Ausgabe 
9.9.1916 Erstes Blatt
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Uche WlonraL-RrgierLMFim seien angewiesen, sofiott alle verfügbares Ersatzttuppen gu fettbet* und die Rekrutenwerbung mit allen Mitteln -u fördern. In verschiedenen Blättern fyei&t es, daß die englische Regierung in den Munitionsfabriken 20000 Knaben im Älter von 14 Jahren beschäftige.

Die italienischen OffizierSverlufte.

Wien, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- pressequarrier wird gemeldet: Nach einer privaten Aufstellung haben die Italiener im Zeiträume vom 15. bis zum 31. August 1916 folgende Offiziersverluste erlitten: 2 Generale, acht Oberste und Oberstleutnante, 7 Majore, 40 Hauptleute, 33 Ober­leutnants und 157 Lnttnants.

Die Aartoffelernte Italiens.

Bern, 8. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Secolo" stellt in seinem heutigen Leitartikel über die Ausfuhr fest, daß die diesjährige Kartoffelernte Italiens nach vorsich­tigen Schätzungen 25 Prozent unter einer nor­malen ausfallen werde.

Eine ruffische Anleihe in Japan.

,Kopenhagen, 8. Sept. (WTB. Nichtamtlich) Zwischen Rußland und Japan ist ein Abkommen getroffen worden, be­treffend die Aufnahme einer sechsprozentischeu russischen .Artleihe von 70 Millionen Den in Japan.

In naher Zukunft wird in Petersburg eine große Konferenz, zur Erörterimg der Frage der Versorgung des Landes mit Lebens­mitteln abgehalten, an der die Adelsmarschälle, 15 Gouverneurs und die Semstwopräsidenten teilnehmen werden.

Eine japanische Militärmissiou in England.

Stockholms. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) NyaDag- ligt Alleharrda zufolge ist Freitag morgen eine japanische Militärmission auf der Durchreise nach England in Stockholm eingetroffen. Die Mission besteht aus General Tuknda Mcrsataro und den Offizieren Jota Keumischi und Bmnamvt Eufuke. Einem Mitarbeiter des genormten Blattes gegenüber äußerten die Mitglieder der Mission, daß der Zweck ihrer Reise unter anderem sei, sich über die mili­tärische und politische Lage in Europa zu unterrichten. Der Besuch an der russischen Frsnt sei schon erfolgt, nun solle auch die Westfront besichtigt werden.

Die Pest in Hnkl.

Berlin, 8. Sept. DerBerliner Lokal anzeig-er" meldet: Aus Hwll und Kopenhagen eingttroffene Seeleute berich­ten, daß das Auftreten der Pe st in Hu l l unter der BevMerung einen panikartigen Schrecken verursachte. Auf alle einlausenden Schiffe wetten die verschärften Hald-QuarantänebestmVM rügen an- gewendct. Das Geftrndhettsantt in bem durch die großen' englischen Arsenal-Werkstätten bcbrnnten Woollvich sagt laut einer Mel­dung des ,Lokalanzeigers^' aus Rotterdam, daß der Krieg die Gesundheit der Bevölkerung ungünstig beeinflußt. Die Bevöl- kerwigsNsrahme war seit 1891 niemals so niedrig wie letzt. Das Geftmbhcrtsmret erklärt die Lage als sehr ernst.

Ern schwedisch-englisches Abkomme«.

Stockfy*> l m, 8. Sept. (WTB.) Meldung des Schwedischen Telegrsrn-Brhan.' Zwischen der schwedischen und der eng­lischen Regierung ist eine Verständigung erzielt wor­den, auf Grund deren die englische Regierung sich verpflichtet, gegen gewisse Zugeständnisse von schwedischer Seite die Einfuhr von höchstens 150 000 Tonnen i s l ä n d i s ch e r Heringe nach Schweden für Rechnung der Leben smittelkommissron nicht ya ver­hindern. Im Übrigen bemüht sich die englische Regierung, we­nigstens 150 000 Tonnen norwegische Heringe für die (Anfuhr nach Schweden zur Verfügung zu halten.

Stockholm, 6. Sept. sWTB.'i Die Regierung hat die Aüsftchr von S ch u h^-e u g allerlei Art verboten, die bisher nicht verboten war, ferner die Ausfuhr von getrockneten Häuten itnb ClevtlerseQen.

Eine Rede des Bizekönigs von Indien.

