Kr. 265
3,'cv öte&eiKr AnzeL-rr erscheint täglich, a»lßer Sonntags. - Beilagen: Giehener Kamllienblütler; Kreisblctt
für den Kreis Gietzen.
Bcjugsprcis: monatl. 90 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.65: durch Abhole« \u Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch die Post Dlk.2.45 viertel- jährl. arcsschl. Bestellg. Fernsprech - Anschlüsse: für dieSchristlcitung112 Verlag,Geschcütsstelle51 Anschrist fürDrahtnach« richten. Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt
lbb. Zahrgang
Postscheckkonto: Zranffurt a.M. U686
Freitag, fü. November (W
Bankverkehr: Gewerbebank Gießen
3willingsrunddruü ».Verlag: Brühl', che Unio.-Vuch- u.Steindruckerei «.Lange. Schristleitung. Seschästsstelle v. Druckerei: Schulstr.7.
^ nnaknne
Tagesnummer
von Anz^.
die
zrnn Nachmittag vorhe . oeilenpreir, i. Anzeigen: örtlich 20 Pf., Vermietungen u. Stellengesuche 15Pf., ansivurts 25 Pf., b. Plahvorschnst 30 Pf., Reklamen 75 Pf., bei Plahvorschrist 90 Pf. Hauptschriftleiter: Aug. (Soet}. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. Goetz. Stadt und Land, Perm ischtesmGe- richtssaal: Fr. R. Zenz. Anzeigenteil: v. Beck,
sämtlich in Gießen.
rkanzler über Vergangenheit mb
(WTB.) Großes Hauptquartier, Y.November. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Angriffsabsichten der Engländer und Franzosen zwljchen Le Sars und Bouchavesnes. sowie südlich d e r S o m m e bei P r e s s o i r e erstickten fast durchweg schon im Sperrfeuer.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
An der Front beiderseits der Bahn Zloczow — Tar- n o p o l lebte der Feuerkampf wesentlich auf.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Im nördlichen Gyergvo-Gebirge wurden russische Angriffe abgeschlagen. BeiBelbor und imTöl- gyes-Abschnitt warfen frische deutsche Angriffe die vorgegangenen Russen zurück.
Südöstlich des Roten- Turm-Passes wurde in Fortsetzung unseres Angriffes der B a i e st i - A b s ch n i t t überschritten und Sa rd o l u mit den beiderseits anschließenden Höhenstellungen genommen. Wir haben etwa 150 Gesa n g e n e gemacht und zwei Geschütze erbeutet. Rumänische Angriffe hatten hier ebenso wenig Erfolg wie im Predeal-Abschnitt und im Vulkan-Gebirge.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
In der nö rd l ich e n Do b rud sch a wichen vorgeschobene Aufklärungsabteilungen befehlsgemäß dem Kampf mit
feindlicher Infanterie aus.
Mazedonische Front.
