Ausgabe 
27.10.1916 Zweites Blatt
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Me Schlacht von Verdun.

Dritter Abschnitt.

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Auf dem Ostufer ftxmm nach Erreichung der allgemeinen, Jßütie BücheraumlleDouaumont die Operationen zu einvn län­geren Stillstände gekommen. Der starke französische Gegendruck und die Flankierung dom linken Maasufer her ließen ein lveiteces Vordringen der östlichen Angriffsgruppe vorllürsig nicht angezeigt erscheinen. Tabec mußten wir uns gleichwohl darüber klar sein » w»r den Besitz von Douaumont dauernd nur würden behaupten können, wenn es uns gelänge: erstens das Fort Faux, das wir uach dem ersten Anlaufe wieder l-atten aufgeben müssen, fest in untere Hand zu bekommen und zweiteirs auch darüber hinaus unsere ge,amtenne noch weiter gegen Südwesten und Süden vorzutragen Gegen Ende März gingen wir also auch hier wieder MNl Angriff über, der uns am 27. das Werk Hardaumont und in den nächten Wochen bis Mitte April kleinere Geländegewinne brachte- Am 17. April führte dieser Gefechtsabschnitt zur Ein- ,«chme einer Bergnase, welche südlich des Forts Douaumont sich hdht und durch ihre überhöhende Lage unseren Stellungen westkch und nordioestl'ch bcä Forts sehr unbequem gewesen Mi. - trüt ^chts des Flusses wieder eine Ruhepause von

rcsfrc nat ern. Die Gcschützkämpfe gegen die schwer zu fas- Unterstände sowie gegen die erheblich vermehrte fevwnkue chrttllene dauerten aber auch hier mit unverminderter Heftigkeit sorr und stellten an unsere Angrifssarttllerie große An­forderungen.

c erfolgreiche Fortschrcitcn unserer Angriffe

Silr*]? Östlichen lllfer bcwvg die Franzosen zu einem verzweifelten göf* 0 *' d«i Schwerpunkt der Kämpfe wiederum auf das rechte Muasuier lnnüberzureißen. Voyr 17. Mai ab setzte schweres Artil- leriefeuer auf das Fort Douaumont ein, an dessen Wiedergewin- mnig die Franzosen in vollkommen richtiger Würdigung seiner bervorragerwen Bedeutung für die Verteidigung ihre beste Kraft folgte in den nächsten Tagen ein schwerer und crsolg- vacher Angriff auf das Fort, der am 23. Mai zur völligen Ver- des .vorts führte und bits in die N>estlichen Fortgräben und m dre 'Nordwestspitze des Forts gelangte.

Aber schon setzte Unser Gegenangriff ein. Am 24. und 25. Mai mmn* die Franzosen eine schwere Niederlage. Unser Angriff ge- v«rru unö die ganze verloren gegangene Linie zurück und streß ssgar noch wert über sie hinaus nach Süden vor. Am 1. Juni der Eailette-Mald gestürmt, am 2. fiel das Fort Vaux in unsere Hand. Nur in den Hohlränmen konnte sich der Feind noch bis zum 7. Juni halten.

Eine weitere große Gruppe von Angriffskämpfen setzte bereits am 8. Juni ein. Sie brachte uns einen erheblichen Bodengewinn südlich des Forts Douaumont. Die Hauptpunkte, welche dabei in unsere Hand fielen, sind das Thian mont-Werk und das für die Ges'amtlage allerdings nicht bedeutungsvolle Dorf Fleury, welche smnt den zwischen liegenden Befestigungsanlagen auf dem Berg- AckenKalte Erde" am 23. Juni genommen wurden. Gegen diesen Geländegewinn auf dem Ostufer richtete der Feind seitdem eine große Reihe heftigster Gegenangriffe bei Tag und Nächst, die den Peginn der Somme-Offensive überdauerten und mit wech- sckndem Erfolge noch immer im Gange sind. Im Verlaufe dieser Kämpfe ist das Dorf Fleury wieder anfgegeben worden.

7.