London, 8. Sept. (WTB. Nichüanttl.) Meldung des Reuter- schen Bursaus. Der Bizekönig von Indien. Lord Chaimsford, erklärte bei der Eröffnung des Gesetzgebenden Rats von Indien^ die Beziehungen der indischen Regiernng zum Emir von Afghani­stan seien sehr freundschaftlich und die zu Persien seien niemals besser gewesen. Unter den Stämmen an der Nvrdwestküste herrsch veit den Feblschlägen der religiösen Verläurndungskämpse des Feindes vollständige Ruhe. In Indien selbst seien, die Truppen jetzt ebenso,loyal, wie im .Jahre 1914. Der Vizekönig kam sodann aus den Krieg zu sprechen !und sagte, daß Indien große Streitkräfte für den Kriegsschauplatz in Frankreich geliefert und unterhalten! habe, und daß es auch Truppen nach Ostafrika, Aegypten, Meso­potamien, Museal und Aden geschickt habe. Indien habe außerdem fauch Truppen an den Grenzen zu unterhalten und dort gewisse :nichtige Operationen durchzuführen. Die indische Armee sei für das Reich von großer -Bedeutung gewesen. Die Rekrutierung habe vorzügliche Resultate ergeben. Die Zahl der seit Beginn des ^Krieges angemusterten Soldaten habe die Gesamtstärke der indi­schen Arm« wie sie am 1. August 1914 war, übertroffen. Auch st>er Ausbau des militärischen Transportwesens habe zu sehr guten Ergebnissen geführt. Es seien 16 neue Cadres gebildet worden. Die neugeschaffene indische Marine habe ausgezeichnete Arbeit ver­richtet. 171 Schiffe seien für Transpvrtzwecke gechartert und aus- aerüftet worden und 78 Darnpfer und zahlreiche kleinere Schiffe seien für Mesopotamien angekauft worden. Indien könne auf seine loyale Untersuchung in der Mt stolz sein. Der Vizekönig schloß: Wir müssen fortfahren, uns gegen Schlappen, Enttäuschungen und .Verzögerungen, die in einem so ausgedehnten Kriege unvermeid­lich sind, mit Vertrauen zu wappnen und müssen uns auf die Ge- nechtigkmt unserer Sache verlassen, vertrauend, daß die schmerz­lichen Opfer, die von uns allen gefordert werden, nicht umsonst ^gebracht werden, und daß schließlich der Militarismus und seine jUebergriffe unterdrückt werden und unter den Völkern der Erde wiederum ein festbegründeter Friede herrschen muß.

Argentinien und die deutschen HandelStauchboote.

Bern. 8.Sept. (WTB.) DerTcmps" meldet aus Buenos Arres: Die argentinische Regierung ant­wortete auf eine Note der Alliierten, in der verlangt wird, daß dre deutschen H an d els t a uch b o o te als Kriegs- tchnfe zu behandeln seien, sie werde die Frage in Erwägung ziehen, behalte sich aber ihren Entscheid ftir den eintretenden Fall vor.

Der seekrleg.

London, 8. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds teilt mit, daß der britische DampferTagus" per- senkt wurde.

ZW bm Reich«.

Neue Bundesratsverordnungen.

Berlin, 8. Sept. Eine Verordnung des Bnndesrai vom 7. September zentralisiert die Einfuhr von Wal nässen unb Haselnüssen cmH dem Auslände (eit schließlich des besetzten Gebietes) beim .Kriegsausschuß fr pflanzliche und tierische Oele und Fette G. m. b. H., an de ffunftig alle importierte Ware zu liefern ist. Der Reich kanzler kann Ausnahmen gestatten und Vorschriften mt bte Durchfuhr erlassen; er kann den Geltungsbereich b< ,üertrcoxuinQ cmd) auf andere zur Oelgewinnung geeignet Muckste ausdehnen. Zweck der Einfuhrz.entralisation i St^berung der Zufuhr, Begrenzung der Preise und plar nuitzige restlose Verwertung der zu beschaffenden Vorrat mengen zur Herstellung von Oel.

Durch eine BundesrcrtsverordNung vvm 7. September wird die Pflicht zur Ablieferung aus dem Auslande ein­geführter Fette an den Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette G. m. b. H. (8 1 der Verordnung vom 4. März 1916) auf Speck von Fischen und See- säugetieren sowie Abfälle von diesen Tieren aus­gedehnt.

Attr Stadt und Land.

Gießen, 9. September 1916.

Somrtagsge-anken.

