Ausgabe 
4.11.1916 Zweites Blatt
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Hr. 2(>0 Zweiter Mstt

M. Jahrgang

Erscheint täfHöf mit Ausnahme der Sonntags.

Beilagen:Gletzener FamilienblStter" und Nrelsblatt für den Kreis Gießen".

Postscheckkonto: Zrantsurt am Main Nr. U686. Vankvertehr: Gewerbebant Gießen.

Generat-Anzeiger für Gberhejsen

Samstag. 4. November

ZwillingSrunddruck und Berlag:

B r ü bliche UnweriuätS-Sifch-u.St.'lndruckerer R. Lang e, Gießerr.

Zchristleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulsttaue?. eschäf.ö>ieUe u. Lertag:

Schriftteirung: 112.

Anschrift für Tr ht >achrlchten:AnzeigerKteneu.

Somme und Siebenbürgen.

II.

Der Verlaus der Sommeschlacht läßt sich in vier große Abschnitte einteilcn, die im wesentlichen mit den Katender- monaten ihrer Dauer zusanrmenfallen:

Der Juli brachte An ersten Ansturm. Obwohl wir diesen erwartet hatten, darf doch zugestanden werden, daß die Stärke und Dauer seiner artilleristischen Vorbereitung unsere Erwartungen um ein vielfaches übertrofsen hat. Nur der beispiellosen Hingabe und Aufopferung unserer Truppen ist es zu verdanken, daß es gelang, den ersten wuchtigen Dirrchbruchsversnch crufzuhalten. Schon in der zweiten Juli­hälfte sah der Feind sich gezwungen, seine ursprüngliche Durchbruchsabsicht aufzugeben und an Stelle des Durchs stoßes in nordöstlicher Richtung, also in die Spitze des von ihm im ersten Anlauf erkämpften Geländedreiecks hinein, die bescheidenere Taktik des Aufrollens durch auseinander­strebenden Doppeldruck auf die Schenkel des Dreiecks zu setzen.

Als auch diese neue Taktik bis Ende Juli nicht zum Er­folge geführt hatte, ging der Feind während des Monats August zu einer ziemlich planlosen Taktik des allgemeinen Drucks auf die G-esamtfront über. Sie brachte ihm trotz immer wiederholter höchster Krastanstrenqunq nur unwesent­liche Teilerfolge.

Wir wissen aus einer großen Reihe von Presseänßernn- gen und haben auch auf andere Weise in Erfahrung bringen können, daß gegen Ende August in den Reihen unserer Feinde, zumal der Franzosen, die Erkenntnis sich Bahn ge­brochen hatte, daß die Sommeoffensive ihr Ziel nicht erreicht habe und kaum jemals erreichen werde.

Damals drängte sich unseren Feinden die Notwendigkeit auf, dem allgemeinen Sinken der Siegeshoffnung durch eine bedeutsame Neugestaltung der Dinge entgegenzuwirken. Durch kräftigen Druck gelang es, den neuen'Feind, Rumä­nien, aus den Plan zu bringen. f

Eine Reihe von schwerwiegenden Kriegsratssitzungen fand statt. Für den Fortgang der Sommeschlacht wurden ihre Beschlüsse von einschneidender Bedeutung. Die deutsche Führung hat diese Beschlüsse und ihre Auswirkung voll er­kannt und auch ihrerseits zum Ausgangspunkt wichtiger und heilsamer Entschließungen gemacht.