So hat unsere Frühjahrsoffensrve bei Verdun uns einen uahmhaften Geländegewinn eingetragen und unsere Angriffsfront in einer zusammenhängenden Linie bis ttef in das System der permanenten Befestigungen des Eckpfeilers der französischen Lan -esVerteidigungslinie hineinvcrlegt.

Die. Franzosen sind bemüht, falte Verteidigung Verduns, so weit von einer solchen bei dem verlorenen Nord-Ost-Sektor der Festung die Rede sein kann, als eine kriegerische Leistung aller­ersten Ranges hinMstellen und sie rühmen dabei die Energie der Führung und die Tapferkeit ihrer Truppen. Gerade dadurch un­terstreichen sic aber die volle Größe der deutschen Angriffsleistun- qeu. Der Sieg wurde von den deutschen Truppen erkämpft gegen emen Feind, der alle Vorteile der systematisch ausgebauten Tauer befestignnq für sich geltend machen konnte, während für den An greiser sich der Zwang ergab, jeden Fußbreit Bodens nicht nur zu erobern. sondern auch Gn als Grundlage weiterer Angriffstätigkeit «Kzubauen und insbesondere für das schwere Geschütz die nötigen Anmarschwege und Stützpunkte im seiirdlichen Feuer zu schaffen.

Was dabei unsere Truppen an frischem Draufgängertum, an Mhem Festhalten des Errungenen, an freudigem - Ertragen uner- nfttier Strapazen und Schrecknisse aller Art und an nie versagen­der Angriffsfreudigkeit geboten haben, steht auf der höchsten Höhe dtS Heldentums. Ter Gewinn, den sie dadurch erkämpften, ist beträchtlich: Wir haben Einblick in das Becken von Verdun, in die Stadt, auf die Maasbrücken und die Bahnlinien und können alle diese Punkte unter wirksamstes Feuer nehmen. Damit ist Verduns Wert als Eckpfeller der französischen Landesbefeftigung zwar noch nicht völlig beseitigt, aber stark vermindert, seine Bedeutung als Brückenkopf Und Aufmarschgelände für einen Angriff aber schon völlig ansgeschaltet.

Norwegens Ausreden.

Recht lange haben die Ministerberatungen in .Kristiania Aedauert. die sich mit der Antwort an Deutschland beschäf­tigten. Man hat offenbar doch Angst vor dem eigenen Mut bekommen, zumal dieser Mut nicht ganz echt und urwüchsig, s-irdern durch englische Stärkungsmittel entflammt war. Den norwegischen Ministern ist vielleicht unterdessen ein­gefallen, daß sie ja erst ganz kürzlich in ihrer Landeshaupt- wlbt ein Schriftstück unterschrieben hatten, worin sich alle btei nordischen Staaten verpflichteten, bei einer loyalen und nnparteiischen Neutralität zu verharren. Kurz darauf

Norwegen seine Königliche Verordnung gegen die U- Boote losgelassen, die Deutschland als unfreundlichen Akt ansieht. Ein unfreundlicher Akt ist keine unparteiische Neu­tralität. Es gilt also, zu beweisen, daß wirklich kein un­freundlicher Akt vorliege. Schwer genug muß den norwegi­schen Ministern dieseBeweisführung" gefallen sein, das sieht man deutlich an dem politischen Feldzug, den die offiziöse und halböffiziöse Presse Kristianias zur Vorberei­tung der amtlichen Antwortnote unternehmen mußte. So müht sich der Anteiligenzsedlor" im Schweiße seines An­gesichts ab, das norwegische U-Boot-Verbot als übereiu- Armmend mit der Haager Konvention hinzustellen. Nor­wegen könne sich zwar nicht auf eine Neutralitätsverletzung seines Seegebiets berufen (was die Haager Konvention verlangt', aber dafür berufe es sich auf eine solche Schwe­dens. DieErfahrung" Schwedens sei mitwirkend für Nor­wegen. Im übrigen sei wo bleibt die Logik? eine Neu­tralitätsverletzung von seiten kriegführender U-Boote auf rnnmiegischem Seegebiet vorgekommeu, aber es seien keine Deutschen gewesen. Damit wird also zugegeben, daß das Verbot sich eigentlich nur gegen Deutschland richtet, wenn auch andere kriegführende Staatenschuld" seien. Man sieht, es klafft immer wieder eine Lücke in diesem merk­würdigenBeweis". Die Verletzungen des norwegischen Seegebiets durch U-Boote der Entente mögen sehr wohl vorgefallen sein. Die Regierung von Kristiania hat früher nie etwas davon verlauten lassen. Warum hat sie dem: damals nicht mit einem U-Boot-Verbot, bezw. auch nur mit einem Protest geantwortet? Warn in war alles gut und schön, solange die norwegische Schisfahrt Millionen und Abermitlionen durch Beförderung von Banngut für den Vierverband verdiente? Solange dieser Ver­kehr ungehindert vor sich ging, solange die Reeder in Gold

