Ausgabe 
15.8.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Ar. M SVLiier Blatt

166 . Jahrgang

Erscheint K-lich mit AuSnahrne des So^uagL.

DieSletzeaer Zamilieudtitter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Xreirblatt für den Areir fcitfctn" zweimal wöchentlich. Die ..LandVirtfchaftiichen Sett- srs-en" erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für Gberhejjen

Dienstag, 15. Snpft \%b

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckecei.

R. Lange, Gießen^.

Schrtstleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schub straße 7. Ges chäits stelle u. Verl aq. «L-^51, Schrisv leitung: e^ll2. dldresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen«

Ansere fünfte Kriegsanleihe.

Nur fur^e Frist trennt uns noch von dem Beginn eines /reuen Finanzseld^nges. Es gilt, die fünfte deutsche Kriegs­anleihe vorzubererten. Als Helfferichs Nachfolger im Neichs- schatzamt, Goas R'o>e d e r n Anfang «Muri ds. Js. vom' Reichs­tag loeitere 12 Milliarden Kriegskredit anforderte, setzte er den Termin der neuen Anleihecrusgabe auf die Zeit nicht vor September" an. Bis dahin hilft sich die Reichsregierung mit kurzfrissigien Schatzanweisungen. Erst soll die große Ernte von oen Feldern eingebracht und das Geld den Sparkassen zuAeslossen sein. Von unseren bis­cherigen Kriegsaus,gaben sind dank dem Vertrauen des Volkes iu seine eigene Kraft und dank seiner Zuversicht 40 Milliarden durch Kriegsanleihen und 36 Milliarden durch Bankanleihen gedeckt, also mehr als Via der gesamten KriegSausgaben, mehr als in jedem anderen kriegführenden Lande sind konsolidiert. England hat Lcrum 50 Proz. konsoli­diert. Frankreich >nur ein Drittel. Daher ist es nicht auffällig, daß in diesen beiden Ländern die Stimmen der wachsenden Besorgnis vor dieser Art Kriegskredit sich mehren. Gegen­übler den Behauptungen des französischen Finanzministers Ribot muß immer wieder sestgestellt werden, daß das, was unsere Reichsdank an Gold ausweist, Gold ist. Der Gold­bestand deckt die vor: der Reichsbank ausgegebcnen Noten mit über 36 Prozent, während die französischen Banknoten nur mit 30,5 Prozent durch Gold gedeckt sind. Unmittelbar vor Ausbruch des Krieges betrug die Golddeckung in Frank­reich 62 Prozent. Sie war also «außerordentlich hoch, bei uns 12,5 Prozent. Es ist also in Frankreich eine Verschlechterung um 31 Prozent ein ge treten, bei uns nur um 6 1 /« Prozent. Unter den sonstigen günstigen Voraussetzungen der neuen Anleihe mag noch folgender Umstand erwähnt werden, auf den auch der neue Reichs schätz sekretär kürzlich hinwies: Unsere Kr i e g s ko ste n w er d e n geringer! Im De­zember 1015 berechnete Dr. Helsferich die Gesamtspesen des Krieges für Deutschland auf zwei Milliarden monatlich, trotz des furchtbaren Kampfes an der Westfront, trotz des gewaltigen Munitionsverbrauchs vor Verdun und trotz der N'euoraanisation der Hindenburgschen Kampffront im Osten. Das ist nur möglich, bei der außerordentlichen Genauig­keit, mit der sowohl unsere Heerführer, als auch die heimat­lichen Leiter aller mobilen und immobilen Truppen arbeiten. Es werden jetzt, auch bei äußerster militärischer Anstrengung, nicht mehr wie zwei Milliarden Kosten monat­lich lfevcrus kommen. Drese Stabilität ist ein Beweis für die sparsame und genaue Finanzwirtschast in unserem Heere. Dieses finanzielle Gleichgewicht ist aber auch die beste Grundläge für das Vertrauen zu der neuen Anleihe. Unseren Gegnern aber, sowohl denen draußen, als auch den inneren Feinden, Nörglern und Schwarzsehern sei vorgehalten, was ein französischer Schriftsteller über unseren kommenden Finanzseldzug zu sagen hat. Der Publizist de Saint-Albin, der sich im Haß und Wirbel des Krieges offenbar den Kopf kühl zu halten wußte, schreibt:

