^laatssekreläc Dr. Hclsfcrich . Ich kann mein E r st a u n e n über Die Äasführungen des Mg. Dr. Paasche nicht verhehlen. Ich habe ausdrücklich ausgesprochen, daß, wenn die ^'itteiirrnften des Mg. Dittmann wahr sind, die Beamten, die Ksich sm'cher BerfeDmige« schuldig gemacht haben, die schärfste Verurteilung erfahren müssen. Ich habe aber gebeten, erst die Fälle zu prüfen und dann zu urteilen.
Mg. H««tz ( tM rffer): Elsaß-Lothringen ist leider zum klassischen Lande der i^utzhcrft geworden. Mehr als tausend Bürger sind von dieser harten Maßnahme getroffen Worden. Erst einem Teil ist die Arercheit wiedergegeben. Diese Verhaftungen erfolgten vielfach aus Denrmzrationen hin. Mehr als hundert Fälle srnd mir bekanru. Eine ehemalige Kellnerin, die in Straßburg ein KorrespondenHbureau unterhält und die eine Vertrauens- Person des Allbeubsche« Verbandes sein soll (Heiterkeit), hat dem Gouvernemenr eine Liste von 128 Personen überreicht, die dann auch in Schutzhaft genommen wurden. (Hört, hört! und Unruhe. Abg. Ledebcmr: Das ist infam!)
Ein lothringischer Landtagsabgeordueter wurde ebenfalls rn Schutzhast genoranw». Er wurde mir freigelassen, nachdem er sich gegenüber dem Gouvernement m Metz verpflichtet hatte, alle Ehrenämter niederzrilegen. (Hört, hört!) Hier sollte ein politischer Gegner besortigt-wcrden. Wenn ein-Verhafteter für seinen Lebensunterhalt nicht selbst sorgen kann, dann wird er in einem Jnter- niernng»lag<- urttergebracht. und es kann dann leicht der Fall erutveten. da ein Deutsche' sich dort als Knecht oder Magd eines wohlhabende,i feindüchen Ausländers verdingt. Eine alte Frau wurde vor !uei Iabren in Schutzhaft genommen. Ihre beiden Sohne sind den Heldentod für das Vaterland geftvrben. Da sie mitteklos war, wurde sie in ^aS Internierungslager in Holzminden gebracht. Dort ist sie aus die Mildtätigkeit der dort inhafti-erten «v,^ c . r s: nzösi schen Halbwelt angewiesen. (Leshüste Psnirufe.) Dieser Fall ist schon im elsaß-lothringischen Landtage zur Sprache gekommen, leider ohne Erfolg. (Hört, hört!) .Hoffentlich wird ihm jetzt endlich ein Ende bereitet.
' Fchreabach (Zentr.): Der Staatssekretär hat mit vollem
'Recht fernem Stolze über das alte Deutschland, das Deutschland der Gerechtigkeit und das Deutschland der .Kultur, Ausdruck gc- gebM. Aber iu diesem Kriege um die Lebensexistenz des Volkes müssen auch Mittel zur Anwendung kommen, die schwere Härten AEgen; wo es die Rettung des Vaterlandes gilt, da müssen «ruch d»e schwersten Unzutröglichkeiten mit in Kauf genommen tverdeu. Recht hat der Staatssekretär dem Mg. Dittmann
horgeworscn. daß er die Fälle zunächst hätte im HanshaltsauSschuß rn vEm Umrange dortragen müssen. Herr Abg. Dittmann, sind Sre gch klar darüber, welchen Eindruck Ihre Rede in Deutschland und im Auslande machen wird? Sie wollen doch nicht draußen einen Sturm erregen, sondern Besserung erzielen. Da hätten Sie dm Sachen dem Ausschuß vortragen müssen, und hätte dann die Regierung nicht mit eisernem Besen gereinigt, dann hätten 'sre recht gehabt, die Sachen hier vorzubringen. (Sehr richtig!) Allerdings mutz ich doch sagen: eS ist schon so viel festgestellt worden, daß das .Haus eine allgemeine Entrüstung gefaßt hat und fasten mußte. Was der Abg. Paascke hier zum Ausdruck gebracht hat, entsprach der Stimmung des Hauses. Auch von bürgerlicher Seite mußte ein kräftiges, ein ernstes, ein scharfes Wort gesprochen werden. (Lebhafte Zustimmung.) Die Debatte durfte nicht so in das Land hinausgehen. Deshalb verdient der Abgeordnete Paasche den Dank des Hauses. Diese Zustände dienen nicht zum Ruhme des deutschen Nomens und deshalb empfindet jeder Patriot den heutigen Tag als einen Dnglückstag.
