Ausgabe 
14.10.1916 Zweites Blatt
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Nr. 242 Zweiter Blatt M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Orchener ^amilienblätter" und Nrelsblatt für den Nreir Giehen".

postjcheckkonts: Zrankfnrt am Main Nr. 11686. vankoerkehr: Gcwerbcbant Gießen.

5 amrtag, \\. Oktober 19 X 6

ZwillingSrund^ruck und Verlag:

Brü ht'sche tlmvcrsiläls-Bccch-u.St'indruck'.'r u.

R. Lange, (dienen.

Zchristleitnng, Geschastrstellr und Druckerei:

Schulstrnge?. c> eschäf.Sslelle u. Verlag: 61,

Schriftleuung: <£=%& 112.

Anschrift für DrohtuachrichkenrAnzeigerGießen.

Gold für die Neichrbank.

Der bei Ausbruch des Krieges 1250 Millionen Mark be­tragende Goldbestand der Reichs bank ist durch den bekannten rm Jmius'.urin aufbewahrien Go'üichatz und weitere kivch vorhandene Kriegsreserven, besonders aber durch die Ablieferung von Gold­münzen aus allen Schichten der Bevölkerung ein in der Bank- ^.rnd Minzgeschichre aller Zeiten und Völker ohne Beispiel da- stel>cndcr Vorgang bis beute auf annähernd 2,6 Milliarden (N<nck angewachsen. %\<c Dritteldeckung der Noten durch Gold l'otrnte daher bisher inr nrer noch ein gehalten werden, bewegt sich allerdings zurzeit l>ei einem slcht^nuntlauf von über 7 Milliarden Mark hart an der zulässigen Goeuze. Dabei muß mit einer weite­ren Ausdehnung des Nttcuilmlaufs mit Sicherheit gerechnet wer­den. Zunä-clilst erfordere '.-er Krieg als solcher gewaltige Mittel.

Besonders sgroh ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen Idic .Bedeutung des Goldsck«ades der Reichsbank für die Aus> dleichnng ider aus dein internationalen Handelsverkehr sich er­gebenden Zahkmrgsv-erEichtungen. Zurzeit übersteigen diese Ver­pflichtungen unsere ForBerutigen mt das Ausland erheblich; dre vorteilhafteste Begleichung kann nur Mit einem Zahlungsmittel stattfrnden, das internationale Geltung hat. Mit Gold. Wir müssen aber auch an die Zukun.it denken, au die Bedeutung eines,hoben Goldbestandes der Ruch-Hanl beim FrtedenLsckuß. Zunächst wird die Bestellung zahlreicl^r Zweige der Industrie von der Kriegs­in die Friedenswirtschaft wch die >Erweiterung zahlreicher indu- ftricÄlcr Betriebe ganz erhebliche Kreditansprüche an die Reichs- Bank .'herantreton lassen, (yit deren Befriooigung ein sehr erhebe licher Notenumlauf -erfi.wderlich sein wird, für dessen vorchüfts- l müßige Deckung rcckl-zeilig Sorge getragen werden Muß. Dazu bsdars es eines starken Goldbestandes. Des weiterm Müssen wir -darauf bedacht fein, die während des .Krieges zur Bezahlung voii Lebensmitteln und Roh-stoffen im Anstande aufgeuommenen Kre­dite lenN Gintritt geregelter Verhältnisse- abzudecken, uni dadurch vor allem auf die Wiederherstellung normaler Devisenkurse Irii:= -zuwirken. Ailck hierzu werden erhebliche Sinnmen von Gold ' bereitztusteNen sein. Schließlich' werden diejenigen Jüdustriezweige, Svelche auf die 'Lieferung ausländischer Rohstoffe angewiesen sind, «m^r erheblühA Beträge von Gold fordern, um die Einfuhr dev Stoffe iZU ermöglichen. jWelche Betrüge hierbei in Frage kom- -mien. erhellt daraus, daß allein die Textilindustrie im Jahre 1913 Rohstoffe iM Werte tx>n 965 Million au Mark eingeführt hat.