Wwammen, rnch such Norwegen vergnügt die Hände. Kaum begannen tue deutschen U-Boote dem Banngut auf den Leib zu rutten, da fallt es der Regierung von .Kristiania ein, daß man sich auf Schweden und auf Seerechtsverletzungen der lsegner Deutschlands berufen könne, um die Haager Konven- twn gegen Deutschland zu drehen. Nicht weg zu diskutieren ^man sich in Kristiania damit abquälen mag, .-Ä'OEye, daß das norwegische Verbot in zeitlicher und sklavischer Folge aus dre englische Note hin erging, die von den Neutralen den Ausschluß bezw. die Internierung der kriegsuhrenden Tauchboote verlangt. Amerika hat sich wider letzt, ^corwegen hat gekuscht. Es war eine freundliche Hand- tung gegenüber England, die weit aus dem Rahmen un- partenscher Neutralität heraustritt und seine unfreundliche Spitze direkt und allein gegen Deutschland richtet. Das kann kein norwegischer Osfiziosus, auch mit den verschlungensten Sendungen nicht, wegstreiten. Wenn das ebenfalls von der norwegischen Regierung häufig benutzteDagblad" be­hauptet, die Zustimmung des ganzen Volkes stehe hinter der Note, so wird diese Erklärung sofort dadurch Lügen gestraft, daßSocialdemokraten" schreibt, der dreiste Schlag ans Schwert wäre besser unterblieben, denn das habe heraus­fordernd wirken müssen, und für das kleine Norwegen wirke es nur lächerlich, Macht gegen Macht zu setzen. Im übrigen r r? für Norwegen durch das U-Bootverbot gar nicht gebelfert worden. Es scheinen also schon weite Kreise in Nor einzusehen, daß man sich durch die Liebedienerei gegen- England in die Nesseln gesetzt hat, ohne die Störung des schonen Banngutgeschäftes zu beseitigen. Die deutschen U-Bioote fahren fort, ihre Pflicht zu tun. Sie haben die Gastlichkeit derneutralen" norwegischen Küste zu ihren Operationen nicht nötig. Die Minister in Kristiania aber, die über Akten und Paragraphen gebeugt, eine Antwortnote an Deutschland ersinnen mußten, sind nicht zu beneiden. Sie werden von ihrem Volke bald hören müssen, daß sie mit ihrer Uiiterwerfung unter Englands Willen dem Lande einen schlechten Dienst erwiesen und eine abschüssige Bahn betreten haben, auf dem es, wie Griechenlands Schicksal zeigt, nur ein weiteres Hinabgleiten, kein Zurück mehr, gibt.

Das Dorf an -er gront.

Von H. Lang, z. Zt. im Felde.

, Es liegt in einem sumpfigen Waldgebtet des nordöstlichen Kriegsschauplatzes. Sein Dasein verdankt es dem Stellungskrieg, uird die ungünstigen Bodenverhältnisse, die ein gedrängtes Zu lamniLnwvhnen fördern, sind ans seine Entwicklung und Aus­dehnung von großem Einfluß gewesen.

