Är. m
ZivLtLes Blatt
166. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener .^amilienblLtter" werden dem
»Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisbicii s«r den Kreis Liehen- zweimal wöchentlich. Die ..c«,id»irtschasl!lchett Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gderheffen
Mittwoch, lS. August W«
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schea Nniversitäts - Brich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schrittleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul* straße?. Geschältsst-lle u.Perlag:^EK51, Schrift» leitung: eaill2. Adresse für Drahtnachrichten; Anzeiger Gießen.
Ein Protest der Berliner Amerikaner.
Berlin, 15. Aug. (WTB.) Trahtweldungen englischer Zerrungen aus Amerika zufolge haben die Berliner föorrcfjtortbentenj omJeBäSamfafjer Zeittmgen gemeinsam den amerikanischen Bttschafter Gera rd gebeten, den Wortlaut einersvon ihnen an ihre Zeitungen' gerichteten Protestkundgebung .gegen die Anhaltung und Veichtünmrelung ihrer .Presseberichte nach den Bereinigten Staaten durch den englischen Zensor der amerikanischen! Regierung zu ^ übermitteln, um zu erreichen, daß die englischcl Zensur wahrheitsgetreue Berichte der Korrespondenten aus Deutsch- land unverändert durchlasse. Der amerikanische Bvtsck-aster soll diese Bitte nach Washington weitergeleitet, jedoch seinerseits hinzu- gesügt haben, daß er den Protest nicht befürworte^ könne, solange) nicht die deutsche Zensur die Telegramme amerikanischer Korrespondenten ans Deutschland unzensiert durckchassen wird.
Dazu wird uns aus Berlin geschrieben:
Die in Berlin lebenden amerikanischen Journalisten und Korrespondenten haben sich bei ihrer Regierung in Washington darMer beschwert, das; Me wcrhrheitsgetreueit Berichte durch den englischen Zensor angehalten und verstümmelt werden. Etwas spät kommt dieser Protest, etwas sehr spät. Zwei Jahre lang ist Amerika über Deutschland unzureichend oder falsch unterrichtet worden. Vom ersten Tage des Krieges an hat die amerikanische Presse den überwältigenden Teil ihrer Kriegesnachrichten aus London und Paris und nur sehr tvenig aus Berlin Und Wien empfangen. Vorsichtig gerechnet kann man sagen, daß all die 16 000 amerikanischen Zeitungen fortgesetzt zehnmal so viel Material aus den uns feindlichen Ländern als aus Deutschland veröffentlicht haben. Die fehlende telegraphische und die mangelhafte Postverbindung haben uns vom neuen Kontinent so gut wie ab geschnitten. Als es mit der drahtlosen Uebermitüung etwas besser wurde, begannen die Engländer, die Funkentelegranrme von Nauen nach Sayville abzufangen und vollständig verändert nach New Port zu kabeln. Da die Na neuer Telegramme die amerikanische Zensur passieren müssen, nämlich in Sayville, haben die englischen „Freunde" der Amerikaner einen Vorsprung. Die verstümmelten und Veränderten Nachrichten prangen bereits in der Presse Onkel Sams, wenn die echten und richtigen Depeschen aus Deutschland endlich von Sayville frei ge geben werden. Und alles übrige, was aus Deutschland kommt, Bviefe und Kabel, haben die englische Zensor- station zu