Ausgabe 
17.10.1916 Zweites Blatt
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Nr. 244 Zweiter Blatt *66. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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General-Anzeiger für Sberheffen

Dienstag. \T. Oktober \9\6

Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUniversitnts-Buch-li.St.'iildruckereu N. Lang e, Gießen.

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Die Uartoffeiversorgung.

Berlin, 16. Okt. (WTB. Amtlich.) Die bisher vorlie­genden Ergebnisse der Schätzung über den Uinfang der .Herbstkartoffelernte haben das KriegsernÄhrungs- amt veranlassen müssen, tief einschneidende Maßnahmen zu treffen, die auch für den Fall, daß der Ertrag sich end­gültig als sehr gering ergeben sollte, die Versorgung der Be­völkerung mit Speisekartoffeln unter alten Umständen ge­währleisten. Es ist daher auf Vorschlag des Kriegsernäh- rungsanrts durch den Herrn Reichskanzler angeordnet wor­den, daß die Verbrauchsregelung in allen Kommunalver- bänden nach dem Grundsatz zu erfolgen hat, daß bis zum 15. August 1917 nicht mehr als 1V 2 Pfund Kar­toffeln für den Tag und Kopf der Bevölke­rung durchschnittlich ve rlv endet werden dürfen. Im einzelnen hat die Verbrauchsregelung weiter dahingehend zu erfolgen, daß der Kartoffelerzeuger auf den Tag und Kopf bis IV 2 Pfund Kartoffeln seiner Ernte für sich und für jeden Angehörigen seiner Wirtschaft ver­wenden darf, während im übrigen der Tageskopfsatz auf höchstens 1 Pfund Kartoffeln mit der Maßgabe festzusetzen ist, daß der Schwerarbeiter eine tägliche Zulage bis 1 Pfund Kartoffeln, insgesamt also bis 2 Pfund Kartoffeln, erhält. Ferner ist das^Verfüttern von Kartoffeln, Kartoffelstärke, Kartoffelstärkemehl :md Erzeugnissen der Kartoffeltrocknerei ausnahmslos verboten worden, jedoch dürfen Kartoffeln, die als Speisekartoffeln oder als Fabrikkartoffeln nicht ver­wendbar sind, künftig an Schweine und an Federvieh ver­füttert werden. Verboten ist das Einsäuern von Kartoffeln und das Vergällen und Vermischen der an die Trocken- kartoffel-Verwertungs-Eiesellschaft ab zuliefern den Mengen. Um die rechtzeitige Wintereindeckung mit Kartoffeln zu gewährleisten, ist ferner der Handel und der Verkehr mit Säatkartoffeln bis auf weiteres untersagt.

Es darf nicht verkannt werden, daß diese Vorschriften für manchen nichtschwerarbeitenden Verbraucher eine Eirr- schränkung seiner Ernährung bedeuten, daß vornehmlich aber durch die neuen Vorschriften der Landwirt betroffen wird. Es ist aber unbedingt erforderlich, alle anderen Rück- sichten zurchcktreten zu lassen und lediglich Vorkehrungen zu treffen, die das Durchhalten mit Kartoffeln bis zur neuen Frühkartofselernte unter allen Umständen sichern. Das genaue Ergebnis der Herbstkartoffeternte kann erst durch eine Bestandsaufnahme ermittelt werden. Ergibt diese ein .besseres Resultat, als jetzt vorsichtigerweise angenommen werden muß, so werden die heute gebotenen Vorschriften gemildert werden können. Bis dahin aber müssen die ge­schilderten Anordnungen in Kraft bleiben, denn nur durch sie allein wird die Gewähr geboten, daß auch unter den schwierigsten Ernteverhältnissen genügende Mengen Speise­kartoffeln vorhanden sind und daß diese Mengen derart verbraucht werden, wie es die Interessen des deutschen Volkes und die Interessen der Heeresverwaltung gebieterisch fordern.

Keine nachträgliche Erhöhung der Kartoffelpreise.

Berlin, 16. Oktober. (WTB.) Durch die vom Reichs­tag mit allgemeiner Znstünmung aufgenvmmene Erklärung des .Präsidenten des Kriegsernährungsamtes tvird festgelegt, daß trotz der stellenweise recht ungünstige ir Ernte nach­trägliche Erhöhungen der festgesetzten Kartoffelpceise unter kei­nen Umständen stattfinden werden. Damit ist auch die Frage end­gültig erledigt, die im verflossene Wirtschaftsjahr als eine Folge der damals nachträglich zugestandenen Preiserhöhung lebhaft er­

örtert wurde, ob nämlich auch denjenigen Landwirten, die früh­zeitig zu billigeren Preisen geliefert hätten, nachträglich die Preise erhöht werden sollten. Dieser an sich begreifliche Wünsch konnte damals nicht erfüllt werde:, was die Mißstimmung gegen eine nach­trägliche Preiserhöhung noch wesentlich verschärft hat.

