Nr. 2§2 Zweites Blatt M. Zahrgcwg
Erscheint täglich mit Aufnahme des SoantagS.
Die „Hlchener ^amllienblatter" werden dem -2lnzeiqer^ vieringl wöchentlich beigelegt. das »Kreisblatt für den Breis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Sberhejjen
Samstag, 9. September W6
Rotationsdruck und Berlag der Brühl'scheL llniversttats» Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Echriitleitting,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Berlaa:S^A51,Schrrst» lettung: e-«A113. Adresie für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Die neue Kriegsanleihe.
Vorteilhafte Einzahlnngsbedingungen.
Warm ist die gezeichnete Kriegsanleihe zu bezahlen? Auf diese Fvagx hat die von uns veröffentlichte Zeichnungsaufforderung bereits Auskunft gegeben. Es dürfte indes von Interesse sein, zu zeigen, wie sehr bei den festgesetzten Zahlungsternrinen auf die Interessen und Wunsche des Zeichners Bedacht genommen ist.
Zunächst sollen alle die, die schon jetzt über flüssige Mittel verfügen oder bis zum Ablauf des Monats September die erforderlichen Gelder flüssig machen und sofort inden Genuß der hohen Zinsen treten wollen, bereits am 30. September die Möglichkeit haben, Vollzahlung zu leisten. In diesem Falle würde jemand, der z. B. 1000 Mk. 5 prozentige Reichsanleihe gezeichnet hat, die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1916 bis zum 31. März 1917 sofort mit 2 1 * Prozent vergütet erhalten, also nur ,'980 Mik. abzüglich 25 Mk.) 955 Mk., für Schuldbuchzeichnungen 953 Mk., aufzubringen haben. Wer im September noch keine freien Mittel hat, wohl aber alsbald nach dem Bierteljahreswechsel Geld einnimmt, ist in der Lage, an jedem beliebigen Tage sein Geld zinstragend anzulegen, d. h. zur Einzahlung auf die Kriegsanleihe zu benutzen. Erster Pflichtzahlungstermin — für die Zeichnungen bei der Post gelten besondere Bestimmungen — ist der 18. Oktober; an dicksem Tage müssen 30 Prozent des dem Zeichner zngeteilten Betrages an Kriegsanleihe bezahlt werden, wobei Voraussetzung ist, daß die Summe des fällig gewordenen Teilbetrages wenigstens 100 Mk. ergibt. Infolge dieses Vorbehalts beginnt bei ganz kleinen Zeichnungen die Einzahlungspflicht nicht schon am 18. Oktober, sondern an einem der späteren Termine, die folgendermaßen festgesetzt find: 20 Prozent des zugeieilten Betrages am 24. November dieses Jahres, 25 Prozent am 9. Januar 1917 und 25 Prozent am 6. Fe- Iroarr 1917. Hat jemand z. B. 100 Mk. Kriegsanleihe gezeichnet und zugeteilt erhalten, so sind diese 100 Mk. am 6. Februar 1917 zu bezahlen. Bei einer Zeichnung auf 200 Mk. Kriegsanleihe sind je 100 Mk. am 24. November 1916 und am 6. Februar 1917 zu bezahlen. Bei einer Zeichnung auf 300 Mk. Kriegsanleihe sind zu bezahle: 100 Mk. am 24. November dieses Jahres, 100 Mk. am B. Januar und 100 Mk. am 6. Februar nächsten Jahres. Wer hin- . gegen z. B. 2000 Mk. Kriegsanleihe zugeteilt erhalten hat, muß 600 Mk Kriegsanleihe am 18. Oktober, 400 Mk. am 24. November irnd je 500 Mk. Kriegsanleihe am 9. Januar und 6. Februar nächsten Jahres bezahlen.
Bemerkenswert ist, daß der Monat Dezemberüberhaupt keinen Pflichtzahlungstermin enthält, und zwar mit Rücksicht darauf, daß der Jahreswechsel an und für sich bei vielen Zeichnern die Bereitstellung größerer Mittel erforderlich zu machen
pflegt.
