Ausgabe 
27.10.1916 Zweites Blatt
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Der Krieg bringt eine Politisierung deS deutschen Volles mit sich, die Jahrzehnte überspringt Die Männer draußen an der Front haben Zeit, über die Probleme nachzudenken und in den Wochen, Monaten und Jahren ihre Gedanken hierüber auszutauschen. Die Erweiterung der Rechte des Reichstags wird weit über die Reihen des Liberalismus hinaus von den verschiedensten Seiten gefordert, Ich darf nur an die bekannte Festrede des Abg. Spahn 3» seinen: Tfl Geburtstag erinnern, wo er verlangte, daß die großen führenden Fraktionen auch durch ihre eigenen Ver­traue nSiv,infner in den Ministerien vertreten wären. Man kann auch nicht sagen, daß das alldeutsche Tendenzen wären, denn die Abgeordneten PrinzEarolath, Schiffer und Nicht- Hofen sind alldeutscher Tendenzen gewiß nicht verdächtig. Wir müssen nach dem Kriege auch auf diesem Gebiete zu einer Neu- Orientierung komme».

Man stellt es schon als ein Unrecht hin, daß man einem gewissen Misstrauen Ausdruck gibt. Ein Volk, das gegen zwei Rationen kämpfen mutz, die mit ihm seit mehr als zwei Jahren verbündet gewesen sind, kann kein unbedingtes Ver­trauen in seine unfehlbare Diplomatie haben. Wenn irgendwo, dann auf diesem Gebiet, freie Bahn dem Tüchtigen. Wo stecken die uns angekündigten Reformen? Wir wollen keine neuen Examina. Die Prüfung des Lebens befähigt manchen Menschen mehr als ein Examen. Große Kreise liegen heute brach in Deutschland für die Diplomatie. Denken ^r»re an unsere große Marine, an alle diese Menschen, die sich draußen den W,nd -er Welt um die Ohren haben pfeifen lassen, die so wundervoll verstehen, deutsche? Selbstbewusstsein zur Schau zu tragen und dabei auch die Eigenart anderer Völker zu erfassen, di« überall Repräsentanten des deutschen Volkes im besten Sinne sind. Greifen Sre da hinein. Wie falsch sind doch die Verhältnisse geordnet, daß heute über den Uebergang in den diplomatischen Dienst in einem Alter entschieden wird, wo der einzelne nicht mehr als bestenfalls eine normale Befähigung haben kann, und baß man nicht auch auf tüchtige Leute zurückgreift, auch wenn sic in einem andern Lebensalter stehen, seien es Kaufleute, Juristen usw.

Eine lleberbrückung alter Vorurteile, sowohl Verzicht auf GeburtS. wie auf Geldaristokratie, ist dringend ge­boten. Ich stehe der katholischen Kirche kühl gegenüber, aber wunderbar ist die höchste Autori'ät, mit der sich jeder den hohen Kirchenbeamten willig unterwirft, weil er weiß, dass daö System auf höchster Demokratie beruht und dass niemals nach Rang und Herkommen, sondern nur nach Leistung geurteilt wird. D i e katholische Kirche hat der Welt auch hervorragende Diplo­maten gegeben.

Mi unfern diplomatischen Aktionen fehlte das Einsehen der öffentlichen Meinung Deutschlands für die Durch­führung deutscher Forderungen. Alles Moderne ist an uns vor­übergerauscht. ohne Wurzel zu fassen. Die Welt ist mehr und mehr demokratisiert, und Formen und Methoden des diplomatischen Dienstes müssen sich ändern. In den Fragen, wie man die öffent­liche Meinung anderer Völker gewinnt, sind die Männer des Aus­schusses für auswärtige Angelegenheiten vielleicht sachverständiger alS die Herren der Regierung.

