vr. 225
Swettes Blatt
E rjchOtnt läßlich mit Ausnahme des Saun tags.
Die ^»iehenrr ZamMendlStter" werden dem »Anzeiger- viermal »vöchentlich beigelegt. das ..Xrelrtlalt flle den Kreis Slehen- zweimal wöchentlich. Die ..Lgn-wlrtjchaflltchett Seit.
Irenen" erscheinen monatlich zweimal.
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166 . Jahrgang
nzerger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Freitag, 22. September |916
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'1che.i l'.niversilüts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
EchrMettung, Geschäftsstelle mDruckeret: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:e-«51, Schrift» lettung: ^«112. Adresse für Drahtnachrichten- Anzeiger Gießen. '
Lrieepdttese sgz dem Gftm.
S&munfrtcm zum Ofiheere ejüfa»6tai
MchcEiLwc Nachdruck.. auch aaSmaStenit, iizzbotaQ
Die Sommerschlacht um Lemberg.
I.
Lemberg, den 16. September Langsam fuhr der Zug über die Höhen von Leniberg. Bei der Teuren eteimmg Hrnftte er eine Atempause einlegen; er blieb in-- litatai der Kurve stehen. Mächtige Kohl- und Gemüsefelder zogen Nü) rn kirnten Terrassen entlang der schönen Hügel; die schwarze S? bc JF 1 #* ?S?" d.sluge schon für die neue Bestellung gebrochen, NberMi Frilchtbarteit, tätiges Leben. Born in den ersten Wagen des Zuges, der mich vom Armeeoberkommando der 2. K. u. K. Armee znrückbrachte, saßen Ungarn. Sie sangen ihre aufwühlend schivernttftigen Lieber in den 5aerbstabenb, der still und mattver- g tanzend über dem fruchtbaren Land sank. Dann. zog die Maschine fauchend an, wir waren in dem Lemberger Hauptbahnhof, in dem! Nch Militärisches und birrgerliches Leben hastig und vielgestaltig beiDfote. ,
., schöne Paläste,.tiefgrüne Parks, große Straßenzüge voll Men- iwen und yroßstMischenr Trerlieu, eine schöne, große Stadt, von der onemand so im ersten Blick wissen konnte, daß sie der Krieg mtterhart angefaßt hatte, zog vorüber. Später dann in den Kaffees L?MN da Bürger, österreichische, ungarische, deutsche und türkische Offiziere: Musik, Lächeln, Blicke.
In den Läden ist, das zeigte der nächste Morgan, alles zu I-avm, was man an guteir Dingen wünschen kann, die „Absperrung mttcht sich höchstens in den Preisen geltend, alle Sachen, oor allem, die eine gesteigerte Lebensführung voraussetzeii, machen Uch in den Scharfteiistern breit. Das Leben von Lemberg, das einmal in diesem Sominer doch tief erschrocken sein soll, geht seinen' lässigen, eleganten. leichtlebigen, hübschen Gang. Um diese blühende Hauptstadt Galiziens haben die Russen es sich Blut und Opfer wsteii lassen, Zweimal, dreimal, wie viele Male? . . . Ist schweren; Kämpfen unter dem Einsatz deutscher Truppen und deutschen Blutes wurde der Ansturnr auf Lemberg ausgcl>alten, die Sommerschlacht um Lemberg zu stnseveir Gunsten entschiedeii und deutsche Gewehre und Kanonen und Mmrer, Männer vor allem, schützen mit den bundesbrüderlicheil Waffen zusammen dies schöne Stück Land und ferne Stcht. Bon trem russischen Vormarsch auf Lemberg ist keine Rede mehr. Die Entwickelung dieser heißen Kämpfe vom, 6. August - da der Einsatz deutscher Truppen stattsand — bis Mitte Sep- teistber ser hier nach maßgebenden Darstellungen zst-, lammengefaßt.