Ebenso wie schon vor dem ersten Pflichtzahlungstermin die VollzaHlung geleistet werden kann, ist es zulässig, Teilzahlungen vor dem Pflichtzahlungstermin vorzunehmen, jedoch immer nur rtt Morden, durch 100 teilbaren Betragen des Nennwertes der Anleihe. Bei sämtlichen Einzahlungen auf die 5 p r o z e n 1 i g e Reichsanleihe werden, wie schon oben erwähnt, 5 Prozent Stückzttrsen von> Zahlungstage, frühestens vom 30. September 1916
zugunsten des Zeichners verrechnet. Das erklärt ftch daraus, daß der Zinßvckanf der 5 prozentigen ReichZanleiche erst am 1. April 1917 beginnt, während der Zeichner Anspruch darauf hat, sofort in den Genuß der Zinlßm zu ttÄen Bei den neuen Rei cks s cha tz- -anwe ifun gen beginnt der Zttffcrtlauf am 1. Januar 1917. Hier kommt infolgäxfsen eine Vergütung von Stückzinsen (und zwar in .Höhe von 41/2 Prozent) zugunsten des Zeichners nur bei den bis zum 30. Dezember 1916 ^leisteten Zahlungen in Betracht.
Besoickere Bedingungen gelten für die Einzahlungen auf Zeich- itungen, die bei den P 0 sta n st al t en erfolgen. Hier kann die Vollzahlung zwar auch schon aw 30. September vorgenommen werden, sie muß jedoch am 18. Oktober geleistet sein:. Teilzahlungen sind nicht zulässig. Für jede 100 Mk. 5 prozentige Reichsanleihe (Zeichnungen auf Schatzanweisungen werden bei der Post nicht angenommen) müssen, falls die Zahlung am 30. September erfolgt, 95,50 Mk. bezahlt werden und falls die Zahlung am 18. Oktober erfolgt, 95,75 Mk. Der an sich schon während des Krieges stark vergrößerte und erschwerte Betrieb bei den Postanstalten macht es unmöglich, die Arbeit bei der Post dadurch wesentlich zu steigern, daß dort auch noch nach dem 18. Oktober Einzahlungen angenommen werden können. Davon durfte um so eher abgesehen werden, als es ja eine sehr große Anzahl von Zeichmrngsstellen (Banken, Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, Kreditgenossenschaften) im Reiche , gibt, bei denen von dem Recht der Teilzahlung seitens des Zeichners Gebrauch gemacht werden kann.
Wer über irgend eine Frage, die mit der Kriegsanleihe zu- lammenhängt, im Zweifel ist, wird an allen Stellen, an denen gezeichnet werden kann, bereitwilligst Auskunft erhalten. Jedenfalls sollte niemand, etwa aus dem Grunde, weil er sich über den einen oder den anderen Punkt nicht im Klaren ist, von der Beteiligung an der Kriegsanleihe abfehen. EsistdiePflichteinesjeden
Deutschen, an dem Erfolge der Zeichnung auf die fünfte Kriegsanleihe nach besten Kräften mitzuwirken.
Die russische Sommerossenfive Wb.
I. Der Kampf um Kowel.
Zweiter Teil.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
Zu Beginn der 3. Juliwoche lassen sich die Vorboten des ersten allgemeinen Angriffs auf Kowel bereits deutlich erkennen. Gegen unsere Front Linivw—Zubilno—Trysten imb nördlich davon werden Divisionen über Divisionen angehäuft: bis zum 27. 7. abends sind hier im wesentlichen das russische XXIII., XXXIX., I. und II. Gardekvrps und 3 Gardekavallervedivisionen versammelt. Tie russische Garde soll die Ehre haben, in Kowel als Sieger einzurücken. General Besobrasow wich sie zum Erfolg führen.
