Ausgabe 
9.11.1916 Erstes Blatt
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Die neunte Jsonzo-Schlacht.

Wien, 8 .Nov. WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter stellen Fest, daß die Italiener in der neunten Jsonzv-Schlacht trotz des Ennatzes von 170000 Mann ans einem unbegrenzten Ge- lände nicht mein erreichten, als daß die öfterreichisar-unparische küfterümÄmche Front auf 5 Kilometer Länge eingebuchtet Md »ur in einer kurzen Strecke 4 Kilometer weit über die nach der Räumung von Görz von den Italienern gehaltene Linie zurück- gedrüa' wuroe. während die österreichisch-ungarische Karstfront am Si.d'lügel nicht berührt wurde, svdas die Italiener von dem Heisters est-rten Ziel Trieft ebensoweit entfernt sind, wie früher. Dlabei hatten die Italiener ganz außerordentliche Verluste, die bei mehreren Brigaden die Hälfte der Effektivbestünde überschritten, ^vodurcd. sie gezwungen waren, die Offensive einzustellen. Die ge- .smnte Presse zollt dem .Heldenruute der Karstvertcidiger, die sich abermals i.>et der Abwehr mcüüberiegener iAaffen als unbezwing- darre Helden bewährten, höchstes Lob urrd stellt fest, daß keines der Ziele Cadornas erreicht wurde, weder der Durchbruch durch die österreichisch-uttgarische lüften ländische Front, noch eine Ent- laKung Rttmäniens. Man dürfe begierig sein, wite sich nunmehr Eadorrra der immer dringender werdenden Forderungen der En­tentemächte nach der Entsendung größerer italienischer Truppen- Wrper nach Frankreich und Saloniki entziehen werde.

Hinsichtlich des siebend ürgi sch en Kriegsschau­platzes heben die Blätter I)ervvr, daß trotz der Ungunst des Geländes und der Witterung und trotz der Hemmnisse der schon im^ Frieden jenseits der Grenze von den Rumänen angelegten Befestigungsbauten' wesentliche Fortschritte erzielt worden seien, denen mir kleine Erfolge des Feindes im nördlichen Siebenbürgen yegenüberständen. Die Presse hebt hierbei hervor, daß sich die Än- griffsbewegungen in einem schwer zugänglichen bewaldeten Mittel­gebirge, das ncitunter, wie beispielsweise westlich der Predeal- streße, zu Höhen von mehr als 2000 Metern emporsteigt, voll­ziehen, weshalb den verbündeten Truppen höchste Beivnnderung gebül re. Mcht unerwähnt soll bleibew daß die Gegenangriffe der Rumänen für diese die schwersten Einbußen zur Folge hatten. So wurden initcr anderen nach sechstägigen Kämpfen in einem Frontraume nur weniger Kilometer mehr als tausend Feindes leichen von den verbündeten Trupven bestattet.

Die Wahrheit über Griechenland.