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Nach den Gefechten bei Brody, Ende Juli, steht die 2 üster- rnchrsch-ungarische Arnrse Älnfarig August sftnter denr Sereth, der Gvaberbr, dem oberen Lauf des Stjyr bis Pvnikowica westlich Brody mid hinter der Botdurka. In denr Augenblick des Eintreffens deutscher Divisionen hatten die Russen im starken Angriff dre osterreichstch-migarischeu Stellungen bei Zalozce am Sereth wlrchbrocben, ihren Erfolg sofort ausgebauit, so daß sie anr 6. August dre Verteidigmigsfront bereits auf die Linie Horodyfzcze— Bialug- BsatkoN^-Zwyzvn zurückgedrückt hatten. Die- ler l^orstvß konnte bei den starken. Reserven, die die Russen in den .üEMvamn werfen konnten, zu einer Gefährdwig der ganzen Lmrbcrg-Front und der Stellungen der anschließenden Südarmee fuhren. GenE zur rechten Stunde trafen die deutsch Verstärkt^ ^m Ausladeraum bei Slocow und Zborvw wur-
ven die beuttchen Divisionen, wie sie heranrollten, in den Kampf getwrsen; Wer die gefährdete Front ast der Einbruchsstelle von ^^erpmce bis Zwyzyn überstimmt General von Eben im Anschluß an die Truppen der Südarmee das Konrmiando über die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen. Beharrlich vor
s uchet die Russen, die Crnbruchsstelle zu erweitern. Es geht um Lemberg — auch für sie! Ihre Angriffe haben auf dem Nordflügel '^brten Erfolg, auf dem Südflüael der Ernbruchsstelle (südlich Nvsvwee) werden den schweren russischen 'Angriffen Armeereserven der Südarmee, deutsche und k u k Truppenverbande cast gegen gestellt. Ein kühner Gegenstoß wirst l- 2 v? te nber die alten Stellungen bei Grobla zurück'
die Hohen bei Borvdyszcze werden im Sturmangriff genommen.' Damit war auf diesen: Flügel die Lage wieder bergestellt, während ne sich in der Mitte durch dei: Einsatz deutscher Truppen zu unseren Gunsten entscheiden konnte.
Da begannen die Russen, die einige Tage lang zientliche Ruhe gehalten, ihre Verbände geordnet, Mstnition aufgestapelt hatten.
toten VnJff" ^ te,l ^ r ^ ftUt t at m eiltelt • neuett allgemeinen narren 4ngnU. Es gelingt ihnen, bei Neterpmce in überraschen-
rn die ungarischen Gräben hinein zu kommen. In ziemlich ^ entwickeln sich die Rnssnr ans der Einbrnchsstelle
linker Flügel steht der der Meierei Albinowka, während Süd West ^dzotmka lteyt, ihre Angrjfssrichtnng Wesh.
Ä'rX' cff 1 geradewegs ans Serwery los. Die Loge ist kritisch. nÄn^n ailenC a Si l( ^ den vorwärtsdringenden dichten ™ l 1t ] d l eu Kolonnen östlich Bzowrka dem Nordflügel des Angriffs Sjy d?ach kurzem, heftigem Zusammenprall kommt hier der Angriff zum Stehen. Im Süden bei IMbinowka halten sächsische ^ag'er ttotz schwerer Verluste jedes iveitere Vorbringen der sttusten aus, fchon am frühen Nachmittag ist durch die hervorragende Tapferkeit der sächsischen Jäger hier jede Gefahr beseitigt.
< Adders bei Bialoglowh und Troseianiec, auch in der E»n- bruchsüelle selbst, versuchen die Russen tagsüber und in der nächsten Nacht aufs Neue vergeblich den Durchbruch. Tie deutsche und die ofterreichstch-aing-arische Arttllerie, die zusammen jetzt eingearbeiteü Und, legen furchtbares Sperrfeuer vor die Linien, die russischen Verlufte smd sehr stark; der Einsatz von 3y 2 Divisionen gegen Frontstuck hat den Russen Nichts genutzt, am 10. abends steht die Linie unerschüttert da.
Inzwischen haben die Ereignisse bei der Südarmee am nächsten Tage die Rücknahme des rechten Flügels zur Notwendigkeit er- schemen lasten. Dre Russen können selbstverständlich aus der Lage dre nötigegi Schlüsse ziehen, zuural das helle, sonnige Wetter ihrer r7l:egeraufflarung günstig ist, sie verschieben Kräfte nach Süden ^rotten am 11. August wütend an, znnächst bei Troezianiee und iPater die ganze rechte Flügeldivision. Sie haben in ihre Rechnung nicht die unerschütterliche Ruhe der deutschen Truppen ge- nugend eingestellt Alle Angriffe scheitern, nur die russischen Verluste steigern sich ins Riesenhafte. Die Zurücknahme des rechten Flügels in die Zwiichenstellung bei Obydra in der Nacht vom 12.
