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hahnebüchenen Ton an, wie er selbst für mich a I 8 Baj n- baten unerhört ist. (Große Heitcickert.) Im IX. Korps- bezrrr verbietet man ikrs Anzeigen von Sanatogen, Lecithin .usrv^ ja soKar vrm Nestle? Kinder vre hl. (Heiterkeit.) Das mag rnel- oft v in ™^ feIx ^ M ; c Ö nicht nötig fern. (Erneute Heit «Bett.) efcbec das geht doch in einer Zeit, wo wir hier die DevölkeruRg?- probleme behandeln, doch zu wert. (Sehr richtig) Die Avt und Weise, wie man die Presse vielfach behandelt, ist ein feiner n * ihre Tätigkeit bei der Kriegsanleihe.
l<nktz.: Svrseit die Zensur sie erlaubt hat!)
Wenn die Zensur mehr Freiheit gelassen hätte, hätte sie vielleicht noch mehr geleistet. Das Verbot des »Berliner Tage- blatts" war eine Ungesetzlichkeit. Den deutschen Buchhandel, erneu sehr wesentlichen Faktor unseres geistigen Lebens, behavdelt man in einem UnterosfizierSton, der gewiß nicht anständig ge. nannt werden kann. So provoziert mau heute den einen, morgen den anderen Stand in einer geradezu unvernünftigen Weife. Die Zensur, die sich nicht nur an Rede» der Reichstags, abgeordneten vergreift, sondern sogar an Reden des Kaisers, Hindenburgs und des Reichskanzlers, erlaubt auf der anderen Seite recht bedenkliche Artikel. Sa wurde in der Zeitschrift .Auf Vorposten^ ein Artikel einer Magdeburger Zeitung gegen Falkenhayn bebcmdelt und,dabei angedeutet, daß er seinen Ursprung in der Wilhelmstraße hätte. In den »Alldeutschen Blättern" heißt eS, die plutokrattsche Auffassung hatte auf die Reichsleitung einen großen Einfluß gewonnen. Der Reichs, kanzler habe sich zum Stellvertreter einen Berufsbankier genommen. (Heiterkeit.) Auch die Herren Delbrück, Lewald. Datheuau usw. entstammen dem wirtschaftlichen Leben.
Aber kaum eine Familie ist darunter vertreten, so heißt es da. die in 300 jähriger Arbeit den preußischen Staat gebaut haben. (Zuruf: Jagowl Heiterkeit.) Unsere Zensur versündigt sich gegen die Stimmung im Lande, gegen unsere innere Front, die ebenso wichtig ist wie die Front gegen den Feind. Das stt p o l i. tische Giftmischerei. Der Fall Barmeister ist typisch für diese Weit erde rbrritu»g von Klatsch und Tratsch. Jeder Anstand wird über Bord geworfen. Warum diese falsche Ge- heimniskrämerei? Da§ Ausland ist oft besser unterrichtet als wir. Da beißt eS Maske herunter! wie neulich der Reichskanzler sagte. (Sehr richtig!) Das deutsche Volk, daö sich so groß gezeigt hat wie kein Volk der Weltgeschichte, will endlich Taten sehen. Geben Sie ihm das Vertrauen, das er sich mit Strömen Blutes erworben hat; «eben Sie ihm Freiheit undRechte! Nur so werden Sie das kostbarste Gut. das Gegenvertrauen des großen deutschen Volkes, gewinnen. Niemand bedauert die Debatten dieser Tage mehr als der Reichstag selbst, der Reichstag, der seine Pflicht «nd Schuldigkeit tut gegenüber Kaiser und Reich, gerade in diesem Krrege getan hat und weiter tun wird bis zum siegreichen Ende dieser gewaltigen Prüfung, -die jemals ein Volk durchgemacht hat
Dr. Böttger (nakl.): Die Anregung zur Abschaffung des De- krgerungszustandeS können wir nicht unterstützen. Jeder Krieg, «nd namentlich der Weltkrieg mit seinem gewaltigen Einsatz und so zahlreichen Opfern, ist ein Ausnahmezustand, der auch
mit
AuSnahmemaßregeln rechtfertigt und bedingt. Es kann nur dar- <m[ ankom-nen. die mit dem Belagerungszustand verbundenen Harten und Unzweckmäßigkeiten zu beseitigen. Die z a h l r e : ch e n Ausschüsse, mit denen unser öffentliches Leben gesegnet ist, find das Produkt der häufigen Behandlung der öffentlichen Meinung. (Sehr richtig!) G i b t m a n d i e K r i e gS- K-.rele nicht frei, so schafft sich daS Bedürfnis, bei der Neu- Lestattung unserer Geschicke mitzuwirken. daS elementar im Volke lebt und berechtigt ist. in K o n v e n t i k e l n, Ausschüssen ^^raulfchen Sitzongen. Rundschreiben und D-e^k schr r ft e n Luft. Der orgamscl-e FeKer steckt in der Handhabung der Zensur. DaS Uebel ist international. Auch im P^son^ffra^ Mage geführt. Bei unS ist es zum Teil