Bern, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Korrespondenz desEorriere della Sera" aus Athen schildert die Zustände in Griechenland, wie sie wirklich sind. Der Korrespondent erwähnt zuerst, wie die französischer und englischer Korrespondenten die Wahrheit fälschen und glauben machen wollen, ganz Griechenland stünde auf seiten der Regierung in Saloniki. Die Wahrheit sei ganz anders. König K o n st a n ti n sei z w c i fell o 4 deu4 s ch s reu n dl i.ch^ und man müsse ihm Gerechtigkeit ivider­fahren lassen, daß >er daraus niemals ein Hehl gemacht habe. Noch unlängst, als die Entente bereits auf Griechenland gedrückt habe, sei er in der Uniform eines deutschen FeDdmarschalks aus dem Königsvalast her aus getreten, um sich aus die deutsche Gesandtschaft zu begeben. Wegen dieses Besuches habe mair stark gegen den König agitiert, aber nicht von griechischer Seite. Man rmifte dein König Gerechtigkeit widerfadreu lassen, und da die Entente für Gerech- tigkeic und Freiheit kämpfe, solle sie die Vorliebe de§ Königs für Deutschland achten. Königs Konstantin sei für Teutschlaird, rvie Benizews für die Entente sei. Aber sehr wahrscheftrlich würden die Sympathien des Königs dem Kaiser rveit n>eniger kosten, wie die Sympathien Benizelos' der Entente. Nicht nur der König, sondern ganz Griechenland und das ganze griechische Volk wvl l en vom Kriege nichts w is sen. Ter König habe nichts seinen Willen dem Volke auigezwungen, sondern er hckbe nur den Willen des Volkes ausgeft'ihrt. Ter beste Beweis für diese Be­hauptung liege in dem Fiasko der revolutionären. Bewegung des Herrn Benizelos. Benizelos habe mit allem Lärm, den er angestellt habe, im ganzen 2000 Mann zusammen beronnnen. llm diese 2000 Manu zn sammeln, habe man 10 Millionen ausgegeben. Die fran­zösische offiziöse Agentur Radio suche die Wahrheit zu verlor gen. ober umsonst. Diese Agentur verbreite Na-ckrichten, wonach 50 000 Griechen aus Amerika kommen würden, um für das Vaterland zu kämpfen. Die Wiahrheit sei aber ganz anders. Mein in zwei Mo­naten seien 30 000 Griechen, welche nribftärpftichtig waren, nach Amerika ausgewandert, um sich den: Kriege zu entziehen. Jeden? Tag könne man im Piräus sehen, !vie Geiwarmen hinter Leuten herlaufen. um sie zu verhindern, sich einzusclnifsen. Sarrail habg selbst gesagt, daß Benizelos nur 2000 Mann zusammengcbracht I«be. Tie Rekrutierung auf Cypern hänge vou der Billigungj Englands ab. Aber man habe sich> noch nicht darüber ausgesprochen. In Saloniki widersetze sich das Judentum der Rekrutrerung, mrd die Entente müsse durch Verlxfftturgen und Bestrafungen dieser Rekrutierung zum Erfolge verhelfen.

Amsterdam, 8. Nov. (W.T.B. Nichtamtl.) DerTimes" wird aus A t hen gemeldet, die griechische Regierung^ habe Deutschland um lArufklärung über die Bringungen? ersucht, die die griechischen Dampfer enthalten müssen, um von U- Boots-Angriffen verschmtt zu bleiben.

Bern. 8. Nov. (W.T.B. Nichtamtl.)Corriere della Sera" Meldet aus When: Die Gesandten Frankreichs und Englands haben ^gestern abend einen neuen wichtigen Schritt bei der griechischen Regierung unternorw men, über den 4ne Alliierten sich verpflichteten, vorläufig völliges Stillschweigen M bewahren. Inzwischen nmrde bekannt, daß die griechische Regierung Admiral Fournet eine lange Note über­reichte, in der die Gründe dargelegt ivrrden, weshalb die Forde- nmg, die Torpcdvbootsflottille den Alliierten zu überlassen, abge­lehnt wurde. (Las Gerücht, daß bereits einige beschlagnahmte Torpedoboote unter französischer Flagge mit französischer Besatzung verwendet lverden, entbehrt noch der Bestätigung.

Dasselbe Blatt meldet, die Gerüchte, wonach der Dampfer Angeliki" untergegangen und 150 Griechen ertrunken seien,, bestätigen sich nicht. Es sind nur fünf Mann ertrunken. Bon dem Angeliki" selbst wurde nur die Bugspitze zertrümmert. Das Schiff befindet sich im Piräus, wo die Ausladung stattsand.

Die nsrwetzifche Änttvsrtnote.

Kristiania, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Die nor­wegische Antwortnote ist heute dem deutschen Ge­sandten überreicht worden.

Aus Belgien.

