Ausgabe 
31.10.1916 Zweites Blatt
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rtt. 256

ZWeites Blatt

166 . Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Gletzener ZamMendlatter" und Ureisblatt für den Kreis Eietzen".

postfche<N»»1o: Frankfurt am Main Nr. ff686. Vankverkehr: Gewerbedank Gietzen.

vtensrag, Sh Moder 1916

Zwillingsrundoruck und Verlag:

Br ü hl'sche Unweriiläls-Buch-ir.Stttiidruckerei.

R. Lange, Gießen.

Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstiatjo 7. eschäf.s,leite u. Verlag:

Schriitleilung: 112.

Anschrift f.ir Tr.cht.iachrlchten:AnzeigerKiesen.

Mlson oder Hughes?

Wohl noch niemals wcrren die Verhältnisse bet der ame­rikanischen Präsidentenwahl so unklar als diesmal, wo die große Furage wenigerDemol-raten oder Republikaner?" als vielmehrWilson oder Hughes'?" lautet. Denn der Wahl­kampf dreht sich iin Laude der unbegrenzten Möglichkeiten diesmal noch weniger als sonst um die Parteiprogramme, welck-e jenseits des großen Teichs ohnehin niehr und mehr zu Atrappen herabsinken, als vielmehr um Personenfragen und um die Stellung dieser Personen zum Weltkrieg, der für die Yankees in erster Reihe -ein Geld krieg, ein business ist. Am 7. November wird die Entscheidung fallen, denn ivenn an diesem Tage auch nur die Elektoren gewählt wer­den, so bedeutet doch die nachher durch die Wahlmänner erfolgende Wahl des Präsidenten nur eine Formalität, da die Elektoren in der Praxis eine gebundene Mttrscbroute haben. Von den 531 Stimmen des Elektoralkolleginms muß der Kandidat, der am 7. November durchs Ziel gehen will, 266 erhalten. Wird Wilson oder Hughes der Glückliche sein? Bei der letzten Wahl im Jahre 1912 wurde Wilson in der Hauptsache gewählt, weil sich von der republikanischen Par­tei die progressive Rooseveltgruppe abgelöst hatte, denn Wilson hatte an sich eine Minderheit der Wählerstimmen, 6 292 670 gegen 7 611050 der beiden anderen Kandidaten. Diesmal hat Roosevelt zwar zum Schluß auf seine Kandida­tur, nachdem sein Durchfall offenbar geworden war, ver­zichtet, aber durch seine anfängliche Wahlagitation hat er doch wieder eine Zersplitterung in die Reihen der Republi­kaner getragen, während die demokratische Partei einiger ist denn je. Ja, selbst die deutschen Wähler, die bisher ganz überwiegend mit den Republikanern gingen und auch dies­mal zuerst lebhaft für Hughes eintraten, scheinen jetzt an­gesichts seiner zweideutigen Stellungnahme zu den durch den Weltkrieg entstandenen Fragen und vor allem aus Grund der unverschämten Hetze seines Schildträgers Roose- velt gegen Deutschland und die Deutsch-Amerikaner zum nicht geringen Teil von den Republikanern abzusallcn. So kommt es denn, daß die Wetten (die bei der amerika­nischen Präsidentenwahl eine große Rolle spielen), wäh­rend sie erst aus-2:1 für .Hughes abgeschlossen wurden, jetzt bereits gleich stehen.

Es wäre ein rein akademisches Vergnügen, sich mit den Programmen der beiden konkurrierenden Parteien zu be­schäftigen, denn Programme sind bei den amerikanischen Wahlen im wesentlichen ein Aushängeschild. Ihre Verwirk­lichung erfolgt nur in verschwindend geringem Maße, wird meist nicht einmal angestrebt, wie z. B. der Glanzpunkt des demokratischen Programms:Kampf gegen die Trusts", den auch Wilson nicht zu verwirklichen wagt! Die Republikaner sind die Partei der Schutzzöllner, aber auch unter dem demo­kratischen Regime ist der von den Republikanern gemachte hohe Zolltarif nur wenig ermäßigt worden. Die Republi­kaner sind die Partei des Jnrperial^mus, das heißt einer aktiven auswärtigen Politik, aber auch der Demokrat und Philosoph Wilson hat sich einigermaßen auf diese Bahn drängen lassen, wenn auch mit erheblichem Mißerfolg, ver­gleiche vor allem Mexiko.