Es sind Gewalt Maßnahmen vorgekommen. die weder unter dem Gesichtspunkte des Rechtes, noch der Humanität sich recht- fertigen lasten. Das muß ausgesprochen werden. Werden die Schuldigen festgastellt, so hoffe ich daß es für diese eine Milde micht gibt. (Verfall.) Sie haben sich versündigt am deutschen Normen. (Zustimmung.) Sie haben einen unendlichen Schaden d«n Rufe und dem Ansehen ^ des deuffchen Namens zugefügt. MM hatte so etwas nicht für möglich gehalten. Es ist uns ^sonders schmerzlich, daß es an hervorragenden stelle« DLänuer gibt, die zu solchen Taten fähig sind. Hoffentüch wirkt der heutige Tag als reinigendes Gewitter. Wir Wßen in Zukunft wieder das gerechte, das von Kultur und Humanität getragene Deutschland sein, wo dagegen gefehlt ist, noch die Regierung mit aller Energie eingrcifeu. (Beifall.)
Wg. Scheide mau» (Sog.): Fort mit dem BelagerurrgSzustaiüi! Äus diesem Boden find diese häßlichen Dinge erst möglich
waren Sie alle erstaunt? Well Sie keine Kenntnis da-
twn hatten? Und warum nicht? Weil die Zensur nicht zu- ^lretz. daß die Presse darüber berichtete. Nur wo das Licht fehlt, sind solche Dinge möglich. Man muß sich schämen, daß der
r i sche L a n h t ag Sa b ge o r d n e te Ouidde mit der
tBeKnmrnrrkg, innerhalb 24 Stunden Berlin zn verlassen, nack> München abreifen mußte. (Hört hört!) Nicht nur Arbeiter hat -man verhaftet, bis 'n d i e K r e i s e d e r D r v l o m a t i e ist man Wgnngen. Leute, die das Deutsche Reich im Auslands vertreten chaben, hat man monatelang festgehalten, well man ihnen nicht (Hört/ hört!) So behandelt man nicht das deutsche Vo«, dar sich so wunderbar in diesem Kriege gezeigt hat. (Beifall.)
j . Abg. Dr. MlMer-Memingen (Fortschr. Bp.): Wir find alle
-enng, die heutige Verhandlung beweist die völlige Unhaltbarkeit des llchigen Rechtszustandes. DaS Belagerungszustandsgesetz muß wolftg reformlert werden, schon während des Krieges. Man mischt [W** Ek bürgerlichen Angelegenheiten mit einem.geradezu krank- haften Machigefühl. Wir haben Dutzende von Diktatoren. Die üexaiorischen Bürokratenstückchen häufen sich. Ein verzweifelter Staat braucht einen Maulkorb für seine neurasthenische Bevölfi- rung, das deutsche Volk braucht aber keinen. (Beifall.)
Abg, Sepda (Pole): Unsere Entrüstung ist einer Steigerung nicht mehr fähig. Gerade die polnische Bevölkerung hat unter der Schu^haft^ gelitten.