Auch da. wo es darauf ankommt, mit den leitenden Män­nern anderer Länder, wo sozialistisch-radikale Minister die Ge­schicke leiten, zu verhandeln, ist eS vielleicht gut, im Einvernehmen mit einem solchen Ausschuss zu arbeiten. In diesem Sinne wollen wir ein Kontrollorgan der auswärtigen P o l i (i f, wenn das auch eine große Abweichung vom bis­herigen ist. Bismarck sagte schon: Ein Staat, der um seine Existenz kämpft, kann nicht immer in den gewohnten Gleisen wandeln. Die öffentliche Meinung Deutschlands muss auf dem Gebiete der Wiederbefestigung unserer Stellung eingesetzt wer­den. Der Dank für die Leistungen unseres Volkes muß auch darin bestehen, dass ihnen ein erhöhter Einfluss der Volksvertreter entsprechen muss. Der Weg, den wir beschrciten, ist ein ganz be- scheidener Scheibt. ES bedarf des Weiterschreitens. (Zustimmung.) Dann arbeiten wir im Sinne Bismarcks, indem wir das Gleich­gewicht zwischen Volksvertreter und Regierung Herstellen, da? un« als dos feste Fundament für die Solidarität deS ganzen Volkes erscheint. (Beifall.)

Abg. Kreth (konsi): Auch wir wünschen, dass die Reichsleitung den Reichstag über die auswärtige Politik eingehend unterrichtet und beklagen, dass eS früher nicht geschehen ist. Insbesondere er­kennen wir «m, daß die Reichsleitung während dieses Krieges um

Sein oder Nichtsein mit der Vollsmeimwg dauernd Fühlung nehmen muss. Wir sind auch damit einverstanden, dass der Haapt- ausschuss während der Vertagung des Reichstags zusammen tritt, um Erklärungen der Reichsregierung über die auswärtige Politik entgegenzunehmen, wenn es in der verfassungsmäßigen Form geschieht, indem die kaiserliche Vertagungsverordnung die Genehmigung ausspricht. Würde der Reichstag aus sich heraus auch für die Zeit der Ver­tagung durch kaiserliche Verordnung feinen Ausschuss zusammen- berufcn können, so würde die kaiserliche Verordnung völlig unwirk­sam gemacht, weil der Reichstag nicht beschränkt ist, wieviel Mitglieder er in den oder die Ausschüsse entsenden will.

Den Schritt auf dem Wege zur parlamentarischen Regierung machen wir nicht mit. Unser Antrag ist ganz klar. In F r i e d e r. s z e i t e n ist ein Ausschuß nicht m ö g l.i ch. Viele diplomatische Vereinbarungen dürfen fa nicht mitgeteilt werden ohne Genehmigung des Gegenparts. Sonst machen wir Uns vcrhandlungsunsähig und spielen zu unserem Schaden mit offenen Karten. Wir halten nichts von inter­nationaler Fraktionspolitik, die dadurch nufkommen könnte. Es würde dann noch mehr Neichstagsmitgliederniederer Ordnung" geben. Der Abg. Stresemann hat seinenhervorragen­den Diplomaten" nicht genannt. Sonst würde sich die Reichs­leitung wohl auf ihn stürzen und ihm die Seele aus dem Leibe fragen. (Heiterkeit.) Es ist unrecht, so zu tun, als blühten bei uns eine Menge diplomatischer Talente wie die Veil­chen im Verborgenen. Völlige Offenheit wird von den parlamen­tarischen Regierungen anderer Länder nicht geleistet. Ein Beweis sind auch Grehs letzte Ausführungen auf dem Journalistenbankett. Es wird alles anders dargcstellt als es sich tatsächlich verhält. Die englischen Minister sind zur Unwahrheit gezwungen Das kann der Deutsche, der voll Moral steckt, nicht von seinen Staats­männern verlangen, yuock licet Jovi, not licet bovi! Das be­ziehe sich auf Bismarck. Seine Politik beruhe auf Blut und Eisen, er brauchte keinen Beirat.

