Ausgabe 
9.11.1916 Erstes Blatt
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Schwabe sprach ein kurzes EnnsMrgKvort, in welchem er auf die großen, wachsenden Aufgaben Lei Iün-eren Mission hinwies, und die Hoffnung aussprach. daß! die Liede Christi alle Mitarbeiter be­seelen möge, uw den Aufgaben der Inneren Mission an unserem schwer innige suchten Botte gerecht zu werden. Der hieraus vom Dorfttzenden erstattete Jahresbericht gab einen kurzen lieber- blick über die geleistete Vereinsarbeit. Der Vereins geistliche, Pfarrer Memmert - Darmst-adt hat in verschiedenen Dekanaten Predigt­gottesdienste über Innere Mission abgehalten. Die Schriftenver- vr-eituttg, besonders in oberhessischen Lazaretten, hat. guten Fort­gang Mwmmen. Der Betrieb der H e r b e r g e zur Heimat in Gießen hat ourch den. Krieg wenig Störung erfahren, indem' er sich den Verhältnissen des Krieges angepaßt bat. 'Auch die Ent- Nncklung des Elconoreu ho s p iz e s zu Bad-Nauheim hat einen günstige!: Verlaus genommen. Einen kurzen Ueberblick über die Kassenverhältnisse gab sodann Fabrikant Kaufmann, hier, der von einem guten Stand der Kasse berichten konnte. Daraus hielt Direktor J). Schwel l-Friedberg den an ge kündigt du Borg ' trag über -Mas fordert die gegenwärtige Lage von der Innerem Mission?" Er stellte fest, daß der Krieg die überaus groß ge­wesene Kultur- und Menschen Vergötterung zerstört imd das reli­giöse Leben vielfach gestärkt habe. Andererseits habe der Krieg «euch bei vielen einen bedauerlichen Mangel an religiöser Erkennt­nis zutage gefördert, viele Glaubenszweifel geroeckt. und die Gleich­gültigkeit gefördert. Demgegenüber fei an der erkenntnismäßiges Begründung des Glaubens zu arbeiten, die christliche Sitte zu för­dern, die Zweifelnden zu gewinnen und allerhand Einwände abzu­wehren. Daraus ergibt sich die Aufgabe für die Innere Mission, in Wort Und Schrift für die Vertiefung christlicher Erkenntnis in populärer Weise einzutreten, z. B. durch Gemeindeblätter, reli­giöse Vorträge u. a. der Pflege des christlichen Familienlebens in weitestem Sinne ist besondere Beachtung zu schenken. Hier bringt mangelndes Gottvertrauen und Mangelnde Gottesfurcht viel sitt­lichem Schaden. -Hoffentlich wecke der Krieg auch in dieser Be­ziehung Gutes. AU der sich an den Vortrag anschließenden Aus- svrache beteiligten sich die Herren Pfarrer Fritsch, Bechtolsheim er, Prof^v. Schian, Kirchenrat D. Schlosser u. a. Am Abend fand in der Sbadtkirch? ein Llbendgottesdienst statt, in welchem Oberpfarrer Und Dekan Müller-Lauterbach predigten.

*' Zum Städtischen S e e f i s ch m a r f t sind heute noch Miesmuscheln zum Verkaui eingetroffen.

'* Ihre Goldene Hochzeit feiern am 11. November Albert Schufst und Frau, Frankfurter Straße 69.

** Herabsetzung der Preise für Hafernähr­mittel. Durch Verordnung des Reichskanzlers sind die Höchst­preise für Hafernährmittel neu geregelt worden. Gegenüber den bisherige:' Preisen bedeuten die neuen Höchstpreise eine erhebliche Verbilligung. Sie betragen im .Winverkaufe für Haferflocken, Hafergrütze und Hafermehl lose 44 Pfennig für das Pfund, für .Haierflocken und -grütze in Packungen n6 Pfennig für die 1 Pfund- Packung und für Hafermehl in Packungen 32 Pfennig für die I 3 2 Pfund-Packung. Für Hafernährmittel, die sich beim Inkraft­treten der neuen Höchstpreise bereits im Kleinhandel befinden, karnm die Landesbehörden für eine kurze llebergangszeit die er- sorderlichan Ausnahmen zulassen.

