Ausgabe 
21.10.1916 Zweites Blatt
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fort» rtm Veafongern fei! Manches jwirt» ja allerdings fn-app inerten; mich fann man auf feine Art von hier etwas an Euch «plansten lassen. England stiehlt alles!" Tie Vergeltung irtrb hoffentlich nicht ans bleiben.

^. Sitzung der Großßerzoalichen Handelskammer ließen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lanterbach.

Gießen, den 18. Oktober 1916.

Anwesend sind die Herren: Geheimer Kommerzienrat Heichel­heim als Vorsitzender. Kommerzienrat Grünewald als zweiter stellvertretender Vorsitzender, Diebin. I bring, Kommerzienrat! Mingspor. Noll. Nowack, Ramspeck, Rinn, Nölir, Wallach, Zurbuch und der Svndikus. ..

Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt der Borfttzende ein Schreiben des Brauereibesitzers I bring bekannt, in welaiem dieser von seiner Msi-cht, der .Handelskammer für ihren Sitzungs­saal das bekannte BildHindenburg und Ludendorss vor der Ge­neralstabskarte" zu stiften. Mitteilung macht. Tie Handelskammer nimmt das Geschenk als ein Zeichen freundlicher Gesinnung unter herzlichen Dankesworten des Vorsitzenden gern und freudig cm

1. Monatliche Berichterstattung über Volks- Ernährung Das Stellvertretende Generalkommando des XVIII. Armeekorps in Frankfurt a. M. hat die Handelskammern des Korpsbezirks zur monatlichen Berichterstattung über Fragen der Vokksernalnung aufaefordert. Die hessischen Handelskammern- lnben diesen Schritt des Generalkommandos mit Genugtuung be­grüßt, weil ihnen hierdurch Gelegenheit gegeben wirbt, ihre An-> 'sichten und Wünsckre regelmäßig an maßgebeüder militärischer Stelle und zur Weiterleitung au das Kriegsministerium und das 'Kriegsernährnngsamt zum ?lusdruck zu bringen. Sie haben sich entschlossen, einen genieinsamen Berictist zu erstatten, da hierdurch viele Wiederholungen vermieden norden und dem Stellvertreten­den Generalkommcmdo die Uebersicht erleichtert wird. Ter erste Bericht dieser Art ist ani 7. Oktober d. Js. erstattet worden

2. Lahnkanalisierung. Aus Einladung des Regre- rnngspräsidertten in Wiesbaden hat 'am 20. September d. Fs. rn! Limburg eine Besprechung über das Ergebnis der Lahn-Motor- schisss-Versuchssahrten stattgesunden, a'n ioelcher als Vertreter der Kammer Brauereibesitzer Jhring und der Svndikus teilgenommen haben. Den Verlmndlungen lag eine Denkschrift der Preußischen Regierung über die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit der Lalfü- kanalisierung zu gründe. Es wurde beschlossen, die Versuchs­fahrten während des Krieges e i n z u st e l l e n und die weitere Behandlung der Angelegenheit zu vertragen.

3. Preisgestaltung bei Web-, Wirk - und Strick­waren. Durch die Verordnung des Bundesrats über Preisbe- 'schränkungen bei Verkäufen von Web-, Wirk- und Strickwaren vom ,30. März 1916 ist vorgeschrieben, daß Web-, Wirk- und Strickwa- »ren, von bestimmten Äusnabmen abgesehen, grundsätzlich zu kei­nem höheren Preise verkauft werden dürfen als dem, den der Ver­käufer bei Gegenständen und Verkäufen gleicher oder ähnlicher Art innerhalb der Kriegszeit vor dem 1. Februar 1916 zuletzt erzielt oder feftgestellt hat. Bei der Beurteilung der Angemessenheit eines ^Preises hat sich min über den Begriff ..angemessener Gewinn" in amtlichen militärischen Kreisen eine Anschauung herausgebildet, welche den latsächlicheii Verhältnissen durchaus nicht Rechnung trägt ,und daber in den beteiligten Kreisen große Beunruhigung und Unsicherheit her vor gerufen hat. So will man unter angemesslenem Geivinn grundsätzlich nur deirjeniaen verstanden wissen, welchier .auch in Friedenszeiten für gleiche Waren ltnb unter fonft gleichen Verhältnissen erzielt worden ist. Wenn z. B. die Herstiellungskosten .einer Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten im Frieden 4 Mark lw- trugen und der Hersteller 1 Mark -- 25°/o als seinen Gewinn aufschlug, so darf er, wenn die Herstellungskosten der gleichen Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten jetzt 8 Mark betragen, nicht etwa 25 o/o --- 2 Mark als seinen Gewinn ausschlagen, sondern er darf wir 1 Mark als angemessenen Gewinn betrachten, d. h. er darf die Ware nicht für 10 Mark, sondern er muß sie für 9 Mark verkaufen. In einem gemeinsamen Bericht haben die hessischen Handelskammern ans das Unhaltbare dieser Auffassung aufmerksam gemacht und daran den Wunsch geknüpft, daß die Angemessenheit des Gewinns vo-n Fall zu Fall unter Hinzuziehung von Sachverständigen, deren Benennung die Handelskammern gerne bereit waren, geprüft werden möge und daß vor. der amtlichen bezw. gerichtlichen Der- ssolgung einer Anzeige die Handelskammer gutachtlich gehört werde.

