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13/08/1916 Zweites Blatt
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Zweiter Blatt

M. Jahrgang

Erscheint tt-iich mit Ausnahme des öevmtag«.

DieGietze«er Za«iiie»dllttter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblatt fit den Kreis Liehen*' zweimal wöchentlich. Die ,.LM»d»ittschast!ichen Seit- frage«*' erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Oberhejjen

Montag, n. August M6

Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchei» llniversitats - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchrMettung, Geschäftsstelle u.Druckeret: Schul» straße?. Geschäitsst-lle u.Verlag:S-G^51,Schrift« teitung: ed0112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Kriegsbriefe aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Osthecr entsandten Krieg sberickterstatterS« (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die Schlacht in Wolhynien.

Armee Lins in gen, den 11. Augnst.

Nach den Opfern des Massensturms tim 8. August die Feldposten hatten hinter der Front gepredigt, Kowel müsse und werde fallen, ging der 9. August unter ziemlicher Ruhte vorüber. In der Nacht vom 9. zum 10. kam es bei Bol-Porsk zu 5)<rndgrantitenkämpfen, auch ein Uebersall wurde im Stochod-Ävgen ohne Erfolg versucht. Nur bei Zarecze wurden ivieder mehrere nächtliche Angriffe mit stärkerer Energie vorgetrieben. Die feindlichen Truppen wurden im Gegenstoß' geworfen, niedergemacht oder ge­fangen. Heute wurde bei Rüdka-MnrynsLa von österreichisch-, ungarischen Truppen ein vorgeschobener Russenaraben im lieber fall genommen, die gesahnte Besatzung erledigt. Neue Angriffe bei Zarecze wurden schon im Artillerieseuer erstickt. Die Gefangenenzahl an der Einbruchsstelle westlich Knchary wächst noch immer, der die im Sumpf Verirrten sich nun, durch Hunger getrieben, ergeben. Im Laufe des Artillerie- Vampses, der den ganzen Dag über heftig tobte, hatten die Russen allmählich 90 Geschütze, frei am jenseitigen Waldrand gegenüber dem deutschen Graben ausgestellt und ließen die Granaten unaufhörlich cinhauen. Das stürmische Wetter hinderte Flieger und Fesselballons am Aufstieg. Als gegen Abend noch eine halbe Stunde lang Aufklärung möglich war, sah man die dichte feuernde Batteriereil)te. Unsere Artillerie tat gute Arbeit da. Der deutsche Gegenangriff wurde noch in der Nacht von beiden Flügeln der Einbrnchsshelle aus geführt. Die Haudgrantiten arbeiteten, es war ein grauen­haftes Gemetzel rm Sumpf und im Graben selbst. Noch vor Morgen war das Grabenstück, das die Russen unter alter- größtem Einsatz der Garde gestürmt hatten, wieder unser. Die beiden ersten GardediVisionen, die Regimenter Imai- lowski, Maskowski, Grenadierski sind furchtbar rnitgenonv- men, sie haben seitdem Ruche gehalten.

Nordwestlich Kuchcrry sprach ich die deutschen Mann­schaften im Schützengraben. Die Augustsonne meinte es endlich gut und warm. Die Niedersachsen streckten und sonnten sich, mich ihre Stimmung stand aus gut Wetter. Ihnen war der erste Sonnentag nach schier endloser Regen­zeit ein Gescheirk, aber die Gedanken waren in der Stille des Ttiges der Russe verschoß keine Dutzend Granaten noch mehr als sonst bei dem goldenen Erntewetter, das diese Sonne der Heimat schenkt. Kampfpause, Feiertag, den die eigene Tapferkeit erzwungen hatte. Es gibt Leichenwälle, die auch die Russen nicht leicht übersteigen. Ein russisches Flugzeug, das einen deutschen Fesselballon augreifen wollte, wuroe durch Maschinengewehrfeuer und den Fesselballon selbst herunter geholt. Es ging 400 Meter hinter unserer Lima bei Mielnica nieder, da der Flugzeugführer schwer verwundet war. Das unbeschädigte Flugzeug ein Boisin- Apparat, wurde geborgen.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

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Säuberung des Vorfeldes am Stochod.

