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15.7.1916 Zweites Blatt
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TU. *64

Zweites Blatt

16b. Jahrgang

Srjcheml täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die .Fktzener .^mkllenHkUtter" werden dem ^Anzeiger" **rart«l n^chsttlich berget egt. das für -cn ArriZ Siehen- zweimal »DcheMiLch. Diecsnkvirffchastljche, K<i1. fvOg««" erscheinen monatlich arocmurt

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General-Anzeiger für Gberhejsen

Samstag, 1(5. Juli (9(6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl^chea Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitlettung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul« straße?. Geschäftsstelle u.Berlaq:^-S^51,Schrift­leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten:

Anzeiger Gießen.

Zur Beurteilung der kommenden Ernte.

. Es ist in der Oesfentlichkeit und vor allem auch in der geunuren Presse anerkannt worden, daß wir der heranreifen­den Ernte mit der H o f s n u n g auf besseren Ertrag als im Vorrrchre, aber nicht mit einem übertriebenen Optimismus entgegensehen dürfen. Gegen diesen guten Vorsatz scheint es aber zu verstoßen, wenn doch dann und wann Meinungen und Dünsche laut iverden, die ohne weiteres von der Voraus­setzung einer sehr reichlichen Brotgetreide­ernte ausgehen. So schrieb kürzlich ein bedeutendes Ber­liner Blatt:Bringt uns deshalb die neue Ernte, wie wir bestimmt annehmen, ein erheblich größeres Quantuni Brot­getreide als die vorjährige Ernte, dann muß unter allen Um­ständen das erste Erfordernis sein, der Bevölkerung ganz all­gemein eine wesentlich höhere Brotration zur Verfügung zu Allen, und zwar ohne Kartoffelzusatz, also in reiner Form." Man erkennt ohne weiteres, daß hier das erst abzuwartende Ergebnis der neuen Ernte bereits zu einerbestimmten An­nahme" gediehen ist, welche wiederum zur Begründung be­stimmter Forderungen benutzt wird.

Gegenüber dieser Sachlage muß immer wieder betont werden, daß wir, solange der Krieg dauert, bezüglich unserer Brotgetreideversorgung mit ganz anderen Faktoren zu rech­nen haben wie im Frieden, besonders auch mit einer großen Reche sogenannter U n s i ch e r h e i t s f a k t o r e n. Vor allem ist zu bedenken, daß Wan von der gesamten verfügbaren Brot­getreideernte, von dem Saatgut ganz abgesehen, den Be­darf des Heeres abziehen muß, welcher im Kriege den- lenigen der' Zivilbevölkerung pro Kopf bedeutend übertrifft. Weiter ist zu bedenken, daß eine beträchtliche Menge von Brotgetreide von der Neichsaetreidestelle an industrielle Be­triebe, Grieß-, Rudel- und Keksfabriken, Kornlaffeebrenne- reien usw. geliefert werden muß. Endlich ist es notwendig, Vorratswirtschaft zu treiben, d. h. in diesem Fall erne Getreiderücklage anzusammeln, welche uns vor eventuellen Ueberraschungen im neuen Erntejahre schützen soll. Alle diese Momente sind zu berücksichtigen, ehe man die Große der kommendenBrotgetreid-eernre ohne weiteres in eine Beziehung zu derjetzigenBrotration setzt. Daneben aber bleibt noch ganz allgemein zu bedenken, daß wir heute, besonders angesichts der feuchten Witterungsverhältnisse, noch nicht wissen, wie die Ernte der Q u a n t i t ä t und, was durchaus nicht übersehen werden darf, der Q u a l i t ä t nach ausfällt. Während in Friedenszeiten der Feuchtigkeitsgehalt des in Deutschland geernteten Brotgetreides für unsere Brotver­sorgung eme geringe Rolle spielt, da wir die im allgemeinen trockmre überseeische Ware mit heranziehen können, sind wir in .Kriegszeiten ganz von unserer eigenen Ernte und deren Beschaffenheit abhängig geworden. Jedermann weiß aber, daß das Konservierungsproblem, selbst rvenn es so günstig gelost ist wie in unserer Kriegsgetreideversorgung, stets Un- licherheitsf^toren in sich schließt, denen eine vorsichtige, wirtschaftliche Kriegführung Rechnung tragen muß. Wir dürfen und wollen uns bezüglich unserer Brotgetreidever- wrgung im Kriege auch nicht der geringsten Ge­fährdung aussetzen; nach wie vor müssen wir nicht nur darauf bedacht sein, am Schlüsse eines Kriegserntejahres eine ^ r ar T( c^ 0Tl br-o Kopf und Tag zu haben, welche derjenigen zu Anfang des Erntejahres gleichkommt, sondern wir wol- len auch wie nt diesem Erntejahre die Möglichkeit haben, im Notfälle durch Brotzulagen Schwierigkeiten der Nah- rungsmittelversorgung auf anderen Gebieten zu mildern. Um dieses Ziel aber durchzuführen, muß mit aller Energie an dem Grundsatz festgehalten werden, die Brotgetreideversor­