Oberst Wriesberg: Zum KrisgKbegftm waren wir d o
Spionen umgeben. Da forderte e§ die Sicherheit für da -Heer und das Land, daß scharf durchgegriffen wurde. Daß d Falle borgekommen sind, m jenen daneben gehauen ist. ist mögliv Aber eine schnelle Maßnahme ist bester als gar keine. Die Heere- kettvalttrm ist seit Anfang des .Krieges bemüht gewesen. de Scyad-rn. sobald sie beLcmnt geworden find, mit Nachdruck naä 3'igehen Mehrere Verordnungen find erlassen worden, und üc gcio-.eht auch noch Der letzte Erlaß vom KriegSministerium, ix tmt im Ausschuß vorgelesen haben, hat doch den Beifall deS Au- fchustes gefunden. Denn anders kann man es doch nicht erkläre
öer Wunsch orn uns gestellt wurde, diesen Erlaß zu veröffen .u^ das geschieht auch. Die einzelnen Fälle, die da vo gebracht sind, kenne ich nicht. Aber jeder Vertreter der Regierur H r . u * “ u ?.fa u fc betont, wenn sich herausüellt. daß solche Schade tatsächlich sich ereignet haben, dann wird mit allem Nach druck durchg-griffen. /(Beifall.) Ueberhaupt wird bei d, Heeresverwaltung, wenn etwas schlecht ist, überall durchgegriffe:
Abg. Dtttmann (Soz. Arb.):. Der Belagerungszusta>rd mu aufneyaben irreren. Das Spionagegesetz gibt schon den nötige Schutz Herr Helfenfch fft für die alte aristokratische Republ plwm eurgetreten. Das scheint fern Ideal zu sein.
Staatssekretär Dr. Hekfterich: Ich wiederhole nochmals: I. habe kernen Zweftel gelassen, daß die Fälle, wenn sie richtig g. fchildect smd, auch von der Reichslertung und den militärische Instanzen aufs schärfste mi-ßbilligt werden. (Zurr der Soz: Das genügt nicht!) Das spreche ich nicht nur tt>eoretis> chrs. Ich mache hier keine Theorie. Der nötig« Nachdruck wir cahruterges^zt. Ich stehe aber auch Lier als Vorgesetzter ein« Mr großen Anzahl von Beamten, und ich verurteile keinen, ek ich chu nicht gch-rt habe. Ehe ihm nichts bewiesen ist, ist e merne Pflicht und SchuLigkeit, ihn zu decken. Und das tue ick
MN t der Tendenz der Anträge sind auch wi c i n v e a n d e n. Auch wir hoffen, daß eine Besserung erzie torrd. bleber die Wege wird sich eine Verständigung erzielen laste - Daraus können Sie ersehen, daß ich nicht der Mann bin, der ft /«inen deutschen Zuchthausstaat eintritt oder für die römisck Sklaverei. Der Diktator hatte Gewalt über die römischen Bürge weil in Rom das Staatsbewutztsein am schärfsten ausgebildi war von allen Staaten des klassischen Altertums. Auch im alte Mmn h«t man anerkannt, daß in Kriegszeiten Ausnahmeverhcll Liste oestehe!,. Nun noch ein Appell: Vergessen Sie die Grün! Lagen nulitl Schütten Sie das .Kind nicht mit dem Bade au /'Sn önein Kampfe, wie wrr ihn führen müssen, darf der emzelr
und sein Recht nicht die RMe spielen w»e in Friedenszerben, wo
cs kein größeres Unglück gibt, als wenn die Gerichte einen Unschuldigen verurteilen. In Kriegszeiten steht das Vaterland höher. Rasche Zugriffe sind notwendig, die nur durch eine dem Individuum gegenüber verstärkte Staatsgewalt erzielt werden können. Eine Abschaffung des Belagerungszustandes kann ich mir in dieser Krrcgszeit nicht denken. Wir wollen uns aber bemühen, Härten zu beseitigen.
Oberst Wriesberg stellt fest, daß gegen ftüher zlveifelloS eine Besserung erzielt worden ist.
Damit schließt die Aussprache. Der Gesetzentwurf geht an einen besonderen Ausschuß von 24 Mitgliedern.
Einige Bittschriften iverden erledigt.
Nächste Sitzung: Montag 3 Uhr': Zensur und
Belagerungszustand, Bericht des Ausschusses für Handel und Gewerbe.
Schluß 7 Uhr.