Armee Linsingen, 12. August.

Die Truppen des Generalobersten von LinsKlgen haben auch heute an der wolhynischen Front, die in dem großen Sieg am 8. und 9. August wohlverdiente Ruhe vor den er­schöpften Russen, die ihre zerschossenen Divisionen wieder neu auffiillen, gehabt. Man ging nordöstlich Wielick daran, nach der Instandsetzung der Stellungen, die überall auf gutem Wege ist, das Vorfeld von unbequemen russischen Vorstellungen zu säubern. In einem größeren Pattouillen- unternehmen von deutschen und auch österreichisth-ungari-

schen Truppen wurde in der Nacht zum 12. nach kurzer Artillerievorbereitung ein russisches Grabenstück gestürmt, 170 Mann, 3 Maschrnengcw-ehre als Beute z-urückgebracht. Der Rest der Besatzung siel im Nahdrmtzf, der Graben wurde ein geebnet, russische Gegenstöße leicht ab gewiesen.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Kriegsbriefe aus dem Westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Dem Brande von Peronne Einhalt geboten!

Großes Hauptquartier, 11. Aug.

Der aufopfernden Tätigkeit deutscher Soldaten ist es gelungen, einen Teil der Stadtviertel von Peronne einst­weilen vor dem Untergänge zu bewahren. Das lvtir nur dadurch möglich, daß die durch die französische Beschießung in hellen Flammen stehenden Häuserblocks mit Dynamit ge­sprengt wurden. Dadurch hat man verhindert, daß die Glut die noch unberührten Straßendecke ergriff. Der besonders erfreuliche Erfolg dieser Eindänmrungsarbeit, die im Hagel der französischen Geschosse crusgeführt wurde, ist die Rettung der durch das Flammenmeer schon bedrohten spätgotischen St. Johannishauptkirche, von der nur die Turmbekrönung durch einen französischen Volltreffer zerschmettert worden ist. Für die schon durch den ersten Volltreffer vernichtete Gemäldegalerie kam die Hilfe leider zu spät.

W. Scheu ermann, Kriegsberichterstatter.

Der verkehr mit Rohtabak.

Berlin, 12. Aug. (WDB.) Zur Neuregelung des Ver­kehrs mit Rohtaba k wird von oer Rohlabakausfuhr-Prü- fungsstelle in Bremen und der Deutschen Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfabrikaten in Minden i. W. folgendes rnitgeteckt:

