Ausgabe 
22.9.1916 Erstes Blatt
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fiö-Crt cm alten Fronten. lvcibere Truppensendungen der ^Etennächbe nach dem Balkan unmöglich gemacht n>erden sollen, da Rußland ntdTt in der Lage ist, weitere Truppen dorthin zu senden.

Aus Griechenland.

, Berlin, 21. Sept. DerBert. Lokalanz." meldet aus Kopenhagen: Pariser Blättern wird, ivie dieNational Ti- dende" erfährt, aus Athen gedrahtet, dort gehe das Gerücht, daß der König befohlen habe, die A t he n er Ga r n t f o n um fünf Bataillone zu verstärken.

Bern, 21. Sept. (WTB Nichtamtlich.) Der Mitarbeiter desSecolo" in Saloniki will von zuverlässiger Seite aus A t he n erfahren haben, daß dort eine. Verschwörung -legen Venizelos bestehe Dimitrakopntos soll sogar die Verhaftung von Venizelos in seinem Programm gehabt haben. Das Schloß Tatoi soll zum Schutze des Königs von Kavallerie, Artillerie und Infanterie rungeben^ sein. Die -Nachrichten seien jedoch ohne jede Bestätigung. Sicher aber sei, daß sowohl in Athen, wie in Saloniki die Bevölkerung gegenüber, den Ereignissen nicht ruhiger u nd g leichgültiger sein könnte. Venizelos lverde in Saloniki erwartet.

Der französische Kammerausschuß und die Lage in Griechenland.

Paris 20 Sept lWTB. Meldung der Agence Davas. Der Ka m m e r a u sschuß für auswärtige Angelegenheiten ist unter dem Vorsitze Leygues zusammengetreten. Er prüfte die durch die Ereignisse in Griechenland geschaffene Lage und kam zu dem Schluß, daß eine entschiedene und feste Politik, wie sie iu der in Athen am 24. November 1915 überreichten Note der Entente zum Ausdruck gebmcht ist, die einzige ist, die zu positiven Ergebnissen führen kann. Me auch die Alliierten über die zu­künftige Rolle 0ftieä>enlands dachten, könnten sie doch nicht dulden, daß in Athen ein Mittelpunkt für BersäMörnngen der Feinde be­stehen bleibe und sic hätten die Pflicht, die entschiedensten Maß- nahrncn zu ergreifen, um die Sicherheit und volle Bewegungs­freiheit ihrer Heere zu sichern.

Rußland an Griechenlandnicht interessiert".

London. 21. Sept. (WTB.) Meldrmg des Reuterschen Bureatus.Daily Mail" meldet uns Athen: Die russische Regierung hat ihrem Gesandten in Athen die Instruk­tion zngehen lassen, daß Rußland an Griechenland nicht interessiert sei.

Die -Uederlage der italienischen Valtanexpedition.

Bern, 21. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Secolo" mel­det aas Saloniki vom 19. September: Die Italiener wurden am Sonntag von einem dreifach überlegenen Feinde an den Abhängen der Delesberge umfassend an­gegriffen. Das Blatt sagt weiter, ihre Stellungen seien durch­aus unhaltbar gewesen, da die feindlichen Schützengräben kaum 300 Meter entfernt waren und die italienisck>en Stel­lungen vollständig beherrschten. Der Rückzug der Italiener habe sich unter einem von allen Seilen erfolgten Gewehv- und Maschinengewehrfeuer vollzogen. Während der Feind ans verschiedenen Richtungen mächtig angegriffen habe, um das Heranziehen von Verstärkungen zu verhindern, hätten die Bulgaren gleichzeitig eine weiter westlich liegende Stel­lung angegriffen. Der Rückzug sei bis in die späte Nacht un­ter andauernden Kämpfen vollzogen worden.

Kaiser Wilhelm in Saybusch.