Wir haben keinen Bismarck. Die Hoffnungen, die auf eine parlamentarische Regierung gesetzt werden, täuschen doch recht oft. Das sehen wir an Italien, wo schliesslich die Straße regiert. Man sagt immer, dass nachdem Kriege eine Neuorientierung und . scharfe Linksdrehung kommen muss. (Sehr richtig! links.) Hier ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Für daö parlamentarische System wird sich das Volk wohl kaum begeistern. (Oho-Rufe links.) Das Volk ist da. wo Deutschlands Fahnen wehen, in den Schützengräben. Wenn nun ein parlamentarischer Minister kommt als Vertreter der Kriegsmacht, so wird das wenig Eindruck machen. Der best­gebügelte Zylinder oder die schönste Phantasieuniform wird unseren Feldgrauen nicht imponieren. (Sehr richtig! rechts, Lachen links.) Die alte deutsche Mannentreue lebt in unserem Volke noch trotz aller demokratischen Grundsätze. Das Treue-Verhältnis zwischen Fürst und Volk ist immer noch dasselbe. (Sehr gut! rechts.) Der Deutsche will nicht regiert werden von wechselnden Parlaments- mehrhciten. (Abg. Sladthagen ruft: Von den Junkern nicht!) Von den Junkern wird er auch nicht regiert. (Lachen der Soz.) Das monarchische System hat sich jetzt im Kriege glänzend bewährt. Die Söhne der regierenden Fürsten haben gemeinsam mit den Sühnen der Arbeiter und der Bürger auf dem Schlacht- feld geblutet. Das ist das beste Fundament unseres Deutschen Reiches und Volkes. Daran wollen wir nicht rütteln lassen. (Beifall.)

Staatssekretär Dr. Helfferich: Mit dem parlamentarischen

System haben die Anträge nichts zu tun. Ich bedaure, daß die Aussprache diese Wendung genommen hat und werde diesen Weg nicht weitergehen. Man hat hier bei der Negierung eine gewisse Begeisterung für die Anträge vermisst. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat aber festgestellt, dass die Anträge sich mit den Wünschen der Reichsleitung begegnen. Er hat hervorgehoben, dass die Reichsleitung die Herbeiführung eines innigeren Konnexes zwischen Parlament und Regierung begrüßt. Man kann uns also keinen Vorwurf machen. Wir sind bereit, die bisherigen Formen so zu wandeln, wie es den Wünschen des Reichstags entspricht. Bisher haben Besprechungen der Reichsleitung mit den Jraktionsführern stattgefunden. Wenn der Reichstag wünscht, daß sie mit der Budgetkommission veranstaltet werden sollen, so sind wir bereit, diesem Wunsche Rechnung zu tragen.

Ich habe hier verfassungsrechtliche Fragen erörtert und dazu gehört nicht Begeisterung, sondern Verstand. Der konservative ' Antrag entspricht besser den verfassungsmässigen Grundlagen, deshalb habe ich mich in erster Linie für ihn erklärt. Ich erkenne aber an. dass auch der Ausschutzantrag nach der Auslegung des Abgeordneten Gröber ihnen Rechnung trägt. In Friedenk- z eiten können wir aber nicht als Regel dahin kommen, daß während der Verkagungsdaucr des Reichstags die Kommis­sionen ihre Arbeit fortsetzen. (Zurufe links.) In besonderen Fällen ist das ja vorgckommen. Und das wird ja auch in Zukunft möglich fein. Ich spreche mich aber gegen die Wünsche auS, dass nach einer Vertagung des Reichstages durch den Kaiser der Reichs­tag auch im Frieden ohne weiteres seine Ausschußberatungen forffetzt.

Abg. Lcdebour (Soz. A.-G.): Der Staats sekretär will der Ausführung des Antrages schon im voraus Knüppel zwischen die Beine werfen. Dagegen hat der Reichstag das Machtmittel, seine Zustimmung zur Vertagung davon abhängig zu machen, dass der HaushaltbauSschatz zusammentreten kann. Wir stimmen dem AuS- schuhantrag zu, betrachten ihn jedoch nur als Notbehelf und knüpfen keine übergroßen Erwartungen an ihn. Hoffentlich wird er nichr dazu benutzt, die Sessionen des Reichstages noch mehr zu verkürzen. Die schweren Mißstände unserer aus­wärtigen Politik wird der Antrag nicht ändern, hier kann nur das parlamentarische System helfen. Herr Stresemann meinte, die Bedenken seiner Freunde gegen das parlamentarische System seien nicht mehr in gleichem Matze vorhanden sie haben also noch solche Bedenken! Weiter meinte er. wenn wir einen Bismarck hätten, brauchten wir die Anträge nicht. Glauben Sie, Herr Stresemann, mit solchen Redensarten diesen Bureautkratcn da imponieren zu können? (Große Heiterkeit.) Ter gegenwärtige auswärtige Dienst leidet nicht an imposanter Leistungsfähigkeit. (Heiterkeit.) Ich wünschte nur, daß die leider vertraulichen Verhandlungen der Budgetkommisfiou allgemein bekannt würden, damit das Volk erführe, welche phä­nomenalen Beweise von Inkompetenz wir da bekommen haben. (Heiterkeit.)