Durch Bekanntmachung des Reichskanzlers ist die Rohtabak­ausfuhr - Prufungsftelle ermächtigt, Ausnahmen von dem am 7. August vom Bundesrat erlassenen Berkehrsverbot mit Rohtabak zuzulassen, wenn durch eine Bescheinigung der Zentrale für Kriegs­lieferungen nachgewiesen ist, daß der Bezug von Rohtabak zur Fort­führung des Betriebes erforderlich ist. Tie beiden genannten Stellen haben hiernach folgendes Verfahren vereinbart. Fabrikanten, die zur Fortführung ihres Betriebes Rohtabak zu beziehen wünschen, haben unter Benutzung eines bei der Deutschen Zentrale für Kriegs­lieferungen von Tabakfabrikaten in Minden i. W. erhältlichen Vor­drucks einen Antrag auf Anerkennung ihres Bedarfs an Roh- tabak an diese Zentrale zu richten, und zwar in drei gleichlautenden Stücken. Dieser Antrag muß enthalten: die Bezeichnung der Ware nach Herkunft und Menge sowie die beabsichtigte Verwendung zur Herstellung von Zigarren getrennt nach Deckblatt, Umblatt oder Einlage oder zur Herstellung von Rauchtabak oder Kautabak. Im Falle der Genehmigung!, die aus dem Anträge selbst von der Zentrale vermerkt und dem Antragsteller zugestelÜ wird, ist dieser GemHmigungsschein von dem Fabrikanten seinem Rohtabakver- käuser, von weichem er Tobak beziehen will, zu übersenden. Der Verkäufer hat sodann unter Beifügung dcs Bckarssanerkennungs- scherm8 bei der Rohtabakausfuhr-Prüfungsstelle in Bremen (Han­delskammergebäude) die Erteilung eines Bezugsscheines zu beantragen. Der Vordruck für den Bezugsschein wird dem Fabri­kanten von dar Zentrale in zwei Stücken mit dem Anerkennungs- scheinr übersandt und ist von diesem dem Verkäufer mit einzuschicken. Der Verkäufer bat die beiden Stücke des Bezugsscheins auszufüllen Und mit dem Anmckennrmgsschein der Zentmle für Kriegsliefettm- gen sowie dem Kaufvertrag der Ro^abakaussuHr-P rüfungsstelle vorzulegen. Der Antrag auf Erteilung des Bezugsscheines muß enthalten: die Namen und Adressen des Verkäufers und Käufers sowie die genaue Bezeichnung der Ware nach Herkunft, Menge, Ge- fanrtreingewicht, Sortierung, Zeichen (Originalmärk), Art der Pack­stücke, Gesamtwert und Preis für Vs Kilogramm. Ist in fremder Währung verkauft, so bedarf es der Angabe des Abrechnungskurses. Die Rohtobakaussuhr-Prüsungssteile wird insbesondere die Ange­messenheit des Preises prüfen unb ihren Bescheid dem antragstellen­den Händler -zur weiteren Veranlassung übersenden. Anweisungen

für die Ausfüllung beider Antragsvordrucke sind auf deren Rückseite äbgÄwuckt. Insoweit es sich um die Abgabe kleiner Mengen handelt an Käufer, die sich füx den Bedarf einzelner Tage versorgen, ist genehmigt worden, daß solche kleinen Mengen zunächst bis zum 15. August ohne besondere Bezugsscheine abgegeben werden, mit der Maßgabe, daß die Verkäufer Listen der Empfänger und der an ftc abgegebenen Mengen führen und der Rohtabakausfuhr-Prüfungs- stetle einreichen. Für die Zeit nach dem 15. August ist eine wertere Regelung vorbehallen. _

Heer rrnv Flotte.

Berlin, 12. Aug. (WTB.) DerReichsanAeiger" gibt die Verleihung des Ordens Pour le mente cm den O ber sten fe r, Führer des Landw.-Jnf.-Regts. 57, rmd an den Hauptmtirm KalauvonrHofeiin Gren.-Megt. 12 bekannt.

DasArmeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine Be­stimmung des Kriegsminister rums' betreffend Einkom­menausbesserung der verheirateten Unter­offiziere des Friedensstandes, Löhnungszuschuß und Unterk u n fts entschä d i gung.

tlniverfitätr-Nackrichteii.

-= Frankfurt a. M., 14. Aug. Der Nobelpreisträger für Physik von 1914, Professor Dr. Max vonLaue, ander Uesigru Universität, erhielt einen Ruf an die Wiener Universität. Er­stelle des zum Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Kaiserlich deutschen Archäologischen Instituts zu Frankfurt a. M. ernannten Professors Dr. Friedrich Ko epp ist der DiveVor des ProvinzialMuseums in Trier Prof. Dr. Emil Krüger zum Mtt- gliede der Kommission berufen worden. Ferner hat die Zcntral- direksion des Archäologischen Instituts für den verstorbenen Geh. Regierungsrat Pvof. Dr. Loeschke (Berlin) den Prostsstc der Archäologie an der Universität München, Prof. Dr. Wolters zum Mitglied der römischen Kommission gewühlt.

