Ausgabe 
23.10.1916 Zweites Blatt
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Mis der ^Nord- und Ostsee, dein Mittel meer, dem nördlichen Eis- Meer und den wesentlichen Grenzen des Atlantischen Ozeans ge- Meldet lverden. _

Die (-sLü^k-^KeSe

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Ans Stadt riird Land.

Gießen. 23. Oktober 1916.

Kultur- und Düngungsversuche in der Provinz Oberhessen.

Man schreibt uns: , c

Nachdem die Kultur- und Tüngungsversuche des fett Mitte vorigen Jahres von dem Gwßh. Prvv:nz:ald:rektor Geh. Rat *£t. U f i n n c r vertretm:gsweise geleiteten Landwirtschaftlichen Vereine für die Provinz Oberhessen mit Oel- und Gespinst­pflanzen. sowie mit Hülsenfr üchten, im Jahre 1916 außerordentlich befriedigende Ergebnisse gezeitigt haben und es dem Verein möglich uxrr, an Hand der Demonstrationen. durch Ab­gabe von Saatgut sowie durch Anleitung hinsichtlich Kultur und Düngung in mehr als 60 landwirtschaftlichen Betrieben der Pro­mis den Oe-l- und Gesvinstpflairzenbau teils neu einzuführen, teils wieder zu beleben imb ergiebiger zu gestalten, steht man nun­mehr vor der Frage der Weiterführung der Versuche.

Tie Not des Vaterlandes zwingt ohne weiteres dazu, die Frage der Wetterführung zu bejahen, und ebenso must festgestellt werden, daß bei weitem noch nicht alle die Betriebe, deren Anpassung au die durch den Krieg gegebenen geänderten wirt­schaftlichen Verhältnisse unbedingt notwendig wäre, diese Mpafsung in einer im Interesse der Mlgemeinheit liegenden Weise schon voll­zogen hätten. Demnach ist die Weiterarbeit des Vereins in der Lrmnnl begonnenen Adise als eine vaterländische Pflicht zu be­trachten. mid der Berlin bittet alle die Körperschaften, Gesell­schaften und Versine, die dieser Arbeit bisher ihr Wohlwollen und ihre Unterstützung gewährt haben, auch in Zukunft nm ihre Mit­wirkung. Besonders aber richtet er in erster Linie seine Bitte an die lmrvwirtsch»stlichen Bezirksvereine der Provinz, ihn wie seither durch Werbimg *»n Versuchsaustellern, durch Hinweis aus Ge­meinden und Landwirte sowie durch Aufforderung zur Teilnahme an Vorträgen und Demonstrationen unterstützen zu wollen. Auch die Landwirte selber, wie die Herren Geistlichen und.Lehrer bittet er uni Nachricht, sofern Fragen der Pftanzenkultur, Düngung uud sonstige landwirtschaftliche Fragen in ihrer Gemeinde durch Versuche oder Vorträge der Klärung Mid Erörterung bedürfen.

Tie Versuchsberichte des letzten Wirtschaftsjahres werden demnächst den landwirtschaftlichen Bezirks vereinen zur Verteilung an die Mitglieder überwiesen werden. Außerdem sollen in den Gemeinden, in denen die Versuche durchgeführt worden sind, Borträge über die Ergebnisse derselben gehalten werden. Auch in anderen Gemeinden, in denen Interesse besteht, können Vorträge ^nberaumt und die Versuchsberichte besprochen werden.

Aus den Arbeiten für das kommende Jahr, die wie seither unter Veitung von Professor Ke berge r- Gießen stehen, sind außer den schon angclegcten 10 Versuchen mit Wintcrraps und 10 Ver­suchen mit Wintergerste für noch als besonders wichtig und be­deutsam zu erwähnen: 1. Versuche mit Mohn, die als Feld­versuche bisher noch nicht durch ge führt waren; 2. Versuche mit D r s n n e s s e l n , die ebenfalls als Feldversuche neu ausgenommen wurden: 3. Versuche mit Hülse ns rüchten, besonders Erbsen »und Bohne,!, die in derselben Weise wie seither weitergeführt werden sollen: 4. Versuche mit Lein und Hans, die eben­falls in der bisherigen Weise beibehalten werden sollen. Das Saatgut (auch für Landwirte, die keine Versuche durchführen, sondern den Anbau praktisch betreiben wollen) wird auf Antrag

vom Verein geliefert. Kultur- und Tüngungsvorschrtften, ferner Ueberwachung der Anlage, werden vom Verein besorgt.

Ter Versuchsplan soll bei chen Düngungs versuchen als Normalplan lauten: 1. Ungedüngt, 2. ohne Stickstoff, 3. ohne Kali,

4. ohne Phosphorsäure, 5. Volldmrgung je nach Bedarf normiert.

Alle Meldungen und Zuschriften wolle man richten an den zuständigen landwirtschaftlichen Bezirksverein oder an den landwirtschaftlichen Verein für die Provinz Oberhessen zu Gießen, Regierungsgebäude Landgraf-Philipp-Platz Nr. 3.

