(&efy: richtig! IiitfS.) Denn ^tefcr Krieg ist eine solche ÄufrüMe- hiag und Durchschüttelung offcr Menschenkinder, eine solche abso- lute Hinlenkung jede- einzelnen auf *ic Notwendigkeit des ©taor te& mxo feiner Organe, dost etwas Neues kommen muß. (Erneute Zustimmung lmks.) Mas bedeurer es allein, daß die Frau jetzt in lhrem Haushalt so unendlich reglementiert wird, daß sie in einer vor dem Krieg ungeahnten weife geradezu kodifiziert worden ist. ^T Z H Zustimmung links.) Auch tue Männer, die aus r dem Krieg ungeahnten Weise geradezu kodifiziert worden ist. Yinausgegangen sind, segnend gedenkend der Toten, die zu Hun- derttau,enden draußen geblieben.
Mer kann man es sich wirklich denken, daß unsere Soldaten nach Hau,e kommen und sozusagen mit dem K-aiser an der Spitze durchs Brandenburger Tor einziehen und daß man ihnen dann tagt. Lv, jetzt seid ihr wieder durch das Brandenburger Tor ein» gezogen, jetzt bleibt daheim «lleS. wie es vorher war! (Sehr gut' W . Das ist c i n« glatte seelische Unmöglichkeit. «Lebhafter Beifall links.) Wer glaubt, wir könnten es wirklich erleben. daß nach dem Kriege politische Rechte so verteilt sind, daß, wer rnfolge von Dienstuntauglich-feit seinen Besitz wesentlich vermehren konnte, hoher steigt rn politischen Rechten, und daß, wer durch den Dien,t an der Front in seinem Besitz herabsank, poli- tlsih degradiert ist, der mag das tun. Ich halte im« für eine solche qmtte Unmöglichkeit, daß ich mir kein Volk unseres Bildungsstandes auch nur vor stellen kann, daß sich nach einem solchen Kriege in der alten Weise klassifizieren läßt. (Etürmischer Beifall links.) H nö ble , t> r cuMfc$e* $ofcn ! Sie haben tadellos
iyre Pflicht getan. Sie kommen auch mit zurück. (Glaubt man, daß man ihnen dann sagen kann, daß sie ein fremder Staats- torpcr in un,ercm Staate fei^n? Blut ist Blut. Ein jeder hat nur eiil Leben zu vergeben. Das ist sein Bürgerrecht und seine Bürgerpflicht. Uber der Staat farm doch nun nicht sagen: Dein -eben, c.as'rechne ich nicht. Er muß sagen, daß. wer mitgekämpst hat, auch zu uns gehört. (Beifall links, im Zentr. und bei den Polen.)
. Wir werden auch andere Unterscheidungen fallen lassen Tü r •* geistliche Orden, mögen sie uirS lieb oder nicht iisb sein, können nach dem .Kriege, nachdem sie draußen mit Seel- iorgc geleistet haben, nicht wieder in einen RechrSzustand versetzt iwerdeu, der mit der Tätigkeit im Kriege im Widerspruch steht (Zustimmung lyr Zentrum.) Da hilft alles nichrs. Nun wäre es ?a viel einfacher, daß dies alles nicht erst durch Kämpfe der e \^ ld}t ^b, sondern daß wir unter Vorantritt des Kaisers muten im Krieg einmal einen Tag der großen
bekoinmen würden. (Stürmischer Bei- fall.) Die,er Tag wurde ein Tag sein, an dem in allen Schützengraben die Empfindungen des 4 . August wieder in idrer urfprüiig- lichen^ Gewalt und Starke sich zeigen würden. Ich bezweifle, ob wir dw,en Tag großer Freiwilligkeit erleben werden Aber ™ gekannten Lage der Kriege? unter dem Blei-
gewicht des Uebermaßes der Feinde habeii wir die Gesinnung auS
«eifall recptS.) Meine Fveunde und ich haben >m> Anfang ^ n _ den Gedanken vertreten, daß die Niederringung Englank» das Hauptziel dieses Krieges sein muß. Dieser Gedanke hat mehr und mehr im Volke Verbreitung gesunden. (Sehr richtig!) Wir freueist uns, daß nicht mehr gesagt werden kann, dies sei die Au,ra„ung irgendeiner Gruppe oder Partei. Wir sind auch ein- versranden m.t dem. was der Reichskanzler in dieser Beziehung ani 28. September ausgesprochen hat, vor allem mit dem Ge- danken, daß gegen England alle Kampfmittel eingesetzt werden mupen. Mit hoher Bewunderung und Dankbarkeit gedenken wir dabei unserer Flotte und unserer Zeppelin- ^Ust,chrfse. Ich will keinen Zweifel darüber lassen, daß wir durchaus der Meinung sind, die Angriffe unserer Luftschiffe wer-
dcn Freiheitskriegen bitter notwendig. Materiell sind wir gegen Feinden die Schwächeren. Was wrr an Plus haben, dar
stt das Innerliche, das Seelische, das Volks tumliche der geschlossene Wille eines ganzen Volkes von unten b,S oben. Wir haben vor dem
Kri^ rih ti 5 /° If berJa r , ” lK 1 .®* r ^ben es erst in diesem großen fnr fVr£51 Ö ^nncn gelernt rn feiner Zähigkeit, in seinem Willen
llrin^ ^ noch-hundertfältige Frucht
bringen. (Lebhafte Zustimmung links.)