Die gesamten internationalen Beziehungen müssen unter Kontrolle gestellt werden. Ein paar freiwillige Parlamentsdiplo- maten nützen nichts. Eine internationale Konferenz mutz alle» öffentlich verhandeln. Die Völker wollen keinen KrieH. Sie erfahren erst von ihm. wenn die Karre im Dreck sitzt. Die Aus­künfte des Reichskanzlers im Reichstage sind spyynxartig. Die Hohepriester rätseln dann daran herum. Scheidemann konstruierte sich einen annexionslcsen Kanzler. Der Kanzler saß dabei und sprach kein Wort. Andere gaben anderen Auffassungen Ausdruck. Der Reichskanzler ist doch kein toter Homer, den man kommen­tieren mutz. Er kann ja Unklares klarstellen.

Abg. Frhr. v. Richthofen (Natl.): Die Hauptsache ist unser fester Wille, daß der Haushaltsausschuß auch während der Vertagung des Reichstags zusammentreten soll. Die auswärtige Politik muß mehr als bisher im Reichstag beraten werden. Bei monatclanger Unterbrechung würden sich die Fäden verlieren. Der Staatssekretär hat unrecht: Verfassungen werden nicht nur mit dem Verstände gemacht! Verfassungen sind gemeinhin in einem gewissen Zustande der Begeisterung geschaffen worden. (Sehr gut! links.) Herr Kreth kann sicher sein: die Männer all­dem Schützengraben werden nicht reaktionär und rückschrittlich sein! Sie werden eine freiheitliche Auffassung haben. Die Feldgrauen werden auch für eine Erweiterung der Macht deS Parlaments fein. Von dem Geiste der Neuorientierung hat man in den Reden der ^laatssekretäre fteilich nichts gemerkt. (Beifall links.)

Abg. Sivkovich (Fortfchr. Dp.): Nach den Erklärungen der Regierung will man den Reichstag wohl jetzt Mitarbeiten lassen. Nach dem Kriege will man ihn aber in seine Ohnmacht zurück- stoßen. Dagegen müssen wir schon jetzt entschieden Verwahrung cinlegen (Sehr gutl links.) Wann kömmt die Reform des dip­lomatischen Dienstes?

Berichterstatter Abg. Baffer mann (nflk) bittet, «t dem An­träge des Ausschusses sc stz uh alten.

Das Haus vertagt sich.

Freitag 3 Uhr: Kleine Anfragen, Weiterberatung, Schuühaft. Zensur. Antrag auf Haftentlassung Liebknechts, 12 Milliarden-NachtragSetat, kleine Vorlage».

Schluß GH Uhr.

3m rumänischen petroleumlande.

Bon Predeal durchs Prahovatal nach Campina.

