Ausgabe 
7.9.1916 Erstes Blatt
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uer ttampj gegen Humftnten.

' Köln, 6 . Sept. (WTB. ^Nichtamtlich. MTer Korrespon­dent der ,Kölnischen Zeitung" meldet aus ^ofia: Der bul­garische Ministerpräsident Nadoslawow erklärte mir heute, wie das schnelle erfolgreiche Vorgehen der Bulgaren in der Dobrudscha beweise, sei Bulgarien militärisch stark -und ein vorzüglicher Geist herrsche in Heer und Volk. Die Stunde sei gekommen, da Rumänien an Bulgarien alte Rechnungen bezahlen werde. Das viertägige Zögern der Regierung mit der Kriegserklärung an Rumänien sei bedingt gewesen durch notwendige st ra­te g isck e M a tz n a h m e n , welche Rumänien und dessen Verbündeten in dieser Zeit geschickt verschleiert werden konn­ten. Der Ministerpräsident wies auf die Lage hin, die in­zwischen die Säuberung des größten Teiles der Neu-Do- brudscha ergeben habe. Zur griechischen Frage erklärte er, daß die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen weiter gepflogen würden. Es sei ruhig abzuwarten, ob und^vas in Griechenland vorgehe. Jedenfalls sei vorläufig nichts Stören­des zu befürchten. Der Ministerpräsident hielt den jetzigen Kriegsabschnitt für den letzten, der den entscheidenden Eich­sieg für den Vierbund bringen werde.

Nach hier amtlich bestätigten Nachrichten lassen die ru­mänischen Behörden beim Verlassen der Neu-Dobrudscha alle Dörfer in Brand stecken und die bulgarische Bevölkerung schrecklich mißhmcheln. In Balbunar kamen mehr als 3000 flüchtende Landbewohner an. Das Vordringen der bulgari­schen Soldaten wird hierdurch noch mehr angefeuert.

Sofia, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Me Militär­kritiker heben die große Bedeutung der Erfolge hervor, welche die verbündeten Truppen in der Dobrudscha er­hielt haben, durch die der Krieg von den bulgarischenGrenzen 'ferngehakten werde.Voe:rni Jsvostia" führt aus: Der Erfolg ist um so werlvoller, als er das Ergebnis ernster an­dauernder Kämpfe südlich von Kurtbuner ist, Jpobei einige feindliche Truppenteile geschlagen, andere sogar vernichtet worden sind. Truppen des Vierbundes haben bereits zwei rumänische Verteidigungslinien überschritten, von denen die eine nahe der bulgarischen Grenze, die zweite durch die fRzurfbe, wo die ernstesten Kampfe stattgefnnden haben, ver­läuft. Die Ueberschreitnng dieser Verteidigunaslinien be- : deutzrt einen großen Sieg, weil die Rumänen nicht über viele derartige Stellungen verfügen dürften.Preporetz"- ffölge wurden zwei rumänische Bataillone, welche die Awhut der zur Verstärkung nach Dob r its ch gesandten Kolonne bildeten, südöstlich von Kurtounar vonbülgari scher Reiterei überrascht. Mehr als 600 Mann wurden getötet, über 1000, darunter 10 Offiziere, gefangen genommen.

Der rumänische Bericht.

Bukarest, 4. Sept. Nord- und Nordwestfront. Es fanden kleine Zusammenstöße an der gesamten Front statt. Wir schlugen izrvei feindliche Angriffe bei Marisor im Sir ein täte ab und er­beuteten in Sapsi Szent Gorgi über 500 Wagen mit verschiedenem Lebenscairteli: und Futter, sowie ein vollkommen ausgerüstetes Lazarett. Im oberen Teile des Marostales benutzten die feind­lichen Truppen Dum-Dum-Geschoffe. Wir nahmen 7 Offiziere und 620 Mann gefangen. An der Südfront griffen überlegene ierndliche Kräfte den ^B^ückenkops von Tut^akan an. Sie un­ternahmen zehn Stürme, die sämtlich abgeschlagen wurden.

Die Beschießung von Bukarest.

B er l i n, 6. Sept. (Priv.-Tel/ DerBerliner Lokalanzeiger" meldet ans dem Sofioter BlattDncvnik" über die Bombardier rung der rumänischen Hauptstadt, daß das Bombar dement den größten Erfolg erzielt habe. Die Panik unter der Be­völkerung wachse ungeheuer.