Seit den Septemberschlachten 1915 um Wilna waren die russischen Gardekorps nicht mehr im Feuer gewesen. In langer Ruhezeit waren sie mit gut durchgehildetcm Ersatz neu aufgefüllt, mit bestem Material ausgerüstet und wieder die russisck)e Elitetruppe geworden, deren Ansturm Kowel unbedingt erliegen würde. In den beiden GardeLorps standen der russischen Führung etwa 16 Infanterie-Regimenter zu 4 Bataillonen, im ganzen also an 64 ausgeruhte, seit 3 A Jahren vom Kriege unberührte Verbände zur Verfügung — mit etwa 70000 Mann Infanterie für die vorderste Linie, mit etwa 100 000 Mann, wenn man den Ersatz einrechnet.
Rücksichtsloses Dortreiben der Linienregimenter, kaltherziger Einsatz unerhörter Massenopfer und der Ansturm unwiderstehlicher Gardetncppen mußten den Sieg erzwingen.
Am 28. 7. setzt nach heftiger Artlllerievorbereitung der allgemeine Angriff der russischen 8. Armee (Luzk) einschließlich der Garde unter Besobrasow ein. Dem starken Druck gegen den rechten Flügel der angegriffenen Front geben österreichische Verbände! nach. Ein weiter nördlich mit rücksichtslosem Schneid angesetzter und durchgeführter Gegenstoß eines deutschen Landwehr-Regiments wirft den Feind zurück und stellt die Gefechtslage wieder her. Landwehr-Bataillonen gelingt es ^auch, vier österreichische Geschütze und einige Munitionswagen von dem Gegner zurückzu- eroberu. Ter rechte Flügel wird durch das prachtvolle Vorgehen, eines deutschen Rekrutenbataillons und einer Garde-Kavallerie- Brigade "kräftig unterstützt.
Weiter nördlich greisen inzwischen acht russische Divisionen' (vom I. und II. Gardekorps, XXXIX. und XXIII. A.-K.) ein einziges verstärktes deutsches .Armeekorps an. Während der reckte Flügel alle Angriffe abschlagt und Kisielin hält, muß der linke Uirter dem Druck überlegener Kräfte des II. Gardekorps hinter den Stochodlaus westlich Trysten zurückgenommen werden. Ter Angreifer drängt nach.
Ter folgende Tag bringt die Fortsetzung' der heißen Kämpfe, die sich allmählich über die ganze Front der Heeresgruppe Linsingen ausdehnen. Im südlichen Abschnitt werden starke russische Angriffe südöstlich Swininchy abgeschlagen: in dem Waldgelände wogen erbitterte Handgranatenkämpfe unentschieden hin mtb her; weiter nördlich wirft ein deutscher Gegenangriff den in österreichische Stellungen eingebrochenen Feind mit großen Verlusten hinaus. <
Der russischen Garde gelüst es, ihren Tetterstüg vom Tage zuvor weiter auszudehnen und int Angriff durch den Wald westluh von Trysten über den Stochod vorzusdohen. Ein Gegenangriff wirft den Feind hier zurück. Der heiße Brennpunkt der Kämpfe aber entwickelt sich im Gelände von Kisielin.
Unsere Drahthindernisse bei Kisielin sind stumme und doch erschütternd sprechende Zeugen der besonnenen Ruhe! unserer Truppe und des todesmutigen Ansturmes unseres Gegners. In zerfetzten blutigen Klumpen liegen und hängen sie dort im Stacheldraht, die zerrissenen Ueberreste tapferer russischer Infanterie.
Am Nachmittag zerschellte unter äußerst schweren Verlusten der erste gegen Kisielin vorgetragene Angriff. Brussilows Methode: imbarmherziges Vorpeitschen dichter Massen kam hier zur vollen Entfaltung. In drei dichten Angriffswellen mit folgenden Gruppenkolonnen, mit nachdrückenden weiteren 20 Angriffswellen soll Kisielin genommen werden. Die 23 Wellen und die Gruppenkolonnen werden nutzlos hingeopfert und zerstäuben in blutige Einzelhausen. Der gleichzeitig von Südosten angesetzte Angriff bricht schon im Sperrfeuer zusammen. Ein 4 Uhr nachmittags erneuter Ansturm wird 'rtrie der erste blutig imi> restlos abgeschlagen. Auch am 30. 7. brechen alle Angriffe vor den Hindernissen nieder. Drei am nächsten Tage mit aller Wucht unternommene Anstürme gegen das im Gelärüu von Kisielin auf beherrschender Höhe liegende Vorwerk Leonvwka führen keinen Schritt vorwärts und erleiden das Schicksal der vorhergegangcnen.