Brüssel, 8. Nov. (WTB.) Durch eine Verordnung deSi Generalgouverneurs in Tlbänderung der bestehenden Verordn imgevj zur Verwaltung des Elememarmfterrichits, des nrittleren Unter-, rechts und des höheren Unterrichts für Wissenschaft und Literatur im Min i ft e r i u m für K unst un d Wissenschaft wird für >en dieser Geschäftszweige je eine v l a m i s ch e und walloni­sche Abteilung errichtet. Twr vlamischen Abteilungen liegt' «die Bearbeitung der Angelegensten der Uuterrichtsverwaltungj für den vlamischen Landesteil und der hochdeutschen Sprachgebiete ob. Die ivallonischen. Abteilungen haben die gleichen Obliegen-« heften für die wallonischen Landesteile.

Unsere Feinde und Polen.

Petersburg, 7. November. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung der Petersburger Telegraphen-Agerrtur. Tie gesamte russi­sche Presse nimmt die Unabhängigkeitserrlärung der besetzten Gebiete Russisch-Polens durch Oesterreich und Deutschland mit großer Ruhe auf. Nach der einstimmigen Meinung der Blatter hat diese Tat der Zentralmächte, die von neuem die Prinzipien des Völkerrechtes gröblich verletze, unzweifelhaft keinen anderen Zweck, als ihre erschöpften Reserven aufzusüllen. Das polnische Volk wird niemals einer so selbstmörderischen Politik zusammen, selbst wenn sie ihm in der Form der Unabhcbtgigkeit aufgeredet ivird. Die verschiedenste politischen Richtungen sirrd einig, die Lage unter diesem Gesichtspunkt anzusehen.

N o w o j e W r e m j a" bemerkt, daß die ruhmreichsten Tra­ditionen der polnischen Waffen sich an die Schlacht von Tannenberg knüpfen, wo polnische, litauische und klcmrussische Regimenter den deutschen .Horden Niederlagen beigebracht haben. Tc^s vor fünf Jahrhunderten unternomuiene Werk soll gegenwärtig zu einem guten Ende geführt werden.

TieB ö r s e n z e i 1 u lt g" sbgt: Entgegen allen _ Grmrd-

sätzen des Völkerrechts haben Österreicher und Tentfck>e beschlossen, Aushebungen vorzunehmen, und dies unter der Form eines König­reiches Polens mit sogenannter politischer Unabhängigkeit zu tun. Dieser Mummenschanz wird niemanden täuschten, denn es handelt sich hier nidv urn eine gesetzmäßige Politik, sondern um ein« einfache internationale Räuberei.

Rj et sch" stellt fest, daß der tatsächliche Zweck dieses hastigen deutsch-österreichischen Aktes irr der Erklärung über die Rekrutierung enthalten sei. Die vou den-Oesterreichern urrd Deut/.heu prokia- nrierte Rekrutierirng stelle eineu Aft der Vergewaltigung und die Erklärung der UnabhÜn^glert Polens eine Heuchelei dar.

In gleichem Sinne äußern sich andere Blätter, darunter das Organ der äußersten Linken, welches hervorhebt, daß die polnischen Voltsmassen und die polnisch e Demokratie das, was geschehen sei, als 'ein neues nationales Unglück betrachten würde.

Die ZeitungNawvsti Dnia" zitiert die Worte einer der bekanntesten polnischen Personlchßeiten, des Grafen Velopolski, der erklärte: Indem sie, Kaiser Wilhelm und Frarrz Joses, russischen Provinzen Rechte einräumen, ivoilen sie v'h einige Hunderttausend polnische SpU-aten ausheben. Diese zutage lEgende Absicht werde unzweifelhaft von den Polen verstanden werden, die sich nicht durch solche, heuchlerische Geschenke täusckui lassen werden.

Bern, 3. Nov. 'WTB. Nichtamtlich.) Zur Lösung der Pvlen- srage schreibt H « r ö e:

Man muß den Mut^häbcn, anzuerkennen, daß die Ereignisse in Russisch-Polen keinen Sieg für uns bedeuten. Der Streich, den uns Deuischtand spielt, ist zynisch und eme schöne Anwendung macchiavellistischer Gedanken. Auch verrät er Geschicklichkeit und es ist notwendig, daß die allnerten Regierungen mit Ernst der neuen Sachlage Rechnung tragen.