Bei hindenburg und Ludendorff.
Die „Nene Freie Presse" veröffentlicht Iden Inhalt einer Unter- redimg, die ihr Berliner Korrespondent Dr. Ärul Gvldnrann im großen Hauptquartier mit Generalfeldmarschall von Hindenburg hatte. Ueber die Kriegslage sagte Hindenburg: „Es steht so günstig, wie nur möglich, und alles wird weiter gut gehen. Prophezeie ist undankbar, aber es ist niöglich, daß das Jahr 1917 die Känipfe bringt, die den Krieg enffcheideu. Ich weiß es nicht, niemand weiß es. Ich weiß nur, daß wir den Krieg durchkämpsen werden bis zur Entscheidung."
Hindenbnrg erkundigte sich nach der Stimmung in Oesterreich-Ungarn. Aus die Antwort, daß sie gut und znversicht- lich. sei, daß man. aber wie überall das Ende des Krieges herbeisehne, erwiderte er: „Das wünschen wir alle, das kann ich wohl verstehen. Oesterreich-Ungarns Volk erfüllte iu diesen: Kriege seine volle Pflicht und brachte alle schweren Opfer, die es bringen mußte. Aber noch inüssen neue Opfer gebracht werden, damit die bisherigen nicht vergeblich sind." Und Ludendorff sagte: „Sage:: Sie Ihrer: österreichischen Freunden, es gibt nur ein sicheres Mittel, den Krieg abzukürzen: der feste Wille, ihn siegreich zu beenden. Jeder Soldat' oder Nichtsoldat muß am Kriege Mitwirken urid sich dessen beivußt sein, daß es keinen Weg rum Frieden gibt als den Krieg. Die ganze Volkskrast muß sich iu den Dienst des Krieges stellen. Ich wähle als Beispiel die Munition. Die Mmrition ist wohl nicht alles. Nicht die Granate, sondern der Geist der Soldaten führt die letzte Entscheidung herbei und der Geist der deutschen und österreichisch-ungarischen Soldaten ist allen Gegnern überlegen. Dennoch bedeutet die Munition im modernen .Kriege uugel?euer viel. Die Herstetllmg der Munition im ^höchsten Ausmaße ist die imchffgstc Ausgabe der Kriegführung und dieses Höchstmaß muß das wirkliche Maximum der Leistungsfähigkeit darstellcn. Bei einenl. Ihrer früheren Besuche sagte Ihnen Generalfeldmarschchl Hindenburg: Die Hauptsache ist die Manneszucht. Das ist ein wahres Wort. Manneszucht beruht auf Durchbildung des einzelnen Mwmes. An dieser unablässig zu arbeiten, ist gleichfalls eine der größten Aufgaben. Alle Versäumnisse, .die im Frieden etwa begangen wurden, kömren während des Krieges nachgeholt lverden Zur Truppenausbild-ung ist es niemals zu spät."
„Werden^ sich die russischen K r ä f te erschöpfen?" fragte der Besucher. — „Sie erschöpfen sich schon," lautete die Antwort. „Dafür sorgen vor allem die russischen Heerführer. Allerdings wachsen auch iu Rußland Menschen nach. Das macht aber nichts aus. Auch wir haben Menschen genug. Deutschland verfügt über M an n scha s ts er s a tz in Fülle und in Oesterreich-Un- gan: sind die Reserven :roch lange nicht erschöpft. Wir haben uns) vor der großen Zahl der Russen nieinals gefürchtet. Ueber macht und Gefalir exisüeren nur für den Sloacheu. En: fester Wille schafft sich sein Schicksal selber. Es gibt kein Verhängnis."