Deutschland bereitet seit einigen Wochen feine fünfte Kriegs­anleihe vor. Man kann Unseren Feinden vieles vorwerfen, aber sie verdienen nicht, daß man ihnen die Methode abspricht, noch daß man ihre Finanzpolitik als schwankend und inkonsequent be­zeichnet. Welche auch die Personen an der Spitze des Schatzamtes ivarcn, sie haben stets die gleiche, rechtzeitig sestgelegte und nach reif­licher Ueüerlegung als richtig erkannte Formel angewandt, welche sich den wirtschaftlichen Verhältnissen des Reiches und der Organi­sation seines Kreditsystems anpaßte. Man muß sich beeilen, hrnz-u- zufügen, daß, wenigstens bisher, das Schatzamt wunderbar von dem patriotischen Opfermut der Massen und von der einheitlichen Disziplin der Banken unterstützt war. Groß und Klein, sie haben alle mit gleichem Eifer beim Erfolg dieser riesigen Operationen,

welche sich aus mehrfach zehn Milliarden erstrecken, .mitgewirkt. Sie haben nichts versäumt, sie vorzubereiten und sich darauf ein- zu richten. Sie konnten es um so besser, als der finanzielle Ackobili- sationsplan ihnen int voraus eine sowohl auf Vorbereitung wie Ausführung genau festgelegte Rolle Angewiesen hat. Es ist nicht überflüssig, wieder einmal l>ervorznheben, welcher Zusammenhang zwischen den finanziellen Organen Deutschlands besteht. Dieses Zusammenwirken des Schatzamtes, der Reichsbank nnd der Privat­banken, melckM§ seit Kriegsausbruch nngeschwächt besteht, liefert Uns das Geheimnis des finanziellen Widerstandes unserer Feinde/'

Zur §rage der KrWartoffeMeferMg.

DerNachrichtendienst für Ernährungsfragen" schreibt:

Die Vorgänge, die sich bei der Anlieferung von Früh­kartoffeln in der letzten Juliwoche und in den ersten August­tagen in einer Rejhe von Städten zeigten, haben da und dort Befürchtungen erweckt, die weit über düs Berechtigte hinaus gehen.

Die beklagten Zustände find nichts anderes als eine letzte Auswirkung oer Verhältnisse des eben ablausenden Wirt­schaftsjahres. Sie sind wesentlich als ein Ausfluß der Kartoffelnot des Frühjahrs und Sommers zu betrachten. Am 2. März dieses Jahres sind durch den Bundesrat Früh­kartoffelpreise von 10 Mark für den Zentner angesetzt, worden, die bis zum 15. August Geltung haben sollten. Der Preis war bestimmt, eine möglichst ausgiebige Anpflanzung von Frühkartoffeln zu bewirken. Es war schon zur Zeit der Ausgabe der genannten Bundesrctts Verordnung erkennbar geworden, daß in den Monaten kurz vor der neuen Herbst­ernte ein sehr fühlbarer Mangel an Kartoffeln eintreteu werde. Ein reichlicher Früh Kartoffelanbau sollte die Schwierigkeiten früher und leichter.üb«erwinden helfen. Dieses Ziel ist durchaus erreicht worden.

Bei der Vorbereitung der Winterversorgung aus der neuen Ernte war sodann der Frühkartoffelpreis allmählich abzubauen und in den Preis des neuen Versorgungsiahres überzuführen. Die abbauende Preissvala setzte nickst wie ursprünglich vorgesehen am 15. August, sondern bereits am 1. August >ein. Die Preisregeluug war so angesetzt, daß man hoffen tonnte, durch sie eine frühe Anlieferung von Früh­kartoffeln zu erzielen. Dadurch konnte man bedeutend eher, als das sonst wohl geschehen wäre, zu einer Milderung und auch zur Ueberwindung der Kartoffelknappheit gelangen. Auch dieses Ziel ist vollauf erreicht worden.