Inzwischen hat sich der allgemeine Angriff längs der ganzen Stochodlinie nach Norden ausgedehnt. Von Süden, Südosten und Osten drückt der Russe gegen die Front und sucht die schwache Stelle zum Durchbruch nach Kowel.
Im Stock)odabschnitt Liniewta—Janowka färbt sich das Wasser von dem Blut der verwundeten und toten Opfer, die GeueraL Brussilow vergeblich vortreiben ließ. Südlich Janowka gelingt den Russen ein Einbruch. Die hier dünne Verteidigungslinie wird in der Nacht zurückverlegt.
Das am Stochod östlich von Kowel stehende österreichische Korps weist in schweren Kämpfen alle Angriffe unter größten Verlusten für den Gegner ab. Nur nördlich von Zareeze dringt der Russe auf das linke Ufer und gräbt sich in den Sanddünen ein. Truppen einer bayerischen Division treiben andere über den Fluß vorgestoßene feindliche Bataillone in wildem unerbittlichen Gegenstoß zurück und bereiten ihnen nasse Massengräber im Stochod.
Der dritte Tag des cttlgemeinen Angriffs auf Kowel bricht an (30. 7.). Die ausgehende Sonne beleuchtet Leichenselder vor unseren Hindernissen längs der ganzen Front und zieht den nächtlichen Lchleier unbarmherzig von qualvollen Todeskämpfen der im Sumpf und Wasser erstickenden und ertrinkenden ?1ngreifer. Sie leuchtet aber auch über den Tag, gn dem der Bcfteier Ostpreußens zum Oberbefehlshaber über die gesamte deutsch-österrcichiscle Ostfront bvm Rigaisck>en Meerbusen bis Wolhynien ausersehen wurde. Generalfeldmarschall von Hindenburg tritt dem Gneral Brussilow gegenüber. „Tie Schlacht ist eine Studie für den Feldherrn. Wer wird der Klügere sein — du oder er?" — So kennzeichnete einst der Oberbefehlshaber den Geisteskamps zweier Feldherren gegeneinander, deren Gedanken sich in blutige Taten umsetzten.
Ein neuer Faktor tritt mit dem Oberlefehlshaber in das wechselvolle Spiel des Ausgleiches der gegenseitigen Kräfte: General Brussilow stützt sich auf den Truck der in Bewegung gesetzten, durch unerschöpfliches Menschenmaterial auszu füll enden Masse. Der Feldmarschall vertraut dem unerschütterlichen Siegeswillen eines seit zwei Jahren gegen zahlenmäßige Uebcrmacht kämpfenden Heeres, das zusammen mit dem ganzen Volk unbeirrt durch alle Wechselfälle des Krieges an seinen Feldherrn glaubt.
Die beiden folgenden Tage (31. 7. und 1. 8.) bringen den Ab" schluß des ersten allgemeinen Angriffs gegen den Stochod. Der erste Akt^der Schlacht von Kowel endet für den Gegner mit einem großen Schuldkonto: geringer Raumgewinn, vereinzelte in keinem strategisch verwertbaren Zusainmenliang stehende örtliche Erfolge — bezahlt mit selbst für Brussllvws Führung unerhörten Blut- vpfern. Nicht ein einziger entscheidender Schritt vorwärts auf dem Wege nach Kowel!
