durch geführt jvnfcu. ©et bem starken Mcm^ek <m Nahrrm^S-
rnittcln ist freies Schalten des Handels nicht angängig. Die Er- fahrung hat es gelehrt. Der Ausfall an Nahrungsmitteln ist von den ^butzzollanhcingern unterschätzt worden, weil fte die heimische Produktion zu hoch veranschlagt haben. Den Irrtum, der durch sa t sche S ta t i st i k genährt wurde, sollte man offen zugeben. Unsere WirtschafLsvolitik war noch keine falsche. Aber wir müssen ^ ^^^uii)che Produktion noch weiter steigern, damit die Landwirtschaft noch mehr als bisher die Volksernährung decken kann. Bei den Kttegswirtschaftsmaßnahmen hat man die einzelnen land- wirtschaftuchen Betriebsgrößen nicht berücksichtigt, was zu nutzloser Arbeit geführt hat. Die kleinen Betriebe unter zwei Hektaren stellen ein Zwölftel der landwirtschaftlichen Bevölkerung, aber mir /» der Getreideerzeugung dar. Besonders schwer leiden fetzt die kleinen Beamten, die festangestellten Staatsarbeiter und die .Mittelständler und Arbeiter, die durch die Kriegsverhältniffe nicht begünstigt sind. Ihnen gebührt der Dank für ihr Durchhalten uitter Entbehrungen. Bei den ungeheuren Preissteigerungen der Lebensmittel kann die notleidende Bevölkerung sich kaum noch ernähren. Was sind das für Zustände, daß für ein Huhn 14 Mark gefordert werden. Den wucherischen Erscheinungen muß mehr zu Leibe gerückt werden. Das System der Strafe und seine Weiterausdehnung tun es nicht allein. Jrrtümer soll man nicht drakonisch bestrafen. Oft hat sogar der Landrat einzelne Verfügungen nicht verstanden.
Bei großen Verfehlungen sollte man auch scharfe Strafen verhängen. Ein Mitglied des Deutschen Landwirt schaftsr.ateS hat an zu früh verkauften Spätkartoffeln 140 000 Mark verdient, und trotz wiederholter Anzeigen ist nichts gegen ihn geschehen. Mit den vorhandenen Kartoffeln kommen wir für die menschliche Ernährung aus. Das Umlege- verfahren muß die Größe der Wirt-schaft und den Viehbestand be- rncksichtigen. Manche Wirtschaften kommen ohne Verfütterung nicht aus. Die Knappheit an Flecsch wird in der nächsten Zeit noch anhalten. Trotz eines Schweinebestandes von 19,2 Wkllionen Stück am 1. Oktober 1916 sind die gewerblichen Schlachtungen in den letzten Quartalen cnrf ein Drittel zrrrück- gegangen. Am 1. September d. I. war der Bestand nur nach 17 Millionen Stück. Wir werden also zu einer stärkeren Ab- schlachtung der Rindviehbestände kommen, die ziemlich erhalten sind. Wo Landwirte Ueberfluß an jungen Schweinen haben, wären Ferkel und Läufer durch die Viehbestandsvevbände in die. besetzten Gebiete zu Werführen. Für starke Ferkelschlachtung kön- nen wir nicht eintreten. Im Interesse der Fettversorgung be- grirßen wir die M a st p r ä m i e n. Besser wenige fctte als viele Schweine ohne Fett. (Zustimmung.) Hessen sollte auch Fett- Prämien einführen. Die Herabsetzung des Schrotpreises ist zu begrüßen. Der Aufbau des Viehbestandes hat gelitten, weil zuviel junge Tiere darunter sind. Eine Abschlachtung ist nicht notwendig. Einzelne Landkreise führen Klage über stiefmütterliche Versorgung. Die Provisionen, für die jetzt Vermögen ausgegeb^ werden, müssen nachgeprüft und nötigenfalls verringert werden. Die Verteilung von Kleie und künstlichem Dünger ist noch nicht zweckmäßig genug.