m. J ■£! C lEtden Tüchtigen! hat der Reichskanzler gesagt.
Vielleicht Eint« er nur: freie Bahn in der diplomZ. I ® av J 1 c r c ! (Heiterkeit.) Wievrel Leute ohne geord-
dsiS des Lebens draußen glänzet
/Lebhasie Zuchmnrung.) D«S gibt nach dem Kriege erne Neuorientievung nicht nur der politischen Rechte, sondern Ergichung, der Fürsorge für Volk im ganzen i/rü 0be ? ,un *en. Üeber alle Parteien hiirweg spricht die poli- ^sche Heimat. Wir wollen fein ein e i n 1 g V 0 l f von f- ZU ^- eX ^ iwarrtzen stehen, antworten: wir wollen
smn wie d^ Vater waren: eher den Tod als rn der (Ü: n i?rr ' T? f * f t b e ti. Und darauf wollen wir antworten: ^ ?en Gott und uns nicht fürchten
vor der Macht, der Menschen! (Lebhafter Beifall.)
den von keinerlei politischen Einwirkungen und Hemmnissen ge- hindert. W,r freuen uns dieser Angriffe, weil sie den Engländern zeigen, daß der Krieg nicbt ein Sport ist, sondern am eigenen Leibe ge,prirt wird. (Beifall rechts.)
Mit dem Berichterstatter sind wir einverftmrden, daß eine ein- 2spende Besprechung der militärtechnischen, politischen und wirt- ichaftlichen prägen de? U-BootkriegeS dem vaterländischen Interesse nicht dienlich wäre. Die Wahl des Zeitpunktes muß natürlich auch der militari,chen Oberleitung überlassen bleiben. Wir müssen aber auS,prechen daß die politische und wirtschaftliche Entwicklung in den verichledeniten neutralen Ländern uns in der Ueberzeuaung bestärkt hat, daß die kräftige Einsetzung unserer U-Boote dringend "^wendig ist. um uns dem Sieg über England näher zu bringen. «Lebhafte Zustimmung rechts.) Die innerpolitischen Erörterungen können fetzt gewissermaßen nur al, HilfSstellung für den Kampf draußen dienen. Wir glauben, daß wir unfern Kämpfern draußen teme Hilfe damit leisten, wenn wir über diese Fragen jetzt erbitterte Kampfe führen. Die Versuche, die der Abg. Scheidemann ? or ö J:. m .? rie ß e sind wahrend beS Krieges gemacht hat, um auf die ,cziali,n,che Internationale einzuwirken, haben uns keineswegs dem Ziele naher geführt. Er hat schon vor dem Kriege der internationalen Sozialdemokratie gegenüber den Friedenswillen der deutschen Arbeiterschaft betont. Aber die Antworten, die von
Nach dem Brief des Professors Coßmann handelte es sich übrigens nicht um die Zahl der Ltampftnittel, sondern um den ver. fcnkten oder zu versenkenden Frachtraum, aber auch nach dieser Richtung wurde völlige Klarheit in der Kommission geschaffen, daß ö - Drpitz genau dieselben Angaben, vielleicht nur in etwas vorsichtigerer Form gemacht har, wie sie nachher von anderer Seue gemacht wurden. Es ist weiter dahin gekommen, daß nicht nur Prowpor Valentin, über dessen Qualifikation zum Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt und über dessen weitere Verwendbarkeit dazu die Meinungen wohl geteilt fein dürften, sondern auch von -mderer Leite Angriffe unter Berufung auf amtliche Informationen er- hoben wurden. In der Kommission wurde festgcftellt daß weder lolche Informationen erteilt wurden, noch irgend eine Berufung jener Behauptungen auf eine amtliche Persönlichkeit berechtigt Die,e Gerüchte sind ausgenutzt worden, um Stimmung z,u
waren.