Die weitere V e r st ä r k u n g des G 0 l d s ch a tz e s der Reichs bank ist daher heute eine unerläßliche nationale For­derung. Da die Zuflüsse von Goldgelb durch Abgabe seitens der Bevölkerung allmählich abebbcn. weil die im Volke vorhandenen fBestände an geniünztem Golde sich naturgemäß verringert haben, '.ist die Nechsbank auf Anregung vieler vaterlandsltebeuöer Frauen Hund Wänster ans Werk gegangen, für die Vermehrung ihres Molldchatzes eine neue Quelle zu erschließen, indem sie ven An­kauf von Goldschmuck 'und Goldgeräten aller Art zu ihrem reinen ^Goldwerte Mer das ganze Land organisiert hat. Diese Organisation nst Zunächst in dein westlichen Laard es teilen erngeleitet und all- nElich u-ach Süden nick Osten ausgebreitet worden, dergestalt, daß rmninlehr mit der unmittelbar bevorstehenden Eröffnung von -Goldankaufftellen in Großberlin die Organisation rm ganzen Reichs­gebiet vollendet ist.

Vielfach ist angeregt worden, die abzuliefernden Schmuck- gegenstände der Reichsbank in Gewahrsam' zu geben und sie nach yem Kriege im Nichtbedarfsfalle den Eigentümern zlurückzuer^ statten. Dresier Weg ist nicht gangbar, denn einmäl muß dre Gold­deckung der Riechsban? ans Goldbarren oder in gemünztem Gold bestehen, Und weiter würde es technisch gar nicht Möglich sein, /bei der großen Zahl der zur Verfügung gestellten SchMUcksachen eine Garantie für die Rückerstattung zu übernehmen. Eine Be­schlagnahme der noch zurückgebaltenen Goldmünzen es handelt sich schätzungsweise immer noch um ei te Summe von etwa 500 Millionen Mark - unrd von der Reichsbehörde nicht in Aussicht genommen, weil sie an dem Glauben^ festhält, daß kein Deutscher ^.es mehr über sein Gewissen bringen tvird. Goldmünzen auS un- llbegreiflachem Egoismus und zum Nachteil der Allgemeinheit in der Truhe oder irr Strnmvf zu bewahren. Auch an die Ablreferuug der Trauringe wird zunächst nicht gedacht, denn imsere finanzielle Situation ist Gott sei Dank nicht im entferntesten mit der von 1813 zu vergleichen, w'o das Letzte herausgegeben werden Mußte. .Die Trauringe sollen die äußerste Reserve bleiben. Wer, wenn em­

mäl jcmf säe tzlurückgegriffcn werden fmüßte, dann könnte ihre Ablieferung nur als patriotische Spende aufgefaßt werden, und aus ihrem Erlös .würde eine Stiftung entstehen, über deren Zweck Ztveifel nicht bestehen können.

Wie bis jetzt bei jeder R-eichsanleihe der Rns des Vaterlandes nicht un gehört verh.rllt ist, so muß auch erwartet werden, daß au dieser bedeutsamen Aufgabe ein jeder mitwirkt mtb gibt, was er nur irgend entbehren kann, reich und arm, hoch Und niedrig^ Wenn die &),ernte und -Herzen offen sind, wird ein großer -veil des im Lande vorhandenen Goldschntuckes in die Keller der ReichWank wandern, und 'dadurch die Politisch und wirtschaftliche Macht des Deutschen Reiches gesichert 'und gestärkt wetdeu.

Krtco,sl>riefc von der rumänischen ßront.

Telegramm unseres zum rumänischen Kriegsschauplatz entfv Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Zur Einnahme Kronstadts.

Deutsches Kriegspressequartier Südost, 11. Okt.