** Zum B u ch s n h r u n g s k n r s e f ü r H a n d w e r k e r - Frauen und -Töchter, den der Allgem. Deutsche Frauen­verein (Ortsgruppe Gießen) veranstaltet, ist Anineldung Freitag, 10. Nov., abends 8 Uhr, in der 2. Klasse der Mädchenschule, Nord- Anlage 14 (Eingang Dainmstraße), erforderlich.

'* Land sturm rolle. Die im Oktober 1899 geborenen Landsturmpflichtigen der Stadt Gießen müssen sich am 15. No­vember d. Js. zur Landsturmrolle melden.

"Das heutige Kreisblatt Nr. 143 enthält Bekannt­machungen über Hansschlnchtungen; Veröffentlichung von Anzeigen über die Beschäftigung von Arbeitskräften jeder Art; Lieferung von Benzol für die Landwirtschaft; Mahlkarten ; Schutz der Telegraphen­leitungen ; Regelung des Fleischverbrauchs bei Wild; Geschästs- > stunden der Gerichtsschreibereien

Landkreis Gießen.

-m. Birklar, 9. Nov. Heute früh gegen 2 Uhr brach in dem Wohnhaus des G. M ü Her ein ZImmerbrand aus, der bedenkliche Folgen hätte nach sich ziehen können, da das Wohnhaus in einer Hosreite gelegen ist, an die sich mehrere andere direkt an- schließen. Nachtwächter Wolf bemerkte das Feuer rechtzeitig, und die sofort herbeigeeilte Feuerwehr, die jetzt ausschließlich aus alteu Männern besteht, konnte des Feuers Herr werden, bevor es weiter um sich griff.

-r-. Großen-Linden, 9. Nov. Der Bäcker Wilhelm D e r n, ein Sohn des Landwirts und Bäckers Georg Dern II., Gefreiter in einem Infanterie-Regiment, wurde in den Kämpfen an der Somme mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse aus­gezeichnet. Dern rückte mit Ausbruch des Krieges ins Feld.

ll. Lang - Göns , 9. Nov. Gestern wurde von Holzheim berichtet, daß Ankäufer von Gerste usw. auch hier ihr Wesen treiben. Dies stimmt, den Landwirten wurden für den Zentner Gerste hohe Preise geboten; täglich sieht man solche Ankäufer mit Schließkörben, damit es nicht der Polizei auffallen soll. Es soll Leute darunter geben, die das Aufkäufen berufsmäßig treiben, um danut ein gutes Geschäft zu erzielen.

El Laug-Göns, 9. Nov. Wehrmann Jakob Z e i ß. 3. Landünrm-Bat., erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Zeiß diente früher beim Landw.-Rgt. 116.

b. Steinbnch, 8. Nov. Das Kriegs-Ehrenzeichen wurde hier verliehen außer an Frau Pfarrrr Köhler noch an Pfarrer Köhler, Bürgermeister Krämer und Rechner N i c o l a u s.

-m. Villingen, 9. Nov. Dem seit über einem Jahre an der Front in Galizien befindlichen Musketier Karl Ziegler wurde am 23. Okt. das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

Kreis Alsfeld.

np. O b e r - O h m e n , 9. Nov. Die beiden Söhne des hie­sigen Schmiedemeisters Peter Maurer, die in der Sommeschlacht in einer Koiupagnie kämpfen, wurden für ihre Tapferkeit mit dem Ehernen Kreuz und der Hessischen Tapserkeitsmedaille aus­gezeichnet.

