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1.11.1916 Erstes Blatt
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Ter GietzEr Anzeiger

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Erster Blatt

M. Jahrgang

ietzLner An

General-Anzeiger sür Gderhessen

Mittwoch, l. Uooember

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richtssaal: Fr. R. Zenr.

ö. Br '

Eine Rede Mlssm über Amerikas VeziehUMN «nd den kommenden Welisneden.

(WTB.) Großes Hauptquartier,

31. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des General-Feld- marschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.

Ungünstige Witterungsverhältnisse schränkten die Gesechtstätigkeit an der Somme ein.

Abteilungen dcS Gegners, die gegen unsere Stellungen nordöstlich und östlich von Les- boeuss vorgingcn, wurden durch Feuer zurück­gewiesen. Der gegen La Maisonnette ge­richtete Angriff einer französischen Kompagnie scheiterte; ebenso mißlangen Versuche, mit Handgranatentrupps in unsere neuen Gräben südlich von Biaches einzndringcn.

Ein Angriff stärkerer französischer Kräste gegen Ablainconrt und beiderseits der Straße ChaulncsLihonS kam in unserem Abwehr­feuer nicht znr Durchführung.

Heeresgruppe des Deutschen Kron­prinzen.

Auch im Maasgebiet war es ruhiger als in den Vortagen. Nur in Gegend von St. Mihiel erreichte das Artillerieseuer zeit­weilig größere Stärke.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Im Morgengrauen griff der Russe nach kurzer Fener- steigerung unsere Schtschara-Stellung bei Kraschin an. Sr ist blutig abgewiescn worden.

Nordwestlich vonBeresteczko am oberenStyr hatten Vorfeldkämpse einen für uns günstigen Ausgang.

Auf dem Ost Ufer der Najarowka nahmen otw- manische Truppen im Sturm mehrere Vorstellungen des Feindes nordwestlich von Molochow. Weiter südlich bemäch­tigten sich deutsche Regimenter wichtiger Höhenstellungen westlnh von Folw. Krasnolesie und wiesen Gegenangriffe der Russell ad.

Vier Offiziere, einhundertsiedzig Mann, neun Maschinengewehre wurden eingebracht.

Südwestlich von Slanislau blieb ein Vorstoß russischer Abteilungen ohne Erfolg.

Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

An der siede,ibürgischen Ostfront Ruhe.

Im südlichen Grenzgebirge dauerten trotz starken Nebels und zeitweisen Schneesturms die Kämpfe an.

Nördlich von Eampolung und bei Boerzeny. nördlich : von Orsova. versuchten die Rumänen vergeblich ihnen ent­rissene Höhen zurückzugewinnen.

Seit dem 10. Oktober hat die Armee des Generals der Infanterie von Falkenhayn 151 Offiziere, 9920 Mann zu Gefangenen gemacht und außer vielem anderen Kriegsgerät den Rumänen an Beute 37 Geschütze, 47 Maschinengewehre und eine Fahne abgenommen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

In der Dobrudscha ist die Lage unverändert.

Mazedonische Front.

Nach anfänglichem Erfolg wurden serbische Ltbteilungen im Ostteile des Cernabogens durch Gegenstoß bulgari­scher Infanterie Verlustteich in ihre Ausgangsstellungen zu- rückgemorfen.

Der erste Generalguartiermeister _ _ Ludendorff.

Man darf nicht immer etwas Entscheidendes erwarten, wenn .Herr Wilson, der heute noch Präsident der Vereinig­ten Staaten ist, das Wort nimmt. Seine Reden sind zumeist verschwommen, im Zwielicht von Allgemeinheiten schwingt er seine berühmteFackel der Menschlichkeit", und wenn man . seine Absichten herausschält, so kommt man immer zu der ( Ueberzeugung, daß dieser Mann trotz seiner idealen Gebärde etwas Hinterhältiges, UndeutscheA hat. Wie viel Male hat er ; das Wort von dem Rechte der Menschheit und Menschlichkeit i ausgesprochen,! Bei einem Staatsmann ist das verdächtig. )Denn dessen Richtschnur ist zunächst das Interesse des eignen Landes, der Wille, das eigne Haus zu schützen und zu schir­men, das Recht des eignen Volkes in den Vordergrund zu rücken. Auch von Wilson wird dies verlangt, und er weiß es. Man muß seine Taten, sein ganzes Verhalten im Weltkrieg betrachten, wenn man seine Stellung würdigen will, nicht feine schillernden Worte. Zwei Seelen streiten in seiner Brust. Die eine bängt am Katheder, wurzelt in Theorien, die andere