Lemberg, 21. September. (WTB.) Ter amtlichenGazeta Lwoivzka" wird aus Zywiec (Saybusch) gemeldet: Am Montag nachmittag ist der deutsche Kaiser mit Gefolge züm Besuch des Erzherzogs .Karl Stefan und Gemahlin hier eingettvffen^ Er blieb beinahe eine Stilndc in dem erzherzoglichen Schloß. Die 'Gemeinden Zablvcie, Jsep und Zywiec litten Flaggenschmuck angelegt. Die Schuljngend und ein zahlreiches Publikum be­grüßten den deutschen Kaiser bei der Vorbei fahrt mit begeisterten oimifert. In der vergangenen Woche weilte auf bent schlosse des Erzherzogs Carl Stefan der König von Bulgarien mit Ge­folge. Am 13. Sept. war der 'Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich zum Besuche des Erzl'erzvgs Carl Stefan in Saybusch. Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 21. Sept. (WTB.) Bericht des Haupt- auartiers vom 20. Sept. An der Front von Felahie besck> der Feind gestern von neuem unsere Stellungen mit sck)werer Artillerie, ohne irgendwelchen SckPaden anznrichten. An der persischen Front griffen gestern die Russen aus ver­schiedenen Richtungen mit schrmchen .Kräften Devletabad an. Gleich­zeitig ging russische Kavallerie nördlich von Bemedan zum An­griff über. Alle diese Angriffe wurden zurückgeschlagen.

An der kaukasischen Front tmternahm der Feind im Abschnitt von Oghiivt heftige Uebersälle, die er zweimal wieder- lwlte, die aber mit Verlusten für ihn abgeschlagen wirrden.

Kein Ereignis von Bedeutimg von den übrigen Fronten.

Frankreichs finanzielle Verhältnisse.

Paris, 21. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird eure .Verordnung bekannt gegeben, welche das Moratorium für! Zahlungen ans Wechseln, aus Handelskäufen und auS Vorschüssen 'auf Wertpapiere um iveitere drei Monate verlängert. Nach dein Journal des Tebats" ist dies das zwölfte derartige Moratorium seit Beginn des Krieges. Die Verlangen mg werde vont Finanz- ministerftlm recht eigenartig immer wieder mit der Steigerung des Wirtsckiaftslebens rmd damit begründet, daß durch das Mora­torium beftistete Wechsel in den letzten Monaden in befriedigenster Weise bei der Banane de France eingelöst Jxwtbttt seien. Daraus sollte man. )oie das Blatt bemerkt, eigerttlich auf die Aufhebung des Moratorium-' schließen. Tatsächiliäi seien aber, wie aus dem Bericht des Handelsministers hervorgeht, am 14. September noch für 1393 Millionen Francs befristeter Wechsel vorhanden gewesen.

Die neue russische Anleihe.

London, 21. Sept. (WTBi Die Blätter melden aus Petersburg, daß. die neue inländische Kriegsanleihe von. 300 Millionen Pfund Sterling Ende Oktober ausgegeben, werden wll. Es soll eine fünsprozentige Anleihe sein, in zehn Jahren rückzahlbar. Tie Anleihe soll zum Kurse von 95 aus­gegeben werden.

Die allgemeine Dienstpflicht in Australien.

Melbourne, 21. Sept. (WTB. Nichtcrnrtlich.) Mel­dung des Reuterschen Bureans. Das Repräseutmrteuhaus hat mit 47 gegen 12 Stimmen beschlossen, ein Referendum über die Einführung der allgemeinen Dienst­pflicht abzuhalten.

Neues dänisches Ausfuhrverbot.

Kopenhagen, 21. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Das Justizministerium hat ein Ausfuhrverbot für fol­gende Fische in geräuchertem, gedörrtem und gesalzenem Zustande erlassen : Aalmütter, Heilbutt, Kli eschen (Schollen- ^>art), Flrnrdern uird Dorsch, darunter Kabeljau. Das Verbot tritt am 23. September iu Kraft. Das Ministerium des In­nern ernamrte einen Ausschuß zur Regelung der Fischver­sorgung des Landes. Die Fischcrnsfu.hr wird zukünftig durch ine vom Laudwirtschaftsminiftevium dazu ermächtigten Fir­men geschehen.