3p. Ruppertenrod, 9. Nov. Dem Kanonier Adam Schott vor: hier, der in Galizien kämpft, wurde die Hessische Taplerkeitsiuedaille verliehen. Der zuletzt ans unserer Gemeinde den Heldentod erlitt, Karl Philipp, ist nicht an seiner Verwundung gestorben, sondern, wie die Mitteilung besagt, an empfangenen giftigen Gasen.

Kreis Schotten.

-irp. Aus dem Vog^el s berg, 8. November. Durch den Weltkrieg und den dadurch, hervorgerusenen Mangel an Arbeits­kräften blieb das Kalken der Ob st bäume seit 1914 ans. Jetzt findet es an den Pflanzungen der Landstraßen nieder statt. Wie ungel-euer wichtig eine zielbewußte Obstbaumpflege ist. wozu in erster Linie das Kalken der Stämme gehört, haben uns die zwei verflossenen Jahre gezeigt. Wo irgend angängig, soll sichs aber auch, der private Obstzüchter in diesen! Herbste angelegen sein lassen, nach so langer Zeit die Obststämme mit Kalk anzustreichen. Das!

' gelinde, günstige Novemberwetter läd dazu ein.

Kreis Friedberg.

~ Ans der Wetter au, 8. Nov. Die zahlreichen groß­städtischen Händler, die vor der Festsetzung der .Höchstpreise für Sveiserüben diese Frucht aus Gewinnsucht von den Laub­hütten zu Märchen preisen aufkauften. erleben au dem Handel wenig Freude. Sie haben große Mengen lagern, die sie bei der .'Ab­nahme bar bezahlten, jetzt aber *u* den voryeschriebenen Höchst­preisen veräußern müssen. Der Schaden, der diesen Herren dadurch erwächst, ist in diesem Falle sehr erheblich.

-Y Kirchgöns, 9. Nov. Gestern wurde hier durch die Polizei Frucht beschlagnahmt, welche von Leuten ans der Gegend von Siegen ansge kaust wurde.

Hessen-Nassau.

Marburg, 9. Noo. Aus Veranlassung der Landwirt- schaltskaininer für Knrhessen fand gestern mittag auf dem städtischen Viehinarktplatze die Versteigerung von 10 0 Saanen-Mntter- z i e g e n und Mutterlänunern an 'Mitglieder des Kreis-Ziegenzucht- verein^ Marburg statt. Die Preise bewegten sich zwischen 50 und llO ML. Es verblieb ein Ueüerstaud.

Frctnkfurta. M.. 9. Nov. Die Stadtverwaltung hat im Verein mit den in Frage kommenden Körperschaften während des Sommers 1916 rund 14 009 bedürftigen Kindern einen Erholungsaufenthalt lgewähren können. Hiervon fandet 4000 Kinder infolge einer Zuwendung von 50 000 Mk. seitens der Ortskrankenkasse eine Erholung außerhalb Frankfurts, besonders im Westerwald, Odenwald, dem Vogelsberg, bei Landlenten im Hunsrück und in den Soolbädern Bad Orb !und Wimpfen. Weiteren 1000 Kindern gewährte die Kriegsfürsorge unentgeltlichen Mit­tagstisch.

= Frankfurt a. M., 8. Nov. Die städtische Brotkommission hat eine Herabsetzung des Brotpreises von 69 auf 57 Pfennig für das Vierpsnndbrot beschlossen.

F. C. Wiesbaden, 8. Nov. TenereAepfel. Zwei Wiesbadener Frauen lasen iin Herbst in der Totzheimer Gemarkung jede etwa 34 Pfund Falläpfel auf. Die Polizeistrafe lautete hierfür 5 Mark, die die Schöffen heute auf 1 Mark herabsetzteu. Durch die beträchtlichen Gerichtskosten werden die Falläpfel doch noch viel teurer als der außerordentlich hohe Ladenpreis da­mals war.

