Ausgabe 
6.11.1916 Zweites Blatt
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Mb. Deutscher Reichstag.

"W. Sitzung, Freitag, be*.i 3. Nov., vorm. 11 Uhr.

(Schluß.)

EWöhWngsjMgen.

Der YäuptauSsch hat sich eingehend' mi-t den Ernähr ruugsfragen beschäftigt. Gr legt dem Hause nicht weniger! als 86 Anträge vor, die alle Gebiete der Lebensmittel­versorgung betreffen. Die Anträge sind schon aus den Ausschuß­beratungen bekannt.

3feu liegen zwei Anträge vor. Ein Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei fordert, daß angesichts des an Kahl nur wenig verminderten Rindviehbestandes die Schlachtungen so bemessen werden, daß sie mindestens die durchschnittliche Höhe der 'Kahre 1912' bis 1914 erreichen, daß die Fleischration entsprechend erhöht wird und daß die Höchstpreise für Rinder bereits im Laufe des Winters herab­gesetzt werden. Ferner soll erwogen werden, ob nicht der freie Handel in Rindvie.h wieder, herzu stellen sei.

Ein Antrag M u m m (Deutsche Fraktion). der auch von Ab- geordneten anderer Parteien unterschrieben ist, ersucht den Reichs­kanzler, soweit nicht Heeveserfordernisse vorliegen, jeder Um­wandlung von Nährstoffen in alkoholische Ge- nußmittel nach-glichkeit entgegenzutreten.

Abgeordneter Graf Westarp berichtet eingehend über die Aus­schußverhandlungen, deren Ergebnis die vorliegenden zahlreichen Anträge find. Wie der Berichterstatter mitteilt, erstattet er diesen Bericht über hie Lebensmitteffragen lvährerw der KriegSzeit be­reits zum sechsten Male. Die Versorgung der Bevöl­kerung ist besser aktz rai Vorjahre Die Bestände an Vieh und Fleisch haben sich gebessert. Mit der Ausschaltung des Handels ist man zu weit gegangen.

Der brutale Aushungerungskrieg Englands hat uns schwere Opfer auferlegt und tut dies auch für die Zükunft. Aber erneut kann ich die feste Ueberzeugung aller Mitglieder des Hauses hier wiederholen: Zum Ziele führt dieser Aus­hungerungskrieg nicht. Niederringen laßt sich das deutsche Volk durch Aushungerung auf keinen Fall. (Lebh. Zust.) Auch dieses Mal können wir unseren tapferen Kämpfern zurufen, wie vir es immer zum Schluß unserer Verhandlungen über Er- nährungsfragen getan haben: Das deutfche Volk steht entschlossen hinter ihnen. Es ist entschlossen, es ist bereit, es ist aber auch fähig dazu, unseren Kämpfern draußen die Nah­rungsmittel zuzuführen, die sie brauchen, um unsere ungeheure Aufgabe zu erfüllen und den Heldenkampf durch­zuführen. Das deutsche Volk ist entschlossen und bereit, unsere Jndustriearbeiterschaft so zu versorgen, daß ihre Kraft erhalten bleibt, um den Heeresbedarf herzustellen. Wir sind entschlossen und bereit und fähig, die Vorräte so einzuteilen, daß für die Dauer des ' Erntejahres die Ernährung unseres Volkes sichergestellt wird. Die stparsame Einteilung der Vor­rat e i'-st n ö t i g, s i e ist auch gesichert. Ich kann meineü Bericht schließen wie immer: Wegen der Ernährungs- frag« darf und wird und braucht der Krieg nicht einen Tag früher beemd-et zu werden, als eS nach der militärischen Lage nötig ist. (Beifall.)

