Ausgabe 
24.10.1916 Zweites Blatt
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Nr. 250 Zweites Blatt

M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Sietzener Zamilienblatter" und Xrcisblatt für den Breis Gießen".

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General-Anzeiger für Oberhessen

vienstag. 24 . Ottober 1916

Zwillingsrilnddruck und Verlag: Brühl'scheUniversitätS-Buch-u.Steindruckecel.

N. Lange, Gießen.

Zchriftleilnng, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: bl,

Schristleilung: 112.

Anschrist für Lrahtilachrrchtern AnzeigerGießen.

Die 5ch!acht vor Verdun.

Erster Abschnitt.

MS dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:

I.

Tie Vorgeschichte der Schlacht von Verdun ist in großen Zügen die folgende: Um die Wende vom August zum September 1914 wurde die mittlere Heeresgruppe der Franzosen, bestehend aus etwa zehn Armeekorps, Zwischen Reims und Verdun zurückgeworfen. Am 10. September nahm die Armee des Kronprinzen die befestigte Feldstellung südwestlich Verdun unb eröffnet« die Beschießung der Forts mit schwerer Artillerie. Am 21. September irberschrrtt der Allgriff gegen die Sperrfortslinie südlich Berduir siegreich den Westrand des vorgeschobenen Höhenzuges der Cötc Lorraine. Aus­fälle wurdeu zurückg-ewiesen. Am 23. September wurde die Ein­schließung Verduns auf der Nord-- ulrd Nordostftorrt durch die Armee des Kronprinzelr vollendet. Anr 25. September wurde das Sperrsort Camp des Romains genommen, dadurch ein Einschnitt in die Maaslinie bewerkstelligt und so die Verbindung zwrschen Verdun und Doul ein für allemal zerrissen. , ^

Diese schwere Schädigung der strategischell Gesamtlage wieder auszubessern und die Verbindung zwischen den beiden festen Plätzen wi-ederlferzustcllen, war das Ziel einer Reihe sehr schwerer, heftiger Vorstöße, welche die Franzosen noch während der letzten Monate des Jahres 1914 und während der ersten Hälfte des Jahres 1915 an verschiedenen Stellen unternahmen. Diese Wiederherstellungs- Versuche richteten sich vor allen Dingen gegen den rechten SdpM des stlmipfen Dreiecks, mit welchem unsere Stellung in der Woövre- Gbene tref in die französische Fortlinie hineinstößt. Tie hier angesetzten Angriffe sind als die Eombres-Kämpfe allgemein be­kannt. Ihren Gipfelpunkt erreichten sie in den Monaten März und April und in den Monaten Juni und Juli 1915. Aber auch gegen die stinnpfe Spitze des Dreiecks sind bei St. Mihiel und bei Apre- mont mehrfach scharfe und langdauernde Angriffe gerichtet worden. Auch im -Norden und Nordwesten von Verdun ist die Tätigkeit der Franzosen stellenweise sehr rege gewesen. Seit der Mitte des Jahves 1915 indessen sind ihre Angriffe bei Verdun im wesent­lichen zum Stillstand gekommen. Tie immer wieder mit stärkstem Krästeeinsatz wiederholten Vorstöße der Franzosen aus den Jahren 1914 und 1915 haben also weder ihr lokales taktisches, noch ihr großes strategisches Ziel erreicht. Sie haben weder uttfere Front an irgendeiner Stelle zu erschüttern vermocht, noch ist es ihE gelungen, Kräfte von unserer Ostfront abzuziehen, wie unser Durchbruch von Galizien und die anschließende siegreiche Offen­sive bewies.

II.

Die Bckeuttmg und die Eigenart der Kämpfe um Verdun ist unmittelbar bedingt durch die strategische Lage der Festung. Das gvoßangelegte System von befestigten Stützpunkten, welches Frank­reich zur Sicherung seiner Ost- und Nordostfront vor seine .Haupt­stadt gelagert hat, zieht sich von Belfort über Epinal Und Toul nach Verdun, mit der Front nach Nordosten. Bei Verdun biegt es nach Westen um uud zieht sich über die Hauptstützpunkte Reims und Laon bis zu den Sicherungen des Oise-Tales bei la Före. Die le tzt er en beiden Stützvunkte sind in unseren Händen, im übrigen ziehen sich unsere Schützengräben im flachen Bogen um diese Sperrlrnic herum, die sie nur bei St. Mihiel durchbrochen haben. Verdun bildet den nordöstlichen Eckpfeiler dieses ganzen Ver­teidigungssystems.