Fast genau in der Mitte zwischen Kronstadt und Sinaia. wo König Karol sich seinen Sommersitz erbaut hatte, liegt Predeal, der jetzt in deutscher Hand befindliche Grenzort. Unsere'Truppen unter tfcer Führung des Generals Falkenhayn schicken sich an. von hier Mts längs der Eisenbahn, die dem Tale der Prahova foligt, ins! rumänische Petroleum gebiet vorzustoßen, das südlich von Predeal beginnt. Predeal selbst, ein etn-a 1000 Meter hoch gelegenes Städt­chen, hat einen ziemlich dorfartigen Charakter: allerdings weist es zahlreiche Dillen auf, die reiche Rumänen sich als Sommersitze gebaut haben. Die Prahova ist nach der Schilderung des Kunst­historikers Jakob v. Falke ein echter Alpenfluß, wild und un­bändig, zu anderen Zeiten sanft und ruhig. Man sieht ihm an, daß er die Ufer einreißen und die Brücken zerstören kann. Er sucht und bahnt sich seinen Weg in Windungen durch ein breites Bett von Steingeröll, gleich den Muren in den österreichischen Alpen. Bon beiden Seiten stürmen ihm rauschen.de Bäche zu, herabstürzend zwischen grünen Bergen oder hochgetürmten Felsen. lieber Felder und Wiesen erbeben sich Wälder von stolzen Tannen und Buchen, darüber zerrissene Felswände oder rundliche Bergkuppen mick kurzem Rasen bewachsen, auch wohl init ewigem Schnee aut tot Gidfeln und Schluchten, denn es ist mitten im .Hockstände der Kar­pathen: droben ist noch der Horst von Adlern, der Aufenthalt nicht seltener Bären und zählreicher Gemsen, die Stätte von Sennhütten! und weidenden Schafherden, die im Herbste zu Tal treiben. Oben Müht auch eine Alpenflora, darunter das Edelweiß, dem das ru- "inänische Volk den NamenBlume der Königin" gegeben hat. Unten, wo vor wenigen Jahrzehnten kaum noch eine Straße war r 1 denn römische Legionen und römische Kultur sind nicht dieses' Weges nach Transsylvanien hineingegangen, sondern durch den Rotenturmpaß unten liegen freundliche Häuser und Dörfer, jmb ein gewisses Leben bewegt sich auf der Straße, selbst Fabriken ffrede ln sich bereits im Tale an. Schon gibt es in Azuga Tuch-, -Zement- und Glasfabriken, eine Papierfabrik in Bustoni eine sNagelfabrik und eine Töpsiwei in Sinaia. Petroleum wird ge­wonnen in Campina, und Mühlen. Sägemühlen, Kalköfen neben t Stemgruben finden sich das ganze Tal hinunter. In Busteni, Der letzten Station vor Sinia, lvinkt ein neues griechisches Kirch­lein mit seinem Kuppelturm herüber, ein sauberes Pfarrhaus, ein geräumiges Schulhaus, Bauernhäuser mit der säuleugettagenen LZeranda davor. Seit Falke (vor mehr als zwei Jahrzehnten) diese ,Schilderung geschrieben hat, hat die Industrie sin Prahovatale Auen gewaltigen Aufschwung genommen, und namentlich daÄ /Petroleum ist nicht nur in Campina, sondern allenthalben im wei- rtai Umkreis erschlossen worden. Die herrliche Natur dieses südlichen fKarpathenstriches hat sehr unter der Petroleumindustrie gelitten, jwie man «us der Schildkwung Netzhammers ersieht: in diese reiz­vollen Gefilde passen aber herzlich schlecht die ioeißgestrichenen' zylinderförmigen Pettoleumbehälter, denen das Auge der Eisen- tbahnlinie enlang häuftg begegnet. Wenn man auf Campina zu! fährt, stehen auf einem Plateau Hunderte von Sendentürmcn; sie kommen sogar mitten in das Flußbett des Prahova hinab, stellen' sich ganz nahe der Eisenbahn aus, kraxeln auf der andern Seite -an dem Berge herum und beherrschen selbst dessen Kulmhöhe. Diese ffchmierig-schlvarzen Türme und die ebenso schmutzigen Baracken fcübor verschandeln geradezu die Landschaft. Leichter Hand verzeiht (man ihnen ihre Fanstschläge ien das Angesicht der Äesthetik. denn

sie sind Goldbrunnen, die dem Lande jährlich Millionen sprudeln' lassen.