Gericht-faal.

Ein Nachspiel zum Untergang derLufitania".

Berlin, 14. August. Tie Morgenblätter berichten aus Aur- sterdam: Vor dem New Yorker Bundesgerichtshos begann Donnerstag der Prozeß gegen die Cunard Line auf Schadenersatz von vier Millionen Mark, den Salomvn Friedmann und 30 andere Amerikaner aus Anlaß des Todes ihrer Verwand­ten und des Verlustes von deren Eigentum beim Untergang der ,Lusitania" angestrengt l-aben. Die Gesellschaft habe trotz der Zeitungswarnungen keine ausreichenden Schutzmaßnahmen ergriffen. Dem Kapitän wird Sorglosigkeit und Nachlässigkeit vor- geworsen. In den irischen, von Unterseebooten heimgesuchten Ge­wässern habe er die Geschwindigkeit herabgesetzt. Das Aussetzer der Boote sei nicht schwell genug geschehen und die Mannschaft un­genügend geschult gewesen.

Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.

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Höchste Temperatur am 12. bis 13. Augu Niedrigste * 12. IS. ,

Niederschlag 0,4 mm.

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38.4'6. 18,0 0 C.

Die Gol-ankausftelle

ist morgen von 3 bis 5 Uhr geöffnet!

ZreUichtaufführung von GrillparzersSappho".

TarMftadt, 13. Aug.

Auf der Darmstädter Künstlerkolonie, deren herrliche Aus­stellungsräume seit dem Ausbruch des Krieges zum Teil als Re­serve-Lazarett Verwendung finden, fand gestern abend eine hoch- ritteressante Freilichtaufführung von GrillparzersSappho" statt, die unter dem Protektorat der Frau Großherzogin einen außer-, ordentlich hohen künstlerischen und pekuniären Erfolg erhielte. Tic Aufführung war von dem Wiesbadener Theaterdirettvr Paul Linsemami vor dem herrlich dafür geeigneten großen Aufgang zum .Hauptausstelluiigsgebä-iide arrangiert worden und brachste in der Haicptpartte einen früheren Liebling des -Darmstädter Hvftheater- publikums, Fcl. Frieda Eichelsheim vom Wiesbadener Hof- theater, der als Partner in der Rolle des Phaon Herrn Adolf M a n z cucs Frankfurt gegenüberstand. Umschlossen von dem prächtigen 9ta- turrahmen, uird Mt allem poetischen Zauber im Rhein l-ardschen Süle aufs wirkungsvollste von Direktor Lrnsemann einstudiert, übte das! edle, klassisch vollendete .Werk des großen Wiener Dramatikers auf die andächtig lauscl>ende Schar der Zuhörer einen tief ergrei­fenden Eindruck aus. Frl. Eichelsheim oerstaud es, das tragische Schicksal derSappho" mit wunderbar edlen Tönen zu zeichnen und bei bent heißen, goldenen Schein der Abendsonne und der idea­len Naturdekoration alle Schönheiten des Werkes im glänzendsten Lichte zu zeigen. Rudolf M a n z stand ihr als jugendlich ungestümer Maon in Spiel und Sprache würdig zur Seite und in der Partie derMelitta^, der ungllicklichen, von Phaon geliebten Sklavin der Sappho" lernten wir in Frl. Gertrud Lerdau eine hochtalen­tierte junge Wiesbadener Künstlerin kennen, die ihre schwierige Auf­gabe vortreftlich löste. Auch Ma^ And ran o als Sllave Rhanr- iras und Wilh.-lnnne Halm als .Kuchards'" verdienen volle Aner- kenmmg. Nach Schlich der von einer diskreten Musik unrrahmten Darstellung zeichnete der Großherzog und die Großherzogiu die HauptdarstÄlerin mit längerer angeregter Unterhalttlng aus. Die zum Besten der Hinterbliebenen gefallener hessischer Ktimer veron- staltete AuMhrung dürfte auch einen reichen materiellen Erfolg tqfidt haben. ' h.