Aber in dieser wichtigen Bckentung Verduns für die Ver­teidigung Frankreichs liegt nicht die alleinige, ja nicht einmal die hauptsächlichste Bedeutung des Platzes. Zu einer noch wesentlich wi^igeren Rolle mußte Verdun in dem Augenblick berufen sein, wo unsere Feinde es unternahmen, von der Verteidigung tzum Angriff überzugeben. Tenn in diesem Augenblick wurde Verdun das eigentliche Ausfalltor Frankreichs gegen Deutschland. Der Vorstoß, welchen die Franzosen immer wieder vergeblich versucht hatten, um den zurückgebogenen Teil rmserer Westfront zu durch­stoßen und damit in den Rücken unserer in Belgien und Nordfrank­reich kämpfenden Truppen zu gelangen, sollte vop Verdun aus erneuert werden. Don dieser Stelle aus hätte er neben der strate­gischen Bedrohung des nördlichen und des Mittelstücks unserer Westfront zugleich die wirtschaftlich höchst bedeutungsvolle Neben­wirkung gehabt, daß er schon in seinem Beginne die Aussicht bot, die wertvollen Kohlen- und Erzgebiete von Briey zurückzuerobern, deren Verlust für die Franzosen seinerzeit ebenso peinlich gewesen war, wie ihre Wiederaewinnung im höchsten Grade erwünscht fein mußte. Im weiteren Verlauf hätte dann der Vorstoß von Verdun aus die Festung Metz getroffen, deren Ueberennung zugleich die

Möglichkeit bot, die durch sie gedeckten deutsch-lochrmgischen Stahl­industrie-Gebiete und damit vitale Teile unserer deutschen Kriegs­industrie zu entreißen. , . .

Für die Erreichung dieses strategisch wie kriegsWirtschastlrch gleich bedeutungsvollen Zieles bot die Festung Verdun eine ganz einzigartig günstige Operationsbasis. Zunächst sicherte Verdun mit seinem breiten Fortgürtel, der noch dazu durch einen wert vor­geschobenen Kranz von vorzüglich gelegenen und ausgebautcn Feldbefestigungen erweitert worden war, die Uebergänge der wuch­tigsten von Paris nach Metz führenden Straßen und Eisenbahnen und diente also als Brückenkopf für die Maaslinie. Für die östlich der Maas zum Vorstoß nach Nordosten bereitzustellenden Truppen­massen bot der.Befestigungsring von Verdun in der Ausdehnung, wie er bis zum Februar 1916 bestand, ein vortreffliches Auf­marschgelände mit einem' vorzüglich ausgestalteten Straßen- und Eisenbahnnetz, einer Menge geräumiger Kasernen, Lebensmittel­lager, kurz mit allen denjenigen Anlagen, welche zu einer Operationsbasis größten Stils gehören. Mit einem Worte: Verdun war das Ausfallstor Frankreichs gegen Mitteldeutschland.

Dieses Ausfallstor zu schließen, war uns.bis Mm Frühjahr 1916 unmöglich gewesen. Der Zweifrontenkrieg hatte wesentliche Teile unserer Streitkräfte auf dem russischen und auf dem Balkan­kriegsschauplatz gefesselt gehalten. Erst als diese Kräfte durch den zeitweiligen Llbschluß des russischen und des Balkanfcldzuges frer- geworden waren, konnte an die Niederkämpfung Verduns heran­gegangen werden mit dem strategischen Ziele: die Ausfallspforte Frankreichs zunächst einmal von. deutscher Seite aus zu ver­rammeln und im weiteren Verlaufe der Kriegshandlnngen sie nach Frankreich zu einzustoßen.

Aus dem Hauptausschuß des Reichstags.