Sindlingen a. M., 8. Nov. Unter Beteiligung fast aller Ortseinwohner nahm die Bürgermeisterei heute die Verlosung von 186 Hasen vor, die von der hiesigen Feldjagd angckauft waren. Um niemand zu benachteiligen, wählte man bei dem Ver­kauf der. Hasen die Form der Verlosung, eine Lösung des Hasenver­teilungsproblems, die sich aufs beste bewährte. Das Stück wurde mit 5.70 Mk. abgegeben.

Der Neubau des deutschen Familienlebens nach dem Nriege.

Darmstadt, den 8. November.

, Der Ausschuß für die Fragen der Volks Mehrung der deutschen Gesellschaft für Bevölkerungspolitik begann gestern feine Tagung über die Frage des Neubaues des deutschen Familienlebens nach dem Kriege in der Turnhalle am Woogsplatz.

Oberbürgermeister Gl äs sing erösfnete die Versammlung mit einer Begrüßung der Erschienenen und mit Dank an das G r o ßh er z o g s p aar, das durch sein Erscheinen daS Interesse für die Veranstaltung bekunde.

Unter der zahlreichen Versammlung bemerkte man u. a.: Geh. iRat Dr. Tietz, Oberlonsistorialpräsident D. Nebel. Oberbürgermeister Köhler- Worms, Generalstaatsanwalt Pree- torius, Prälat D. Dr. Flöring , Prooinzialoirektor (v>eh. Rat Feh. Hierauf ergriff Geh. Rat Dr. von G r u b e r - München das Wort über das Thema:

Der Neuaufbau nach der gesundheitlichen Seite.

Der Redner führte etwa folgendes ans: Für unsere Zukunft hängt alles davon ab, wie viele Gesunde, zeugungsfähige Menschen wir in den Frieden hinüberbringen werden. Neue Schwierigkeiten stehen der OKburten Hebung nachdem Krieg entgegen: Frauenüber­schuß und Verselbständigung der Frau. Manche merkwürdige Pläne sind schon geäußert worden. Aber unser Untergang wäre besiegelt, wenn wir mit der Einehe in ihrer heutigen strengen Form brechen wollten. Die monogame Dauerehe muß auch in Zukunft die Grund­lage unseres Familienlebens sein. Die Früheste besonders der Män­ner aus gebildeten Ständen muß unter allen Umständen geför­dert werden.

Ferner ist notwendig, daß die Konkurrenz der Frau da verschwin­det, wo ein Beruf einem Manne die Familiengründung ermög­lich!:. Besser und notwendiger als .Kinderkrippen u a. ist kws Heim der Mutter. Das bedingt bessere Wohnungsverhältnisse, För­derung der Mutter im eigenen Heim, Förderung der Familie um jeden Preis ans jede Weise. Aber auch für die Unehelichen muß gesorgt werden und besser als bisher. Für das uneheliche Kind muß der Vater nach seinem Stand und seinem Einkommen auf- kommen. t

Es ist aber auch Pflicht auf die Gesundheit der Ebe- schließenden zu achten. Zu fordern ist Herstellung von Gesund­heitsregistern. Notwendig ist vor allem die Bekämpfung der Ge­schlechtskrankheiten und zivar durch Zwangsmaßnahmen. Die Eheschließung berufstätiger Frauen soll nicht erleichtert werden. Die Mädcheuerziehnng nruß mehr die Erziehung zur Mutter als Ziel haben. Die Frau als Leiterin des Konsums ist wichtiger als die Frau als Leiterin der Produktion. Die rein wirtsäwftliche Auffassung des Lebens ist %u tief gedrungen und damit bewußte Einschränlüng der Kinderzahl, daher können nur wirtschaftliche Maßnahmen abhelfen, so ein 2lusgleich der wirtschaftlichen Lage der Kinderlosen und Kinderreichen. Erst tvenn der widersinnige Zustand beseitigt. ist, daß Kinderreichtuni als Last, ja geradezu! als Strafe erscheint, wird ein dauernder Erfolg zu erwarten sein.