gung nicht nach den Beständen zu regeln, welche kurz nach dem Ernteergebnis vielleicht als erfreulich hoch erscheinen könnten, sondern die Verteilung dieser Bestände mit Rück­sicht auf die Bedürfnisse des ganzen Jahres und unter Zu­grundelegung aller vorhandenen Unsicherheitsfaktoren sest- zusetzen.

Gewiß, es ist begreiflich, daß die einzelnen Kreise der Bevölkerung mit ihren verschiedensten Interessen und Wün­schen der kommenden Brotgetreideernte gegenübertreten, die Konsumenten mit dem Wunsche nach Erhöhung der Brot­ration, die Landwirte mit dem sicherlich ebenfalls sehr be­greiflichen Wunsche nach Erhöhung der Futtermittelzuwei­sung usw. Aber diese Wünsche zu näheren, ehe das Ergebnis der neuen Ernte feststeht, und ehe an diesem Ergebnis die Verteilung der Bestände für alle in Frage kommenden mili­tärischen und Zivilbedürfnisse berechnet werden kann, er­scheint nach keiner Richtung hin als wünschenswert. Denn wir wollen in dieser Beziehung keine Enttäuschungen erle- leben, so sehr wir uns freuen werden, wenn das neue Ernte­jahr gegenüber dem alten hinsichtlich unserer Brotgetreide­ernte angenehme Ueberraschungen bringt. Wenn aber in letz­ter Zeit manches anerkennende Wort über die zentrale Re­gelung unserer Brotgetreideversorgung im Kriege gesagt wor­den ist, so wird man dieser sicherlich auch darin vertrauen können, daß sie die neue Ernte, wenn sie reichlicher ausfallen sollte wie die letzte, nach dem Gesichtspunkte oes allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesses zur V erteilung bringen wird.

Kapitän König über Sie Unternehmungen der Handels-Unterseeboote.

Rotterdam, 13. Juli. Laut hier eingegangenen Kabel­nachrichten aus Baltimore veröffentlichen die amerikanischen Zei­tungen folgende Auslassungen des Kapitäns König, des Führers des deutschen HandelsunterseebootesDeutschland":

Mein UnterseebootDeutschland" ist das erste HandelSuntcr- steboot der Welt und seine erfolgreiche Reise nach Amerika mit einer für die amerikanische Volkswfft'chfft wertvollen Ladung an Farbstoffen bedeutet das Wicderanknüvfen von direkten Bestehungen zwischen Deutschland und Amerika. Seit mehr als einem Jahre hat England gegen alles Völkerrecht und Seerecht eine Papierblockade erklärt, um den englischen Kanal und die Seefahrt nördlich Schott­land bis Island zu sperren, und daher eine Blockade auch über die neutralen Häfen Hollands und Skandinaviens verhängt.

Welchen Vorteil hat Deutschland, wenn cs für die amerikanische Industrie Farben liefert? Jedenfalls für den Ausgang des Krieges gar keinen. Und doch hat England auch darüber die Sperre ver­hängtEs wirst sich die Frage aus, ob dieses nicht geschehe, um Amerikas Textilfabriken nicht einen Vorterl zukommen zu lassen, der es ihnen ermoglick>en würde, die Konkurrenz von Ntancbester toährend des Krieges in Südamerika und Ostasien zu verdrängen' Unse.e neuen Tauchhondelsschisie l-aben den Verkehr setzt ausge- nonrmcn und Amerika trotz Englands Vorschriften und Behinderun­gen die so nötigen Farben und aicherL-IÜr das amerikanische Wirt­schaftsleben nötigen Fabrikate zugesührt. Was England nrit den stolzen WortenBritannia rules lhe Waves" zum Holme der ^reihert und Gleichheit aller Nationen aus dem Meere ausspricht ist an einer kleinen Stelle als Anfang gebrockxm.

Unsere Handels-Tauchboote werden den friedlichen Verkehr mit unseren amerikamsclxm Freunden trotz Blockade austecht erhalten Ern zweites Boot, dieBremen", ein Schwesterschiss dieses Bootes, folgt bald.