Eine Rede dcS Grafen TiSza.

Budapest. 21. Sept. 'WTB. Nichtamtlich.) Im Abge­ordneten hau ie brachten Andrassy und Ap p o n y i einen Antrag wogen der Einberufung der Delegationen ein. Am L>ctstuß der Aussprache erklärte Graf Tis za: Nhan dürie nicht vergessen, daß die ö nenn cf* f ch-un garri che Armee feit mehr als zwei Jahren gegen eine riesige llebermacht heldenmütig und erfolgreich kämpfe. Seiner Ansicht nach sei es nicht richtig, einzelne Vorfälle und ein­zelne ungünstige ^Rvmente herauszugreifen und so das Bild der Armee zu entstellen, freuen SEinmrung im großen und ganzen durch­aus auf der Höhe sei. Er wimschtg. daß innerhalb der Monarchie und jenseits ihrer Grenzen der Krieg mit dem hervorhebenden Be­wußtsein abschließen möge, daß die RLonarchie in diesem Kampfe aui Tod und Leben nicht mcr in einzelnen Augenblicken, sondern mehr als zwei Jahre hierdurch nie geahnte Beweise von Lebens­fähigkeit, Kraft und' jugendlicher Energie gegeben habe. Der Mi­nisterpräsident ging sodann zum Kern der Aussprache des Antrages auf Einberufung der Delegationen über und sagte:

Bei Behandlung dieser Frage sind vielfach österreichische Fra­gen berührt worden. Ich gedenke jedoch diesem Beispiel nicht zu folgen, weil das ungarische Abgeordnetenhaus, das so eifersüchtig darüber wacht, daß nicnnand sich unbefugt in ungarische Verhält­nisse einmische, und welches gegenüber ungünstigen Erörterungen in Oesterreich mit Recht empfindlich ist ich tage, das un­garische Abgeordnetenhaus sollte ebenso mit größter Sorgfalt be- strssen sein, in diesem Punkte Zurückhaltung zu üben.

Schließlich erörterte der Mm ster Präsident eine Bemerkung des Grafen Michael Karo lyi über den Dreibund und sagte:

Mit Freuden nehme ich die Erklärung des Grafen Karelyi zur Kenntnis, daß auch er die Vollstreckung der bestehenden Verträge und Treue und Anhänglichkeit an sie für Wünschenswert erachtet. Es war sehr wichtig, daß Zier Herr Abgeordnete diese Erklärung abgab und dadurch die Tendenz eines Bemühens entkräftigte^ welches die Auffassung des Grafen Karolyi imd die seiner Partei als eine auf einen Vertragsbruch gerichtete Tendenz hinstclle^ wollte. Wenn jedoch der Herr Abgeorditete sagte, daß der Drei­bund ausgelöst sei, so kann ich das nur in streng formalistischem Sinne cmnehmen, insoferne, als durch das Ausscheiden Italiens der Dreibund selbstverständlich aufgehört hat, ein Dreibund zu sein. Der Herr Abgeordnete hat in arithmetisck>em Sinne recht. Was jedoch das Wesen der Sache anbelangt, so bildete das Bündnis zwischen dem Deutschen Reiche und der Monarchie das Rückgrat dieses politischen Gebildes. Der Anschluß Italiens erschien nur als erfreuliche Kräftevermehrung, aber das Wesen war das Bünd­nis zwischen dem Deutschen Reiche und der Monarchie. Dieses besteht unverändert fvrt. Ich muß auch der Be­hauptung des Herrn Abgeordneten widersprechen, daß unser Ver­hältnis zum Deutschen Reiche sich gewidert haben sollte. Wenn in diesem Kampfe kauf Leben und Tod, in dieser riesigen und ruhm­vollen Kraftprobe sich etwas zwischen uns geändert hat, so ist es nur das, daß das Vfündnis noch viel inniger ge­worden ist. Auch gewisse Sonderinteressen haben auf das Bündnis keinen Einfluß. Ich bin nicht berufen, den Gedanken des Deutsck>en Reiches zu vertreten. Aber ich bin überzeugt, daß jeder ernste Faktor des Deutschen Reiches es als eines seine­wichtigsten Interessen erachtet, daß unsere Monarchie in unge­schmälerter ßkvaft fortbcsteht. Und dies gewährt mir die Hoffnung und das sichere Bewußtsein, daß dieses Bündnis auch nach dem Kriege in unveränderter Kraft und sogar noch inniger fortbe- stehen wird.