(Fortsetzung folgt.)

Der neue öaralong-Zall.

London, 6. Nov. (WTB.) Die Admiralität gibt folgendes bekannt: Die deutsche Presse sucht Kapital aus einer Erzählung zu schlagen, die sie als einen zweitenB a r a l o n g"- Fall bezeichnet. Einesteils ist dabei vermutlich beabsichtigt, wieder einmal die. öffentliche Meinung Amerikas gegen England aufzu- reizen, andernteils, Gründe für einenuneingeschränkten" Tauch­bootkrieg zu schaffen. Die Tatsachen sind ganz llar. Am Morgen des 24. September 1915 fyar im weUichen Teil des Kanals 11 41" damit beschäftigt, ein englisches Handelsschiff zu ver­senken. Während es dies tat, näherte sich ein zu einciu Hilfs­schiff der Flotte umgewandelter und ausgerüsteter Handelsdampfer dem Unterseeboot und dem sinkenden Handelsschiff. Sein Cha­rakter wurde nicht sogleich erkannt, und damit das Unterseeboot nicht untcrtauche, bevor der Hilfskreuzer in Schußweite war. hißte dieser eine neutrale Flagge, eine vollkommen legi­time Kriegslist. Ms er in Schußweite war, hißte er die Kriegsflagge, wie es von allen englischen Kriegsschiffen verlangt wird. Er feuerte auf daS Unterseeboot und ve r- sen kte es. Die unmittelbare Sorge des Kommandanten nmr. die Mannsckiaft des durch das Unterseeboot versenkten englischen Han­delsdampfers zu retten, die geznmngen war, 50 Meilen von dem nächsten Hafen entfernt, in die Boote zu gehen. Ms dies getan war, näherte sich das Hilfsschisf einem dar Boote des gesunkenen Dampfers, welches zertrümmert trieb und in das zwei Ueber- lebende von der Mannschaft des Unterseebootes gelletterl waren. Diese wurden gerettet. Der Gebrauch ein'er Neutralen Flagge, um sich auf Schußweite den: Feinde zu nähern, ist ein anerkanntes Verfahren des Seekrieges und ist von den Deutsckien selbst in die­sem Kriege oft angewendet worden. TieMöve" z. B. sicherte sich ihre Opfer meist auf diese Werse. Es ist schwer zu glauben, daß irgend jemand außer einem Deutschen auf diese Tatsache die Llnllage derBrittalität" gründen würde, weil zuerst die englischen und nicht die deutschen Ueberlebenden innerhalb fünf Minuten gerettet wurden. Die ganze Anschuldigung bietet ein sehr treffendes Beispiel für die typische deutsche Sinnesart. Für die Deutschen besteht keine gegenseitige Berpftichtung. Jede Ueber- raschung oder Kriegslist seitens der Deutschen ist legitim, alles nnrd aber illegitim, wenn es gegen die Deutschen geübt wird. Tie Bc;l)auptung, daß die Admiralität Befehl gegeben habe, daß Ueberlebende von in Not beftudlichen deutschen Unterseebooten nicht gerettet werden sollen, ist eiste unbedingte Lüge, und ist ausdriicllich in der Note der englischen Regierung über denBara- long-Fall" ttmi 25. Februar 1916 widerlegt worden.

