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13.12.1916 Erstes Blatt
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Nr. 293

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Erstes Blatt

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Ein KiLöMZüNMhsi DenLschlands Md seiner verbündeten

an die Feinde.

_ Protzes Haupt quartier. 12. .Dezember.

(futtula).)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeld marschalls

Kronprinz Rupp recht von Bayern.

5 fm SchlachtfeMe der Somme erfuhr die seit 19. November erheblich geringere Kampftäligknt der Artil­lerie nachmittags eine vorübergehende Steigerung.

Krönt des Deutschen Kronprinzen.

Ä dem Ostufer der Maas und nahe der Mosel Mrres Geschütz- und Minentmtffer-Feucr ohne Jnfanterie-

tätigkeit.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Geglückte Patrnuilleimnternebmungen am Stoch öd brachten durch Einbringung von Gefangenen wertvollen Auf­schluß über die russische Kräfteverteilung.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

In den WalVkarpathen, anr Srno trec und an der Baba Ludowa, sowie auch bei Nacht wiederholte starke Angriffe im Mestecanesci-Absch nitt sind von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen vollständig

abgewiesen worden.

Äuch beiderseits des Trotusul-Tales setzte der Russe zu vergeblichem Ansturm gegen einige Höhrn'stellun- gen erneut Mensck^en uird Munition ein. Deutsche Jäger brachten twn einer Streife nördlich der Ludowa zehn Ge­fangene und drei Maschinengewehre zurück.

Nördlich von Sulla wurden die Nüssen von einer ihnen kürzlich verbliebenen Höhe wieder vertrieben.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Kampf-FortschritteaufderganzenFront. U r z i c e n i und M i z i l sind in unserem Besitz.

Die Heeresgruppe, im besonderen die 9. Armee, hat in den letzten drei Tagen den Rumänen über 10009 Ge­fangene, mehrere Geschütze und viel Feldgerät ab­genommen.

Mazedonische Front.

Mit Erbitterung rennen alltäglich die Ententctruppen, vornehmlich die Serben, gegen die deutsch-bulgarischen Stellungen auf beiden Cer na-Ufern an. Auch gestern erlitten sie dort wieder eine schwere blutige Schlappe.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

*

Der Abendbericht.

Berlin, 12. Dez., abends. (WTB. Amtlich.)

Im Westen und Osten nichts Wesentliches.

In der Großen Walachei siegreiche Fortschritte gegen Rumänen und Russen.

. *

Die Msung des großen Geheimnisses, von dein seit zwei Tagen gesprochen worden war, hat allenthalben Ueber- raschung hervorPernfen. Man hatte sich auf erfreuliche und erhebende GkWbvungen vorbereitet und stieß nun ans einen Schritt unserer Regierung, der in erster Linie Nach- dorrten, nicht aber spontane Freude weckte. Die Bedeutung des formellen Friedensangebotes durch die Mittelmächte ist freilrch riesengroß und es gibt wenig Ereignisse seit zwei Jahren, die eine so große Frage und Entscheidung auf- gervltt hätten wie dieser Entschluß Deutschlands und'seiner Verbündeten. Die Erfolge unserer Kriegsanleihen, die ein­hellige Annahme des neuen Hilssdienstgesetzes hatte man als gewonnene Schlachten im Innern bezeichnet. Aehnliches kann man von der neuesten Mit­teilung des Reichskanzlers nicht behaupten. Diese Tat unserer Diplonraten und Staatsmänner liegt viel­mehr nicht als etwas Abgeschlossenes vor mrs, sie ist um­stritten und wird heiß umstritten werden. Bor allem im feindlichen Ausland. ist kein Zweifel für uns, daß des .Kanzlers Schilderung unserer heute schon siegreichen Lage zutreffend und keineswegs übertrieben war. Er hat die Lage so dar gestellt, wie sie sich auch im Volke malt, und er hat mit größter Zuversicht die Flagge des Sieges auch für die Zukunft hochgehalten. Nun aber hat er diese Flagge hin- ausgetragen in die neutralen Länder, sie wird uns voran­leuchten zu. ireuen Kämpfen und neuen Siegen; wir wissen aber nicht, ob die Feinde in ihrer Verblendung unsere Flagge rein zurückgeben oder ob sie diese nicht vielmehr in die Farbe ihrer Verdrehung zu tauchen geneigt sind. Uird erst dann, tejwm sich dies he raus ge stellt hat, können wir vvn