passieren. Man kann sich denken was da ungestärkt und Unbeschnitten noch hinüberkommt. Sv gut wie nichts. Immerhin hätte es der amerikanischer: Presse bei verständiger Bewertung der einlaufenden Berichte nicht schwer fallen können, in ihrer Berichterstattung objektiv und neutral Fn bleiben. Aber sie wollte gar nicht neutral sein. Da ihr die Voraussetzung, daß Deutschland der Ueber- nrachk seiner Gegner doch erliegen müsse, g^eben schien, hielt sie die Gelegenheit für gekommen, auch ihrerseits dem verhaßten „Dutchman" eins auszuwischen. Und so zog die amerikanische Presse gegen Deutschland zu Felde. Ms Waffe diente ihr Lüge und Verleumdung, unb Hilfstruppen liefen ihr aus allen Kreisen des arweriLmischen Volkes zu, die dem Deutschtum von jeher feindlich Und verständnislosgegenüber- standen. Geistliche wetterten von der Kanzel gegen den kulturseindlichen deutschen Militarismus". Politiker orakelten über „die deutsche Gefahr", däe die Greryen des Landes bedrohe, und der Deutschenhaß der unteren Klassen äußerte sich rrt den aiftgefttzwoUeuen SckMühbwiefen, die die „World", „Sun", ,FveningDelegvam", „Times" und e tutti
qmiitti täglich abdruckten. Daß die in Deutschland lebenden Berichterstatter sich erst jetzt gegen dieses Treiben, so weit es ihre Tätigkeit betrifft, zur Wehr setzen, überrascht. Ganz besonders überrascht es auch, daß Mr. Gerard, der amerikanische Botschafter in Berlin, der die Bitte der Korrespondenten nach Washington übermittelte, angeblich das Verlangen nicht befürworten zu können erklärte, solange nicht die deutsche Zensur die T.legramme amerikanischer Korrespondenten aus Deutschland unzensiert durchlasse. Wir sagen: angeblich Denn bis jetzt liegt über die Angelegenheit lediglrch eine Haager Meldung des Wolffburequs aus englischen Zeitungen vor. Die Sache muß sich noch klären. Wer angenommen, Herr Gerard hat die Klausel beigesügt, was hat denn der deutsche Zensor mit dem englischen Post- und Dcpeschenraub zu tun? Deutschland muß als kriegführender Staat die Nach.Reutraten gehenden Berichte wegen der Gefahr der Ausplauderei militärischer Vorgänge zensieren. England tut mit den aus England gehenden Meldungen selbstverständlich dasselbe. Aber Amerika soll es sich gefallen lassen, daß die deutschen Meldungen vom englischen Hensor beschnitten werden? Dagegen wird doch protestiert. Hierin liegt dock) das Beschämende für die Vereinigten Staaten, die nun scheu seit zwei Jahren wie in vielen andern Dingen, so auch darin unter eng- sicher Vormundschaft stehen, daß sie vom Krieg in Europa nur erfahren dürfen, was England paßt. Deutschland läßt alle wahrheitsgemäßen Berichte, die nicht militärisch verfänglichen Inhalts sind, glatt und bereitwillig durch. Die selbstverständliche deutsche Zensur mit dem englischen Fälschertrerben auf eine Stufe zu stellen und gegeneinander auszuspielen, ja das würde in das Kapitel jener unverständlichen und immer noch geheirnnisvollen Haltung Amerikas Deutschland gegenüber gehören, von der wir ja sattsam genug zu spüren Gelegenheit hatten.
Sind wir vereint zur guten Stunde.
Nachdenkliches über ein altes Studentenlied.