Abg. Graf v. Schwerin-Löwitz (kons.): Wohl ist im Frieden schon oft auf die hohe nattonale und wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft hingewiesen worden. Aber jetzt tm Kriege hat sie Gelegenheit, zu zeigen, was sie leisten kann. Jeder Landwirt hat die Pflicht, aus seinem Boden herauszuholen, was irgend möglich ist. Alle Kreise des Volkes müssen dazu beitragen, die Schaffenskraft und Schaffensfreude der Landwirtschaft zu erhalten. Die Landwirte tvaren die ersten, die Höchstpreise verlangt haben. Ich habe bereits vier Wochen nach Kriegsausbruch es im Namen aller meiner Bcrussgenoffeu abgelehnt, aus der Kriegszeit Konjunkturgewinne zu ziehe,!. Im Vergleich zu den anderen Ländern ist die Preisfrage bei uns glänzend gelüst. Die Hauptsache ist allerdings, für die nötigen Vorräte zu sorgen, in zweiter Reihe kommt die richtige Verteilung und erst dann kommt die Preisfrage. Auch für den Aermften ist es immer noch chesser, teuer zu kcnifen, als daß gar nichts da ist. Der Präsident v. Batocki hat ja zweifellos einen schweren Stand. Wir wissen, daß er oft — manchmal wohl auch gegen seine bessere Ueberzeugung — Konzessionen machen muß. Aber diese Konzessionen dürfen nicht so weit gehen, daß die Produktionslust der Landwirtschaft eingeschränkt wird. Die Einführung eines landwirtschaftlichen Produktionszwanges wäre der Gipfel des Unfugs. Manche Landwirte und Landwirtsfrauen wären froh, wenn sie ihre Güter für eine Zwangsbewirtschaftung zur Verfügung stellen könnten. Bei der Zwcmgsbewirtschaftnng würde was Schönes hcrauskommen. (Sehr richtig! rechts.) Woher will man zudem die Arbeitskräfte dazu rühmen? Die Beschaffung
hem Mnnikkon mrk btm NayrvngSmMefn sind fetzt dir Harkptrnrf-
Qaben. Alles andere muß dahinter zurücktreten.
Trotz der Mängel und Schwächen unserer Ernährnnag haben wir keine Ursache, m unserer festen Zuversicht wankend zu werden. Jo, wir sind m einem sehr schlechten Erntejahr auSgekmn- men. Deshalb werden wir durchbalten, solange der Krieg dauern matz. Unser Volk ist werter imstande und entschlossen, alles zu leisten. Wer das nicht glaubt, kennt unser Volk nicht (Zustimmung), unser herrliches deutsches Volk, von dem jeder der eine vielleicht mehr durch Entsagung und Entbehrung, der andere mehr duoch Anspannung seiner vollen Kraft zur Ueber- Windung von >schw«erigreiten, seinen Anteil mtthaben will an dem große* Siege, den tvtr erringen wollen. Wer das glaubt, der verkennt die Unerschütterlichkeit unseres Willens zum Siegen. (Lebhafte Arftimmnrv-I Niemals zuvor ist von grüße, rer Bedeutung für die ganze Zukunft unseres Volkes die Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit unserer deutschen Landwirtschaft gewesen. Helfen Sie uns, diese zu starken und zu erhalten. (Lebhafter Beifall.)
Präsident des KrregSeruährungSamteS v. Bawekr: Die
Machtbefugnisse des KriegsernÄhrungscnnts sind weniger wesend- lich als der gute Wille aller BtteU gten. Es wird keine notwendige Maßnahme nnauSgesührt bleiben. Die Sorge des Vorredners vor einem 9-achgeben gegen politische Richtungen ist unbegründet. D i e Freunde des Grasen Schwerin werden noch öfter Maßnahmen von uns so deuten, wir müssen uns damit ebenso abfinden, wie wenn die andere Seite unsere Maßnahmen wegen meines Prwatbernfs imfc meiner Vergangenheit kritisiert. Ich muß den Weg zwischen zwei Polen suchen und werde ihn hoffentlich finden.
Aeber die Organisation des von General Grüner geleiteten Kri'egsamtes kann ich noch nichts sagen. Wir arbeiten noch zusammen. Ich hoffe, daß wir einheitlich und geschloffen die Ernährung des Volkes und des Heeres miteinander in Einklang bringen werden. Das Kriegscnnt hat besonders auch für die Ernährung der Munitionsarbeiter zu sorgen.
In den letzten 6 biß 6 Monaten habe ich oft auch übereilt arbeiten müssen. Die Vorratspolttik findet ihre Grenzen im augenblicklichen Bedarf. Kartoffeln müssen schon vor dem Winterfrost verteilt und eingelegt werden. Der Bedarf ist gegen den Frieden verdreifacht, und solche Mengen können im Winter nicht transportiert werden.