4. Entziehung von Arbeitskräften. Es fiitb wäh­rend des letzten lxrlben Jahres in der Tagespreise wiederholt Inse­rate erschierren, in denen von Firmen, welche Lieferungen für das

f.Heer oder die Marine auszuführen haben, Arbeitskräfte unter man­derlei Versprechungen wie hoher Lohn, Vergütung von Eisenbahn­fahrkarten usw. gesucht worden. Es sind ferner Fälle bekannt ge­worden, wo Arbeiter von Firmen ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist und ohne jede vorherige Verständigung mit dem bisherigen Arbeitgeber eingestellt worden sind. In allen diesen 'Fällen handelt es sich zweifellos um einen Verstoß gegen den be­kannten Erlaß des Preußischen Kriegsministeriums, in welchem eine solche Werbetätigkeit als wenig rüchichtsvoll aus das Entschiedenste . verurteilt wird. Um nun der Gefahr scharfer Maßregeln seitens der 'militärischen Stelle vorzubeugen, richtet die Handelskammer hier­mit die dringliche Bitte an die Leiter der mit Kriegslieserungew beschäftigten Firmen, alles zu vermeiden, was mit den Vorschriften des kriegsministeriellen Erlasses nicht nur dem Buchstaben, son­dern auch dem Sinne nach in Widerspruch steht.

5. Aushebung von Pferden durchdie Militär­verwaltung. Von Pferdebesihern aus Kreisen der Industrie und des Großhandels wird bittere Klage über die großen Verluste geführt, welche ihnen dadurch erwachsen. daß sie einerseits bei der .Aushebung von Pferden durch die Militärverwaltung viel zu nie­drige Preise erhalten, währeud.sie andererseits Ersatz nur unter Aufwendung großer Mittel beschaffen können. In Unterstützung' eines Vorgehens der Handelskammer Magdeburg beschließt die Handelskammer, dafür einzutreten, daß einmal "der Einstandspreis für die Pferde von der Militärverwaltung erstattet, und daß ferner von den kriegsbeschädigten Pferden ein gewisser Prozentsatz der Industrie und dem Großhandel zur Verfügung gestellt wird.

6. Lage des Arbeits Marktes. Das Großherzoglich« Ministerium des Innern hat die Handelskammier zu einem Be­richt über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage im Kammerbezirke «m'gewrdert. Durch Umfrage hat die Kammer sestgestellt, daß der .Deichästiguirgsstand in den einzelnen Industrien im allgemeinen recht zufriedenstellend ist: in der Kriegsindustrie sind sogar die Arbeitskräfte aufs äußerste angespaimt: vereinzelt wird über Mangel an geschulten Arbeitskräften geklagt. Nur in der Textil­industrie herrscht teilweise Arbeitslosigkeit.

7. Hessische Verteilungsstelle. Die von dem Hessi­schen Handelskammertag unter Mitwirkung der Großherzoglichen Regierung eingesetzte Hessische Verteilungsstelle hat in der Zeit ihres Bestehens eine befriedigende Tätigkeit entfaltet. Diese Tätig­keit erstreckt sich einerseits aus Holzlieserungen, andererseits aus den Bedarf des Ingenieur-Komitees in Berlin und anderer Muni- tions-Beschassungsstellen.