ES gibt sicherlich gute »nd sachverständige Zensoren, aber 5"“* .«« tausend und mehr Zensoren haben nicht alle gleiche Grundsätze nnd Kenntnisse. Viele sind mit dem Wesen der öffent- ttchen Meinung und der Bedeutung der deutschen Presse nicht der- Unkenntnis ist weit verbreitet und reicht b i s z u hohen Stellen. Wenn man eingesehen hat, daß man in der Behandlung der Presse des Auslandes Fehler gemacht hat, so sollte man auch die zweckmäßige Behandlung der eigenen Presse mcht ^rgessen. Sie wird bei uns über Gebühr eingeschränkt und ihr dadurch die Fveude an ihrem nationalen Berufe beeinträchtigt. ES kommen unnötige Schikanen vor. Manchmal ist die Der^imlichung von Nachrichten direkt vom Uebel, z. B. wenn bei Fliegerangriffen auf Städte und Ortschaften die wildesten Gerüchte zirkulieren, die Wahrheit aber erst nach vielen Tagen bekanntgegeben wird. Es wird ein Gefühl derUnsicher. heit in politischen Kreisen und Redaktionen erweckt, das dem Ganzen nicht dienlich ist. (Sehr gut!) Den ZeitungSuntcr- nehmern wird fortwährend mit wirtschaftlichen Ähäden gedroht, obwohl ihre Lage schon nicht so glänzend ist. Den Standpunkt der
Soz^akdomokra^e. d«ß bfe Zensur bWRg aufgehoben Werken kann,
teilen wir nicht.
Eine obrigkeitliche Regelung des Nachrichtenwesens und des McinunzSauStaufchrs halten wir insoweit für nötig, daß kein militärischer Schaden angerichtet, kein wirkliches Re ich sin te resse verletzt wird. Wir fordern volle Pari- tät für alle politischen Anschoungen und Richtungen und beklage», daß der Begriff der militärischen Angelegenheiten noch immer viel zu weit auf das politisch« Gebiet ausgedehnt wird. Soivohl der Verein deutscher Zeitung Sv erleger als auch der Reichsverband der deutschen Presse haben dies festgestellt. (Sehr richtig!) Der Kern des Nebels unserer Zensurhandhabung steckt darin, daß neben den militärischen Behörden anderer Einfluß aus zivilem Lager unablässig wirksam ist. (Sehr richtig!), daß eS eine politische Zensur mit zahlreichen Nebenstellen gibt, die sich aber nicht verantwortlich fühlen und nach außen jede Veranrluartung ablehrien.
Da will der von der nationalliberalen Partei eingvbrachte und vom HauShaltsauS-schuß übernommen« Antrag klare V e r- antwortungSverhaltnisse schaffen. Die vollziehende Gewalt in Angelegenheiten der polttischen Zensur soll auf den Reichskanzler übergehen und diesem auch die Verantwortung für die Handhabung der politischen Zensur übertragen werden. In Preußen hat der Minister des Innern im Abgeordneten- und im Herrenhause erklärt, daß er die Verantwortung für alle Zensurmaßnahmen ttage, soweit die ihm unterstellten Behörden dabei mitgewirkt haben. Das muß auch im Reiche möglich sein. (Zustimmung.) Noch ein Wort zur Freigabe der Kriegsziele. Sie sollen gewiß nicht schrankenlos sein. Aber unsere Presse und unsere Vereinigungen kennen das richtige Maß und Ziel und werden keine reichsgefährlichen Ausschreitungen begehen. Die Stimmung im Lande wird dadurch nicht verdorben werden, sie wird durch eine Aussprach« über große nationale Fragen, die das ganze Volk interessieren, nicht ungünstig beeinflußt werden, sich vielmehr vom Kleinlichen abkehren. (Sehr richttg!) Wir haben das Vertrauen zur deutschen Presse, die an Urteilsreife und innerer Tüchtigkeit der Presse keines fremden Staates nachsteht, daß sie von der zu gewährenden größeren Freiheit einen guten Gebrauch machen wird. Wir anerkennen die Berechtigung der Einschränkung der öffentlichen Meinung nur, soweit sie zur siegreichen Durchführung deS Krieges notwendig ist. (Lebhafter Beifall.)