Ms einzige Möglichkeit, das deutsche Manöver sofort zu parieren, verlangt .Herve ein gemeinsame s M a n i f e st sämtlicher Alliierten an Polen. Er glaube iedoch daß ein solches Vianifest, selbst wenn es pvn allen Alliierten 'unter­zeichnet wäre, die Polen nicht cntentesrenndlich machen würde, wenn, nicht zum mindesten sofort an die Bildung eines polnischen Heeres gegangen tvürde, das an der Seite der Russen kämpfen würde.

B ern, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.)T emps" zufolge hat der Abgeordnete Varenne deuc französischen Ministerprä­sidenten mitgeteilt, daß er ihn in einer der nächsten 'Kammer­sitzungen über Maßnahrnen interpellieren werde, die die alliierter Negierungen ergreifen würden, um dem ö st e r r ei ch i s ch -den t-. scheu M a n ö v e r der U n a b h ä n g i g k e i t s e r k l ä r u n g Polens entgegenzutreten.

Ans dem englischen Unterhaus.

Amsterdam, 8. Nov. lW.Bs Wie einem hiesigen Blatte fcu§ London gemeldet wird, erklärte Ramsay Macdonald vor eini­gen Tagen in einer öffentlichen Versammlung, daß alle, die jetzt aus ren Schlachtfeldern in Frankreich und Belgien fallen, um- ionst sterben.

Gestern fragte O ü t h w a i t e (liberal) im U n t e r h a u s e, ob alle Alliierten gleichmäßig zu oer Gesamttruppenmacht bei­trügen. L lo v o Georg e antwortete, es 'sei unerwünscht, darüber Aufschlüsse geben. Ontbwaite begnügte sich damit nicht, son-- dern stand nochmals auf. Es erschollen von allen Seiten Protest- ntre. Man rief: Sitzen bleiben, wir brauchen hier keine Deutschen­freunde.' Oberst Eraig (Unionist) fragte, ob es nicht möglich sei, Fragen zu verhindern, die offenbar bezweckten, Schwierigkeit ei, zwischen ?un Alliierten hervorzurufen. Der Sprecher erklärte, er würde das gern zur Regel machen, wenn das Haus einen derartigen Antrag anneymc. Er habe nichts dagegen, daß die Viitglieder des .Hauses ihre Neimingen zum Besten geben, könne aber nicht zu- laffen, daß die Verl.andlungen gestört werden. Hierauf fragte Outhwaite, ob das Kriegsamt Lord N o r t h c l i f f e gewiffe Jnfor- matvanr;? gegeben habe.

Bon radikaler und konservativer Seite wurde ioegen der Er­eignisse in A?t he,n am Auswärtigen 9bnt Kritik geübt. Es wurde der Wunsch nach kräftigeren Maßregeln gegen die Deut- schenftetmde in Griechenland geäußert. Einige Abgeordnete ver­langten. daß die Alliierter endgültig mit König Konstan­te n b r e d) : n sollten. Lord Robert C e c i l erklärte, daß die 'vuiür uu euerguche Schritte tim würoen, um zu verhüten, daß die griechrichen ..Patrioten", die sich der Salvniker Betvegung an- . oni Schwierigkeiten stoßen. Im allgemeinen hätten die ^bgierik'Mi / ci; illiT' m keine Ursache zur Unzufriedenheit über vre wrt, un griechische Regierung ihren Verpflichtungen nach-

Der Zeekrieg.

B.erlin, 8. Nov. (Privalteiegramm.) Außer den be­reits gemeldeten sind in den letzten Tngen noch folgende feindliche Handelsschiffe versenkt worden: Die englischen Dampfer Rappa.Hannock (3871 Toniren), North Wales (4072 Tonnen), A. B. Davidson (1640 Tonnen) und Barrumble (3823 Tonnen), die französischen Segler Iduna (165 Tonnen) und Felix Louis (275 Tonnen) und der italie­nische Dampfer Ostmarck (4400 Tonnen).