Aus dem Hauptausschuß des Reichstags.

Berlin, 16. Oktober. (WTV.) Ter Hauptausschuß des Reichstages verhandelte heute über Fragen des Be­lagerungszustandes und der Schutzhaft. Die Sozial­demokraten beantragten die Aufhebung des Belagerungszustandes. Tie Nationalliberalen Frachten ein Jnitiativgesetz ein, in dem besonders die Rechtsmittel für die Verhafteten bezeichnet werden. Im Laufe der Aussprache erklärte Staatssekretär Tr. H e l f f e r i ch es für unmöglich, daß man im Kriege ohne die Bestimmungen des Belagerungsgesetzes auskomme:: könne. Die Aufhebung des Gesetzes im Kriege sei ausgeschlossen. Ministerialdirektor Tr. L e w a l d führte aus, daß gegenüber ' der Spionage Ver­schärfungen nötig waren. Im Verkehr mit Oesterreich würden Pässe in größerem llmfange und mit großer Liberalität ausgegeben. Was den nationalliberalen Gesetzentwurf anlangc, so sei es an sich allerdings wünschenswert, wenn gewisse Rechtsgarantien zum Schutze der persönlichen.Freiheit gegeben würden. Der Weg der Gesetzgebung könne nach! Ansicht der Reichsleitung nicht beschrittcn werden. Vielleicht ließe sich auf Grund Allerhöchster Ermächtigung das gleiche -erreichen. Die 'Einfügung des Reickzsmilitärgerichts als Beschwerde-Instanz sei ausgeschlossen. Schließlich wurde zur Be­ratung der vorliegende!: Anträge ein besonderer Ausschuß eingesetzt.

Im Hauptansschuß erörterte Ministerialdirektor Dr. Lewald bezüglich des von sozialdemokratischer Seite vorgebrachten Falles des Abgeordneten Herzfeld die Frage der Briefzensur. Es sei zu­lässig, die Beschlagnahme von Postsendungen für die Dauer des Kriegszustarides dem diskretionären Ermessen der Verwaltung an­heimzugeben. In allen kriegführenden Staaten sei das Postgeheim­nis beschränkt oder aufgehoben. Staatssekretär Dr. Helfferich erklärte, die Schattenseiten des Gesetzes lägen nicht so sehr in diesem selbst, als in der mitunter ungleichmäßigen Durchfüh­rung. Durch einheitliche Richtlinien für alle Generalkommandos sollten diese Klagen beseitigt werden. Ohne Ausnahmebe­stimmungen könne man in dieser Zeit nicht auskommen, ohne Göfahr zu laufen, vaterländische Interessen schwer zu schädigen. Tie Sammlung von Unterschriften für bestimmte Kriegszrele habe das Oberkommando in den Marken verboten. Tr. Lewold erklärte, Dr. Mehring sei am 1. August 1916 im Interesse der öffentlichen Sicherheit in Schutzhaft genommen worden, da er zugegebenermaßen Straßendemonstrationen vorbereitete, seither seien Versuche zu solchen unterblieben. Tr. Helfferich führte aus, die Schutzhaft dürfte irur verhängt werden, wenn die öffentliche Sicherheit dies ge­biete Und nicht als Strafe. jAlle Fälle würden sorgfältig nach geprüft. Es sei nicht anzunehmen, daß sich Unschuldige in Schützest be--s fanden.

Tie Weiterberatung würde sodann auf Dienstag vormittag ver­tagt.

Briegsbriese aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter-, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Erfolge in den Karpathen.

Hauptquartier Conta, den 14. Ottober 1916.