Im übrigen kann gar nicht entschieden genug betont werden, daß die FrageDemokraten oder Republikaner, Wil­son oder Hughes" eine rein amerikanische ist^der wir allen Anlaß haben, kühl bis ans Herz hinan gegenübcrzuftehen.

Es ist richtig, daß der Präsident Wilson uns gegen­über eine ausgeprägte Unfreundlichkeit und sogar Feind­seligkeit an den Tag gelegt und daß er den Deutsch-Amerika­nern gegenüber mancherlei Unverschämtheiten begangen hat, Es ist auch vielleicht nicht ganz unmöglich, obwohl wenig wahrscheinlich, daß- die Parteilichkeit, die Wilson in seinem recht differenzierten Verhalten zu Deutschland und England zeigt, auf irgend welchen geheimen Verpflichtungen bericht, die der Präsident eingegangen ist, wenn auch die durch und durch englische Gesinnung Wilsons und seiner Ratgeber wohl als Erklärung für sein Verhalten, das so weit von der echten Neutralität entfernt ist, ausreicht. Aber wir haben keinerlei Sicherheit, daß Hughes den Begriff der Neutralität gerech­ter auslegen würde. Ja, der Einfluß, den der Prahlhans und Draufgänger Roosevelt auf ihn ausübt, könnte leicht da­zu führen, daß Hughes den Versuch machen würde, Wilson in Bezug auf die berüchtigte amerikanische Munitionsneu­tralität noch zu übertrumpfen.

Ob Wilson oder Hughes, wir müssen uns darauf ge­faßt machen, daß jeder Präsident Yankee-Politik mit einem starken Schuß Begünstigung Englands, von dem man kurz­sichtiger Weise einen Rückhalt gegen Japan erhofft, treiben wird. Wie stark jener Schuß sein wird, das hängt nicht so sehr von der Person des Präsidenten, als vielmehr einmal von den Munitionsverdienstmöglichkeiten und zweitens auch von der Gestaltung der Kriegslage ab, denn die praktischen Yankees haben doch im GrundeSympathien" für den ver­mutlichen Sieger. Aus allen diesen Gründen können wir uns zu der FrageHughes oder Wilson?" mit den Worten aus Schillers Ritter Toggenburg stellen:Ruhig kann ich euck) erscheinen, ruhig gehen sehn."

Aus dem haupiausschrch des Reichstags.

B erlin , 30. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Im Haupt aus- schuß des Reichstages wurde der Zentrumsantrag, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Heeres veiMial- tung die bar Beendigung des Krieges für sie entbehrlich werdenden Pferde, Fahrzeuge und Geräte an die Berufäveriuigun- gen der Landwirte und Gewerbetreibenden zu billigen Preisen ver­äußert, mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der von mehreren Parteien eingcbrachte Antrag, das Beköstigungsgeld der aus dienst­lichen Gründen auf Selbstverpfleguug angewiesenen Mannschaften entsprechend den verteuerten Lebensmitteln zu gestalten und ferner ein Antrag, die verheirateten Männer, besonders solche mit großer Kindcrzahl und ältere Jahrgänge, soweit dies aus militärischen Gründen angängig ist, für längere Zeit in die zu beurlauben, mit großer Mehrheit angenommen; schließlich wurde noch der sozialdemokratische Antrag, für die Durch- führung von Vorschriften zu sorgen, wodurch die besonderen Unter- offizrersküchen verboten werden, angenommen.

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Ein Erlaß Hindenburgs gegen Mißhandlungen.