P ^ n e e Ji ^ e e r ? ^ Alle Trains werden rechtzeitig
abgeschoben, selbst das Material der Förderbahn Zborow— DolinenI wird in Ruhe-hinter die iieuen Stellunaen gebracht, die in der Rächt zum 13. bezogen werden. Die Russen hatten natürlich diese Operation mit allen Mitteln zu verhindern gesucht. Sie greifen veftig an und dringen in den Abendstunden des 12. August in S-rofcMmee ein. Ei« erbitterter nächtlicher Nahkampf entspinnt D^us für Haus, Brandstätte für Brandstätte stürmen die Deutschen und österreichischemgarischen Truppen, die zmn Gegen- totz emsetzen. Bajonett und Kolben, Handgranate und Messer,' die ungarischen Streitäxte arbeiten furchtbar. Die Russen werden ans den Flanken,herausgedrängt, und in den frühen Morgenstunden Ä;. m* August kann planmäßig die Loslösung durchgeführt werden Tae Nachhuten hatten die Linie Bereinowee, Manilowka—Jamny und gehen spater auf die Hauptstellung zurück, die nun in Der Linie Zlota—Gora—Jaroslawiee—Perepelniki—Manchow— Barkow verlaust. Der Anschluß nach Sü.den ist gesichert, eine chwere Operation durch schweren Kauipf ermöglicht worden 5 .- . anzunehmen, daß die russische Armeeleitung sich mit
diesem Abschluß der Kämpfe auf die,em Flügel nicht bescheiden wurde. Am 16. August beginnen denn auch neue schwere Angriffe aus der Linie Harbuzow—Röanjow, die durch die Zurücknahme der Frmtt einen vorspringenden Winkel nun bildete. Im konzentri- Ma, Ai-tillerlefeuer der deutschen und österreichisch-ungarischen Arttllerie, rm zähen Widerstand uiigarischer Infanterie brechen: diese Angriffe blutig zusanimen. Der Feind ist erschöpft und versucht von jetzt an anderen Frontteilen sein Heil.
Am 21 beginnt die Artillerie, den ganzen vorsoringenden Keil von Czepiele über Zwhzyn (Spitze des Keils) bis Manajow unter Feuer zu nehmen. Wahrend tue Russen am 16. versucht batten, die Spitze durch südlichen Einbruch abzuschnüren, limfassen sie so am 21. die ganze vorspringende Front, indem sie von den Morgen- stunden an Die Graben m der ganzen Ausdehnung betrvmmeln.'Um L.m nachmittags gehen dann die russischen Sturmkolonnen zum Angriff m der vollen Breite Batkow— Czepiele vor. Bei Batkow werden die Sturme unter schweren Verlusten der Angreifenden ab- gefchlageii, bei Zwyzyn und Czepiele gelingt es den Russen, in den Graben zu kommen. Em sofort angesetzter Gegenstoß wirft sie unter sehr starken Kämpfen bei Czepiele heraus; bei Zwyzyn, das von Norden Und Süden von dem russischen Art ille riefen er flankiert M, bleibt der Feind in einem Grabenstück von etwa 500 Meter Lange fitzen. T-ie Gegenangriffe leiden unter Flankenseuer, am 24 August gelingt cs, den größeren Teil des Grabenstücks hart normvestlich des Ortes wieder zu nehmen. 2 Maschinenge- pewehre, 200 Gefangene bleiben als Beute. Der uwralische Erfolg ift sehr stark. Ter Feind merkt, daß er keinen Meter Graben Aer ungeftrast und ohne harte Gegenmaßnahmen erobern kann, daß
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ietKir Schritt vorwärts außerordentlich teuer bezahlt werden milß, daß gegen seine Angriff'sabsicht der noch härtere Behauptunas- Wille des deutschen Führers steht. Er läßt von diesem ganzen tfroiitfceil ab und sucht den Angriff auf Lemberg bon anderer Seite vorzutragen. Ter härtere Wille, die unerschütterliche Tapferkeit der Truppe hat hier den W!eg endgültig verbaut.
_N o l f Brandt, Kriegsberichterstatter.
MvchLiche Nachrichten.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
SamStag, den 23. September 1916:
Vorabend: 7.00 Uhr. - Morgens — Abends: 7.30 und 8.05 Uhr.