*

Tie Wiedereröffnung des Deutschen Thea­ters in Köln. Aus Köln wird uns geschrieben: Ter dritte Kriegswinter bringt unserem Kunstleben eine ganz willkommen ge­heißene Bereicherung oder, im Grunde, das Wiederaufleben einer ungern vermissten Künststätte. Bei Kriegsbeginn iv-urde das Deut­sche Theater, 'das Neben dem Stadttheater als einzige ernste Bühne eine wichtige Aufgabe in der Halbmillionenstadt Köln zu erfüllen hatte, von 'der Militärbehörde reguiriert und erst im Frühjahr .1915 wieder frei gegeben. Seitdem haben zahlreiche gastierende Truppen dort flüchtige Unterkunft gefunden, ohne dass sich daraus wieder ein gerebelter Betrieb entwickelt hätte. Am 2 8. Oktober wird die schichalsreiche Bühne -nun endlich wieder als ständiges.Theater eröffnet. Robert W a ch, der langjährige erste Charakterdarsteller und Regisseur des Weimarer Hoftheaters, der auch als Schriftsteller be­kannt geworden ist. ünd 'Frau Tora C al v o , die im Sommer 1916 die Direktion des Kleinen Theaters in Berlin innehatte, haben ge­meinsam die Leitung des Deutschen Theaters in Köln übernommen und beabsichtigen, das Dheater wieder als eine Bühne modern­literarischen Gepräges zu führen. Ms stellvertretender Direktor und Dramaturg ist der Schriftsteller Erich Köhrer gewonnen wor­den, der im Frühjahr und Sommer mit großem Erfolge die deut­schen Aufführungen in Polen Und an der Ostfront ins Leben gerufen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß für eine Bühne mit gutem, modernen: Spvelplan in Köln ein starkes Bedürfnis herrscht, und daß dem Deutschen Theater ein weites Arbeitsfeld sich öffnet.

Tie Uraufführung eines Odysseus-Schau­spiels. Aus Weimar wird uns geschrieben: Tie nimmer ra­stende, in ihrer Bereitschaft, Neues zu erproben, vorbildlich werdende H o f b ü h n e hat Bruno !C e l b o s fünfaktiges SchauspielO d y s - k.e u s Heimkehr" zur ersolgreick^en Uraufführung gebracht. Es liegt, bei aller Feinheit des Zeitlichen ettvas Verbindendes zwischen der griechischen Heldensage und unserer furchtbaren Wirklichkeit des .Heldenleidens und der Tuldertreue unserer Tage: des Kriegers Rückkehr in die Heimat ist dies Ewigmenschliche im Großen wie im Kleinen. So mag das Wagnis, nach Friedrich Lienhards Odysseus" und Gerhart HauptmanusBogenspanner" noch einmal den dank­baren Stoff zu dramatisieren, mit dem Geiste unserer Welt im Ein­klang stehen. Ter Dichter hat den alten Homer wieder einmal mit Andacht gelesen um daraus den epischen Stoff mit möglichst ge­wahrter homerischer T rcue in die Dramensprache zu übersetzen. Dies schlichte Uebersetzeu kennzeichnet Eelbos Wvrk. Ter erste Aufzug fasst den 13.16. Gesang zusammen und spielt im Vorhof der Be­hausung des Eumaios. Tie vier weiteren Akte haben als Schauplatz die Vorhalle des Saales in Odysseus' Hause. Die aristotelische For­derung der Einheit der Handlung ist dadurch auf die denkbar ein­fachste Art erfüllt: auch das stetige Fortschreiten der Handlungs­stufen wird nur hin und wieder durch entbehrliche Längen (z. B in den Szenen mit Melantho und Medon im vierten und fünften Akt) unterbrochen. Die Darstellung brachte den Nachweis für die stei­gende künstlerische ^'ffähigung des Schauspiels an unserem Hof­theater. Tie feinfifl " t Spielleitung Waldemar Jürgens stellt Anforderungen, denen die Künstler gern folgen. So war auch dies­mal der Rahmen mit dem Gesamtbilde zur Einheit verschmolzen Herr I l l i g e r gab dem Odysseus die nötige Kraft. Frl. Achter- b e r g gestaltete die Penelopeia mit Hoheit und Würde. Hans Fritz Gerhard war ein trefflicher Eumaios und Frau v. S p i n g e r

erne ganz glaubhafte Euricleia. Das leider ziemlich lückenhaft be­setzte Haus spendete willig Beifall nach jedem Aktschluss und rief den Dichter nach dem dritten Aufzuge, wo (nach dem Höhepunkt der Spannung) die Wirkung stark nachzitterte. Der Dichter darf mit dem Erfolg zufrieden sein.

