültigen Sieg nicht mehr zweifelhaft erschei­ne n l ä ß t. In dem Bestreben, den in schwerer Zeit mannhaft aus­harrenden Völkern die Segnungen des Friedens wieder zu geben, haben ich'und meine erlauchten Bundesgenossen einen Versuch zut Herbeiführung eines ehrenvollen Friedens unternommen. Ich bete' zum Allnnichtigen, er möge diesen Schritt mit seinem Segen ge- tNten! Ich bin aber auch sicher, Ihr werdet mit dem gleichen Hel- denmul loetter kämpfen, bis der Friede geschlossen ist oder bis Ihr den Feind entscheidend geschlagen habt. Karl.

Wien, den 12. Dezember 1916.

aber es rät im allgemeinen europäischen Jnterejie und rm BcwuNtt sein seiner Pflichten vor der Geschichte und vor der Menschheit, zu Verhandlungen, die alle Völker seit Monaten ersehenen. Volk und Regierung sind stark genug, um jeden Gedanken eines Friedens, der kein ehrenvoller, unsere berechtigten Interessen und unsere weltt- geschichtlichen Rechte.sichernder Friede wäre, weit von sich zu weisen. DieFreisinnige Zeitung" sagt:

Das ist ein Schratt, dessen moralische Wirkung unter allen v'wjtn ungeheuer, dessen praktische Wirkung hoffentlich die aller­größte sein wird. »

In derGermani a" liest man:

,,Es ist das schönste Vorrecht des Starken trft Kriege, stets die ,Hand znm Frieden bereit zu halten. Es ist mehr, es ist die heiligste Pflicht der Menschlichkeit und der christlichen Moral, in diesem so gewaltigen !und blutigen Völkerringen, wie cs seit nunmehr lzweieinhalb Jvhren die Mett mit Schrecken erfüllt, lvas der Reichskanzler über den gemeinschaftlichen Schritt det Mittelmächte und ihrer Verbündeten auf Herbeiführung des Frie­dens >nntteilte, ist ein Monument von Friedensliebe, wie es größer, entgegenkommender und rückhaltloser nicht gegeben wer­den kann."

In derT äglichen Rundschau" wird der Erwar­tung Ausdruck gegeben, daß sich auch unsere Pazifisten mit der Tatsache ob finden, den vor; der Entente gewollten Krieg mit allen Mitteln zu Ende z>u führen, wenn das Friedens­angebot abgelehnt wird.

DieDeutsche Tageszeitung" sagt:Das ganze deutsche Volk versteht den Wunsch des Kaisers, Deutschland den Frieden zu geben, sowie dies irgend möglich ist. Nie­mand kann verstehen, daß auf den; Wege dieses Friedens­angebotes Klippen und Gefahren liegen."

In derKreuzzeitung" liest man: Es wäre er­wünscht gewesen, wenn schon diesmal Andeutungen der Friedensangebote hätten gemacht werden kön­nen. Das ist leider nicht möglich gewesen. Das feindliche Ausland aber muß sich sagend daß das deutsche Volk zwar vom heißen Friedeirswunsche beseelt ist, daß es aber einen Frieden um jeden Preis weit von sich wer"

Die Erfolge türkischer Truppen in Rumänien.

Konstantinopel, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Aus allen Provinzen langen Meldungen über Freudenkundgebungen anläßlich) der Einnahme Bukarests an. Die Blätter ver­weisen neuerdings auf die glanzende Teilnahme trMscher Truppen an den Kämpfen in der Walachei, insbesondere an der Schlacht am Argesul, an der das Regiment Nr. 28 unter dem Befehl des Majors Lntfi am gefälmdetstcn Punkte zwischen der Armoe Falkenhayn und der Donauarlnoe den Angriff zehnfach über­legener rumänischer Streitkräfte, die die beidew Armeen zu trennen und die Doncruarmee zu umgehen versuchten, ertrug. Durchs hartnäckigen Widerstand konnte das Regiment Littst den Feind bis'zum Eintreffen von Verstärkungen aufhalten, mit welch'en es, obwohl noch immer an Zahl schwächer, den Feind angriff und ujat in die Flucht schlug.

