Ausgabe 
19.7.1916 Zweites Blatt
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Nr. st>7

Arsetter Blatt

Erscheint täglich nnt Ausnahme des Sonntags.

Die ..»tetzencr ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das KreUWött für Ua Ureir Sichen- ziveimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftliche« Seit. fr«ge«" erscheinen monatlich zweimal.

Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhejjen

Nttttvoch, V). Juli Mb

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jcheo Univerfitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schristleit»mg,Geschäftsstelle u.Truckere,: Schul» straße 7. Geschäitsst-.lleu.Verlagi^Eol,Schritt« leitung: Adresse für Drahtnachrichten

Anzeiger Gießeri.

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Die Ueberfchätzung der Negengefahr für die Ernte.

Dre in diesem Jahre in vielen Teilen Deiiffchlands sc> häufigen Regensälle lassen in b-cu Kreisen des Publikums, besonders in den großen Städten, öfters die Sorge laut tnerden. daß die Ernte durch allzu große Bodenfeuchtigkeit beeinflußt rverden könnte. Da hex Erfolg 6er Ernte 'uns allen diesmal aus begreiflichen Gründen noch mehr am Herzen liegt als sonst, wäre eine solche Sorge an sich ver­ständlich, wenn die herrschende Bodenfeuchtigkeit tatsächlich eine Gefahr für die Ernteverhältnisse bergen würde. Daß dies aber in keiner Weise der Fall ist, beweisen die aus deii verschiedensten Landestcilen gemeldeten Beobachtungen der sachverständigen Landwirte. Tatsächlich macht maii in diesem Jalxre mehr als se die schon in der jüngsten Ver­gangenheit immer merklicher hervorgetretene Beobachtung, daß ein regenreicher Sommer keineswegs so hindernd für eine gute Ernte ist, wie mau früher glaubte Inwiefern nian die Gefallen der Bodenfeuchtigkeit ilbcrschätzle und ivarum diese Gefahren heute auf ein Mindestmaß beschränkt fiitb, i|: ans einem höchst lebrreichen Artikel über Ueberslnß und Mangel an Bodenfeuchte von Adolf Mäher in derDeut­schen Landwirtschaftlichen Presse" zu ersehen. Wie die land­wirtschaftlichen Verhältnisse in unserer Zeit liegen, kann das alte SprichwortDie Sonne hat noch keinen Bauer zum Lande hinaus ge schienen, wohl aber der Regen manchen zugrunde gerichtet", nicht mehr Anwendung finden. Wäh­rend wir cku.Vorjahre erfahren mußten, daß die Sonne der Ernte ernste Schädigungen zusügt, wenn sie es allzngut meint, wissen wir heute, daß die Bodenfeuchtigkeit in weit­aus geringerem Maße zu furchten ist. Die Erklärung hierfür liegt in technischen imd physiologischen Gründen Aus tech­nischen Gründen sieht man sich heute einem Verregnen der noch stehenden oder auch schon geschnittenen Ernte nicht so hilflos gegenüber wre früher, da uns verschiedene Hilfs­mittel zum Bergen und Aufbewahrcn der Ernte bei un­günstigem Wetter zur Verfügung stehen. Besonders zu be­obachten sind in diesem Zusammenhang die Trommel- und Jalusien-Trockenapparate. Wenn aber technische Errungen­schaften uns dem Regenwetter gegenüber unabhängiger ge­macht lwben. so darf man nebenbei auch nicht die heute be­kannten physiologischen Tatsachen vergessen, aus denen her- vorgeht, daß U e b e r f l u ß an Feuchtigkeit niemals so schädlich sein kann wie Trockenheit im selben Maße. Um dies zu erläutern, erinnert Adolf Mayer daran, daß die Erzeugung von organischen Stoffen durch die Pflanzen stets nrit einer Wasserverdunstung der Pflanzen zusammenhängt, da die nötigen Nährstoffe, die aus dem Boden gezogen werden, eines durchfließenden Wassersttomes benötigen, damit die Nahrung auch den obersten Pflanzenteilen zugesührt werde. Das Wasser svielt demnach bei der Pflanze nicht nur zum Aufbau organischer grosse eine wichtige Rolle, sondern es fft auch ein Wasser­strom notig, der den Transport der Nährstoffe aus dem Boden unternimmt. Tatsächlich hat sich die Furcht vor Regenzeiten unter den Landwirten in den letzten Jahren immer mehr verringert. Und da die heutige KuttckiieLung des Bodens eine möglichst starke Ausnutzung vorsieht, ist die Bodenfeuchtigkeit, lveun sie nicht allzusehr ausartet, mehr zur Zuversicht berechtigend als eine längere Dauer von Trockenheit.