Die Verhältnisse der Frühkartoffelanlieferung waren nun ganz ungewöhnliche. Einerseits soliden bald größere Mengen Heranrollen, Um die Bersorgungsnöte der Ver­brauchs bezirke zu überwinden. Die Anbaubezirke aber, die zur Anlieferung in Betracht kommen, sind verhältnismäßig wenige. lieber die in den einzelnen Gebieten zu erwarten­den Erträge war man bis zur Ausmachung der Früh­kartoffeln ganz im Ungewissen. Es zeigt sich heute, daß die von den Sachverständigen vorgenommeuen Schätzungen des voraussichtlichen Ertrages durchweg viel zu gering an­genommen waren. Dagegen ist an-frch nichts zu tadeln, da eine vorsichtige Schätzung eine viel bessere Unterlage für die Armessung der unbedingt sicheren Lieferungs-Mengen an die Städte 'ergab. Außerdem war Verlauf uni> Einfluß der Witterung aus die Frühkartoffelerträge zur Zeit der Er­tragsschätzung nicht abzusehen. Die Ernte wurde nun ganz außergewöhnlich groß. Die ersten Frühkartoffeln halten iricht lange. Die Folge war ganz natürlich die, daß sie vom Lande, sobald sie ausgemacht weren, schleunigst dem Verbrauchsbezirk zurollten. Die Verbraucher aber scheuten sich aus der gleichen Furcht vor Verlusten, größere Mengen einzulegen. Dazu kam die Wirkung des fallenden Preises,

Attnft, rvtssenschaft und Leben.

Das! Leben im U-Boot. Bon einem Teilnehmer an einer U-Bovt/Fahrt wird uns geschrieben: Bekannt genug ist es ja, daß das Hauptmerkmal des U-Boot^Lebens die Enge ist. Wenn man aber einige Zeit darin haust, erscheint eurem das garnicht mehr so schlimm. Im allgemeinen dürfte ein mittelmäßig großer Unterstand sreilich bedeutend geräumiger sein als der Raum, der hier einem Dutzend Menschen als Schlaf- und Wohnraum, als Feldküche und außerdem noch als Torpedomum dient. Daneben, nur durch einen Vorhang davon getrennt, liegt der Wohnraum der Offiziere, etwa 2 Meter lang und nicht ganz so hoch, gerade so breit, daß zwischen den beiden Schlafsosas ein Tisch Platz findet. Soweit also ganz bequem für diese drei Herren, nur müssen sie sich's gefallen lassen, daß. jeder vpn uns, der in den MaschinLnramn. will, bei ihnen durchgeht und ihnen auf den Pedalen herumtrampelt. Und das mit den schweren Seestiefeln, die wir hier ständig tragen! Aber daran gewöhnt man sich. IM Boot herrscht natürlich keineÄvegs stets ehre vorzü^iche Luft. Es laßt sich Petroleum-, Schmieröl und etwas Benzingeruch festftelleu, abgesehen von diesen Beimengungen aber ist die Luft ziemlich rein. .Manchmal ist sie freilich etwas dicklich, man könnte sie ganz gut in Stücke schneiden und einein an­deren an den Kopf werfen, aber das wäre gegen die Kameradsckxfft, das tun wir nicht. Das' Essen ist im allgemeinen sehr gut und wäre noch besser, wenn es keinen Alarm gäbe. Alarm heißt: alle Mann auf Tauchstationen. Und dieser Alarm hat die schon von Fr. Th. Bischer gewürdigte Tücke des Objektes in vollstem Maße. Mit Vor­liebe kommt er mittags, wenn man gerade essen will. Trälrendeul Auges sieht man den dampfenden Hammelkohl, oder was es sonst für Herrlichkeiten gibt, kalt und imnrer kalter werden; wenn er die größtmöglichste Annäherung an den absoluten Nullpunkt, die prak­tisch zu erreichen ist, erreicht hat, dann kann man gewöhnlich essen. Gerne kommt der Alarm auck zu Zeiten, wenn Man im tiefsten Schlafe liegt, dam: rattern die Klingeln los, und automatisch springt mrcm aus der Koje auf seine Tauchstation. Das Schlafen ist ja auch eine sehr uüUiche Beschäftigung, insofern, als man dabei nicht friert, denn im Wohnraum ist es oft sehr kalt. Zwar hat jeder 91hnm seine elektrisclMN Heizkörper, aber sie werden vorsichtshalber gerne auf der Werft abgeäcken, erstens sind sie dort vollkommen sicher vor .Beschädigungen, und zweitens verbrauchen sie keinen Strom. Wer friert, kann ja in den Maschinenraum gehen, dort ist es meist warm genug, geirügt das noch nicht, so kann er sich auf den Diesel­motor setzen und den Indikatorhahn öffnen, die 15 Zentimeter lang herausschlageude Stichflamme wird ihm schon genügend ein­beizen . . . Daran, daß man tage- und wochenlang nicht aus dem Zeug herauskommt, und sich nur noch in der Erinnerung wäscht, gewöhnt man sich schließlich. weniger angenehm ist es, daß man die ganze Zeit über dem blauen Zeug auch noch das Lederzeug! tragen muß. Das haben die Militärsoldaten nicht nötig, und das macht sehr viel aus. Am Ende einer langen Fernunternehmung hat man dann auf alten sichtbaren Körperteilen so eine dicke Dreck-