Die sozialdemokratische Reichskonserenz.

Berlin, 22. Sept. Zu der gestern im Saale des Budget­ausschusses des Reichstages zusammengetretenen Sozialdemo­kratischen Reichskonferenz waren etwa 300 Delegierte erschienen. LautVorwärts" gedachte Ebert in seiner Eröff- nungsansprad-e der int Felde stehenden Parteigenossen und der Ge­fallenen.. Zur Ehrung für diese, zunr Danke für die Kämpfenden erhob sich die Versammlung'. Als Zweck der Konferenz erklärte Ebert, der Einheit der Partei zu dienen, ihre Aktwns- fteiheit zu sichern und dem Pactcischiff einen festen, graden Kurs für die Zukunft zu geben. Im Wärmen von über hurlderL Abgeord­neten und Delegierten gab Ledebour eine Erklärung ab. die die Zusanvmensetzung der Reichskonferenz kritisierte mrd aus­sprach, daß die Unterzeichner sich au der Konferenz nur beteiligen, um diese (Gelegenheit zur Aussprache nicht vorübergehen zu lassen. Eine ähnliche Erklärung, die überdies die Beteiligung an sachlichen Abstimmungen ablehnt, wurde für die Anhänger der Gruppe .^In­te rnational" cchgegcbeu.

Ms Referent über die Politik der Partei legte Scheide­mann dar, daß die mit sieben 9lchteln Mehrheit beschlossenst ZustiurmUng der Fraktion zum ersten Kriegskredit durchaus der Vvlksstimmung entsprach, die sich damals der von Rußland dwhetiden Gefahr voll bewußt war. Heute übersehe die Opposition, daß die Deutschland drohende Gefahr wahrlich nicht geringer «worden sei. Es bestehe kein Anzeichen dafür, daß eine Ab­lehnung der Kriegskredite durch die deutsche Sozialdemokratie einen gleichen Vorgang der so^iotlisrisck^en Parteien Englands und Frankreichs zur Folge haben tvürde. An dem Gerede von einer sozmldemokrarischär Regierungspolitik sei tricht mehr, als daß jetzt die soziialdernokratische Fraktion von der Regieru.7ig ebenso informiert werde, wie die anderen Parteien, so daß nur ein Ansnahinezustand beseitigt erscheine. Die mtematiaitülej^ Kongveßbeschlüsse, daß die sozialistischen Parteien auf die rascheste Beendigung eines aus- gebrochenen Krieges hinzuwrrken haben, gelten für alle sozialistischen Parteien. Unser Bemühen, danach zu handeln, begegnet aber immer wieder der schroffen Ablehnimg auf der anderen Sefte. Scheidemarm schloß mit der Zuversicht, daß die deutschen Arbeiter schließlich selbst fordern werden, daß die deutsche Sozialdemokratie einheitlich und mit ganzer Kraft sich den kommenden imüberseh­baren großen Aufgaben zmvende.

Nur dem Reiche.

Zum Wiedertieginn des Reichstags.

Berlin, 22. Sept. Der Wiederbeginn des Reichs­tages wirst seine Schatten voraus. In den nächsten Tagen werden vertrauliche Be sp re chu naen der leiten­den Persönlichkeiten mit den Fährern der p oli- tischen Parteien stattsinden. Die Reich stag s frakti o n der Fortschrittlichen Volkspartei hält ihre erste Sitzung nach den Parlamentsferien cun 28. September mittags ab. An demselben Tage werden die Führer des Zentrums zu einer Sitzung geladen. Zwei Tage vorher tagt iu Frauksurt der Reichsausschuß der Zentrmns'partei.

