Ausgabe 
28.10.1916 Drittes Blatt
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politischen und Handel-tnl unserer Blätter unermüdlich ge- leistet werden isst.

Am LS. tonten schon etwa 8)4 Milliarden Mart

emf die Anierhe cisgezshlt, jetzt haben die Einzahlungen schon 8)4 DLrllisrdrn Mark überschritten, obgleich bis -um 18. Oktober not 30 Prszent eingezcchlt werden muhten. L-as widerlegt am besten die Märchen von dcr Finau-ierung unserer Anleihen durch die Darlehnskassen, denn eS ,oird doch niemand unnötig Y% Prozent mehr zahlen. In Wirklichkeit sind durch die DarlehnSkaffen 23S 1S9 06S Mark, also mich rricht 3 Prozent deS bis jetzt ein» gezahlten Betrage», durch Jaem-sprnchnahme der Darlehnskassen ausgebracht. Zurzeit betragen die Kriegsanleihedarlehen für sännt' liche Kriegsanleihen 1 6tz3 746 000 SRctrf, also wiederum iwch nicht 3 Pro-enl unserer bisherigen Anleihen. Das Ausland fragt sich immer wieder, tote diese Periode zur Auffüllung unserer Kriegs- lassen aus den eigenen Mitteln deS Volkes zu erklären ist. DaS Gechermnis ltsyl in unserem Abschluß nach außen, der infolge der verringerten Einfuhr erheblich verringerte Zahlungen an das Ausland zur Folge hcu, in der angestrengten Arbeit von Landwirtschaft und Industrie hinter der Front, an der nicht zum mindesten, auch die deutschen Frauen beteiligt sind, sowie schließlich an der Sparsamkeit, an die wir uns auf so manchen Ge­bieten haben gewöhnen müssen. Wie stark diese Spartätigkeit ist, geht daraus hervor, daß -d»e Spareinlagen für die ersten acht Monate dieses Jahre» ohne die Abschreibungen auf die Kriegs, anleihen eine Zunahme von 1 716 060 Mark aufweisen. Das ist ungefähr der gleich« Betrag wie i« Vorjahre und eine Milliarde mehr als im FriedenSjahrr 1S14.

Der Direktor der hiesigen Sparkasse schätzt danach auch für dieses Jahr die Zunahme der Sparkasseneinlagen auf 3% Milliarden. Zieht man hieraus den Schluß auf die Danktzepofiten und die Einladen bei genossenschaftlichen Kassen, so wird auch dem Ausland die Aufbringung der Milliarden, anlerhen um viele» verständlicher werden. Beim Ausland fehlt ein Teil dieser notwendigen Voraussetzungen für eine Ansamm- lnng von Kapital im eigenen Lande Die feindlichen Staaten werden mi't jedem Tage im Auslande mehr tributpflichtig. vor kurzem hat der englische Schatzkanzler Mac Kenna sich auf die Angriffe im Parlament wegen der zu hohen Zinsen ffft feinen neuen kurzfristigen Kredit damit verteidigen müssen, daß er für jeden Werktag in der Woche zwei Millionen Pfund, also 14 Mil. lionen Mark für Zahlungen in daS Ausland schicken müsse. Zu diesen Zahlungen für Kriegsmaterial kommt noch der Einfuhr. Überschuß infolge der Verschlechterung der Handelsbilanz. Eng­land hat auch in diesem Jahre fernen Export nicht wesentlich heben können, dabei geht der größte Teil des englischen Exportes in die Ententekcmder. wird also nicht bezahlt, sondern gleichfalls kreditiert in Form von KriegSvar schössen, die jetzt schon 866 Mil­lionen Pfund, 16 Milliarden Mark, erreicht haben.

Das diesjährige englische Budget sieht allein hierfür neun Milliarden vor, die aber nach AsguilhS Ansicht nicht reichen werden. ^ Gewiß hat England mit feiner Steuerpolitik während des Krieges energisch und rücksichtslos versucht, seinen alten Traditionen in der KriegSfinanzierung treu zu bleiben und handelt durch steuerliche und sonstige Einschränkungen alles über, flüssigen Luxus und durch Ausnutzung aller Arbeitskräfte volks­wirtschaftlich richtig. Trotzdem hat aber der Diskont der Dank von England 6 Prozent erreicht und ist der Kurs der KonsolS auf 66)4 gefunken. Demgegenüber hat unsere ReichSbcmk seit De­zember 1914 bei einem 5prozentigen Diskontsa^ bleiben können.