Hierzu wird dem WTB. von zuftändiger Seite geschrie­ben: Die englische Admiralität bestreitet von allen deutscher­seits ruitgeteilten Tatsachen nur eine einzige. Sie behauptet, da.ß das englische Kriegsschiff das deutsche Tauchboot nicht bei wehender amerikanischer Flagge, sondern unter eng­lischer Flagge beschossen und versenkt habe. Mgesehen hier­von bestätigt also die englische Admiralität den deutschen Bericht Punkt für Punkt durch beredtes Schweiben. Damit ist unbestritten festgestellt: Das Boot mit den beiden Ueber­lebenden lvurde absichtlich von dem englischen Kriegsschiff überfahren, um so die letzten Zeugen hinzumorden. Die beiden Ueberlebenden wurden, als dies nicht gelang, erbarmungslos ohne Hilfeleistung für die

Schwerverwnndeten in einen kleinen käfigartigen Verschlag gesperrt. Den Schwerverwnndeten warf man mit seinen noch

offenen Wunden ins Gefängnis, alles tat man, um ihn an seinen Wunden sterben zu lassen. Seine Auslieferung nach der Schweiz verweiger t e man trotz der Befiirwortung durch die Schweizer Aerzte-Kommission. Man hat alle Ver­suche des Mißhandelten vereitelt, über die amerikanische Botschaft in London an die deutsche Regierung zu berichten.

Angesichts dieser nahezu vollen Bestätigung des dent-' scheu Berichts kann die englische Admiralrtät nicht ver­langen, daß man dem deutschen Bericht in dem einen Punkt, den die Admiralität als falsch hinzustellen versucht, den Glauben versagt. Es war selbstverständlich zu erwarten, daß der Mißbrauch der amerikanischen Flagge zu einer der aranenvoltsten Taten der Seekriegsgeschichte von der eng­lischen Admiralität nicht zugegeben inerden würde. Trotzdenr bleibt der deutsche Bericht auch in diesen! Punkte wahr Dieser neueBaralong"-Fall bestätigt erneut ,daß ein Be­fehl der Admiralität besteht, nach dem Ueberlebende deutscher Tauchboote nicht, gerettet zu werden brauchen. Die englische Note vom 25. Februar 1916 hat oies nicht widerlegt, sondern nur bestritten; aber auch dies Bestreiten ist nur englischer Heuchelei möglich.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel Übermmmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Etwas mehr Rücksicht!

Gestern abend ereiFnetc sich nach Schluß der Theater-Vor­stellung ein bedauerlicher ZwisäMrfall. Ungefähr 10 Kriegsrnva- liden, die den Verlust eines Beines M beklagep haben, verließen beschwerlich das Theater. Mehrere Theaterbesucher äußerten sich unwillig darüber, daß man di^se Invaliden ausgerechnet zwei Treppen hoch auf den zweiten Rang (!) schickt. Unglücklicherweise ftcl ein Invalide infolge der Glätte des Linoleums zu Boden - Leicht hätte er sich durch unglückliches Fallen noch mehr Schaden zufügen können. Es wäre sehr am Platze, wenn die Theatevleitung den Invaliden wenigstens das Treppensteigen ersparen könnte. So anerkennensivert die Einrichtung auch ist, den Verwundeten freien Zutritt zu den Vorstellungen zu gewähren, so muß jedoch in Bezug auf Plätze etwas mehr Bedacht genommen werden. L. F.

A n m. d. Red.: So peinlich ein derartiger Anblick jeden mit­fühlenden Theaterbfiucher berühren muß, so kann doch der Theater­leitung schwerlich ein Vonourf daraus gemacht werden. Ties stellt unseres Wissens nur die Plätze zur Verfügung, Hai aber kernerlei Einfluß darauf, welchen Verwundeten von der Lazarettverw-altung die Plätze zugeteilt werden. Es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um die Lazarette zu veranlassen, der angegebenen Sachlage Rech»» nung zu tragen.

Handel.

= Grünberg, 8. Nov. IU der hiesigen Gemarkung wurde kürzlich unter der BezeichnungHessen" ein neues Bauxit- Bergwerk in Betrieb gesetzt. Besitzerin des Bergwerks ist die Firma Obermayer & Eo. in Hanau. Das Bauxit ist bekanntlich für die MuminiumIndustrie vom großer Bedeutung. Bis zum Aus­bruch des Krieges bezog Deuts chlaud die meisten Bauxite aus Frankreich. Seitdem wurden in Deutschland zahlreiche Bauxitlager erschlossen, vor allem im Bogelsberg, der Hauptfundstätte dieses wichtigen Gesteins, das sich in der Hauptsache aus den Zersetzungs­produkten d es tiefstehend en Basaltgebrrges zusamm en setzt.