Ten Blättern zufolge l-aben die an der rumänischen Front kämpfenden türli scheu Truppen bisher 9024 Gefangene gemacht und 39 Kanonen und 36 Maschinengewehre, eine Menge Lebens­mittel und Mmütivn sowie mehrere gepanzerte Automobile er­beutet.

Der bulgarische Bericht.

Sofia, 12.Dez. (WTB.) Heeresbericht vom 11. Dezember:

Mazedonische Front: In der Gegend von B i t o - li a nichts von Bedeutung. Im Ccrna-Bvgen heftiges feind­liches Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen zwischen Dobro- mir und Makovo. Ern feindlicher Angriff an; die Anhöhe östlich von Paralovo wurde durch das tapfere Regiment Nr. 45 teil­weise nach Handgrancttenkampf büttig abgeschlagen. An beiden Ufern des Wardar stellenweise schwaches und stellenweise hef­tiges Artilleriefeuer des Feindes. Lebhafte Tättgkeft der feind­lichen Flieger über unseren Stellungen urrd über unseren rück- wärttgen Verbindungen. Bei Udovo holte nach glücklichem Luft­kampf Leuttrant v. Linkel ein französisches Flugzeug herunter, dessen Führer, Unterleutnant Pierre Jilet, verwundet, während der Beobachter, Unterleuttlant Sullh, getötet umrde. An der Belasica-Front unwirksames feindliches Artillerieseuer aus den Bahnhof 948. An der S1 r u m a schwache feindliche Beschießung auf der ganzen Linie.

Rumänische Front: Jin der Dobrudscha sehr ge­ringes Geschussener; unsere Truppen l>esetzten das gegcnüber- liegerrde rumärrische Donauufer zwischen Tutrakan und Ecr- navoda. In der östlichen Walachei rücken die Verbündeten unauf­haltsam vor.

Kaiser Carl in Budapest.

Wien, 41. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser ho sich beute uacht in Begleitung des Obersthofmeisters Fürste' von Montenuovo, des zweiten Oberschosmeisters Grafe Berchtold, des General-adjutanten Prinzen Lobkowitz, meh rs:er Adjutartten und Hosbeanrten rrach Budapest be geben, um die Huldigung des Reichstages entaegenzn nehmen.

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prefsestimmen zur Uanzlerrede.

Berlin, 13. Dez. Unter der ÜberschriftUnserWill zum Frieden" schreibt dieV o s s i s ch e Z e i t u n g":

A^iedensan gebot, das Deutschland an seine F^ind tzerrchlct hat, betautet eine Dost, die nur ein ganz Starker wage Irrste ohne sich der Gefahr auszusetzen, mißverstanden zu Werder Kern Vewrehungsversuch wird die Tatsache ans der Welt schafftr daß letzt der Lueger, bekränzt von ftischeni Lorbeer, seinen Feinde v« Hand zum Frieden entgegenstreckt, toeil et der Welt das Schau Mel weiterer Zersleischung der Kulturvölker, den feindlichen Län dern das Elend ihrer weiteren Verwüstung ersparen null. Jede einzelne der uns jetzt noch Kindlichen Staaten wird sich gerechter weise sagen mipsen, daß die Bedingungen, die er von uns ver Uatgen ton, auch von dem Interesse abhängen, das wir an un seven zukünftigen Beziehungen zu ihm haben. Diese Prüfung de eigenen Interesses nmcht das Angebot den Völkern des feindliche Heerbannes besonders leicht. Eine s e l b st v e r st ä n d l i ch e V o r sussetzi'.ng für jede Frieden s ver hau dlun g mu aber die Fortsetzung des Krieges sein bis zu der Augenblick, wo greifbare Bedingungen fest ge legt sind, bpxm die deutschen Vorschläge beruhe «4 der Grundlage der Tatsachen und schärfen unser Wafferr. Je länger die Berlmndlnngen sich hinziehen, desto grüße rrrd der Vorteil unserer Waffen. Der Kanzler die Seelen oerwn'uug des deutschen Volkes ausgezeichnet mit den Worin zum Andruck gebracht:Zunr Kampf entschlossen, zunr Friede bereit " Wenn das deutsche Volk sieht, daß sein Friedensangebo nichts sruckftet, so wird es sbenso wie die verbündeten Völker vo seiner Regierung verlangen, bafy der Krieg mit allen zur Ver kügung^ stehenden Mritteln wuchtig fortgesetzt wird. Wir wolle: den 5rrieg so schnell wie möglich beenden, so oder so. Nimmt mai nicht den Frieden^ den wir freiwillig bieten, nierden wir bei Frieden mit dem Sckuvert und mit allen Mitteln des Landkrieg- des See und des Luftkrieges erzwingen.