8. Bezugsscheine für Web-, Wirk- und Strick­waren. Die Ausserttgung der Bezugsscheine ist im Großherzog­tum Hessen in den Städten den Oberbürgermeistern übmtrageN! worden. Hingegen haben in den Landgemeinden, die Ortsbürger­meister nur die Bedürfnisse zu prüfen, während die zuständigen Kreisämter allein zur Ausfertigung des Bezugsscheins berechtigt sind. Diese letztere Art der Regelung hat nun zu lebhaften Klagen 'der beteiligten Kaufmannschaft wie auch des kaufenden Publikums geführt. Die hessischen Handelskammern haben sich daher veran­laßt gesehen, die Großherzogliche Regierung um eine Aenderungj dieses Verfahrens zu bitten. Das Großherzogliche Ministerium hat daraufhin die Gvoßh. Kreisämter allgemein dahin ermächtigt, so­weit tunlich, in den Gemeinden von über 1000 Einwohnern die Großherzogllche Bürgermeisterei mit der Ausserttgung der Bezugs­scheine zu betrauen.

9. Sonderbesteuerung der Zweiggeschäftsbe- triebe. Der Verband Deutsche Großdetaillisten bei Lebens- mittelbranche mit dem Sitz in Frankfurt a. M. hat in einer Ein­gabe an das Großh. Ministerium gebeten, es möchte denjenigen Gemeinden, welche s. Zt. die Filialsteuer eingeführt haben, die Aufhebung dieser Steuer sür die Tauer des Krieges nahelegen. Der Antrag wird hauptsächlich mit den während der Kriegszeit dem

Handel auferlegten Beschränkungen iitrtH) der Notwendigkeit der guten und billigen Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch die Großdetaillistengeschäfte begrmrdet. In einer Vertreter- konserenz l-abcn die hessiscki-eir Handelskammern den Standpunkt vertreten, daß es einzig und allein Sache der Gemeinden sei, welche die Steuer eingeführt haben, über die Aushebung zu ent­scheiden, aus toelche auch die Großh. Negierung einen. Einfluß weder ausüben könne, noch wolle.

10. Einheitliche Regelung der Feier des B u ß - und Bettages. Tie .Handelskammer hat sich gegen die Bestre­bungen ausgesprochen, welche aus die Zusammenlegung des hessischen Buß- und Bettages mit dem in Norddeut schlaird aus einen Werktag fallenden Buß- und Bettag hinzielen.

11. Sommerzeit. Zn einem Bericht über die volkswirt­schaftlichen Wirkungen über die neue Sommerzeit aüsgesordert, hat die Handelskammer sich dahin geäußert, daß sie angesichts der her­vorgetretenen widersprechenden Llltsichten sich einstweilen weder sür noch gegen die bauet n b e Einführung der Sommerzeit aus­sprechen könne. Wohl aber hat sie sich gegen die Vorverlegung der Stunden im Winterhalbjahr erklärt, weil eine solche Maßregel int Widerspruche zu den natürlichen Lebensgewohnheiten steheni würde und nur zu schveren Nachteilen sowohl in volkswirtschaft­licher wie auch Volks hygienischer .Hinsicht führen müßte.

12. Verkehr mit Heu. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat ans die ihm auch von unserer Seite vorgetrcigeuen Bedenken von einer Regelung des Einkaufs und der Verteilung von Heu im Großherzogtum Hessen Abstand genommen.

13. Verkehr mit Seife. Tie Handelskammer hatte in Unterstützung eines Vorgehens der Handelskammer Nordhausen bei lder Groß herzoglichen Regierung beantragt, bei dem Reichsamt daraus binzuwirken, daß verschiedene Härten und Ungerechtigkeiten bei der Auswahl der allein zur Herstellung von Seife und Seisen- pulver berechtigten Firnen ausgehoben und durch anderweitige Regelung die Ausrechterhaltung der in der Produktion von Fein­seifen und Seifenpulver bewährten Betriebe gewährleistet wird. Das Reichsamt hat sich jedoch außerstande erklärt, eine Äendernng der Grundsätze eintveten zu lassen, nach denen die Auswahl der mit der Verarbeitung von Fetten und Oelen aus setthalttge Wasch­mittel betrauten Fabriken erfolgt.