Berlin, 23. Okt. (WTB.) Der Hauptausschuß des Reichstags erörterte Produktions- und Preisfragen, zunächst betreffend Spiritus. Der Präsident des Kriegs­ernährungsamts v. Batocki bemerkte zufolge einer An­regung von sozialdemokratischer Seite, ihm stehe bereits ein Recht auf die Preisfestsetzung zu. Ob der Spirituspreis herabgesetzt werden könne, sei eine schwere verantwortungs­volle Frage. Er habe mit den Führern des Brennereigewer­bes unterhandelt. Diese hätten von ihrem Standpunkte ans die .Höhe des Preises bedauert, könnten aber die Stellung­nahme der Re i chs braun twe in stell e nicht bekämpfen, weil sie nicht übersehen könnten, ob eine Herabsetzung des Preises eine ungenügende Lieferung von Spiritus zur Folge haben würde. Holzspiritus könne nicht so viel hergestellt werden, wie vielfach angenommen werde. Die Verwendung von Spi­ritus zur Herstellung kosmetischer Mittel werde einge­schränkt oder verboten werden, so bedauerlich dies auch für die davon betroffenen Arbeiter sei. Eine Verordnung werde vorbereitet, laut welcher die Brennereien, die am 15. No­vember noch nicht begonnen haben, zu brennen, das Brenn- recht verlieren würden. Die Parteien sind übereingekommen, die Beratungen des Ausschusses nach Väöglichkeit zu beschleu­nigen. Für oie Vollversammlungen des Reichstages ist nachstehender Arbeitsplan ausgestellt: In dieser Woche sollen die Beratungen über die auswärtigen Angelegen­heiten, den Belagerungszustand und die Zensur erledigt werden. In der kommenden Woche sollen Montag und Dienstag der Beratung der vorliegenden kleineren Gesetz­entwürfe Vorbehalten bleiben. Mittwoch, ein Knertag, wird sitzungsfrei sein. Die drei letzten Tage der nächsten Woche sollen der Erörterung von Ernährungsfragen gewidmet werden. Wenn dieser Arbeitsplan eingehalten wird, so könnte die Vertagung des Reichstages am 4. November erfolgen.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberheffen.

Kz. Gießen, 21. Oktober 1916.

Klage des Julias La ger in gegen Großh. Kreis­amt Gießen wegen Entziehung des seinerzeit er­teilten Wandergewerbescheins für 1916. Nachdem dein Genannten unterm 14. Dezember v. I. ein Wandergewerbe­schein für das Jahr 1916 aUf Grund seines nach Vorschrift inne­gehabten festen Wohnsitzes in Gießen erteilt worden war, verzog

er kurze Zeit darauf pnabgemeldet von Gießen und treibt sich seit dieser Zeit in Bayern .herann. Wegen Bettelns, unbefugtes Mitführung von Kindern und anderen Personen, sowie anderer, Umstände entzog das Großh. Kreisamt Gießen dem Lagerrn unterm 26. Juni l. I. den ausgestellten Wandergewerbeschein. Von dem dein Lagerin zustehenden Rekursrecht gegen diese Verfügung machte Lagerin form- und fristgerecht Gebrauch Und der Provinzialaus-^ schuß entschied in seiner heutigen Sitzung auf Zurückweisung der Klage unter Verurteilung des Klägers in die Kosten des Ver­fahrens, da man den Standpunkt der Vorinstanz billigte und der UeberzeugUng war, daß Lagerin sich nur vorübergehend in Gießen aufgehalten habe, um von der hiesigen Behörde die Erteilung des Schreines z!u erwirken.

Klage des Gemeinderechners Weck zu Hungen gegen die Gemeinde Hungen wegen Erhöhung seiner Bezüge als Gemeinderechner. Der Gemeinde­rechner in Hungen hatte von der Gemeinde Hungen eine Entschäoi- gung für seine durch! Erbauung eines Schulhauses und oer Kanali­sation erhöhte Mehrarbeit beim Rechnergeschäft erbeten. Diese Bitte wurde von der Gemeinde ablehnend beschieden, jedoch erhob der Rechner Klage beim Kreisausschuß, der diese, als verspätet ein gereicht, kostenpflichtig abwies. Die hierauf 'beim Provinzial- ausschuß eingereichte Berufung führte zur Zurückweisung des Sache an den Kreisausschuß wegen der Verhandlung und Ent­scheidung über die Berechtigung und die Höhe des erhobeneir An­spruchs. Nach der erneuten Verhandlung fällte der Kreisausschuß ein kostenpflichtig materiell abweisendes Urteil. Tic hiergegen «eingelegte Berufung führte beim Provinzia Laus schuß zur Ver­werfung des Rechtsmittels und zur Bestätigung der Klageabwei- sung. Der Wert des Streitgegenstandes wurde auf die Höhe des bestrittenen Betrags mit 696,72 Mk. festgesetzt, und dem Kläger wurden die Kosten der Berufungsinstanz zur Last gesetzt.