Aus dein Reiche.

Der Kampf um die Kriegsziele.

Frhr v Zedlitz hatte denUnabhängigen" den Rat er­teilt, sich nut denNationalen" und mit'dem Reichskanzler

über die Kriegsziele zu verständigen, um ein geschlossenes Auftreten zu ermö-glichen. Daraus antwortet dieDeutsche Tageszeitung" :

^Was die Anr^rng des Frhrn. v. Zedlitz zu einerRevision" der Kriegsziele der Wcktschaftsveäbäude anlangt, so sehen wir einst­weilen keinen Grund dazu, können uns aber nicht ermächtigt halten, über den Gedanken einer etwaigen Fühlungnahme zwischen dem, Reichskanzler und den Verbänden «ns zu äußern. Wie schon ange­deutet, läßt sich ein Mehr oder Weniger, um Form und Art der realen Sicherheiten im ömzelnLN stLeckän; eine Einigung würde, '«me wir überzeugt sind, sicher zu erreichen sein, wenn mir das Grundzrel der Wirtschaftsverbände, die Beseitigung der Ungunst un­serer geographischen. Lage untier dem Gesichtswinkel des Glacis- Standpunktes Anerkennung findet: und wenn sich daraus - lvie es st eilt ch selbstverständlich wäre' der Entschluß ergibt, für dieses Gruudziel auch alle militärischen M/cktel restlos einzusetzen: mift* täriiche Mittel übrigens, die für unsere Kriegführung ^u. Lande eine kaum zu überschätzende Erleichterung zu schaffen geeignet sind. Einen solchen Entschlich zu faffciMutb dadurch die Gesamtlage end­gültig und in entscheidender Weist zu unseren Gunsten zu wenden, ist heute gerade auch im Hinblick auf die Schwere der Kämpfe, die imscre heldenmütige Landmacht zu tragen hat die Forderung bes Tages, wie sie es gestern tofajr und morgen sein wird. Abes es gibt auch hier ein Uebermorgen, an dem es vielleicht zu spät wäre!"

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Berlin, 18. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Anzahl skandinavischer sozialistischer Politiker ist am 16. d. Mts. in Deutschland an gekommen, um Mts Ein­ladung einiger hiesigen Sozialdemokraten aus Partei- und Gewerkschaffskreisen die Verhältnisse in Deuffchlarch aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Die Herren besich­tigten zunächst Wohlfahrtseinrichtungen der Berliner Ar­beiterschaft, studierten die Kriegssiirsorge und begaben sich dann nach Belgien und an die Front.

Aus Stadt und kand.

Gießen, 19. Juli 1916.

Heidelbcererntc im Vogelsberg.