14. Verkehr mit Petroleum. Tie Handels kampier hat bei dem Deutschen Handelstag die Bestrebungen unterstützt, welche aus eine Beseitigung der drückenden Abhängigkeit des deutschen Kleinhandels von den amerikanischen Petroleumgesellschasten be­zwecken.

15. Verkehr mit O b st b r a n n t w e i n. Aus eine im In­teresse der Obstbranntweinhersteller des Kammerbezirkes erfolgte Eingabe wurde der Kammer von der Reichsstelle sür Gemüse und Obst der Bescheid zuteil, daß auch künftig im Wege von Ausnahmen die Benutzung von Obst auch in solchen Brennereibetrieben zur Her­stellung von Obstbranntwein zugelassen werde, die überhaupt nach­weislich bereits in früheren Jahren Obstbranntwein hergestellt haben.

16. Bekämpfung des Kettenhandels. Zur Entschei­dung über die Erteilung kund Entziehung der Erlaubnis zum Handel mit Lebens- und Futtermitteln sind bei den Großh. Kr.'is- ämtern und den Oberbürgermeistereien besondere Stellen einge­richtet worden. Die .Handelskammer hat aus Ersuchen dieser Be­hörden die Vertreter des Handels in diesen Zulassungsstellen nam­haft gemacht.

17. Wintersahr plan 1916/17. Zum Wintersahrplan 1916/17 hat die .Handelskamnrer der Königlichen Eisenbahndirek­tion Frankfurt a. M. eine Reibe von Wünscl-en unterbreitet, welche die Strecken GießenOMnbaufen, GießenFulda, AlsfeldNie­deraula, GrünbergLollar und NiederwalgernHerborn betrasen.

18. Ergänzungswahlen zur Handelskammer. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat verfügt, daß die Ende dieses Jahres erforderlichen Ergänzungswahlen zur Handels­kammer unterbleiben.

19. Schuh deutscher Gläubiger. Die-Reichsentschädi- gungskomMission hat durch Verordnung des Reichskanzlers vom *25. April 1916 die Ausgabe erhalten, die Eigentümer der während des gegenwärtigen Krieges im seindlirhen Ausland int Namen des Reichs beschlagnahmten Güter sestzustellen, über die Entschädi­gungsansprüche der Eigentümer und anderer Berechtigter zu ent­scheiden und die Zahlung der Entschädigung zu veranlassen. Als feindliches Ausland im Sinne dieser Ausgabe kommen in Betracht: die von deuttchen Truppen besetzten, bezw. unter deutscher Verwal­tung stehenden oder ehemals befindlichen Gebietstelle von Nord- srankreich, Belgien und Rußland. Tie Reichsentschädiglmgskom- mission ist ferner vom Reichskanzler zur Sammelstelle für Forde­rungen bestimmt worden, die deutschen Gläubigern gegen Schuld­ner in dett besetzten feindlichen Gebieten zustehen, damit diese For­derungen bei der Gewährung von Entschädigungen sür Beschlag­nahme und Auszahlung von Kcrusgeldern berücksichtigt werden können. Ueber das bei Forderungsanmeldungen zu beobachende Verfahren gibt das Sekretariat schriftlich wie mündlich nähere Auskunft.

Au» Stadt «nd Land.

Gießen. 21. Oktober 1916. Bucheckern zu OeN

Laut Bundesratsbeschluß sind Bucheckern beschlagnahmt, jedoch hat jedermann das Recht, diese zcu sammeln. Wer Bnch- eckern sammelt, darf 25% davon bis zavm Höchstquantnm vc>tt 25 Kilo sür sich verwerten. Das Sammelgeschäst geschieht am zweckmäßigsten dadurch, daß man große Tücher (Wagen- oder Zeltdecken) unter die Bäume legt uird dann die Bäume tüchtig abschüttelt. Laub und Schnrutz, sowie taube und wurmsttck/ige Kerne müssen ausgelesen werden. Für je drei Pfund Bucheckern, die abgeliefert werden, darf der Sammler 1 Pfund für sich pressen lasseit. Für die ab gelieferten Bucheckern wird 50 Psg. pro Kilo bezahlt. Wer also 100 Kilo sammelt, muß 75 Kcklo abliesern und erhält dafür 37,50 Mk.; außerdem erhält er von der Sammielstelle oder der Bürgermeisterei einen Erlaubnisschein, um 25 Kilo Buch­eckern sür sich pressen zu lassen.