Anfänglich waren cs nur wenige, kümmerliche Unterstände, die den feldgrauen Bewohnern unzulänglichen Schutz und nur notdürftige Unterkunst gewährten. Aber im Verlaufe der Zeit wurhen diese weiter ausgebaut, neue kamen hinzu, uird heute .ist es ein größeres Gerne imvesen, was wir hier vorfinden. Wege und ^atege sind zweckmäßig mit Birkenstämmen eingefaßt, um einem Abirren vom Wege nachjs vorzubeugen. Diese weißschimmernden Wegemfassungen geben der eigenartigen Waldanstedlung ein bei­nahe festliches Gepräge. Ter uneingeweihte Beobachter könnte hier eme Art Erholungsstätte vermuten. Bei näherem Zusehen aber müßte er sich eines Anderen belehren lassen: denn hier wird un­ermüdlich gearbeitet. Ta werden Entwässerungsanlagen angelegt und Brücken gebaut, da müssen Wege ausgebessert und Unterstände verstärkt werden. Hier sehen wir eine verlasseneKellerwohnung", die, einer unterirdischen Badeanstalt ähnelt, und nebenan send fleißige Hände tätig, welche den wertlos gewordenen Unterstand durch einen Neubau ersetzen. Holz ist das alleinige Baumaterial doch der Vorrat darin ist unerschöpflich. Nicht abzuschützender Reich­tum steckt in diesen großen Wäldern.

Tie Grundpfeiler der erwähntenNeubaues" sind wahre BaUmrresen, Wäirde und Decke bestehen ebenfalls aus Baumstäm­men von größerem Umfans. Ju einem solchen widerstandsfähigen Unterstand fühlt man sich geborgen: denn er macht ganz den' Eindruck, als ob er noch unsere Kinder und Kindeskinder übcr-< leben sollte.

Tie Dächer sind mit Moos belegt, mit Sträuchern und klei­neren Bäumen bepflanzt, um feindliche Flieger zu täuschen. Tie nächste Umgebung eines jeden Unterstairdes ist mehr oder minder gepflegt: da erblicken jmr sorgsam gehegte Vorgärten, künstlich angelegte Terrassen mit wilden Pflanzen als Ziersträucher ausgestellte Blindgänger verschiedenen Größen den merkwürdigen Gartenschmuck vervollständigend. Ms eine Art Sehenswürdigkeit nenne ich noch eine Granate, die sich zur Hälfte in eine Kiefer eingebohrt hat, ohne lveiteren Schaden anzurichten. Diese Kiefer steht wenige Schritte vor einem Unterstand. Durch dessen Eingang hätte das Geschoß seinen Weg genommen, wenn es von dem Baume nicht abgesangen worden wäre. So ist ein größeres Unheil ver­hütet worden. Diejenigen, die ein gütiges Schicksal vor dem Schlimmsten bewahrt hat, zeigen dem fremden Besucher lächelnd denglücklichen Treffer" und blickeii zu der hohen Kiefer dank­bar empor.

Ueberhcmpt ist das Dorf bisher von Glück begünstigt gewesen, schwere Stürme sind schon über es hinweggebranst und in manchen Stmrden schien seine Vernichtung beschlossen zu sein. Dann ist der Aufenthalt in unserer idyllisch gelegenen Ortschaft recht un­gemütlich. Aber sobald die Geschütze verstummen, sobald die Gefahr vorüber ist, sind auch, die Säwcckcn vergessen,-und das ge­

heimnisvolle Rauschen der Baumkronen wirkt wie ein ttefes, be­freiendes Aufatmen.