fettschmiere, in die inan ganz bequem Schützengräben baueir könnte. Dabei verliert man aber durchaus nicht seinen Appetit. Das Leben in den wachfreien Stunden ist recht vergnügt, der Humor geht uns so bald nicht aus, ebensowenig wie das Granrinophon aufhört zu spielen. Wenn das Boot ausgetaucht fährt, geht man gerue an Deck, um sich den Seewind um die Ohren pfeifen zu lassen, der besorgt das gewöhnlich so energisch, daß man froh ist, wenn man wieder rurrter konrnrt. Mmr freut sich, wenn man in den Hafen kvnrmt und und freut sichz, /penn man wieder ausläuft, weil man doch! immer ftsteder hofft, daß einem was vor's Rohr komMt. Dmrn ist doch die Mühe nicht umsonst gewesen ... *

Rouen iM Kriege. Als unsere Truppen in dem herr­lichen Siegesläufe der ersten Kriegsmdnate Frankreich überfluteten, da hieß es auch- für die französischen Flußdanipser: Rette sich, wer kann! Trotz eiligster Flucht sielen damals doch noch etwa ein Drittel der mit mehr oder tveirrger Listbarer Ware beladenen Fahr­zeuge als willkommene Beute in unsere Hände. Ten übrigen, etwa 6000 gelang es, sich nach Rouen und Le Havre zu retten. Auch, die großen franzosijchen Handelsschiffe nahmen mit Boll- txmchf ihren Kurs' auf diese beiden Häfen, die gleichlzeitig diä militärische Basis der englischen Hilfstruppen tvurden. Durch dieses überreichliche .Hinz.uströmen von Gästen aller Art hat sich natur­gemäß das Bild der Häfen stark verändert, und der Mitarbeiter desTemps", der die beiden Zufluchtsorte vor kurzem besuchte^ erklärt, daß Flaübert sein geliebtes Rouen nicht wiedercrkenuen würde. Rouens Bevölkerung ist in dem Kriege um 150 000 Seelen vernrehrt worden, häbeic doch die Eisenbahnzüge einen großen Teil der Flüchtlinge aus den von uns besetzten Gebietenk hier ab geladen. Am deutlichsten zeigt sich die Veränderung selbst­verständlich in der Nähe der Hafenanlagen. Rouen hat sich zu einem Toppelhasen ausgewachsen. In der Richtung Paris liegt der Brnnen'hafen und ffußabwärts der Seehasen. Wer Rouen im Frieden kennen gelernt hat, kann sich kaum eine Vorstellung seines quecksilbrigen Lebens von heute ^nttchen, vou dem ohreubetäubendens Lärnr, der sich diesseits und jensetts der Boieldieubrücke erhebt. Da mischt sich das schrille Pfeifen der Schlepper mit der Haul- sirene der T an t p f b ovte, mit dem Knirschen der Flaschenzüge imd der Stahltwssen und dem schweven Stoheir der Arrker zu ement wenig harmonischen Konzert. Alle Arten von schwimmenden Fahr-- zeugen, Flöße Und Bagger, Segellvo-te und Dampfer, schwerfällig« Kähne und elegante Prnassen, Motorboote und Schaluppen drängen sich in dem beschränkten Räume zickanrmen. Die französische Haseiwrganisation sah sich vor eine schwere Aufgabe gestellt, als der Verkehr (71 000 Donnen iM Septencker 1914) imnrer mehr und rnehr auschwoll und ftch bis zmn Juli 1916 mit 727 000 Tonnen verzehnfachte. In aller Eile Mußten Notliegeplätze für die See­schiffe acrichtet werden statt 78 gibt es jetzt 140 die alten Krane reichten nicht Mehr aus, und es nrnßten etwa fünfzig neue, besonders leistungsfähige li-ergestellt iv-erden. Deshalb sind viele von den Schiffern und Hafenarbeitern, die zuerst mobilffiert waren, wieder zurückgeschickt worden. Einen sehr großen Teil der not- rvendigen Arbeit aher Mußten die 4000 deutschen Gefangenen/