Nach der Entschlußkraft des Widerstaitdes der Rumänen noch am Sonntag abend, sah es an Ort und Stelle so ans, als ob die Fortsetzung der Käinpfe während der Rast der Nächst oder des Montags mit Bestimmtheit zu erwarten sei. Tie Spitzen der deritschinc Stoßtruppeir waren bereits am Sonnabend abend iu die nördlichen Vorstädte eingedrungen. Am Montag früh war der Feind, statt sich' neuerdings zu wehren, aus Kronstadt nnd Um­gebung mit dem, was von ihm übrig war, abgerückt. Einest namhaften Teil seiner -ohnedies nicht allzu reichlichen Artillerie batte er bereits am Sonntag nachmittag in unserer Hand lassen müssen. Tie Zerstörung der Bersch. '-ücke ist denr Gegner unter der Wirkung unseres Feuers nicht nrehr gelungert, dagegen sah ich durch dieses unmittelbar unbrauchbar gcnvordenc Geschütze. Tie blutigen Verluste des Gegners sind so beträchtlich, daß die Annahme, er habe nur, um einen an sich geplanten Rückzug zu decken, Widerstand geleistet, vollständig ausgeschlossen ist. Ter Feind hat sich unter Einsetzung seines gesamten Derinögens aus allen Kräften ge­schlagen urrd 'hat in diesem Punkte seine durch andere Tinge aller­dings stark besrrdelte Wafsenehre zu wahren ge-wußt. Tabei ist iubciieit die kaum mehr ausgleichbare Rückständigkeit seiner Taktik und sein Mangel an Kriegserfahrung abermals deutlich hervor­getreten. Tie Wirkung moderner Waffen gegettüber ungeschickt gesühr.en Trccppen ist gelegentlich in geradem erschütternder Weise hervorgetreten. So gestmg es einer dkuctschen Maschinengewehr- Mannschaft, beim Kamps tun einen Kronstadter Vstrstadtbahnhof sich> aus zehn Meter Entfernung an 3^lX) Rumäne;t in der Flanke anzuschileicheit, die gedeckt durch die Böschung des Bahndammes gegen unsere Stnrmkolvnnen im Feuer lagen. Im Handumdreheit warm diese erledigt. Ter Anblick der Toten war das Furchtbarste, was ich in diesem Kriege gesehen habe. Unsere Truppen wie die Ungarn sind bei ihrem Einzüg von der Bevölkerung Kronstadts mit dem größten Jubel aufgestonvmen worden. Tie Stadt als solche ist im w'esntlichen unversehrt, doch hat die'uwoHuerschaft unter der Willkür der rumänischen Truppen und der von ihr be­günstig reu Raubgier des ortsansässigen walachischen Pöl^ls schwer Delikten. Kronstadt liegt einstweilen abends in tiefem Dunkel da. Tie Rumäneit. haben vor ihrem Wzug die Maschinen der Gas­anstalt rmbrauchbar gemacht, auch l-aben sie die Fensterscheiben der Läden in den Lxruptstraßmr vielfach völlig zwecklos zer- trümtnert. Den Güterbahnhos haben sie in Brand gesteckt, tun ihre Züge mit Kriegsvorrat, die dort standen, zu vernichten. Trotzdem sind viele Lebensmittel, die sie zuri'tcktassen mußten, iu unsere Hände geraten.

Die Eroberung von Cutrakau.

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge­schrieben:

Seit Wochen hatte man mit einem Umschwung in der Politik Rumäniens gerechnet, seit Wochen war man anch im deutschen und brrlgLirischen Hauptgrrartier an der Arbeit, nach den Weisungen der Obersten .Heeresleitungen alles für einen Feldzug gegen Rumänien vorzubereiten. Als dann

am >27. August 10 ifhr abends die Kriegserklärung an Oester­reich-Ungarn Tatsache wurde, kam sie wohl einige Tage früher, als man erwartet, aber in keiner Weise überraschend. Jetzt nach den ersten großen Erfolgen der deutsch-bulga­rischen Truppen in der Doürudscha hat es sogar den An­schein, als wenn der Krieg den militärischen Kreisen Ru­mäniens selbst über den Hals gekommen wäre.

Auch hier kam es demnach oarauf an, dem Feinde zn- vorzukommetl und möglichst starke Kräfte der Rumänen zu schlagen, ehe sie ihre Versammlung in der Dobrudscha be­endet hatten. Nach den um die Wende August-September vorliegenden Nachrichten waren hier und in dem wichtigen Donaubrückenkopf Tutrakan zunächst nur verhältnismäßig schwache feindliche Kräfte versammelt. Sie überraschend anzugreifen, versprach einen schönen Erfolg. Dem linken Flügel der bulgarischen Armee fiel die Aufgabe zu, die ersten starken Schläge gegen den neuen Feind z/n führen;- abgesehen davon, daß bei Tutrakan die feindlichen Kruste am schnellsten zu treffen waren, mußten die Rumänen durch Wegnahme dieses Brückenkopfes gezwungen werden, min­destens bis Silistria zurückzugehcn. Wie die späteren Er­eignisse zeigen, trafen aber die ersten Schläge so gut, daß auch dieser wichtige Platz kampflos geräumt werden mußte.