Der deutsche Gesandte in Numänren.

Berlin, 6. Sept. Nach einem hier am Montag einge- gangenen Telegramm soll der deutsche Gesandte in Rumänien mit dem Gesandtschaftspersonal über Rußland nach Schweden abgereist sein.

Deutsche Seeffugzeuge in der Dobrudscha.

Berlin, 6. Sept. (WTB. Amtlich.) Deutsche See- s-lug zeuge haben am 4. September im Zusammenarbeiten mit bulgarischen Land- und Seestreitkräften rumänische Batterien und befestigte Infanterie-Stellungen in der Dobrudscha, sowie den Bahnhof und Oelbehälter der Stabt Constanze erfolgreich mit Bomben belegt.

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Sns Griechenland.

Davis, 5. Sept. (WTB.) DerTemps" meldet aus Athen: Nachdem die griechische Regierung die englisch-französische Note angenommen hat, werden die Gesandtem Frankreichs und Eng­lands dem Ministerpräsidenten diejenigen sreiüderl Agenten, die ausgewiesen werden sollen, ihre griechischen Helfer und feindliche Organisationen, gegen die Vollwachten verlangt werden, namhaft machen. Nur die griechischen Behörden werden die Verhaftungen vornelnnen dürfen. .Keinerlei .Kundaehungen oder Versammlungen werden bei Androhung sofortiger Verhaftung geduldet.

Neutralitätserklärungen Hollands, der Schweiz und Spaniens.

Berlin, 7. Sept. lWDB. Nichtanrll.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Ter königlich niederländische Gesandte und der schweizerische Gesandte haben in Berlin im Aufträge ihrer Regierungen die Erklärung st r i k t e r Neutralität gegenüber ben kriegführenden Staaten erneut bestätigt Nach einer Madrider Mellnung hat die spanische Regierung ihre. Neutralitätserklärung veröffentlicht.

Ein Besuch des türkischen Ministers des Aeußern in Berlin.

Konstantinopel, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Minister des Aeußern Halil Bei reiste heute abend zum Besuch der leitenden deutschen Staatsmänner nach Berlin ab.

England und Schweden. 1

Kopenhagen, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Natio­nal Trdende" meldet aus Malmö: Es scheint,, als ob Eng)- land plötzlich Schweden gegenüber eine freundlichere Haltung annimmt. Die Beschlagnahmungen von Damp­fern haben sich in letzter Zeit vermindert. Ferner wurde eine Anzahl Schiffe freigegeben. Heute traf hier ein großer Damp­fer der Johnson-Linie mit einer Ladung Häute, Gerbartikeln und Mais ein.

Die Wirkung der Luftschiff«« griffe auf England.

Köln, 6. Sept. (WTB. Nichtairrtlich ) Ans Rotter­dam wird der.Köln. Ztg." gemeldet: Nachdem die Luft- schiffangmffe cruf englische und schottische .Küstenorte sich in der letzten Zeit gemehrt haben, hat die englische Regierung ans Drangen der Arbeiterpartei beskimnrt, daß die Muni- t:onsfabr:ken von Chatham, Hüll, Dundee und Brigh­ton geschlossen und die Betriebe nach der Westküste Schottlands verlegt werden.

London, 6. Sepr. (WD'-o. pcichraullt.) Mewung bc6 dlluler- schen Bureaus. Die Leichen der Offiziere und Murnschaften des am 3. Septchniber 7)e r u n t e r g e hol te n deutschen Luft­schiffes sind unter militärischen Ehren bestattet worden. Eine große Menge verfolgte barhäuptig und schweigend den Vorgang. Der Sarg des Kommandanten trug die Inschrift: Ein unbekannter deutscher Offiziere, der als Befehlshaber eines Zeppelinluftschiffes am 3. September 1916 den Tod gesunden hat!

Ein Luftverkehr zwischen den feindlichen Vierverbandsstaaten.

Bern, 6. Sept. (WTB.) Der italienischen Presse zu­folge soll zur Vorbereitung eines Luftverkehrs zwischen den B i e rve r b a n d s sta a te n dieser Tage eine Gesell­schaft gegründet worden sein. Flugzeuge italienischer Bauart sollen vorerst eine Verbindung zwischen Mailand und Paris Herstellen.

Die holländische Obstanssuhr.

Haag, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Der Ackerbauminister hat verfügt, daß frische Aepfel und Birnen, die bis zum 6. September zur Ausfuhr verlade,: sind, noch ausgeführt werden dürfen. ' .