Wer Raps, Sonnenblumen- oder Mohnsamen gezogen hat, darf ebenfalls 30 Kilo davon sür sich zu Oel schlagen, lassen. Tie Bürgermeistereien müssen einen Erlaubnisschein dazu ausstellen. Soweit Hasel- und Walnüsse nicht von den einzelnen Burtdesregicrungen beschlagnahmt sind, dürfen diese ohne Erlaub­nisschein und iu jedem Quanttmr verarbeitet werden. Tie O e l - sabrik Dotzheim tauscht alle diese Oelsaaten gegen Oel (siehe Anzeige).

** Di e Hessen-Vereinigung iu B rüssel hielt am 11. ds. Mts. im Großen Saale derDrei Sckiweizer" ihren) allmonatlichen Mend ab, der diesmal sich zu erneut Unterhaltungs­abend gestaltete und einen guten Besuch auszuweisen hatte. Mit einer kurzen Begrüßtrngsansprache des stel'lv. Borsitzeitden, in der des gemeinsamen Vaterlandes und der engeren Heimat sowie der im Kampfe stehenden Kameraden des Heeres und der Flotte ehrend gedacht Ivurde, und einem darauf gemeinsam' gesungenen Liede wurde .der Abend eröffnet. Durch die packende Wiedergabe einiger schöner Lieder ernteten Front Tr. Goldschmidt und Kammersänger Sattelmacher reichen Beifall, an dem auch Frl. Meyer für ihre mustergültige Begleitung am Piano vollen Anteil hatte. Kamerad Sergeant Schmalz und Kamerad Post­sekretär Kolb erfreuten ihre Zuhörer, ersterer durch komische Vorträge und letzterer als Kunstpseiser und Rezitator hessischer Heimatkläuge, wofür auch ihnen reicher Beifall zuteil wurde. Gemeinsam gesungene Lieder wiirzten den weiteren Abend, der so in schönster Weise verlies und bei alletr Teilnehmern einen bleibm- den Eindruck htttterlassen haben dürste.

** Zur Kartosselnachlese. Vielfach hört man in Kreisen der Landwirte über den geringen Ertrag der diesjährigen Kartoffelernte llagen. Falls die Klagen berechtigt sind, so muß mit allen Mitteln danach gestrebt werden, daß keine Kartossel ver­loren geht. Häufig bleiben bei der Ernte, besonders da. wo der Vslug zur Anwendung kommt, KNollen im Boden stecken. In diesiem Jahre ist das auch der Fall, wo gehackt wiüd, da Kinder uich Kriegsgefangene beim Ernten tätig sind. Aus Feldern, die im

Herbste bestellt und daher geeggt und gepflügt werden, läßt sich das Versäumte leicht nachholen, nicht aber bei solchen, die bis zum Frühjahr liegen bleiben. Da erwächst wie beim Aehrenlesen der Schuljugend eine wick>ttge vaterländische Aufgabe. Auch hier gilt es wie aus den Getreidefeldern Nachlese zu halten. Es dars sie nicht ab stoßen, daß die Arbeit, die sie aussührt, früher von den Armen vollzogeit wurde. Der Ertrag wird reich sein und meint die Nachlese allenthalben vorgenommen würde, so würde der Kar­tosselbestand des Landes wesentlich erhöht.