.Die Fahnen durften wieder wehen in unserer Stadt. Schöner noch, als wir vor einer Woche zu hoffen wagten, werden unsere Blicke nach den Augusttagen im Kriegsansang zurückgewandt. Der Kriegserklärung Bulgariens an den treu­losen Nachbar ist der siegreiche Sturm auf seine Festung, nahe der Grenze, auf dem Fuß gefolgt. Lüttich freilich bleibt einzig, unvergleichlich. Damals waren es sechs Friedens­brigaden, die das Tor ins Feindesland sprengten, jetzt sind es zwei voll ausgerüstete Kriegsheere, die den Weg nach der Donau sich ertrotzten. Damals ging es unvermittelt aus tiefstem Frieden in den furchtbarsten Krieg hinein, jetzt er­leben wir nur einen neuen Mt im wilden Schauspiel. Dennoch werden wir L ü t t i ch und T u t r a k a n in Zukunft zusammen nennen. Wie wir von dem einen nach Brüssel, so schauen wir von dem cnrdern nach Bukarest hinüber: die feindliche Hauptstadt ist wieder, am Ende der ersten Kriegs­woche, schwer bedroht, mag nun der Wille der Heeresleitung unmittelbar zum Angriff schreiten oder nicht. Schon haben unsere Luftschiffe der erschrecktet! Einwohnerschaft ihren krachend-zündenden Gruß entboten. Stürmt weiter, ihr Tap­feren in Süd-Ost; unsere Gedanken und Herzen folgen, sorgend und hoffend, euren Spuren.

Wir haben ein innerlich-sittliches Recht zu zornig-froher Hoffnung. Rumäniens Staatsmänner und schließlich was wir einfältige Deutsche nicht für -möglich hielten auch Rumäniens König aus deutschem Fürstenhause haben eine verlogene Staatskunst gegen uns ausgespielt. Wir kennen das; nun seit zwei Jahren haben wir alle diese Giftmischer der Welt gegen uns im Bunde gesehen. Aber davor so wahr wir einen Gott im Himmel glauben fürchten wir uns nicht:

^ Weh!

O weh der Lüge! Sie befreiet nicht.

Wie jedes andre wahrgesprochne Wort,

Die Brust; sie macht uns nicht getrost, sie ängstet Den, der sie heimlich schmiedet, und sie kehrt,

Em losgedrückter Pfeil, von einem Gotte Gewendet und versagend, sich zurück Und trifft den Schützen.

Fust scheut man sich freilich, dieser Worte aus einer der zartesten Dichtungen deutscher Zunge in biefeu Tagen zu ge­denken. Ueber Iphigeniens reiner Seele huscht die Lüge nur wre ein fremder Schatten flüchtig hin. In ihrem eigenen Innern hat sie mit ihr nichts zu schaffen. Aber uns stärkt, was ihr nur wie leiseste Sorge naht. Die Lüge rettet nimmer­mehr Sre ist eine Offenbarung der Schwäche, der Angst, der Feigheit. Sie muß der Wahrheit weichen; früher oder später.

al l eitt kann sich der Welt.zeigen, wie er ist. Auch RuhMw lll. redet nur heimlich zu sich selbst von seinem Willen zur Bosheit. Aber die Sonne leuchtet noch immer in diese modrigen Schlupfwinkel hinein. Und jedermann sieht das chmutzi^ Gewürm, das sich da im Schlamme wälzt und wrndet. Man wird es zertreten mit ehrlichem Fußtritt, selbst wenn die Schlange einen in die Fersen stechen wollte. Mag E unter uns noch immer etliche geben, bei denen die Künste «iner verschlagenen Diplomatie unverdient frxf) im Preise stehen wir verlangen danach nicht. Die Ehrlichen werden freilich immer die Betrogenen sein. Aber die Be­trüger werden sich selbst entlarven, und eine kräftige Faust ^den strecken. Siegreich und stark übt sie dann das Werk einer ewigen sittlichen Weltordnung. Wohl dem Volk, dessen Staatsmänner den Willen zur Wahrheit auch im schwersten politischen Handeln als entscheidenden Posten in ihre Rechnung setzten. Es wird das Mcht haben, in welt­geschichtlicher Stunde den zornigen Schwur zu tun: UntergangderLügenbrut!"

Eck.

^ *

'©JMuuijiuirt,

. Aus dem Stadttheaterbursau wird uns mitgeteilt: Bekanntli wird auch im dritten Kriegswinter der Betrieb des Stadttheate unter LettniV von Direktor Sjteingvetter aufrecht erhalt werden und zahlreiche Anfragen beweisen, daß damit einem mir lrchen Bedürfnis entsprochen lvird.