Präsident des KriegsernährungSamtes von Batocki: Wenn

wir über die Aussichten dieses Erntejahres sprechen, dann müssen wir noch stets eine Reihe von Vorbehalten macben. Noch immer liegen für wichtige Früchte keine genauen statistischen Ergebnisse vor. Bei der Verteilung werden wir daher alle Borsicht walten lassen, damit später eine Ent­täuschung der Verbraucher vermieden wirb. Ein ganz unsicherer Faktor ist die Einfuhr. Wir wissen nicht, welche Bedrücknngsmaßnahmen unsere Feinde auf die Neutralen noch ausüben werden, und wir tun daher am besten, dir Einfrchr vorläufig gar nicht in Rechnung zu setzen. Sowert als möglich, wollen wir uns unabhängig von der Einfuhr zu machen suchen. Der Streit, ob unsere Landwirt- schaff ohne Einfuhr das deutsche Volk ernähren kann, hat vor dem Kriege hier heftig getobt. Er hat durch den Krieg insofern einen Abschluß erfahren, als wir jetzt wissen, daß das Durchhalten ohne Zufuhr trotz f o rdg esch r i t . tener Leistungen unserer Landwirtschaft nnx b e n In« pp eit Verbrauch von einem zum anderen Ernte­jahr ermöglicht. Da§ letzte Erntejahr brachte eine Mißernte.

Wenn wir unter diesen u ng ü n stti g-ste n B e rhäkt- nr ff erhaben durchhalten können, so wird uns das au ch künftig möglich sein. Hoch anerkauut werden muß die mustergültige Haltung der Bevölkerung, insbesondere in den Jn-dustriegegenden, und das Bestreben der Landwirte, auch das Letzte hcr^rgeben. Die Zahl der herrenlosen Wirtschaften wird immer größer. Von den. Schwierigkeiten, unter solchen Umständen die Wirtschaft aufrecht zu erhalten, machen sich fernstehende Kritiker oft gar keine Vorstellung. (Sehr richtigl) In den feind- lichen Ländern liegen weite Landstrecken brach, obwohl man dort bisweilen mit den Einziehungen noch nicht so weit vorgeschritten ist a& bei uns, während bet uns fast der ganze Boden bestellt ist. Auch das ist eine Tatsache, die hohes Lob verdient. Auf diesen Erfolg kann das ganze deutsche Volk stolz sein und schließlich auch die deutschen Landwirte. Daß die Ernte so ge- worden ist, danken wir dem guten Sommerweiter, wir haben an Brotgetreide 1/4 Millionen Tonnen, au Hafer und Gerste vielleicht 3% Millionen Tonnen mehr geerntet als xm Vorjahre. Auch das Rauhfutter, vor allem Heu und Stroh, fteHt sich sehr gut.

Diejenigen Landwirte, die sich durch die zeitweise höheren Preise haben bestimmen lassen, mehr Gerste Äs Hafer zu bauen, sind cnich nicht Zu tadeln, denn Gerste ist Roggen und Weizen voll­kommen gleichwertig, und wir können ganz gut einmal auch Gerstenbrot essen. Für die diesjährige Herbstbestellung wird es in manchen Gegenden durch das Wetter vielleicht zu spät werden. Die Saatgutstefeuung für die FrühstchrsbesteklWrg ist so ringe- richtet, daß sie als ein hermlicher Produktionszwang wirken tornb. Ohne die ho he n F r ü h d r u sch p r ä m i e u wäre die Körner- crbkiesevcmg nicht erfolgt. Aber trotz der Prämien ist doch nicht so viel Hafer geliefert worden, wie zur Belieferung des Heeres notwendig gewesen wäre. Das liegt an der Verspätung der Ernte. Ohne die Ftt^doasä^rämien aber hätten die Graupen- usw. Betriebe nicht rechtzeitig einsetzen können, und wir hätten einer schwierigen Situation gegen üb ergc standen.