33&r im Mai die Waldungen des Vogelsberges durchwanderte, dem fiel schon damals die überreiche Blüte der Heidelbeeren stocke auf, 60 und mehr Blüten an einem Stock waren keine Seltenheit. Und die Ernte hÄt, was die Blüte versprach. Mit Millionen Augen blicken in diesen Tagen die dunkelglänzenden Beeren aus dem niedrigen Buschwerk hervor, ein feiner Dust lagert über dem Waldesboden. Die Heidelbeerernte ist da. Eine reiche Erwerbs- ciuelle für ungezählte Faniilien der Vogelsbergdörfer erschloß sich von neuem, in diesem Jahre mit besondever Ergiebigkeit. Tie Kinder habenHeidelbrrnferren": denn im Boc^lsberg bat man bei der Verteilung der Schulferien schon feit altersher die Reife der Heidelbeeren berücksichtigt.

So durchstreifen in diesen Tagen Frauen und .Kinder, diese herab bis zu drei Jahren, mit dem eisernen Abstreifkamm die weiten Heimatwälder. Je rühriger die Hände zufassen, um so reicher ist dic Ausbeute. Es gibt Familien, in denen die Frau mit 23 Kindern täglich 40 Liter erntet. Ter Erlös ist verschieden Wenn man aber bedenkt, daß eine gute Erntezeit 4. 6 ja 8 Wochen währen kann, so ist es wohl verständlich, daß diese Wochen für die Vogelsbergbewohner von ganz erheblicher wirtschaftlicher Bedeu­tung sind.Eine gute Heidelbeevernte ist die beste Hüffe gegen --rn«^ strengen Winter," heißt es nicht mir Unrecht.

Die Herdelbeerernte ist von um so größerer Bedeichung. als )ie Nicht die geringsten Anslagen heischt und sich an ihr die Aller- ärmsten und jedes Kind beteiligen können. Dazu ist zu erwägen, daß das Becrensammeln eigentlich mehr Vergnügen denn Arbeit ist, daß der Aufenthalt in der ivürzigen Waldlust überaus gesund ist und letzt im Kriegsjahrc der Genuß der Beere einen wesentlichen Bestandteil der täglichen Kost ausmacht.

In den lehten Jahren hat der Heidelbeerhandel des Vogels- berges einen machngeu Auischwung genonrnvm. Neue Bahnen führten ihre Gleise bis in dic entlegensten Täter und ermöglick)- ten emen raschen Versmrd der Beeren in die Städte. Fast an wder Bahnstation einer Vogelsbergbahn wohnen Ahnten und Vermitt­ler, die den aus den Walddörfern allabendlich herbeiströmenden Sammlern die Tagesausbeule abkaufen und sofort bar bezahlen. In

Körben ohne Verpackung werden die Heidelbeeren in bereit gestellte Wagen geschafft und mit dem nächsten Güterzuge den Städten zu- gerollt. Da fast aus jeder Station ein Heide! beerwagen dem Zuge angehängt werden muß, erleidet derHeidelbeerzug" natürlich regelmäßig Verspätungen.

So wandert die winzige Beere aus den stillen Wäldern der Heimat aus die Märkte der Weltstädte, und diese senden den fleißi­gen Waldbewohnern dafür klingende Münze. Aus der Erkenntnis, daß in der völligen Ausnützung der heimatlichen He, de! beerernte ein für die Vogelsberger wichtiges wirtschaftliches Moment liegt, haben die staatlichen und privaten Forstbehörden alle Veranlassung, die Entwicklung des Handels mit Waldbeeren mit allem Nach­druck zu fördern, auch wenn der Bodenbefitzer selbst keinen Nutzen davon hat. , R. H.