Von dem Septemberkriegsrat unserer Feinde datiert die wi-^ermn völlig veränderte Taktik, welche in der Folge ein- geschlagen wurde, und die während des September auch zu einer unleugbaren Steigerung des seiirdlichen Vordrän­gens und zu verhältnismäßig bedeutenden Erfolgen geführt hat. In drei großen Anläufen, vom 3. bis 7. September, vom 12. bis 17. September und mit stärkster Anspannung und entsprecherrd bedeutsamen! Erfolge am 25. bis 27. Sep­tember, versuchte der Feind, seine neue Absicht z>u verwirk­lichen. Man muß anerkennen, daß diese neue Taktik nichts anderes bedeutet, als entschlossene, nur den veränderten Umständen entsprechend etwas abgewandelte Wiederauf­nahme der kühnen Anfcmgsabsicht: des strategischen Dnrch- bruchs, der nun wiederum die Richtung aus die Spitze des erkämpften Dreiecks bekam. Da diese Spitze nördlich der Somme, im Abschnitt zwischen Somme und Ancre, lag, so brachte der neue Plan des Septemberbeginns die endgültige Spaltung der Sommeschlacht in zwei im wesentlicAn ge­trennte Schlachten.

Die Südschlacht, im Abschnitt Braches bis Berm-an- dovillers, zeigte nach einem großen Durchbruchsversuch an der Gesamtfront von Mitte September an ein allmähliches Nachlassen der Gesamtstärke.

Trotzdem hat der Feind auch in der Südschlacht zwar nicht auf Grund eines großen operativen Gedankens, wohl aber durch eine Reihe kraftvoller Einzelstöße einen immerhin erkennbaren Geländegewinn erzielt, insbesondere in den Abschnitten zwischen Berny und Chaulnes, also an

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Gietzener Stadttheater.

Das Alter.

Klemstadtkomödie von Paul Quensek.

DieNeuheit", die uns gestern abend voraesührt wurde, hat tan! Jahre 1901 nach einem Preisausfckweiben für Stücke in säck>- üscher Mundart zu Chemnitz ihre Uraufführung erlebt. Welchen Umständen sie es zu verdanken hat, daß man sic jetzt wieder ausgrub 'undrenovierte", entzieht sich unserer Kenntnis intb unserm 23erftonibiTt3. Dieses belanglose Klein stadttdyll mag aus einer Lo- kalbühne recht gut wirken, im Spielplan unseres Stadttheaters ist es wiederum eine Niete. Daß dies kein vereinzeltes Urteil ist, konnte jeder, der Ohren hatte zu hören, aus den Gesprächen iw W-andelgange entnehmen.

Einem Stadtmusikus wird die erschütternde Weisheit beige­bracht, daß das Alter der Jugend Platz machen muß. und ein ver­wegener ^ünglmg zu der Erkenntnis geführt, daß sich in der Be­schränkung etft der Meister zeigt. Solch Exemplum zu statuieren, wurde man m eut nicht humorlos geschontes Klein st adtmilieu ver­setzt und mit einer Reihe von Nebenfiguren bekannt gemocht, die nicht neu erfmtdeu, aber teilweise reckslt glücklich behandelt sind.

Den Darstellern boten sich daher dankbare Rollen. Wilhelm Hellmuth, dem auch die Spielleitung oblag, stattete seinen Stadtmusikus mit behaglichen Zügen aus. Es gelang ihm wie fast immer erne typisch empfundene Gestalt. Adolf Falken als scm Sohn bot eme brave Leistung. Prachtvoll in Maske und Sprel war der Kantor, den Max Wesolowski verkörperte. Der Künstler bleutet für unsere Bülme entschieden einen Ge- wrmr. Eine so klug durchdachte Gestalt hoben tvir seit langem hrer nicht mehr erlebt. Elli D ornhöfer hat ein Spiel,' bei dem man nicht recht warm werden kann. Martha G e r s d o r f f füllte ihren Platz als unsentimentale Großstädterin recht gut aus E Helene Kall mar verstand sich auch diesmal wieder auf ein sympathisches Spiel. Kleinere Rollen wurden in großer Zahl vergeben und boten tellweise Gelegenheit zu geschickter Skiz- ziernng.