Stög @rxrf Westarp (.Kauf.): Auch meine palitischen Freunde vQlagen tref umd schmerzlich die ungeheuren Opfer, die der Krieg erfordert. Auch w,r ftihlen mit der Masse des Volkes die vieleii
c l ncn Blick für die Schädigung 'des WirtschcsikslÄbenS, für die Schädigung materieller und ideeller Guter, die der .Krieg, je länger er dauert, mit sich bringt.
Es gibt niemand, der nrcht ein baldiges Ende des Krieges her- beifuhren wollte. Verbrecher sind Ausnahmen. Uiid den ver- orecherifchen Gedanken, daß jemand nm eigenen Gewinnes willen eine Verlängerung des Krieges wünschen wollte, wird man ,m deutschen Volke nicht finden. Kein <5ümb, keine Gruppe, keine Partei wird eine Verlängerung der Krieges um des Krieges selber wollen. Aber mit dKsen Wünschen nach einem baldigen Frieden rst das ent,cyeidende Wort nicht gesprochen. Auch darüber besteht wohl im ganzen deutschen Volke Einigkeit. Nur mit einer Gruppe ist erne Auseinaiiderfetzunb darüber nicht möglich. Die Herren don der Sozialdcmokrati,chrn Arbe-itKgememschast haben am 15. Dezember Beschlüsse gefaßt, die. wenn sie auSgeführt worden *><****' oje Regierung gezwungen hätten, cm» Mangel an finan- ziellen Mitteln unsere Grenzen zu entblößen und den Feind ins Land hrneinznlassen. Diese Herren haben das Recht verwirkt, daß man ernstlich über diese Fragen rrthk ihnen verhandelt. (Sehr richtig, rechts.) ' 7
Es handelt sich nicht nm Entscheidikngen d»S Tage« und für den Tag. Wir kämi-fen nbcht nnr s»r die jetzige Generation, stmDern für Kinder and «inbeSki,rd»r. und turmhoch iDer dein Einzelschicksal steht das «Schi^al und die Entwicklung des deutschen Volkes. Um diese Entwicklung und diese Zukunft geht der Kampf. Darum ist es notwendig, die N>vt des Tages nm der höheren Zrele willen, der deutschen Zirkunst willen, zu ertragen. Ginrgkeit besteht darüber, daß inrr ein Friede rn Frage kommen kann, und fottten wrr noch monatelang, noch fahrelcmg darum kämpfen müssen, der die Zukunft deS deutschen Landes und des deutschen Volkes sichert.
