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Gießen. 8. November 1916.
** 3itr 93oiiC&ccEe rn f a nrnttaiug schreibt man uns aus lazDwirtschafÄvch«! Kreis«!: Es wäre z-u wünschen, wenn die von hm Stadt«! Büdingen und Ortenberg gegeben«! Anregungen bezüglich des Sammelns von Bucheckern Dich noch twn anderen i Orten mlsgenomuren imirbcn und an zuständiger Stelle Beachtung ' sünden Tie den Samml«m nach den erlassenen Bestiminungen ge- ^vShrte Vergünstigung bezw EntsMdimnrg steht durchaus in gar feinem Verlniltnis zu der Mühe nnd dem Zeitauswand, die das Einsarnmeln erfordern. Wer aus eigner Persönlicher Erfahrung heraus weiß, eine wie wenig einträgliche Beschäftiguug das Bucheckernsammeln ist, nnd wer selbst gesunder! Ijat, daß man bei allem Fleiße an einein Tage wohl höchstens 4 Pfund Bucheckern Msammenbrintgen kann, den wird es so leicht nicht mehr zu einer so geringfügigen Nutzen verheißenden Tätigkeit locken.
** Das Verschieben vonBriefenundPo st karten
in T r n ck s a ch e n s e n d n n g e n bildet fortgesetzt die Ursache un- lie^amer Briefverschleppungen und Briefverluste. Ungeachtet wre- derholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer ! Einwirkung der Po stau selten auf die Abseicher werden viele ! Drucksachensendungen leider inttner noch in so mangelhafter Ver- ! Packung zur Post eingeliefert, daß sie leicht zu. Fall«! für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährliche in dieser Beziehung" erweis«? sich, wie neue Feststellungen bestätigen, die häufig zur Versendung von Drucksachen berurtzten offenen Briefumschläge, '^i denen die Absender die am oberen Rand oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen einschlagen. In d«r dadurch entstehenden Spalt verschieb«! sich unbenrerkt Briefe, Postkarten usw., 'die dann in der Drucksache oft lveitere Irrfalmten machen. Im eigenst«! Interesse des Publikums Muß eindringlich! davor gewarnt gverden. die Klappe solcher Umschläge nach inn«! einzu schlag«!: viel besser ist es: die Klappe über die Rückseite! Cose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmäßig haben «sich Umschläge bewährt, die an der Verschlußklappe einen zun gen- jartigen Ansatz Hab«!, der in einen äußer«! Schlitz des Umschlags gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem Herausfallen und! ^v er hi ndern das lAnsckneben anderer Sendungen, ihre möglichst Msgedelmte Vertvcndung ist im allgemeinen Interesse zu wünsch«!, verhältnismäßig häufig verschieb«! sich auch Briese usw. in Zei- ckrrngen. die unter Streifband verschickt werden. Es ist dringend zu! .inrten, die Streifbänder so fest wie möglich unst die Leitungen zuj Kegen. nachdem diese umschnürt worden sind.
Landkreis Gießen.
-ft Holz heim, 8. November. Die hiesigen Lanowirte lverden chiel huv&' Aufkäufer von Gerste usw. aus der Gegend von Siegen pmd Betzdorf geplagt. Täglich sieht man diese Leute in den Straßen, 'wo sre die höchsten Preise bieten. Lluch in Lang-Göns soll dies der Fall sein. Ter 28jährige Landwirt Wilhelm Klotz ftel .so ^unglücklich beim F-A)ven des Wag«rs aus den Kopf, daß ärztliche Krise sofort in Anspruch genommen ward«! !nüßte. W. Klotz stand schon im Felde und erlitt z. Zt. einen Beinschuß.
Kreis Laulerbach.