Oberst Hoffmann vom KriegSministerium: Der Abg. Dr.
Müller-Meinrngen hat eine verletzende Bemerkung über die Person deö ftevertretenden kommandierenden Generals der II. Armeekorps gcmachkt und behauptet, er bewundere den Mut dieses Herrn (Abg. Dr. Müller-Meiningen So habe ich das nicht gesagt.) und wünsche, daß er im Schützengraben tätig wäre. Ich weise diese Bemerkung mit aller Entschiedenheit zurück. (Beifall rechts. Zuruf v. d. Soz.: Das ist alles, was Sie können!) und hoffe, daß der Abg. Dr. Müller-Meiningen auch die Bemerkung zurücknehmen wird. (Zuruf v. d. Soz.: Weiter nichts?)
Vizepräsident Dr. Paasche: Ich habe eine solche Aeußerung nicht gehört und werde das Stenogramm Nachsehen.
Abg. Dr. Rösicke (kons.): Harnecks Kontroverse mit dem General v. Gebsattel über die künftige Stellung Belgiens überfein neues Irland" und die »Unersättlichkeit der Alldeutschen" beweist, daß man scharfe negative Friedenszieläußerungen unbeanstandet zulaßt. Auch Scheidemanns Deutung der Stellung des Kanzlers zu den Annektionsgedanken der Wirt- schaftrverbände ist unwidersprochen geblieben, so daß es fast den Eindruck macht, als stehe der Kanzler tatsächlich auf dem von Scheidemann angenommenen Standpunkt. Ich habe aus den letzten Besprechungen den Eindruck gewonnen, daß der Herr Reichskanzler in vielen Dingen anders denkt wie Herr Scheidemann, und die Aeußerung der »Norddd. Allgem. Ztg." nach der Breslauer Rede des Abg. Scheidemann war auch eine Ablehnung der Scheidemann scheu Aeußerungen.
Als Herr v. Hehdebrand in seiner Frankfurter Rede meinte, man solle doch die Badener fragen, ob sie nicht eine Hervorhebung und Erweiterung mindestens der deutschen Einflußsphäre i m Westen wünschten, verbot die Berliner Zensur den Abdruck dieser Stelle. Die Zeitschrift „Deutsche Treue" wurde unter Vorprüfung gestellt, weil in. einem von ihm abgedruckten Feldpostbrief gesagt war, wir Nullten behalten, was wir haben. Wenn da gestanden hätte, daß wir aller herausgeben wollen, wäre die Vorprüfung nicht ausgeführt worden. — Der Redner zählt noch einige Fälle auf, in denen wegen Landerweiterungsforderungen im Westen Maßregelung erfolgte; für den Osten ist das erlaubt. Diese Zustände zwingen uns, nicht zu sagen, was wir wollen, sondern war der Zensor will.
Wir wollen alle den möglich st baldigen Frieden. ES fragt sich nur. welche Wege wir zu gehen haben. Und da glauben wir, daß wir dem Frieden nicht näher kommen, wenn wir erklären, daß wir alles wieder herausgeben wollen. Deutsch, land ist ein friedfertiges Land, wenn es aber gezwungen wird zu kämpfen, so tut es daS mit äußerster Kraft. Derartige Aeußerungen können aber nicht den Eindruck der Stärke machen.