Berlin, 30. Okt. (WTB.) Bei der Erörterung der Üöh- nunb,s- und V e r pf lc g u n g s f r a g e n im Hauptaus- schuf jedes Reichstages teilte heute Oberst v. Mrisberg mit, daß Generalfeldmarschall v. Hindenburg einen besonderen Er­laß g e g e n Miß Handlunge n herausgegeben habe. Die Ver­pflegung und Stimmung unseres Heeres sei vortrefflich. Der Ausschuß zur Beratung eines Entwurfes über die Festsetzung von Kursen der zum Börsen ha n.d e l zu gelassenen Wert­papiere nahm heute den Entwurf mit einer geringfügigen Aende- rung an.

Aus dem Reiche.

Berlin, 30. Okt. (WTB.) Ter Präsident des Reichstages. Dr. Kämpf. wurde von einem schweren Verlust betroffen. Heute vormittag ist seine Gattin gestorben.

Berlin, 30. Okt. (WTB. Amtlich.) Der Kaiser traf heute vormittag bald nach halb 11 Uhr im Reichskanzler Palais ein. Dort hatten sich beim Reichskanzler außer dein Staatssekretär des Innern die Untersta-atSsekretäre Wahnschasse und Heinrichs, der Präsident und die Vorstandsmitglieder des Kttiegsernährungsamtes sowie der Reichskommis'ar für die Uebcrgangswirtschaft nebst Mit­arbeitern versammelt. Ebenso waren die Leiter der wichtigsten Reichsstellen für Crmühruugsfragcn erschienen. Ter Kaiser ließ sich die Herren vorstellen, zog jeden einzelnen ins Gespräch und ver­weilte in angeregter Unterhaltung bis nach halb 1 Uhr im Reichs­kanzlerpalais.

Berlin, 30. Okt. (WTB.) Der Kaiser hat sich, von Pots­dam kommend, heute vormittag zum Reichskanzler begeben.

Arrs Hessen.

Die Zuteilung von Fleisch- und Butterzusatzrationen.

Der Abg. D a ni in beantragt in der Zweiten Kammer, diese wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, die oberste Medizinalbehörde zu veranlassen, mit möglichster Beschleunigung Richtlinien aufzustellen, die für die Zu­teilung von Fleisch- und Butterzusatzrationen durch die Aerzte für diese maßgebend sind.

Fleischversorgung der Bevölkerung.

Die Abgeordneten Dr. Schmitt und Genossen bean­tragen, die Zweite Kammer wolle beschließen, Großh. Re­gierung zu ersuchen,

1. der Kammer alsbald eine statistische Zusam­menstellung vorzulegen, aus der die in den ein­zelnen Städten und den größeren Orten des Groß­herzogtums seit Einführung der Fleischkarten tat­sächlich auf den Kops der Bevölkerung abgegebene Fleischmenge zu ersehen ist,

2. der Kammer alsbald Material vorzulegen, aus dem die Ursachen für die verschiedenartige Belieferung der Bevölkerung mit Fleisch zu erkennen sind,

3. dahin zu wirken, daß die verschiedenartige Belieferung der Bevölkerung mit Fleisch schleunigst beseitigt wird.

Ans Stadt nnd Canfc.

Gießen, 31. Oktober 1916.

** Haussch lacht n n g e n. Das Kriegsernährungsamt schreibt:Auch! in den Städten ist es erwünscht, die Schweine­haltung zu fördern. Wer einen Hof, ein Stück Land hat, auf dem ein Stall steht oder errichtet werden kann, sollte diese Gelegenheit benutzen. Nach § 9 der Verordnung über die Regelung der Fleischversorgung vom 21. August 1916 ist es zulässig, auch mehrere Personen, die gemeinsam ein Schwein halten und mästen, als Selbstversorger anzusehen und die ihnen dadurch zukommende Bevorzugung zu gewähren. Dabei ist an Fälle gedacht worden, in denen mehrere Fa­milien auf denselben oder benachbarten Grund-- stücken wohnen und in einem gemeinsamen Stall ein Schwein halten. Immer ist hierbei eine persönliche Betäti­gung des oder der Eigentümer des Schweines bezw. ihrer Angehörigen an dem Schlachttier vorausgesetzt. Eine finan­zielle Betätigung an der Mästung genügt nicht. Wer also sein Schwein in eine sog.ViehPension" gibt und dort mästen läßt, gilt nicht als Selbstversorger, selbst wenn er vielleicht die Abfälle des Haushakts dorthin abliefert. Er muß eben das Tier in unmittelbarem Gewahrsam haben, sonst hält er es -nicht selbst. Diese Bestimmung entspricht durchaus den schon jetzt geltenden Vorschriften. Zu betonen ist aber,^ daß nicht nur der Inhaber eines landwirtschaft­lichen Betriebes als Selbstversorger in Betracht kommt, sondern der Haushalt, der die eigene Haltung und Mästung eines Schweines gestattet, dazu berechtigt, an der Bevor­zugung des Selbstversorgers Anteil zu haben."