Ern vaterländischer Studentenäbend. Im Saal des Schützen — er genügt unter den jetzigen Berhältnissei: für eine Veranstaltung der ganzen Studentenschaft — sitzt die Jugend, die nicht oder noch nicht zur Fahne einberufen ist — die bunten Mützen haben sich in diesem Sonrmer wieder hervorgewagt — zwischen dem Zivil zahlreiche Feldgraue und manche der eifrigem: Hörerinnen, die inan heute in den Hörsälen findet. Der Rektor eröffnet die Versammlung in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden des studentischen Ausschusses und ferne scharfe Stimme klingt gerade durch den Saal, als ich eintrete: „Mr singen das erste Allgemeine, Seite 94: Sind wir vereint zur guten Stunde". Ich finde schnell noch einen Platz ztvi- schen einem alten Herrn und einem Feldgrauen und schon ftnciu die Musik. Was Lst <e£ doch für ein Eigenes um unsere wunderoolKu alten Studentcickiäder! Man singt sie immer wieder mit der Andacht und Inbrunst, wie den Ehoral in der Kirche. Könnte es etwas Schöneres geben in dieser Stunde, als dieses Lied unseres Arndt *> „Silentium für den ersten Vevs!!" ruft der Iiektor, und das steigt, und während die jungen Stimmen kräftig ertönen, wandern meine Gedan^n und vergleichen: in den Stimmungen und Bildern des Liedes das Einst und das Jetzt. Hundertundein Jahre find «S her, daß Ernst Moritz Arndt dieses Lied gedichtet hat Die Sprach der Freiheitskriege, die hohen sittlichen Ideale und die stolze Begeisterung einer großen Zeck klingen uns maästvoll aus feirven Strophen entgegen. Wie gaw. anders verstehen wir diese Swache und Empfindungen heute als! sonst in Friedenszeiten. Jede Zeue zwingt das Bild der großer Kämpfe unserer Zeck vor unsere S«2e, jeher Gedanke weckt das stärkste Mitschwingen aller Faftrn nnftwS HerzenA, die nun seck zwü Jahren Unter der gewaltigen
Spannung gcwaltiaster Erlebnisse stehen. Ob wohl diese neue große Zeit «auch eitlen solchen poetischen Niederschlag ihrer Gedanken und Empfindungen hervorbringen wird, wie iene Zeit vor hundert Jah- ren? Noch hat kein neues Lied die alten.Lieder verdrängt. Seien wir dankbar für den Schatz an altem Gold, den wir besitzen njtb nur im Geiste umzuprägen brauchen.
„Wem soll der erste Dank erschallen? Dem Gott, der groß und wunderbar, aus langer Schande Nacht uns allen im Flammengtanz erschienen war." Wie hat er auch dieses Mal „unserer Feinde Trotz zerblitzet und unsre Kraft uns schon erneut"! llnd nun die dritte Strophe: „Des Vaterlandes,Majestät! Verderben allen, die es höhnen, Glück dem, der mck ihm fällt und steht!" lind die Bilder all der Gefallenen, bet Jünglinge, die „um den hohen Tod geworben habe::" stehen vor der ergriffenen Seele.
Aber nun stockt der Gedanke. .Können wir denn das Folgende auch noch singen? O du mein Deutschland, wäe such dein Sänger dich in seinem hochfliegenden Idealismus durch die Weltgeschichte schreiten? ,-Ls geh durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, stolz von Jahrhuiü>ert zu Jahrhundert. an Kraft und Ehren ungeschwächt." — Geliebt durch Redlichkeit und Rechts? Ist das nicht der reine Hohn? Sind wir denn heute nicht das bestgehaßte Volk der Erde? Wer liebt uns denn? Wohin wir blicken, begegnen wir dein Haß. der aus dem Neid und der Furcht geboren ist. Selbst die, die nrck uns gehen, achten uns wohl, achten rrnö vielleicht gewaltig, aber lieben —?? Geben wir eS ruhig zu, wir haben uti£' in den letzten Jahrzehnten, seit wir ein eitrig Volk geworden sind, um die Liebe unserer ßiachbarn und Geschwister in der großen Völkerfamilie auch nicht sonderlich benrüht. Unsere Gaben und Kräfte Hab«: wir brauchen lernen und zu der irmecen Freiheck habet: wir uns die äußere Freiheit .unserer Selbstbestimmung aL Volk, die Ellbogensreiheit für die Stellung unseres Volkes in der Welt errungen. Mit solchem Tnn erwirbt man sich keine Liebe. Einen anderen Weg hat die Entwickelung des deuschen Volkes eingeschlagen, als ihn Acndt vor hundert Jahren träumte, nicht in das Reich der reinen Gedanken und der idealen Forderungen, sondern in die Ijarteit Kämpfe ü'irtschaftlicher Notwendigkeiten hbreü:. Aber wer nröchte zweifeln, daß der alte Feuergeist an diesem archerSarrigen Aufschwünge seines Volkes u:it der gleichet: Begeisterung seiner glüheiüen Vaterlandsliebe teilgenommen hchen würde? Wie steht er l-eute mitten in: Waffenklirren unserer Zeit mck seiner gewaltigen Rede: „Die Freiheit! Deutscher Männer Weide! Am hMsten solls geklungen sein !" Ist es nicht die gleiche Freiheck, um die auch heute der Kamps geht, der Kanrpf gegen fremde Anmaßung und Bedrückung? Ist es nicht die Freist. um die Arndt und seine Zeck- genoffan oekämpft. und die sie nicht erstritten hatten. — um die heute noch einmal gekämpft wird und wahrlich — das ist nnfet Wille und unsere Zuversicht — zum letzten Male gekämpft werden soll.