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** Der hiesige Bezirksausschuß für vermißte und krie gsgefangene Deut sche teilt mit, daß die durch den Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene in Hamburg heraus­gegebene vierte sehr vermehrte Auflage der Karte der Ge­fangenenlager vom europäischen und asiatischen Rußland im Verlag von j,' Friedrichsen u. (So., Hamburg 1, Mönckebergstr. 22 I. Stock, erschienen ist. Tie vorliegende vierte Auflage meist gegen die vor vergehenden viele Verbesserungen und Erweiterungen auf. Tie Zahl der Namen der Lager ist nahezu verdoppelt, das Eisenbahnnetz in voter und das Flußnetz in blauer Farbe eingezeichnct: dic (Kreuzen des Reiches und die der asiatischen Generalgouvernements sind gleichfalls farbig her vorgehoben. Auch der Maß'tab ist bedeutend vergrößert nwrden. Das alphabetische Verzeichnis der Lagernamcn ist wiederum in russischer Druckschrist als Erläge für die Adressen angefertigt. Die der Katte beige­fügten Bestimnrungen für den Postverkehr mit den Gefangenen sind nach den neuesten Erfahrungen entsprechend abgeändert worden. Fcr Preis dieier neuen, verbesserten Karte bettägt 2 Vcark. Sie ilt durch jede Buchhandlung zu beziehen, ebenso durch die Geschäfts­stelle des obengenannten Bezirksausschusses in der alten Klinik.

_** Zurückstellung Militärpflichtiger Bei der außerordentlichen Häufung der Gesuche um Zurückstellung M i l i t ä r - u nd La n d stu r in p fl i ch t i g e r v o m M il i t ar - dienst und um Beurlaubung und Versetzung dienender Mannschaften wird, mit die rasche Erledigung dic^r Gesuche zu gewährleisten, daraus hingewiesen, daß diese niemals unmittelbar bei dem stell v. General- .Kommando, dem Truppenteil oder dem Bezirks­kommando, sondern (durch Vermittelung der Großb. Bürger­meistereien) bei dem Zivil Vorsitzenden der Ersatzkommission ein- zureichen sind. Sofern dieser Weg nicht eingehakten wird, haben es sich bie Gesuchsteller selbst zuzuschreiben, wenn die Er­ledigung per Gesuche hierdurch eiuc erhebliche Verzögerung er­leidet Bei Absassimg der Gesuche'ist daraus Bedacht zu nehmen, das; die Namen der Gcsuchsteller deutlich geschrieben werden, der Wohnsitz genau angegeben, bei eiuqeftellten Reklamietten Der Truppenteil klar bejeiefmet ist nnd daß Gesuche, die mehrere Leute betreffen, in einem Schreiben zu vereinigen, diesem aber Sonderliitcn nach Bezirkskommandos oder Truppenteilen getrennt, beizulegen sind. Weiter wird darauf aufmerksam gemacht, bafc durch Ernmerungen und Einreichung zweiter Gesuche, bevor das erste ent­schieden ist. nicht, nur keine raschere Erledigung der Gesuche erzielt, wndern häufig sogar durch die dadurch notwendige Verbindung der Akten eine Verzögerung verursacht wird. Alle Gesuche werden mit der größten Beschleunigung bearbeitet, verlangen aber zur Erledigung eme gewisse Zeit, da eine Zurückstellung, Versetzm*, oder Beurlaubung nur ausgesprochen werde» kann, wenn nach An­hörung der Behörden imd Sachverständigen die dringendste Notwendigkeit nachgewiesen ist. Was insbesondere die Gesuche , um Zurückstellung betrifft, so wird daraus hin gewiesen, daß jeder kriegsverwendungssähigy £ a ~ n JIrr bet ?' r . 0Ttt zugeführt werden muß. Äe Zumckstellung kriegsverwendungs fähiger Bersamm kann daher nur rn Öen allerbringenbften Fällen erfolgen. Vl6cr anch solche Personen, die nicht kriegsverwendungs fähig, sondern nur garnlson- oder arbeitsverwcndungs- lind, können nur daun zurückgestellt werden. u»enn das öffentliche wrd volkswirtschastlicke Interesse ivesemlich Höver ist imc die nnlitärisckx Veovendungssähigkeit des Reklamierten. Dem­entsprechend ergeht an die Arbeitgeber die dringende Aufforderung den erforderlichen Ettatz in erster Linst durch Einstellung Militär^ freier Kräfte, z. B. rZ-rauen zu beschaffen. Nur lveun alle Mittel

sinnst, und Leben.