-Dt« Uranfführnngeines Heine-Stückes. AuS Magdeburg wird uns geschrieben: In jenen ersten Tagen der Stafrcximimsetl, in betrat der junge Ruhm Heinrich Heines auszuleuchten begann und die berühmteste Koloratursängerin ihrer Zett, Angettca Eatalani, Triumph über Trinmpb feierte, führen Wtfl Sxrnurrat Stern und Adolf Steinmann, die Verfasser des am ^. Magdeburg aus der Taufe gehobenen Heine Aückes: ,,StudrosuS Hein e", ein Bild aus .Heines Göt­tinger Studentenzeit. Die Möglichkeit eines Zusammentreffens-

der Südecke des Dreiecks. Von einem weiteren Ausbau dieser. Erfolge hat er, jedenfalls infolge der bereits erllittenen Verluste, Abstand nehmen müssen.

Dafür verlegten unsere Feinde die Wucht ihrer gemein­samen Angriffe ganz unverkennbar in den Nordabschnitt zwischen Somme und Ancre, und hier ist es ihnen gelungen, bas erkämpfte Dreieck nicht unerheblich zu erweitern.

Den Höhepunkt ihrer Anspannung und ihres Erfolges bedeutet die Schlacht des 25. bis 27. September, welche den Feinden die Ortschaften Gueudeconrt und Ranconrt und das gesamte zwischen ihnen liegende Gelände, eingeschlossen die größere Ortschaft Combles, eintrug. Das Ziel ihrer un­erhörten Anstrengung aber, den strategischen Durchbruch an der Spitze des Dreiecks, haben sie auch in dem unvorstellbar gewaltigen und mörderischen Ringen des September nicht erreicht. Das beweist ein Blick auf die Karte der Lage zu Ende September: Das Dreieck, welches zu Beginn des Sep­tember mit der Spitze bei Longuevät im wesentlichen im Sinne der Hauptangriffsrichtung lag und so die feindliche Anfangsabsicht des strategischen Durchbruchs wenigstens in der Anlage verkörperte, hat sich nach der gescheiterten Wie­deraufnahme dieser Anfangsabsicht im Lauf des September zu einem flachen Bogen verwandelt. Das feindliche Ziel konnte also nur in den Schenkeln des Dreiecks in stärkerem Maße erreicht werden. Gercttx da, wohin die Gesamtrich­tung des Angriffs zielte, nämlich an der Spitze, ist der Feind nicht nennenswert vorwärts gekommen.

Der vierte Abschnitt, der im wesentlichen mit denr Oktobermonat zusammensällt, hat eine ununterbrochene Fortsetzung der feindlichen Angrisfstätigkeit auf der ganzen Front gebracht. Auch in diesem Zeitraum ballte der Feind seine Kräfte in Zwischenräumen von jetzt nur etwa fünf Tagen zu gewaltigen Angriffshandlnngen,Großkampf­tagen", zusammen, ohne daß in den Pausen der feindliche Ansturm völlig ansgesetzt hätte.

Aber diese gesamte, ununterbrochene und höchst gestei­gerte Anspannung hat dem Feinde im Oktober nur örtliche, auf Karten kleineren MaßstabeS überhaupt unerkennbare Fortschritte gebracht. Der Ausbau der deutschen Wider­standskraft hat nämlich seit dem kritischen 25. September derartige Fortschritte gemacht, daß wir heute dem' Feinde in einer Stärke gegenüberstehen, welche seine zahlenmäßige Ueberlegenheit zum mindesten durch den höheren Kampswert unserer Truppen aller beteiligten Waffengattungen aus­gleicht.

Dieser Stand der Dinge zu Ende Oktober beweist un­widerleglich, daß es der verbündeten Heeresmacht Englands und Frankreichs nicht gelungen ist, den an der Somme gebundenen Bruchteil der deutschen Streitkräfte zu zerreiben und damit unsere Westfront zu erschüttern. Das ist die Ant­wort der deutschen Sommekämpfer auf das eine der neuer­dings verkündeten schon erheblich eingeschränkten Ziele der feindlichen Sommeosfensive.

Die zweite dieser bescheidener gewordenen Fragen an das Schicksal war: wird es gelingen, soviel feindliche Kräfte zu binden, daß Deutschland wenigstens außerstande ist, seirren tapferen Bundesgenossen im Südosten Europas ge- nügetrd Hilfskräfte zur Verfügung zu stellen, um sie z-nr Abwehr oder gar zur Niederzwingung des neuen Balkan­gegners instand zu setzen?