Die Frage der Braugerste und des Alkohols be­wegt viele Leiste ebenso sehr wie die Fragen von Glauben und Religion. (Heiterkeit.) Unter den vielen Briefen, die ich täglich bekomme die freundlichen find unterschrieben, die unfreund­lichen anonym (Heiterkeit) war einer, der mir, wenn ich nicht sofort das Brauen von Gerste einstellen würde, daS Schicksal des Grafen Stürgkh in Aussicht stellte. (Erneute Heiterkeit.) Mit solenn F a - natikern ihrer Ue b e r z e u g u n-g, die ich gewiß achte (stürmische Heiterkeit), ist eine Verständigung schwer. Immerhin haben diese Anschauungen gewiß den berechtigten Kern, daß die auf Alkohol zu verarbeitenden Getreide­mengen auf das geringste Maß zu beschränken sind. Danach wird vorgegangen werden. Nicht berücksichtigk werden kann das Interesse der aus Alkoholverbrauch auch an- gewiesenen Industrien, sie teilen das Schicksal anderer Gewerbe des Exports und mancher Handelszweige. Maßgebend kann allein das Interesse der Bevölkerung sein und dies gebietet, in Kriegs­zeiten und knappen Zeiten auch die Versorgung der Menschen mtt Alkohol nicht ganz einzustellen. Beim Most, der in ge­wissen Teilen Süddeutschlands als unbedingtes Volksnahrungs- mittel dient, wird diese Einschränkung gar nicht gemacht; es wird als durchaus berechtigt anerkannt, paß Massen von Aepseln, die aus Marmelade verarbeitet werden könnten, zur Most­erzeugung gebraucht werden. Man hat mir auch die Gewährung von Zucker als Zusatzmittel für saure Weine verübelt, aber es ist objektiv festgestellt, daß andernfalls große Mengen des dies- jährigen Weines dem Verderben anheimgefallen wären. (Sehr richtigi im Zentrum-.)

Kartoffetzchnaps ist nur noch in geringen Mengen im Ver­kehr. Zu ernei. Bestandsaufnahme kann ich mich nicht entschließen, so verlockend sie ist. ES hat seine Bedenken, die Leute wieder einmal

zu falschen Angaben KU verfahren. (Heiterkeit.) Bei voller ®tro«

ziehung des SpirituS wurden die Wohlhabenden ihren Wein, ihren Süßschnaps und Kognak haben, während der kleine Mann sich diese Genüsse versagen müßte. Die Franzosen lassen an Tapferkeit der Truppen und Standhaftigkeit der Bevölkerung nichts zu wünschen übrig, obwohl sic in der Alkoholfrage weiten Spielraum lassen. Den Russen sind wir an innerer Festigkeit so weit überlegen, daß man der Bevölkerung ruhig entgegenkommen kann. Auch in bezug auf die G e r st e braucht man oem mäßigen Biergenuß nicht so scharf entgegenzutreten. Ganz abgesehen von den großen Verschiebungen zwischen Wein- und Nichtweingegenden würde der Stand des Ver­pflegungsgewerbes zu stark gefährdet. Wenn man auch nicht zim- perlich zu sein braucht, so darf man doch nicht ganze Stände ver­nichten. Das Gerst-mkcntingent muß von 48 Prozent des Friedens­verbrauches wesentlich herabgesetzt werden. Die Herabsetzung ist noch nicht erfolgt, weil wir uns erst in Ruhe über die endgültige Festsetzung der zu brauenden Biermengen und die sonstigen Einzel- fragen einig werden wollen.

Der akute Kartoffelnotstand ist im wesentlichen beseitigt und liegt nur noch in wenigen Orten mit besonders ungünstigen Verhältnissen vor. Auch dort wird in den nächsten Tagen die Ration geliefert werden können. Immerhin ist die Kartoffelernte recht wenig günstig und weit unter dem Friedens­stand. Verschwendung darf nicht getrieben wer- den. Außer den anderen Verschwendungsausschließungsmitteln ist zugleich eine Herabsetzung der Tagesration auf 1 Y» Pfund erforderlich. Man darf sich nicht ganz auf einen milden Winter verlassen, deshalb müssen erhebliche Teile der Ernte bald in die Städte zum Einkellern gebracht werden, sonst entstehen bei starker Källe erhebliche Nachteile. (Zustimmung.) Durch die in reich­licher Menge und guter Beschaffenheit vorhandenen Kohlrüben muß der Kartoffekvorrat ergänzt werden. Die Kohlrüben sollen erst in größerer Masse in die Städte befördert werden, wenn die Kartoffelsörderung im wesentlichen abgeschlossen ist. Dann O b st und Gemüse. Es eignet sich besonders schwer zur gemeinsamen Bewirtschaftung. Verschiedene Versuche find zum großen Teil gescheitert. Besonders bei Aepseln und Pflaumen haben unsere redlichen Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Der Kamps tobte zwischen den .Hausfrauen und der Industrie. Der Heeresbedarf ist jetzt gesickert.