Schon vor ein paar Tagen haben deutsche Jäger einen hübschen Erfolg in den "Karpathen errungen. Beim Abschluß der letzten größeren Kämpfe sind die Russen an ein paar Stellen der Kar­pathenfront in der Lage gewesen, ihre Linien so vorzudrücken, daß sie in unsere Stellungen oder Anffahrtsstraßen hineinsehen konn­ten. So salzen sie vom Pöüslop, gegenüber der Baba Ludowa, in die Talstraße, die im Burküt entlang dem schwarzen Czeremosz führt, und belästigten den Verkehr durch ihre Artillerie. Am Mor­

gen des 8. Oktober gingen die Jäger ohne Artillerievorbereitunc bei dickem Nebel überraschend gegen die Kuppe vor und nahmen sic nach kurzer Zeit in sehr erbittertem Nahkampf. Die Russell bei 82. russischen Division hatten sehr schwere blutige Verluste, ge- fangeil wurden nur 20 Mann eingebracht. Die Verluste der Jäge: waren verhältnismäßig gering. Am 9. Oktober setzten dann die Russen nach Artillerievorbereitung mit Gegenangriffen schon am frühen Morgen an, vier Angriffe, der letzte um 7 Uhr abends, lvürden blutig abgeiviesen, die neue günstige Front blieb fest in der Hand der Jäger. Seitdem herrscht, abgesehen von Artillerie- nnd Minenwerferfeuer, besonders am nördlichen Prislop, am Stayki und östlich Kirlibaba, zienllich Ruhe an der Karpathenfront.

Deute haben österreichisch-ungarische Truppen, österreichische Jäger, in größerer Unternehmung die Russen südöstlich der großen Straße KirlibabaPrislop zurückgedrängt. Deutsche und österrei­chisch-ungarische Artillerie begann am Morgen mit heftigem Wir­kungsschießen auf die russischen Stellungen, die am Dadul und au der Frnntea gleichzeitig anaefaßt werden sollten. Von einem! Gipfel östlich des Capul sah ich das großartige Bild des starken Artilleriekampfes aus den Höhen. Gegen neun Uhr wurde bei ziehenden Wolken der Blick frei. Das mächtige Panorama enthüllt sich bis nach lden rumänischen Berggipfeln, die hohe Felsenfestung des Capul, so heiß früher erkämpft, lag still im Sinnenlicht, ebenso wie der Kegel der Tatarca, den die Russen haben, aber südlich von der hohen breiten Tatarca-Kuppe^ schien der Dadul zum feuer­speienden Berg zu werden. Die hohen Wolken, die sich unaufhör­lich folgenden Ausschläger spritzen aus seinen Flanken empor. Man sah, wie die Schüsse der schwersten deutschen und österreichisch­ungarischen Artillerie in den, russischen Gräben lagen. Die Schrap­nellwolken standen dicht ein zweiter Wolkenhimmel unter den jagknden Himmelswolken über der Kuppe und schimmerten grün-weiß über den Hängen des Frnntea. Gegen 10 Uhr brach die Infanterie gegen die Fruntea los. Man sah die kleinen Punkte über die Felder vorwärtskommen. Bald bewegten sich größere dichtere Verbände über das Feld, gefangene Russen, die öster­reichischen Jäger verschwanden hinter dem Nebel, aus dem Leucht­kugeln hochgingen. Das Artilleriefeuer wurde vorgelegt. Man tarn vorwärts. Unten im Tal lagen wie weiß-rot-grüne Spielzeugdörfer Kirlibaba, Lajosfalva. Ein paar russische Schrapnells zerplatzten! jetzt da unten im Tal. Auch über den Häusern als einzige Antwort begannen die verbündeten Artillerien von neuem ihr Schießen, aber man sah das Arbeiten der Artillerie nicht mehr. Die Wolken senkten sich, verhängten die Ferne. Nur Kirlibaba glänzte noch in der Sonne hinter dem Vorhang der ziehenden Wolken und Nebel. Der Erfolg am Fruntea-Rücken, auf dem die Russen zurtickgedrückt, wurde ausgebaut. Mittags waren schon zirka 200 Gefangene ge­meldet. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Sport.