Blattgrün als Heilmittel. Vielversprechende Ver­suche hat der Berner Pröfessor E. Bürge mit einem Heilmittel ange­stellt, dessen Grundlage das Blattgrün der Pflanzen bildet. In geeigneter Zusammenstellung mit Eisen hat sich das Blattgrün namlüw als wirksamstes Heilmittel gegen Blutarmut, Bleich,'ucht ünd mittelbar, insofern es ein vorzüglicher Blutbildner ist, auch gegen Tuberkulose erwiesen. Wie die bei Dr. Walther Rothschild in Bettin-Wilmersdors crsclfcinendeKlinisch-Tverapeutische Wochen- schrisl" mitteilt, hat Professor Bürgi zunächst Versuche mit künstlich blutarm gemachten Kanüichen ausgefühtt, bei denen sich das Blatt­grün als allein trefflicher Blutbildner erwies. Noch günstiger wirkte eine besondere Zusammenstellung von Eisen und Blattgrün, und schließlich scn^ Bürgi einen zuverlässigen Arzneistoff von unveränderter Zusammensetzung heraus, der aus Eisen und Blatt- grim ausgebaut ist. und mit dessen Hilfe blutarme, bleichsüchtiga und lungenkranke Menschen überaus erfolgreich behandelt wurden. Mit dem ..Chlorosan" genannten Arzneistosse wurden zunächst Blutarme, behandelt. Die Kranken erhielten keine besondere Krankenkost, mid konnten während der .Kur ihrer gawohnlickwii Beschäftigung nachgehen. Uittcr 87 Fällen von Anämie (bei denen andere Krankheiten gleichzeitig nicht vorhanden ivarcn) befanden sich 27 Fälle reiner Chlorose 'Bleichsucht!. Mit Ausnalpuc eines Falles von ausgesprochener perniziöser Anämie wurde in allen fällen ein vorzügliches Heilergebnis erzielt: in der ersten Woche nahm die Menge des Hämoglobins im Blute mäßig zu. von der zwecken Woche an aber stieg sie meistens rasch. Entsprechend, sterlich etwas weniger rasch, nahm dic Zalil der roten Blutkörper­chen zu. Mehrere Ebloroscn wurden im Laufe von vier bis fünf Wochen von 25 bis 35°o auf J00°o gebracht. Bei vielen der Be­handelten trat eine starke Hebung des Appetits, Besserung dssi Allgemeinbeniiücms und Erhöhung der Lebenslust mrd Lebenskraft rin, ,o daß au der Wirkung des Blattgrünpraparates nicht mehr gezwenelt werben konnte. Durch Untersuchung der .Herztätilikeckl konnte we belebende Wirkung des Heilmittels auch unmcktelbaü nachgewteum werden Einige Kranke, deren Herzschwäche mck .wdkaluml und Digitalis ohne wesentlichen Erfolg behandelt wordeir war, erreichten durch zwei bis vie»ivöchige Ehlorosaubeliandlung wieder normale Herztätigkeit. In zahlreichen Fällen von alln gemeiner schwäche, zum ^ct( aus nervösen Ursachen infolge über- standoner oder noch bestehender ander.veitiger Umstände lvurde mir Ehlorosan eine bemerkcnsiverte .Hebung des Appetits, des Krajtgesühls und des Allgeniembesiudens erreicht Die bedeut­samsten Erfolge wurden aber bei Lungentuberkulose beobachtet, nmn ntluh UN Beginne der Krankheit. Nicht nur, das; der Appetit zunohm und oer Allgcmemzustand sich besserte, es vermehrte sich auch hrr Hämoglobingchalt des Blutes, in den meisten Fällen hörten che Nachlschweiße und das Ansteigen der Körpcrlemperatur .rm Abend auf nnd häufig bildete sich sogar der objekluis Luugen- bcfund oeutlick) zurück, nnd Husten sowie Äuswurs nahmen ab