Der Zucker bildet selffamerweise auch einen Gegenstand unserer Fürsorge. Zu Beginn des Krieges glaubten wir, wir würden im Zucker sclüvimmen. Es wird dafür gesorgt werden, daß der Zuckerrübenanbau nicht so sehr sinkt. Nun die Pilze. Viele Vorschläge scheiterten an der Arbeiterfrage. Die Arbeits- kräfte find knapp. Infolge der hohen Preise stellten sich nun kräftige Männer zum Pilzesuchen zur Verfügung, während daS Getreide verfault ist. Da mußte eingegriffen werden. Eine wichtige Aufgabe des Winters wird es sein, den Holzschlag zu fördern. Der Anspruch an Holz wird sehr groß fein. Wir haben in unseren Wäldern ein Kapital, da jahrzehntelang mit Bernuisst und Weisheit gespart worden ist. Die Wälder haben aber auch eine schädliche Seite, das Wild. Es ist vielfach der Gegenstand großen AergernisseS. Die Bekämpfung des Wild­schadens hat zugenommen. In manchen Gegenden ist aber noch sehr viel WKd vorhanden. Ueberall da, wo es im Uebermatze vertreten ift,^ wo der Besitzer es nicht äbschießen kann oder will, soll militärisch eingegriffen. und der Wildabschuß vorgenommen werden. Eine schärfere Maßnahme sollten wir nicht ergreifen. Wo daS Wild im Uebermaß vorhanden ist, darf es kein Feind des Menschen und der Landwirtschaft fein.

Unsere geringen Gesamtvorräte zwingen uns zur Sparsam­keit. Deshalb verdient die M a s s e n s p e i s u n g besondere Aufmerk,amkert. Zur Zwangsmassenspeisung habe ich mich nicht entschließen können, die Bedenken dagegen sind zu echeblich und ernst. Ich hoffe aber, daß in allen größeren Städten es dahin kommen w-ivd, daß sich jeder Mensch, der sich nicht zu Haufe be­köstigen kann oder will, sich zu angemessenen Preisen aus KriegS- küchen versorgen kann. Die Fleischversorgung bereitet uns ernste Sorgen. Hoffentlich werden bald die vorgeschriebenen 250 Gramm wöchentlich nicht nur in den großen, sondern auch in den kleinen Städten gleichmäßig liefern können. Unser Rinder bestand konnte im wesentlichen durchgehatten wer­den, hat sich aber noch nicht so weit erholt, das wir über genügend Schlachtvieh verfügen. Zu gegebener Zeit soll von neuem festge­stellt werden, was an Schlachtvieh vorhanden ist. Das Volk Hai eineu Anspruch darauf, daß alles als Fleischträger geeignetes Vieh abgefchlachtet wird. Gute Milchkühe dürfen aber nicht abgeschlachtet werden. Die Schweinehal­tung bol die besten Aussichten. Die ungünstige Kartoffelernte hat uns euren schweren Strich durch unsere Erwartungen gemacht. In einigen Monaten hoffen wir aber eine Besserung gegen den jetzigen Zustand zu erreichen.

Die Futter mittelpreise für Maswerträge müssen er- hebllch «mäßigt w«den. Ich hoffe, bald zu erreichen, daß Fntter- schrot überall znm Roggenpreis abgegeben werden kann und daß der Preis für Gerste sich ermäßigen läßt. Bei der Milch, und Butterversorgung hat die praktische Unmöglichkeit, die Milch beim Erzeuger wirksam zu kontrollieren, zwei Jahre lang die verantwortlichen Stellen abgehalten, an die wirksame Regelung von Milch und Butter zu gehen. Der Kriegsausschuß für Fette und Oele hat in wenig nach außen hervortretender aber mustergültig« Arbeit verstanden, alles zu technischen oder Ernährungszwecken erreichbare Fett zusammenzubringen. Die Hoffnung, daß die Fettschweine uns hier Ersatz bieten könnten, ist nicht so rn Erfüllung gegangen, wie wir «warteten, so bleibt nur die Milch als Speifefetterzeuger übrig. Durch Einschrän­kung des Verbrauchs von Milch müssen wir so viel Milch- fett als möglich dem Verbrauch zuführen.