Kein Ereignis von besonderer Bedeutung.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
Der Reichskanzler hat seine gestern angekündigte !Rede im Hauptausschuß des Reichstags gehalten, und wir sehen über die Ziele unserer amtlichen Politik etwas klarer als zuvor. Zwar hat Herr v. Bethmann Hollweg sich spröde davon zurückgehalten, sich an die Deutschen, an das deutsche Volk selbst, zu wenden, um Mißverständnisse zu beseitigen und neues Vertrauen zu sammeln. Wir haben aufs neue erfahren, daß unser jetziger Kanzler eine herbe, strenge Natur .ist, die es sich versagt, alle Mittel diplomatischer Kunst zu
> gebrauchen, um seine Zwecke zu fördern und seine Stellung zu festigen. Wenn uns dies hin und wieder auch als ein
Mangel erscheinen will, so ist das persönliche Gepräge des Mannes uns doch sympathisch, der entschieden und pflichtbewußt seine großen Aufgaben im Auge behält und einen ; festen Willen bekundet, auch seinerseits am Steuer des Reiches : durchzuhalten. Was ihm an einschmeichelnden Künsten fehlt, .um sich die Volksgunst zu erringen, das ersetzt er durch eine (im Kerne volkstümliche Politik. Wie vielen, die heute trauern , und sorgen, rückt er nahe durch die wieder von ihm besonders ^unterstrichene Erklärung, daß das deutsche Volk diesen Krieg als Verteidigungskrieg zur Sicherung seines nqtionalen Da- fferns und seiner freien Torentwicklung führt. Wenn er hin- iZustrgt. daß anders diese Riesenentfaltung von Opfermut und Riesenkräften im deutschen Volke auch garnicht zu erklären sei, so tasten wir Hierbei wohl auch an eine Haupttriebfeder seines Wollens, seiner Taktik. Wir fühlen in seiner Rede ein vorsichtiges Abtasten aller noch unscheinbaren und lichwankenden Möglichkeiten, aus dieser Riesenwirrnis von Haß und Weltunordnung wieder auf eine einigermaßen gangbare Straße zu gelangen. Und so vermeidet er alle starken Wünsche 'und Forderungen, so knüpft er klug an Sir Eduard Grehs Bemerkung an, in der es heißt, „wenn es wahr »wäre, daß der Krieg Deutschland anfgezwungen worden sei, .dann sei es nur logisch, wenn Deutschland Sicherheiten gegen -einen künftigen Angriff verlange". Durch klare, eindrucksvolle
> Zusammenstellung der Tatsachen, die den Kriegserklärungen ,vorausgingen, hat er danach den Deutschen einen neuen, .großen Dienst getan. Freilich, ob Grey sich überzeugen ,lassen will, ob ehrlicher Friedenswille bei unserem schlimmsten Gegner auch nur schüchtern in die Erscheinung getreten itffc, ob überhaupt nicht die im Kriege erworbenen Mach trist eil ungen ganz überwiegend dem Friedensschlnß und
, dessen Zeitpunkt gebären werden, während die Untersuchun- ,geii der Ursachen des Krieges nach dieser Richtung praktisch -nur eine höchst bescheidene Rolle spielen Urtxmx, das ist »etne andere Frage. Ein Redner der Konservativen hat dies <iuch rn der folgenden Aussprache zum Ausdruck gebracht. Wrchtrger als die Streifzüge in die Vergangenheit gvaren die Ankündigungen des Kanzlers, die er in bezug ans me Zukunft gemacht hat. Von den deutschen Kriegszielen * allgeünin und in der bereits charakterisier
ten höchst vorsichtigen Art gesprochen. Die Antwort auf die ,gestern hier besprochenen Scheidemannschen Ausführungen
ist er schuldig geblieben. Nur eine der Streitfragen hat er mit dem Namen genannt: Belgien. Und er erklärte: wir wollen keine Annexion dieses Landes. Daß er dabei die früher von ihm im Reichstag verlangten Garantien diesmal gar nicht erwähnt hat, entspricht seiner Taktik, die Friedensmöglichkeiten vorsichtig zu prüfen und abzutasten. Welcher Wille dahinter steht, bleibt uns nach! wie vor verborgen. Nur die Vermutung ruckt näher, daß durch solche vorsichtige Behandlung der Dinge die entfernte Möglichkeit einer friedlichen Auseinandersetzung mit England nicht verschüttet werden soll. So war denn auch die ganze Rede des Reichskanzlers auf eine Unterhaltung mit dem Vertreter Englands