Die Schorn st ein Heizanlagen der alten Römer. Die rafftniert auf gleichmäßige Durchwärmung der Wvhn- und Badehäuser bedachten römischen Heizanlagen, btc zu­gleich die Unterlage für eine automatisch fortwirkende Lüftungs­einrichtung darstellten, verlockten schon Winckelmann zu der Be­merkung,daß die wohlhabenderen Leute unter den Alten besser gegen Kälte verwahrt waren, als wir." Ter eigentliche Anlass für die erstaunliche Verfeinerung der Heiztechnik und die sorgfältige Anpassung an die Bedürfnisse verwöhnter frierender Menschen war wohl die römische Badekulttir, die einen nicht geringen Brnchteil des Tages im (Leben des vornehmen Mannestnausftlllte. Die am Bau der großen Thermen gewonnenen Erfahrungen wurden natürlich auch für die Wohnhäuser und Villen benutzt, die in den nordischer Pvovinzen in Deutschland und Frankreich dadurch erst zum behag­lichen Wohnsitz wurden. Außer in Rom und dem übrigen Italien sind Ueberixiste derartiger Heizeinrichtungen bei Badenwciler, Oehringen, Lichtenberg, Zwei brücken, in Mainz, in Metz und im Odenwalde gefunden worden, die im Grunde alle auf dasselbe System zurückgehen. Unter den Wohnräumen im Kellergeschoß ist aus Ziegelpfeilern und daranfgelegten Ziegelplatten ein niedriger, kaum 3 A Meter hoher Raum geschaffen worden, das Hypokaustum, aus dessen lose gefügter Decke, dem sog.Heizboden", eine grosse Anzahl viereckiger Röhren starren, :rm die durch einen seitliche wagerechten Schacht von einem riesigen Feuerherd zu strömende Hitze aufzuschlucken. Von hier wird die Wärrne unter den Fuschöden der Zimmer hinweg' innerhalb der Mauern bis in das nächst höl)ere Stockwerk geführt, um dort von aus Ton gebrannten Löwen­köpfen ausgehaucht zu werden. In Bädern war das Hypokaustum die Wärmezentrale, die gemäss den Zwecken der einzelnen Räume in wohlbedacksten Llbstufungen die nötige Wärme znströmen ließ. Bei den besonders heiss gehaltenen Räumen, wie dem Heißzimmcr, das die Badenden in Schweiss bringen sollte, fand die Zuführung frischer Luft, wie Badermann imPrometheus" auseinandersetzt, aus Umwegen zugleich in Verbindung! mit einer, Vorwärmung derart statt, daß einZug" ausgeschlossen war und Erkälttrnyen vermieden wurden. Besonders glücklich erscheint in diesem Zusammenhang der Abzug der verbrauchten Luft durch die folgende wirksame Vor­richtung: Tie Heizrohren bestanden aus doppelwandigen Kacheln, so daß in einem Rohr zwei unabhängige Luft- bezw. Herzgase- sührungen vorhanden waren. Tie engere dieser Führungen, die Oeffnungen nach den Zimmern besaß, ragte oben beim Dache of^r in das Freie, war jedoch gegen die sehr warmen Heizräume im Keller abgeschlossen, ein Zug nach oben war daher unmöglich. Es stand also einem langsamen Emdringen von frischer Luft in die Zimmer nichts im Wege, wobei zugleich durch die anliegende zweite Röhre, in der die Rauchgase ausstiegen, eine geringe Vorwärmung erfolgte. Das Eindringen von ftischer Luft konnte durch dieses System gleich,näßig und für die Bewohner unmerklich geschehen, ohne dass aber dadurch eine Verschwendung von Wärme nötig ge­worden wäre.

Frankfurt a. M., 26. Okt. Bo ehle-A usstellun g. Zur Erinnerung an Fritz Boehle veranstaltet der Kunstverein von Mitte November an eine Boehle-Gedächtnisausstel- lung von Originalen des grossen Meisters,