ü. M v o s e r Grund,?. November. „Gestrenge Kerren regieren nicht lange." Auch die vor einigen Tagen plötzlich eintretende Kälte hat uns schnell verlassen und der Vogelsberger-Herbst zeigt wieder sein wahres Gesicht. Regnerische nnd stürmische Tage U»echse1n mit klaren imd sonnigen Arbeitstag«! ab. Auf den Feldern ist die L e r b st r u h e noch, nicht eingekehrt. Zwar leuchtet hier und jlni schon das zartgrüne Meer junger Saat, aber nur wenigen ! Landwirten war es möglich, ihre Winteraussaat zu beenden. ^Täglich noch treffen Urlauber aus dem Felde ein, um mitzuhelfen, [tom der größte Teil des Roggens Muß noch gesät rvetden. Und lbis dahin soll noch mancher Kraut- und Dickwurzacker - abgerntet werden. Kohl- und Runkeln siud vortrefflich geraten, i Sauerkrairrfässer und Steinguttovfe werden hervorgeholt und gereinigt, denn die Kraut-EinsckMeidemaschinen haben ihre Tätigkeit bereits begonnen. Ihr fallen die mächtigst«! und festesten Läupter zum „Opfer". Und manch bäurischer Feinschmecker träumt bereits von goldgelben Sauerkraut mit saftigem Schweinefleisch, wenn auck» das letztere in 3 Kriegsjahren nicht in gleicher Menge wie das Kraut für den Einzelnen „genrachsen" ist. — Die Runkeln und Kohlraben füllen viele Keller bis oben an, ja oft müssen sie noch im Holzstalle oder in der Scheuer untergebracht werden. Wenn iXnuti gegen abend beim Heuhole u einem unversehens einmal ein
solcher „Dickkopf" zwischen die Beine rollt, so geht man ihnr gerne aus dem Wege. Sind doch Dickwurz und Kohlraben gerade der beste Ersatz für die mangelnd«! Futterkartofseln. — Trotz der reichen Z lv e 1 s ch e n e r n t e mancher Gegenden hat man hier wenig vollbehangenc Bäume gesehen Nur wer fufr rechtzeitig von auswärts die nötige Menge Zwelschen besorg«! konnte, hat sich einen Zubrot-Vorrat verfchAfen können. Daß man in manchen Gegenden dem Zwelschenmus vor dem Kochen Kürbisse, 'Dickwurz oder ähnliches zur Verlängerung beisetzt, ist hier wenig oder gar- nicht bekannt. — In allem übrigen haben wir eine reiche Ernte zu verzeichnen. Wenn auch hier und da einer an der geringen Kartoffelernte mäkelt, so mag er's getrost tun. Allen saun es unser Herrgott nicht recht machen, denn es gibt immer Menschen, die nie wunschlos und zufrieden sind. Und in diesem Herbste müssen wir Zufrieden sein. Hört man doch eben in den Dörfern bis tief in die Nacht hinein die Dreschmaschinen brummen! Und mit geheimem Stolze hört man manche Kriegerfrau sagen: „Diesmal haben wir mehrere Stunden länger gedampft, als in früheren Jahren.^ („Gedampft" ist ein Vogelsberger Ausdruck für das Dreschen mit der Dreschmaschine. 1 Freilich, schwer ift's ihn eg geworden, den alleinstehenden Frauen, bis es soweit war. Aber der reiche Ernte fegen hat ihre Mühe doppelt belohnt. Und noch ehe der 3. Kviegswinter ins Land kommt, ruht eine neue Saat im Boden und gibt uns neue Hoffnung und Stärke zum Turchhalten.
ü. Ober-Moos, 7. Nov. Der Pionier Wilh. Eifert, der bei einer Minenwerser-Abteilung steht, wurde zum 2. Male verwundet. Nachdem er früher eine Handverletzung davontrug, traf ihn zuletzt ein Granatsplitter im Rücken.
Hessen-Nassau.
X H a n a u , 7. November. In einer Versammlung des l a n d - wirtschaftlichen Kreis Vereins Hanau ist nach einer lebhaften Aussprache über die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln beschlossen rvorden, an das Kriegsernährungsamt folgende Eingabe zu richten: „Der landwirtschaftliche Kreisverein Hanau bittet dringend, veranlassen zu wollen, daß bei der Knappheit der Speisekartoffeln zur Streckung des Brotgetreides nickst wie bisher Kartoffeln, sondern! Gerste, Hafer und Mais zur Verwendung komm«! wöge. Diese Maßregel würde in.hohem Maße dazu beitragen, daß die geernteten Kartoffeln bis zur nächsten Ernte zuv Volksernährung ausreich!«!. Ter Preis der Saatkartoffeln für das nächste Frühjahr nruß jetzt schon festgesetzt iverden und darf nickst höher sein als 20 Prozent über dem derzeitig«! Höchstpreis für Speisekartoffeln. — Tie landwirtschafllichen Kreisvereine des Re- giermigsbezirks Kassel sollen ersucht werd«r, diese Eingaben zu unterstützen.
= Frankfurt a. M., 7. November. Tie Kaiserin traf heute früb 8 20 Ilhr mit kleinem Gefolge htr Hofsonderzuge auf dem Hauptbahnhof ein und begab sich von hier im Kraftwagen nach! CronlErg zu eiuem Mehrstünoig«! Besuch beim Priuzenpaar Friedrich Karl von Hessen. Km^ nach Mittag reiste die hohe Frau über Frankfurt nach Baden-Baden weiter.