Ich möchte noch einige Gegenüberstellungen bringen: in England bisher 13 Kreditvorlagen über rund 62 Mil­liarden Mark, denen aber nur zwei inländische Anleihen und der Anteil an der Ententeanleihe mit einem Ergebnis von sicherlich über 19 Milliarden folgten, während mindesten» 30 Milliarl, <t Mark kurzfristige Schatzanwe,jungen laufen; in Frankreich! 55 Milliarden Franc» Kriegskredite und auch nur zwei langfristige innere Anleihen mit einem Ergebnis von etwa 19 Milliarden Mark; bei uns sechs Kreditvorlagen über 53 Milliarden Mark, denen fünf langfristige innere Anleihen mit dem bekannten Er- gebniS von 47 Milliarden Mark folgten. In England zunächst rh4prc»ontiger Zinsfuß, dann 4)4 Prozent und jetzt für drei Jahre laufeASe Exchequer-Bonds 6 Prozent. Bei vn» gleichmäßig bet allen Anleihen dpeozeutiger Zinsfuß. In Frankreich ein Kur» von 87)4 Prozent für die jetzt aufgelegte bprozentig« Anleihe, bei un» em AuSsxabekurS, der bet sämtlichen Anleihen nur zwischen 97,50 mtb 99 Prozent geschwankt hat. In England und Frankreich bei den letzten Anleihen Hineinnahmr älterer Anleihen an Zahlung», statt, bei un» Ausgabe ohne jede» der bekannte« besonderen 2m» mjtnfiiel.

Die Frnanzverwaüung verkennt durchaus nicht die schweren Lasten, die auch wir finanziell bisher in diesem Kriege auf uns nehmen mußten, aber sie ist doch geringer als die unserer Gegner. Die bisher aufgewendeten Kriegskosten der europäischen Staaten betragen etwa 256 Milliarden Mark ohne Einrechnung der zer­störten Werte und der noch auS dem Kriege entstehenden Renten- Verpflichtung. Hiervon entfallen auf uns und unsere Verbündeten etwa ein Drittel, auf die Länder der Entente zwei Drittel. Sie haben die Aeußerungen von führenden Lander» der Entente in den letzten Wochen ebenso verfolgt wie ich. Sie wissen. daß wir wetterkämpfen müssen und daß auf uns nicht die Verantwortung iür die ferneren Opfer all Gut und Mut fällt. Sie werden sich

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den neuen hohen Anforkw-rmvren ickchl entziehen. Der vcht« Krrvkk

nähert sich ferner ErfchSpftrng. Die monatlichen Ausgaben haben mit der weiteren AiLSöehnui-g unserer Fronten in Mebenbürgen und in der Dobrudscha eine weitere erklärliche Anspannung erfiihren.

Die Kriegslasten betrugen in den letzten vier abgeschlossenen Monaten durchschnittlich 3,187 Milliarden Mark und bleiben da­mit hinter den englischen mit 3 Milliarden zurück. In diesem Monat kommt noch die vorschußweise Rückerstattung von über 256 Millionen an die Bundesstaaten bzw. Kommunalverbände für verauslagte Familienunterflützungen. Mit der Erstattung von einem Viertel der Familienuntevstühungen, wovon die Hälfte jetzt, die andere in drei Monaten gezahlt werden soll, find Sie sicherlich einverstanden. Dre bisher verbrauchten 43 Milliarden sind zum Teil auch nicht militärische Beihilfen au Kommunen. Ueber eine Erho^mg dieser Monatsbeiträge schweben Verhand­lungen.

Ein Teil der in Kriegsbedarfsindustrien und Kriegsgefell- schaften angelegten Gelder wird zurückfliehen oder im Frieden nutzbar zu machen sein, wie die Stickstoffanlagen. Kupferersatz durch Aluminium und Anlagen für Ersatzfutter. Ich hoffe, daß auch ein Teil der heute von Ihnen erbetenen 12 Milliarden friedlichen Zwecken dauernd wird nutzbar gemacht werden. Weil aber der weitaus größte Teil de» neuen Kredit» für unser« Kämpfer an der Somme, in Kurland, Polen, Galizien, Sieben- bürgen urrd in der Dob dscha bestimmt ist, um sie mit Munition und Kleidung für den Ninter zu versehen, hofft die ReichS- regierung auf einmüü-7'- Zustimmung zu dem erbetenen neuen Kredit. (Lebhafter Be> R.)