Durch Heranziehung von S a ch v e-r st ä n d sig e n a«»s der. Praxis sollen die Zentralstellen reformiert werden. Die voKs- tümüche Zusammenfassung der Vorschriften soll erfolgen, im Winter wollen wir die Obst- und Gemüseversorgung besser vorbereiten, als sie war. (Beifall.)
Frische Fische lassen sich kaum beschlagnehmen; ohne Beschlagnahme ist aber eine Preisherabsetzung unmöglich, denn dann käme nichts mehr auf den Markt, und niemand hätte was. Wir wollen aber soweit als möglich regeln.
Die ersten Monate der Viehhandelsregelung sind vorüber; an die Herabsetzung der Provisionen kann jetzt her- angegangen werden.
Niedrigere Kartoffelpreise waren nicht möglich, da jetzt die Versuchung zu groß ist, das mangelnde Futter durch Kartoffeln zu ersetzen.
Die Holzspiritus er zeiugung wind energisch gefördert, aber man darf nicht übertriebene Hoffnungen daran knüpfen.
Die Verwendung von Ersatznährmitteln hängt von der Freigabe durch die Heeresverwaltung ab. — Die absoluten Temperenzler glauben jetzt ihre Zeit gekommen, sie gehen mit einer Rücksichtslosigkeit vor. der man nur mit etwas Humor beikommen kann. Der Krieg ist nicht die Zeit, unsere ganzen Volkssitten von Grund auf zu ändern. Von einer Vermälzung von 900 000 Tonnen Gerste ist keine Rede mehr; es wird eine sehr erhebliche Herabsetzung erfolgen. Herrn Hoff kann ich sagen, daß auch beim Rindvieh dafür gesorgt ist, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. (Heiterkeit.) Die schlachtreifen Tiere Ivetten geschlachtet, und wenn Rindvieh übrig bleibt, ist es kein Unglück. — Der Ernährungsbeirat wird in acht Tagen über den Zucker beraten. Sein Anbau erfordert besonders viel Kräfte; es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um beim Zuckeranbau die Arbeiterknappheit zu mildern.
Die Stickstofferzeugung wird aufs äußerste angespannt. Ihre Leistung ist eine Frage der Maschinenhersteliung und der Arbeitskräfte. Zur M o o r k u l t u r nur Kriegsgefangene zu verwenden, könnte dieses notwendige Werk schädigen. (Zu- ftirnmung.)
, Sm allen BevSlkeruUgSkreffen und mli der Presse suche ich enge Fühlung zu behalten. Bon der anfänglichen Begeisterung ist manches verflogen. DaS ist nicht weiter verwunderlich. Leider ist jedoch auch von der Kameradschaft, wie sie noch im Schützengraben gilt, bei der Unterschiedlichkeit der Berufe in imserem verwickelten Wirtschaftsleben nicht mehr so viel jti spüren. Der Städter kennt daS Land nur von SommerauSflügen. Vielfach hat er mit seinem gespickten Beutel der Landbewohnee- schaft das letzte weggekauft. Die Beziehungen zwischen ^stadt und Land sind dadurch nicht besser geworden. Vo«
: den Alltagsnöten des Landwirts weiß der Städter nichts. Heute verfügt nicht der Bauer, sondern der Gendarm. Der Bauer er- trägt das schwer, er muh aber umlernen. Der Landwirt beurteilt die Stadt nur nach Sonntagsbesuchen. Leider gibt ihm der unangenehme Einschlag von Lebemännern und Lebefraueu im Stadtleben aufdringliche Eindrücke.
Von der angestrengten Arbeit der großen Masse der Stadt- bewohner gewahrt er nichts. Er sieht auch nicht die Munitionsarbeiter an ihrem schweren Werk und die zahlreichen Frauen an ungewohnter Arbett. Sie alle müssen ausreichend ernährt wev. den. Der Beamte lebt langst nicht mehr seinen guten Tag. sondern muß gesteigerten Anforderungen genügen. Ich möchte, daß jeder Mann, jede Frau und jedes Kind allabendlich eine Ruhe* pause baden, wo sie ans der Misere herauSkomme». Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Schwierigkeiten de» GeldverdienenS und der Ernährung nicht unsere Hauptsorgen sind, sondern das, was au« Deut sch lcrnd werden foFt Wir können nur bestehen, wenn wir einig und geschlossen sind. Helfen Sie uns dabei! (Beifall.)