ImBerliner Tageblatt" heißt es:

Auch ivenn die leitenden Kreise der Entente, von ihren Chöre unterstützt, das Angebot ablehnen ssllten, Erd der kluge versöhn liche Schritt der verbündeten Regierungen nicht ohne günstig Folgen sein Körnen die Völker der Entente nicht mit der Bor oeisung metzloskr Friedenbedrngungen geschreckt werdeir, so wir chnen der Wahmvrtz dieses Krieges jetzt klarer vor Augen stehen - , einem zweiten Artikel des Blattes heißt es: Deutschland ist stai ßenug, um mehr als seinen Friedenswillen LU erklären. Es aff den anderen das erste Wort. Es bittet sie nicht zu Vetthandlunger

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Da» französische Ministerium.

Paris, 12. Dez. (WTV.) DieAgence Havcrs" meldet: Man kann das neue Ministerium als endgültig gebildet ansehen. Seine Zusarnmensetzung wird morgen vormittag amtlich bekanntgegeben werderr. Es ist wahrschein­lich, daß die Regierung sich am Nachmittag des gleichen Tages dem Parlament vorsteklen wird. Briand hat heute vorrnittag mit seinen künftigen Mitarbeitern beraten.

Aus der französischen Kammer.

Paris, 11. Dez. (WTB.) MeD-ung der Agence Havas. Bei Beginn der heutigen Kammersitzung verursackfte der so- zialisttschc Abgeordnete B r i z o n, einer der drei Kienthaler, einen heftigen Zwischenfall. Bei der Besprock-ung der Vorlage über die vorläufigen Kredite erhob sich Brizon hefttg gegen die Ver­längerung des höllisckien Krieges, .dessen einziges Ergebnis sei, Millionen von Lasten und Hunderte von Milliarden zu verschleudern. (Widerspruch 'und Lärnr) Ein Abgeordneter ruft Brizon zu: Sie wissen genau, daß Frankreich besetzt ist und daß Misere Soldaten ihr Blut vergießen, um sein Gebiet zu befteien. (Lebl-after Beifall.) Brizon bleibt bei seiner Einsicht und schreit:Nieder mit dem K r i e g . der iwch zwanzig oder dreißig Jäläe dauern kann!" (Er- ineuter Lärm. Ruse: Sie entehren das Parlament!) Ter Präsi­dent ruft Brizon zur Ordnung. Brizon will trotz des Wider­standes der ganzen Kammer und trotz des verdoppelten Lärmes sort- ftilnen. Ein Abgeordneter ruft Brizou eine Beleidigung zu, woraus dieser ihm sein Wasserglas an den Kopf wirft. Bei dem unbeichreiblichen Tumult imterbricht der Präsident die Sitzung auf 15 Minuten.

Bei der Wiederaufnahme der Sitzung beftagt der Präsident die Kammer über den zeitweiligem Ausschluß Brizons, der sich nach seiner Ansicht Ausschreitungen gegen die Kammer habe zusckmlden kommen lassen. Brizon bittet um das Wort, wozu UM die Geschäftsordnung das Recht gibt, und erklärte: Ich habe keine Ausschreitung gegen die Versammlimg begangen, aber je­mand fügte mir die schlimmste Beleidigung zu, die einem Fran- zo,en zugefügt werden ton. Während ich Saltbtütig mieine Gedanken ansernandersetzte, hat man nnch gefragt, wieviel ich dafür bezahlt bekäme Ich habe mem Glas dem Beleidiger ins Gesicht geschleudert und gestehe, wenn uh! einen Revolver in der Tasche gehabt hätte..." Ter Tnmult macht es Brizon unmöglich', weiterzuspreckien. Tie Kammer be,chlußt die zeittveilige Ausschließung Brizons ^ tc Sitzung wird von neuem auf zwanzig Minuten' imterbrockieu.