Der FraktionSgenosse GberiS und Schekbemann?, Abg. Dr. Le» sch, hat im »Tag" gegen Scheidemann erklärt, daß die Entente niemals auf die deutscherseits ausgesprochene Bereitwilligkeit zu einem Frieden ohne Landerwerb im .sten cin- gehen, sie vielmehr nur als Bekenntnis der Schwäche ansehen würde; die Entente wolle Deutschland besiegen und zerschmettern. So ein Parteigenosse des Abg. Scheidemann. (Zurufe v. d. Soz.: Wir find in der Zensurdebatte, nicht in einer politischen!) Ich wüßte nicht, wie das nicht mit der Zensur zusammenhängt. Herr Scheidemann sieht das Ausland nicht, wie es ist, sondern wie er es sich denkt und cs wünscht. DaS trifft vielfach auch auf unsere auswärtige Politik zu.
Wir können von Englands Zähigkeit und Konsequenz noch lernen. Das Aussprechen der Friedensziele würde nur beweisen, daß wir uns star! fühlen. Dem sollte auch unsere Zensur Rechnung tragen. (Beifall rechts.) Die Vorwürfe gegen die Zensur sind nicht an die kommandierenden Generäle zu richten. Es wird aj allgemein zugegeben, daß die Zensur in militärischen Dingen einwandfrei arbeitet. Die Bes'ckiwerden richten sich gegen die p o l i t i s ch e Z e n s u r die aber doch auf Veranlassung politischer Stellen geübt wird. Man sollte daher die Beschwerden auch an diese Stellen richten. (Sehr gut! rechts.)
Dringend wäre aber zu wünschen, daß auch die offiziöse Presse sich einer Zensur unterordnete und zwar einer recht strengen, die gleichzeitig auch alle die unsinnigen Gerüchte im Keim ersttcken sollte, die von Zeit zu Zeit auftaucheil. und mit zunehmender Verbreitung, die sich wieder aus begreiflichen Stimmungsmorrenten ergibt, Verwirrung anrichten Die offiziöse Presse sollte systematisch auf der Untersuchung bestehen, woher solche Gerüchte kommen. Es ist auch nicht richtig, wenn jede andere Meinungsäußerung sofort als Treibereien und Fronde bezeiclmet wird. Diese Meinungsäußerungen sind gar nicht auf bestimmte Personen gemünzt, wenn sie auch als Treibereien gegen diese Personen bezeichnet werden, sondern eS handelt sich um nebelhafte Begriffe; man sollte den Absichten und Gründen nachgehen, die jeder solchen Meinungsäußerung zugrunde liegen. (Zustimmung rechts.)
Die offiziöse Presse sollte grundsätzlich von allen persönlichen Schärfen Abstand nehmen. Sachliche Feststellungen genügen. Warum verfolgt man jeden, der eine abweichende Meinung vertritt. mit Briessperre und Haussuchungen. Das macht uns den Belagerungszustand so schwer, daß auch bei politischen Fragen Verfolgung eintrttt. Die versteckten Andeutungen gegen Tirpitz hat man ständig unwidersprochen gelassen. Das Verlangen, die Sache klarzußellen, wurde als tendenziös hingestellt. Man deutet auf vre konservative Partei hm. als ob sie alle jene decke, die irgendwie gegen de» Kanzler Stellung nehmen. Die konservative Partei verurteilt jede Treiberei, die sich als solche kennzeichnet, und die nicht von einer sachlichen Auffassung, sondern von persönlichen Gegensätzen getrogen ist. Sie verurteilt alle Gerüchte und Legenden, die nicht auf sicherer Grundlage beruhen, sondern nur auf Vermutungen.
Für ihre Haltung in den auswärtigen Fragen sind innerpolitische Gründe nicht maßgebend. Diese Auffassung weisen wir zurück _ lieber d i e Besetzung des Kanzlerpostens muß oe'c Kaiser entscheiden. Für die frondierenden Aeußerungen kann man nicht die konservative Partei veranwortlich machen, sie kommen aus allen Parteien. Man hat einen Brief des Grafen Zeppelin an den Reichskanzler veröffentlicht, L/r dahin ausgelegt worden ist, als ob der Frieffchreiber den in früheren Briefen an den Reichskanzler vertretenen Auffassungen abgeschworen hätte. Graf Zeppelin hat das Entstehen dieser Auffassung bedauert. Man scheint dem Brief eine Form gegeben zu haben, die etwas anderes besagt, als Graf Zeppelin ausdrücken wollte. Angesichts der Leistungen des Grafen Zeppelin sollte man jetzt auch die Briefe vom April und Juni veröffentlichen. Eine Meinung tötet man nicht dadurch, daß man sie verschweigt, sondern indem man ihre Grundlosigkeit dartut.