** Zur Unkrautbekämpfung. Ter Aushungerungs­plan Eirglands ist dank des Organisationstalents des deutschen Volks als gescheitert zu betrachten. Nichtsdestoweniger muß es unser Bestreben sein, die ErnährungsMöglichkeiten, wo cs nur immer sein karm, zu fördern und zu steigert. Tic Ausnutzung jedes einigermaßen ertragssähigen 'Stückchens Erde, die Urbarmachung ron Heideland, das Entwässern sumpfigen Landes, also kurz gesagt die Jnangrissnahme der schon so oft vorgeschlagenen inneren Kolo­nisation gehört hierher. Vieles wird stckz im jetzigen Augenblick allerdings nicht aussühren lassen, da es an den nötigen Arbeits­kräften fehlt, mmtches aber kann und muß gescheheir. In' folgendem möchte ich den Blick auf ettoas richten, das vielleicht im ersten Augenblick manchent gering erscheint, in Wirklichkeit aber geeignet ist, die Erträge um ein Bedeutendes zu >erhöhen, nämlickf die energischere B e k ä m p f u -n g des Unkrauts. Ein altes Sprich­wort sagt: Unkraut vergeht nicht. Das wird wahr bleiben, so lange die Welt steht. Es kann sich auch nur darum handeln, das Unkraut derart in den Hintergrund zu drängen, daß es die Nutz- pflanzeit nicht überwuchert. Sobald dies gelingt, haben wir ge­wonnenes Spiel. Es verkümmert dann imd konrmt nicht zur Ent­wickelung. Gnte^ reine Aussaat und gründliche Bearbeitung des Ackers vor der Saat Helsen viel, aber lange nicht alles. Der Un- krautkämen ist außerordentlich widerstandssähig und liegt jahrelang im Boden, ohne zu perderben, und enttoickelt sich dann, sobald die Vorbedingungen dazu günsttg sind. Ta sich nun die meisdcn Gewäck/se durch ihren Samen fortpslanzen, so wird man der Ver­breitung des Unkrauts dadurch am wirksamsten Vorbeugen, daß man es nicht zur Samenbitdung kontmen läßt, sondern es schon vor der Entwickelung der Blüte entfernt. Gerade daran 'hat es aber in den letzten Jahren gesehll. Wo die Hände hernehmen? Es ist so viel anderes zu tun! Greise, Frauetr und Kinder sollen und müssen die Arbeit leisten. Und doch ist es dringend nöttg, wenn die Erträge nicht weit hinter dem Mittelmaß zurückbleiben sollen., Wenn hierbei vielleicht die Stadt in ihrem eigentsten Interesse sich des Landes annehmen und ihre Hilfskräfte zur Verfügung stellen wollte, so wäre dies eine durchaus wertvolle Hilfe, die sich doppelt und dreifach bezahlt machte, um so mehr, als es zu einer solck>en Arbeit keinerlei Vorrenntnisse und keiner besonderen Uebung be­darf, ivie dies z. B. bei den Erntearbeiten nöttg ist.

** Aus de m S t a d tt hea terb u re au. Nochmals in letz­ter Stunde sei aus den heutigen Vortrag des Dichters Max Halbe hingewiesen. Die beiden morgigen Sonntags-Vorstellmtgen^ nachmittags ,,P e n s i o n Schölle r", abendsFamilie Schi mek" werden bei kleinen Preisen gegeben. Bemerkt sei, daß die Abendvorstellung gegen 10 Uhr beendigt sein wird, so daß Be­sucher aus LLetzlar den letzten Zug 10,20 noch erreichen können.

** Das S chwa r z -- W e i ß - Th e a ter, Seltersweg 81, bringt ab Samstag bis M.vndcrg ein Gastspiel- der inteaessanten deutschen Schauspielerin Tilla Durieux vom Kgl. Schauspiel­haus in Berkin in dent spannenden Drama Nahira. Außer­dem interessante Ausnahme,! vom'türkischen Kriegsschauplatz und das sehenswerte Schwarz-Weiß-Theater-Beiprogramm, in dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

** Heilige r Abend und S i! v e st e r ein Sonntag. Der Christabend unb Silvester fallen in diesem Jahr auf einen Sonntag, wir haben daher gleichsour drei Weihnachtsseiertage und 8 Tage später nochmals zwei Feiertage.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 20. Okt. UmEnttäuschungen" vorzu- beugcrt, bestimmte das KreisaM über die H a u s s ch l a ch t u n g e n sollendes: Wer Hausschlachtungen vornimmt, erhält bei dem ersten Schwein, das er innerhalb eines jedett Jahres, vom 2. Ok­tober 1916 an gerechnet, schlachtet, das Schlackigewicht nur rup Hälfte, beim zuzeiten Schweine zu drei Fünftel aus die Fleisch. karte amgerechnet.Pensionssckfweine" gelten auch bei Vorlage naher Berwaudtschaftsverhältnisse zwiscksen den VerttagSteilen nicht als in eigener Wirtschaft gehalten. Auch bloße ftnanzielle Betellb, gung gilt nicht als gemeinsame Mästung.

Kreis Lauterbach.