D. RuderklubH a s s i a". Einen sportlich großartigen Erfolg komtte dieHassia" am Sonntag mit den Mannschaften. K. Rödel, W. Haus, K. Drechsler, I. Misker, die von H. Kaiser gesteuert wurden; und F. Zutt, W. Weber, H. Fleck, H. Wisker, Steuer W. Rupp, in Frankfurt bei der Vereinsregatta des dortigen RudersportvereinAnricitia" wieder erzielen. Ersteve gewannen den Gastvierer gegen die FrankfurterUndine"', letztere den Jübi- läumsvierer derBorussia" aus Anlaß ihres 20jährigen Be­stehens und den für Frankfurt zum erttgültigen Austrag bestimmten hiesigen Begrüßungsvierer gegen die FrankfurterAmicitia" vefp. Borussia". Ter Jublläumsvierer wurde zweimal gefahren, da Amicitia" wegen Behinderung protestierte.Undine", drk bei der ersten Fahrt den 2. Platz vorAmicttia" belegte, fuhr bas zweitcmal nicht mehr mit und erschien bei dem Begrüßungsvierer auch nicht an Start. Für seine erfolgreiche Tätigkeit als Instrukteur gebührt W. Rupp volle Arierkennung. Er hat drei Mannschaften zu Wasser gebracht, die ein strammes Training durchgemacht haben und für das nächste Jahr, wenn sie beisymmen bleiben können, einen .schönen Nachwuchs der von jeher auf den Regatten des Süddeutschen Ruderverbands geachtetenHassia" bilden.

Neinhold Lenz'Soldaten" im Deutschen Theater.

Aus Berlin wird uns geschrieben: DerDeutsche Zyklus", den Max. Reinhardt für diesen dritten Kriegswinter an kün­digte, wurde mit einer Aufführung derS 0 l d a t e n" von Jakob Michael Reinhold Lenz begonnen. Der Zyklus sott 1012 Stücke .umfassen und einen Ueberblick der Entwicklung des Soldatenwesens in der deutschen dramatischen Literatur und der Umwandlungen, die das Smdatenleben in seiner Stellung zur Gesellschaft dnrch- machte, geben. Unter anderem werden auch Fritz von Unruh und Karl Sternheim zu Worte kommen, der letztere mit seinem nun- m'ehr von der Zensur freigegebenen, im vorigen Jahre in ge­schlossener' Aufführung einmalig dargestellten StückDas leidende Weib". So kam der Erstaufführung der LenzschenSoldaten", die Freitag stattfand, eine erhöhte Bedeutung zu, da sie gleicheeittg den Auftakt für den ganzen Zyklus bildete. Die Wiedergabe Lenz­scher Werke war stets ein Experiment und wird es auch in Zükunft bleiben müssen, ha dse wjirre, auf die Verhältnisse der Bühne oft auch nicht die geringste Rücksicht nehmende, sozusagen vollkommen nntechnische Technik dieses Sturm- und Drangdichters unmöglich wirklich greifbar in den Bühnenrahmen zu spannen ist. Gerade die , Soldater?" sind typisch fiir Lenz, sowohl für seine Vorzüge wie für seine Fehler. Die Tendenz entsprang den Anschauungen der stürmischen Jugend und den Verhältnissen jener Zeit, da man in der Soldadeska vielfach eine Bedrohung des tugendsamen Bürger- Mädchens erblickte. Lenz stellte von Anbeginn diese Tendenz als Mjvtto No sein Drama auf, doch es gelingt ihm nicht, sie mensch­lich erschütternd zu gestalten, da die Figur seines Bürgermädchens Tan sich sehr gut und lebendig gezeichnet nicht geeignet ist, die Folie für ein Opfer verdammenwetter Versuchungen abzu­geben. Diese Marie Wefener kommt im Gegenteil mit ihrem launischen und leichtblütige!: Temperament den Versuchungen, die Lenz anfmarschieren läßt, in einer Weise entgegen, die es dem Zuschauer nicht möglich macht, die schließliche Tragik auf ursprüng- liche Weise nritzuempfindeu. Rein technisch hat das Stück mit seinen fortwährend wechselnden, vielfach abgerissenen Szenen etwas Frag­mentarisches, zugleich abe? auch auf der kndern Seite viel Wänd- lung und eindringliche Farben. Geniales und Hintertrepvenarttges lösen einander in sehr buntem Zickzack ab, und neben Konventio­nellem und Uebertriebenem findtt sich auch manche menschlich und dichterisch starke Stelle, mancher leuchtende Blitz, der durch unsichere Wolkengebilde aufzuckt. Wenn der Abend trotz dieser Gegensätze und Schwierigkeiten eine gttvisse Einheitlichkeit der Stimmung und Wirkung zu erzeuge:: vermochte, so lag dies vor allem ander Regie Mar Reinhardts und dem feinNhligen Künstlertum seines Masers Ernst Stern, der diesmal an allererster Stelle genannt werde!: uruß. Der Szenenwechsel verlief ohne fühlbare Pansen mit Hilfe c^r Drehbühne, deren Möglichkeiten mit außerordentlichen: Ge- schuk bis aufs letzte aus genützt wurden, mW-die von Stern gestellten Bllder waren so entzückend, das; sie allein genügt hätten, uM ein dreistündiges Aus harren im Theater zu rechtfertigen. Daß trotzdem des Lenzsche Werk nicht zu wirklichem Bühnenleben zu erwecken ist, lidgt :n seiner nicht zu übermalenden Eigenart. ..Auch die Auf­führung war als Gesamtleistung sehr gut. Die stärkste, reines Menschentum aussttahlende Gestalt schuf Wilhelm Di ege l-