Der sozialdeniakratische Parteivorstand hat in seiner Kurtd- aebung als FriedenSzieie formuliert die territiwiale Unversehrt- tzert die politische Unabhängigkeit und tvivtjchaftlichc Entwicklungö. frecheit Deutschlands. Das sind Ziele, denen man wohl zustirn- (Lachen bei der Soz.-Arb.) Meinnnasverschieden- hesten können nur darüber entstehen, ww diese- Ziel z» erreichen ist, das; uns zr. B. Englanid in Zuknnft nicht überall, wo wir unS betätigen wollen, fmn ^Hande weg" zurüft. Die Meimingsver- fchledenheiten erstrecken sich auch <mf die Mittel zur Erreichung der Ziele. Der Abg. Scherdemann sagte, die Franzosen sollten er- fahren, daß ihnen kein Fußbreit ftanzösischen oder belgischen Badens verloren zu gehen brauchte. Dagegen muß ich deii schärfsten Wider,pruch erheben. Davon kann keine Rede sein. (Hört, hört! und Unruhe bei «den Sog.) Nein, was wir mit unserem Mute er- obert haben, das halten wir fest (erneute Unruhe bei den Soz.- lehr richtig! rechts), so lange und so weit es nötig ist, um die Zuk^ft des deutschen Volkes zu sichern. (Lebhafte Zustimmung
„ Gs ist wichtig, diese MeimmqSverschiedeuheit gleich festzu- stellen. Unser Volk will den schleunigen, aber auch den siegreichen Frieden. Der Kainpf wird nicht im Jnlande. sonder^ draußen aeftrhrt, wo uniere heldenmüsigen Triippen unter dem Ober- befchl des Kaisers und unter fHlhrung der Helden von Tannen- berg und Skagerrak allen Feiiiden trotzen. Dieser Kampf wird geführt, zu Wasser und zu Lande, oben in der Litft mit der bewundernswerten Tapferkeit unserer Lvftschiffbesatzungen ebenso aber auch durch unsere herrlichen Unterseeboote (lebhafter Beifall), die trotz er schweren der Verhältnisse auf allen Meeren der Welt den Kampf führen, der uirS aufgezwungen worden ist. Schon heute ist unsore militärische Lage gesichert. Die Feinde tvmmen nicht durch Was wir draußen tzabeii. das hä^eu wir
drüben zurück tönten, haben auch ihn sicher enttäuscht. (Sehr richtig: rechts.) ^
.Die italienische und die rumänische Kriegserklärung waren Ereignisse von ernster und scbtverer Bedeutung, die zu einem durchaus nicht günstigen Augenblick eingetreten sind. Und wenn nun auch die Militariichen^ Erfolge in der Dobrudscha und in Sieben bürgen mzwllcheii diese Ereignisse ihrer Drohung und Gefahr im we,entlichen beraubt haben, so wird man auf der andern Seite lagen .önnen, daß in diesen Kriegserklärungen ein besonderer Er ÜA unserer auswärtigen Politik nicht zu verzeichnen ist. Die Grunde, die dazu führten, sind im Augenblick schwer zu beurteilen, und ich bin durchaus der Meinung, mir vorsichtige Zurückhaltung auferlegen zu müssen. Mancher Zweifel ist aber übrig geblieben worden^^ blC '^omniissionsberatungen nicht ganz beseitigt
a De^: Reichskanzler hat mitgeteilt, daß im August 1914 König Karo! ,elb,t der Meinung gewesen sei und sie energisch vertreten habe, die Bundnispslicht erheische Rumäniens Beitritt zu den Zentralmachten Wäre es nicht möglich und nützlich gewesen, gleich von vornherein m Uebereinstimmung mit dieser Meinung des Königs auch von unserer Seite den Zutritt Rumänien? zu den Zentral machten zu fordern und die Durchsetzung dieser ^oroerung im gegebenen Augenblick zu versuchen? Diese Frage mußte sich in den letzten zwei Jahren wiederholt aufdrängen, das endgültige Urteil muß der Geschichte überlassen bleiben. Wir haben gebort, daß die Leitung unserer auswärtigen Politik gewußt hat daß Bratianu mit dy: Entente verhandelt und abgeschlossen hat ^ tCr bte 3iveifel nicht ganz von der Hand Hu weis
ob bei ,0 genauer Kenntnis nicht noch andere Vorbereitungen ya ten getroffen werden können. Die rückschauende Kritik an sich hat wenrg Zweck und Wert. (Sehr richtig!) Aber sie ist doch iiifoweit notig und berechtigt, als sie dazu führt, für die Fortführung der Politik VestimniteS auszusprechen.
Was erleben wir in unserem Verhältnis zu den Neutralen? England ubt den allerrücksichtslosesten Druck, damit die Neuralen sich ihm anschließen und uns schädigen. Da war der Wunsch berechtigt, daß uiiftre Politik unsere berechtigten Inter, essen mit allem möglichen Nachdruck geltend mache. Gewiß die Achtung vor den berechtigten Interessen liegt uns Deutschen im Blut, aber jedes Recht hat seine Grenzen an den Rechten des anderen. Und Deutschland hat in dem Kampf um sein Dasein volle feine Wechte zu verteidigen und unsere auswärtige Politik hat die Pflicht, diese Rechte auch allen anderen Staaten gegenüber mit aller Entschiedenheit zu vertreten.