Haferfreigabe für Arbeitstühe und Ziegenböcke.

Berlin, 20. Sept. Das Kriegsernal-ruilgsamt gibt bekannt:

Im Nachgangc zu der bereits erfolgten Erhöhung der Hafer- rativneic für Einhufer und Zuchtlnülen sowie der Freigabe vow Hafer für Arbeitsochsen hat es sich nun auch noch ernröglickien lassen, entsprechend zahlreichen und aus allen Teilen des Reichs geäußerten .Wünschen auch für die zur Feldarbeit oerivendetcul stigenanuten Zuästkül-e auf die Tauer der Herbstfeldbestellung eine geringe Haferration zur Versütteruug fteizugeben. Nach den ge­troffenen Bestimmungen darf für die zur Feldarbeit verwendeten Kühe in der Zeit bis 30. November 1916 einschließlich mit CK'- nehmigung der zuständigen Behörden 1 Ztr. Hafer für die Kuh und den ganzen Zeitraum verfüttert werden. Dem einzelnen» Unternehmer darf nur für ein Gespann, das ist höchstens zwei Kühe, die Verfütterungsgenehmigung erteilt werden. Es ist zu erwarten, daß sich die Maßnahmen rächt rrnr im Interesse einer gesicherten Herbstfeldbestellung, der sie trt erster Linie dienen soll, sondern auch im Interesse der Erhalturrg .der Milchproduktionj während dieser Zeit segensreich erweisen und die Aufwendung der jur Durchführung erforderlichen Hafermengen wohl rechtfertigen wird.

Gleick>zeitig wurde auch ftir die Ziegenböcke, die wahrend der bevorstehenden Teckperivde zur Zucht Vianvendnng ftndeu, eine geringe HaservalMM zur Verfüttcrung in der Zeit bis 31. Dezember

1916 t i*:*rf*!icn'i-;': »re'.gegeben. Nach den gctroffeneil BesrüsmmMN darf an derartige Ziegenböcke mit Genehmigung frer zuständigen! Behörde für den ganzen Zeitraum 1 Ztr. Hafer verfüttert werden. Dre Maßnahme entspricht einem vielseitigen Wunsch, insbesondere aus den JnÄlstriebezirken, und rechtfertigt sich durch die Be­deutung, die der Ziegenzucht für die Mil-chversorgung beson1>crS der minderbemittelten Bevölkerung zukvmmt.

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Berlin, 21. Sept. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: der Entwurr einer Bekanntmachung über das Verfahren von außer­ordentlichen Kriegsgerichten, der Enftvurf eines Gesetzes betreffend den Landtag für Elsaß-Loth- r.i n g e n , der Entwurf eines Gesetzes über die Verlänge­rung der Legislaturperiode des Reic!)stages. eine Borlaae betreffend die Kontingentierung der ohne Steuerzuschlag herstellbaren Züudtvaremnengen für das Be­triebsjahr 1916/17, der Entwurf einer Bekanntmachung über den Fang von Krammetsvvgeln.

Hesfischee Landtag.

Zweite Kammer der Landstünde.

rb. Darmstadt, 21. September

Am Regierungs tische: Staatsminister Dr. v. Ewck.ld, Mc-- mster des Jimern v. Ho m b e r ä k, Finanzmimfter Tr. Becker, Staatsrat Hölzrnger, Miinsterralrat Dr. Schwarz,'. Geb. Oberschulrat Nvdnagel; Geh. Legationsrat Dr. Neidchart.

Pra,rdent Köhler eröffnet die Sitzung um 107* Uhr. Das Haus ist schwach besetzt.