**T^rNovemberimVolksmund:Novemberschnee tut der jpaat nicht weh."Wenn her November regnet und frostet, dies der Saat das Leben kostet.Novcmberdormer v er, p recht guten Sommer." Wenn das Gewitter jedoch bei Vollmond eintritt, so soll das Getreide zwar im Gebirge gut, in der Ebene jedoch schlecht geraten.Sitzt das Laub, kommt ein harter Winter das glaub." Ter 11. November (Martini) spielt in den Wetter­regeln eine große Rolle. Fast allgemein erwartet mau an diesem Tage den Eintritt des klimatischen Winters.Sankt Marttn will Fener im Kamin."Zu Martin Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein."

** Die Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen- Stadt hielt am letzten Samstag im Grwerkschastshäuse seine A u s f ck u ß s i tzu n g ab. In Vertretung des Vorsitzenden des Ausschusses - Kaufmann Strauß leitete Buchbindermeister Bour­geois die Verhandlungen. Nach dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden des Vorstandes Ad. Bolz und den ausführlichen Ergänznngm des Geschäftsführers Fourier kann das Geschäftsjahr 1915 trotz des Krieges ws rerhrltnismäßig günstig bezeichnet wer­den. Durch Notgesetz vom 4. August 1914 waren die Kassen in die Lage versetzt, ans Anlaß der durch den Krieg eintretenden Mehrbelastung die Beiträge wesentlich zu erhöhen und die Mehr­leistungen in Wegfall kommen zu lassen. Bon dieser Gelegenheit haben die meisten Kassen ausgiebig Gebrauch gemacht imd dadurch verhältnismäßig hohe Ueberschüffe erzielt. Die'hiesige Ortskranken­kasse Gießen-Stadt dagegen' hat keine höheren Beitrage erhoben, außerdem auch nur einen kleinen Teil der vor dem Kriege bestandenen Mehrleistungen aufgegeben. Mit Rücksicht dar­aus, daß die Mitglieperzahl seit Kriegsausbruch ganz wesentlich zurückgegangen, die in der Kasse verbliebenen und neu eingette- tenen, insbesondere hie weiblichen Mitglieder wesentlich Hähers Anforderungen an die Kasse stellen, wie dies in Friedenszeiten im

Durchschnitt der Fall war, wird es nach Ansicht des Geschäfts­führers wohl auf die Dauer unmöglich sein, mit den seither erhv- denen Beiträgen auszukommen. Dazu kommt noch, daß die Kranken­kassen durch die Anszahung des Krankengeldes an verwundete und erkrankte KrieckZteilriehmer, an die seit Beginn des Krieges bereits ca. 40 000 Mk. zur Auszahlung gelangten, sowie durch die Ein- füh urg der Kriegswochenhi se eine wesentliche Belastung der Kasse eingrtre.en ist. Außerdem haben sich die Ausgaben für ärztliche Behandlung durch den ab 1. Januar 1st16 in Kraft getretenen neuen Arztvertrag .wesentlich erhöht. D^ Zahl der Mitglieder der Kasse betrug im Jahre 1915 durchschnittlich 8003 gegen 8583 rm Jahre 1914. An Beiträgen wurden vereinnahmt 249 248,94 Ml lgegen 295 065,15 Mk. im Jahre 1914), an Zinsen 7403,22 Mk. -bie Gesamteinnahmen betrugen 308 549,69 Mk., denen eine Gesamtausgabe von 293820,97 Mk. gegenübersteht Es wurden u. a. verausgabt an Honorar für Aerzte 5 3 201 Mk., an Zahnärzte 4754 M?., an Arznei und sonstige Heilmittel 26 756 Mk., an Krankenhans- vflege 20318 Mk.. an Krankengeld 84180 Mk., an W ö ch n e r i n n e n - u n d S t i l l g e l d 9788 Mk., an Sterbe­geld 4320 Mk., sowie an Verwal tungs kosten 39084 m Aach dem von dem Mitglied der Rechnim ^Prüfungskommission v. Kirchner erstatteten Bericht haben sich bei der eingehenden Prüfung der Rechnung pro 1915 wesentliche Anstände nicht er- g-'"en, so daß dem Rechner der Kasse Entlastung erteilt werden Konnte. Für die Prüfirngtzder Jahresrechmmg pro 1916 wurden die wrtherigen Mitglieder der Kommission Laudenbach, Braun Und Kirchner wi e der gew äh l t.