Bei Wiederbeginn der Sitzung hat Brizon den Saal verlassen Tre Kammer nimmt die Beratung der vorläufigen Kredite nie­der auf.

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Rom, 11. Dez. (WTB. Nichtmntlich.) Meldung der Stefain . Durch Zldniglichen Erlaß wird der Fleisch brauch der Kontrolle der Gierung unterstellt.

1. Januar 1917 an wird ein besonderer Ausschuß für Provinz die Zahl der Schtachttiere fesffetzen. ~

und Frei tag wird jeder Fteischvertaui vervoren jeül. Der, Vertans von Geflügel wird auf drei Wochentage beschränkt. Es werden Maßnahnien getroffen werden, die Fleischver­sorgung kranker Personen sicherzustetlen.

Der Regent des Königreichs Polen.

Berlin, Ü3. Dez. Wie die .politische Korrespondenz" mttteilt, ist Erzherzog Karl Stephan von Oester­reich als Regent des Königreichs Polen in Aussicht genommen Der StaatSrat werde voranssichtlich noch vor Weihnachten be­raten. Kommissar zum Staatsrat soll von deutscher Seite Ober­regierungsrat Graf Lerchenfeld, sein Vertreter wahrschein^ lich der Landschaftsrat von Zychlinski werden.

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Heldentod eines Prinzen.

Berlin, 12. Dez. (WTB.) Prinz Heinrich 41. von Reuß jüngere Linie, Leutnant in einem prnrßi- schen Kürassier-Regiment, hat am 29. November auf dem russischen Kriegsschauplatz den Heldentod gefunden.

Der §ee?tteg.

Versenkung eines französischen TranSportdampfcrS.

Berlin, 12. Dez. (WTB. Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote hat am 4. 12. in der Nähe von Malta den in Diensten der französischen Marine fahrenden Transport- d a m p f e rA l g e r i e" (4035 Tonnen) auf der Rückreise, von Salonik nach Malta versenkt. Von den an Bord be­findlichen Militärpersonen sind ein Offizier und sechs Mann gefangen.

London, 12. Dez. (WTB.) Lloyds meldet: Drei Mann der Besatzung des englischen DampfersBritannia^. dessen Verserrkung gemeldet worden ist, wurden getötet.

London, 12. Dez. (WTB.) Der griechische Dampfer G r i g o u r i o s A n g h e l a t o s" wurde versenkt. Der englische DampferSt. A t h e lv y n" ist auf eine M i ne ge­laufen und untergegangen. Die Mannschaft ist gerettet.

Aus dem Reiche.

Eine Entschließung der Deutschen Gewerkschaften

Berlin, 12 . Dez. (WTB. Nichtamtl.) Die Konferenz der Deutschen Gewerkschaften und Angestelltenverbände aller Richtungen faßte nach längerer Erörterung einstimmig fol­genden Beschluß:Die am 12. Dezember 1916 in den Ger­mania-Sälen versammelteir Vertreter von rund vier Mil­lionen organisierter Arbeiter und Angestellten erklären,- an der Durchführung des Krieges und der vaterländischen Hilfe nach Kräften Mitarbeiten zu wollen. Die durch., die Organisation der Arbeiter und Angestellten vertretenen Volksschichten sind bereit, einig und entschlossen alle Kräfte in den Dienst unseres Landes zu stellen, damit die Ver­nichtungspläne der Gegner Deutschlands erfolglos bleiben. Von der Reichsregierung und dem Kriegsamt erwarten die Versammelten weitgehende Förderung der berechtigten Be­strebungen der Arbeiter und Angestellten auf Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie die Sicherung des Koalitionsrechtes, und fordern eine stärkere Bekärnpfung des Lebensmittelwuchers mrd eine bessere Verteilung der vorhandenen Lebensmittel, damit die arbeitende Bevölke­rung die an sie gestellten Anforderungen erfüllen kann."