Die Frage der Neuorientierung können un>d dürfen wir in dem gegenwärtigen Augenblick gar nicht anders betrachten als von dein Gesichtspunkt au?: wie ist es möglich, dabei die Einigkeit uiiicres Voltes zu erhalten? So töricht wird niemand sein, leug- neri oder die Augen davor verschließen zu wollen, daß nach dem Frieden neue Aufgaben und Ziele kommen, die neue Anschauungen und Grundsätze bringen werden, und da wird man auch uns an der Arbeit finden. (Zustimmung rechts. Lachen links.) Was aber unter Neuorientierung in erster Linie verstanden wird, das ist dre Demokratisierung all unserer Einrich- £ U ± n VJ 1 ’ ^de des Abgeordneten Scheidemann bewiesen
hat. Ich möchte davor warnen, jetzt während des Krieges an da? vom Abgeordneten Scheibemann entrollte Programm heran- zugehen. Nach dem Frieden werden wir unfern Standpunkt ver- treten, daß die Grundlagen der Monarchie und auch die Grund.
2>ifaipHn Ma-Ru'fe und links), die sich herrlich bewahrt haben im Kriege (Beifall rechts) zu erhalten sind. Jetzt während des .Krieges kann über diese Dinge mcht verhandelt werden, ohne die innere Einigkeit auf dar schwerste zu gefährden. Eine RcichSregierung, die auf dem Baden der konstitutionellen Monarchie steht, wird die Forderungen des Abgeordneten Scheidemann nicht restlos erfüllen können. Würde jetzt an diese Probleme herangetreten werden, so würden gauz gewiß die Freunde des Ab^. Scheidemann mit dem, tvas so gewährt werden wird, nicht zufrieden sein und es wird auch nach fener Seite hin die Einigkeit im deutschen Volke nicht erreicht werden. (Se-hr währ rechts.)
Die innere Einigkeit unseres Volkes schließt ganz gewiß Mei- nuugsverschiedenheiten in Fragen der Kriegs- und Wirtschaftsführung mcht aus, auch nicht, daß sre auSgetragen werden können und müssen. Ausgeschlossen sein sollte alles das, was man mit Recht als Treibereien und Fronde bezeichnen kann. Ich brauche gar nicht erst darüber zu reden, daß wir alles auf das strengste verurteilen, was auf schlechten Glauben, mif egoistischer Parteitaktik beruht, daß Klatsch, der aus der Eitelkeit, gut infor- mwrt zu sein, und aus Oberflächlichkeit entsteht, uns höchst un- sympathisch ist. Auch hier gibt es Erscheinungen, die einen trüben Ausblick rn die Zukunft eröffnen können. Aber ich stimme dem Abgeordneten Bassermann darin zu, daß es ernste patriotische opferwillige Männer sind, die sich beschwert und beunruhigt fühlen und sich mit öffentlichen Fragen beschäftigen — das liegt in der Luft des Krieges und in seiner langen Dauer, auch in der nicht zu umgehenden Unklarheit über manche Dinge und in der vielfachen Erschwerung der Aufklärung durch ungee»gnete Maß- nahinen der Zensur.
Unter den Kritikern aber sind Männer, die weit erhaben find über den Verdacht, auch nur fahrlässig gehandelt zu haben. Ver- urteilt man die Auswüchse auf der einen Seite, so darf man nicht zuruckhalten in bezug auf die Treibereien gegenüber dem Großadmiral v. T i r p i tz. Die Behauptung, daß ernber die Zahl der Kampfmittel falsche An- gaben gemacht habe, ist in der Kommission re st- b 5, r 1 c , 9 1 worden. ES waren in einem Buudesrats- ausschuss Angauen von einer Minderzahl der Teilnehmer mißverstanden worden, war dazu geführt hat, daß in der nächsten Sitzung derjellbe Kommissar de- Staat-sekretär- t>. Tirpitz seine ^aoen wiederholte. Die- ließ eine scheinbare Unstimmisksit
machen gegen den Gedanken, um den es sich hier handelt.