Neues aus der Gesetzgebung der Bereinigten Staaten.

Washington, 6. Sept. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ter Senat hat das Steuergesetz angenommen, durch das jährlich 205 Mill. Dollars durch Steuern' auf Erbschaften und Munitionsgewinne, sowie durch Erhöhung der Einkommensteuer aufgebracht werden sollen. Tie Gesetzesvorlage legt einen Schutzzoll aus Farbstoffe und enthält Bestimmungen zum Schutze amerikanischer Firmen vor einer Uebcr- schwemmung des Landes mit billigen Waren (Dumping) nach dem Kriege. Ferner sind darin Vergeltungsmaßregeln gegen Länder vorgesehen, die das amerikanische Transportgeschäft zu benach­teiligen oder den amerikanischen Postvert'ehr zu unterbinden suchen.

; Der Zeekrieg.

Balfour über die englische Flotte.

London, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Erste Lord der Admiralität Bal­four besuchte gestern in Begleitung der Mitglieder der Ad­miralität die Werften am Clnd. Hierauf hielt er vor den Vertretern der Syndikate und den zahlreichen Arbeitern und Arbeiterinnen von Kriegsmaterialfaöriken in Glasgow eine Rede, in der er unter anderem sagte:

Wir haben den Krieg mit einer mächtigeren Flotte, als die aller unserer Feinde zusammen genommen, begonnen. Seit den: hat die Flotte nicht mir an Schiffstzcchl und Schlagfertigkeit zuge-, nommen, sondern auch an großen Kampffchiffen, deren wir jetzt mehr haben, als zu Beginn der Feindseligkeiten. Bei den Kreuzern und Torpedobootszerstörern sind unsere Streitkräfte zu jener Zeit uw) der jetzigen überhaupt nicht zu vergleichen. (Beifall). In. ollen Kategorien unserer Seestreitmacht verfügen wir über beträcht­lichere Hilfsmittel, als am 4. August 1914. Wenn trotzdem immer mehr gearbeitet werden muß, so kommt das daher, daß der Feind, wohl wissend, daß er in einem lm-alen. Kampfe wenig Aussicht hat, die von Jelliaoe vorzüglich befehligte Flotte zu schlagen, ans dem Wege des U n te r s e e boo t s kr iege s- versucht, die numerische Gleichheit zwischen beiden Flotten durch Torpedierungen herbei­zuführen. Um die U-Boote zu bekämpfen, mußte eine große ZahlkleinerEinheitengebaut werden, von denen gegen­wärtig schon Tausende verwendet ,werde::. Und das erforderte eine vor dem Kriege völlig unvorhergesehene Arbeit. Auch drei Reparaturen waren zahlreich.

Ueber die Handelsflotte sagte Balfour:

Wir besitzen Ungefähr die Hälfte der gesamten Tonnage der Welt. 42 Prozent unserer Tonnage werden für militärische Zwecke verwendet. 10 Prozent stehen ohne jeden Vorbehalt unseren Ver­bündeten zur Verfügung. Die Gefahr, die der Handelsflotte von den Unterseebooten drohte, ist gewichen, denn wir haben be­sondere Fahrzeuge zu ihrer Bekämpfung gebaut. Wir fahren wach fort, Handelsschiffe zu bauen. .Wir müssen weiter, so viel wir können arbeiten, denn ivie Mensche::, Kanonen und Ge­schosse notwendig sind, so ist es ebenso unerläßlich, daß wir die See absolut beherrschen.

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London, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet aus Waymouth: Der Kapllän und die Besatzung des DampfersFe a n n e" (1198 Tonnen) aus Kopenhagen wur­den hier gelandet. Das Schiff ist gesunken.

Rotterdam, 6. Sept. (WTB.) Der versenkte englische DanwftrR: e v a u l - A b b e h" war zugleich mit den Dampfern Mascotte" :mdGrenadier" am Samstag abend von Hock van Hol­land nach England ansgefahren. Bis zur englischen .Küste wurden die Schiffe von englischen Kriegsschiffen eskortiert. Offenbar unter­nahmen dann, als die Kriegsschiffe de:: Konvoi verließen, deutsche Kriegsfahrzeuge einen Angriff auf die Dampfer. Es behauptet sich das Gerücht, daß außer den DampfernMäscolte" undRievaul- Abbey" auch der DampferGrenadier" versenkt worden sei. Der Wert der Schiffe und die Ladung wird auf drei bis vier Millio­nen Gulden geschützt.