^He Dolksteike, Behörden, Landwirte und Verbraucher müssen v e r st ä n d n i Svoll Mitarbeiten. Weitgehende Auf­klärung ist dazu nölig. In den beiden ersten Kriegsjahren scheint die Rücksicht «ms das feindliche Ausland daran gehindert zu haben. Durch richtige Aufklärung werden viele Schwierigkeiten beseitigt und die gegenseitigen Beschuldigungen verringert werden. Ich bin dankbar, daß die Presse mich von Beginn meiner Amtstätigkeit an unterstützt hat. Sie hat den Ernährungsfragen ihr weitgehendes Interesse zugewendet. Mißverständnisse können natürlich vorkom. men. Man siebt jedoch chon immer mehr ein, daß bei der Knapp- heit au Nahrungsmitteln die Sicherstellung der Versor­gung nicht, im Wege des freien Verkehrs möglich i st, di-e Stimmen für dessen Ausrechterhaltung werden immer weni­ger. Macht man mit der zwangsläufigen Regelung den Anfang, so mutz man die gesamten Ernährungssragen in ein System brin­gen. Ich kann eS nicht verantworten, irgendeinen Zwerg der VolkSeinährung wieder der freien Entwicklung zu überlass en. Bei der Verwaltung in der öffentlichen Hand entstehen natürlich Reibungen und Mehrkosten, und daS Verderben von Waren ist nicht ganz zu vermeiden. Bisher hat man sich zu wenig d« sachkundigen Mitarbeit des Handels be­dient.

Der Handel als Kommissionär hat ein weites, egensreiches Arbeitsgebiet, daS ihm noch nicht genug erschlossen worden ist. Ich weise die beteiligten Behörden immer wieder darauf hin. Für jede Ware müssen wir zu einheitlichen Preisen kommen. Nur so können wir die Auswüchse bekämpfen, denn es ist schwer nachprüfbar, ob eine Ware aus dem Inland oder von außerhalb, ftüher oder spater gekauft worden ist. Infolge der Ve r r in gerung des Umsatzes der Klernbandels- geschäfte ist e i n e Erhöhung der Kleinhandels. Preiszuschläge nötig. Uebertriebene Aufschläge müssen natürlich verhindert werden. Der Lcbensmittelkleinhandel und das Ernährungsgewerbe eignen sich für halbe Arbeitskräfte. Der Gefahr, daß nach Friedensschluß viele Kriegsbeschädigte und auch Kriegerwitwen sich diesem Beruf zuwenden und. gestützt auf ihre Reuten, den bestehenden Händlern durch Wettbewerb ihren Daseinskampf erschweren, muß beizeiten mit geeigneten Mitteln entgegengetreten werden.

Eine allgemeine Herabsetzung der Preise ist etzt nicht möglich. Gewisse Unbequemlich beiten werden l der Kriegswirtschaft immer Vorkommen. Man soll sich arüber nicht ärgern, man kann seiner Empörung Lust machen, aber man soll seine Pflicht tun. Unsere Brüder raußen im Felde haben hundertmal mehr aus- uhalten als wir. Mir tut jeder Fehler leid, der gemacht wird, aber Fehler sind unvermeidlich. Nach Prüfung der Gc- samtlage kann ich sagen, daß keine Gefahr besteht, daß wir bis

Mr neuen Ernte auskommeu werden. Damit wird an'dB'

i>er Aushunger.ungsplan unserer Gegner wie­der zuschanden werden. (Beifall.)

DaS Haus vertagt sich.

Sonnabend, 10 Uhr, Antrag auf Vertagung des NefchS-

tags, Schuhhaftvorlage, Ernährungsfragen.

L g!i!_ i . « 'I | | T

Die Amerika-Hahrt desU 53".