ü. M o o s e r - G r u n d, 20. Okt. Kaum ist der G a l lu s t a g vorbei, so schickt uus der Winter seine Vorboten. Hier konnte man die ersten feinen Schneeslöckchen in minutenbangem Reigen durch die Lust wirbelit sehen. Schon tags vorher trat etwas Kälte ein und mahnte die Nachzügler in der Feldarbeit, rasch die letzten wenigen Kartoffeln dem 'Boden zu entuehmeit. Einige Landwirte l>aben sogar noch etwas Grummetgras stehen, das sie nun, da ihnen bei dem Mangel an Arbeitskräften ein Türrmachen unmög­lich loar, grün füttern.

Kreis Schotten.

~ Schotten, 20. Okt. Auch in diesem Jahre sollen unsere tapferen Truppen durch das Rote Kreuz mit Weihnachts­gaben versel/en werden. Nach einem bestimmten, durch die Ver­hältnisse bedingten Plan sollen von den einzelnen Zweig vereinen! des Kreises Schotten gestiftete Kisten rechtzeittg an die zal-lreichen Verbände in Ost und West gesandt werden. Tort erfolgt die Ver­teilung ihres Inhaltes sinngemäß durch die Befehlshaber der be­schenkten Truppe. Von dent Zweigverein Schotten vom Roten Kreuz soll ebenfalls eine Weihnachtskiste gespendet werden. Jede Einheits­kiste soll die Liebesgaben für 250 Mann (eine Kompagnie) aus­nehmen, sie sott ungefähr enthalten: 50 Hosenträger, 12 Taschen­messer, 12 Pfeifen, 12 Mundharmonikas, 12 Kämme, 12 Spiegel, 12 Spiele, 12 Spielkarten, 6 Brieftaschen, 25 Bücher, 12 Nottz- bücher, 12 Nähzeuge, 12 Zigarettentaschen, 12 Taschenfeuerzeuge, 12 Taschentücher, 12 Bleisttste, 1000 Zigarren, 1000 Zigaretten, 50 Päckchen Tabak, 12 Bogen Briefpapier, 20 Stück Ersatzseife, 12 Waschlappen, eine Anzahl Liederbücher, 12 Eßbeste-cke, 12 Taschenlampen, 12 Zahnbürstert. 12 Brustbeutel uud 2 Rasier­apparate. Als teilfoeisen Ersatz für diese Gegenstäude ^körtnen ein­gelegt werden: Tasck/enuhren, Geldbetttcl, Postkarten, Handharmo- nikas usw. Nach Bekanntmachung des Kreisamts Schotten darf auch, wenn die wöchentliche HöchstiNenge des im Schlachtbezirk auf eine Person entfallenden Fleisches auf weniger als 250 Gramm fest­gesetzt würde, aus eine Jileischmicttke 25 bezw. 20 Gramm Reisch abgegeben werden.

AirchlZche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag, b c n 22. Oktober, 18. nach Trinitatis.

Gottesdienst. )n der 5tadtkirche Vornr. 9V, Uhr: Pfarrer RI a h v. Vorm. 11 Uhr : Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachm. 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Nlahr. Abends 6 Uhr: Pfarrafsistent H offmann. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthätlsgemeinde. Montag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bersaiitmlung des Frauenvercins der Matthäusgemeinde im Matthäussaal. Dienstag, den 24. Okt., abds. 6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Mitt­woch, den 25. Okt., abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer M a h r.

3n der Zohannerklrche. Vormittags 9>$ Uhr: Pfarrer

Becktolsheimer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde. Pfarrer B e ch t o l s h e i m c r. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 7 l A Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lnkasgemeinde im Lukassaale. Abends 8 Uhr: Versammlung und Vibelbesprechuna im Johannessaale. - Vom Smtntag, den 22. Oktober an nehmen die Versammlungen.des Sonntagsvereins für Mädchen im oberen Saale der Kleinkindcr- schule, Diezstr. 1b, wieder ihren Anfang.

Kirchberg. Sonntag, den 22. Okt., vorm. 10 Uhr. Heil. Abendmahl für die Alten von Staufenberg. Lollar. Sonntag, 22. Oktober, nachm. 1'/, Uhr. Heil. Abendmahl. Daubringen. Mittivoch, den 25. Okober, abends 8 Uhr: Kriegsbetsttmde.