Die Spielzeit beginnt am Dienstag, den 10. Oktober, u Wert ist LessingsNathan der Weise" als Eröffnüügsvr tellung vorgesehen; yii Schillers Geburtstag wirdYNaria Stuar gegeben werden und von weiteren klassischen Werken sindJphic nre", ^Domia Diana" undWas ihr wollt'" in Aussicht genommc Alle beachtenswerten. Neuheiten werden daraufhin geprü ob sie für unsere Bühne sich eignen, und es wurden vorläufig c worbenDas Alter", eine Kleinstadtkomödie von Paul Quens Wo die Schtvalben nisten", ein vvlksstückattiges Schauspiel v, Kästner und Lorenz,Perlen", Komödie von Lothar Schmidt, , T rebente Tag", Rokokolustspiel von Schanzer und Kalisch,Fami Schnneck", Schwank von Gustav Kndelburg, sowieUnter der bl henden Lrnde", ein reizendes Singspiel von Desmar und Kastm mit Musik von Friedrich Gellett. Ueber andere Neuheiten schweb iwd) Unterhandlungen: Sudermamrs nerres SchauspielReginc Der Salamander", Lustspiel von Presber und Stein, und D reiche Frau" zählen zu diesen Stücken.

Auch ältere Werke sotten in guten Neueinstudierungen c gfben werdni, und es feien hier genannt: IbsensStützen b Gesellschaft", Fulda'sJugendfreunde", Dreyer'sGroßmamc Sudermann'sStein unter Steinen", Hauptmaim'sColle Cramptvn" und Anzengruber'sMarrer von Kirchfeld"

Auf dre Zusammenstellung des Personals ist gro Sorgfatt verwendet worden. Von älteren Mitglieder werden gewiß die Herren G,vll, Hellmuth, Theiling u e J? ? t ., t J a V, welch letzterer überdies im kommenden Winter se 50;ähriges Künstlerjubiläum begeht, gern wieder l grüßt werden.

In den Herren Max Wessolowski vom'Stadttheal Aachen, Erich Winkel vom SchauspiettZaus Hamburg und Kc Sternmeyer vom Schauspielhaus Stuttgatt sind die denkb besten Ersatzkräfte für die Fächer des Charatterspielers, jugeu lichen Helden und jugendlichen Komikers gewonnen worden.

Das Fach der Salondamen wird durch Fräulein Mart Gersdorsf vom Trianon-Theater in Berlin, das der Heroin (das vergangenen W^inter nicht besetzt war) durch Fräulein A Mdhr aus Leipzig vertreten wer'den. In Fräulein Kallmc vom Neuen Theater in Frankfutt ist eine talentierte Naive u m Fräulein Fifi Bort vom Sckiuhmanntheater eine fesche Posse -oub rette gewonnen worden; der letzteren wird als Lustspielsvubre ekundieven Fräulein Hermine Wossidlo vom Hcmouer Stai theater. Frau Elly R«schig-Dvrnhöfer von der Schia ;urg in Hannover als Anstandsdame und Fräulein Louise Del oa vom Wiesbadener Residenztheater, für komische Mütter vr vollständigen das Damenpersonal. Da die meisten der n^- Mitglieder bereits in Bad-Nauheiw gastiert oder sich dort gespielt haben, kann die Leitung unserer BMne Mit m - ' ber kommenden Spielzeit entWaicnsehen..

SE für notwendige neue Ausstattüttg' hat vre tion trotz der SchnnerigLett der Materialbeschaffirng Sorge gettagen, und so ist z. B. fick das neue SingspielUnter der blühendes Linde" e-me sttmrnurrgsvolle neue Dekoration, darstttlend eine ty­pische Rhenrgegend, ermöglicht worden.

Nach allen Anzeichen wird auch im dritten Kriegswinter das Süadtthttlter sich wieder als der Ort erweisen, <m bem ein großer Teil der Einwohnerschaft Erhebung, Anregung und Zerftremmg sucht, und es sei hier der Wunsch ausgesprochen, daß das erfreu-- lich rege Interesse sich in starker Beteiligung am Abonne­ment ausdrücken möge.