Die Deutsche Ozeanreederei G. m. b. H. Bremen ist ins Leben gerufen aus Veranlassung von Herrn Alfred Lohmann, dem Vor­sitzenden des Aufstchtsrats der Gesellschaft. Ihm stehen zur Seite als Kollegen ,m Aufsschtl)sra1 Herr Philipp Heincken, General­direktor des Norddeutschen Llovds. Herr Paul Millington, Herr Herrmann. Direktor der Deutschen Bank. Als Leiter der Gesell- stziast ist Herr Car! Stapelfeldt, Direktor des ^Norddeutschen Llovds tätig.

Im September 1915, als es sicher war, daß der Krieg trotz der weltgeschickstlichen Erfolge Deutschlands und seiner Verbündeten in Polen, Kurland utid in Serbien noch Monate dauern würde, ließ Herr Alfred Lohmann, damals Prä es der .Handelskammer Bremen, die Pläne für große Unterseeboote entwerfen uni) fand dafür in vertrauten Kreisen sofort Verständnis, und der Bau der Boote begann im November bereits, um nach sechs Monaten das erste Boot in Fahrt zu haben.

Etwa 2000 Tonnen Wasserverdrängung hat dieDeutsch­land" und läuft dabei über 14 Mistlcn aus der Oberfläche. Unsere Hausslagge: Der blaue Brewer Schlüssel in der Bremer Flagge des rot und weiß gestreiften Tuches - ist oas Symbol, daß wir uns jetzt den Schlüssel für den uns zugedachten Kerker selbst schmiedeten und gebrauchen. Nicht fortnehmen kann ihn Engkmd, denn er ist, wie so vieles Großes, was in dem Kriege in Deutschland erstand, das Symbols der Freiheit aus eigener Kraft!

Die tausend Jahre alte Bremer Flagge mit ihren roten und weißen Streifen will unsere amerikanischen Freunde daran er­innern, daß es Deutschland war, das die Vereinigdm Staaten auch zur Zeit ihres Kampfes um die Freiheit von englischer Herrschaft vor huudertdreißig Jahren unterstützte. Die entstandene ameri­kanische Flagge ist der Bremer ähnlich und ähnlich auch der Drang beider Völker nach Gleichheit und Freiheit aus dem Meere.

Wir Deutsche von der Wasserkante mit unseren hundertjähriges Beziehungen zu diesem schönen Lande, mit dein uns engste Bluts- 'und Verwandtschaftsbande verbinden, halten unerschütterlich fest an dieser Freundschaft. Wenn dieser uns aufgezwungene Krieg um die Existenz Deutschlands und seiner Verbündeten siegreich beendet ist, wird man aufhören zu sagen:

Britannia rules the Waves" und dann sagen: Egualitv and Freedom for all naticns on the Waves.

Dann können amerikanische sowohl als deutsche Schiffe und die aller Nationen der Welt frei dem Verkehr und der Zivilisation dienen!"

London, 14. Juli. (WTB.i Tie Exchange Telegram Com­pany meldet aus Rio de Janeiro: Die ZeitungRua" berichtet, daß in Rio die Nachricht eingetrofien ist, das TauchbootBre­men" könne dort binnen zehn Tagen erwartet werden.

Washington, 14. Juli. WTB. Nichtamtlich.» Meldung des Reuterschen Bureaus. Fast alles Nickel in den Vereinigten Staaten kommt aus Kanada, alles Gummi kommt auf britischen Schissen aus England dorthin. Beide Produkte werden unter der Bedingung nach Amerika aus ge führt, daß sie nicht an Englands' Feinde weiter verkauft wer­den dürfen. Die Frage ist alsv berechtigt, woher die Ladung _ dieser Artikel kommt, die sich aus dem Pier der Deutschland" befinden. Eine Beschränkung beim Verkauf von Gummi und Nickel berührt nicht die Regierung selbst, aber man.fürchtet, daß, wenn die Beschränkuug in diesem Falle nicht gewissenhaft eingehalten wird, die künftigen Aufträge von Kriegs- lieferuugen für die Alliierten "davon betroffen werden möchten^ Die Entscheidung Amerikas.