Ueber die erfolgreiche Fahrt desU 53" nach Amerika ver- j breitet das Wvlffsche Bureau folgenden Bericht: Trotz häufigen schlechten Wetters war die Haltung und Begeisterung der Offiziere und Mannschaften von Anfang bis zu Ende vorzüglich. Es wur­den z. B. allabendlich von den in dem engen Kommandoturm ver­sammelten Leuten der Freiwache mehrstimmig vaterländische Lieder gesungen. Bei einem Sturm, denU 53" auf der Rückreise auf der Höhe der Neufundland-Bank zu überstehen hatte, stand eine sehr schwere, aber sehr lange See, bei der sich das beigadrehte Boot vor­züglich benahm, ohne Wasser aus den Turm zu bekommen. Matt wähnte sich wie in einer Alpenlandschaft und die Leute holten ein- ander in den Turm heraus, um sich gegenseitig das grandiose Schauspiel zu zeigen. Die Rückfahrt wuvdr durch teilweise Be- Mthung des Golfstromes außerordentlich gefördert. Aus feemcarat* I fegen Gründen war es in der Nähe der Neufundlandbank notwendig,

! den Golfstrom zeitweise zu verlassen, wobei die Wassertemperatur innerhalb sechs Stunden von 22 Grad auf 8 Grad heruntersank, da das Boot während dieser Zeit vom Golfftrom in den kalten Labradorstrom übergetreten war. Dieser außerordentliche Tempe­raturwechsel wurde sehr unangenehm besonders von den Leuten an Deck, bei den überkommenden Spritzern empfunden. Bei der Rück­fahrt wurde nördlich von Schottland wegen schlechten Wetters an zwei Tagen längere.Zeit unter Wasser gefahren.

Die amerikanischen .Marinebehörden in Newport benahmen sich nach jeder Richtung liebenswürdig. Unverkennbar aber war, daß der Chef der Marinestation sichtlich erleichtert wart, als er von dem Kommandanten des Tauchbootes hörte, daß dieser keine Auffüllung seiner Betriebs- und Lebensmittel b^absicAige Der Kommandant bekam den Eindruck, dcH, wenn er um solche gebeten hätte, die amerikanischen Behörden Schwierigkeiten gemacht hatten. Das Tauchboot wurde während seines etwa zweistündigen Aufenthalts außerordentlich stark, besonders von amerikanischen Marineofftzreren, dre zum großen Teil mit ihren Damen kamen, besucht. Alle zeigten eine sehr herzliche Teilnahme für das Boot und ferne Besatzung.

Das Tauchboot war durch eine der vor Newport liegenden Srgnalftatronen schon vorher angemeldet, so daß die Behörden auf fernen Empfang vorbereitet waren.

Seine Kr e uz e rtätig feit nahmU 53" nach dem Ber- lassen von Newport aus. Das erste Schiff, das dem Tauchboot iri den Weg kam, war der amerikanische DampferKansan." Es kostete erhebtrche Muhe, ihn zu bewegen, einen Offizier mit den Papieren <m Bord des Tauchbootes zur Durchsicht der Papiere zu schicken. Der Kapltan gab fortgesetzt Morsesprüche mit neuen Anfragen und Angaben ab Ms er nach Durchsicht seiner Papiere wieder frei- gelassen wurde, ftng er sofort an, in lebhaftester »ise von seinett Ertebnffsen mtt dem Tauchboot funkentelegraphisch zu berichten. Es gelang indessen dem Tauchboot, dre Üebermittelung der Dampfersrgnale durch eigenes Funken zu stören. Auf dem eng- lrschen DampferStrathdene" bestand die Besatzung fast ausschließ- ttch aus Farbigen, Chinese^ und Negern. Der versenkte norwe- gftche DampferChristtan Knudsen" hatte 7500 Tonnen Teeröl für London an Bord.U 53" hat seine Oelvorräte aus diesem Dampfer mcht ergänzt, wie gerüchtweise verlautete. Für die Ret­tung seiner Mannschaft wurde demKnudsen" ganz besonders viel gelassen. Der englische DampferWestpornt" gab, sobald er des Tauchbootes ansrchttg wurde, und den feindlichen Charakter des Bootes erkannte, unnnterbrochen das bekannte S. O. S.-HilfesignaL ab obwohl er srcy doch nicht in dem landläufigen Sinne, sondern ledrgttch rm mckttärischen, in Seenot befand. Der englische Paffa- gierdampferStephano" benahm sich außerordentlich eifrig. Er hatte, während das Tauchboot noch mit dem holländischen Dampfer Blommerschrk' beschästtgt war, und bis dahin von dem Tauch- boot nur das Srgttal, die Papiere auf das Tauchboot zu schicken, gehrßt war, sofort begonnen, seine Passagiere urrd Mannschaften in dre Boote zu setzen Als sichU 53" ihm näherte, war der Dampfer bererts verlassen Sein Abstand vom Feuerschiff betrug nur einige tausend Meter Im ganzen hatten sich im Laufe der Unternehmuir- gen von U 53 16 amerikanische Zerstörer in der Nähe des