Die Artikel deS Grafen Reventlow stehen unter Vorzensur, auch wenn sie für Zeitschriften bestimmt sind. Der Anlaß log in einem dem Auswärtigen Amt unerwünschten Artikel. Daß man von dem Eindruck auf das Ausland spricht, verstehe ich nicht. Das könnte man allenfalls bei einer Zeitung, wie der »Frankfurter", deren Vertteter im Auswärtigen Amt ein- mrd ausgeht. Das Verbot einer Zeitung als ein schwerer Eingriff in die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens sollte mit allergrößter Vorsicht gehcmdhabt werden. Ohne Zensur geht es nicht, aber sie darf nicht engherzig ausgeführt werden. Beff.)
Vizepräsident Dr. Paasche teilt mit, daß er die von dem Obersten Hoffmann bemängelte Stelle der Rebe des Abg. Dr. Müller-Meiningen noch einmal nach dem Stenogramm durch, gesehen habe. Man könne nicht herauslesen, daß dem hochverdienten General etwa der persönliche Mut abgesprochen werde. Zum Einschreiten lag daher keine Veranlassung vor.
(Die Sitzung dauert fort.)
Eichener Uonzertverein.
Gießen, 29. Oktober 1916.
Inmitten des uns umtosenden Weltkrieges tritt der G i e ß e - ?/bin 126. Konzert-Jahr ein. Fünf- Mettelhundert ^zahre Musik hat er den Gießnern vermittelt und Unbt ferner Ausgabe nun auch im dritten Jahre des gewaltigsten Krieges aller Zetten getteu — wahrlich ein bedeutsames Stück edelster Kultur!
Vom Bestmr das Bestt und aus der Fülle dieses Besten eine reiche Manmgfaltrgkert, brachte die Vorttagsfolge des gestrigen Konzertes An der Lvpitze stand Beethovens Liedertreis cm Gelttbtt, ein Werk, dein sich an geschlossenster, knappster, »«chphatt kristallener Form rm Berern mit klassischem Adel wohl überhaupt kein anderes Liederwerk vergleichen läßt Darauf Haydn's Konzert in v-dur für Cello ein etwas schwerblütiger, ernster Haydn, dann Franz Schuberts von Grand aus verichrÄrenartige Gesänge: „Ganymed" — „Prometheus" — und „Auf^dem Wasser zu singen" — verschieden in der äußeren Form, verschieden im innersten Gehalt der Tickftung, aber drei herrlche, unvergängliche Werke, sodann eine Sonade für Cello von Locatellr (einem Schüler Lorelli's 1693—1764) in reiner? Na,si)cher Fomnung und Art., Ten Schluß bildeten drei Lieder Robert Schumanns: seine vielgesungene „Schöne Wiege meiner Leiden" und sein bekmnter, stets brillanter „Hidalgo" und von dreien beiden umrahmt ein selten gefangenes, fast mimvsew- Mst zartes Lred: „Meine Rose", — sowie „Zigeunerweisen" für Violoncello von Sarasate-Földesy.
Unter Herrn Professor Trautmanns wie immer wundervoller Begleitung — irren wir nicht, so ist Herr Professor Traut- Mann letzt gerade 20 Jahre bei uns in Gießen — Machten Herr Kammersänger Ludwig Heß und Hugo Becker's Schüler, der' ungarische Cellist A r n o l d F ö l d e s y das Programm in vornehmster Weise zu Gehör. Der Gesang des einen wie das Spiel des andern Künstlers kennen keinerlei technische Schwierigkeiten, eine unsehlbare durchaus musikalische Technik steht bei beiden im Dienste echter Kunst, Ludwig Heß ist ein außergewöhnlich intelligenter Sänger; die Intelligenz seiner Aus- wffuim reicht an einen Ludwig Wüllner heran: an Kultur der, Stimme und Kunst des Singens ihm weit überlegen erreüht er ihn aber dock nicht an Wärme, Cinheitlichkett und) Kraft der Empfindung. Am besten, ja vollendet war seine Wiedergabe von Schuberts „Ganymed" und „A,uf dem Wasser zu Hrwm", vortrefflich die der Lieder von Schumann, insbesondere das M-egebcne: „Ter Knabe mit dem Wunderhorn" — während die schlichte Natürlichkeit von Beethovens Liederkreis cm die ferne Geliebte nicht so geriet, weil hier alle Intelligenz die ein- wcke Urttwüngttchkeit und Wärme deS Empfindens, die diesem Werke m besonderem Maße eignet — „Was mir aus der vollen Brust, 2 rcfhmnen, nur der Sehnsucht sich bewnßr" —
cP 1 £>ertg „Prometheus" fehlte die
1 n A e 1 ? ^s ganzen und Einen; hier vergab sich der Sünger dre große einheitliche Wirkung durch allzuausgeprägte Aus
arbeitung im^ einzelnen, so wundervoll die g e s a n g l i ch e Leistung auch gerade him war.