eingestellt. Die Rede Greys, der ja auch maßvoller und im Tone sanfter gesprochen hatte, als ferne Minrsterkollegen, lieferte dem Reichskanzler die Ge- legenheit, toieber einmal den Friedenswillen Deutschlands zu betonen, freilich in der Einschränkung, daß wir unsere Sieges fruchte nicht gegen faule Ware eintauschen. Grey mußte eine Antwort haben, und dieses diplomatische Ballspiel zwischen hüben und drüben ist nur etwas Unverbindliches, nicht einmal viel Erfolg Versprechendes, und unsere gegen England ausgebrachten und glühenden Gemüter brauchen daran keinen besonderen Anstoß zu nehmen. Denn das Mißtrauen unserer Regierung gegenüber dem Jnselreich kann ja nicht eingeschlafen sein, und Herr v. Bethmann Hollweg hat Sir Grey nicht nur wieder unverblümt wissen lassen, daß England als Anstifter die Hauptschuld am Kriege trifft, sondern er hat auch in das Gesäusel des britischen Ministers vorn Weltfrieden der Zukiinft die stärksten Zweifel gesetzt. Gleichwohl, die Möglichkeiten, künftig Kriege zu vermeiden, dürfen nicht von der Hand gewiesen werden. Mit beredter Hervorhebung des Willens der gesamten Menschheit nach späterer Einschränkung und Beseitiguna der Kriegsgefahren hat Herr v. Bethmann Hollweg die Mitwirkung Deutschlands zngesagt an alleii Versuchen, die diesem Ziele näher führen können. Er sagte dies mit einigeii kräftigen Besenschlägen auf den englischen Wolf im Schafspelz. „Die internationale Friedensbürgschaft, die Grey vorschreibt, scheint mir überhaupt, einen eigenartigen auf die speziellen Wünsche Englands zugeschnittenen Charakter zu haben." Eine neue „englische Weltordnung" lehnte der Reichskanzler ab. Mit wirksamen Zügen steUte er noch einmal das Bild von den Machtgelüsten zusammen, die von unseren Gegnern noch bis in die letzte Zeit hinein offenbart worden sind. Und Herr von Bethmann Hollweg begegnet dem jungst an dieser Stelle erörterten Delbrückschen Gedanken von realpolitischem Pazifismus: „Die ersteVorbedin- 9.u n g für eine freie Entwickelung der internationalen Be Ziehungen auf dem Wege des Schiedsgerichtes und des friedlichen Ausgleichs entgegenstehender Gegensätze wäre, daß sich
reineaggresiveKoalition mehrbildet. Deutschland ist jederzeit bereit, einem Völkerbunde beizutreten, ja, )ich an die Spitze eines Völkerbundes zu stellen, der Friedensstörer im Zaume hält." Diese Bereitschafterklärung ist nicht zu tadeln. Wir dürfen an der Theorie mcht zugrunde gehen, urid wir werden ja sehen, ob das Weltall nach dem großen Kriege das Kapitel von Englands Anmaßung, Weltherrschaftstraum und Fäulnis im Kerne richtig verstanden haben wird.
Bemerkenswert war, daß nach der Rede des Kanzlers die Vertreter aller Parteien poch kräftiger die Bedingungen unterstrichen, unter denen Friede geschlossen werden könne, als der Reichskanzler selbst. Der „Vorwärts" aber hört, wie uns ein Telegramm aus Berlin berichtet, in der Rede des Reichskanzlers schon „dre Schwingen der Zukunft rauschen, ftdie uns das Ende der Kriegsschrecken bringen wird".
Line Rede des Reichskanzlers.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 9. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. November 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
Südlich und südöstlich des S z u r d u k - P a s s e s blieben rumänische Angriffe abermals erfolglos. Bei S p i n i machten wir weitere Fortschritte. 150 Gefangene und zwei Geschütze wurden eingebracht. Westlich von Tölgyes und bei Belbor wurden die hier uorgegangenen Russen durch deutsche Truppen wieder geworfen.
Heeresfront des Gencralfeldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern.
Außer lebhafter Feuertätigkeit an der Front beiderseits der Bahn Zloczow — Tarnopol keine Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der Bojusa stelkenweist mäßiges Artitteriesener.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs
v. Hofer, Feldrriarschalle»tnant.