Erster Gegenstand der Beratung ist der Antrag Calmaw-l »Wunzer, betr. Ergänzung der Verordnung vom 8. 9Lu«r. 1914. ul>er die Geschäftsaufsicht zur Abwendung des Kon­kursverfahrens. Der Antrag >^eht dahin, Grvßh. Regie­rung zu ersuchen, beim Bundes rat eine Ergänzung der erwähne ten Verordnung zu bewirken, mrd zwar iit dem ^inlie, daß unter bestimmten Voraussetzungen ein Zwangsvergleichsverfahreu möglich sein sollte. Die Notwendigkeit dieser Ergänzung wird mrt der langen Dauer des Krieges begründet. Die Großb Regrenmg hat seinerzeit ein zwingendes Bedürfnis hierzu ^ftcht anerkannt. Inzwischen hat aber die Reichsregierung seliger en.'eTr diesbezüglichen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt. Abg. E a s- m a n, der im August d. Js. hierzu noch einen Ergänzungs-^ antrag einbrachte, begründet diese Anträge und betont als Zweck derselben, durch den Köieg unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geratene Existenzen vor dem Konkurs zu retten. Es gelte also hier nicht nur eine ideelle, sondern auch eine bedeutende vvlkswcrb-, schaftliche Aufigobe zu erfüllen. Damit würden auch maneberler Schwierigkeiten im Geiwssensck)aftswesen beseitigt.

Ministerialrat Dr. Schwarz führt aus, die Reichsregiernrrg !>abc sich dem hier ansgesprockwnen Gedanken frermdlich gegenüber-- gestellt. Es l-abe infolge der Erfahrungen des Krieges seinen« Wrderspruch gegen die Zsvangsvergleichsvorlage ausgegeben und daher werde auch die Großh. Regierung die von den An trag stellernt vorgebrachten Wünsche bei Begutachtmrg der in Aussicht gestellten Vorlage möglichst berücksichtigen Im übrigen müsse abgetoartek werden, ivie weit das Reich den Kreis ziehen werde, für den der Zwangsvergleich lremessen werden solle.

^taatsminister Dr. v. Ewald bemerkt, bei Erledigrmg dieser Sache bestehe die hauptsächlichste Schnnerigkeit darin, auch die In teressen der Gläubiger in richtiger Weise zu wahren. Das sei wohl auch die Ursache, weshalb sich die Einbringung der Reichch)orlage bisher iwch verzögerte.

Abg. Dr. Osann (iliatl.) begründet den Ausschußantrag, der den Antrag Cälman Wün.zer der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wissen will, und weist aus die segensreiche Wirkung des Antrags hin. Auch in den Kreisen des ?ln ivalts stau des seien Schlvierigkeiten vorhcurden und er ersuche deshalb die Regierung, die.diesvezügliche Einlgabe der liessischen Anwaltskammer'>n Be rückftchtigung zu ziehen.

Staatsminister Dr. v. Ewald benierkt dem Vorredner, fraß zu denjenigen Zbategorien und Bernfeii, die nt der zu erwartenden Vorlage für die Unterstützung vorgesehen sind, auch die Anwälte gehören. 'Der Antrag des Ausschusses wird daraus vom Hause ein­stimmig angenommen.

Zur Beratung konrint danach die Regierungsvorlage, bctr die Gewährung von Bezügen an Beamte und ständig vernnmdele Bedienstete, die während des Kriegs ihrer aktiven Militärpflicht geimgen, mrd in Verbindung hiermit die Anfrage Tr. Schmitt mrd Genoffen, betr. Ge^haltsregelumt der infolge des Kriegs Mn Militär einberufenen Lehrer usw.

Ter Ausschuß, Berichterstatter Dr. Osann, beantragt Zu­stimmung zu der Regierungsvorlage.

Llbg. Wolf-Stadecken (Bbd.) wendet sich in längeren Ausführungen gegen die Vorlage und beantragt, die Regierung ivvlle beim Bmidesrat eine Abänderung des Reichsmilitorgesetzos dahingehend anregen, daß die ZibilbeKüge der Beamten gestrichen werden.