Wbg. Frhr. v. Gamp ($>• Fr.): Die Schilderungen von dem gegenseitigen Neid zwischen dem Landmann, der in die Stadt kommt, und dem Städter, der aufs Land geht, teile ich nicht. Das wäre ja traurig! Im Wirtschaftlichen Ausschuß und in dem Haushaltsausschuß hat sich eine erfreuliche Uebe reinstim mang zwischen Stadt und Land gezeigt. (Zuruf b. d. Soz.) Lassen Sie doch solche Albernheiten! Die Zeit ist zu ernst dafür! — (Glocke des Präsidenten.) Ich nehme den Ausdruck „Albernheit" zurück. Die Kartoffelpreise siird mit Rücksicht auf die Ernte minimal. Eine nachträgliche Erhöhung der Kartoffelpreise darf cnrf keine» Fall eintreten. Sie Hot unter den Landwirten große Erbitterung erregt. Die Fischpreise fallen sofort, wenn man die Herstellung von Fisch-Konserven verbietet. Kohlrüben sollten als Ersatz für die Kartoffeln in großem Umfange herangezogen werden.
Abg. Wurm (Soz. Arb.) sucht eingehend zu beweisen, daß die Politik des KwiegLernährungsamts ausschließlich den Interessen der landwirtschaftlichen Produktion dient. Gewiß herrscht auch in England eine Teuerung, denn was uns der Agrarier ist, ist dem englischen Verbraucher der Reeder. In der Alkoholfta^ muß man jetzt fanatisch sein. Man sollte, wenn durchaus AlkohÄ getrunken werden muß, zur Anrechnung übergehen: Ein Liter Bier gleich einem halben Pfund Brot und ein Liter Schnaps gleich fünf Liter Kartoffeln. Ich spreche aber nicht etwa als Abstinent, der ich gar nicht bin. (Hört! Hört! und Heiterkett.) So wie bisher kann es nicht weitergehen. Die Geduld des Volkes geht zu Enoe, es will sich von Prositinteressen nicht länger aus- wuchern lassen.
Abg. v. TranHczynski (Pole) bespricht die schlechte Lage der aus Polen abtransportierten Landarbeiter.
Ministerialdircktur Lcwald bestreitet, daß die Lage dieser Arbeiter schlecht ist. Der Vorredner hat übertrieben.
Die Aussprache schließt.
Abg. Schiriucr (Zcntr.f: Leider kann ich nun nicht mehr Nachweisen, daß das bayerische Bier ein werwolleS flüssiges Nahrungsmittel ist. (Heiterkeit.) Meine Herren (erregt) : Sie haben eben als Norddeutsche kein Verständnis für gutes bayerisches Bier! (Anhaltende große Heiterkeit.)
Abg. Mumm (D. Fr.): Ich bedaure die Worte des KriegS-
Hnährungspräsidenten gegen die Nüchternheitsbewegung. Anf- geschoben ist nicht aufgehoben.
Die meisten Anträge werden angenommen, auch der Antrag Mumm gegen die Umwandlung von Nährstoffen in Alkohol.
Der fortschrittliche Antrag auf vermehrte Rindvieh scblachtungen wird auf Antrag des Abg. Fegter (Fortfchr. Vp.) znrückgestellt, da das Haus sehr schwacb besetzt ist.
(Die Sitzung dauert fort.)
Kunfi, WifKitfcfoaf* nird Leben.