Vom Eintritt dieses neuen Verbündeten hatte sich die Entente eine entsprechende Wendung der Lage auf der ge­samten Ost- und Südostfront versprochen. Hatte sie uns bisher an beiden Fronten unerschütterlich gefunden, so glaubte sie mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß das bisherige Gleichgewicht der Kräfte an der Ostfront durch Hinzutritt Runräniens endgültig zu ihren Gunsten verscho­ben werden würde, während die Wiederaufnahme der Sommeosfensive es uns unmöglich machen sollte, diese Ver­schiebung auszugleichen. Was im Westen bisher mißlungen war, sollte nun im Osten glücken.

Und wie ist's geworden? Auf diese Frage war die Ant­wort: wir haben die Westfront unerschütterlich gehalten und trotzdem genügend Kräfte freimachen können, um nicht nur den russischen Massenansturni zum Stehen zu bringen, sondern auch dem neuen Feind seinen tückisch errasften Gewinn aus dem Rachen zu reißen und die Bulgaren bei Rückeroberung des räuberisch ihnen ab gepreßten Landes am Donaudelta zu unterstützen. Schon fiitb die Eingangs­pforten zum Herzen Rumäniens, die Balkanpässe, in un­serer Hand. Der Plan unserer Feinde, mit Rumäniens Hilfe unsere Verbündeten inr Südosten einen nach dem andern zu vernichten, unsere Verbindungen mit Konstanti­nopel zu durchreißen, die Osmaneuhauptstadt in ihre Hände zu bringen und damit die schmerzlich entbehrte Einheit unserer Einkreisung herzustellen, ist gescheitert.

Auf die zweite Schicksalsfrage der Entente tautet unsere bisherige Antwort: die eroberte Dobrndscha, das befreite Siebenbürgen.

Starke und Verluste üer feindlichen Mächte.

Generalleutnant z. D. H. Rohne erwähnt in derVoss. Ztg." eine Uebersicht über die Stärke der im gegenwärtigen Kriege ausgestellten Heere, die nach dem Londoner ^Journal os the Union of Dcmocratic Control" die in New Pork erscheinende Wochenschrift Independent" gebracht hatte. Es ist darin angegeben, was irrt Juni 1915 verfügbar war, rvas seitdem bis Ende 1915 hinzu­getreten ist und welche Verluste die Armeen erlitten haben. Tie Vertu stzifsern umfassen die Zahl der Gefallenen und Vermißten, erhöht um 20 v. H. der Verwundeten, die voraussichtlich nicht wieder diensttauglich werden und 5 v. H. als an Krankheit verstor­ben oder dauernd dienstunbrauchbar geworden.

Danach waren im Juni 1915

verfügbar neu hinzugetreten zusammen in Rußland 6 200 000 3 200 000 9 400 000 Mann

Frankreich 3 600 000 750 000 4 350 000 ,

England 1500 000 1400 000 2 900 000

Italien *1400 000 500 000 1 900000

so daß der Vierverband nicht weniger als 18 520 000

ans die Beine gebracht hat, wobei Belgien, Serbien und Monte­negro nicht berücksichtigt sind von Japan ganz zu schweigen.

Tie Verlust e sind angegeben:

für Rußland mit 2 940 000 Mann

Frankreich. 1560 000

England 347 000

Italien 220 000

Diese trockenen Zahlen erhalten ihre Bedeutung erst, wenn man sie mit der Größe der Bevölkerung vergleicht. Nach dem Stattsti­schen Jahrbuch für das Deutsche Reich vom Jahre 1915 bettug die Bevölkerung in den Jahren 1910 oder 1911:

in Rußland rund 106 000 000 Köpfe

Frankreich! 40 000 000

England 46 000 000

Italien 35 000 000 >,

Hiernach beträgt die Stärkederaufgest eilten Heere im Verhältnis zur Bevölkerung:

8,9 v. $. io,8;/ 6,3

°/5,,

in Rußland Frankreich England Italien

Frankreich hat weitaus die im Verhältnis zu ferner Bevölke­rung 'stärkste Armee aufgebracht: wie erschöpft es aber ist, zeigt die geringe Ziffer des Nachschubes 750 000 Mann.