Rotterdarn, 8. Nov. (WTB.) Nach einer Londoner Meldung ist Lev P o st d a m p f e rA r a b i a" (7933 Tonnen) am 6. November im Mittelmeer ü er feit ft worden. Alle 437 Passagiere wurden in Sicherheit gebracht.

Kristiania, 8. Nov. (WTB.) Meldung des Norwegi­schen Telegrammbureaus. Ein r u s s i s ch e r Torpedo- jaget* beschoß <rm 2. November ein deutsches Tauch­boot, als der Torpedojäger 2hh bis 3, das Taitchbvt 3 bis 4 Seemeilen von Homveen bei Vardoe entfernt waren. Die Regierung hat ihren Gesandten in Petersburg beauftragt, gegen diese neue Verletzung der Neutralität zu protestieren.

London, 8. Nov. (WTBZ Die Admiralität teilt znm gestrigen Communique mit, daß noch eine weitere Mel­dung des Kommandanten des Tauchbootes^ einlief. Er sagt jetzt, daß er zwei Dreadnought-Schlachtschiffe der Kaiser Nasse getroffen habe.

London, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­det, daß der Schlepper Caswell Horfatcastle aus Kyoto und der F r a ch t d a m p s e r L e a t o n i a versenkt worden sind. Die Besatzungen des Schleppers und fünfzehn Mann von der Leatonia wurden von dem deutschen Schlepper Bragi ausgenommen. Die übrigen 15 Mann der Leatonia sind vermutlich von einem englischen Kriegsschiff ausgenom­men worden.

Bern, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Matin meldet aus Marseille: Der französische Dampfer Moga- dor wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet.

der Zwei-Küiser-Pwklamatftm erachtet dke ReichA- mtv frekkvn)^

vative Partei es nunmehr für ihre vaterländische Pflicht, nach Kräf- fert darauf jhinzuwirten, daß Schaden und Nachteile tu st 4 lich st verhütet werden. Dies gilt insbesondere von der preußi- schrn Oftmark. Das Deutschtum, die deutsche Kultur und die dertt- schen Interessen in den zweisprachigen Landesteilen dürfen unter der BefrieviAnng polnisch-nationaler Wünsche keinesfalls leiden, ihnen! gebührt vielinehr eine uw so kräftigere Fürsorge.

Aus der Sozialdemokratie.

Berlin, 9. Novenrber. ImBorwärts^^ wehrt ftch der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstags- fr a k r i o n gegen dieLeipziger Volkszeitunch5 in welckier die Fraktion herunter ge rissen wird, weil sie den von den So-ürl- demolratisch>en Arbeitsgemernschjaft gestellten Antrag* zum Gesetz betreffend die Unterstützung von Fanrilien in den Dienst einge- treieuer Mannschaften nicht zngestinrmr hat. Ter Fraktionsvorsttrnd sagt: die Anträge der 'Arbeitsgemeinschasl erwecken wiederl)olt den Eindruck, als ob sic nur gestellt worden seien, um bei ihrer Ablehnirng durch die sozialdemokratische Fraktion Anklagen gegen diese erheben zu können.

*

Berlin, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Das Direk­torium der Reichsgetreide st elle erinnert daran, daß die zurzeit von der Reichsgetreidestelle gewährte Drusch- Prämie von 12 Mark auf die Tonne nur noch für Brot­getreidelieserungen bis einschließlich zum 15. November ge­währt wird.

Nur dem ReiKe.

Die Reichspartei zur Polenfrage.