Meteorologische veodachtungen der Station Gietzen.

Nov.

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Höchste Temperatur am 7. bis 8. Nov. ISIS: ch- 12,2' C. Niedrigste 7. 8. , 1916: ch- 7,8 0 C.

Niederschlag 1,0 mm.

Letzte Nachrichten.

Fiiianzsürgen im Vierverband.

Amsterdam, 9. Nov. Wie aus London gemeldet wird, beabsichttgen die Alliierten demnächst eine neue Konferenz abzu- halten, die wahrscheinlich in London stattftnden und sich mir mit Finanz fragen beschäftigen wird. Die Beschaffung der .Gelder für die Kriegführung und die Bezahlung der in Ameri^l gemachten Bestellungen swßen bei einigen der Verbündeten auf große Sckpvie- rigreiten. Es sind Garantten der Großmächte gegenüber den kleinen Verbündeten und die Frage des russischen Kredits in Amerika und Japan zu besprechen. England will die Finanzanbe- legenheiten der Verbündeten für die Dauer nnes vo'llen Kriegsjahres geregelt wissen. Die hierzu erforderlichen sehr b^eutenden Summen sind aber selbst in Amerika nicht zu haben, da keine hinreichende Deckung von seiten Frankreichs und Rußlands geboten werden kann. Für weftcwe Kredite Rußlands Garantie zu leisten, 'herrscht im übrigen in LondonIund Paris ivenig Neigung, da Rußland infolge des rnssifch-iavanischen Vertrages und infolge der an amenkanische IMeressenten verliehenen Jn- dustriekonzessionen England und Frankreich nur noch geringe Sich^erheften zu bieten hat. In den Erwägungen der englischen Frnanzkreise spielt auch die polnische Frage eine große RMe, da der dauernde Verlust Polens nctturgemäh den .Kredit Rußlands bseinträchjtigen muß.

Zusammenkunft Ioffres mit Cadorna.

Lugano, 9. Noveml>er. dlmtlich wird mitgeteilt, daß die Generäle Cadorna und Ioffre am 7. ds. Mts. in Äarnt Michel de Mauriemre..in der Nähe der französisch-ftalienisckien Grenze bei Modaine an der Linie Turin-Lyon eine Zusammenkunft hatten. Minister Bissolati besuchte gestern die Stellungen der Alpenjäger im Pasubio.

Aus Rußland.

Petersburg, 8. Nov. (WTB.) Meldung der Petersburgev Telegraphen-Agentttr. Der Unterriästsminister hat der Duma den! Entwurf eines Gesetzes unterbreitet, der die Einführung der wllgemeinen Schulpflicht in Rußland vorsieh/.

Petersburg, 8. Nov. (WTB.) Meldimg der Petersburger Telegrap'hen-Agentur. In einer Zusammenkunft der Vertreter der Bezirksausschüsse der mobilisierten Industrie wurden im einzelnen! alle Regierungsentwürfe über neue Eisenbahnlinien Oort insgesamt 100 mit einer Gesamtlänge von 70 000 Werst geprüft und die Mehrzahl der in Aussicht genommenen Eisenbahnen ge­billigt. Die wichtigsten davon sind die Orel-Nowgorod-(771 Wersty die Ummr-Nicolajew- (461 Werst) chie Sarawff-Asowsches Meer- (90 Weißt) und die Kertsch-Tuapee-Bahn (280 Werst).

? in allen.Kerzenstarken und Spannungen KannsoF liefern

E.Kahle G.m.b.H.

' Fra n kfu rh a /M . G u t le u f sf r 1.