Auch die Versuche, an den letzten Angriffstagen, den Schwerpunkt mehr nach Norden gegen den Stochodlaus östlich Kowel zu verlegen, blieben olme - Erfolg. Neue Truppen waren heraus geschleppt, die Gardekorps nach Osten an den Stochod verschoben worden. Erbitterte, unerhört heftige Angriffe besonders im Gelände bei Smolary brachen unter furchtbaren Verlusten zusammen.
Am 1. 8. wollte der Gegner bei Kisielin noch einmal den Durchbruch erzwingen. Zu sechs Angriffen wurde die Truppe schonungslos vorgetrieben, in sechs Angriffen brach sie blutend zusammen. Nördlich der Bahn aber herrschte am 1. 8. -teillveise eine unheimliche Ruhe. Die russische Infanterie hat dort an-" scheinend dem Angriffsbefehl den Gehorsam verweigert. Ein Schlaglicht beleuchtet das Geheiurnis dieser Ruhe: „An den Führer der 5. Kompagnie Regts. 309: Wenn die Kompagnien nicht augenblicklich Vorgehen, so gab der Divisionskommandeur sein Wort, die Kom- pagniesührer vor Gericht zu stellen und die Konrpaguien müeo Maschinengewehrfeuer zu nehmen. Unterschrift: Ter Kvmurandeur dos Ü. Bataillons."
Am 2. 8. griff der Feind im aUgememnt nicht an. Auch am 3. 8. herrschte im wesentlichen die Ruhe der Erschöpfung. Nur in der Nacht zum 2. 8. hatte der Feind einen kräftigen Vorstoß gegen das Gelände südlich von Rudka Mirynska unternommen, der völlig mißglückte. Fluchtartig wichen die Russen zurück intb ließen in diesem kaum 2 Kilometer breiten Streifen 300 (gezählte) Tote liegen. Ihre Gesamtzahl mag in dem teilweise durch hohes Getreide unübersichtlichen Gelände eicheblich höher gewesen sein. Von zwei Bataillonen des russischen 8. Schützen-Regiments kehrten 162 Mann, vom garten 7. Schützen-Regiment nur 2 Kompagnien! zurück.
Aber den Führer des 1. turkestäup'chen Arineekorps packte am 3. 8. ein unbezähmbarer Ehrgeiz, Kowel mit seinen Truppen allein zu nehmen. Er setzte seine Kräfte zu einem starken Angriff an, brach. bei Rudka Mirynska in die dortigen österreichisches Gräben ein und begann sich in einer Brückenkopfstellnng zu befestgen. Preußische und bayerische Truppen sahen den Schanzarbeiten nicht lange untätig zu, schritten von Westen und Norden zu einen! frisch durchgeführtcn Gegenangriff und jagten, unterstützt durch ein sich ausgezeichnet schlagendes Polen-Bataillon, die, Turkestanen über den Fluß zurück. Tie vorübergehend verloren^ Stellung war sofort miedergewonnen und der Ehrgeiz des Generals jenes Armeekorps kühlte sich auf dem rechten Ufer wohl wieder ab.
Nun wird der russischen Armee als zweiter AngriffslermiU zUm Durchbruch nach Kowel der 7. August als Parole einge- hämmert. Trübes regnerisches Wetter verzögert den Beginn des zweiten Ansturms auf das befohlene -Operationsziel um einen Tag. Am 8. August aber leitet heftiges Trommelfeuer den zweiten Akt des heißen Ringens um Kowel ein. General Brussilows An- griffsmetbodc feiert jetzt ihren Triumph: am Vormittag gegen
U»»nft «nd Wissenschaft.