Nachts ist das Dorf wie vom Erdboden verschwunden. Kein Lichtstrahl verrät, daß hier menschliche Wohnungen zu finden sind. Türen und Fenster sind sorgfältig abgeblendet. Nur die wege­bezeichnenden Birkenstämme sürd schwach zu erkennen. Aber drinnen in den Unterständen tut sich eine vielfältige Welt vor uns auf. Bei Kerzenlicht und beini matten Schein selbstgefertigter, blakender Oellampen sitzen viele, ipelche Btrieffe nach dker Heimat schreiben; andere, den Kopf über die Zeitung gebeugt, verfolgen teilnahmsvoll den Gang politischer und weltgescknchtlicher Ereig­nisse. Auch ist die Zahl derer, die ihre freie Zeit beim Kartenspiel totschlageil, recht beträchtlich. Ta ist wieder eine Gruppe, die über den gesunden, derben Humor eines Kameraden herzlich lacht, während andere sich schon im Traumlande des Schlafes befinden. Viele aber steh«l ans Pfosten und halten treue Wacht.

Ariegsbriese von der rumänischen Zront.

Von unserem zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonder­berichterstatter.

(Unberschtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Rumänische Schandtaten.

Deutsches Presseguurticr Südost, den 25. Oktober.

In den von den rumänischen Truppen gesäuberten Gebieten werden gegenwärtig die voll diesen unmittelbar begangenen Ver­brechen durch eingehende Vernehmungen und Feststellungen des Tatbestandes amtlich fcstgelegt. Tic von ungarischen Rnmäuell unter dein Schutz der rumänischcii Truppen begangenen Aus- chreitungen, Räubereien und Diebstähle kommen hierbei nicht mit in Betracht. Wenn man weiß, daß die letzteren von den Einwoh­nern der besetzten Gebiete immerhin als Hauptplage empfunden wurden und nun sieht, welche Niederträchtigkeiten die pilmänischen Offiziere lind Soldaten selbst sich lwben zuschulden kommen lassen, so bekvnnnt man eine Vorstellung davon, welche Zustände tvährend der Anwesenheit des Feindes in dem uiigarischen Land geherrscht haben. In der Liste der durch eidliche Zeugenaussagen festgestelltcu Verbrechen nehmen die Vergewaltiguiigeii von Frauen und Mäd­chen den breitesten Raum ein. Sie lassen sich geradezu serienweise, überall, wo die biumätwu gewesen sind, tlachiweisell. Eine ähnlick>e Rolle spielen die Ausräubungen von Läden und Privatwohnungen

in Verbindung mit dem Wbtransport des Geraubten in Mllltar^ automobileil oder Kolonnenwageu. Eine dritte große Gruppe von Vergehen sind die Räubereien auf offener Sttaße und bie Er­pressungen, die unter Androhung der Erschießung der Opfer für den Fall des Widerstandes verübt worden sind. Opfer solcher Be-- raubungen sind ^uch deutsche Krankenschwestern vom Roten, Kreuz geworden. In emer Reihe von Fällen haben denn auch schwere Mißhandlungeli in der Tat stattgesundeu. In der neuesten Zu- sammenstellunb geschieht z. B. einer Frau Kate zu Kaossalu. Erwähnung, die auf Befehl rumänischer Offiziere zu Tode geprügelt wurde, als sie sich der Wegnahme alles ihres Viehes ohne Beitrete bungsschein widersetzte. In Krooslaut und nächster Umgebung ist bisher die Ermordung von Kaufmalm Waffe, Georg Deppncr, Georg Teak nachgewiesen. Auch sie haben sich gegen Räubereien und Plünderung gewehrt. Ein besonders krasser Fall ist die Er- ickießung eines'gewissen Mihaly zu Kaossalu. Sein Vergehen be­stand darin, daß er kein Rumänisch verstand und infolgedessen in dieser Sprache an ihn gerichtete Fragen nicht beantworten konnte. Die Erschießung erfolgte aus Befehl eines rumänischen .Haupt- manns. Die amtlichen Feststellungen bestätigen die hier bereits ver­öffentlichten Angaben über die Gebahrung der Rumänen in dem von ihnen besetzten Gebiet und bilden ein neues Schandmal de.' Kriegftihrung unserer Gebner.

_ Adolf Zimmermann, .Krtegsberichterstatter.

Au» Stavt und Land.

Gießen, 27. Oktober 1916.