llub nach dem Lobgesang der Freiheit das P-reislied der datt- schen Treue. Aber wieviel zornmütiger als ionst klingt uns heute diese Strophe in das Ohr! Das stolze Wort: „Fürwahr, es muß die Welt vergehen, vergeht das feste Männevvort" — ist es heute nicht auch der reine Hohn geivvrden? ?üchts als Lug wrd Trug umgibt unser Vaterland, ein Wall von Heuchelei und Verleumdung, und die Welt —? Sie ist nicht vergangen. Me Erde trägt aüf ihrem bvecken ftLhllvsen Rücken Gutes und SctKechtSs und brichE nicht zusammen, nicht unter dem einen und -nicht unter dem andere», und die Weltgeschichte geht hirrdurch, wie über Mut und Leichen, durch Wortbruch und Lüge und Gemeinheck. Furchtbar fMl mit biefein ©efrmfat der grausame Ernst dieser Zeit auf unsere Aber mit dir, du treuer starker Afrndt. singen wir: ,-Zs lebe aÜc deutsche Treue, es lebe deutscher Gimibe hockt', mch das Mld besseren Zeit steigt vor unseren A::gen eirrpor. Ach, ste liegt rwcht in weiter Ferne. Der Twchste Friede bringt sie uns noch rckchjt. Denn aus beni Saaten so blutigen Hasses können nicht die goldenen Früchte höchster Gesittung reisen. Aber sie kommt viÄeicht em- mal — vielleicht ;venn das dcacksche Reich schon längst wieder ver- gangen ist — dann Saaten sind sterblich, wie die Mensche», aber der Geist ip unsterblich; darum, wenn sie einmal fewtmt, wie wäre eg denkbar, daß nicht deutscher Geist ihr AtrHitz verklärte und deutsches
Kttnfi, Wissenschaft und Leben.
Ein li stiger Kleinkrieg int Dierreick. Daß im Kriege sehr oft List und Schläue rohe Gchvalt und Waffen ersetzen tnüssen, ist eine immer von neuem wiederholte Tatsache, und auch im Tier!eben wurde dieses DoAma von der Natur selbst aufgestellt. Ja, hier spielt die Kriegslist sogar eine besonders große Rolle, und oft komimt es zu den sonderbarsten Verwicklungen und raffinierten Zusammenhängen, wie sie von Menschenhirnen kaum auS- gedacht zu werden vermögen. Eine derartige listige Kriegsgeschichte spielt sich sehr häufig auf unseren yermischet: Wiesen ab, und wenn mrch die Beteiligten uns gemeinhin ziemlich unansehnlich scheinen, so ist doch das Abenteuer selbst dafür umso interessanter. Dieses merftmitbige Naturspiel, das auf die am feinsten gesponnene Kriegslist im Naturkampf hinauAäuft, beansprucht, wie Wilhelm Bölsche in einer naturwiffenschaftlichen Plauderei im nächsten Heft der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeckschrift „Ueber Land und Meer" höchst anschauttä, et^ählt, die Äöitwnckung dreier verschiedener Tierarten. Die Hauptperson ist eine kleine Sckftrecke mit durchsichtiger gelber Schale, bekannt unter dem Namen Bernsteinschnecke. Dieser Schnecke begegnet «S häufig, daß sie in dem von ihr zum Verspeisen aujsersehenen Salat unerwarteterweise ein Er findet, das sie arglos' mit dem