Demgemäß war von dem Oberbefehlshaber der ver­bündeten deutsch-bulgarischen Truppen in Nordbulgcrrierr, Generalfeldmarschall von'Mackensen, die Versammlung der bulgarischen Armee befohlen worden, so rechtzeitig, daß be­reits siir den 2. 9. früh der Vormarsch starker Kräfte aus dem Raum westlich Karaac in die Linie KasimlcrrAhmat- larBelicaMese Mahle angeordnet werden konnte. Diese Teile hatten bei Aufgabe, die Süd- und Südwestfrorrt der Festung anzugreifen, während deutsche Truppen, die Abteilung des Majors Frhr. v. H., verstärkt durch mehrere Bataillone bulgarischen Landsturms, den äußersten linken Flügel bildeten^

Diese Abteilung sollte in der Folge einen hervorragen­den Anteil an der weiteren Entwicklung der siegreichen Kämpfe um Tutrakan nehmen. Die Mitte unter dem Be­fehl deS Abteilungsführers bildeten die deutschen Kräfte, denen sich rechts und links zwei Grteppen unter bulgarischer Führung anreihten. Auf dem rechten Flügel sicherten Ulanen und deutsche 'Artillerie den Raum zwischen Llb- tcilung H. und der benachbarten bulgarischen Division

Gietzerier' Stadttheater.

Wo die Schwalben nisten.

Mvlksstilck in 5 Bildern von Leo Kästner und Hans Lorenz.

Tie Wnstlerische Linie des diesjährigen Spickplanes, die sich ,%u3 den beiden bisherigen Aufführungen und den Ankündigungeii ibis zum übernächsten Sonntag erkennen läßt, scheint nicht allzu oft über literarische Höhen zu führen. Nachdem ..Nathan", der pflicht- ijchnldigen Verbeugung vor der klassischen Literatur, brachte man gestern abend ein ganz neues ..Volksstück": denn so nennt man, heutigen Tags ein Bühnetiwerk, das Gestalten aus bürgerlichen Kreisen abwechfel:rd mit .Humor und Rührung übergießt. Es heißt: jedes Publikum hat das Theater, das es w i l s. Der Wille des voll­besetzten Hauses sprach für dieses Stück. Nicht mit Unrecht. Es ließ die neuerworbeitett Kräfte in einem viel günstigeren Lickste erscheinen, als beim Natan, der ihnen gar nichtlag". Das bedeutet schon eiirm' Vorzug, falls man einen mütder wertvollen Stein in geschickt sangepaßter Fassung einem echten iu unvorteilhafter Fassung vor­zieht. Der zweite Vorzug dieses Abends war ein Verdienst des Stückes selbst. Denn wenn wir bei dem Vergleich bleiben, so hatte der Stein, der so geschickt gefaßt war. einen verblüffend ivirkungs- vollen Schliss und ein angenehmes Licht, das er in tauscncd nicht Minder wirkungsvollen Reflexen urrd Reflexchm ausstrahlte. Leo IKastner und Hans Lorenz, ein neues Autorenpaar, dessen einer Teilhaber sich auch als Mitverfasser des am nächsten Sonn­tag zur Aufführung gelangenden fröhlichen Spieles:Unter der blühenden Lirtde" ankündigt, verraten eine Bühncngewandheit. die heute nickst gerade selten, aber immer zu schätzen ist.

Der TttelWo die Schwalben nisten" ... da wohnt das! Glück, war schon ein befteckiender Einfall. Das Motiv der zivit- schcrnden Schwalben tmrd dem.geinäß auch weidlich ausgcnützt. Die Fabel des Stückes ist diese: Johannes Wendel, ein armer Mu- stker, hat seine Frau verloren. Sie lvar ihm in seine Arnrut gefolgt nnd hatte ihm iu denr schwalbettumzlvitsckerten Dachzimwer zwei Kinder, Walter und Jsa geboren. Der Schnierz um seine Fräst bringt den Musiker ntoralisch herunter. Er gerät ans Trinken und seine Kinder, denen die Mutter fehlt, sistd der Gefahr ausgesetzl;, zu verwahrlosen. Ter Bruder seiner Frau nimmt sie zu sich und Johannes Weitdel tritt im Hartdumdrehen seine Vaterrechte aN ihn ab. Soiveit das Vorspiel.