Rotterdam, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ein Passagier eines eben angdkonrmenen Dampfers der Batavia-Linie teilt mit, daß der englische DampferMas cot te", der am Sonntag ge- smrken ist, nach der Erklärung von Mitgliedern der Besatzung nicht torpediert wurde, sondern auf eine Mine gelaufen ist.

China nnd Japan.

Peking, 6. Sept. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung des Reu­terschen Bureaus. Aus Anlaß des Zwischenfalles v o Ehengchiatung forderte Japan von China Errichtun von Polizeistationen an de:: Plätzen der südlichen Mandschurei und der westlichen Mongolei, wo Japaner wohnen. Der Ko mm an- dant der 28. Division, deren Truppen an.dem Zwischenfall be­teiligt waren, soll einen Verweis erhalten, und die untergeordneten Beamten, die für die Ereignisse unmittelbar verantivortlich sind, sollen bestraft werde::. Japan hat keine Kompensationen verlangt' Es dürste aber wie man annimmt, Chi:ur mitgeteilt haben, daß erwartet wird, China werde zur Bekundung seines guten Willens eine Kompensation anbieteu.

Aus

Stadt und Land.

Gießen, 7. September 1916.

Die Verwertung von Brennesseln.

Das Einsammeln der Brennefftln, deren Vcrwertungsmöglich- keiten uns der Krieg gelehrt hat, soll in diesem Jahve bis Ende Oktober fortgesetzt werden, da es darauf ankommt, möglichst grdße Mengen Nesselstenget zu ernten. Für das kommende Jahr wird man daran feschalten müssen, daß die beste Zeit für das Ernten der Brennesseln von Ende Inn: bis Ende Juli ist. In dieser Zeit hat die Blüte der Nessel eingesetzt, die Faser ist reif und in Höchster Aus­beute vorhanden. Bei späterer Ernte verholzt der Stengel, die Faser selbst wird gröber und ein Teil der Faser geht außerdem in Holz über. Ta in diesem Jahre die Organisation zum Sammeln der Brennesseln erst spät eingesetzt hat. müssen die Bedenke:: gegen eine verspätete Ernte diesmal fortfatten. Tie Brenn esselfaser-Ver- niertungs-Gesellfchast m. b. H. (Berlin W. 66, Wilhelmstr. 91) überni.mml bic völlig getrockneten und entblätterten Nesselstengel zum amtlicher: Preise von 14 Mart für 100 Kilogramm. Der Prozentsatz, her nach der Trocknurrg bleibt, ist je nach dem Stand­ort der Nessel sehr verschieden. Es gibt Brennesseln, die durch Trocknung big 88<y 0 an Gewicht verloren, während andere nur. bis zu etwa 56oo ein büßten. Für der: Sammler ergibt sich dadurch eine Erhöhung der Entlohnung für seine Arbeit, daß die Ver­wertungs-Gesellschaft auch für getwckrwte Brennesselblälter durch-

rmantrrcy 2o Mart fiup 1ÜU Nirogramm vezayu. Fi: tLrinangelurrg! and-ercr Arbeitskräfte wird die Sammlung zunächst hauptsächlich durch Kinder vollzogen werden müssen, und der Verwertungs- Gesellschaft liegen auch äußerst günstige Sammelergebnisse von Schulkindern vor. Für die Gewinnung des Gespinstes oder der Fäden der Brennesseln, die selbst im feinsten Zustande äußerst, haltbar sind, und die auch durch Abziehen mit der Hand nach vorherigem Klopfen mit einem Holzknüppel gewonnen -verden können, empfiehlt sich eine Dörrung oder Röftlring neu!) dem Trocknen im privaten Betriebe nickst, weil dann viel Material) zugrunde gehen könnte. Vorteilhafter bleibt die Verwertung der. Nesseln der Nessel faser-Verwertungs-Gesellschaft überlassen, die hierfür durch chenrische Verfahren: ein einwandfreies Resultat erzielt.