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** Amtliche Personalnach richten. Der Großherzog hat am 6. September 1916 dem Pfarrer Wilhelm Doll zu Hitz- kirchen die evangelische Psarrftelle zu Mühlheim a. M. und dem Pfarrer Ludwig H e u ß e l zu, Monsheim die evangelische Pfarrstelle zu Rumpenheim übertragen. Der Grvßherzog har mit Ent­schließung vom 26. August 1916 der Berufskrankenpslegerin der Schwesternschaft des Alice-Frauenvercins (ZweigVereins) Mailtz, Schwester Tl>ekts Eberhardt zu Mainz das Silberne Dierrst- auszeichnungskreuz für Krankenpflege verliehen.

** Beförderung. Der Gefreite d. L. Heinrich L o o 5 im Landw.-Jnfanterie-Negiment 116, 11. Komp., wurde zum Unter­offizier befördert.

' ** Gießener Freilichtbühne. Bei dem cmsnahms-

weise schönen Sonnenwetter wird heute abend GrillparzersDes Meeres und der Liebe Wellen" (Hero und Leander sicher in Szene gehen. Der Mrfang ist pünttlich 6Vs Uhr. Mit einem guten Besuche der Aussührmig wird bestimmt zu rechnen sein, zumal da die Freilichtbühne eine völlig neue Ausstattung erfahren hat. Der Reipfertrag wird, wie der der ganzen Spielzeit, der Stadt Gießen für kriegswvhltättge Zwecke überwiesen.

** Aepfel, Zwetschen und Birnen. Die Ber- sorgungsregelung mit Aepfeln, Birnen und Zwetschen ist im Großherzogtum der Land es obststelle in Darmstadt übertra­gen. Hierdurch wird der freie Handel mit diesen drei Obst­sorten im Großherzogttrm aufgehoben. Der direkte Ankauf der Verbraucher beim Erzeuger ist nur gegen Bezugsscheine gestattet. Der Verkauf auf 'den: Wochenmarkt und in den Läden kann vorerst ohne Bezugsschein erfolgen. Bezugs­scheine sind auf dem Lebensmittelamt, Ost-Anlage 39, Zim­mer 1, zu erhalten, ^iehe Bekanntmachung.

** Um das Besohlen von Schuhwerk für die minderbemittelte Zivilbevölkerung zu verbilligen, hatte das Kriegsministerium Sohlleder (Bodenleder) zur 5Mfte des Höchstpreises den Bundesstaaten zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung des Bezugsscheins hierzu erfolgt in Hessen durch die Großh. Bürgermeistereien (Ortspolizei­behörden) des Wohnorts. Nach erfolgter Ausstellung hat sich der Nachsuchende zu seinem Schuhmacher zu begeben, der das weiter Erforderliche veranlaßt. Bon dem auf das Groß­herzogtum entfallenden Bodenleder ist ein größerer Leder­vorrat zurzeit verfügbar. Es wäre daher sehr wünschens­wert, wenn die Möglichkeit dieser guten und sehr billigen Lederbeschafftrna mehr als bisher in den Kreisen der minder­bemittelten Bevölkeruna bekannt würde, um diese vor Ein- ttitt naßkalter Witterung mit schützerrdem Schuhwerk ver­sehen zu können.

** End kämpfe im Wehrturnen Am nächsten 'Sonn­tag, 10. Sept., vorm. 9 Uhr. beginnen ans dem Spielplatz des Frankfurter Turnvereins, Sandhoser Wiesen (Haltestelle der Straßenbahn, Frauenhvfschrlle), die Endkänrpse im Wehrturnen für die Jungmannschaften im Bereich der 21. mrd 25. Division, zu denen Vertreter der höchsten militärischen und staatlichen Be­hörden ans dem Beyirk des 18. Armeekorps ihren Besuch za­ges agt haben. Zur Teilnahme an den Wettkämpfen sind die Sieger der am vergangenen Sonntag innerhalb des Regierungsbezirks Wiesbaden mit den Kreisen Hanau, Fulda usw. und des Groß- Herzogtums Hchsen abgehaltenen engeren AusscheidunFskänrpfe berechttgt. Gleichzeitig finden am Sonntag, vorm. 9Vr llhr be-- ginnend, die letzten Ausscheidungskämpse im Barlauj und Schlag­ball statt, sowie um 11 Uhr das Entfernungsschätzen der je 25 besten Schätzer <ms dem Bereich der 21. imd 25. Division. Nach­mittags 3 Uhr finden die Eilbolenlänfe statt; hieran reiht sich eine Schauvorsührimg der Wettkampftibungen, an welcher alle Sieger der Endkämpfe, wie auch der voraus gegangenen weiteren ratfr engeren Aus scheidungskämpfe, teil nehmen können. Der Schluß- kämpf im Fußball gelcncgt etwa 3 3 A Uhr zum Anstrag. Die Sieger- v«kündigung ist in besonders feierlicher Weist uw 5 Uhr vorgesehen. Das Kriegsministerimn hat eine Anzahl Denkmünzen urrd Ehren­urkunden mit entsprechender Widmung für die Sieger gestiftet. Ter Zutritt zu dem Spielplatz ist für jedermann frei.