oder horten ganz auf. Selbswerständlich darf mm das Ehlorosan nicht als spezifisches Hellmittel gegen Tuberkulose angesehen werden, sondern seine Heilwirkung bei dieser Kiaukheit beruht auf der starken Hebung des Mlgemcinbefindcns. Die blutbildende .Kraft des Blattgttins, aus dem das Chlorosan hergestellt wird, wird durch seine chemische Verwandtschaft mit dem Häniatin verständlich.

Anatole France besucht wieder die Aka- r ^ mt oL l&lin9n! Dst dreswöchentlichc Sitzung der franzö­sischen Akademie hat eineSensation" gebracht: der greise ?bmtolc France, der seit Mivordcnklicken Zeiten sich nicht mehr im Aka- demiepalaste (>at schen lassen, ist ftuin ersten Male wieder in einer Sitzung derUnstz-rblichen" erschienen? Leicht ist France dieser ^chrckt »ich- geioorden, und es hat seine Fremtde viele inständige Bitten gekostet, ehe ec ihnen willfahrt hal. Hat der Dichter doch schier irnszählige Male, seiner gründlichen Verachtung über jeng Komodie der Mittelmäßigkeit imd Eckelkeck, die ,'ich die Akademie nennt, Lust gemacht! Aber er hat sich nuv entschlossen, im Inter­esse der nationalen Sammlung und des Burgfriedens das Opfer zu bringen, um durch söin Ersckfemen in der Mademic auch seiner- scits die allgemeine Einigkeit der Franzosen zu bekunden. So lwben denn dieUnsterblichen" das unerwartete Glück w'habt, endlich einmal eckren nnrklichen lebendigen Dichter miter ,'ich zu sehen: dre Presse aber lwt das Ereignis natürlich alsRrld in den höchsten Tönen veicherrlstlit und dem imgeduldig auf Siegesuach- richstn harrenden französischen Volke die Eröfsimng gemacht, das Erscheinen von Anabole France in der Akademst bedeute so viel wie einen Sieg im Felde.

Ein fahrbares Thleateran frer französischeu Front. Viel Aufsehen erregt gegenwärckg in Paris das eichte »fahrbare Fronttheater, das vor seiner Abreise ins Kriegsgebiet in der französiscksen Hauptstadt ausgestellt ist. Wie bei allen kämpfeu- Weit, sind auch bei deii ckanzösischen Arnkem Tl>eater- und Kmo-Vvrstellmigen hinter der Kampslinic eine der begclirtesten Berstremmgeu. Am besten durck)gebildet und organisiert wurde dityes Kriegsthcatcrwesen im deutschen Kampflureich, nnb die Leistungen des deutschen Theaters in Lodz und cki Warschau, des deutschen Schauspiels und der Oper in Lille und der zahlreichen reisenden Theaterunternehnruugen, die ständig das ganze Etappen­gebiet besuchen, »onrden genügend geivürdigt, unr nocti eckier Be - sprechfung zu bedürfen. Eine neue Einrichtung in technischem Sinne stellt das französische Kriegslhcatcr insofern dar, als seine Mit- glieder nicht in den Ortschaften, die sie besuchen, Säle oder sonstige Räumlichkeiten beziehen, sondern sozusagen iljr eigenes Gebäude mit sich führen. Dieses trMistwrtable Feldtheater, das nach deii Entwürfen des Pariser Malers George Scott her.festrlll wurde, besteht in der Hauptsache auÄ eckwml mck einer Mckioand. zwei Seiteuwäiiden »nd einer Hvlzdecke versehenen Podrmn. den Bübuc und einem ausstellbaren großen Zelt, dem ^chchchaueriaum Der Eliisachheit halber deslcht die SzenendeÜoratiotv nur m zwei .Hinter­gründen, der eine ein Zckmner, der andere cäne Laitdsck>ajt dar­stellend. An dem BÄhnenbau könne» lleme Holzhämmern angc-