Dann sprach wieder Hindenburg: „Die neuen russischen Armeen sind so gut und so schlecht wie die alten. Tie hervorragendste Eigenschaft des russische:: Soldaten bleibt sein blinder Gehorsam. Fortschritte in müttarischer Richtung hat er nicht gemacht. Nur die russische Artillerie ist infolge der Ausbildung durch französische Und japanische Offfzieve, die ific zum Teil auch kommandieren, leistungsfähiger geworden. Aber unsere bleibt ihr mvch jetzt überlegen. Eine Zeitlang hatten die Russen mehr Munition als früher. Ihre Vknnitronsbestände wurden jetzt geringer und die Munitionszufuhr über Archangelsk und Wladiwostok wird infolge der Vereisung bald cmfhören." Der Besuchw verwies daraus, daß cs bei der Ernennung Hindenburgs zum - General stabschef allgemein hieß, er werde jetzt endlich sein Programm durchführen, daß der Krieg Nun im Osten beendet werden köirnc. Hindenburg antwortete: „Tie Leute ahnen nicht, welchen iUnsmn sie reden. Man tut einem .Heer- Ührer ganz Unrecht, ihm ein Programm^ anzudichten. Gewiß bildet ich in seinem Kopf ein Kriegsplan, eure Gesamtansicht v o m K r i e g e. Aber es gibt kein ferttges Programm oder vielmehr nur eirves: den Sieg M erringen. Wo und lvie er zu erringen ist, kann nur immer von neuem ans Gr:md der Ereignisse beurteilt werden. Deshalb kann die Eiltscheidung in diesem Krieg ebmsowohl im Osten wie im Westen gesucht werden. Unsinn ist es, z u behaupten, ich beabsichtige die Front im Westen zu verkürzen. Das fiel mir niemals ein. Warum soll ich es auch tun? Die Front im Westen steht bombenfest und wenn auä)ldie Gegner Nrrt riesiglem Mfwaud von Artillerie und Munition hie Und da ein wenige Boden gewinnen, durchlommen loerden sie nie? Da müßten sie noch 30 Jahre angveifen, ivenn sie Menschen genug haben. Die Franzosen zeigen große Zähigkeit. Aber sie rotten sich selbst durch 'btefc Kampfesweise aus, und auch ihre Zähigkeit wird ihnen nichts nützen, weil sie eben schließlich nicht mehr da sein werden. Das französische Volk dankt dieses Schicksal vor allem den Engländern. Wenn die EnMnder im Frühjahr eine neue Offensive im selben Stil verlangen sollten, werden sie Frankreich um den Rest seines Heeres und seiner Bolkskraft bringen. — Jü dem Urteil über den >Wert der militärischen! Leistungen Englands wird auch dieser Krieg wenig ändern: namentlich die große:: englischen Strategen sind auch diesmal ausgeblieben."
,^Jn Siebenbürgen," sagte Hindenburg, „geht es ausgezeichnet. Tie Rumänen gehen zurück und bebnnmen ihren Zahltag. Ich begrüße ihr Losgch'en m:t Freude, dadurch sind wir aus dem Stellungskrieg her aus g ekom men."
Bei .einem Glas Bier erzählte Hindenburg nach der Tafel, er habe seit Kriegsbeginn nur einmal Urlaub von 7 Tagen getrommen, UM seine Fainilie wiederzusehen. Tie Hauptsache sei der Schlaf. „Der Soldat muß schlafen können, das ist eine seiner wichtigsten Eigenschaften."
Rübenhöchftpreise.
Berlin, 28. Okt. (WTB. Amtlich.) Die geringe Kartoffelernte und die Stockungen der Lieferung der Winterkartoffcln an die Städte lmben in letzter Zeit eine unerhörte Spekulation und Preistreiberei mit den zur menschlichen Ernähnmg brauchbaren Wurzelfrüchlen veranlaßt. Händler und Ankäufer einzelner Städte durchziehen das Lm:d, bieten den Landwirten Preise, an deren Erziellmg diese oft selbst gar nicht gedacht haben. Zugleich verleiten sie die Verkäufer, statt der behördlich' angeordueteu dringlichen Kartoffettiefen:::g, die keineswegs dringliche Anfuhr der Wurzelfrüchte zu betreiben und Frachtraum dafür zu beanspruchen, der zurzeit für Kartoffeln und Getreide weit nötiger gebraucht wird. Diesen: Mißstand muß sofort entaegenge- treten werden. Das .Kriegsernähr::::samt hat deshalb Höchstpreise für die in Betracht kommende:: Wurzelftüchte festgesetzt. Alle zu höheren als den jetzt festgesetzten Höchstpreisen abgeschlossenen Kaufverträge werden insoweit für ungültig erklärt, als die Ware sich noch auf dem Grundstück des Erzeugers befindet. Die Kom- Munalverbäiche sind, um Höchstpreisüberschreitimgcn und die Ge- ^ährdtmg der ^cn-toffelliefening durch Beförderung von Wurzel- srückten zu verhindern, .bis auf weiteres ernmchtigt, Ausfuhr- und Verkehrsbefchränkungen anzuordnen.