Abg. Spahn (Zevtr i : Nomen» meiner politisch«» Freunde

lrnd, wie ich annehmen darf, auch im Namen der über­wiegenden Mehrheit de» Hause» habe ich zu erklären, daß wir der Vorlage zu stimmen. Wir bewilligen damit die Mittel zur Erringung eine» dauernden Friedens, der die Opfer« die gebracht worden sind, rechtfertigt. Wir benutzen diesen Anlaß, um den Dank deSDaterlandes allen ouszusprechen. die durch die Zeichnung der letzten Kriegs­anleihe wiederum ihren patriotischen Sinn bewiesen haben. Eine Kommissionsberatung halten wir nicht für erforderlich, und ich beantrage deshalb, die Vorlage cn bloc «n zu nehmen. (Beifall.)

Abg. Ebert (Soz.): Roch immer beharren die Dtastsleitungen der feindlichen Lander dabei, uns niederwerfen und einen Frieden erreichen zu wollen, der mit der politischen, wirischaftlichen und kulturellen Entwicklung unsere» Landes gänzlich unverträglich wäre. Ja, selbst au» führenden sozialistischen Kreisen de» geg­nerischen Auslandes werden leider noch immer Kriegsziele verkündet, die den Bestand und di« Ankunft des Deutschen Striches bedrohen. Unsere Bereitwilligkeit zu einem Frieden, der kein» der beteiligten Völker vergewaltigt, ist neuerdings wieder auf da» schärfste zurückgewiesen worden. An- gesicbtS dieser Sachlage stehen wir auch heute noch vor der Not- Wendigkett, die Mittel zu bewilligen, um unser Land gegen den Ansturm der feindlichen Uebeimacht auf allen Fronten zu schützen.

Die Widerstandskraft unseres Volkes zu stärken, ist die vor­nehmste Pflicht der Regierung. Wir fordern daher, daß sich auf allen Geb'eten die Schwierigkeiten der Verteilung der Nahrungsmittel verringern, daß die Preise alsbald herab­gesetzt werden; wir fordern Arbeiterschutz und erhöhte Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer. Indem wir wieder den Entschluß bekunden, in der Verteidigung unseres Landes auszuharren, lehnen wir erneut darüber hinaus- gehende KriegSziele ab. Von der Regierung erwarten wir, daß sie nichts versäumt, um zu einem baldigen Frieden zu gelangen, der di« Lebensinteressen auch anderer Volker achtel and inter­national« ^Vereinbarnngen anbahnt. durch die die Kulturvölker vor neuen Kriegen bewahrt werden. Nur ein solcher Frieden trägt die Gewähr der Dauer in sich und dient auch den höchsten Interessen de» deutschen Volke». (Beifall der Soz.)

Abg. Bernstein (Soz. Arb.): Wie lange soll d«r Krieg noch dauern? Der Krieg ernährt den Krieg, denn die Anleihen zeich­nen in der Hauptsache die Kreise, die an den Kriegslieferungen beteiligt find. Aber weite Kreise sind durch den Krieg auch ruiniert worden. Das wird sich erst später r« vollem Umfange zeigen, denn einmal muß doch der Krieg ein Ende nehmen. (Allseitig« Zustimmung.) Das Kapital geht gestärkt aus dem Kriege hervor. Daher geht die Arbeiterschaft schweren Zeiten entgegen. Unsere Regierung will angeblich den Frieden. Aber damit wird der Friede nicht erreicht. Man mutz etwas für den Frieden tun. Es ist nicht wahr, daß di« ausländischen Sozialisten den Frieden nicht wollen. /Widerspruch.) Kein vernünftiger Mensch will Deutschland vernichten. (Stürmische Zurufe: Lloyd George!)

Dizevräsident Dr. Paasch« ruft de« Redner wiederhokt zur

Sache. (Unruhe bei den Sog. Arb.)