** Das Verhalten bei Fliegerangriffen. Im Anschluß an die jüngsten Fliegerangriffe auf Süddeutschland macht das stellv. Generalkommando erneut darauf aufmerksam, daß bei Fliegerangriffen nicht nur ivegen der feindlichen Bomben, son­dern auch wegen der niederfallenden Sprengstücke des Abwehr­feuers alle Ansanimlungen von Menschen auf Straßen und Plätzen das Allerschädlichste darstellen, was geschehen kann. Ebenso ist es durchaus unzweckmäßig, sehr große Räume mit leichter Bedachung wie z. B. Kirchen und Bahnhöfe aufzusuchen; die Glas- oder Wellblechbedachung großer Bahnhöfe ist sogar ge­eignet, die Gefahr der Splitterwirkung zu erhöhen. Im Falle eines Fliegerangriffes kann es dem Publikum daher nur dringend empfohlen werden, inden Häusern zu verbleiben. Außer­halb ihrer Wohnungen befindliche Personen treten unter mög­lichster Vermeidung von Ansammlungen zweckmäßig in den nächstgelegenen Gebäuden unter oder legen sich bei unmittelbar drohender Gefahr am besten flach auf den Boden. Allgemein wird ferner empfohlen, selbst bei dem voraussichtlich sehr starken Abwehrfeuer die ganz naturgemäße Neugierde zu unterdrücken und die oben geschilderte,:, erprobten Vorsichtsmaßnahmen in größter Ruhe zur Ausführung zu bringe,:.

** Dulcin, ein neues Süßniittel? TieMünchen- Atugsburger Abendzeitung" u. a. Zeitungen bringen eine Be­merkung darüber', daß es außer dem zur Konservierung von Ein­machobst unbrauchbare,: Saccharin noch ein anderes Süßungsmittel, das Tuclin, gebe, das neben dem Vorzug der größeren Löslichkeit durch Kochen nicht zersetzt werde .und in: Geschmack sich nicht verändere. Es wird gefordert, daß die Herstellung von Ttulcin eilig betrieben werden möge. Von den amtlichen Stellen wird! bereits geprüft, ob die Herstellung nicht neu ausgenommen und gefördert werden soll. Die bisherigen Untersuchungen haben hier-! gegen aber vom gesundheitlichen Standpunkt aus Bedenken ergeben, die zunächst noch sehr schwer fiitb. Es ist kaum zu erwarten, daß die eingeleiteten Versuche zu einem besseren Urteil führen werden. Jedenfalls wird die Frage von den Gefundheitsbehörden mit allen: Nachdruck geprüft.

** Zum Handel mit Futtermitteln. Die Bezugs- Vereinigung j>er deutschen Landwirte, Kraftsuttermittelabteilung, Berlin W. 35, Genthinerstr. 34, weist daraus hin, daß durch die Bundesratsvei-vrdnung vom 5. Oktober 1916 (Reichs-Gesetzbl.

5. 2221 nunmehr sämtliche Futtermittel, die nicht ausdrück­lich ausgenommen oder von anderen Verordnungen erfaßt sind, nur durch die Bezugsvereinigung abgesetzt werden dürfen. Noch unerfüllte Lieserunqsverträae bearünden keine Ausnahme. Etwaige Vorräte und d:e vcwrussichtliche Vierteljahrserzeugung sind anmelde­pflichtig. Tie Herstellung von Futtermitteln, außer von Mischfutter, wird durch die neue Verordnung keineswegs beschränkt, ebensowenig die Einfuhr. Der Hersteller oder Einführer setze sich mit der Bezugs­vereinigung in Verbindung; sie wird voraussichtlich in der Lage sein, jede im allgemeinen Interesse liegende Herstellung oder Einfuhr von Futtermitteln durch, entsprechende Festsetzung der etwa noch nicht gesetzlich geregelten Uebernahnrepreise auch weiter zu ermöglichen. Die getroffenen Verfügungen über Naßhefe bleiben bis aus weiteres bestehen; im übrige,: darf Naßhefe, sofern keine Trocknungsgelegenheit vorhanden ist, unter Einhaltung der ge­setzlichen Höchstpreise vorläufig noch freihändig abgesetzt werden.

** Landwirtschaftliche Haushaltungsschulen zu Langen und Lindheim. Die Landwirtschafrskammer Darmstadt eröffnet am 3. Januar 1917 den ersten fünfmonatlichen Haushaltunaskursus für das Jahr 1917 an ihren Haushaltungs­schulen zu Langen u,ü> Lindheim. Der praktische und theoretische Haushaltungsunterricht erstreckt sich aus die Anleitung im selb­

ständigen Kochen mir Rücksicht aus die Bedürfnisse des ländlichen und bürgerlichen Tisches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speisen, in der Käsebereitung, Federviehpflege, Gartenwirtschaft,, im Waschen und Bügeln, Rein^rlten des Hauses, Buchführung. Da in diesem Kursus auch ein sehr gründlicher Handarbeitsunter­richt, in »velchem das Stricken, Wäsche-Schnittzeichnen, Wäsche­zuschneiden, Hand- und Maschinennähen, Ausbessern,erlernt wirb, da ferner auch allgemein bildende Fächer wie Aussatz, Rechnen,. Singen, Gesundheitslehre und Krankenpflege gslehrt werden, :st d:e Teilnahme an dem Uwerrichtimicht nur Töchtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes sehr zu empfehlen. (Siehe Anzeige.) . L

** Das Ausklopsen von Teppichen. Berechtigte Klagen über erhebliche Belästigungen durch rücksichtsloses Teppichklopfen zu jeder Tageszeit, insbesondere auch in den frühen Morgenstunden, geben Veranlassung, darauf auf­merksam zu machen, daß das Ausklopfen von Teppichen usw. auf die Werktage von 8 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags zu beschränken ist. Sollte dieser Hinweis wider Erwarten keine Beachtung finden, so wird die Polizei­behörde Strafmaßuahmen zur Anwendung bringen.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.

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Höchste Temperatur am 21. bis 22. Oft. 1916: -st 4.5° C. Niedrigste 21. 22. 1916: - 4,6 ° 6.

Niederschlag 0,0 mm.