— Worte Friedrichs des Großen fürdie Gegenwart. Wenn auch der Weltkrieg in seiner besonderen Entstehüugs- geMchite u:td seiner Ausdehnung in der Vergangenheit uicht annähernd seinesgleichen hat, so erinnert er doch insofern an die Zeit! Friedrichs des Großeii, als auch damals eiiie Koalition sich wider Deutschland erhob und es den Anschein hatte, als gebe es für da- ganze übrige Europa kein anderes Zich, als die Vernichtung Vrcußeils. Tjarum enthalten zahlreiche der überlieferten Aussprüche und Niederschriften des großen Friedrich einen für uns! besonders bedeutsamen Doppelsinn. Wie außerordentlich stark diese Wiederhobing in der Geschichte zutage tritt, geht aus den Worten Friedrichs des Großen für die (Hegenwatt hervor, die Tr. A. Kamp mr näckssten .Heft der '„Grenzboten" zusanimenstellt. „Mir geht es," sir-rieb Friedrich der Große,-„wie einem Reisenden, der unter eine Rotte verbrecherischer Gesellen geraten ist, ,'die ihn -ermorden wollen um sch seine Habe zu teilen . . . Hat die Welt jemals dergleichen gesehen, daß 3 große Fürsten sich zusammenrotten zur Vernichtung eines Fürsten, der ihnen nichts getan hat? . . . Wenn in der bürgerlichen Gesellschaft 3 Bürger sich verabreden wollten, ihren lieben Nachbar-: anszurauben, hätten sie damit unfehlbar voii Rechts wegen Rad und Galgen verwirkt." Auch die Ereignisse in Belgien hatten zur Zeit Friedrchs insofern einen Borlaiisin, als ^ das Heer Friedrichs gezwungen war, in Sachsen emzumarschieren: ,.Dw ungerechten Vorbereitungen (meiner Feinde) zum Kampfe zwrwc/m mich zu den äußersten Schritten, die ich aus Liebe zum Frr^eii. und zur allgemeineii Ruhe lieber veriniedeii. hätte, undl dieselben Utmstätnde nöttgeir mch> sehr gegen meinen Willen, mein! Heer iuch Sachsen (heute Belgien) marschieren zu lassen, um von da irach Böhmeii, (heute Frankreich) einzudringeu." Auch die eng- lisiche Plolittk ttug schon damals die heute für sie so bezeichnenden Charatterzüge: „Ich bin erstaunt über die englische Politik. Tie Engländer sehen ganz Europa für eine lediglich zum Rußen England ges-chtafsone Staatsgemeinschast cni . . ." Wie eine Vorahnung der Regiermigsweise der französischen Chauvinisten mutet der Ausspruch Friedrichs an: „Politiker gängeln das Volk, und' es wird beständig hinter das LrclK geführt von jedeiw, der Lust hat, es zu betrügen." Ein anderer Ausspruch erscheint nicht minder aktuell: „Ter Verleumdung zur Zielscheibe zu dienen, ist das Los der in der Oefsentlichkeit Stellenden." Schließlich iioch em Wort des Großen Friedrich über das Dürchhalten: „Hörst du, daß einem! von uns ein Unglück zugestoßen ist, so frage, ob er im Kamps gefallen ist, und ist es so, dann danke Gott. Für uns stibt es nun* Tod oder Sieg; eürs von beiden muß uns beschieden 'sein!"
— Rechtsauskunftsstellen im Felde. Ueber er .Einrichtung, die in aller Stille umfangreiche und äußerst danken wette Arbeit für eine der vielen Forderungen des Kriegszustand leistet, nchnlich über dtie seit einiger Zeit erttchteten Rechtsauskunft stellen im Felde, wird zum ersten Male in der „Deutschen Juttstei Zeitung" Bettcht erstattet. Die Verbindung zwischen den Fel grauen und der Heimat kann auch in geschäftlicher Beziehung nic ganz abgebrochen werden, und viele Kriegsteilnehmer sehen si der Notwendigkeit gegem'iber, schwebende Rechtsfragen dringend Natnr zu erledigen oder doch W klären, während sie draußen v, stehen. Anfangs suchte man diesen Forderungen, w Dr. Lrnk aussührt, durch entsprechenden Bttefwechsel zu genüge: unfnnÄ^Ote sich bald, daß schttftliche Auseinandersetzungen rechß Fälle m^^r^nen für eine sachgemäße Bearbeitung schwebend, meist ungenügend sind. Diese Erfahrung wurde auch bei