Abg. Bernstein: Die Völker sind gegen un» mißtrauisch ge- worden, daher kommen wir nicht znm Frieden. (Schlußrufe.) Erst müssen wir dieses Mißtrauen gegen un» beseitigen. Die Mobilmachung Rußlands .... *

Vizepräsident Dr. Pa..scher Wenn Sie weiter vom Thema ab- schweifen, wird daS Haus darüber entscheiden, ob Me weitersprechen dürfen.

Abg. Bernstett,: Wbr mllsseo doch «rch «e welcher» M »tto«*

best)rechen dürfen! Die Völker haben solidarische Interessen. Kleine Minderheiten haben die Völker in diesen Krieg deS Imperialismus hineingehetzt. Mit der längeren Dauer deS Kriege» wächst auch die gegenfeMge Gereiztheit. Wenn Deutschland seine Be» reitwAigkett zu einem Waffenstillstand and zur Einberufung eines allgemeinen europäischen Kongresses erklärt, so wäre damit dem Frieden gedient. (Lachen.) Wir sind Gegner aller Kriege, bei denen überall auf dem Rücken der breiten Massen de» Volkes ge­wisse Schichten sich Vorteile ja sichern verstehen. (Pfuirufe.)

Vizepräsident Dr. Paasch« ersucht, solche Bemerkungen z« unterlassen.

Mg. Bernstein: Wir lehnen bte Kredite ad, well wir auch nrcht mittelbar die KrveaS Politik der Regierung unterstütze» wollen. (Beifall b. d. Soz. Arb.)

Abg. Bassermaua (natl.): Ich beantrage, die Vorlage sofort in allen drei Lesungen zu erledigen Damit gibt der Reichstag am wirksamsten seinen uu-erschütterlichen Willen zur Verteidi­gung de» Vaterland«» und der siegreichen Durchführung de» Kriege- Ausdruck. (Lebh. Beifall.)

Die Vorlage wird in aklen brVi Lefn ngen und ht der Gejamtabftimmung gegen die Stimmen der Sozialdemo­kratischen ArbeitSoemeirsschaft *ab de» Abg. Rühie angenom­men. (Leblh. Beifall.)

Der hklWMsschuh MIÜ die amwörktze DoW.

ES folgt die namentliche Abstimmung über den gestern verhandelten Antrag de» Hauptausschusses, ihm auch während der Vertagung de» Reichstags das Recht gu geben, zur Beraturig von KrregSfragen und aus- wärtigen Angelegenheiten zusammenzutreten. Der An­trag wird mit 862 gegen 81 konservative Stimmen bei einer Ent­haltung angenommen. Der konservative Antrag, der dem Hauptausschuß dieses Recht nur währesd der Kriegs, zeit elugestehen will, ist damit erledigt.

ver Knrs der ZörfeMPiere.

Der Gesetzentwurf ermächtigt den BundeSrat, für dre Der- aulagung der Defitzfteuer und der Kriegs st euer die Kurse der Wertpapiere auf den 31. Dezember feftzusetzen. Der Reichskanzler ist ermächtigt, die Kurse vorläufig zu bestimmen.

Abg. Zimmermrnu (ntlb.): Grundsätzliche Bedenken haben wir gegen die Vorlage nicht. Wir haben aber im ernzelue» mancherlei schwerwiegende Bedenken. Deshalb beantragen wir. die Vorlage dem Ausschüsse für Handel und Gewerbe zu über­weisen.

Abg. Freiherr vS« Gaur- (Deuttche Frakkio«) wünscht die Vorlage einem besonderen Ausschuß von 14 Milgüederu zu überweisen, damit die Deroturrgen möglichst schnell ga Ende kommen.

Die Vorlage geht an einen besonderen Mrs schuh von 14 Mt- gliedern.

Die SchMaft.

Nm 7 Uhr abends beginnt vor leerem Hanse di« Verat»»g

Über die Schutzhaft.

Der Lxrupta 'chuß hat einen Gesetzentwurf über die Schutzhast rend eines Kriegszustandes ausgearbeitet. Die näheren Bestimmungen sirrd schon a«» den Ausschiaßberatungen bekannt.

Wie^der Berichterstatter Abg. Dr. Stresemann (Nakl.) mit- teilt, schlägt der HauptauSschuh vor, diesen Gesetzentwurf einer» besonderen Ausschuß zur Borberatung zu überweis«».