wohlschmeckenden Grün verschluckt. Dich« Eier aber, die listig in den Leib der Schnecke geschmuggelt werden, enthalten winzige Saugwürmer vom Ge- schlecht der Doppelsaugiräpser (Distomum). Der ungebeteire Gast kriecht erst im Schneckenleib aus dem Ei, geht in der Schnecken- b^hausung auf Wanderungen und vernckhrt sich in der Schnecke auf erftmntlüfre Weise, nachdem er sich selbst puppetrartig in eine Hau- kapstl gehüllt hat. Diese Kapsel zeigt nach kurzem Äbliegen neues Leberr, und bald ist ein ganzes Geschlecht fröhlicher Jungwürmer im Schneckenleib vorhanden, die sich alle ebenfalls in wurstartigen Hautkapseln befirrden. Die lleinen Gäste Machen es sich in bem Schneckenleib immer beguemer und dringen schließlich sogar in die langen Fühlhörner der Schnecke ein, mit denen turn eine sehr sichtbare Verwandllrna vovgeht. Die sonst feinen und weichet: Fühler tvachsen sich nämlich durch ihren Inhalt zu dicken, prall ans der Schnecke hevausragenden Kolben aus. Damit aber auch die Schönheit nicht zu kurz kommt, erhalten die Hautkapseln eine durch die äläsartig dnrchsickchigen Schneckmfühler schimmernde gelbe und ftrüne Färbung von weithin leuchterrder Pracht. Meser Anblick aber lockt mtn ein drittes Tier an, nämlich einen Vogel, etwa ein Rotkehlckien oder eine Bachstelze. Ter Vogel, der sich auf der Jagd nach fetten Raupen oder Maden befindet, glaubt in den beiden verwandelt«: 'Fühll)ört:ern der Schnecke das Gewünschte erblickt zu haben: ein Griff mit dem Schnabel * - die Fühler sind santt ihrem Jn.halt gepackt, abgerissen und verschlttckt. Die Schnecke selbst aber z:M sich nach dieser schonungslosen Amptltation eiligst in ihr Bern- steirchaus zuri'ick, und die Bachstelze wippt sröWch davon, ohne zu jcchnen daß d:e kleinen Würnlpiraten mm in ihrem Wrper ein fröhliches Dasein fortzusetzen gedenken. Sie itäfct: sich nämlich mcht im oder m Haut kapseln ein, kriechen vielmehr int Visa gen des Vogels aus ihren Hüllen heraus und vern:ehren sich, töorauf die narett E:er enten tmtürlichen Wiefg aus den: Wryer des Vogels Nnden, um fchfieUich abermals aus der Wiese zu liegen, wo sie neuerdings von einer Schnecke verzehrt tuerbeu können Das Gr- freiUrchste an dieser so komplizierten und faliw». fichrung aber
tft thre Harmlosigkeit, da. wie man sieht, keiner der Beteiligten dabei zu Schaden kotnmt. Der Bachstelze geht es wohl, die Saugwürmer ^V^upbig u«d vermehren sich, und der ampittierten Schnecke sind me FuUer langst wieder nachgewackhe». Wie allerdings eine Haager Konvention rm Tierreich sich zu dieser Frage stellen müßte, erscheint aks zweifelhaft. Denn in dem vorliegeiüen Falle handelte es tÄ? mancherlei verbotene Dinge, wie Schmuggel, Verkleidungen, kall che Bemallurg, Aenderung ohne vorherige Warnung und tvas der unerlaubten KrregSmittel mehr sind.