Die Erhebung über die mit Wurzelftüchten bestellten Flächen kommt in nächster Zeit zum Mschluß. Erft dann können über die Sicherung des Bezuges der nörigen Mengen an Wurzelfrüchlen für die Bedarfsgemeinden Bestimmungen getroffen werden. Wenn durch die angeoÄneten Maßnahmen die Massenzuftlhr von Wur- zelftüchten in die Städte vorübergehend gehemmt wird, so ist das nicht nur erträglich, sondern im Interesse der Kartoffcllieferun^ erwünscht.
In Betracht ko:nmen Kohlrüben (Wruken, Vodenkoht- rüben, Steckrüben^, gelbe und weiße Feldmöhren, S to vpelrüben (Wasserrüben). Jede dieser Friuhtarten wird in zahlreiche:: Sorten angebaut. .Einzelne Sorten sind besonders aus Wohlgeschmack irnd Feinheit des Fleisches gezüchtet, werden mehr gartemuäßig angebaut, dienen auch in: Frieden nur Mr menschliche:: Nahrung und haben demgemäß auch im Frieden wesentlich höhere. Preise als gröbere Sorten, die in größeren Mengen feldmäßig angebaut, nur -zum kleinen Teil zur menschlichen Ernährung und überwiegend zur Viehfütterung benutzt werden, obwohl sie <m sich für Ernährungszlvecke auch durchaus brauchbar sind. Ein Preisunterschied nach den einzelnen Sorten kann praktisch nicht durchgeführt werden. Tie Erzeuger der feineren Speisesorten müssen sich deshalb :nit bem 1 allgemeinen Höchstpreis abftnden. Um nun Preistreibereien zu verhüten, sind auch Runkel rüben, die im allgemeinen nicht zur menschlichen Nahrung gseig::et sind, in die Höchstpreisbestimmungen eingezogen worden. Die Höchpreise gelten für dieLieferung durch denErzmger frei Waggon oder Kahn seiner nächsten Verladestelle. Die Landeszentralbehörden sind verpflichtet, ftir alsbaldige Festsetzung entsprechender Groß- und MeinhandM-Höchstpreise Sorge zu tragen, die je nach de:: Beförderungskosten und örtl:ck>en Abnahmeverhältnissen gewisse Ber- schiedeirheiten werden cmfweisen müssen. Die Erzengerhöchstpreise betragen auf den Zentner:
für Stoppelrüben.1,50 Mk.
für Runkelrüben ........ 1,80 „
für Kohlrübe::.. . 2,50 „
für weiße und gelbe Feldmöhren . . 4,— ,,
Soweit später zur TecUing des städtischen Bedarfes ländliche Kvm- munalverbände mit der Beschaffung der nötigen Mengen beauftragt werden, soll ihnen, um ihnen den freien Ankauf zu erleichtern, ein mäßiger Spielraum in der Preisbemessung gewährt werden. Nähere Bestimmungen hierüber werden nach Fertigstellung der An- bauerhebuug ergehen.
Uriegsbriefe von der rumänischen Krsnt.
Telegramm unseres zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Rumänische Offiziere und Soldaten als Mörder deutsche, Verwundeter und Gefangener.
Deutsches Kriegspressequartier Südost, den 28. Okt.