einer gewonnenen oder verlorenen Schlacht sprechen. Eines muß bei der Beurteilung des staatsmännischen Schrittes der Verbündeten Mächte besonders unterstrichen werden. Nämlich, daß es nicht so sehr ankommt auf die Größe und Würde der sittlichen Ueberzeugnng, die dem Friedens­angebot innewohnt, als vielmehr auf dessen Wirkung in der Welt, namentlich der uns feindlichen Welt. In dieser furchtbaren Zeit müssen die Dinge kalt und nüchtern er­wogen werden, denn die Waffe des Krieges selber, mit denen um die größten Entscheidungen gefochten wird, sind hart und schneidig.. Wenn unser Friedensangebot draußen s o wirken sollte, daß die Mehrheit der feindlichen und neu­tralen Welt sie als ein Zeugnis der Ungewißheit und Schwäche auslegt, so bringt uns das Bewußtsein, dennoch eine sittliche Tat für die Menschheit getan und gewagt zu haben, nicht weiter. Wir wollen siegen, und alles, was in Deutschland und bei seinen Verbündeten unternommen wird, sollte von diesem Siegeswillen ausgehen. Wir wollen siegen, so stark und so bald als möglich. Wenn unsere Feinde, die bisher der Moral und Tugend sehr wenig ihr Ohr geliehen haben, uns wegen angeblicher Schwächeanwand­lungen verspotten sollten, wenn die feindlichen Völker dar­aus neue Kampfesleidenschaft schöpfen, neue, schärfere Ziele, uns unterzukriegen, ausdenken, dann wird der Krieg ver­längert, und das jetzige Friedensangebot könnte später nicht als eine gewonnene, sondern eher als eine ungünstige oder gar verlorene Schlacht bezeichnet werden.

Soweit wir die Lage im Auslände überblicken kön­nen, erwarten wir von der Einsicht und dem guten Willen unserer Feinde nicht viel. Aber unsere Regierungen haben vielleicht einen tieferen und besseren Einblick in diese Dinge, von denen sie mehr erfahren, als in der Presse gedruckt wird. Und es wäre doch ein arges Stück, wenn die feindlichen Völ­ker zu den berührten falschen Annahmen sich verblenden ließen. Bevor von Schwäche oder Stärke in dein Verhalten der Vorschlagenden gesprochen werden kann, müßte man vor allem die Bedingungen kennen, von denen der Kanzler sagt, daß sie als eine geeignete Grundlage für Frie­densverhandlungen gelten könnten. Es wird sich, also vielleicht nicht, auf einen Schlag entscheiden, ob aus dem Angebot des Friedens etwas Ersprießliches herauskornmt. Wenn die Feinde den Vorschlag nicht von vornherein ablehnen, sondern sich mit unseren Vertretern und Staatsmännern an den Konferenztisch setzen, so kommt die zweite endgültige Entscheidung. Dann werden wir er­kennen, ob die deutsche Staatsknnst kraftvoll dem gesteckten Ziele, der Bahn eines vollen Sieges, wie der Kaiser sich ausgedrückt hat, zuftenert oder nicht und ob sie aus den Lehren des Wiener Kongresses vom Jahre 1815 etwas ge­lernt hat.

« '

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 12. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 12. Dezember 1916.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfcldmarschalls vonMackensen.