— Frankfurt o. M., 7. Nov. In dein 30jährigen Schneider Karl D a ß b a ch , dem 33jährigen Arbeiter Ernst A p e l und der 21jährigen Arbeiterin Elisabeth D a n t e n h e i m e r verhaftete die Kriminalpolizei drei längst gesuchte Einbrecher, die seit Monaten im Ostend der Stadt eine große Anzahl schwerer Einbrüche ausgeführt und dabei bedeutende Mengen Lebensmittel, Kleidungs- stücke und Stiefeln gestohlen hatten.
--Frankfurt a. M., 7. Nov. Durch einen schadhaften Ofen entstand heute nachmittag kurz nach 2 Uhr in einer mit Soldaten belegten Seuchenbaracke des städtischen Krankenhauses ein B r a n d , der in wenigen Augenblicken den Dachstuhl und einige Räume ergriff und «näscherte. Die Soldaten konnten sich rechtzeitig in (Ächerheit bringen und auch noch einen erheblichen Teil der Einj- richtungsgegenstände ins Freie schassen. Trotzdem verbrannten Zahlreiche Betten und Mcköel. Die Feuerwehr hatte mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten länger als zwei Stunden zu tun.
rkniversitäts-Nc^ckrichten.
]\ Marburg, 7. November. Unter Einbeziehung der ins Feld beurlabten Studenten, beträgt die Gesamtzahl der diesmaligen immatrikulierten Studierenden 2 095, darunter 315 Damen. Neu hinzugekomnren sind diesmal 276 Studierende, darunter 77 Damen. Im letzten Sourmersemester betrug die Gesamtzahl der .Immatrikulierte 2164, darnut«' 352 Damen, und im vorig«! Winter- s«nest« 1016, darunter 257 Damen. Die zum Hören der Vorlesungen Berechtigten sind in diesen Ziffern nicht enthalten.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Nov.
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Höchste Temperatur am 6. bis 7. Nov. 1916: -ft 10.7° 0. Niedrigste „ „ 6. „ 7. . 1916: -ft 2,9 • C.
Niederschlag 3,3 mm.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Der stetig zunehmende Gcschäftsumsang in d«! von d« Kreis- verteilungsstelle des Kommunalverbands Gießen zu bearbeitenden Angelegenheiten, nämlich Brotgetreide, Mehli Vieh und Fleisch, Zucker, Süßstoff, Margarine, Seife, Lebensmittel sonne die Rücksicht auf die kleine Zahl d« uns zur Verfügung stehenden, mit schriftlich«!! Arbeit«! aller Art belasteten Beamten nötigen uns, folgende Anordnungen zu treffen:
1. Die Geschäftsstunden für d«! allgemeinen Verkehr des Publikums mit der Geschäftsstelle werden auf die Zeit von 10 bis 12 Uhr festgesetzt.
2. Zu anderen Zeiten können Ratsuchende nur in wirllich dringenden Fällen angenommen und befördert w«den.
3. Das telephonische Anruf«! der Geschäftsstelle ist, wenn' irgend möglich, Zu vermeiden und nach 5*/* Uhr nachmittags zu unterlassen.
Da die Gesuche um Erlaubnis von Hausschlachtungen der vorgeschrittenen Jahreszeit wegen sich in letzter Zeit ganz außerordentlich vermehrt haben und ihre Zahl täglich wächst, lverdcn die Person«!, die es angehl, darauf aufmerksam gemacht, daß jedes Gesuch eine mehr oder minder umfangreiche, d«r gesetzlich«! Vorschriften entsprechende Berechnung erfordert.
Vor Ablauf ein«' Woche kann nach dem Gesagten mit der Erledigung des Gesuchs und der Ausfertigung der Schlachterlaubnis mit Bestimmtheit nicht gerechnet werden. Mündliche Gesuche wer- den nicht entgegengenommen.
Sollte aus besonderen Gründ«! eine vorzugsweise Erledigung des Gesuchs erbeten werden, für die hauptsächlich nur die vorübergehende Anwesenheit eines zum Heeresdienst ein gezogenen beurlaubten Familienmitglieds in Frage kommt, so ist dieses im Gesuche besonders anzugeben und glaubhaft zu machen.
Gießen, den 8. November 1916. 8040D
KoMmunalverband Gießen.
Kreis verteilungsstelle.
G r o s.
An die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir ersuchen Sic, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Waise zur Kenntnis zu bringen.
Gießen, den 8. November 1916.
KoMmUnalvcrbanL Gießen.
KveisverteilUngsstelle.
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