Tic Verluste betragen für:

Rußland 31,3 v. H. der Heevesstärke. 2,7 v. H. der Bevölkerung

Frankreich 36,3 3,9.

England 12,0 0,6

Italien 11,6 ., 0,6

England hat es, wie immer, verstanden, den von ihm geschürten Krieg hauptsächlich von anderen führen zu lassen. Das tritt in, 'wesen Zahlen iuxf> nicht so in die Erscheinung, wie es wirklich der Fall ist; denn ein sehr großer Teil seiner Verluste betrifft die nt der Bevölkerungsziffer nicht ettthaltenen Farbigen.

Heines mit der berühmten Sängettn, von dem die Lebensge-, schichte des Dichters freilich nichts zu erzählen weiß, haben die Verfasser zu einem Sttmmnngsstückchen verarbeitet, dein seiner Eigenart wegen der Erfolg nicht versagt bleiben wird. Infolge eines Postunfalles hat die berühmte Sängerin unweit Göttingens in der Wittsäwft für Landwehr unfreiwilligen Ansentl>alt. Göt­tinger Studenten, unter ihnen Heine, suchen sie zu trösten, und während Heines Freunde ihren Wagen und Gepäck bergen, spinnen sich zwischen ihr und Heine zarte Fäden-an. Den Stunden harmo­nischen Glücks, die Heine genießen durste, folgen schwere Schick­salsschläge. Seine Weigerung, das Dichter! aufzugeben und nur noch der Jurisprudenz zu leben, fühtt zum Bruch mit seiner Familie, fern Ehrenhandel mit dem Studenten Wiebel aus Eutin kommt aus ihm unbegreifliche Weise zirr Kenntnis des Senats, der ihn wegen Ueberttttung des Duellverbotes regiert. Um sich selbst wiederznflndan, rüstet er sich zu seiner Harzreise, nach herz- licknm Abschied von den Freunden begegnet ihm noch einmal die Catalani. Aus ihrem Munde erfähtt er, daß sie selbst die An­zeige an den Senat erstattet hatte, nicht ans egoisttschen Gründen, sondern wml sie einen Hauch seines Dichtcrgeistes verspürte und nicht wollte, daß sein Leben vielleicht im Duell sein Ziel fände Um ihn für Deutschlands Dichterparnaß zu erlitten, tat sie diesen Lchrrtt, für den sie von Herne Verzeflstrng erhält, und versöhnt sckieiden sie von cinmider. Die Verfasser haben mit Geschick einen Ausschnitt mrs Heines Leben leberrdig zu gestalten vermocht. Auch die anheimelnden Episoden aus der Biedermeierzeit, die durch allerhand charakteristische Stteislichter ans dem Göttinger Pro­fessoren- und Studentenleben ausgchellt und obendrein durch Heines Persönlichkeit noch anziehender gemacht werden, dürften dem Drama, das über das Niveau eines guten Unterhaltungsstückes gar nicht hinausgreifen will, überall eine gute Llufnahme sichern. Die Aufführung am Stadttheater, urtter Tischlers Leitting glanzvoll inszeniert, errang infolge der ausgezeichneten Darstellung des jungen Heine durch Ludwig Christ und der vornehmen Ge­staltung der Catalani duvch Else Lüders einen vollen Erfolg.