In der Walachei sind die verbündeten Strritkrüfte bis ,n die Linie Urziceni Mizil vorgedrungen. ES wer­den täglich mehrere Tausend von Gefangenen eingebracht.

Heeresgruppe des Generaloberst Erzherzog Josef.

Die russische Angriffstätigkeit im Grenzraume westlich und nordwestlich von Oe na ließ auch gestern nicht nach Der Feind wurde überall abgewiesen, ein von ihm vor­gestern errungener örtlicher Erfolg durch Gegenstoß welt- gemacht.

Aus der Sattelhöhe von Valeputna und nordwest­lull davon griff der Gegner in den heutigen Morgenstun­den außerordentlich heftig an. Einem um 1 Uhr früh ohne jede Artillerievorbereitung eingesetzten Massenstotz folgten um 3 und 4 Uhr weitere, durch starkes Geschützfemr ein­geleitete Massenstürme. Die russischen 51olonnen brachen dank der Wachsamkeit unserer Infanterie und der vorzüglichen Wirkung der Artillerie durHveg vor unseren Hindernissen zusammen und flüchteten in ihre Ausgangsstellungen zurück.

Auch im Ludoma-Gebiet und auf dem Smotrec blie­ben mehrere starke Angriffe erfolglos.

HeeresgruppedesGencratfeldmarschalls

Prinzen Leopold von Bayern.

Bei den k. u. k. Streitkrästen ist nichts von Bedeutung geschehen.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts zu berichten.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.

Die österreichisch-ungarische LrMrung.

^ Wien, 12. DH. (WTB.) Amtlich wird verlmrsbrrrr: Ws mr Liommer 1914 die Langmut OesterreichnUugurns gegenüber einer Reihe planmäßig fortgesetzter sich stets steigernder .Herausforde­rungen und Bedrohungen erschöpft war und die Mön-archie sich nack fast 50 ununterbrochenen Friedensjahren gezwungen sah, zum Schwerte zu greifen, waren für diesen schweren Entschluß weder Angriffspläne noch Eroberungsabsichten, sondern ausschließlich das bittere Gebot der Notwehr maßgebend. Ihren Bestand zu verteidigen uird für die Zukunft vor ähnlichen 'tückische,: Anschlägen seindftuger Nachbarn zu sichern, das war dre Aufgabe und das Ziel der Monarchie in dem gegenwärtigen Kriege. Im Verein mit ihr«: in treuer Waffenbrüderschaft erprobten Verbündet«: habe,: Oester- re:ch-Ungarns Heer und Flotte kämpfend und bkutend, aber auch vorstürmend und siegend reiche Erfolge erzielt und die Absichten ihrer Gegner zuschanden gemacht. Der Vierbund hat nickt nur eine unübersehbare Reihe von Siegen errur^en, sondern hält auch ein ausgedehntes feindliches Gebiet in seiner Hund. Ungebrochen ist seine Kraft, welche erst kürzlich der letzte verräterische Gegner zu fühlen bekam, unerschüttert der zähe Widerstandswille seiner Be­völkerung. Nin:mer können die Feinde hoffen, diesen Mächtebund zu besiegen und zu zertrümmern, nimmer lvird cs ihnen gelingen, ihn durch Absperrung^- und Aushungerungsrnaßregeln mürbe zu machen. Ihre Kriegsziele, denen sie im dritten Krv^LjahDe nicht näher gekommen sind, werde,: sich in der Folge vollends ccks unerreichbar erweisen. Nutzlos mtb vergeblich ist daher die Fort­setzung des Kaurpfes für diese Gegner. Tie Mächte des Vierbmckes dagegen haben ihre Ziele: Verteidigung gegen den von langer Hand geplanten verabredeten Angr'iff ans ihren Bestand nnd ihre Inte­grität, lowie Geivinnung realer Bürgschaften gegen eine Wieder- lwlung solcher Bedrohungen: ihres Daseins und ihrer friedlichen Entwickelung, wirksam verfolgt und werden sich vor: dem durch 5te errungenen Vorteile gesicherten Boden ihrer Existenz nimmer ver­drängen lasten.