treibt ihn an, seine menschliche Voreingenommenheit und Parteistellung, womit er im politischen Daseinskampf die Interessen Amerikas glaubt wahrnehmen zu sollen, in Wille und Tat zu übersetzen. Er ist ein staatsmännischer Phari­säer, wie es wenige gegeben hat. Seine neueste Rede, die wir nachstehend wiedergeben, läßt dies wieder klar hervortreten. Aus der einen Seite der Ausdruck von Trauer und Gefühls­seligkeit über die Härten des Weltkrieges, auf der anderen die Abwägung der Interessen des eignen Landes. Es klänge unharmonisch, wenn es sich ergeben würde, daß Amerika mit den Tränen des Weltkrieges ein glänzendes Geschäft gemacht habe. Wilson muß zugeben, daß sein Land in den beiden letzten Jahren einen außerordentlichen wirtschaft­lichen und handelspolitischen Aufschwung und Gewinn ge­habt hat. Aber da leugnet er es salbungsvoll ab, daß der Krieg den Vereinigten Staaten neuen Reichtum in den Schoß geworfen habe. Wer und was aber sonst? Der Präsi­dent schmeichelte den Amerikanern ihre Tüchtigkeit vor, die amerikanische Industrie brauche dem Auslande nichts Be­sonderes zu danken. Denn die Ausfuhr, besonders die­jenige von Heeresbedürfnissen für die kriegführenden Staa­ten, bettage nur einen sehr kleinen Bruchteil des Gesamt­handels. Wilson will also unterstreichen, daß Amerika, ind em es durch Lieferung von Waffen und Munition für unsere Feinde den Krieg verlängert hat, kein großes Geschäft, nicht das eigene Glück damit geschmiedet habe. Der Harmlose, betrügt er sich nicht selbst? Er hat in seinen Auseinandersetzungen mit Deutschland immer den Standpunkt des Buchstabenrechtes in dieser Frage ver­treten; das Moralische ließ er dadei amerikanische Lie­feranten würden ihm dies sonst auch stark übel genommen haben zurück. Er predigt doch aber die größte Menschlich­keit, und so sucht tx hinterher die Wirkung seiner Waffen­ausfuhrpolitik zu übermalen. Wie er aber seinen Zuhörern in Cincinnati so «gewaltige Verdrehungen vorsetzen konnte, setzt doch in Erstaunen. Gr stempelt dest Llnffchwu.nO des iame- rikanischen Mnnenhandels zum ureigensten Verdienst der amerikanischen Tüchtigkeit! Wollte er das harte Wort ver­meiden, daß Amerika durch den Weltkrieg ein glänzendes Geschäft mache, so brauchte er uns doch wenigstens nicht mit solchen Nausen zu kommen. Amerika hat verdient, weil es die Konjunktur ausnntzen, die Konkurrenz ausschalten mll> die Preise diktieren konnte. Binnenhandel läßt sich nicht mit einem abgeschlossenen und ummauerten Binnen­see veri^eichen. Amerika richtet seine Politik nickst nach Menschlrchkeit und Moral ein, sondern nach der Aussicht des Berdienens!

ßbuch in den kommenden Zeiten wird sich dies nicht ändern, ob nun Wilson oder sein Gegner den Präsi­dentenstuhl besetzt. Wilsons Rede enthielt eine Antwort auf die letzte Ansprache Sir Edward Greys an die neutralen Publizisten. Er blies in dasselbe Horn! Wieder kann er das englische Blut in seinen Adern nicht verleugnen. SeineGe­sellschaft der Nationen" würde uns Deutschen so wenig be­hagen wie diejenige des Leiters der englischen Politik. Auf­fällig war der folgende Satz in Wilsons Rede:Der Krieg hat jetzt einen Umfang angenommen, der die Stellung der Neutralen früher oder später unerträglich macht." Das ist eine neue Verbeugung vor England. Wir haben so lange nichts davon zu befurchten, als die Scheu des jetzig«: Präsi­denten vor bestimmten, gewaltsamen Eingriffen bestehen bleibt. Sein Hinweis auf dieNot der Zeit", die wir min­destens so lebhaft fühlen, wie die Amerikaner, laßt uns kühl bis ans Herz hinan. Mr werden durchhalten und uns den siegreichen Frieden nicht durch fremde Scheinheiligkeit verwässern lassen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 31. Ott. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 31. Oktober 1916.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

HeeresfrontdesGeneralsderKavallerie

ErzherzogKarl.

Bei Orsova und jenseits der südlichen Grenzgebirg? Siebenbürgens wird weiter gekümvft. Diewon den Rumänen nördlich von Eerna Heviz und nördlich von Eampo­lung unternommenen Angriffe scheiterten. Au der unga­rischen Ostgrenze und in den Waldkorpathm herrschte auch gestern verhältnismäßig Ruhe. Die österreichisch-unga­rischen und deutschen Streitkräfte des Generals von Fal­le nhayn haben seit dem 10.Oktober 151 Offiziere und 9920 Mann als Gefangene eingebracht, die Beute beträgt: 37 Geschütze, 47 Maschinengewehre. eine Fahne und viel Kriegsgerät.