** Reiche un geerntete 93 licken fernbot rate. Wer zurzeit unsere Waldungen durchwandert, kann überall sehen, wie fleißige Sammler beschäftigt sind, den vorhan­denen Segen an Bucheckern zlu bergen. Dank dem erfreu­lichen Eifer der Sammler sind schon recht schöne Mengen der jetzt so wertvollen Frucht gewonrren worden. Daneben sind aber den Forstbeamten noch manche Teile des Waldes bekannt, in denen reiche Bucheckernvorräte noch nngeewntet geblieben sind. Gerade hier würde bei der Mlle der vorhan­denen Früchte das Sammeln lohnender und ergiebiger sein als vielleicht an anderen Stellen. Es empfiehlt sich deshalb, wenn die Sammler besonders auch die Herren Lehrer, die mit ihren Schülern in den Wald gehen sich zuvor von den zuständigen Forstbeamten die geeigneten Sammelorte bezeichnen lassen. Dann wird ein voller Ertrag die Mühe des Sammelns lohnen und Enttäuschungen über einen ge­ringen Erfolg der Arbeit werden ausbleiben.

** Verwund etew-Unte^richt. Am letzten Dienstag fand der dritte Vortrag über A r b e i t s v e r s i ch e r n n g im Hörsaal der Anatomie statt, bei welcher Gelegenheit Bureaubeamter K i r ch n e r über die r e i ch s g e s e tz l i ch e K r a n k e n v e r s i ch e - x u n g sprach. Er behandelte zunächst den Kreis der versicherungs- pflichtigen Personen, um dann die freiwillige Versicherung, bezw. Weilerversicherung einer besonderen Besprechung zu unterziehen. Weiter erläuterte er die Regelleistungen der Krankenversicherung, die aus Kr a n keu h il se, Wochengeld und Sterbegeld bestehen. Tie Krankenhilse umfaßt' freie ärztliche Behandlung, Arznei und sonstige Heilmittel sowie ein Krankengeld vom 4. Tage an his zu 26 Wochen. An Stelle der Krankenhilfe kann Kur und V c r p f l e g u n g in einem Krcmkenhause treten. Das Wochen­geld wird weiblichen Versicherten aus die Dauer von 8 Wochen^ wovon mindestens 6 Wochen, in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen, gewährt. An Stelle des Wochengeldes kann Kur und Verpflegung^ in einem W ö ch n e r i n n e n - A s y l be­willigt tverden. Das Sterbegeld, das beim Tode des Versicherten an die Angehörigen gezahlt toird, beträgt das sünfunbzwanzigsache des Grundlohnes. Außer diesen Regelleistungen sieht das Ge­setz eine große Anzahl Mehrleistungen vor, ziuin' Bei­spiel erhöhtes Krankengeld, Zahlung des Krankengeldes vom ersten Tage an spwie für Swm- und Feiertage, Gewährung des Krankengeldes über die 26. Woche, freie ärztliche Behandlung sowie Sterbegeld für die 2lngehörigen der Mitglieder usw. Da die Krankenkassen mit Rücksicht aus den Kriea finanziell besonders stark in Anspruch genommeu, sind die Mchrleistungen der Kranken­versicherung durch Notgesetz vom 4. August 1914 wesentlich be­schränkt worden, so daß die meisten Kassen heute nur noch dte Regelleistnngen gewähren. Tie Ausführungen des Vortragender tvurden durch besondere Vorführungen (Vergrößerung von Formu­laren, Beitragsberechnungen usw.i entsprechend erläutert.