Ein anderes Moment liegt in der Person des Großadmirals von Tirpitz. (Sehr richtig! rechts.) Es ist heute darauf hingewiesen ^o^den, daß dem Großadmiral eine konservative Kandidatur im Wahlkrei,e Oschatz-Pirna angcboten worden ist, daß er aber abge- ^hnt hat. Das ist geschehen. Es ist geschehen, ohne daß wL Un ^f. informiert, ohne daß wir festaestellt
ob der Großadmiral von Tirpitz der konser-
^wen Partei beizutreten geneigt sei. (Verhaltene
Ah-Ruse.) Es ist geichehen von den Konservativen Sachsens m dem Wunsche, erbe Persönlichkeit, von der sie eine besonder« Sachkunde und eine besonders energische Vertretung auswärtiger «5ragen überhaupt erwarten durften, dem Reichstage zur Vor- fugung zu stellen. (Unruhe.) Also um Parteizugehörigkeit handelt es (ich nicht, wenn ich auf das schärfste verlange, die Verbreitung von herab,etzenden Gerüchten gegenüber einem Manne zu unter- ^ßen. ohne dessen Lebenswerk unsere Flotte nicht die kechnische. militärische und di,ziplinarische Vollkommenheit erreicht hätte, mit der der Sieg vom Skagerrak errungen woredn ist, mit der all' d i c
V^s" /Jx? M " t ri l0 L n unserer Flotte erreicht worden und. (Sturmi,cher Beifall.)
* 5 ud L to l c ^ben unter unrichtigen Darstellungen zu leiden w ^ M ^n 'eiten der offiziösen Presse, auch von seiten der „Norddeut,chen Allgemeinen Zeitung" ist in allen diesen Dingen doch nicht immer in der Weise verfahren worden, wie wir es von ^einem amtlichen Organ voraussetzen mußten (Unruhe), weil die ,yorm mit der da gekämpft worden ist, unS der Größe der Zeit und der Sache nicht immer ganz würdig zu sein schien. Auch die demokratiiche Presse hat bedauerliche Vorwürfe gegen uns erhoben. Mein unmittelbarer Vorredner hat in durchaus zu- treffender Weise davor gewarnt, die Meinungsverschiedenheiten aus dem Gebiete der Kriegführung und der auswärtigen Politik immer wieder auf inncrpolitische Herrschastsbestrebungen und aus innerpolitifche Motive zurücksühren zu sollen.
Auch in den heutigen Besprechungen ist viel von Kanzler, ffonde und von Kanzlersturzcrei die Rede gewesen. Der Abg Scheidemann hat manchen Einzelfall anführen zu sollen geglaubt Aeußerungen einzelner, beispielsweise des Fürsten Salm. Man weiß nicht recht, wie die mitgeteilben Briefe in seine Hände ge- ^ imen (Unruhe links), und ob das nicht auch unter das Schlagwort der Treibereien subsumiert werden könnte. Bei ^esen, ganzen Auseinandersetzungen klingt, nicht gerade aus- orucklich ausgeiproch^en, ab^r doch sehr deutlich erkennbar, immer ein gewisser Hinweis auf die Partei der Konservativen hindurch, die Extremen von der rechten Seite und ähnliche Aeußerungen Es ist sa"taktisch eine ganz glückliche Situation, wenn man solche Vorwurfe erhebt, ohne gerade eine bestimmte Stelle zu nennen an die man sie richtet, wenn diese Stelle doch sehr deutlich er-' kennbar ist. Wenn der andere nicht antwortet, kann man sagen: er gibt eS zu, und wenn er antwortet, kann man sagen- wen '4 iE, der kratzt sich. (Heiterkeit.) Diese Art der Kampffsweist mochte ich nur kurz charakterisieren. Aus solche unsubstanziier:ten Ver,uchc zu antworten, Erklärungen einzelner der Partei in die Schuhe zu schieben, empfiehlt sich nicht. Es war aber notwendig, die,« Tinge zu berühren, obwohl sie wahrhaftig nicht der Einig- keit nn Volke förderlich sind. (Lebhafte Zustimmung.) Denn nicht durch Vertuscheln und Verschleiern, sondern nur durch offene Aussprache dient man dem Gänsen. (Sehr richtig!)