? Verbände der Rechtsauskunftsstellen und bei den einzelnen gemein- i nützigen Rechtsauskunftsstellen, die zahlreiche Auslünstsersuche aus i dem Felde erhielten, gemacht. Das Bedürfnis nach Rechtsberatun- i gen im Felde war nur zu befriedigen, wenn die Auskunft an Ott ] und Stelle von einem zufällig erreichbaren Juttften erteilt werden i konnte, und daher hing sie fast stets vom Zufall ab. Die längere 1 Dauer des Krieges ergab schließlich die Notwendigkeit, im Felde ) selbst Rechtsberatungsstellen für Heeresangehöttge zu gründen. Dar- | um bestimmte im Apttl dieses Jahres der Generalquarttermeister, daß solche Einttchtungen ins Leben zu rufen seien, wobei die im Front- und Etappendienst stehenden Justizpersonen zur Unterstützung der Militärjustizbeamten für diese rechtliche Fürsorgetätig- keit heranzuziehen sind. Generalseldmarschall Hindenburg ttaf noch als Oberbefehlshaber Ost im Juni dieses Jahres eine Verfügung, die sein besonderes Versta^ndnis für diese wichtige Frage zeigte In dieser Verfügung wurde besttmmt, daß möglichst für jedes Bataillon eine Rechtsauskunftsstelle zu erttchten sei. Als Leiter der Auskunftsstellen kömien sowohl Offiziere Nne Unteroffiziere und Mannschaften bestimmt werden. Die Feldrechtsauskunftsstetten, die inzwischen geschaffen wurden, funktionieren heute vorzüglich, wobei ihnen die Mitarbeit heimischer Rechtsberatungseinttchtungen außerordentlich zustatten kommt. Von der Erwägung ausgehend, daß die Rechtsauskunftsstellen im Felde auch ihrerseits häuftg dm Rat sachverständiger Stellen brauchen, setzte sich der Verband der Rechtsauskunftsstellen in Deutschland dafür ein, die Auskunftsstellen im Felde durch seine ständige Mitwirkung in jeder nur möglichen Weise zu unterstützen. Durch diese Zusammnmrbeit außerhalb und innerhalb der Grenzen des Reiches sind überall für unsere Feldgrauen .Stützpunkte gegeben. Bis zum 6. Oktober waren bereits 476 Austunftsstellen im Felde mit dem deutschen Rechtsauskunfts- stellen-Verbande in Verbindung getteten. Doch ist heute die Zahl der regulären Feldrechtsauskunftsstellen noch erheblich größer. So wurde eine Organisatton geschcstfen, die als ein bedeutsamer Zweig oer allgemeinen Kttegsveclftspflege auch in der Heimat verständ- nrsvolle Würdigung verdient.
— Aus der Geschichteder Brillen und Kneifer Außerordentlich groß und reichhältig ist die Zahl dm Einflüsse, die der Krieg auf die verschiedensten GebrMichsarttkel ausübt. Hierbec kann man die Beobachtung nrachen, daß die Anpassung der Gebrauchsarttkel für die besonderen BcdrnMngen des Feldes auch über diese Erfordernisse hinaus von dauerridem Wert werden können, da man hierdurch auf Verbesserungeir kommt, die diese Gegenstände auch für ihre friedliche Verwendung geeigneter machen. So kam in der Brillen- und Dceifettndusttie dirrch den Ktteg tvieder eine Form M Ehren, die in der Geschichte der Brillen und Kneifer eine große Rolle spielte, jahrelang aber einer neuern und viel wertiger .praktischen Form weichen mußte. Wer das Schaufenster eines Optikers betrachtet, wird an den sog. „Kriegsbrillen" vor allem die Größe und runde Gestalt der Gläser bemerken, die auch — so lange dies ungewohnt war — an den brillentragenden Soldatmr ausfallend waren. Die Zweckmäßigkeit der großen und runden Fortn des Augenglases ist sofort einleuchtend. Während die elliptisch geschliffenen Bttllengläser das Schießen beim Liegen sehr erschweren, da man durch die Kopflage hierbei oft über oder unter den Rand der Bttlle blicken nruß, ist bei den große): runden Gläsern der Kriegsbrillen diese Ersscheitrung so gut mie ausgeschlossen. Ein anderer Vorteil nracht diese Gläser aber auch für den Zivilisten wmtvoller als die elliptischen. Bei den ellipttschen Gläsern schlägt scharfer Luftzug leicht au den Rändern um :md dttngt so in die Augenhöhlen, bei den großen rrmden Gläsern jedoch närd er mit