Die aktcucmäßige Feststellung des Tatbestandes über große Verstöße der rumänischen Kriegführung gegen die Bestimmungen des Völkerrechts werden seitens des deirtsck>en Oberkommandos, wie seitens der ungarischen Militär- und Zivilbehörden eifrig fortgesetzt. Folgende hier bereits' angedeiutete Fälle der Ernwrdung deutscher Verwundeter oder Gefangener können nunmehr als beweiskräftig dargetcm gelten: In den Kämpfen um Petroseny geriet die 4. Konwagnie eines märkischen Regiments nach der Erstürmung der Höhe 553 der Karte nach ^Einbruch der Dunkelheit insofern in eine üble Lage, als sie überraschend von starken feindlichen Kräften angegriffen umrde. Der Fichver der Kompagnie ließ den da bereits verwundeten Hor::iste:: „das Ganze halt" blasen und sammelte seine Kompagnie in der Ausgangsstellung. Für die Bergung der Verwundeten konnte hierbei nichts gefckiehen, sic mußten — 21 an der ZaU — zurückgeftkffen Werden. Die Zahl bezieht sich auf Leute, über deren Verletzung ihre Offiziere oder Kameraden näheres Wissen. Als der Rückzug erfolgte, waren sie pnt Teil dabei, unter Anwendung ihres Berbandszeuges ihr Blut zu stillen. Zwe: Tage später hatte nach der Niederlage des Feindes dieselbe Kom- pagltte die Auftäumungsarbeiten ans Höhe 553. Sie fand hierbei ihre Verwundeten bis auf vier tot vor. Die Toten wiesen j.edcr einzelne mehrfach Bajonettstiche an den verschiedensten Teilen des Wrpers, sowie Zertrümmerungen durch Keule:ffchläge vor, der wte Hornist z. B. eine Zerschmetterung des Unterkiefer. Mehrere Tote hatten das aufgewickelte Verbandzeug in der Hand, um ihre ursprüngliche:: Wunden zu verbinden, als sic mit Bajonett und Wl- ben bearbvftet lwirden. Darüber, wie sie gestorben, kann hiernach kein Zweifel bestehen. Noch krasser ist folgender Fall, dessen b>e- sMeiarigte Feststellung vor aller Well erwüüscht ist: In den Kämpfe:: am Roten-Turm-Paß geriet eine Abteilung von 37 — Mannschaften eines besonders volkstümlichen Münchener Regi- nrents — in ru:nä::ische Gefangenschaft. Sie wurden ausgeplündert :mb nach allerlei hier belanglosem 5pin und Her aus eine Kiesbank des Alt-Ufers geführt, wo ein deutsch sprechender, älterer rumänischer Offizier vom 49. Jnsa:tterre-Regiment den Mitgefangenen Unteroffizier veranlaßte, sie in Linien emschwenken zu lasten. WAirend dieser Befehl ausgeführt wurde, gab der Rumäne seinerseits einen Befehl, worauf seine Leute Schützenfeuec auf 1>te Gefangenen er öffneten, 10 von ihnen blieben sofort tot, 12 waren schwer. 7 leicht verwundet. Tie Leichtverwundeten und die übrigen 8, die unverwundet geblieben waren, warfen sich mit den Verwundete:: und Toten zu Boden. Noch ehe die Rumänen die Opfer ihrer Heldentat näher besickftigen konnten, begann in der Mhe ein deutsches Maschinengewehr zu hämmern, worauf sie schleunigst ver- versck/wanden. Tie Leichtverwundeten und die unverletzt gebliebenen an der Katastrophe erhoben sich! nach einer Weile und flüchteten nach den deutschen Linien hinüber, wo sie vvn einer Offizierspatrouille ausgenommen wurden. Aus der bezeichneten Kiesbank sind hinterher 15 Tote auf einen: Haufen aufgefunden worden, sie waren dadurch als Gefangene kennllich, daß sie Waffen nicht bei sich hatten. In der Nähe würde ein weiterer Angehöriger des Regiments gefesselt und erschossen aus gefunden. Protokolle über die zeugeneidlichen Vernehmungen haben mir Vorgelegen.
Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter.