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** Amtliche Personalnachrichlen. Ter Groß-« Herzog hat am 31. August dem Hoftheaterhäusverwalter Karl. E i d e n m ü Iler das Silberne Ehrenzeichen für 25 Jache Hof- dieust verliehen. Ernannt wurden am 6. September der Aktu- ariatsassistent bei dem Aullsgericht Reinheini Georg Echistoph Brehm zum Aktuariatsassistenten bei den: Amtsgericht Lampert­heim mit Wivkung vom 1. Oktober 1916. Uebertrageu wurdet äm 31. August der Schulämtsaspirantin Gertrude Seiberz aus Speicher eine Lecherrnstelle an der Vollsschule zu Bieber, Kreis Offenbach.

Auszeichnungen. Der Kriegsireiwillige Gefreiter Fritz Wacker, Sohn des Schuhrnachernniskers Ludwig Wacker, aus Gießen, früher Res.-Jnf.-Rgt. Nr. 222. )etzt Res.-Jnf.-Rgt. Nr. 254, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Der Ersatz-Reservist Karl Keller, Gießen, hat sieb bei Verdun am 2. August bei einem Sturmangriff die Hessische Tapfersteitsmedaitle erworben.

** Die Süßstoffabgabe. Durch die Bekannt­machung des Ministeriums vom 25. August 1916 wird für das ganze Großh erzog tum Hessen der Verkehr mit Süßstoff einheitlich geregelt. Darnach erfolgt der Bezug und die Ver- teilung von Süßstoff ausschließlich durch die Einkaufsgeselt- schaft für das Großherzvgtum Hessen m. b. H. in Mainz. Ju jeder Provinz wird von dieser Gesellschaft eine Bertriebs- stetle errichtet, die den Süßstoff an die Süß ftos fab gabestellen liefern, von denen wiederum die Verbraucher ihren Süßstoff beziehen. Als Vertriebsstellen sind beftinrmt worden für die Provinz Starkenburg die Firma Ernst Weis in Darmstadt, für die Provinz Oberbessen die Firma BennerL Krumm in Gießen und für oie Provinz Rhein Hessen die Firma Jas. Kopp Nachf. in Mainz. Ms Abgabestellen au die Verbraucher kommen die Apotheken und diejenigen Drogenhandluugen in Betracht, die nach der Verordnung über der: Verkehr mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken polizeilich auge- nreldet sind. Diejenigen Apotheken und Drogeichandlungeu, die zum Vertrieb von Süßstoff zugelafsen werden wollen, haben bei den Großh. Kreisämtern bezw. den Oberbürger­meistern auf deren Aufforderung hin einen dahingehenden Antrag zu stellen. Diese Aufforderungen sind inzluischen wohl überall ergangen. Die Verbraucher, das sind die Hanshaltringen rrnd die Wirtschaftsbetriebe, können Süß­stoff nur erhalten, wenn sie auf die Aufforderimg des Kreis- amtes oder des Oberbürgermeisters bei diesen angemeldet haben, daß sie Süßstoff zu beziehen'wünschen. Sie erhalten etwa 8 Tage nach der Anmeldung Süßstoffkarten aus­gehändigt, und zwar, die Haushaltungen solche in blauer Farbe, die Wirtschaftsbekriäre solche in gelber Farbe. Diese Karte haben die Verbraucher sofort der Süßstoffabgabestelle, d. i. Drogenhandlung oder Apotheke, von der sie regelmäßig Süßstoff beziehen wollen, vorznlegen, wobei diese Stelle den an der Karte befindlichen Bezugsausweis abtrenrll und die Karte mit ihrem Firmenstempel versieht. Nur bei dieser Stelle und nur gegen Vorlage der Süßstoffkarte kaun der Verbraucher alsdann den auf ihn entfallerchen Süßstoff er­halten. Welche Menge zur Ausgabe gelangt ui:d auf Grund welches Abschnittes der Süßstoffkarte, wird jedesmal bekannt gegeben. Auf einen Abschnitt der H^rnshaltungskarte entfällt nicht mehr als ein Briefchen Süßstoff mit dem Inhal: von 1*/4 Gramm Kristall-Süßstoff und einer Süßkraft von etwa 500 Gramm Zucker zum Preise von 0.25 Mk. und auf einen Abschnitt der Wirtschafts betriebskarte nicht mehr als eine Schachtel mit dem Inhalt von 500 Süßftofftäfelchen mit einem Süßwert von etwa 33/4 Kilogramm Zucker zum Preise von 1.85 Mk.