Zwanzig Jahre später: Walter und Jsa haben die künstlerisckie Veranlagung ihres Vaters geerbt. Walter ist Bildhatier, Jsa schreibt Romane. Mit diesen Fähigkeiten suchen sie sich mühsam durchs Leben zu schlagen. Denn das Vermögen ihrer Adoptiveltern ging verloren. Da kehrt ihr eckster Vater unerkannt zurück. Er hat als Komponist Geld verdient und wird bei seinen Kindent möblierter Herr. Ws solcher kann er um sie sein, ihr Liebes­glück atlfblühen sehen und heimlich ihren Wohltäter spielen. Er zahlt hinter ihrem Rücken fällige Rechnungen und Mieten, versorgt

seinen Sohn mit künstlerischen Aufträgen und Orden und erreicht es, daß unter seinem, des Vaters Künstlernamen ein Roman Jsas angenommen wird. Durch diese letzte Tat gerät er in den Verdacht des literarischen Diebstahls. Statt sich davon zu reinigen, schleicht er wie ein begossener Pudel dalx>n, weil er die Abneigung seiner Kinder gegen den Rabenvater, der sic leichten Herzens preisgab, für unüberbrückbar hält und die Handlung noch ein fünftes Bild ergeben nmß.

Sein Vermögen bat Wendel für seine Kinder hingeopfert. Er kehrt in seine alte Dackuvohnnng zurück, arm wie zuvor. Wer über seinem Dache zwitsckxwt wieder die billigic Symbolik deck Schwalben. Vo:n Fenster aus sielst er eine Toppellwchzeit und erkennt unter den Brautpaaren seine Kinder. Alte Erinnerugen übermannen ihrt, er eilt in die Kirche uird spielt auf der Orgel das Brautlied. das er seiner verstorbenen Frau komponiert l)atte. Mit diesem Liede wird seine Baterscl>ast offenbar. Walter und Jsa steigen zu ihnc ins Dackzimirrer hinauf, sollen ihnr gerührt unt den Hals utid die Schuralben zwitschern dazu.

Wenn man von allen Zufälligkeiten und Unwahrschcinlick>- keiten absieht, so ist diese Fabel ein sehr bildsamer Stofs nnd feilte Bearbeiter haben gezeigt, daß sie etlvas daratcs zu machen ver- standeu. Viele Einzelzüge beugen ihre Geschicilichleit.

Rudolf Goll formte den alten Müsikas. Er war in seinent Element. Tie Figur stand aus beiden Füßen. Er wußte auch Leichstsiun. Wehmut und Humor richtig zu^dotiereit. Man konnte seine helle Freude daran haben. Vally Scheid! er hatte als Recha mehr Ausdruck, wie als Jsa. Sie hat sich noch zu größerer Bühnengewandheit dutckzuriugeüi. Adolf Falken als Walter fühlte sich in dieser Rolle sichtlich Nwhler, wie als Tempclntter. Das gleiche kamt man von Ernst T heil in g sagen, dein der Liebhaber der Ueberrumpelungstheorie besser anstand, als die Maske des Sultans Saladin. Er nahm seine Rolle mit anerkennenswerter Forschl-eit. Tilli Scutders, Jsas Freundin. >mirde von Fräulein Helene Kall mar vom Neuen Theater Frankfurt gegeben. Eine Bornotiz aus dem Stadttheaterbureau. die wir vor Beginn der Spielzeit veröffentlichten, nennt sie eine talentierte ^Naive. Das scheint trotz der verhäldtismäßig kleinen Rolle des ersten Auftritts nicht zuviel gesagt zu sein. Eine vorteilhafte Erscheinung komutt ihr jedenfalls zugute. In einer ganz neuen Beleuchtung erschien Luise Del ose a als Wirtschafterin Trine. An ihr erlebte man nach der Daja in Nathan eine höchst a n ge n e h m e Enttäuschung. Wie Man sie jetzt kennen lernte, verspricht sie, sich als sehr schätzens­werte Kraft gnzulajsen. Erstnralig trat Karl S t e i n m e v e r vom Schauspielhaus Sdcttgart als Friseur Knopf auf. Er bot eine gut charakterisierte Gestalt. Elli D 0 r n h ö f e r von der Schauburg in Hannover hatte chne zu kleine Rolle, um daraufhin ein Urteil zu rechtfertigen. Kleinere Rollm versahen noch Hans Werth­mann als Herbert Rotenburg und Hosntarsckall von Berndsen (auch sein Spiel gefiel diesmal besser), Max Wesolowski als