ungleich größerer Wahrscheinlichkeit vom Auge abgehalten. J,n! der älte,tcn Zeit der Bttlle verwendete man auch sttts, wie Frrtz Hansen in 'einer lehrreichen Betrachtung über Brillen und Knttfer im nächsten Heft der bei der Dnttschen Verlags-Anstalt in Stutt* gart erschemenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer" ausftchtt, runde Glaser. Wan:: die Brille zum erstenmal in Gebrauch kam, laßt sich nicht mehr genau feststelleu. Nach dem römischen Schttst- steller Plmius verwendete Nevo, der betanntlich kurzsichtta war, be: den Gladiatorenkämpfen einen geschliffenen Smaragd, doch :st es immerhin zweifelhaft, ob hiern: der erste Vorläufer der Brille zu erblicken ist. Ein allgemttner Gebrauch der Brillen ist jedoch einwandfrei vom Anfang des 44. Jahrhundetts n. Ehr. an fest- zustellen, im 17. Jahrhumdett gab es berefts eine regelrechte Brillenmacherei. Ju der Herstellleng von Brillen zttgten sich die Chinesen vor den Europäern als Muster, :md ihre Bttllen hatten den heute wiedererkatinten Vorzug der sehr großen m:d .tmtbem Gläser. Auch in: Wechsel der Moder: spielten die Augengläser keine unbedeutende Rolle. Im 18. Jahrhundert hatten sie eine besonders mettwürdige Gestalt. Statt der Sicherung durch seitliche Stangen befand sich an beiden Enden der Augerigläser je eine kleine Kette m:t einem Gttvicht, wodurch das Instrument auf dem Naseurückeir festgehalten werdeir sollte. Tatnals war auch die runde Forn:, wie bei den Chinesen, noch bevorMgt, daiin aber gab mar: dein! Wunsch nach gefälligen Forme:: nach, und Mit der Zoll wurden die Gläser immer kleiner und schmäler. Erst der .Kttegszeit blieb es vorbel>alten, die ursprüngliche For:n der chinesischen Brille Mtt>er zu Ehren zu bringen. Bttm Kneifer wird jedoch auch jetzt noch dem hübschen Aussehen vor dem praktische:: Wert der Vorzug gegeben, vielleicht weil er im Felde ohnedies nur iit seltenen Ausnahmesällen .Verwendung fnrdet. Doch auch für den Knttfer gab es ttne Zttt der runden Gläser, und zwar im 19. Jahrhundert.
Amerikanische Modenarrheiten. Die Millionen F^vvien zu iHunderten ins Land, jene oberen Zehntausend, die sich für d:e Blüte der amettkanisck-en Gesellschaft halten, jagen von ernen: Feste zum anderit, und sie wissen nicht genug neue Torheiten auszudenken, um Auffehen zu erregen und alles bisher Tageweseno zu übertrumpfen. Einige der jüngsten amerikanischen Modebettchte a? Eunde ab. Ein Erzeugnis echten Protzeugttstes sind
z. B. die neuesten HMisschuhe der amettkanischen Millwnättnnen, die vom Spann bis zum Absatz mit kostbare:: echten Spitzen besetzt sind. Der Spitzenbesatz muß aber — wohlgemerkt — so lang fern, daß er ans den Boden reicht; offenbar kitzelt diese edlen Protzenseelen der Gedanke, daß sie den Staub des Bodens mit echtcm Spitzen anfwischen. Sehr niannigfalttg äußett sich der Gttst der Modenarrhttt in den neuesten amerikanischen Hüten. Da gibt es z., B. einen Topfhut, der an der Sttrnscite mit einen: großen Bildnis geschwückt ist! Ob Goethe, wenn er das erlebt hätte, wohl auch iwch'.gtsagt hätte: „Amettka. du hast es besser. ..
Ein an sich recht hübscher kleiner Pelzhut in der bekannten Togue-Form wird dadurch ins Protzcuhafte übersetzt, daß von einem ringsum laufenden Pelzringe vorn ein schwerer großer Stein oder ttne Perle in Anhängerform herunttrhängt. Eine wenig taktvolle Ansschreilllng stellt schließlich der Bischofshut dar. Dies ist ttne Hutform, die auffällig an die bekcnrnte kegelattige Gestalt der Biscksiifsmütze ettnnett und durch die Anbttngung altettüm- licher Stickertteu an der Vordettttte diese Erinnerung noch stärker betont. Daß diese Form nebenbei iwch in hohem Grade unlleidsam ist, kommt gä r J Nicht in Bettacht — wenn sie nur auffällt und im Wettrennen der Modetorheiten eftien Prtts erttngt!