„Dicht- und Denkmaschine" oder: der ^^^'?Eareautvmat. Ein neues GesMeckst vvn Dichtern Und Deukern wird gegenwärtig <m den Universitäten der Verewigten Staaten hevangebildet, das der Maschittendichter mch -Dealer dre das, was das>rückständige Volk der Dichter und Denker, toe Deutschen trtit dem Köpfe!zU leisten pflegt, mit der Hand erledigen: sic drehen emfach die Kurbel ihrer „DiM- und Detck- Maschme'. Ganz so einsack> ist die Sache freilch nicht, allein es ist Tatpuhe, so unhandlich es klingt, daß an der tvohlbekannten aincr:- kcmtschen 5)arvard-Un ive csität bie „Dicht- mtb Denktimschine" beim U <St frri r betfrüaibft nnrd, und mix ihrer Hilfe werden dort ,,Tl)saterstücke und RoMatre scheffelweise erzeugt." Der Erfinder dieser unglaublichett Maschitn. Artur Manchard, hält an der ge- natmten Universitiät Bvrbesiungeti und Uebutiget: im Schreiben von Theaterstücken, und in feinet: Uebungen sind tatsächlich hurrderte von ^hcaterstückeu durch die Maschine l^crgestellt tvorden, „ohne daß emer der Leser — denn ob sie aufgejührt sind, wird t:icht /^.den l:derar:schei: Erzeugnisset: ihre Herkmfft .mgemerkt yEe. A>:e d:ese merkwürdige Dicht- und Tenkmaschine nut: gebmtt ist und wte sie arbeitet, verrät ein amerikanisches Fackchlatt, ^Export Anrerican Industries", das in New York erscheint. Äußerlich betrachtet, stellt diese Maschine einen Holzkasten dar. der Eck ocr Vorderseite 6 Sck-litze aufwüst, in denen verschiedene Texte erscheinen, wenn man die 6 zugehörigen Kurbeln dreht, hinter lemm Schlitze ist auf einer Papierrolle eine lan.ge Liste von verschiedenen Satzteilen ausgedruckt. Man sieht, die Maschine bat eine gewisse Verwandtschaft infit einem etwas kindlickMi. aber demwch! E'tchmal recht erheiterndem Gesellschaftsspiele, das darin besteht, daß jeder Mitspieler ein Unbeschriebenes Blatt Papier utrd einen
Bleistift erhält: datm schreibt er den Bechtm einer Geichtchte oben auf die Seite, knifft das Blatt so, daß dos (Me* schriebene nicht zu sehen ist, nnd gibt es sectrenn Nackcharn, der das Verfahren fortsetzt: so entsteht, toie sich nachher bcünr VorlescNt heraus stellt, oft der haarsträubendste Unsmn. Bei d-w Blauchordsthen Dicht- imd Tenknmschme soll nun frellüt) keru lttrsmu, sondern ein brauchbares Stück iMrauskonimeii, und das tvird dadurch ermöglicht, daß der Dichter oder Denker, der die Kurbeln dreht, sein G-ehrrn cm wenig Mitarbeiten läßt. Tatsächfich soll die Maschine auch nur das Gerippe einer Fabel für btö Stück liefern, und für btefe benötigt der amerikanische Erfinder nur kurzer sechs Wörter. Er beginnt nrit Kurbel eins, liest, was vor denn Scblftte erscheint, Und wenn etwa das Wort „schön" auftaucht, geht er zu Kurbel ztve: tiver, Um so lange zu drehen, bis etwas erscheint, was irgend rc,tc zu schön paßt, also z. B das Wort „Wittm". So geht es weiter, und schließlich I>at er die harmlose tel-egrammartig^' kurze Fabel m sechs Worten vor ,rch: „Schöne - Wwrr -- heiratet — Präsident — Jnspchftvon — Wahl." Hot iemals ei» Räensch tu
sechs Worten eine gehaltvollere Fabel für ein Büh»«n- oder Filmwerk znsamnnmgedrängt? Der Bau dieser „Fabelgerftchlk'^ ist immer der gleiche: Eigenschaftswort, Din g w o r t . Zeftwvr^
Eigerffchaftswort, Eigenschaftswort oder Dnrgwort, Zettwvrt oder Dingwort, Dingwort oder Zeitwert", dem Bau der amerikcmffch» Sprache entsprechend. Das a>.leianerkwütt>igste an dieser nQreßsr Schöpfung amerikanffchen Erfindergeistes ist, daß rm ganzen nta 1200 verschiedene Wörter zum Maschrnendichten mm Tbeata> stücken nötig sind! Shakespeare vertvendet vielleicht 30000 pev- schie-dene Wörter in seinen Dramen, die genau drei zählen: die amerikanischeil Studenten dagegen lernen mit ätsestt Schatze von 1200 Wörtern die Dramen „scheffelweise" erzeugen —> kein Zweifel, daß sie dam alten Shakespeare turmhoch überleg»« sind.