Feuerschrffs undder versenkten Dampfer versammelt, ohne sich aber in irgend emer Weise in die militärtschen Maßnahmen des L-BooteS ernzumsschen oder sie zu stören.

Aus Stndt nnb Land.

Gießen, 6. November 1916. Zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

ist Mgelasfen worden, im inneren deutschen Verkehr die durch Post- auftrag oder Postnachnahme ein^zciFenen Beträge mit Post­anweisung auch auf das Konto des Absenders oder einer dritten Persim bei einer Bank, Sparkasse oder sonstigen Geldmrstalbett zu überreifen. Der Absender hat einen derarttgen Wunsch bei einem Postauftrag am Fuße der .Auftragskarte, bei einer Nachnahme­sendung unmittelbar unter der Angabe des Nacksnahmebettags ber emem Nachnahmepaket auch aus der Paketkarte, durch einen Vermerk ausz>udrücken wie:

Betrag an (Bryeichmmg der Bank» in (-Bestimmungsort)

für Konto des.in .... .

(Genaue Bezeichnung des Kontoinhabers'-.'

Dementsprechend hat die Anschrift auf der Postanweisung bei­spielsweise zu lauten:

An die Deutsche Bank (für Konto des Kaufmanns Otto Kranich rn Lehrte)

in

Hannover.

Aus dem PostaulveisuNgsabschniLt ist für die Bank usw. anzugeben für wessen Rechnung die Gutschrift zu erfolgen hat. z. B.:

oder:

Gutschrift für Kaufmann Otto Kranich in Lehrte

Gutschrift auf Konto Kaufmann Otto Kranich in Lehrte für Karl Prinz in Meinersen.

** Kartoffel höchst preise. Bei dem Kriegsenrährr-ngs- amt meinen sich die Anfragen, ob die Höchstpreise für Kartoffeln, die durch dre Bekarrnttnachung des Kriegserrrährungsamts vom 13. Juli 1016 (Reichs-Gesetzbl. S. 696) feiWfc moröen sind sich aus alle Kartoffeln oder nur aus solche beziehen, die auf An- weisuug der Reichskartosfelstelle als Speisekartofseln oder als Fabrikkardvffeln gelrefert werden müssen. Es wird deshalb be­merkt, daß die Anordnung vom 13. Jrcki 1916 sich auf alle Kar­toffeln bezieht, und daß es daher insbesondere unzulässig ist, Kartoffeln zu Futterzwecken zu höheren Preisen zu verkaufen als 4 Mark für den Zentner, d. h. als zu dem jetzigen gesetzlichlen Höchstpreis für Kartoffeln aus der Ernte 1016 beim Verkauf durch den Kartosfelerzeuger.

** Einschränkung des Personenzugverkeh rs. Tie Ei.senbahndirektion Frankfurt teilt uns mit: Bekanntlich drängt sich der Güterverfehr auf den Eiserrbahnen in den Herbstriwnaten am stärksten zusanmrlen. Während des Krieges macht die Bemalti > gnng dieses starken Herbstverkehrs nattirgemäß größere Schwierigkeiten als in Friedenszeiten, da die Eiserrbahnen für Heeveszwecke stark in Anspruch gerrommen sind und ncrmrntlick» viel Lokomotiven und Persorral in die besetzten Gebiete abgegeberr haben. Tie Eisenbahnverwaltmrg hat sich! deshalb entschLofferr. im P e r s o n e n z u g v e r k e h r zugimsten des Güterverkehrs ewige Einschränkungen vorznnehnren. Die Befriedigung des Güter­verkehrs steht jetzt unbedingt au erster Stelle, soweit er der Vm- sorgung der für Heereszwecke arbeitenden Gerverl>edetriebe, sowie der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dient.