Berliner Theaterbrief: Berliner Urauf­führung eines Sternheim-Klinger Dramas. Aus Berlin wird uns geschrieben: Tic am Montag erfolgte Ur- Qlsführnng pes Kl inger scheu DrarnasDas leidende Weib" in der Bearbeitmrg von Carl S t e r n h c i m inr Berliner Deutschen Theater kamr aus eine Vorgeschichte von fast drerviertel Jahren zurückblicken. Vor diesem Zeitraum stand das Stück noch unter dein Verbot der Zensur und konnte daher nur in einer einmaligen, stteng gesckiilofsenen Vorstellung vor gcladeneni Publikum gegeben werdet!. Llber die Theaterzensur bewies, daß au.ch sie unter Umständen ihre Strenge zu mildern vermag, und ermög­lichte so die Ausnahme des Werkes in Reinl)ardtsDeutschen

Zyllus". Ter Zeüpunkt mag gerade jetzt gewählt worden sein, um den vor kurzem anfgefühttenSoldaten" von Lenz ein Werk seines Zeitgenossen und Freundes Friedrich Maximilian Klrnger folgen^zu lassen. Mlerdings ist es nur noch teilweise ein Klinger- sches Stück, da Carl Sternheim sich nicht mit einer Neueinrichtung begnügte, sondern eine inodern inspittette Umdichttmg schrieb. Während Klinger sich gegen die literarisirende lobe seiner Zeit wandte und die Leiden der Frau von der gekünstelten Att ihrer Männer herleitete, greift Sttrnheim die Einzelheiten der Diplo­maten gattin heraus, dis unter den Einflüssen der wirren Sttmmiung der Krtegszeit einer jäh anflcnchtenden Liebe zum Opfer fallt. Das Stück hat viele starke Momente und ist auch sprachlich oft vvn reizvoller Eigenatt, ohne jedoch über die Kluft hrwwegzukommen, die sich in jeder Beziehimg zwischen Klinger und Sternheim anftnt. Sternheim verzichtet diesmal auf seine scharfe Irottte, die sein Bestes ist, um mehrfach in Sentimentalitäten zu gleiten, aus denen er dann wieder in dichterisch vettiesten Momenten heraus­fällt. Dementsprechend sind die Iiollen ziemlich schviettg und zer­splittert geworden, mit einenr jähen Wechsel vmr Tivaterhaftem^ und Menschlichem. Die beste Leistung des Abends ist Lutte Höf­lich als Frau des Gesandten, die nttt außervrdentlick-em Takt über verschiedene Schrviettgkeiten 'hinwegkommt und den Mittelpunkt bildet, dem die einzelnen Szenen des Stückes itnmer wieder in stadem Lochnmng znsttömen. Bruno Decarli hielt die schwierige Gestalt des Gttandten aufrecht, und Gtnard von Winterstesu war stark und natürlich wie immer in der Gestalt ttnes derbgernüt- vollen preußischen Ofsiziers. Paul H a r t m a n n sprach den sungcn Liebhaber und Kriegshelden nttt glücklicher Wärme, ohne in die Gefahr ernes falschen Pathos zu verfallen. , B.

s Weihnacht s Märchenbuch dar Alliierten.

5- ie . tcr J eT j-! sind wieder einmal am Werk, um ihre würdige Ernigkelt und Einheitlichkeit zu beweisen. Trotzdem diese neue ge­meinschaftliche HQtdlUng der gegen uns Verbündete Mächte unter Führung Englands vorberettet und untertwmmen wird, handelt es sich dresnial um keine Fttndseligkeit, sondern der Mntechslung halber um ttn Eigenlob. Me derGanlois" mitzutttlen loeiß, bereitet nämlich ein Londoner Verlag für die kommenden Wcil)-- nachten ein sog.Märchenbuch der Alliietten" vor. Diese Märchen werden von dem englischen Schriftsteller Edmund Gosse aus den Sagem der alliierten Völker gewählt, die Jllusttattonen fühtt der englische Zttchner Atthur Rackhan auS. Jede alliitntte Natton wird durch ttn Märck>en vettrtten fein, das die edle Rttnheit und die hoben Werte der betreffenden Natton unwiderleglich dartun soll Es ist nicht zu leugnen, daß diese Idee der Propaganda orichnell ist und sicherlich wird das Buch sttne Reize habeu, da die Mliietten und ganz besonders England, sich ja beßannttich ausgezeichnet auf Märchendichttingen verstehen!