1 — Alt-Lüneburger Bildwebereien. Eine glüch- liehe Neuerwerbung ist dem Kestnev-MUseum in Hannover in einem großen Lüneburger Billtteppich nrit der Darstellung der Mindenheilung durch Christus gelungen, durch den die Lüneburger Bildwirkereien des Museums um ein hochbedeuffames Werk bereichert worden sind. Der große hochrechteckige Teppich zeigt, wie wir einer eingehenden Besprechung des Werkes durch Paul Erich Küppers in der „Kunstchronik" entnehmen, in der Mitte im kreisrunden Me- dalllon die Darstellung des Vorganges in lebensgroßen Figuren. Der Rahmen wird rechts und links von zwei Fabelwesen gehalten, die im breitlippigen Munde eine Pflanze tragen und deren Körper sich nach unten in einen belaubten Fischschwanz crussöst. Die Übrige Fläche ist init reicher, zum Teil noch unverstandener Frührenaissance- Ornamentik bedeckt, und unten in den Ecken erscheinen die mit reicher Helmzier geschmückten Wappen. Von ihnen gehört das linke der Lüneburger Patrizierfamilie von Witzendorff, das rechte der Familie von Stötterogge cm. Den Teppich hat demnach ein Witzendorff, der eine Tochter des Hauses Stötterogge zur Frau hatte, in Auftrag gegeben: und zwar ist dies Hieronymus h von Witzendorff, der 1533 das Bürgermeisteramt in der Stadt Lüneburg beklechete. Das Wappen der Witzendorff kehrt rroch auf einem anderen kostbaren Wcwke der Alt-Lüneburger Bild Wirkerei, das schon vor drei Jahren den Weg in das Hannöversche Museum fand, wieder: nämlich auf dem Friese mit den zehn Szenen aus der Dobiaslegende. Diesen, * mit der Jahreszahl 1559 bezeichneten Teppich hat ein Dietrich von Döring, der eine Jlsabe von Witzendorff geheiratet hat, anfertigen lassen. Diese beiden großen Mldrvirkereien hingen zuletzt — nachweisbar von 1853 bis 1905 —- in der französischen Kirche von Lurch-Levy (Departement Alliers), wo der neuerworbene Blinden- hellungsteppich uirter staatlichen Denkmalsschntz gestellt und auf sranzösischen Ansichtspostkarten als flandrisches .Kunstwerk gerühmt war. Hoche^freulich ist es, daß diese deutschen Teppiche schon vor dem Kriege ihren Weg nach Deutschland und schließlich in die engere Heimat zurückgefunden haben. Vom Stande der Lüneburger Mld- weberei zu Ende des 16. Jahrhunderts gibt im Kestner-Museum ein kleiner Teppich mit der Chiritas Kunde. Zusanrmen vernritteln
diese drei Bildwebereien ein gutes Bild von der hohen künstlerischen Stufe der Alt-Lüneburger Wirkerei. Me drei Stücke zeigen die kennzeichnende leuchtende Farbenfkala, die das ganze Jahrhundert hindurch die gleiche geblieben zu sein scheint.
— Kunstarbeiten aus sibirischen Kriegsgefangenenlagern. In Stockholm sind unlängst die Kunstarbeiten eingetrossen, die Dr. Hallström von seirrem Roten-Kreuz- Bcsuche in den sibirischen Kriegsgeßrngenenlagern bis an die Grenze der Mandschurei mitgebracht hat. Es handelt sich dabei um Arbeiten von Deutschen, Oesterreichern, Ungarn urtd Türken, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren und ssck die endlosen Stunden. des sibirischen Winters und die glühendheißen SoMmertwge durch eine» Zeitvertreib zu verkürzen gesucht haben, oder mit ihrer Kunstfertigkeit Geld verdienen wollten, um sich den langerrtbehrten Tabak verschaffen zu können. Alle möglichen Rohstoffe sind bei den Kunstarbeiten der Kriegsgefangenen verwandt, und wenn man bedenkt, daß sie sich auch die notdürftigsten Werkzeuge selbst Herstellen mußten, muß inan ihre Geschicklichkeit um so mehr anerkennen: manche der Arbeiten können ohne weiteres den