8.30 Uhr.
^ ^ Märkte.
eh. Gingen, 20. Sept. Marktpreise. Kartoffeln b Pfg., ^hnen 45-00 Pfg., Gelbe Rüben 15-00 Pfg., Rote Rüben'15
bis 00 Pfg, Zwiebeln 1.0-00 Pfg., Tomaten 25-00 Pfg., Birnen
nn M ' 15 ~rP° ^a., Zwetschen 15-00 Pfg., Pfirsiche
??-W Ig ' ^rauben 40-00 Pfg , Butter 2,20 Mk., Weichkäse 50 bis 00 Pfg Handkase 75 Pfg. das Pfund, Bnschsalat 12-00 Pfa., Al^wn 15—00 Pfg Salatqnrkeii 12-00 Pfg., Rotkraut 40 bis Wenrkraut 40-00 Pfg., Wirsing 15-00 Pfg., Blirmenkohl Pfg., Lauch 4-0 Pfg., Sellerie 10 bis Stück. Einniachgurken 3-00 Mk., klein. Gurken 4-00 Mk., Nusfe 80-00 Pfg. die 100 Stück.
Witterungsbericht.
(Oeffentlicher Wetterdienst.)
Gießen, den 19. September 1916. Schon in unserem vorigen Bericht sprachen wir die Befürchtung ausdaß das heitere, schöne Herbstwetter vom Dienstag, den 12. September mcht von langer Dauer sein dürfte, da im Nord- westen wiederum eine neue Depression anfzutauchen schien Und wirklich war diese Depression schon am Anfang dieser Berichtswvche
— Mittwoch, l^ii 13. September bis Dienstag, den 19. September
— mit -ihrem Kern bis nach Skandinavien vorgedrungen, und be- eiiiflupte durch ihre Randwirbel auch unsere Wetterlage. Bei wechselnder Bewölkung gingen verbreitete Regenschauer Nieder, die auch noch in den nächften Tagen anhielten, trotzdem das Ties allmäUich nach Osten abgezogen war. Auf der Rückseite der nach Osten abziehenden Depression herrschten heftige iiördliche Winde die starke Abkühlung mitbrachten. So war in Gießen das Temperatur- maximüm von 19° auf 14° gefunken, das Temperaturminimum von 9" auf 4° — in höheren Lagen, z. B. Lauterbach, fiel das Thermoineter sogar bis auf weniges über Null — und das Tempe- raturtageswittel von IZo auf 3°. Allmählich war von Südweften her hoher Truck nordwestwärts vorgedrungen und beeinflußte am Sonntag, den 17. September, unsere Wetterlage günsttg, so daß sich das Wetter aufheiterte. JedÄ drang von Island her eine sehr starke Depression übermls schnell südwestwärts Var. Bereits ui der Nacht von Sonntag zu Montag war das festländische Hochdruckgebiet von chr vollständig zurückgedrängt. Unsere Wetterlage wurde nunmehr voll und ganz von dem Tiefdruckgebiet be- einflußt, so daß den ganzen Montaa hindurch das trübe, regnerische, z. T. böige Wetter mit GeuEteverlcheinungen anhrelt. Auch heute, Dienstag, steht unsere Wetterlage noch unter dem Einfluß von Randwirbeln dieser Depression. Das unbeständige böige Wetter hält daher weiterhin an.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Sept.
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Wetter
Höchste Temperatur am 20. bis 21. Sept. 1916: -ft 13 4' 0 Niedrigste „ . 20. . 21. . 1916:+ 9,8 • C.
Niederschlag 0,0 mm.
Aus dem Leben Jose Lchegarays.