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Berlin, 12. Dez. (WTB.) In weiten Kreisen der Be­völkerung scheint die irrtümliche Auffassung zu herrschen, daß das Kriegsamt oder das Kriegsarbeitsamt Ar­beitsstellen vermittle. Dies ist nicht der Fall Arbeitsuchende müssen sich an die öffentlichen Arbeitsnach­weise wenden, denen vom Kriegsamt aus jede Uitterstützuug zuteil wird. Außerdem werden durch bie Kwiegsamtstellen in der Provinz sowie durch die Stellvertretenden Generalkom­mandos demnächst Bekanntmachungen erlassen werdev, die zur freiwilligen Meldung von Arbeitskräften besonders von Hilfsdienstpflichtigen für bestimmte Arbeitsarten aufrufen. Aus diesen Aufrufen wird zu ersehen sein, wo Melduirgen entgegengenomnren w-erdaic.

Au» Stadt und Land.

Gießen. 13. Dezember. 1916

**Ju ngwehr. Mittwoch, 13. Dez., 8V4 Uhr. Komp. 621 Realgymnasium, Komp 620 1. Abt. Ober-Realschule, 2. Mt. Gynrnasium.

** Förderung des bargeldlosen Verkehrs. Die Landesstelle für vaterländische Zwecke bittet die Inhaber eines Kontos bei einer Bank, Banksirma, Sparkasse oder Etoossenschaft auf ihre Rechnungen im*> Ansorderungszettel einen Aufdruck machen zu lassen:Zur dringend wünschenswerten Einschränkung des Zahlmittelbedarfs pftege Man aus vaterländischen Grün­den den Ucberweisungsverkehr. Ich habe Konto bei. ">

Förderlich wäre es außerdem, wenn den für den Uelierweisungs- verkehr in Frage kommenden Einlegern durch LluSschreiben der Konto stellen eine Anzahl Verfügungs-Vordrucke ange boten werden möchte.

** Russisch-Polnische Arbeiter, die in Industrie und Landwirtschaft beschäftigt sind, haben vielfach ihre Verttäge gekündigt uder die Arbeit vertragsbrüchig verlassen, und zwar in Furcht infolge der Neubegründung des Königreichs Potenr zum Militärdienste herangezogen zu werden. Manche sollen des­halb beabsichtigen, nach Hollmro tzu flüchten. Die bett^ffendenr Arbeiterkreise können dahin beruhigt werden, daß van einer! zwangsweisen Einstellung von Polen in die polnische Armee fehlt jRede ist: sie mögen demnach nchig bleiben ititb arbeiten, wo sie sind.

** 91 u § dem Stadtthea^er. Zum morgigen Vortrags­abend von Professor Marcell Salzer sei noch erwähnt, daß der Gast größtenteils neue Sachen zum Vortrag bringen wird.

* Lichtbilder°Vortrag. Wir weisen an dieser Stelle nochmals auf den Lichtbilder-VortragKrieg an allen Fronten" hin. den die VereinigtenHassia"-Militär-Vereine Gießeri beute abend 8V t Uhr im Saale der nenen Anla veranstalten Der Rein­ertrag des Vortrages, der allein in Anbetracht der zahlreichen Licht­bilder mit großem Interesse erwartet werden dark, ist zu Kriegs- Unterstützungen bestilnmt.

** Die Entrichtung des Waren Umsatz st ernvelS betreffend, ist im anitlichen Teil unseres heutigen Blattes eine Be­kanntmachung enthalten, auf die wir besonders Hinweisen.

Landkreis Gieren.

** H 0 l z h et in, 13. Dez. Musketier Heinrich Müller beim Reserve-Jnf.-Rgt. 87 wurde bei den Kämpfen um Verdun zuin Gefreiten befördert nnd erhielt die Hessische Tavferkeitßmedaille.

Li Lang-Gönö, 12. Dez. Heute erhielt cine'Multer mit drei unmündigen Kindern die traurige Nachricht, daß ihr lieber Gotte und Vater, Konrad Johs. Wagner II., Landwirt, den Tod fürs Vaterland siu,d. Konrad I. Wagner stand bei einem Garde-ltzrenodier-Regiment. Er ist der Sohn des Landwirts JohS. Wagner VIII. Derselbe ,nachte den Feldzug 1870/71 mit.

«a. Rüddingshausen, 13. Dez. Nach der Volks* zählung am 1. Dezember hat unser Tors 649 Einwohner, nach der im Jahre 1910 erfolgten Zählung ivareu es 721.