mann, der in dem Liller Galanteriewarenhändler Wesener, dem Vater der verNhrten Marie, eine in Lustigkeit uud Tragik gleich ursprüngliche Figur zeichnete. Eamilla Eiben schütz bemühte sich um die Marie viel Talent und streckenweise gutem Gelingen, ohne jedoch diese allerdings sehr komplizierte und schwer darzu- steltende Figur zu jener charakteristischen Individualität empor- Nhren zu::nen, ldie allein imstande ist, das auf- und abschwan­kende Stück zu tragen. Sehr gut waren der zukunftsreiche .Hermann Tiemig, sowie Eduard von Winterstein, Emil Jan- nings und Werner Krauß in kleineren Rollen. Der ne::enga- gierte Johannes Kl eMa n n führte sich als geschickter Liebhaber ein.

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.Wie man in Saloniki Einkäufe macht. Tie folgende Schilderung derDaily Mail" aus Saloniki gibt einige Ansschrütte aus dem Leben der cnglisch-frmrzösischen Expeditions­soldaten :Trotzdem man ja mit den Lebensmittel!:, die uns von bcr Armeeleitung hier zur Verfügung gestellt werdei:, auskommen könnte, suchen die englische!: und französischen Expedittonssoldaten t-och bei jeder Gelegenheit die Geschäfte auf, um die Eintönigkeit des hiesigen Lebens ivenigstens durch eine geringe ^lbwechsl::ng erträglicher zu machen. Darmn gehört es zu den beliebtester: Ver­gnügung en, reihenweise einkaufen zu gehen. Das Einkäufen ist in Mazedonien keine einfache Sache. Vor allem erweist es sich bald als eine sehr unbefriedigende Beschäftigung. Die meisten ein­heimischen Kanfleute sind Räuber aus sozusagen angeborene Instinkt, und dabei legen sie nickst errrmal jenes Maß vor: Ge­schicklichkeit an den Tag, das anch ein solches Verhalten als eine geloisse Kunst erscheinen lassen könnte. Man zahlt ja gerne 200 Pwzerrt mehr als den ehrlichen Preis für Dinge, nach deiren man sich seit langer Zeit gesehnt hat, aber man wird wütend, tvennl man in gleicher Weise übers Ohr gehauen rvird bei Gegeirständen, die man nur kauft, weil es eben nichts Besseres gibt. Jedeirfalls! gehört eine gewisse praktische llebnng dazu, um sich tn dem merk­würdigen Geschäftsgebaren der Einheimischen znrechtznsinden. Bor allem sehen die Geschäfte hier' allem anderen eher ähnlich als dem, !vas wir eine:: Lade:: .zu nennen pflegen. Sckianfenster sind etwas völlig Unbekanntes, und übrigens sind auch die Fenster viel zu klein, als daß es ^^röglich wäre, dawin irgendetlvass auszustellen. Meist erkennt m-an das Boühande::sein eines Ladens nur daran, daß die Türe einladend west offen steht. Man geht hinein und sieht sich in einem düstern, schmutzigen kleinen Raum, an. dessen Ende ein Kassenttsch steht mit den nnvermeidlichen, drei Flas'che:: Mastix-Branntwein, Samos-Wein und Kog::ak und einigen trüben Gläsern, die verftchrerisch daneben stehen. Hinter den: Zahlttsch sieht man die Waren regellos dnrchei::ander gelvorsen. Zwischen dem Tisch und den Warenkästen steht der Räuber, stets ungervaschen und wrrasiert, stets damst beschäftigt, aus dem Aussehen des Beftrchers sofort ans dessen Grad von Leichtsinn zn schließen. Schwierig ist auch das Sprachenproblent. Französisch ist in Saloi:ik: :rnd Umgebung n:efft ebenso wenig bekannt wie Englisch. Mm:chmal verständigen sich beide Parteien durch irgendein enrgestreutes arabisches Wort, aber in: allgemeinen werden die Geschäfte Vermittels einer von Fall Fall zurccht- gclegter: Zeichiensprache abgewickelt. Aber es hätte ja doch keinen Zweck, dem Kauffnann zu sagen, was Man wünscht, da er nnt