Wenn wir nun das große Ganze ins Auge fassen und wieder den Blick dahin richten, wohin er sich heute von seWst richtet, dann kommt es im gegenwärtigen Augenblick auf Worte und selbst aus Beschlüsse viel weniger an, es kommt auf die Taten an, und da hat unser Volk doch in deri letzten Tagen wieder durch eine große, durch eine glänzende Tat bewiesen, daß es einig und geschlossen hinter seinem Heere ffeht; ich denke an den Ertrag der Kriegsanleihe. Der Dank gebührt dem großen Zeichner, der ^.auiende und Millionen gezeichnet hat, der Dank gebührt aber auch dem kleinen und kleinsten Zeichner, auch er kann wissen, daß ,ein Betrag zum finanziellen Erfolg, der Anleihe notwendig war, vor allen Dingen hat er aber die Zahl der Zeichner für seine Per,an erhöht. Darauf kommt cs au, um den DelveiS zu führen, daß.un,er Volk geschlossen und einig hinter dem Heere steht. (Bersall.)
Nach den Darlegungen, die wir von einem tapferen Kämpfe, der Flotte gehört haben, sind die Voraussetzungen deS Sieges darin zu suchen, daß in der Flotte, als sie in die Schlacht vom Skagerra' hineinftihr, kein Manu gewesen wäre, der nicht den festen Wille, zum Sieg, aber auch den festeii Glauben an den Sieg gehabt hätte Iii diesem festen Willen und Glauben zum Siege weiß ich heute Volk und Heer einig. (Lebhafter Beifall.)
Abg. v. Halem (Dtsch. Fr.): Mit inneren Reformen können tvir uns erst nach siegreicher Beendigung des Krieges befassen.
-r A.-G.): Die Sehnsucht nach Frieden be-
steht bei allen Völkern. Keine Mächtegruppe wird die andere ^^oerringen. Das Völkerrecht fft in diesem Kriege in Stucke geschlagen. Dennoch können wir diesem Kriege nur durch eine Verständigung der Völker ein Ende bereiten. Der Sondcrffiedc mit Rußland ist nur eine Illusion. Von Annexionen darf keine Rede sein. Das muß der Reichskanzler offen mrssprechen, sonst werden die Feinde nicht aushören, an seinen Friedensangeboten herumzumäkeln. Von der Neuorientierung ver. prcchen wir uns nicht viel. Volksrechte werden nicht geschenkt ,e werden erkämpft. Ueherall macht sich jetzt in kriegführenden Landern die Reaktion breit, auch bei uns. Der ^Vorwärts" ist verboten worden wegen eines Artikels „AuS der .Hexenküche der Kanzlerfronde". Darf man denn nicht einmal mehr die Kanzler- E?uer kritisieren? Die wirtschaftliche Lage wird immer schlechter. Die Geduld der Völker ist nicht unerschöpflich.
Abg. Dr. David (Sozd.): Der entscheidende Punkt sst der: Soll man auf Grund der jetzigen Kriegslage Frieden schließen oder chll man ihre günstigere Gestaltung abwarten? In diese beiden Gruppen scheidet sich alles. Der Reichskanzler hat schon uiffere Bereitwilligkeit zum Frieden erklärt. Die Gegner wollen aber reinen „vorzeitigen" Frieden „vor der Niederschmetterung Deutsch.
ti - 1 ^ )er rücksichtsloseste Krieg mit England, d. h. der ver- ^'^oot-Krieg, wücde den Krieg nur verlängern. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir begreifen den Zorn und den Haß. der sitzt im deutschen Volk gegen England vorhanden ist. Englands Aushungerungskrieg hat die Ernährungsschwierigkciten verschuldet. AirS diftn diplomatischen Akrenmaterial ergibt sich, daß Deutschland bei Oesterreich alles getan hat, um den Krieg zu verhindern. England und Frairkreich haben Rußland gegenüber das nicht getan.
Ein Schlußantrag wird angenommen. Damit ist die Aussprache über die auswärtige Politik erledigt.
Abgeordneter Bassermann berichtet noch über den Ansschuss, antrag, der dem Reichshaushaltsausschuß das Recht gibt zur Be- ratung von Angelegenheiten der auswärtigen Politik' und des Krieges auch während der Vertagung zusammenzutreten, dann vertagt sich das Haus.
Donnerstag 3 Uhr: Interpellationen der Fortschrittlichen Volkspartei, des Zentrums und der Sozialdemokrat« L*
SRifefimtbe auf dem Slartoffelmarltc, kleine Dorlas