HeeresfrontdesGeneralfeldmarschalls

Prinzen Leopold von Bayern.

Bei Livnica Dolna bemächtigten sich die deutschen Truppen, südlich von Brzezany türkische Bataillone stark verschanzter feindlicher Stellungen, wobei 4 Offiziere, 170 Mann und 9 Maschinengewehre in der Hand der Angreiftr blieben. Bei Lobaczewka in Wolhynien wurden russische Vorstöße abgeschlagen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Teile der Küstenländischen Front stehen unter Artil­lerie- und Minenfeuer wechselnder Stärke. In Tirol wurde der Angriff eines Alpinibataillons gegen den Gardinal in den Fassaner-Alpen unter erheblichen Feindverlnsten ab- gewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei den österreichisch-ungarischen Stteitkrästeu nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Genecalftatzs v. Hofer. Feldmarschalleutnant.

* . *

Das Ministerium Koerber.

Wien, 31. Oktober. (WTB.) Tie morgige ..Wien« ,Zei- tung" veröffentlicht ein Hauhschreiben an ten Ministervräsidenten v. Körber, durch das der Kaffer in Genehmigung der Anträge des Ministerpräsidenten den österreichischen Ministern die erbetene Ent­hebung vom Amte in Gnaden gewährt und gleichzeitig ernennt: den Minister a. D. Dr. Franz Klein zum Justiz minister, den Generalob erste,: Frhr. von Georgi neuerlich zum Land esv erteidigungs ininister.

den Frhrn. v. H u s s a r e k neuerlich zum Minister sür Kultus- und Unterricht,

den Frhrn. v. Trnka neuerlich zum Minister für öffentliche Arbeiten,

den Zweiten Präsidenten des Verwaltungsgerichtshoses Frhrn. v. S ch w^a r z e n a u zum Minister des Innern,

den Statthalter a. D. Bobrzynski zum Minister, den Sektionschef a. D. Franz Stibral zum Handels minister,

den Sektionschef Karl Marek zum Finanzminister, den Generalmajor Ernst Schaible zum Äsenbahn-- minister und

Heinrich Grasen Clam-Martinz zum Ackerbauminister

* . *

Wilson über die Beziehung Amerikas zur übrigen

weit.

New Do r k, 27. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Funkspruch von dem Vertreter des WTB. Verspätet eingettoffen. In einer Rede in Cincinnati, die sich fast ausschließlich mit den Bezie- hun ge nAmerikasizuder übrigen Welt wach! d-em Kriege beschäftigte und stürmischen Beifall bei den Tausende:: von Zu­hörern hervorrief, sagte Wilson: Die Besorgnisse des Handels vor einer Ueberschwemmung mit billigen Auslandswaren gründen sick: ans völliger Unkenntnis. Und sollte dies selbst ein treten, so, würde die Nation bereit sein, dem zu begegnen. Wilson fuhr fort: Wir sollten uns jenen Völkern nicht mit Firrcht, sondern mit Sym­pathie zuwenden, wir sollten uns vor Augen halten, daß sie nach ihrer Erschöpfung uns brauche:: tverden und daß wir sie nicht zu' fürchten brauchen. Ich würde mich eines jeden Amerikaners schä­men, der eine Minderung der physischen Kraft Europas mit Be- sriedigurig bettachter: inürde. Die ganze Nerven- und Körperkraft dieser Nationen wird eine ich weiß nickst wiie Handel Zeiö des Wiederaufbaues brauchen, bis sie wiederhergestellt ist. Niemand mit einem Herzen im Leibe kann das mit Befriedigung Mt anseben und sagen: Ties ist die Gelegenheit ft'ir Amerika, wobei er meint, die Gelegenl-eit für Amerika, Nutzen daraus für sich ;u ziehen. Es wird eine Gelegenheit für Amerika seü:, aber eine Gelegenheit zu etwas sehr viel größeren:. Miau bedenke die Lage der Verein ffsten Staate::. Die Bereinigten Staate:: haben in den letzten zwei Jahren eine Belebung ihrer Industrie erfahren, wie sie nie vorher erlebt worden ist und wenn nun: sich einbildet, daß dies dem Handel zuzuschreiben ist, der durch dm: Krieg groß- gezogen worden ist, so läßt inan die Tatsachen aus dem Äuge., Wenn mm: sich die Ziffern unseres Binnenl-andcls und unseres auswärtigen Handels vergegenwärtigt, so wird man finden, daß unser auswärtiger Handel selbst bei bescheidensten: Ansatz der Ziffern: für unseren Binnenhandel nickst einmal vier Prozent (vier vom Hundert) des ganzen Handels ausmacht und die Ausfuhr von Munition und zwar nicht allein von Munition, sondern: alles dessen, was zur Besorgung von Heeren gehört, wie Zugtieren, Automobilen, Gespannen und Lebensmitteln, die unmittelbar dem