Fürst auch in der kurzen Szene lrervortretend, Eurt Lerch noch ohne bestimmte Physiognomie, als Hatl.sbesitz.er Wilhelm Hell­muth als Ernst Holbein utld Hermann Stichel.

Tie Spielleitung hatte Direktor Herniann Steingo etter in gutem Zuge. Tie Bühnenbilder konnten viel ei'.tdrucksvoller gedaäst werden. Man vermag kaum mehr dartiber himvegzusehen, daß'die vorhandenen Dekorationen das Gesamtbild beeinträchtigen. Daran kann atlch der beste Wille nicht viel ändern. 22 .

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Das Stufenhaus der Zukunft. Da man in Paris! eifrig damit besckchftigt ist, die Zukunft Frankreis von den ver­schiedensten Standpilnkten aus und auf attett Gebieten des öffent­lichen und privaten Lebens 511 erörtern, konnten auch Auseinander-^ setzungen über die baulichen Veränderungen von Paris nicht misbleiben. Hierbei wurden die großen Bauten der letzten Jahre vor dem Kriege, namentlich die durch ihre Höhe das geschlosserte Straßenbild störeichen BolckevardhVtels nach amerikanisckiem Wol­kenkratzermuster scharf gertlgt, inch tarn liegen sich die Praktiker und Idealisten in den Hetären, da die ersteren betonen, daß es vor allem auf die Geldersparnis ankotmne, die durch eine große Zahl 'von Stockwerken gewährleistet tverde, während die anderen; die Schönheit des Anblicks über alle sansti^n Ettvägtlngen stellen. Nicnnrehr hat. 7 tack,>dem Journal, der Pariser Stadt rat Tl-erböeourt anscheinend ein Mittel gestrichen, das die Wünsche beider Parteien zu vereinen vermag. Es ist das sog.Stufenförntige Haus", das Haus des zukünftigen Fraitkreich. Ein Haus mit 10 Stocktv^cken. so strhrt Herr Therböcourt aus, ist natürlich viel rentabler tmd darum billiger als ein Haus mit 5 Stocktvercken auf einer gleick- grvheu Grundfläche. Darum sollte imm diese Häuser bauen tmd zugleich auf die Möglichkeit sinnen, ihre beiden bisherigen^ Fehler zu umgehen, nämlich dett Mangel an Licht und freier Luft und das wenig schöne Acußerc. Tartim erscheint als der Jdealbau der Zukunft ein Haus, das mck feilten 10 Etagen stufensörnrig er­richtet wird. Wenn auf diese Weise ein Stockwerk imnrer um einen gervissen Wftand hinter dem dartviter liegenden Stockverk znrück- tritt, wird sich die Straße aus beiden Seiten nach oben stark ver­breitern. und so werden aste Wohnungen glei-chrnäßig viel Luft und Lickft haben. Ueberdies scheint dies auch für die ?le>t!-eten die beste Lösung des Problems: deirn man könnte die durch die stufen­förntige Bauart entstandenen Terrassen mit Bltum.tr bepflanzen, und so würde auch bei sehr leihen Häusern die Straße durckxnrs keinen einförmigamerikanischen", smtdcrrr im' OVgenteil einen höchst malerischen, bunten und belebten End ruck rnachan.

Marburg, 13. Oktober. In der langen Kette vor- gesckichtliclier Wohn gruben zwischen der Wcta'.rau urrd Kassel fehlte bislh'r ein wichtiges Bindeglied im Gebiet der Lahn^Dieses wurde nunmebr auch durch die Freilegung prähistorischer Siedlungen am Frauenberge bei Marburg und in den hiesigen Lahnbergen ^ruf- gesunden.