mnosien weroen, me den Darstellern als Garderoben dienen Das ganze Theater ist m ungesähr 15 Telle zei'legbar. die auf drei Auto mobilen transporttert werden. Wie derTemps" in etwas weitgehender Begeisterung über dieses neue Unternehmen bernE rr^ird dav französische .Knegslcheater als ersbes Reiseziel die Ge.nmd hinter Verdun aussuchen, um dem Ernst des Todes mik gallischer Heiterkeit cntgcgenzutreten und die Leiden der Soldaten sin sorg­losen Jubel zu verwandeln. y

~ bedrohte englischeHome". Nun ist man

endlich tu Großbritannien, dessen Bürger sich stets über 'die direkten Wrrkuugen des Krieges aus die Lebensweise im Insel reicht cihabu ^unkten, zur bitteren Erkenntnis gelangt, daß es mit di'ser '.o N» Aeruhniten lnberuhrbarkeit des englischen Lebens vorbu ist. die ..^ackn Mail" in einem be,vegten Ktageartikel aus führt

l t si'6?ische Ocffentlichkeit iotb die englische Sitte an ihrer empnndlichw'ii. am sorgsamsten behüteten Stelle bedroht s-iim- ckck das heilige englischeHome" ist bedenksrü in Gefahr matSt' jedermann wem, daß das Fan,üienleben im idealen Sinne in England zwar durchaus nicht besser ist als anderswo, daß aber rav Leben m der Häuslichkeit sich in besonders eng aei-eaelten Greuzen absprelt, sobrn die Ehrfurcht vor dem von der Umlnlt Ä ^i |n I en F'brune" fast eine sprichwörlliche Bedeutung er- ange. vcure al^r sieh, es danach aus, als sollte das Lebenck, §r infolge des Krieges chk England immer mrtnlnihSt wer den nnd einem den Fiainlliensinn mein gerade förberiiden m Hotels und Penswmn loeichni.Das Home ^

naiuen Art zu den b-stcu und alte,len englisck»en tteberlieserunaen MfS}'1 wgiat der Annehinluchtecken teuer, die es uns

selbst heittc bieten sondern auch ivegen der Trvmerimgen lieber« lieseruugen und Gebräuche, die sich daran knüräen Und nunmebc w'wre .»ansckckilkeit durch dic auch bei uns Fhr 'üb!dir Wordenen Begleiter,cheinungen des Krieaes von allen ?£££ ifibt wo hl niemand, dei' mehr tägliche Sormm

^ «nWwnbmb svltoi*, unt. .rnri< ho.j X nachgerade dermaße,l endwwrt, daß die Zahl Fmmer m.-br' aufgebe,i. beängstigend zunimmt.

.'Tiasisck^n uchen^^ den Unannehmlichkeiten, die in der

ihre Annehmlichkeit ülwriviegen. zu ent ' IjJ' * 1 ^I c ^ ni1 ^ einfach ansgeben und ins Hotel ckehen blicke^ibren Fmnilieu Ko raum mm. die alle Au gm

tlr hipflI n J t J W, -! 3l ! rt und ihre Lebens.oeise loechseln. W,e ist, braucht nicht «älter auseiimnder gesetzt zu '"«n betonen. Mf: IviottOn-.J hir Emw, f,n, oei iungen Generation darunter leid», und d<itz diese En' vm- um ' 11 ent> v englische Jugend leicht ,ck>ad.

ckch b^'ctnfliificit kann Es um re tuicvtlvir und eckte ernstlickv'

^/ie ganze Nation, wen., d.e- Zostonde ,n fitein tn-ft rtjltntnu-r ivem-n lolltrn. .w, :u- IN innn urivrünqkLt,

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