** Erneuerung der Bersicherungskarten. Mit Ablauf des Jahres 1916 wird die Hauptmenge der im Jahre 1912 ausgestellten Bersicherungskarten Nr. 1 mit Beitragseintragungerv gefüllt sein, so daß für die Versicherten neue Versicherimgskarlert Nr. 2 nötig werden. Wenn mm mit der Anforderung der neuen Versicheimngskarten allgemein bis znm Januar 1917 getvartetj würde, so würden die Ausgabestellen zum Teil dermaßen mit 9lr- beit überhäuft werden, daß die wünschenswerte schnelle Erledigung! der Anträge in Frage gestellt wäre. Da nun die vollen Versiche­rungskarten Nr. 1 dauernd in den Händen der Versicherten bleiben und für die Ausstellung der neuen Versicherungskarte nicht ge­braucht werden, so ist es möglich und im Interesse der Ausgabe- 'tellen erwünscht, wenn die betr. Versicherten noch im Laufe des Jalires 1916 sich die neue Versicherungskarte Nr. 2 ausstellen lassen, während sic ihre Versicherungskarte Nr. 1 nock> weiter bis zum Ablauf des Jahres bemchem Die dazu nötigen Vordrucke zu Aufnalpne- und Versicherungskarten sind von den Ausgabestellen zu beziehen.

** Eicheln und Roßkastanien, sowie die aus diesen hergestellten Futtermittel unterliegen der Verordnun.g icher Futter­mittel vom 5. Oktober 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 1108). Hiernach dürfen, wie das Kriegsernährungsamt mitteiltt Eicheln imd Roß­kastanien nur durch dieBezugsvereinignng Deutscher Landwirte G. m. b.l H." in Berlin abgesetzt werden, sie sind also dieser an- zumeldeu und mcf Verlangrm zu liefern, jedoch mit Aus­nahme solcher Mengen, die zum Verbrauch im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb oder in dem dazu gehörigen gewerblichen Nebenbetrieb erforderlich s ijn d. (§ 4 der Verordnung.) Mithin kann jeder Landwirt die selbstgcsawmelten Eicheln und Roßkastanien für den eigenen Bedarf einbehalten. Da außerdem Roßkastanien zur S p e i s e ö l g e w i >n n u.n g verwendet werden sollen, wird dio Bezirgsvereinigung Deutscher Landwirte die ihr angelieferten Mengen zunäckfft dem Kriegsausschuß für Oele und Fette zur Verfügung stellen, von diesem aber die Preßrückstände, die sich ür die Vieh- und W ildfütternng eignen, zurückerhal ten. Es ist mithin sehr erwünscht, daß Eickieln mrd Roßkastanien^ ausgiebig gesammelt werden, nicht nur im Interesse des Einzel- ämmlers für dessen eigene Wirffchaft, sondern auch im allgeiriei- nen vaterländischen Interesse.

Starkenburg und Rheinhessen.

^ Mainz, 26. Okt. In der gestrigen Stadtverordne­tensitzung wiurde über den Erlös ans der Kriegssänle mit.Ge­nehmigung der Regierung wie folgt verfügt: Der Gesamterlös be­trägt 161062,53 Mk.. davon enffällt V 3 mit 53 687,51 Ml. mit die hessische Sammlung für die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, Vs ans deirKreisvevein Mainz vom Roten Kieuz, Vs an die Stadt, davon 37 000 Mk. an die Kriegskinderfür- 'orge, 15 000 Mk. an den Wohltätigkeitsverein und der Rest an die Franenarbeitsschule. Cs würde beschlossen, an Beamte, Bedien- tete und Arbeiter aus ihren Eintrag Vorschüsse bis zu 80 ?Nk. zu gewähren zur Anschaffung von Kohlen und Kartoffeln. - Als Weihnachtsgabe ffir das 18. Amreekorps liefert die Stadt als Pro­duzentin 400 Flaschien W-ein. Für Ansckxlffung von Grabzeichen ür gefallene Krieger wurden 16 000 Mk. bewilligt. Für dte Erweiterung des Gastverkes wurden 1150 000 Mk bewilligt. lieber die Nahrungsmittel-Versorgung der Stadt entstinden län­gere Ansftlhnlngen und wurde gewünscht, daß über dte Maßnahmen in jeder Stadtverordnetensitzung Bericht erstattet werde. Demnächst soll neben den bestehenden acht Volksküchen auch eine Küche im den Mittelstand errichtet werden. Auch die KäsekaNen komm er demnächst zur Einführung. In der nächsten Stadtvervrdnetensitzuna oll die Aussprache über dte 'Nahrungsmittelversorgung zu Ende ge­führt werden.