Berlin, 9.Nov. In der heutigen Sitzung des Haupt- ausschusses des Reichstages ergriff der Reichskanz- L er r r öon Bethmann Hollweg das Wort zu folgenden Ausführungen:
Meine Herren! Der Gang der Reichstagsverhandlungen hat cs mir nicht ermöglicht, noch im Plenum das Wort zu Ausführungen allgemeiner politischer Art zu ergreifen. Ich glaube aber der Bedeutung, welche ich auf diese Ausführungen lege, vollkommen gerecht zu werden, wenn ich sie vor dem Forum des Hauptausschusses mache und habe deshalb Ihren Herrii Vorsitzenden um die Anberaumung der heutigen Sitzung gebeten.
v« r & e *?en! Der Kern der eingehenden Besprechungen,
welche hier rm Hauptausschus; in allen vergangenen Wochen geführt worden sind, tft schließlich -immer die Frage nach dem Fortgang und der Beendigung des Krieges gewesen. Bei unseren Feinden ist in der Regel nur von der Fortsetzung des Krieges die Rede. Auck Lord Grey hat davon in seiner letzten Rede vor dem Auslands- P reffe verein gesprochen. Der englische Minister hat dabei ein Wort ausgesprochen, das festgehalten zu werden verdient. Er sagte: Man tonne mcht oft genug aus den Ursprung des Krieges zurückkommen, denn die}er Ursprung sei von Einfluß aus die Friedensbedingungen) Wenn es wahr wäre, daß der Krieg Deutschland aufgezwungen worden sn, dann se-i es nur logisch, wenn Deutschland Sicherheiten, gegen einen künftigen Angriff verlange. Das ist ein immerhin) bemerkenswertes Eingeständnis. Natürlich folgte alsbald die Behauptung, das Gegenteil der deutschen Darstellung von dem Ursprung des Krieges sei richtig. Nicht Deutschland sei der Krieg auf- gezwungen worden, sondern Deutschland habe Europa den Krieg ausgenötigt. Bei der grundlegenden Wichtigkeit, die Lord Grey neuerdings dieser Frage auch für die Friedensbedingungen wieder beiMitzt und die wir «ihr immer beigemessen haben, bin ich genötigt, den Tatbestand wieder einmal festzustellen und die Einwände zu zerstreuen mit denen unsere Gegner den Sachverhalt zu verschleiern suchen. Ihnen gegenüber, meine Herren, kann ich dabei allerdings nur Bekanntes wiederholen. .
Der Akt der den Krieg unvermeidlich machte, war die russische Generalmobiltnachung, die in der Nacht vom 30. auf den 31 Juli 1914 Meordnet wurde. Rußland, England, Frankreich und die gange Welt wußten, daß dreier Schritt uns ein lcftrgeres Zuwarten unmöglich machen mußte, daß dieser Schritt gleichbedeutend mit der Kriegserklärung war. In der ganzen Welt, auch in Enaland, oANunt man sich über die verhängnisvolle Bedeutung der russischen Mobilmachung klar zu werden. Die Wahrheit bricht sich Bahn Ein chiglischetr Gelehrter von Weltruf hat vor einiger Zeit gesagt: „Viel ^eute würden anders über das Krieg-sende denken, wenn sie üftenj Den Kriegsanfang besser Bcsschchd wüßten, besonders übn obwTM- bestand der russischen Mobilmachung."
„.Hin Wunder, wenn Lord Grey bei seiner neuen Rede an der russischen Mobilmachung nicht Vorbeigehen konnte, er sah sich gezwungen, von der russischen Mobilmachung zü sprechen. Er konnte mcht mehr bestreiten, daß die russische Mobilmachung der deutschen und der osteneichischen Mobilmachung voranging. Aber da er die Schuld am Kriege von der Entente abwälzen will, macht er den gewagten Versuch, durch die ganz neue Lesart die russische Mobilmachung als das Werk Deutschlands hinzustellen. Lord Grey hat ausgesührt: Rußland hat erst mobil gemacht, nachdem in Deutschland ern Bericht erschienen war, daß Deutschland die Mobilmachung befohlen habe und nachdem dieser Bericht nach Petersburg telegraphiert worden sei. Unter Hinweis aus die angebliche Fälschung der Evkser Depesche von 1870 fügte er hinzu, daß in dem von uns gewählten Augenblick ein Manöver gemacht worden sei, um einen anderen zu einer Verteidigungsmaßnahme zu provozieren und daß dann diese Verteidigungsmaßnahme von uns mit einem Ultimatum beantwortet sei, das den Krieg unvermeidlich gemacht habe.