Beim englischen Oberbefehlshaber Sir Douglas Haig. Ern Mitarbeiter derDvnres" hat dem Ober­befehlshaber des englÄch^n Heeres, SirtDougjlas Haig, in seinem Hatlptguartier eincm Besucl) abgeshattet. Es befindet sich in einem' ernfacheil Hause das zum Tell inoch von der Fanrilie bewölkt wird, der es gehört: und so mischen sich die Stäutmen der Kinder in den unar«fhVrlichen Dwrner der Geschütze, und die friedlichen Geräusche

des Hauses dringen selbst bis in das Arbeitszimmer des,Ober­fehls Habers. Sir Douglas Haig entstammt einer alten schottischac Familie, die seit Jahrhunderten in Fise ansässig ist. Er ist heuw 54 Jahve alt, Hai blaue Augen, scharf geschnittene Züge, ein energisches Kinn, und er liebt es, seine Worte mit einer gewissen erllärcnden Handbewegung zu begleiten. UelTrigens ist er kein Freund von vielen Wvrteir. wenn man ihn auch rächt gerade einen Schweiger von der Art Moltkes nennen kann. Interessiert er sich für einen Gesprächsstoff, so tmrd er auch lebhaft, besonders, wenn er feiner Dankbarkeit und Bewunderung ftrr sein H-ocr oder seiner Anerkemmng für die heldeirhaften deutschen Masännengewehr- Mannschaften Ausdnuk gibt. Das schottische Elentatt ist überhaupt im englischen Hauptguarüer in der lleberzahl: die ineistear der dort tätigen Offiziere sind aber erheblich jünger, als Sir Douglas, der eimnal gesagt hat:Der Krieg ist der Sport der Jugend" (i8 a young mans garae). Tie Lebensführung des englffchlrn Oberbe­fehlshabers in seinem Hauptguartter ist so regelmäßig und plintt- lich, tvie auch die unserer Heerführer. Sein Besuch erhielt fast den Eindruck, als ob er sich im Heim eines schottischen Landedelmannes befiülde, der gern Gäste empfängt. Iiden Adorgen um 8.25 Uln setzt sich Sir Douglas pünktlich mit seinen Stabsoffizieren an den Frühstücksttsch, wo bald das verttaulich: Gespräch von Menschen herrscht, die einander gut kennen. Ob scküechte oder gute Nachrichten vom .Kampfplatze ein treffen, merkt man dem Oberbefehlshaber wenig an. Er nvacht sich offenbar aus denr Eindrücke, den er erweckt, nicht gerade viel, in England ist er pni'önlich wenig bekannt, und es scheint Sir Douglas auch vedyt gleichgültig zu sein, was Man zu Hause über ihn denkt. Gäste sieht er im Hauptquartier gern bei sich: er emp- fängt sie mit besonderer Freundlichkeit und Freimütigkeit: sie bilden seine migenehmste Zerstreuung Und iverden daher immer zu den Mahlzetten geladen. Führt ein besonderes Interesse sie Mr Front, sei es die Organisation oder das Lazarettwesen, der Transport, die Artttlerie oder die Sttategie, woran sie besonders teilnechweir, so fordert man sie auf, Fragen zu stellen und auch ihre Mrsichtenl frei zu äußern. Vom! Hause aus Kavallerist, wendet Sir Douglas Haig jetzt begreiflicherweise sein Indwesse möglichst gleichmäßig allen ZÄafsengatttmMM zu. Bei seinen Soldaten ist er beliebt, und cs tvttd bclMLfltet, daß seine ")Hrwescnheit auf sie stark «rnsauernd wirkt. In der ersten Schlackst bei ?)pern soll es in einem Auprachlicke, als die Lage bei den Engbäuderu bieiuahe verzwierfelt stand, allein sein persönliches Eingreifen gervesen sein, das ixe Engländer damals vor dem völligelr Zusarmiumbrach rettete.