9lbg. Bach (Nall.) tritt für die Annalime der Vorlage ein irrtb weist nach, daß es sich in vielen Fällen um Verheiratet« handelt. Er bringt eine Anzahl Härten zur Sprache, die in dem Eiitwurf der Regierurrg iwch vorhanden seien, besonders für die Lehrer. Ter Redner stellt den Antrag, die Regierung zu ersuchen, bei den Lehrern die Mietsentschädigung nicht ahzuziehen. Gegen­über dem Abg. Wolf weist Redner daraiff hin, daß bei anderen Berufeii immerhin iioch die Möglichkeit vorhandm sei, ihr (Ge­schäft in einem gewissen Unffcrng weiter zu betreiben, während dies bei den Lehrern ausgeschlossen sei.

Abg. Tr. Schmitt (Zentr.) erklärt, daß er den Aus- führmigen des Vorredners beistimme. Es blieben in der Vorlage immer noch geivisse Ungleichheiten und Härten besteben.

Der Gesetzenttvurf soll die Regierung ernracksti.ien, Beamten und Bediensteten, die während des Krieges ihver aktiven Dienst­pflicht geiiügen, den Bezug ihres Diensteinkommens zu geivähren, für die Zeit, zu der im Frieden ihre aktive Dienstzeit beendet gewesen wäre. Dasselbe gilt für solche, die fveiwillig ins Heer eitigetreten sind. Schulamtsaspiranten, die ihre Schlußprüftmg be­standen haben, sollen 1100 Mark (ganz oder die Hälftei erhalten. Schulamtsaftnranten und andere, die den Vu rbereitungs-Dienst beeiideten. aber an der SchlußsTrüßmg verhindert »oaren, er­haltest 1000 Mark.

Fin-anzminister Dr. Becker geht auf die Ausführungen des Vorredners und die Art der Begründung seines Antrages näher ein. Ganz tmzrttreffend sei dessen Belauptmtg. daß zu viel Beamte nt den Bureaus säßetr. Bon der Militärbehörde werde jeder Be­amte da verwendet, wo er die besten Dienste leisten könne. Wenn angeblich aus Barmtenkreisen gegenwärttg die Sparguthaben ver­mehrt werden, so weist der Minister dagegen auf die grvßen Spar­gelder der Landrvirte hin, die während des Krieges ebenfalls an- gesammelt wordetr sind. Man könne durch solche Reden mir die allgemeine Verstümmmg vermehren, besonders anch unter den Be­amten, die ihre volle Pflicht tun. Bei den Offtzieren, die auch Be­amte sind, fallen bekanntlich and) die Doppelbezüge weg; es wer­den ihnen 70 o/o abgezogen. Wenn man der Anregimg des Abg. Woli folgeti wollte, beim Bfundesvat die BcseLttgung der Zivil­bezüge von Boaniten zu beantragen, so würde man sich damtt nur blamieren. Die Regierung lvird diesen Vorschlag jedenfalls nicht berücksichtigetr und Redner beztveisett auch, daß er hier im Hause Beifall fruben wird. Die Regierung beabsichttge mit ihrer Vorlage, eine llngleichlxnt zu beseittgen. die sich bei der langen Andauer des Krieges rächt länger anfteckü erbalten lasse: däbei seien jedoch zwei Einsd-ränkungen gemadit ivorden, für die ledigen Beamten und die Forderung einer abgeleisteten zrveijäk-rigen Zivildienstzeit. Es gebe gewiß auch Grenzsälle, lvie sie von derr Abgg. B a ch und Dr. Schmitt angeführt wirrden, aber für diese Fülle habe sid) die Regierung die Möglichkeit vorbel-alten, dnrd) Gewährung von Beihilfen eine Milderung der Härten herbeizuführen.

Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) hält seinen vorhin gekennzeich- Eten Standpuntt aufrecht mtd wendet sich im einzEden gegen die Ausführungen des FntarrzmiMsters,