^^ € l l i st blieb dem großen Ernste des Haydnschen Konzerts und der Sonate von Locatelli nichts schuldig. Seine Auf- sasiung und jvm Spiel von großer Wärme, rythmischer Sttaffheit uno reicher >L>chattterung waren in gleichem Maße ihrer Wirkung sicher. Crn herber, kraftvoller Ton kam gerade dielen betten Werken besont^rs zu statten. Der Virtuose glänzte zum Schluffe inSara- lates vom Spieler für Cello bearbeiteten Zigeunerweisen und m dem Au gegebenen Popperschen Spinnerlied.
Der vollbesetzte Saal spendete beiden Künstlern den wohl- verdreitten reichen Beifall, von dem auch Herrn Professor Trautmann ein reichlicher Anteil zugedacht war. So war der Mend mne erfolgversprechende, vielverheißende Eröffnung des neuen Konzert; ahr es.
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0 *f*ille int 8eichen des Krieges, Seit Ansbrnch des Krieges hat Marseille besonders als Handelsstadt außerorden- lich schwere Rotunden durchgemacht, die zum Teil, wie ein Bericht des „Temps" erkennen läßt, durch bessere Organisation der Behörden hätten erleichtert toerden können. Tie angstvollsten Tage erlebten die Marserller wohl in jener Zeit, als durch die kühne Fahrt unserer „Goebew" Nnd „Breslau" die Schisfahrt plötzlich stockte und kein fremdes Schiff sich in den Marseiller Hafen wagte Als,dann später Marseille andauernd als Basis der französisch- englischen Truppen benutzt wurde, zeigte sich, daß die Hafenanlagen durchaus unzureichend waren, um gleichzeitig Handels- und Transportschiffe aufzunehmen. Große Aufregring.herrschte in der Stadt und die Behörden sahen sich außerstande, die stürmischen Bitten der Burger nach Erlveiterung des Hafens zu erfüllen, fehlte es doch an den notwendigsten Arbeitskräften. Am gefährlichsten griff dann die Kriegserklärung Jtalttns in die Marseiller Verhältnisse ein, denn nun zogen auch die Italiener, die in Friedenszetten etwa ein Fünftel der Bevölkerung darstellten, von dannen Damals^ kam ein Tag, wo der Hafen so überfüllt war, daß,58 Lochs fe, die insgesamt 233 000 Donnen Ware heranbringen wollten, draußen bleiben mußten, ohne abladen zu können. Erst nachdem Mi? eme große Anzahl von Kriegsgefangenen hinzugenommen und Hils^hafeiianlagen geschaffen hatte, wurde der Zustand erträglicher. Aber ehe es soweit kam, mußte Marseille erfahren, wie schwer es rst, eine große Stadt mit Nahrungsmitteln zu versehen wenn die Einfuhr plötzlich flockt. Oel war eines Tages unauffindbar' doch zeigte es sich dabei, daß die Behörden es nich verstanden hatten' das Treiben gewinnsüchtiger Spekulanten bloßzulegen: denn kaum hatte man mit Mühe und Not eine Sendung Oel erhalten als von allen Leiten wieder das Oel zn „fliehen" begann und zu angemeffeneni Preise verkauft wurde. Dasselbe Trauerspiel wiederholte sich mit dem Getrette, das nur in der Hälfte der gebrauchten Menge vorhanden war. Die Behörden erklärten, nicht helfen zu können, und die großen Haridelshäuser weigerten sich wegen der unsicheren Schiffahrt, ausländisches Getreide kommen zu lassen Nur ein Handelsherr wagte es, 160 000 Zentner Getreide zn be^ stellen. Ms das erste Getretteschiff eingelaufen war, erbot sich gleich cme ganze Reihe von Neutralen ebenfalls. Marseille mit