Die Leitung der Reichspartei gibt in derPost" folgende Er­klärung bekannt:

Sobald von dem Plane der Schaffung eines mit weitgehender Mtvnomie ansgestcrtteten Königreichs Polen sichere Kenntnis an­getan gt war, hat die Reichspartei im Einverständnis mit der Partei­leitung und den in Berlin anivesenden Mitgliedern der fteikonser^ Vativen Fraktion des Abgeordnetenhauses wiederholt schriftlich und mündlich ihre schweren Bedenken gegen diesen Plan bei der Reichsleitung und den zuständigen preußisck-en Ministerien nach- dn'icklich geltend gemocht und mrsftihrlich begründet. Nach Erlaß

Aus Sia-t «nd Land.

Dirßecr, 9. November 1916.

Die Asche als Brandstifter.

Angesichts der Tatsache, daß sich in der Tages presse die Mittei­lungen über Schadenfeuer kleineren und größeren Umfanges mehven- läßt uns einer unserer Leser nachstehende sehr becuhtenswerte Zeilen^ zu gehen, die wir gerne wiedergeben.

' Wenn man bedenkt, daß zurzeit in Stadt und Land die besten Männerträfte zur Fahne einberrrsen sind, überkonrmt einem die bange Sorge, tvas werden soll, wenn in kalten stürmisckiLN Winter­nächten ein Brand ausbricht. Infolge der vielen Arbeit werden die Feuerwehrübungen, die die Daheimgebliedenen in der Handhabung der Geräte unterrichten sollen, uotgedrim.gen vernachlässigt, Führer, Obleute und die besten Mannschaften sind nicht zur Stelle. Unter diesen Umständen sind größere Unglücke fast unausbleiblich. Dabei ist zu bedenken, daß verbramtte Erntevorrätc durch Geldeswert nicht zu ersetzen sind.

Die beste Mwehr eines solchen Unglücks ist dem Unglück Vor­beugen. Was aber sind mm die Ursachen vieler, vieler Brände? Wohl wird zn besonderer Vorsicht in Beaufsichtigung der Kriegs­gefangenen gemahnt, denen man wohl Brandstiftungen, teils aus Fahrlässigkeit, teils auch mit Absicht, zutrauen kann, aber das ist meiner Ansicht nach der Nebel größtes nicht.

Ich kenne einen anderen Feind, dem man entgegen arbeiten mftß, es ist die anj und für fich harmlose A s ch e. Ich glaube^ man kann ruhig die Hälfte aller im Winter ausgebrochener Brände dem unvorsichtigen und fahrlässigen Auf bewahren der A s ch c zuschreibeu. Am heimtückischsten ist die Asche von Braun­kohlen nrrd Briketts, in der sich nachgewiesenermaßen Funken chgelmrg erhalten.Es glüht ein ^uter Funke noch in der Asche fort" heißt's in dem bekannteir Turnerliede, aber es ist nicht i'nxnu-'T ein guter Funke, sonderm oft, gar oft ein böser und zer­störender. Wo nun findet man die Aufbewahrungsorte der Asche? Im .Holzschuppen, iin Keller, in einer Ecke zwischen Stall und Scheune steht ein hölzernes Fäßchen, bestenfalls ein Eimer ohne Deckel usw. und dahinein wird, oft am Abend, wenn das Feuep größerer Beguernlichkeft wegen schon für den nächsten Morgen znrechtgemacht wird, die rwch heiße Asche gebracht.Sie war ganz tms," sagt das zur Rede gestellte Mädchen, wenn es, nachdem es />en Asck>enkasten oder sonstiges Gerät schnell entleert hat und von Kälte und rauhem Wind zur Eile getrieben, rasch wieder dem sckuätzenden >Hanse zuspringt. Nicht immer war es aber so, der Zugwind bläst das sck-ou erstorbene Fünkchen wieder an, die ganze schon Tage vorher erkaltete Menge kommt wieder ins Glühen, wird durch die hölzernen Dauben des Fasses, die Bretter einer alten Kiste nsw. zur Flamiue genährt und das Feuer ist da. Vielfache

Aürd wach der Aschenkasteu direkt auf die Miststätte entleert, wo

ebenfalls durch Sttoh und dcvgl. die Funken wieder zum'Feuer )verden können. Strengste Beaufsichtigung der Ascheu- Auflewahrungsorte durch die Polizei sind ebenso notwendig, wie das Nachspüren von Kaminsehlern und durchgebrannten Roh­ren; hier kann gar rricht streng genug vorgegangen werden.