Gießener Strafkammer. ^

Gießen 20. Oktober 1916.

Ter wegen Diebstahl vielfach vorbestrafte Friedrich Philipp Sch. von Worms, der bei einem hiesigen Kohlenhändler als Fuhrmann unter dem falschen Namen Edmund Weißen feld von Remscheid bedienstet war, hat seinem Tienstherrn

einen S ch i n k e n, eine 'S e i t e S p e ck u n d ein Stück geräucherten Bauchlappen im Werte von etwa 35 Mark entwendet. Ferner wurde ihm zur Last gelegt, seinem Schlafkollegen 5 und 10 Mark^ entwendet zu haben. Ter Angeklagte gab den Diebstahl des Fleisches und den­jenigen von 5 Mk. zu, bestreitet aber die Entwendung der weiteren 10 Mk. .Das Gericht verurteilte ihn ivegen der beiden ersten Diebstähle zu einer Gesamtgefängnisstrafe von e i n e m I a h r, und sprach ihn wegen des weiteren Diebstahls von 10 Mk. frei.

Tie Ehefrau Friedrich K. von Schlitz war wegen Bersütterns von grünem Roggen vom Schöffengericht Schlitz freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil verfolgte die Staatsanivaltschaft Berufung. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde sestgestellt, daß die Angellagte sich gegen die betreffende Bundesralsvevordnung in BerbindiMg mit der Bekanntmachung des Kreisamts Lauterbach insofern vergangen hat, als sie grünen Roggen, ohne vorher die ortspolizeiliche Genehmi­gung hierzu einzuholen, verfüttert hat. Das Gericht hob das erst­instanzliche Urteil ans und erkannte gegen die Angellagte auf eine Geldstrafe von 3 Mk.

Dem Land- und Gastwirt Philipp R. von Altenstadt wird zur Last gelegt, am 26. Januar lf. Js. vorsätzlich, und rechtswidrig seinen Dienstknecht, nachdem dieser am Tage vorher seine Stelle gekündigt hatte, eingesperrt zu haben, indem er die Zugangstüre zwischen dessen Zim mer und dem Hof zu riegelte.

Wegen Freiheitsberaubung war der Angellagte vom Schöffengericht Altenstädt zu einer Geld­strafe von 100 Mk. verurteilt worden. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung. Ter Angeklagte bestreitet, die Türe zugeriegelt zu haben. Das Gericht konnte sich von der Schuld des Angellagten nicht überzeugen, zumal die Aussage des Dienstknechts nicht als ausreichend und einwandfrei angesehen werden konnte. Es hob deshalb das erstinstanzliche Urteil auf und sprach den Angellagten frei.

Der Briefträger Josef T. in Nidda ist angeklagt und geständig, Feld Postpaketchen

in sieben Fällen ihres Inhalts, der meist aus Schinken, Wurst, Dörrfleisch, Kuchen und Zigarren bestand, beraubt und für sich verwendet zu haben. Die Umhüllung hat er teils verbrannt, teils wurden sie in dem Briefträger-ZimMer des Postamts aufgefunden.