der die Verkäufer tanveizt, zu liefern, die .Käufer aber auf den niedrigeren Preis warten läßt. Diese Wirkung einer not­wendig fallenden Preisskala ist nicht zir umgeheu Sie zeigt sich, wie auch diesmal, am schärfften beim Erntritt der ersten Stufe nach abwärts. Ein alle Zwischenfälle ausschalterrdes Mittel gibt es dagegen nicht. Jedenfalls hätte die Nicht-- vcrösfentlichuna der Preisordnung, was von einigen Stellen empfohlen wuroe, die Sache im ganzen nur viel unübersicht­licher und schwieriger gemacht.

Ein weiterer Umstand hat zur Verschärfung der be­klagten Vorgänge noch manches beigetcagen. Kurz vor ihüen war jeder Verbraucherbezirk über jede Seitdung froh, dre er bekommen konnte. Genaue Abmachutlgen über die Ver­teilung der zu liefernden Mengen auf bestimmte Termine bestaiioeil nicht überall zwischen den lleberschußorten mrd den Verbrauchsgemeinden. Erstere schickten darum, was sie eben ausgemacht hiatterl. Einzelne Verbrauchsgenrerndeir hatten auch größere Mengen anaefordert, als sie dann brauchen konnten, als die bestellte Sendung eintraf. Endlich kam dazu, daß gegen Ende Juli eine gewisse Arbeitspause in der Landwirtschaft zwischen Heu- und Kornernte eintrot. Auch begannen um diese Zeit die Schulferien urü> brachten erwünschte Hilfskräfte. Diese Zeit wurde dazu benutzt, um die Frühkartoffel aus dem Boderc zu nehmen. Die Folge war ein ungewöhnlich starkes, gleichzeitiges Angebot der in so erfreulich großer Ernte Vorgefundenen Frucht.

Es wäre iäber auch verkehrt, den'wirkliche entstandenen Schaden zu groß zu seheir oder gar zu übertreiben. An d-er Gesamtmenge der Kartoffelernte gerechnet, handelt es sich doch nur um einen verschwindenden Teilbetrag. Aus die Winterversorgung aber haben die Vorgänge unter keinen. Umständen eine irgendwie nennenswerte Wirkung. Die für die Versorgurrg der Bevölkerung im dritten Miegswirt- schastsjahr feftgelegtm Kartoffelmengen sind von vorn­herein so berechnet und bestimmt worden, daß die Früh­kartoffeln darauf keinen Einfluß haben. Völlig un- berechttgt wäre es darum, aus bt\\ geschilderten Vorgängen Schlüsse auf die Winterversorgung zu ziehen. Nur die eine Folgerung ist berechtigt und auch beherzigenswert, daß es in der Lebensmittelftage überhaupt und in der Kartoffel­versorgung im besonderen nicht nur auf die Pläne und An­ordnungen der zentralen Stellen, also hier des Kriegs- ernährmlgsamts und der Reichslärtoffelstelle mrkommt, sondern daß auch tue äußeren Glieder der Versorgungskette jich in ihreii Wmachungen und Vorbereitungen von langer Hand auf alle Fälle sorgfältig vorsehen müssen, um ihrer­seits den ihnen zukommenden Aufgaben in sachentsprechen­der Weise gerecht werden zu können. Wird das für die Winterversorgung ans Grund der jetzigen Vorkommnisse noch mehr beachtet, so wird später die Versorgung umso ruhiger und sicherer vor sich geheu.

Neteörölogische Beobachtungen der Station Gießen.

Aug.

1916

|ä. s ir-s. g sM

>*

2#

2 3

w

33? 5.^- § 5

" CO

fs

Sf

g; 2 60

cn

c

M

'S

V

x»

c

i

«>

^3

Xi

c

A

S

5-1

2 B C -H SZZ«»

%> £ 'S

-0 in

Wetter

14.

2 r

I

21,2

14,1

75

_

8

Bern. Himmel

14.

9"

17.8

13,2

87

10

Bed. Himmel

15.