Es hat 214 Jahre gedauert, bis Lord Grey auf diese falsche Lesart der Kriegserklärung gekommen ist. Der Vorgang, auf den er anspielt, ist bekannt. Das Dokument, das seiner Beweisführung zugrunde liegt, ist ein Extrablatt des „Berliner Lokal-Anzeigers" ™ r? ie Herren erinnern sich vielleicht, daß am Donnerstag, den 30 ^ulr1914 in den früheren Nachmittagsstunden der „Berliner Lokal-Anzeiger" in Form eines Extrablattes die Falschmeldung herausgab, daß Seine Majestät der Kaiser die Mobilmachung befohlen habe. Die Herren wissen auch, daß aus der SteNe der'Verkauf dieses Extrablattes polizeilich verhindert und die vorhandenen' Exemplare beschlagnahmt worden sind.
Ich ließ alsbald den russischen Botschafter und alle übrigen Botsckwfter telepbonisch davon unterrichten, daß die von dem „Berliner Lokal-Anzeiger" ausgegebene Nachricht falsch sei. und wurde außerdem alsbald von der Redaktion des „Berliner Lokal-Anzeigers" unterrichtet, daß ein Versehen vorlag.
, Ich kann weiter feststellen, daß der russische Botschafter zwar sofort nach Ausgabe des Extrablattes eine chiffrierte Meldung nach Petersburg telegraphiert hatte, die nach dem russischen Orangebuch lautete: „Ich erfahre, daß die Mobilmachungsordre ür das Lairdheer und die deutsche Flotte soeben verkündigt worden ist," daß aber diesem Telegramm nach der telephonischen Aufklärung durch den Staatssekretär von Iagow ein zweites in offener Sprache folgte, das lautete: „Ich bäte mein letztes Telegramm als nichtig zu betrachten. Llufklärung folgt." Wenige Minuten darauf sandte der russische Botschafter in chifsrrerter Sprache ein drittes Telegramm, das nach dem russischen Orangebuch besagte, der Minister des Auswärtigen habe ihm soeben in diesem Llngenblick telephoniert, daß die Nachricht von der Mobilmachung des Heeres und der Flotte falsch ist, und daß die betreffenden Extrablätter beschlagnahint worden seien.
Das sofortige Eingreifen des Staatssekretärs von Iagow zur Richtigstellung der falschen Meldung — ein Eingreifen, das in dem offiziellen russischen OrangeLuch in dem Telegramm des Botschafters Sverbiew bestätigt wird — widerlegt allein schon die Behauptung Lord Greys, daß tvir Rußland absichtlich hätten täuschen wollen, um es zur Mobilmachung zu veranlassen. Ich kann aber auch feststellen, daß nach den Erhebungen der Patferftdjat Postverwaltung über die Abgangszeit der drei Telegramme deS russischen Botschafters, diese nahezu gleichzeitig in Petersburg angekommen sein müssen. Die russische Regierung kann sich also imr einen kurzen Augenblick in dem irrigen Glauben beftutden haben, daß in Deutsckstand die allgemeine Mobilmackmng angeordnet worden sei. Jedenfalls war die Riehtigstellung der Falschmeldung bereits erfolgt, ehe die »russische Regierung ihrerseits die allgemeine Mobilinachung Mwrdnete. Meine Herren! Wir haben kem Tribunal zu scheuen!