** Ein Zeppelin erschien gestern nachmittag gegen 1/26 Uhr über unserer Stadt, fuhr zwei schöne Schleifen und kehrte etwa in derselben Richtung zurück, aus der er ge­kommen war. Wer gut aufpaßte, sah plötzlich einen Fahnen­wimpel aus der Gorrdel herab fallen. Es war der Kartengruß eines der Insassen an Direktor Lermne hier in Gießen. Die Luftpostsendung fiel auf dem Dach der Bank für Handel und Industrie nieder. Die Karte war in einem kleirven mit Sand beschwerten Waschledersäckchen, an das eine etwa 11/2 Meter lange schmale Fahne in den Reichs färben angenäht ivar.

** Gießener Freilichtbühne. Man schreibt uns: Die in: Anzeigenteil des Heutigen Blattes ^gekündigte AuMh- rung von Gr:llparzersDes Adeeres und der Liebe Wellen" findet am nächsten Samstag 6 l / 2 Uhr pünktlich statt. Der späte Anfang der Aufführung ist damit begründet, daß die letzten Auf- Mge bei Anbruch der Dunkelheit gespielt werden müssen, dcunit die Turmszene zur Geltung kommt. Gegen Ende der Auffül/rimg wird die durch Fackeln beleuchtet, lvas ein wirkungsvolles Büh-

ueubild verspricht. Bei schlechtem Wetter tritt Verschiebung ein, in d:eseni Falt Anschlag an der Bürgermeisterei ' Süd Anlage, spätestens Samstag 5 Uhr. Zu beincrken ist noch, baß Ruth Walther (Hero) zum erstenmal auf der Gießener Frellichtbühne nstritt.

^ ** Erntevernichtung durch SelbstentzLn- d ü n^>>Z)ie gegenwärtigen ungünstigen Witterungsverhält- ni sc lassetr-hefürchten, daß das noch draußen stehende Ge- tr/ibe nicht immer und überall in ganz trockenem Zustand in dke Scheunen gefahren wird. Damit ist namentlich in diesem Jahre mit seinem reichen Kleewuchs die große Gefahr der Entstehung von Bränden durch Selbstentzündung verbunden, wie wir sie vor zwei Jahren in großem Umfange bekannt^ lich erlebten. Daß solche Brände nach Möglichkeit vermieden werden, ist aus wirtschaftlichen und vaterländischen Rück­sichten in diesem Jahre doppelt erwünscht. Das Kriegs­ernährungsamt richtet an die deutschen Landwirte die drin-- gende Bitte, beim Einfahren des Getreides, namentlich dann, wenn in ihm Klee sich befindet, sehr vorsichtig zu verfah­ren, auch nach der Einfuhr regelmäßig und dauernd Prüfun­gen des Getreides auf seine Erhitzung vorzunehmen, indem es darauf hinweist, daß Selbstentzündungsschäden vor zwei Jah­ren bis in den Monat Februar hinein festgestellt worden sind.

** Ergebnisse des Gauwelturnens bis zu fünf ersten Preisen. Aktive Turner: 1. Olko Tertor, Marburg (T.-B.), 76 Pkt.: 2. H. Thöt, Gießen (M.-T.-V.-, 76'4 Pkt.; 3. Fritz Henkelmann, Butzbach (T.-V.), 68 Pkt.: 3. H. Schneider, Cölbe (T.-V.), 68 Pkt.: 4. L. Langsdorf, Bav-Mmheim (T.-V.), 65 Pkt.; 5. P. Ludolf, Marburg (T.-V.h 63 Pkt. Zöglinge (Unterstufe): 1. Jul. Güngerich, Gießen (M-T.-B.), 90 M.. 2. Gg. Kirchhain (T.-B.Y 87 Pkt.; 3. H. Bvnteiller,

Gießen (M.-T.-V.), 85 Pkt.; 3. H. Freitag, Heuchelheim (T.-V), 85 Pkt.: 4. Franz Drücke, Kirchhain (T.-B.), 83 Pkt'.;

5. W. Schwarz, Gtzßen (M.-T.-V.), 821/2 Pkt. Zöglinge (Oberstufe): 1. W. Arm>ld, Gießen (T.-B.), 88') Pkt.;

2. E. Sommepkorn, Gießen (T.-V.), 88 Pkt.; 2. M.

Steindvrs (Turn- und Spiel-V.), 86 PKt.; 2. W. Zinn, Schlitz (T.-V.), 88Pkt.; 3. L. Schäfer I., Tanbrülgen (T.-P.), 6liV»Vkt.;