— Ka pitän König und die Amerikaner. MS doK erste Erstaunen der Amttrikaner über die Ankunft des Handels. Unterseebootes „Deutschland" in Baltimore sich ein wenig gelegt liatte, getvam: sofort der sprichwörtlich gewordene amerikanische Ge- ichästsgetlt wieder die Oberhand, und es kam zu den seltsanrsteu An- gelottn, du dem über Nacht in fci Beveirngten Staaten zur Be- rühnttheit geloordener: Kapitän König die verführerischsten Summen m Aussicht stellten. Wenn aus deu Geschäften, die die Amerikaner mit Kapitän .König mack>en wollten, nichts getoorden ist, so lieg: dies sicherlich nicht an dem UntLriiehmuugSgeist der Yankees, die nVrgei>* lick) alles versuchten, um aus der Berühmtl-eit des UnterseebootSsüh- rers und der damit verbundenen Sensatioii Geld herauszuschlagcn cso hot nach den Berichten euglischer Blätter der Verlag ein er'der gröpten New 'Yorker Zeittrngen dem Kapitätt der „Deutschland" mcht weniger als 50 000 Mk.. ivenii er einem Vertreter de^r Mattes tnc Teilnahme an der Rückreise gestatten wolle. Nock, toeiter ging nn Vanete-Jmpresario aus Rsw York, der deti Kapitän König flehentlich bat. die Zeit seines Aufenthaltes in Amerika zu Gastspielen auf den größten amerikanische VarietLbühneu zu verwenden. Er verlange nur ein fünf Minuten langes^ Auftreten und ritte ebenso kurze Rede, wofür cr jedesmal 3000 Mk. zahlen wolle Da aber auch dieses ?lngebot, wie alle übrigen Versuche, keinen Eifickg hatte, gab ntati endlich diese Hofsnungeii aiff, so daß Kapitän König weingstens die letzten Tage vor seiner ^lbreise in einigerntaßer tmgestorter Ruhe verbnngetl konitte.
a . T ^^^^^//wstausfübrung in Leipzig. Aus Lctpzrg wird uns geschrteberl: Das Lustspiel „G e n e r a l pa r d o n" von Robert Over weg fand bei seiner Erstauffiibrung im < ^ 0 ? rt 11 ™ tiberauvs beifällige Ausnahme. Ein tvirk-
sames Ncotiv. der Konflikt eines mitgiftlnsteriren Stcuerbeainteii, c? pl^h atem Wege Kvmttnis von den Steuerhinterziebuilgan fetnes ^>chwie(pwVaters in -spe gewotitieu hat, tvurde von Overwoq ZU ergutalichen, :n ihrer Sattrik tu Aden Lustspiel szenet: ausgespon- JL C ?T- ^ue ehetvimge Talmiaristokrntin schafft hockfftapelnd uxüttre Sttuattvtitzvertmcklun.iett. Jnztvischet: dal der wackere Steuer- Inspektor Mi »nchlick auf die drohende Mitgift einen voreiligen Alt- scktrcd eingereicht. Aber die Güte des Dichters läßt, nachdem der EIwemitMiu ettt Weilchen in verdienten ?lengsten gezappelt hat noch alles gut werden Das Stt'tck enthält zwei 'sehr dankbare ' heaterrollen. Als ^teuennspettor glänzte der gastterende A n t o n rancke, und einen lteltenÄvürdlgen L)teuevgauner gab Hang C 1 D € 1 ti ^
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