*Der einarmige Pfarre x". Unter diesem Titel ging vor kurzem ein Artikel durch einen Teil der Presst, wonachin der preußischen Kirchenverwaltung eine ^Neigung zu bestehen scheint, solche Theologiestndenten, die im Kriege schwer verletzt wurden, später nicht mrzustellen. Die Bedenken gründen sich darauf, daß ein schwerverletzter Pfarrer, z. B. einer, der einen Arm oder ein Bein verloren hat, Anstoß erregen könnte." Es wurde dazu kri- tisch Stellung genommen, der sich auch das Protestantenblatt in einer seiner letzten Nummern anschloß. Um so mehr verdient eine Mitteilung des Präsidenten des Konsistoriums der Provinz Bran­denburg Steinhaufen Beachttmg, die bcstgt:Das Märkische Konsistorium hat einen Pfarvamtskandidoten, der als Leut­nant d. R. so schwer verwundet wurde, daß ihm ein Bein abge­nommen werden mußte, ordinieren lassen und in einenr Pfarramt angestellt und gedenkt, in ähnlichen Fällen das gleiche zu nun." Man wird dem Konsistorium und seinem Präsi­denten für diesen Entschluß gewiß in der Oeffemtlichikeit Dank wissen.

"" Bierlose Wochen? Verschiedene Blätter bringen die angeblich ans Brauerkreisen stammende Nachricht, daß man an­gesichts der Unmöglichkeit, genügend Malz vor der nellen Ernte zur rechten Zeit zu beschaffen, diesen Herbst bezw. Winter auf einige fünf bis acht bierlose Wochen sich gefaßt machen muffe. Auch die größten Vorräte würden bis dahin erschöpft sein. Wahrscheinlich ist, daß dann ein großer Teil der Wirtschaften seine Räume überhaupt schließt.

** Zeiß Wand erschau gDt rm Kolloseum (Eaf6 Leib) heute Samstag, 9. Sept., 8V< Uhr, ihre Eröffnrmgsvorstellung., MHrgen Sonntag, den 10. September finden zwei große Vor­stellungen, 4 Uhr nachmittags und S 1 / i Uhr abends, statt. Siehe Anzeige.

** I m Lichtspielhaus, Bahnhosstraße 34, bringt der neue Spielplan den Theaterkunstfilm Hoffmanns Erzähl­ungen in einem Vorspiel und 3 Akten. Die Hauptrolle hat Erich Kaiser-Tietz als Hoffmann, die Regie Richard Oswald. Die Vorführung von HoffmannS Erzählungen erfolgt werktags um 5, 1*8 und X10 Uhr. Programm-Anfang V» 9 Uhr. Außerdem wird noch als interesianteS Stadtbild Jerusalem gezeigt und ein dreiaktiges Drama »Vergeltllng* gespielt.

** I n der städtischen Verkaufsstelle, Asterweg 25, erfolgt der Verkauf von Lebensmitteln nur noch gegen Vorzeigung der Brotausweiskarte.

** Lederdiebstähle auf der Eisenbahn. Die Ent­wendung von Fensterzugriemen auS den Abteilen der Eisenbahn- Personenwagen hat in der letzten Zeit so erheblich zugcnommen, daß daS Eisenbahnpersonal angewiesen wurde, diesem Mißstande seine ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Schuldigen haben strengste Bestrafimg zu gewärtigen.

Landkreis Gießen.

B. Große n-Buseck, 9. Sept. Karl Rühl, Sohn des Bäckermeisters Daniel Rühl von hier, welcher als Einjährig- Freiwilliger bei Beginn des Krieges mit einem bayerisclien Negi- mente ausrückte, wurde vor längerer Zeit das bayerische Verdienst- kreuz mit Schmettern verliehen. Er wurde vor kurzem zum Lcntt- wmt befördert und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Gefteitzer^ Wilh. Tambmaun von hier, welcl>er als aktiver Soldat mit dem Garde-Trag.-Regt. 23 bei Begürn des Krieges ausrückte, erhielt vor längeres Zeit die hessische DapßerkeitSmedaille und