** Eierham ster u n d Selbstversorger. Durch di< Zeitungen geht die Notiz, die auf die großen, in privaten Haus­haltungen angesammelten Eiervorräte Aufmerksam macht. Die Be- tandansnahme der Lebensmittel am 1. September soll ergeben haben, daß in privaten Haushaltungen Vorversorgungen auf ein ^ ans Jahre hinaus voroekommen sind. Es ist selbstver- st^idttch... daß versucht werden wird, derarttge Entziehungen der Eicrvorräte aus dem Verkehr durch die neue Eierverbrauchsregelung irgendwie für die Allgemeinheit wieder auszualeichen. Zunächst wird hei der Hbervertettung d»r ausländischen Eier und der Eier, di" ans Vn eber-schuß gebieten abgeliefert werden, von der Zahl der BersoreunoSberech-tioten p,'n durch Abschätzung bestimmter Bruchteil als durch eineeiggerte Eier versorgt in Abzug aebracht werden Liegen die .Labsen der Bestandsaittnahme erst vollständig vor. sg wird näher aevrdit werden, inwieweit tgksgchkichen Por- Hans HA wodurch Anrechnung auf die Eierversorgung noch wirttemer zu erianen und.

** ® er Pv st sch eckverkehr hat den Zweck, den bargeld- losen Zahlungsausgleich möglichst zu fördern und den Zahlungs- veriehr zu vereinfachen, zu verbilligen und zu beschleunigen. Die Vorteil e des Postscheckverkehrs bestehen für den Einzelnen darin, daß der Inhaber einer Postscheckrechnung bei Zahlungsleistungen weder auf die Post zu gehen braucht, um Postanweisungen aufzu- liefern. noch andere Gänge zu diesem Zweck auszuführen hat. Auch hat er nicht nöttg, deshalb bares Gelb bei sich in der Woh­nung oder auf dem ^Geschäftszimmer bereitzuhalten und aufzube- wahren. Seine Vostscheckgelder sind vielmehr vor Verlusten durch Diebstahl oder Feuer gesichert. Er weist seine Zahlungen einfach vom Schreibtisch aus an und läßt diese Aufträge dem Postscheck­amte das seine Scheckrechnnng führt, in einem gewöhnlichen Briefe zugehen, den er in den nächsten Briefkasten steckt. Wie bve Erfahrung lehrt, kann der Inhaber einer Postscheckrechrmng ferner damit rechnen, daß bei den Vorteilen, die seinen Schuldnern durch die bekannte blaue Zahlkarte geboten werden, die Reckmungen schneller als bisher bezahlt werden. Da auch die Gebühren im Postscheckverkehr niedrig sind, empfiehlt es sich für jeden, der einen irgendwie nennenswerten Zahlungsverkehr hat, sich eine Postscheck- rcchnung eröffnen zu lassen. Hier in Gießen befinden sich bis fetzt 210 Postscheckkunden. '