Die Soldatentrommel in Vergangenheit und Gegenwart

Tie Trommel, die seit Jahrhunderten ein Wahrzeichen der Soldateska ist, erscheint als das überhaupt ursprünglichste aller Musikinstrumente. Selbst die wilden Bolksstämme, wie,die Uroölker Australiens und die Indianer Brasiliens, schufen sich aus Eigenem die Trommel, und selbst der unmusikalischste Volksstamm kannte und kennt wenigstens dieses eine Instrument. In den nicht euro­päischen Ländern spielt die Trommel auch im! Leben der Zivil­bevölkerung eine große Rolle. Bei den Chinesen bediente man sich bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. einer Pauke in Donnen- fiorm von 12 Fuß Länge, Hieuenku genannt, nach deren Schlag die staatlichen Fronarbeiten ausgeführt wurden. Noch heute ersetzen verschiedene Trommeln und vor allem Llbarten wie das Tamtam in China vielfach die Stelle der Glocken. Nicht minder beliebt ist die Trommel in Indien, denn BralMa selbst soll sie den Menschen zum Gescherrk gemacht lhabcn. In den eirropäischen Ländern bürgerte lief? die Trommel, wie Mols v. Micralt an einer Reihe historischer Beispiele im nächsten.Heft der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift ,,Uebcr Land und Meett' ausführt, hauptsächlich in ihrer militärischen Bedeutung ein. Zum erstenmal erfährt man aus deuni 15. Jahrhundert Genaueres über die Soldatentrommel. So soll der Hussitenführer Johannes Ziska sein Heer durch die anfeuernde Wirkung der Trommel besonders schlagfertig gemacht haben. Ja eine Sage erzählt sogar, daß dieser Hussitenfcldherr vor seinem im Jahre 1424 erfolgten Tode die Verfügung gctroffeir l-abe, seinem Leichnanr die Haut abzuziehcn und sie zu einem Trommelfell zu verarbeite, damit auf diese Weise die Macht seiner Persönlichkeit cvrch nach seinem Tode fort- bestche. Mit der Umgestaltmrg regelloser Kriegerbanden in ein geordnetes Heettoesen wurde die Trommel zuM wichtigsten In­strument der Kriegsnmsik gmtacht. Besonders wurde die Trommel durch die größere Ausbildung des Fußvolkes verbrettet, da ihr taktmäßiger Klang sich ja für den Marsch anch am besten eignet. Darum kann nian sagen, daß das Landsknechtsleben fast ausschließ­lich im Zeichen der Trommdl stand. Während die Trommeln bei ben überseeischen Völkerschaften die verschiedenartigsten und oft ent­gegengesetzten Formen auftvieseu, bildete sich! für die curopäisckie Trommel.ein ziemlich einheitlicher Typus heraus. Zirr Lands­knechtszeit war die Trommel wesentlich größer als heute, meist 1 Meter lang und V 2 Meter breit. Hierauf verlor sie an Höhe, NTurdc aber doppelt so breit und so gewichtig, daß sie nur be­sonders kräftigen Soldaten anverttaut wn.rde. Im 18. Jahr­hundert wurde mit der Janitscharenmnsik auch die große, sog. türfische Trommel eingeführt, die mit einem lederbezogenem Schlegel bearbeitet wurde. Allmählicki! schaffte mmr die großen Instrumente

ab, 'und damit waren auch die großen Soldaten für die Tromntel überflüssig, nur der .Tambourmajor wurde sozusagen als Wahr- zeichlen beibehalten. Heute hat im deutscher Heer jede Infanterie- Kompagnie zwei Tambonre und zwei Spielleute" mit Horn- und Querpfeife, die Signale zu geben und während der Märsche zu spielen haben. Zur Landskneckttszeit wurde die Trommel nicht nur als Instrument, sondern auch im Lager als Tisch, vor allen: als Würfeltisch verwandt. Natürlich würde der Trommel in der Kriegsdichtung stets ein breiter Platz eingeräumt, am meisten in der reichihaltigen Poesie der Befreiungskriege, wo besonders die wer­bende Kraft der Trommel besungen wird. Sehr häufig wurde auch, in den Sturmliedern dem TvomMler eine hervorragende Stellung zugeschrieben, so heißt es in dem bekanntem Kriegsliä>e von Arndt:

Wer mag der rechte Spielmarrn sein?

Wer zieht die heMen Satten aus?

Wer vorderst steht in Schlachtenreihn,

Wer vorderst rennt im Sttcrnwslauf:

Der ist von Jnbals echtem Samen,

Der Mann verdient des Spielmanns Namen.

Jnchlhe, Spielemann stimnwt an Tvvmmelllang,

Macht doch einen flinken Gang."

Und bon den deutschen Truppen, die 1870 nach Westen zogen, sang Detlev v. LilieniTvon, daß siemit Trommeln und Pfeifen" in Frankreichs ein marschierten. Schließlich ist anch in der Poesie des gegeziwärtigen Krieges vielfach von der Trommel die Rede. So endet Rudolf Presbers KriegsliedDer Trommler", das eine Trvmmelbegabenl-eit im jetzigen Weltkriege behandelt, mtt den Worten:

Ein Wirbel saust, ein toller.