Englands Verbeugung vor den farbigen Völkerschaften. Ter Jahrestag des Kriogisousdruches konnte iin Lager der Alliierten natürlich nicht vvrübQgehen, ohne daß

auch den farbigen Söhnen Frankreichs und Englands der Tribut für ihre Beteiligung am Kampfe entri cht e t wurde. Allerdings gchg man nicht so nett, die farbigen Krieger iwakksch zu belohnen, sonderiz inan begnügte sich danrtt. ihrnni den Dankestribut ttr Form schöner, aber für die verschiedenen Eingeborenen wohl kaum vev- iveudbarer Phrasen zu zollen. Eine Groteske m dieser Groteske aber bildet die Verbeugung, die England aus diesem Ankrß not wnrdigerweff'e vor den farbigen Völkerschaften mmönt muß lenes England, das bis zum.i^ricgsausbrrrch nur die weiße Rasse anerkannte und sich rächt bemüßigt fühlte, die Farbigen höher zu berverten als brauchbare Haussiere. Wie sehr der stolze John Bull sich auch in dieser Hinsicht der Kriegsinot cnsipreckrend wandeln mußte, geht am besten mcs dem Lob- und Prerslied hervor, das ettrer der nach Frankreich entsandtenTimes"-Berichterstatter in dem überheblichsten aller englischen Blätter anstellt:Auf den grünen Fluren Frmrkreichs," so heißt es in diesenr merkwürdigen poesischen Erguß,kann Man heute zu jeder Zeit Leuten alber Farben und Rassen begegnen. Ta sieht Man scktturze Soldaterr auf dem Marschi. dunkelbvaune, hellbraune und gelbe ^lüeger'. die neben den weißen Engländern und Fransen eine rvabrhast nn- ponievende Kriegsmacht bilden. Besonders muß der Maori ,rc- dack't werden, der eingeborenen Polynesier- Neuseelands, die ilwe Heimat verließen, in der ewige oertmenmärme herrsche und die Bäume niemals welken. Aus der anderen Seite des Erdballes, zrvischen blauen eisgekrönten Bergen und breiten, sonneasitzerirden Strömen, lebte eine Rasse ritterlicher Krieger: es sind die Muosi. die nunmehr nach Frankreich kamen, um für die Sache ?lllrier ten, für Fveihett, Recht und Kulsirr zu kämpfe, die Nüaori. die ebenso gute Engländer sind wie die eingefesstuen Bürger des Ilffclreiches Ms Großbritannien vor marmehr zwei FaVven den Krieg erklärte, da kam ettr lautes Echo aus allen übm'eeisckxm Ländern, imd die Nüaori richteten an die bri±tfd>c Regierung bic Bihte. an dem Kantpf fttr den König von Englmrd teilnehmen zu dürfen. So kamen sie zuerst nadf Gallipvli und daun nach Frank reich. Sie sind imschuldige Kttrder und uiarkere .^krn^ger, nnsitäg, von den Weißen als Brüder bettachtet zu rverden."

Ebc r stadt (Kr. DarMstadt), 13. Aug. Nach kurzem Leide:k verstarb hier inr Alter von 57 Ilrhren Fi-au Sanisiitsml Adelheid Mette. Tw Verstorbene war die Verfasserin -ablr>nck>er Mär­chen spiele. wieDer Frvschkönig".Die sieben O^sislem" und ..Hansel u nd Gretel". Zuvänsel und Gretcl" schrieb ihr Bruder. Engelbert Hu mpe r d r n ck. die prächsige tclnideusick'e Musik, die bleibende-^ Eigentum der deusick»n^ Blstlmui ist. Wertverlweitel ist a»ui> das von Adelheid Mette demn^g-eden ' Deutsche Kinderliedc'rlm.ch'.