Vergleich mit solchen aus- halten, wie sie in guten Werkstätten für angewandte Kunst erzeugt werden. Am zahlreichsten vertreten sind Uhrketten, Rosenkränze und Halsschmuck aller Art; ferner haben die Kriegsgefangenen kleine Bürsten, Aschbecher, zierliche Kästchen und Musskinstrumente hergestellt. Bei den Ketten sind fast immer Pserdehaare verwandt worden, die oft ru den niwlichsten Filigranarbeiten verflochten sind, zu deren Ausssihrung eine unendliche Geduld nötm ist. Ms Schmuck der Ketten dienen häufig bearbeitete russische Srlbermünzen, und wo die Kriegsgefangenen sich von Uniform- oder Ausrüstungs- teilen Aluminium verschaffen konnten, haben sie dieses Metall zu bearbeiten verstanden. Die Kettenanhängsel tragen zuweilen Inschriften; so zeigt ein ntunzenähnliches Auhängfel ans einer Sette die Inschrift: ,/§ri7merpng an nreine schwersten Tage^h während die arrdere zwei vereinigt^ Härrde nrit dem Texte „Viribus unitis" aufweist: dem Wahlspruche nach handelt es sich also um die Arbett eines österreichischen Kriegsgefangenen. Wenn die Kriegsgefangenen Fleisch als Kost bekamen, behielten sie die Knochen, um sie zu Schnitzarbeiten zu verwenden. Auch die Schnitzarbeiten sttrd zu
wetten ganz hervorragend gelungen. Dies gttt besonders von einer Skulptur, die einen deutschen und einen österreichisck^en Soldaten nebeneinanderstehend darstellt. Die Musikwerkzeuge, die die .Kriegsgefangenen hergestellt haben, machen äußerlich einen guten (Andruck: will man sie als Musidverkzeuge richtig beurtetten. so kann dies erst nach einer Aufarbeitung geschehen, denn auf der langen Reise — Hallström war acht Monate lang urrterwegs — haben sie ihren Ton eingebüßt.
— Das200jährigcJubiläumderWarmwasser- heizung. Die erste Warrnwasser-Heizanlage für Gewächshäuser hat der Sckaoedc Marion Triewald vor 200 Jahren, also im Jahre 1716 in Newcastle on Tyne, konstruiert. Zur Wohnungsbeizung wurde diese Erfindung zuerst 1812 in Petersburg verwendet. Die Wasserheizung mit hohem Druck und sehr heißein Wasser (tfnrc 200° Celsius) führte, wie bei Feldhaus „Die Technik der Vorzeit" angegeben wird, der englische Ingenieur Angier March Perkins seit 1839 ein. Auch der Darnpfbeheizung von Treibhäusern hat man erst seit 100 Jahren erhöhte Beachtung geschenkt, nachdenr im Jahre 1816 Schüttes in Landshut auf sie aufmerksam gemacht hatte. Dem berühmten James Watt war diese Erfindung bereits im Jahre 1784 patentiert worden. Sehr viel älter ist die Geschichte der Warnttustheizung, die bekanrttlich bis auf die alten Römer zn- rückführt. Dem Sergius Orato um 100 v. Chr. wird die Erfindung des Hypocausttrms, der römischen Warmluftheizung zugeschrieben. Mit derartigen Anlagen waren auch verschiedene Prunkbauten des Mittelalters ausgestattet: noch heute sirrd sie im Lüneburger Rat- haufe, im Marburger Schloß, in der Marienburg, in Goslar und Maulbronn zu sehen. Die erste neuere Luftheizung erhielt um 1750 der Redoutesaal zu Petersburg. Friedrich der Große erhielt von dieser Anlage Kenntnis und ließ danach auf ?knregnng des sitzmevals von Mannftein von seinem Schloßbaunieister' ^>ianger die erste Zentrakheivmg Deutschlands für sein Arbeitszinemer im Potsdamer Stcchtschloß errichten. Sie besteht aus einem eisernen Ofen nrit tönerner Luftkammer im Erdgeschoß. Ein von dort aus ' steigender Kanal endet in einer als Drachenkopf gebildeten Aus-. strömungsöffnung in der Ecke des köniÄichen Arbeitszimmers das noch heute nur mittels dieser Bornchttmg geheizt ioerdcu Lu».