** Preise und Bedingungen zur Heulieferung für dre-HeeresVerwaltung. Tie Lieferung an die Heeres- ver-waltung hat in ungebundenem und ungepreßtem Wiesenheu zu erfolgen. Ter Preis für dieses ist ans 80 Mk. für die Tonne fest- gesetzt. Für Kleeheu, das aber mir bei Mangel an Wiesenheu oder auf besondere Anforderung der Heeresverwaltung geliefert werden darf wird 90 Mk. für die Torme gezahlt. Für gepreßtes Heu, das VAZ falls nur aus besondere Anforderung geliefert werden darf, wird 90 Mk. für die Tonne gezahlt. Für gepreßtes Heu, das gleich­falls nur aus beiondere Anforderung geliefert werden darf, erhöht sieh der Preis um 7 Mk. für die Tonne. Es muß gefimde, unver­dorbene, haudelssähige Ware der Ernte 1916 von mindestens mitt­lerer Art und Güte und ohne fremde Zusätze geliefert werden. Für Ware von minderer Art und Güte wird ein entspre-chend niedrigerer Preis bezahlt. Die Preise erhöhen sich für 5>eu, das nach dem Lieferungsplan in der Zeit vom 1. bis 31. März 1917 geliesertt wird, um je 7,50 Mk. für die Tonne, für Heu. das in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1917 zu liefern ist, um je 15 Mk. für die Tonne. Wenn das Heu nicht freihändig erworben werden kann, sondern zwangsweise beigetrieben werden muß, so .wird der zu! zahlende Preis um je 10 Mk. für die Tonne berabgesetzt. In den festgesetzten Preisen sind die Kosten der Beförderung bis zur näch­sten Verladestelle oder einer von der Heeresverwaltung besttmmten Mnahmestelle sowie die Kosten des Einladens daselbst eingeschlossen Die Gemeinden erhalten für ihre vermittelnde Tätigkeit eine Ver­gütung von höchstens 6 Mk. für die Tomie. In diesen Betrag sind auch etwaige Konimissionsgebphren einbegriffen, die bei einer Be­teiligung des Handels an diesen gezahlt werden. Bei allen Sttcittg- keiten, die sich, aus der Lieferung ergeben, sollen, une bisher, nicht die ordentlichen Gerichte, sondern ein Schiedsgerickst entscheiden, das für jeden Proviantsamtsort eingesetzt wird. Die Bezahlung' des Heues erfolgt durch die Proviantämter, sobald diese das Heu empfangen und abgenommen haben.

** Gegen die anonymen Schreiben, die an die Militärbehörden gerichtet werden mrd die sich über Bevorzugunch einzelner Personen bei der Zurückstellung vom Heeresdienst be­klagen, wendet sich eine Belmmtmachung - des konrma;rdierendeni Generals des 11. Armeekorps. In derselben heißt cs unten anderem:Das Vaterland ist nicht nur an der Front, sondern ?i U( ^ San he zu verteidigen. Wenn auch das stellvertretende Generalkomwando das größte Interesse 'daran l>at, auch den letzten triegsverwendungsfähigen V?<rmr an die Front zu bringen, hat es' genau ebenso die Pflicht, die Betriebe im Lande ausifchtzuerhalten. Es lmrd desl-alb gebeten, die fortgesetzten anonymen Llnschuldiguu- gen wegen angeblicher Bevorzugimgen bei der Frage der Einstellung zum Hoeresdierist zu unterlassen und dahin zu ioirkcn, daß die Neberzeugung im Volke platzgreift, daß, so weit es in menschlicker Macht steht, alles geschieht, um gerecht abzuwägen, an welck-er Stelle die Kraft jedes einzelnen dem Baterlande anr zweckmäßigsten nutzbringend zu verwerten ist."

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 29. Okt. ImGasthaus zum Storch" trat heute der Gesamt-Taunusklub unter der Leitung des zweiten Vorsitzenden, Steuerinspektors Jt schert-Diez a. L. zu seiner 33. Hauptversammlung zusammen. Der Voranschlag für 1917 wurde in Einnahmen und Ausgaben auf 12 900 Mk. festgesetzt Es wurden bewilligt ftft die Monatsblätter 1500 Mk., die Verw alt in >g 1000 Mk., je 200 Mk. für Wegeanlagen, Türme, Schutzhütteu unv Quellenfassungeu, je 500 Mk. ftir Wegebezeichnunaeu und den