Tex große spwiische Mathematiker und Dichter Don Jose Echegaray, der im Alter von 81 Jahren in Madrid gestorben ist, war nicht nur.einer der geachtctsten, sondern auch einer der an Erlebnissen und Ehren reichsten Söhne des neueren Spaniens Als Gelchrter, Politiker und Dichter kam Echegaral) mit fast allen gWßen Personlichkerten seiner Zeit in Berührung, und er war nimt bloß em Augenzeuge der oft stürmisch?-.: Geschichte Spaniens m der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern er erlebte die dantaligm ITntwickelungm als direkt Beteiligter, da er ui den o •2* 3 “ mw ? t so ereigirisreichen Jahren 1862/73 dem Ministeriiim i" r lü ü ö ^ Unterrichts minister angehörte. Nach der Nieder- känipfttttg der Cprlisten und inmitten der neuen blutigen revo- lutionaren Erhebungen des Jahres 1863 suchte das Ministerium Borllla den wegen seiner demokratischen Gewohnheiten bei den Konservativen unpopulären König zu stützen, bis Ton Amadco, durch die langen Kämpfe ermüdet, freiwillig abdankt. In seinen. .Ermnerungen berichtete Ech?garay in interessanter Weise über eine Manischen Königs palaste, die trotz ihrer weittragcriden ^ol^ischeil Bedeutung^ für die Nachwelt nicht einer gewissen Komik entbehrte. Die Königin stand damals vor der Geburt eines .znfanten des spateren 5)err/ogs der Abruzzen, und der alte spanische Brauch verlangte, daß das erwartete Königskind immittcl- y ^rt in feierlichem Zeremoniell, den Ministern,
den Präsidenten des. Parlaments und den anderen hohen Würden- tragern gezeigt werde. Doch auch diesem Zeremoniell wid^ersetzbo sich der den überlieferten Hoffitten abholde Könijg Amadeo, und Echegaray erzählte hierüber:
- ^5 Abendsibnnz dcs KonArcsses, als man
uiis^eilig die Botschaft überbrachte, das freudige Familienereignis im schlöffe stehe unmittelbar bevor. Sofort wurde Nie Sitzung aufgehoben und Zorilla verständigte alle Würdenträger. So wir denn zun: Palast^ das ganze Ministerium. Deputationen des Parlamciits und des Senates, das diplomattsche Korps und dw Vertreter der höchsten Ltaatsäntter. Wir kamen in den Schloß- Zl ?hrentreppe lvar verschlossen und lag im Dunkel:
nach langen Verhandluirgen fulxrten uns die Türwächter schließlich ^^^f Raume des Ätaatsimnisteriums. Aus allen Gesichtern lag * !8 w t aunc 5; / - '^ vaCfCn wurden laut; aber niemand wußte Tia Adjntairteir des Königs mrd der Oberhvf. "schienen m flixotcr Uniform, auch auf ihren Mienen Inn Der Ministerpräsiden! Lrilla i *
Swtote » ambn Ministerpräsident
^ Auskunft, warum wir mcht sofort hinaufgingeii.
Tie Lvituation wurde krittsch. Endlich kam 'eine Antwort auf die ^Uige Frage des^Mimsterpräsidenten: sie ivirkte wie eine Bombe. ^r ec selbst hat es verboten, der König selbst hat be-
fttnmrt. dap memand hinauflomntt, er hat befohlen, die Türen zu schließen und hat uns beauftragt, alle Herrschaften zu verab-- fchiedem Es gab eine aufregende Szene, der Ministerpräsident wollte oen Eingang erzwingen, aber altes war umsonst. Schließlich zog die ganze festlich geschmückte Schar gleich begossenen Pudeln davon, die Minister, die Parlamentspräsidenten, die Würdenträger, die Generäle."
diätsel war nach wmigent Tagen gelöst, denn am 11. Febr. erschien das Tekret, in dem Don Amadeo die Krone Spaniens niederlegte und rn seine Heimat Jtalie:: znrückkehrte. Im selben .nebelte Echegaray nach Frankreich über. Der damals Bierzigiahrige, der bis dahffr die erfolgreiche Lauibahn eines Gelehrten und Beamten zurückgelegt hatte, — er war Professor an der Madrider Ingenieurschule geworden, hatte sich durch bede.liteiida mathematische und physikalische Werke, wie die .mathmlattsche
eines außerordentlichen Gelehrten ^^^o-ben und war 1866 Mitglied der Madrider Atädemie geworden . . ^8 -ahriger also entdeckte Echegaray ziim ersten Male sem Dichtertaleiit. „Damals", so erzählte.er einmal, „schrieb ich zum erslenmal Berfe. Sochlichiterstaunt übeddiese Siimme der G-otl- ,ett, die plötzlich :n mir laut und mici- unwiderstehlich- zum Schaffen diangte, gab ich mich den drängenden Mächten meines Innern hin -i-! ete lTt . VEn und in einen: Akt das „Stammregister", das ich daun :n Madrid anssühren ließ. Seitdein liabe ich nicht anfgehort zü dichten, ich schrieb.jedes Jahr 2—4 Stücke, und im gauzen belauft sich die Zahl meiner Stücke auf über 70. Me Werke Cchegaram.. die! mit einer an Lope de Vega gemahnenden Leichtig tttt und Fruchtbarkeit hervorgebracht waren, sind durch stürmische Rethorck und bunte Wortpracht getragen. In Deutschland wurde ^oeegary vor zwe: Jahrzehrtten viel gespielt, am bekanntesten wurde hier sem Drama „Galeotto" in der Bearbeitung von Paul 7'*.??- erhielt auch den Nobelpreis, ben er mit Misttal