Ein System, das sich gut bewährt hat, ist folgendes: Man stelle etwa vier eiserne Behälter (alte Eimer, eiserne Krippen nsw.), an eine Reil)e, füllt sie der Reihe nach mit der wegzubringenden Tlsche, bis alle gefüllt sind, alsdann er stwird ber Inhalt des

zuerst gefüllten in ein größeres Faß, eine Grube oder dergl. ge­

bracht und der leer gewordene Behälter wieder vorn hingestcllt zur Ausnahme der irächsten Entleerung. Dadurch erhält man die sichere Gewahr, daß die Asche einige Tage alt und wirklich voll­ständig erkaltet ist: selbstverständlich müssen die Gefäße mit gut- schließenden Deckeln versehen sein.

*

** Auszeichnung. Dern Artillerielerrtnant Jos. Kübel von hier, der im Westen steht und der bereits mit dern Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet ist, wurde nun auch die Hessische Tapferkeitsnredaitle verliehen. ^

** Beförderung. Zum Mze-Jeldwebel der Res. befördert wurde Unteroffizier der Res. Ludwig Unverzagt im Jnfanterie- Regt. 390. früher 116.

** Universitäts-Kinderklinik. Die Stadtverord­netenversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung der Großh. Re­gierung den Betrag vo»7 35 000 Mk. zur Verfügung gestellt, um dern Staat den Errverb der Universikäts-Kinderklinik zu er- 7nöglichen.

** Höch stpreis f ü t Milch. Für den Kleinverkauf von Milch frei ins Harrs finb laut Bekanntmachung des Oberbürger­meisters folgende Höchstpreise festgesetzt: Für das Liter Voll­mil ch 3 6 P s e n n i g, für das Liter süßer Magermilch 2 6 P f c n n i g.

** Kart offe l-Vers orgung. Wer bisher auf seinen Bezugsschein hin keine Kartoffeln erhalten konnte, erhält, wenn er den. Bezugsschein rechtzeitig dern zuständigen Brotmarkenbezirk vorlegt, Kart o ffe lm ar fe u für drei Wo che n auf Wunsch auch für längere Zeit und einen neuen Kartofselbezugsschein. Höchstens ein Pfun d Kartoffeln darf für die Zeit bis 15.' Augirst 1917 für den Kops und Tag auf dern Bezugsschein in Ansatz gebracht und verbraucht rverden. Wer den vollen ihrn zustehenden Winterbeüarf bereits erhalten hat, nracht sich strafbar, wenn er weitere .Kartoffeln auf Kartofselmarkelt kauft Sind auf Grrtnd des Dom 1. bis 21. Oktober 1916 geltenden Satzes von IV 2 Pfund für den Kopf und Tag bereits größere Men­gen Kartoffeln bezogen worden, als nach dem jetzt qelten-' den Satze von 1 Pfmrd für den Kopf und Tag bis 15. Äugust 1917 znstehen, so gilt die Menge, die die zulässige Höchst­menge übersteigt, als beschlagnahmt. Der Besitzer ist zur pfleglichen'Aufbewahrung dieser Kartoffelmengen ver­pflichtet; der Erlaß näherer' Borschristeir über die Ein­ziehung bleibt Vorbehalten. Ms auf weiteres wird mit Rücksicht 'auf die geringen Anlieferungen höchstens ein Zentner Kartoffeln auf jeden Bezugsschein abgegeben, damit jedem die Möglichkeit geboten ist, Kar­toffeln Zu erhalten.

** Jahres- Versamml!ung des Oberhessischen Vereins für Innere Mission. Die Jahresversammlung wurde am 8. Novenrber 1916 im Gemeindehaus, Kirchftr. 9. owit Vorsitzenden llniversftätS-Professor v. Schian eröffnet. Pfarrer