Der Feind, der hat's gespürt:

Das Ist ein Hohenzvller,

Der dort die Trommel rührt!"

*

Wedekind als Expressionist. En schreibt uns aus Königsberg: Einen interessanten Versuch mrternahin der Leiter des Königsberger N e n e n S ch a u s p i e l h a u s e s , Leopold Jessncr, mit einer Jnszenievmrg von Frmrk Wedekinds Karl Hetmann" (ftüherHidalla"): er gab das Stück gewissernmßen als expressionistisches Drama.Karl Hetmann" ist die Tragödie der Ton Qnichoterie; sie zeigt das Ende eirres ver­bohrten Idealisten, der nickst in diese Welt paßt imfr an dessen Ge­darrten sich seine ganze Unrgebung bereichert, inAivend er sich selbst, arm wie eine Kircheninaus, aus dem Leben stiehlt. Dhe Hauptrolle

wurde nun, wie übrigens vor: Frank Wedekind selbst, in einem überhetzten Tempo und rnit leidenschaftlichem Temperament ge­geben; das Beinerkenswerte aber war, daß ganz ähnlich auch alle übrigen Darsteller spielten. Durch diese und noch andere Mittel kam der Eindruck zustande, als ob die ganze Handlung nur ein inneres Erlebnis des Helden, nur eine .Hirnspvegelung der Außen­welt im Kopfe dieses reinen Toren sei. Tie außerordentliche Ver­einfachung alles Szerrischen sorgte noch weiter dafür, daß die Vor­gänge nicht als Wirklichkeit, sondern als rettres Jdeenspiel er­schienen. In jedem Fall war es ein eigenartiges und fesselndes Experiment, dem «n Tett des Publikrrms sieilich etwas befremdet gegenüberstand. Dr. L. G.

Tie Aufstellung der Sammlung Arconati Visconti im Louvre. Wie derTemps" berichtet, ist im Louvre die Aufstellung der Sammlung, die die Marquise Arconati Visconti dem Museunr zu Geschenke gemacht hat, soeberr beendet worden. Durch Schließung einer Treppe in dem Telle des Louvres, der auf die Rivoli-Straße binausgeht, ist der nötige Raum für die Arffsteltung beschafft worden. Der Haupttvert dieser Schenkung liegt in ihren Künstlerischen Holzarbeiten, den Möbeln, Türen, Tischen, Stühlen, Brüstungen usw die zum Teil von der Hand hervorragender Meister ausgeführt und vielfach unter die vor­züglichsten Stücke dieses Kunstgebietes zu rechnen sind. Besonders ein Lyoner Möbel aus dem 16. Jahrhundert, das dem berühmten Hugucs Sambin zuzuschreiben scheint, bildet ein Glanzstück der Sammlurrg. Während die Holzschntttsarbetten vor^rigsweise ftmrzösi- schen und vlämischen Ursprrrngs sind, starmNt die Mehrzahl der Bildhauerwerkc der Samrnlung aus Italien. Das Hauptstück bildet hier ein schönes Basrelief von Tesiderio da Setttgnano; daneben finden sich anmutige venezianische Blldhauerarbeiten. Die Samm- ist zweifellos toertvoll urrd interessant aber zu sehen bekvmnren sie die Pariser bis auf weiteres noch nicht. Dem: denr Louvre fehlt es an Dienerpersonal und der französische Staat 'hat gegenwärtig keine Mlltel, um für Ersatz zu sorgen. Daher lvird der neue Saal erst rrach Kriegsschluß dem Publikum zugärrgkich genr^ck)t werden.

König st ein, 22. Okt. (Altertn msf und). Aus den Haderheckswiesen wurde bei Grabungen ein römisches Grab frei'- gelegt, das u. a. kleinen Fundstücken ein Hufeisen, Asche, eine Münze mit dem Blldnis des Kaisers dlugustus imd einen Ziegel­stein barg. Ter Ziegelstein trägt folgenderr Legionsstempel LEG. XXI. RAPAX Tie Stenrpel der 21. Legion sind nicht allzu häufig, nran hat sie bisher noch gesunden in Wiesbaden, Okarben. Friedberg, Salisberg, Hvfheim, Nied und Heddernheim. Bernrutlick, rührt das Grab aus der Zeit der Kämpfe der Römer gegen die Chatten, 1416 n. Ehr., her.