Abg. LanbSberg (Soz.): Die Freiheit eine» Büvger» darf nickst angetastet werden, weil er sich bei irgendeiner Behörde mißlieb^i gemacht hat. Es ist doch sehr fraglich, was gefährlicher ist: eine Kundgebung auf dem Potsdamer Platz in Berlin oder eine Ver­sammlung m der Schwanthaler Straße in München. Wenn man einen hohen Beamten darüber fragen würde, der dabei leicht in dieWildgrn.be" fallen könnte, dann dürfte das Urteil sehr antibauerisch auSfallen. Es sind MißbGanche gegen die persönliche Freiheit vorgekommen, die geradez-u »ach Garantien schreien.

Abg. GrSLer (Ztr.)r Die Er5-brnngen mA der Schutzhaft stntz überaus traurig. So rasch wie mög lich müssen wir,Abhilfe schaffen. Für die Verhängung der Schutzh- r'i ist jetzt nicht einmal ein be­stimmter Tatbestand notivenija. Wen» der Krieg viele Jahre dauert, kann jemand toc$e» Verdacht» Jahre in Schutzhaft ver­bringen. Die ^Nachprüfung" ist keftl geriügender RechtSscyntz, fie erfolgt durch daS Militär. Die Sache muh bald erledigt werden. Ich beantrage, die Vorlage einem Ausschuß von 21 Mitgliedern zu überweisen. Eine Entschädigung für die erktttcne ^chntzhast muß unbedingt gewährt werden.

Vizepräsisident Dr. Parrsche: Zu meinem Bedauern stegt jetzt ein Antrag auf Bertagring vor. (Heiterkeit.)

DaS Haus vertagt sich.

Nächste Sitzung: Sonnabend 3 Nhr: Antrag Schiffer

(Natt.) über die AuSkunftSerteilung bezüglich der KriegSverord- nungen, Zensur, Schutzhast, Bittschriften.

Schluß %8 lchr.

Ärmst, Wissenschaft rrnd Leben.

r StäaelttlUt 5n>w Ehrenfriedersdors l1 ' ®jeäbner Gcmälde.Galerie. Dre knl, Ge- MLlde-Galeru- t» Dresden ist» Mie dieKlmstchlvnik" bericht-t ^ y hervorragendes Werk altdeutscher Kunst bereist worden'

?ls Leihgnde. xunlichst bis Kwn 1921, der Mische sslngelaltar aus der Kirche ,u Ehren, faeb^totf tm sacchrschen ErWebirA- «tufecjWÜ worden, der um I ? a&r Ji 10 ' wahrschemllch als Stiftung des Kurfürsten Fried- rra> des Wersen Geschäften worden ich Dieser Altar ist ein wahr. ^ftFvoharkses Werk alter deutscher Kunst im! reichsten Zusammen­wirken von Mastik, Malerer und ornamentaler Shraft. Das <wriuc

8 P* *iflt als plastische

gntfe fe tue Hwfomrm, Maria und Nikolaus: Maria

lieht «aff der Mondsrchcl und wird von den ans Wolken lieraus« raMwden Gestalten (^twater und Lhrichus grkrdn,, währmd oben d arübe r der^tzcrlige Geist rn Gestalt der Taube worbt, also eine symbolische ^aritelluny der nnbesleikten Empfängnis Der Untersak Mch. ebenfalls in geschnitzten Figuren, den auferswndmen Christus zwischen zwei schlasendm Wächtern und zwei Enqeln: aeschuitzt sind «nd!«h auch die drei Gruppen des Mufsatzez Ehrichrs am, Kreuz zwichl^n Mama und Johannes, Jesu Darstellung im Tempe und Christus vor Lilatus^ Dazu kommen di« Gemälde aus den Rugeln: mr Innern des inneren Fliigelpaars Barbara und Erasmus: bei geschlchsenem nnierem^ Flüssclvaar sichtbar: Abend-

ftas im Gebet in Gethsemane (unten: Wmz Davch dre spielend), der Verrat des J'ndas (nntenj Ermordimg AmacaS durch Saul) und Christus vor dem Hohen- pvester Kachtzs Mlien: der Kbnm der Amnwniter säpieidtt d^ dem Boten Davids mrt einem Me,srr den Bart ab). Endlich ben Auhentafeln des äusterrn Flüqelpaares die Brschose WolfgaNA imd Marlin, die Apostel Andreas und Bar­tholomäus^ Das rm .avnzen wohlerhaltene Werk ist in Einzcl- -hmten Linstaerecht wiederhergestellt und darft da es bisher nur wMiig berannt.war, als eine beteutsame BevetchierMa unseres Schatzes attdeichcher Malerei und Plastik bezeichnet' >verden^ Pros Bruck in Dresden weist die Gemälde der süddeutschen Schule m.