Getreide zu versorgen. Um eine derartige Krisis fernerhin zu verhüten, ist unter Versprechen von hohen Belohnungen jetzt den Bauern der Marseiller Gegend die Bebauung von bisher brach liegenden Läittern empfohlen worden. Auch sind 2 Mlllttnen Franken ausgesetzt worden, um den in der Nähe von MarseMe liegenden sumpfigen Teich Valcarös trocken zu legen, wobei man wiederum die Hilfe von 100 Kriegsgefangenen in-Anspruch nimmt. Ter fremde Einschlag, den das Marseiller Dtraßenbild schon immer gezeigt hat, wird in Zukunft wohl noch schärfer hervortreten^ Bon den 12 000 Lverben, die in Marseille, tellweise von ihren Familien begleitet, ausgenommen wurden, ist als bleibende Erinnerung eine serbische Handelsschule und eine serbische Mädchenschule zurückgeblieben. Auch die Russen und Montenegriner haben Kolonien zurückgelassen. Zn den 6000 Flüchtlingen aus den von uns Deutschen besetzten Gebieten haben sich vor einigen Tagen noch loOOO Griechen hinzugesellt, den den Aufenthalt in ihrem unglücklichen Lande nicht mehr erttagen konnten.
^ drialmvnt, der Befestiger Bu karests. Die De- festigungen Bukarests dürften augenblicklich Gegenstand allgemeinen Interesses fern. Sie sind auch geschichtlich interessant, insofern ihre Anlage den seit lange bestehenden Gegensatz zwischen Oesterreich und Rumänien erstmalig zur öffeiitliche^i Kenntnis brachte. Zur Aufstellung eines Befesttgungsplons hatte die rumänische Regierung im Jahre 1883 den belgischen Generalleutnant Brialmont, welcher als Befe?tiger Antwerpens schon Weltruf genoß, bernfen. Brialmont bereite Rumänierl und entwarf die Befestigungen für die Grenzen und für die Hauptstadt Bukarest. Hierin nun sah Oesterreich eine feindliche Kundgebung Md veranlaßte daher Brialmonts Abbe- rufung, der sogar vorübergehend in die Nichtakttvität versetzt wurde. Er blieb aber auch nach seiner Wiederanstellung in Belgien mit der rumänischen Regierung in Verbindung urtt gab deii Anstoß zn Vergleichsversuchen zwischen einem französischen und nnem deutscheii Panzerturm, die 1885 und 1886 bei Bukarest vorgenommen wurden. Im Anschluß hieran wurden dann die Befestigungen Bukarests bis zum Jahre 1896 ausgebaut, und zwar im wesentlichen iiach dem ersten Entwurf Brialmonts vom Jahre lo83. Ter 75 Kilometer lange Fortgürtel ist rrach reicherem Maße, als Brialmont es geplant hatte, mit Panzerdrehkuppeln frort- zösffcher Herkunft (248 Geschütz- und 54 Beobachtungspanzern) ausgestattet. Brialmont hat außer Antwerpen urtt Bukarest auch nvck) Lüttich und Narmrr nach seinem System! befestigt. Tie Er-, probung seiner Werke im Ernstfall hat Brialnwnt, der am 21. Juki 1903 in Brüssel gestorben ist, nicht mehr etlebt. Bei den drei oel- gischen Festungen Antwerpen, Lüttich und Namnr sind sie ja in wenigen Tagen zuschanden geworden. Es ist zu hoffen, daß auch die Befestigungen Bukarests einer modernen Belagerunasarmüe niicht lange werden standhaften können.
Berlin, 31. Okt. Kurz vor BollendMg seines 85. Lebens- whres ist in letzter Nacht in einem Lichterfelder Sanatorium I u - lu J Stettenhein gestorben, der Altmeister unter Deutsch- ttnds Humoristen, der in den 60 er Jahren die Zeitschrift jße MMm dessen „Wippchen-Briefe" mmMicht"ge.