teutt .trotzdem er seit seinem vierzigsten Jahre dm: größtes -.eck semer Kraft und semer Arbeit der dramatischen Dichttuig widmete, vergaß er doch nie die Matheinatik, der er bis zuletzt .reu blieb. Er bewahrte stets in seiner Bibliothek alle wisseir- chaftlichen Bücher, die bis in die ersten Ttige seiirer Studentenzeit zuruckreichten. Von emem Besucher geftagt, wie er die Dicht- kunst mtt emer so abstrakten Wissenschaft wie der Matlfematik Vereinen koiine gab er zur Antwort: ..Das scheint Ihnen von der Literatur entfernt? Für mich ist cs das nicht. Ich finde auch in den Sphären der Matlfematik eine unendliche Poesie. Es ist ein ,veld ungeheurer Tätigkeit, in dem ich mit Vergnüge:: meffie Einbildungskraft fpazreren gehen lasse, und wenn ich an einer Dich
tung arbeite, wenn ich die Peripetien eines Dramas wr so begegne ich auch da den fundamentalen Grundsätzen der Elchen Macht niathematisck>er Prinzipien, aus denen die Kämpfe des Schicksals sich ergeben; und wo waltet ein starrerer Fatalismus als:n lenem^mathemattschen Gesetz, nach dem die Konflikte unserer moralischen Freiheit sich vollziehen?" . . .
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_ — Wilhelm Meister und der einheimische Tee
Ter Druck welchen die Ententemächte aus unsere Einfuhr von aus^ ländischen Rohstoffen, Lebens- und Genußnntteln ausüben, hat be- kamitlich den deutschen Hausfrauen Veranlaf.'nng gegeben auf die Verwertung einheimisckier Pflanzen zur Teebereitung zurückzugrei- fen. bic unsern Urgroßmüttern durchaus geläuftg war. Vielen von nmeil galt der n:tt hohen Einfuhrsteuerir belegte mrd dilrch den schwierigen Trmisport ohnehin verteuerte Tee noch als unerschwing- licher Leaerbissen, der durch einen Aufguß von Linden- oder Fliederbluten. Lttcfumtterchen, getrockneten Apfelschalen :uid dergl. mehr ersetzt werden mußte Eine solche gute Wirtin ,'chitdette Goethe in Wilhelm Meisters Wanderiahren". Dort läßt er den Heldeft fei- nes Romaiis an Natalie berichten, wie er in seffier Kindheft zun: F'len Male einen landlick-en Haushalt lzesucht und mit freudigem lliit-.il betrachtet habe Tobel habe er den Kindern geholseri, eine Arbeit zu erfüllen, ,.d:e ihnen eine alte ivohlgesinnte Tante auf- gctragen hatte. Sre sollten nämlich soviel Schlüsselblumen als möglich sammeln und solche getreulich mit zur Stadt dringen, indem die haushälterische Matrone gar allerlei geffmdes Gcttänk daraus r? ei SiSr'»S? W ^ It ^ ^lich einer anniUttgen Beschreibung
dieser Beschafttgiing, an der sich allmählich ein Teil der Dorffugend beteiligt, um Hutck-en mrd Miitzchen mit den ausgezupften RStwen- kronen der emgefammelten duftenden FrühlingsblliMtzn zu fflllen. entwirrr Wilhelm Mnster solgenbe Charakteristik der ftrnshälteri- schen Tante: Sie war im eigentlichen Sinne geldgeizig, denn es Lüerte, ffeieber bare Pfennig, den sie aus der'Hand geben sollte und sah sich überall für ihre Bedürfnisse nach Surrogaten unr welche man nurscarst. durch Tausch oder irgend eine Weise. besäEm konnte. So waren die SchlüssellKunien zum Tee bestimmt, den sie für ge)untrer hielt als irgendeinen chinesischen. Gott habe einem fedeir Land das Notwendige verlieben, es sei nun zur Nahrung zur Würze, zur Arznei: man brauche sich deshalb nicht an fremde Lander zu wenden. So besorgte sie in einem kleinen Garten affe«* "d nach ihrem ötmt die Sp.üsen schmackhaft mache uiid Krankm zuträglich wäre; sie besuchte keinen fremden Garten, ohne deral von oa niltzubringcn." Die national-und Privatökvnomrsäxu ^^dsatze dreier würdigen Matrone sind ivahrlich unter den heutt- . ^ io zeitgemäß, datz sie mancher modernen Hans-
>rau als 9ttchtfchnur dienen können.