bem Kreise von Sans .Holbein d. Ar' und Matthias Gruncwald angehört. Das oushesprochene Streben nach krästiper Natürlichkeit der Aeusterlichkeiten dft iiidividE Tin-chbilduna der Gesitlster nnd die lebendige Wcseusbedvnnq d,e ben Maen wie in den Bewegunpen aus stacht sind

ebenso ^ch-nenb.für den Künstler wie die Tiefe und Leuchtlriaft Farben. Mrt besonderer Stärke ist der Gegensatz zwischen Widersachern heransgearbeitet. Tie groß- zugrge Behandlung des Faltenwurfs und die Würde der Einz-el-

Mtalten gibt dresem daS Gepräge ernster Größe imd Erhabenheit. Ebenso diese Eigenschaften finden wir in den gesäinitzten Gestalten des Mittelstücks; in den werblichen Gestalten ist das Streben nach Anmut uno Lrebrerz unverkennbar. Ueberaus reizvoll ist endlich das ^rerlrche Alkwerk, das die Mittelgruppe umralMt. Ter Name des Lchnrtzers, der dieses Werk wohl nach dem Entwurf des Malers und unter seiner Aufsicht technisch so meisterhaft und rnit so viel kunstlerrlchem ^>erstärrdnis ans ge führt hat, ist leider ebenso rurbe- kannt, wre der des Meisters selbst.

Ein Vulkan als Elektrizilätskraftwerk. Not macht erfmderisch, und so haben die Italiener aus ihrer Kohlennvt dadurch erneu Ausweg gesucht, daß sie die Kräfte gewisser un- ^gentlrcher .Vulkane rn Form vvn elektrischer Maft ausnutzen. Bererts seit einer Reihe von Jahren hat man daniit Versuche ge- niacht, aber erst wtzt hat man einen wirklichen Erfolg erzielt. Nach ernem Auflatze von Professor Lurggi in derNarva Antologia" l-at eine große Gesellschaft dieSoffieni", ans bmr.i überlsitztev Wasserdampf dem Boden entströmt, in der Gegend von Lardorolla, Bolterra, Castelnuvvo und einigen anderen Orten zur Anlage von Elektrizrtatskraftwerken benutzt und es sollen bereits 3 Turbinen in: Betrieb fern, dw jede 3000 Külowatt lchsKerr. Seit 1903 hat man mit diesem Dampf Turbinen zu treibm begonnen. Ter Dampf hat Temperaturen zwisckien 160 und 190 Grad und steht unter emem Druck von 2 bis 3 Lttinosphären, so daß tatsächlich, da er dauernd ausströmt, große Kraftmengen zur Verfügmlg -stehen. Allein die eriten Maschinen, die man, mit ferner Hilfe betrieb, wur­den rasch iMbrauchbar, Werl sie der Ernvurkungi der im Darnpfe ent­haltenen schwefligen Säure nicht lange stand halten konnten Ein .mgenieur, namens Brigheiita hat nun eine anscheinend glück­liche Losung der Aufgabe geflorden: er nutzt die Dämpfe, die ans dem Boden strömen, nicht unmittelbar aus, sondern mittelbar; sie dienen nur zur Erlsitzung des Wasserdampses, der che Turbinen treibt und so hat er eme Turbinenanlage erfunden!, bei der der treibende Wasserdampf einen Kreislauf durchläuft nnd, loenn er ss Turbine.geströmt ist, wieder verflüssigt wird. Gegenwärtig

tat der Betrieb schon eine erhebliche Ausdehnung: der elektrische ^tvom wird, ailf eine Spannung vmi 36 OCK) Volt gebracht, in fünf versfluedlmen Lertimgen v^orsandt, nämlich nach Äollerra, Siena, Uocuw, Livorno und Floren-, also über nicht unerhebliche Ent- wrnnwgen. In FGixmz dient er beispielsweise der elektrischen als Betriebsstrom. In der Gegend der Kraftwerke jelbst versorgt er sämtliche Beleuchtungsanlagen.