1

16,6

12,7

90

10

Regen

Höchste Temperatur am 13. bis 14. August 1916: 21,9 0 C. Niedrigste 13- . 14. , 1916: -f 14,0 0 C.

Niederschlag 18,9 mm.

./ uii iii i/u/iicii ujiit-ii uvi.il Juty. U\j\J ÜDTI UTcfvIT UriffTOI

Landsleuten sind nach Angabe des französischen Journalisten ganz gut untergebracht in einem ehemaligen norncannischcn Gittshofe, dessen alte zerfallene Gebäude wieder neu aufgerichtet snrd. Die so in eine Kaserne umgewandelten Gutshäuser strahlen von pein­licher Sauberkeit. Jeder der Gefangenen hat über seinem Bette Raum für sein Gepäck und die zahlreichen Pakete, die ihm aus der deutschen Heimat geschickt werden.Wie ist es nur möglich, daß in diesen Paketen iminer noch so viel gute Sachen ent* halten sind!" fragt sich der Franzose.Sollte man uns die Hungersrwt in Deutschland nur vorgelogen haben?" Nicht tveir entfernt von dieser Kaserne erhebt sich das Lager der Briten, wo es von farbigen und weißen Engländern wimmelt!

^ ,I ® in * Runenfund in Irland. Zu Kcklaloe in West- Irland ist kürzlich- ein interessanter Runenfund gemacht worden Tie Stadt Mlaloe, die nordwestlich von Limerick belegen ist besitzt eine merkwürdige, altehrwürdige Kirche mit schönem roina- nischen Rundportal. Die Gegend, in der sie liegt, ist in den ersten Jahrzehnten des 9. Jalchhimderts ein Haüptstiitzpunkt der Wikinger gewesen, deren beutelustige Scharen immer wieder den Limeruk- Fjord hinauffuhren und tief in§ Land eindrangen. Tie aufge- ffmdene In schüft ist in einen Stein in der Kirchenmauer ein ge- hauen,^ der, wie ans seiner Form' zu erkennen ist, früher einmal Teil emes größeren Steinkreuzes gewesen sein Muß. Der Wort­laut der Runen ist:TEURKRIM RISTI KRUS THINA das heißt zu deutsch:Thorgrim' errichtete (im heutigen Mrwegisch - r^ste") dies Kreuz." Obgleich unvollständig, ist die Inschrift doch auch in dieser Gestalt geschichtlich lwnterkenswert, weil sie nämlich das einzige uns bekannte Zeugnis ist, das mät voller Sick-erhett einem! zum Chrijtentume übergetretenen Norweger in Irland zu­geschrieben werden kann. Merkwürdig ist, daß sich dieser Fund gerade in der Kirche zu Mlaloe gefunden hat, das zuin Bc'sitze eines erbitterten Willngeneindes gehört hat. Das toar Wian Borives, der zu Cena ^fl JSora, das die nordischen Sagen Kuniattaborg nennen, seine Residenz hatte. Bisher war mcr eine einzige Runen- rnschrlft aus Irland» bekannt gewesen, nämlich eine Bwnzeplatte aus

Liouth, auf der zu lesen st«ht: DOMNALA SUERTH THETA", was bedeutet:Duffral besitzt £ 5 ?^ rfür die Geschichte und die Wanderungen der

Rlmenjchrift dürfte der neue Runenfund von Bedeuttmg.sein.

.- Generalmusikdirektor Steinbach f. Gestern ist

m München Generalmusikdirektor Fritz Steinbach eineni alten Herz- lechen erlegen. Er mar 1855 in Giünfeld «pboren und machte sich 11886 als Dirigem der Meininger Hofkapelle, mit der er mrmer erfÄgveick in den Städten konzertierte, bekannt. 1902 kam Steinbach nach Wln. Hier war er Retter des Konscrvattniunis mtb der^bekannten Gürzemch.Konzerte. 1914 schied er aus diesem Amt. Steinbach war ein vielgeschätzter Künstler, dessen gesunde, männliche Art hmner geffel. Er hing in dieser Richttmg mit Mai- Fiedler, Hans Richter zusammen und brachte hrsbesoardcwe B- l' :\* Beethovensche und Brähmssch' MM vorzüglich zum Ausdruck Hauptsächlich galt er als ein tüchtiger BnchptK-Dirigent