merkwürdiger Regelmäßigkest gerade das Gewünschte niemals aus Lager hat. Darum ist es am besten, unter seinem Bestand herum- zuttamen und sich darüber schlüssig zu iverden, was davon des Kausens am würdigsten ist. Anfangs stellte ich mich immer vor dei: Verkaussttsch hin, wie mar: das in jedem europäischen Geschäft gewöhnt ist, aber bald kam ich darauf, daß dies hierzulaiche, nichts weniger als zweckmäßig ist. Mm: muß vielmehr sofort lnnter den Ladenttsch gehen, um alles genau zu betrachten und in die Hand zu nehmen, um nicht gar zu jämmerlich hineingÄLgt zu werden."

'Der el s fische Münchhausen. Uns wird ge- schiriebei:: Auch in den kleinen abgelegenen Dörfern des Elsaß hat ein Münchihause:: gelebt, von dessen merkwürdigen Abenteuer:: sich die Leute noch heute erzählen. Nr:r ist er hier nicht der Edel­mann, sonder!: ein Bauer- eiu Weber, ein .Hopfenpflanzer oder Gänsezüchter. Bon seinen wunderbaren Taten sind viele in Ver­gessenheit geraten oder überhaiept nicht über die Heimmgrenze hinaus gekommen. Jetzt aber, wo unsere Feldgraue:: in manche altertünlliche elsässiscl>e Dorfwirtsstube komme:: u:ch in manche bolzgeläfelte Bauernhütte, da leben die Abenteuer des elsässistl>ei: Helden von neuem auf. . . . Eines Tages wurde der .Held in einen Wald gerufen, wo ein schwerer Stein lag, den die Bauern nicht fottrcu:mer: konnten. Ten packte Münchhm:se:: und warf ih:: so hoch in die Luft, daß er überhaupt nicht mehr zur Erde siel. Wie schade, meinte ein Bai:er, ich hätte mir: Hm:s davon bauen können. Ta bestellte der Held den Sprecher am anderen Tag um dieselbe SttlNde an dieser: Ort. Als der Nt am: kam, tauche ans einmal hoch in den Wolken ein schwarzer Punkt auf, :md Wimcfc hausen sagte, dies sei der Stein. Er lief vorwätts und pustete den Stein mit mächtiger Anstrei:gung in der Richtung weiter. :vc- der Bauer sein Haus bauen wollte. Tort ftel der Stein endlici: ans die Erde. Ein andermal wollte der Held auf dem Markt Gär: sc karrfen. Tie Händlerin .verlangte aber einen zu hohen Preis. Da sagte ihr Münchhcu:sen:Die Gänse fliegen, ohne daß ich Euch einen Pfennig Geld dafür gebe, in meiner: Stall, wenn ich ihnen rmr etwas ins Ohr sage." Ta lachte ilm die Frau aus und meime, er solle das Kimststuck einmal versuchen. Ta faßte er die Gänse am Schnabel und ließ sie fliegen. Sie flogen dreimal über den Kopf der Frau und dann hoch über die Häuserdächer. Als de:- Held nach Hause kam, warei: die Gänse schon auf seinem Hofe und empsinger: ihn mit Geschrwtter. Es war anch ein Gänserich darruttcr, wem: der aus flog bis in die Nack>.bardörser, brachte er xedesmal eins Gaus mit, so daß. Münchhausens Stall ganz voll »vrrrde. Als er seine GÄffe'herde eines Tages weit ans die Heide gettiel'en .hatte, schlief er ein, und als er erlvachte, rvare seine Gänse verschwunden Nm: sang er ein Hüterlied; im selben Augenblick kan:en die Gänse durch> die Lust geflogen, an der Spitze der Gänserich, aus dessen ausgebveitete Flügel sprang Münchlxnrsen und ließ sich im Flug nach Haufe tragen. Viele anders Menten er hat der elsässischq Niürichhausen bestanden m:d zabtre:ch' Krastprobei: abgelegt. Im Weitererzählen verlieren sie leider ihre Ursprünglichkeit, um sie hören sich auch am bester: a::. iw,u; sie ein elsässischcr Nttmd in der Heimat im traülichei: Kreise erzählt. Tie Leute, schwören auf ihren Helden, und die Alten behaupten, ihn noch gekannt zu haben.