Fortsetzung die ses nrö rderischen Krieges. :n welchem die Gegner noch viel zerstören, aber das Schicksal nach der entschlossenen Zuversicht des Vierbimdes nicht mehr wenden können, stellt sich immer mehr als eine zwecklose Beruicktung von Menschenleben und Gütern, als eine durch keine Nottoenvigkät ge- rechkscrtigte Un Menschlichkeit, als ein Verbrechen an dar Zivilisation dar. Diese .Ueberzeugnng und Hoffnung, daß die gleiche Einsicht auch in dem gegnerischen Lager zum Durch­bruch gelangen könnte, hat bei dem Wiener Kabinett in voller Uebevernstimmung mtt den Regierungen der verbündeten Mächte den Gedanke,: gereist, den offenen loyalen Versuch zu imfcenw&nert, um zu einer Aussprache mit de,: Gegnern zum Zwecke der Au- bahnung des Friedens zu gelangen. Zu diesen: Behufe haben beute ine Regierungen Oesterreich-Ungarns, Deutschlands, der Türkei und Bulgariens an die in den betreffercken Hauptstädten beglau­bigten Vertreter der mit den: Schutze der respektiven Staatsange­hörigen m den feindlichen Ländern betrauter: Staaten gleiche lau tenlde .Noten gerichtet, ,oelche ihre Geneigtheit in F r: e de,: s v er7)a ndl nng e n mit den Gegnern einzutreterr/ darlegen und das Ersuchen erhalten, diese Eröffnung im Wege ihrer Regierungen den betreffenden feindlichen Staaten zu übckr- Mitteln. Gleichzeitig wurde dieser Schritt mit einer besondere:: Note zur Kenntnis des Vertreters des Heiliger: Stuhles gebrockt und das werktätige Interesse des Papstes für dieses Friedensange- vot erbeten. Eben,o wurden die in den vier HauptstcL-tcn beglaubig­en Vertreter der übrigen neutralen Staaten von der Demarche zur Benachrichtigung ihrer Regierungen verständigt.

Oesterreich-Ungarn und seine Verbündeten haben mit diesem Schntt emsn neuerlichen entscheidenden Beweis i&rrt ^^densliebe erbracht. An den Gegnern ist es jetzt, vor der mmzen Welt Zeugnis ihrer Gesinnungen abzulegen. De,: Vier- biind wrrd aber, was auch immer das Ergebnis seines Vorschlages lern mag, für eine ihn: etwa aufgenötigte Fortsetzung des ^drieges auch vor dem Richterstuhl seiner eigenen Völker keine Berantwor- tn,rg treffen können.

« .

V. #

Der Kaiser an öa§ Heer und an die §lotte.

B e r l i n. den 12. Dezember. (WTB. Amtlich.)

Seine Majestät der Kaiser hat folgenden Armeebefehl erlassen:

Soldaten! In dem Gcfiihl des Sieges, den Ihr durch Eure Ta-f-rkeit ermngen habt, haben Ich nick die Herrscher der treu verbündeten Staaten dem Feinde ein Friedens­angebot gemacht. Ob das damit verbundene Ziel erreicht wird, bleibt dahingestellt.

Ihr habt weiterhin mit Gottes Hilft dem Feind Stand zu halten und ihn zu schlagen.

An das deutsche Heer Grotzes Hauptquartier, 12.12.16.

Wilhelm 1.8.

Vorstehende Oiber ist auch an die Kaiserliche Marine gerichtet mit nachstchcnder allcrkwchster Ergänzungsorder:

Dftsc Order richte ich auch an meine Achrine die alle ihre Kräfte treu und imrkungSvoll eingesetzt hat in dem gc> meinsamcn Kanipft.

Wilhelm l. R.