DieTragikomödiedes franz ö si schen Regie- r u n g s weines. Trotzdem Frankreich naturgemäß weniger auf eine rationelle Verwertung der Lebensmittel angewiesen ist, als dies unter den gegenwärtigen Umständeri in Deutschland der Fall flin muß, kampsen doch die, Franzosen in dieser Beziehung miti anßerordentlch großen Schwierigkeiten, was erstens auf den Man­

gel an einheitlicher leitender Organisation, zn»eitens auf ein ge rmgeres Zusammenarbeiten der einzelnen Bevölkerungskreise irnJ trntfrmä ans die große und korrupte Mackft der Er^uger und Groß m övrlickzusühren ist. Tatsächlich nehmen in Frankreich ge wiift Produzenten kreise eine Stellung ein, die RegierüngAmatznah men auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung häufig zu eine bezeichnenden Komödie macht. Das drasfischste Beispiel hier Mr Vttne Tragikomödie des französischen Regierungstveines, übe dre L'Oeiivre nicht ohne starke Ironie berichtet. Da die Weinpreiß m ^rankrem) in geradezu unglaublicher Weise stiegen wobei ji beachten ist, daß infolge des Wechten Wassers der blllige Weh l" ^ankreich rin wichtiges Genuß mittel auch für die ärmsten Bv

völkerungsschichäen darsteltt nahm die Regierung endlich di Sache xn die &(mb, indem sie beschloß. ' ' " ' '

mZTts* ' r Z"" ' vn V w, r . ru eigener Regie eine

Volkskriegswern Herstellen zu lassen. Und zwar entschied sich di

hierfür herangezogene Intendantur für die Erzeugimg eines alko holfrewn Zuckerweines aus Rosinen. Ungeheuere Mengen getrvck neter Rosmen nmrden aufgekanft, man sammelte die erforixwlichei

Zuckermengen nnd erwarb bei teuren Preisen das für die Her ltellung notwendige Material, nian ließ Spezialistm

- D - -- I«» u M , vyvsumnui kommen, ver

Muhtete Hilfsarbeiter, mietete geeignete Räumlichkeiten usw. Al dies ivnrde ans Angft vor den großen Weinhändlern -- ir Geheimen dnrchgeführt. Aber als es sich darum handelte, nunmeh zur Herstellung des famosen Regierungsweines zu schreiten, zeigt es sich, daß bereits wder zweite Bürger Frankreick^ um das streng brMete Geheimnis wußte. Nun schlossen sich die Wein Händler, die Ageiiten und anderen <m der Weininchistrie Beteiligtei zusammen urid vereinten ihre Bemühmrgen, not den Verkauf uni E kontere Herstellung des Regierungslmfines zu verhindern. Si machten geltend, daß das französisckie Getränkegesetz vom Jahr

1893 eine solche Konkurrenz gegen ben Weinhandcl^nur mit Zc Ilimmung des^ Parlaments gestatftt. Lange wurde hin nnd her gl

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stritten, und die Wern Händler, die wohl sehr nachdrücklick-e Hilfe

mittel zu Gebote haben mußten, trugen einen für Frankreich nick gerade rühmlicheil Sieg davon. Inzwischen hatte aber die Regst rnng für ihren Wein viele Millionen ausgegeben. Was sollte mi all diesen angelegten Werten geschehen? Eme Lösung dieser Fraa ivurde bald gesunden. Die größten ftanzösischen Privatdestillateur würden durch die Regierung verpflichtet, um die Umwandlung de alkohollvsen Zuckerweines in einen dem veralteten Gesetz ruaunste der Weinhändler entspreck-endeli Alkoholwein zu überwachen wobk die Weinhändler nattirlich beteiligt sind. So war der alko Hollos Regierungswein em kurzer Traum, und er wandelt sich in eine, ganz gewöhnlichen Wein, der sich von den anderen wir dadurö unterschevdet, daß er noch teurer fern wird als sie.