Ausgabe 
30.11.1916 Zweites Blatt
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der Stadtyemende

Das Loch im Sttaßenasphalt Haftung für UrrsöLe.

Auf den guten Zrtstand der öffentlichen Straßen, insbeson­dere auf die Beschaff entzerr der Pflasterung, muffen dieGe- melnden, namentlich die größeren Stadtqeineinden, besonders be- dacht sem. Schadhafte Stellen des Pflasters, die 'ür den Verkehr eme Gefahr bedeuten, dürfen nicht längere Zeit bestehen blei- brn. ^enn aus der bloßen Tatsache, das; einem oerkehrsgeiährllchen Zustand längere Zeit hindurch nicht abgeholsen worden ist, kann in der Regel schon ohne werteres auf eine Fahrlässigkeit des zuständi- gen verfassungsmäßigen Vertreters der Gemeinde, für welche die letztere verantwortlich ist, geschlossen werden. Hierzu interessiert der folgende Streitfall:

Ter Bauunternehmer R. ging am 12. April 1911, abends gegen 7 Uf)r durch die Erlengasse zu Gießen. Dabei trat er unversehens in eine 810 cm liefe, 80 cm lauge und 40 cm breite Mulde, die sich im Asphalt gebildet hatte: er kam dadurch zu Fall und zog sich eine erhebliche Verlegung des rechten Oberschenkels zu. Mit der vorliegenden Klage nimmt R. die Stadtgemeinde Gießen auf Schadenersatz in Anspruch: er verlangt Zahlung von rund 2500 Mark bisher entstandenen Schaden und Feststellung, daß die

Beklagte zum Ersatz alles weiteren ihm durch den Unfall ln Zukunft noch entstehenden Schadens vervsiichtet sei.

Landgericht Gießen und Oberlandesgericht Darmstadt haben dem Grunde nach die Beklagte zum Schadenersatz verurteilt. Zur Begründung seiner Entscheidung Ahrt das Oberlandesgericht aus: Die Beweisaufnahme hat ergeben^ daß das fragliche Loch im Asphaltpflaster schon längere Zeit hindurch be­standen hat. Einer der Zeugen sagt, eS habe einige Monate, ein anderer bekundet, es habe mehrere Wochen bestanden. Kat aber der gesahrbringende Zustand längere Zeit hindurch besi/tiiden, so darf angenommen werden, daß der zuständige verfaffur^-Smäßige Vertreler der Stadtgemeinde nicht seine Pflicht zur gehörigen Aui- sichlsführung ausreichend erfüllt hat. Tenn nur dadurch findet die längere Dauer des gefährlichen Zustandes ihre Erklärung. Ein Verschulden irgend eines verfassungsmäßigen Vertreters dar Beklag­ten muß hiernach vorliegen. ES wäre Sache der Beklagten gewesen, den Nachweis zu führen, daß solches Verschulden nicht oorliege. Diesen Beweis hat sie aber nicht erbracht. Sic- hat lediglich Beweis da'ür angeboten. daß sie bei der Arrswahl des Straßenwlvtters B., dessen Aussicht die Erlengaffe unterstand, die im Verkehr erforder­liche Sorgfalt beobachtet habe. Tal genügt aber mcht. Melmehr muß angenommen werden, daß es die Beklagt« an der *x order- liehen Beaufsichtigung des Straßenwärters und des Zusta»deS der

Straßen hat fehlen laßen. D§r Vorstand des Tieibauairrtes, tan das Straßenwesen untersteht, ist -war nicht verfassungsmäßig be­rufener Vertreter der Beklagten. Aber es mutz imrmr ein veriaffunas- mäßiger Vertreter einer Stadtgememde vorhanden sein, der für die mangelnde Aussicht verantwortlich ist. Tie Beklagte haftet hier­nach für den dem Kläger durch den Unfall entstandenen Schaden. Das Reichsgericht hat dieses Urteil bestätigt und die von der beklagten Stadtgemeinde emgelegte Revision zurück- gewiesen. (Aktenzeichen VI. 275/16. Urteil des Reichsgerichts vom 27. November 1916.)

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Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.

Sabbatfeier den 2. Dezbr. 1916: Freilag abend 4.05. Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30 Uhr. Sabbatauögang 5.20 Uhr. WochenqotleSdienst: morgens 7 00, abends 4 00 Uhr.

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Bckimntmochnuq.

Am 30. November fow« am 1. und 2. Dezember d. F. wird Frachtstückgut im Be­reiche des Direktionsbezitts Frankfurt (Main) zur Be­förderung nicht angenommen. Militärgnt und Privargur für die Dkilitärverwaltung bleiben von der Maßr'.ahme auSgeschlo'en.

An den 3 nächsten auf die Sperrtage folgenden Werk­tagen wird der Annahme- schluß für FrachtstüÄgut auf 12 Uhr mittags festgesetzt. Ueber Ausnahmen von An- nahmeschluß in der Regel aut allen kleineren Bahn­höfen sowie über alle sonstigen Fragen erteilt die Güter- u. Eilgutabferligurrg nähere Auskunft. ,'8601

Frankfurt am Main, 29. November 1916.

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