London, 14. Juli. (WTB.) DieTimes" melden aus Washington: Die Inspektion derDeutschland" durch drei Seeoffiziere hat mit der Entscheidung geendet, daß sie ein unbe­waffnetes Handelsschiff ist und nicht auf hoher See m eilt Kriegsschiff verwandelt werden kann. Tie Regierung gibt zu, daß es unausführbar ist, das Tauchboot auf hoher Sec anzuhalteir und zu durchsuchen, und erklärt. sie würde nicht protestieren, wenn die Verbündeten aus der Höhe der Ehesapeake-Bai, außerhalb der Dreimeilenzone, Kriegssckstffe versammeln würden.

Kriegsbriefe ans dem westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die Schlacht an der Somme.

Großes .Hauptquartier, am 13. Juli.

Nördlich der Somme batten in den letzten Tagen andauernde sehr schwere^Jnfanterieangrisfe staltgcfunden. Tie Engländer haben sehr grosse ^ruppenmassen herangeführt und »ne von Tag zu Tag steigende Zahl von Divisionen in den Kampf geworfen. Es war ihre

Gberhessischer Kunstverein.

Gießen, 15. Juli 1916.

Der Oberhessische Kunst».'re in hat ffir diesen Sommer noch einmal die .Pforten seiner Ausstellung am Brandplatz geöffnet und z-ergt eine sehr interessante Sammlung rein graphischer Arbeiten, «n der drei Künstler beteiligt sind: Siegfried L a b o s ch i n , Bres­lau, Alois Wachl jneier, Münclseu und Elisabeth B o n i n , Worms^ abseits davon halten si«ch die Aquarelle von

.Pros R. H offmann. Es komnien auf dem begrenzten Kunst­gebiete der Graphik damit drei ganz verschiedene Persönlichkeiten zur Geltung, die sich nur unter dein Burgfrieden einer Ausstellung mit einander vereinigen lassen. Dem Empfinden des unbefangenen Betrachters am nächsten stehen die Arbeiten des Breslauer Labo- ichm. in der Hauptsache Radierungen, die sck>vn dadurch einheimeln, daß sie im Motivischen an gern gestlsene Objekte anknüpsen, oder -^andschaftsstimmungen tvi^ergebcu, deren StimmungSgehalt un­serem Empfinden vertraut ist. Und deirnoch verwundert man sich, wie sicher der Künstler seine Motive in Wirkung zu setzen weiß. Das gilt besonders für die Porta della Carta Venezia und die Piazzetta 3. Marco oder Schloß Chillon, drei Arbeiten, die in dem Spiel von Licht und Schaltni vorzüglich sind. Ter geheimnis­volle Ausbau des Dogenpalastes, der selbst auf der Wirkung von Licht unk Lchatten ausgebaut ist, sv daß dein dynamischen Anschein entgegen die vielfach durchbrochenen Untergeschosse mit deni Schat­tendunkel massiv tragend nnd die kaum gegliederten Flächen des Oberbaues in ihrein Lichte leicht und gewichtlos wirken, dieses archi­tektonische Wunder kommr in der graphisckfen Behandlung besonders glücklich zum Ausdruck. Auf alle Blätter einzugehen, würde zu luert kühren: Wir machen neben deii Landschaften noch auf einige seine Kopse, darunter Engelbert Humperdinck und Exzellenz von Woyrsch auffnerkiam nnd das anscheinend neue Verfahren Laboschins, die Stiche auf Leide zu ziehen, was den Arbeiteil den seinen, weichen, seidigen Glanz verleiht. Allerdings zeitigt der Glanz den Nach­teil, daß bei gerade auffallendem Licht die satten Tiefen verlieren und das Gan.ze etwas verschwommen wirkt. Urnso eindringlicher betonen sich die Gegensätze bei indirekter Beleuchtung

Auch Elisabeth Bonin sucht sich schon in der Wahl ihrer Motive das >«.nteresse des Beschaners zu »sichern, das man z. B. Mi und sür sich den Räumlichkeiten deS Goetl-ehauseS, dem Hause der Frau von Ltein und traulichen allen Winkelii darunter sogar eine Hausergruppe aus Gießen nicht versagen kann. 9tbcr nicht die Motive allem smd reizvoll, auch ihre Ausführung ist künstlerisch beherrscht und wo es sich um farbige Arbeiten handelt, sein ab­getönt. ,

Im Gegensatz dazu könnte man nicht saget,, daß ?Nois Wa chl- meier die Motive ferner.Arbeiten-r sich sprechen ließe. Man merkt es sofort, wie ihn die konventionellen Begriffe des Schönen vollkommen gleichgültig lassen. Ihn interessiert nur der kompo­sitorische und rhythmische Wert feinet Vorwürfe Von diesem Gesichtspunkte aus läßt er sich weder durch eine Verzeichnung noch durch eme karikierende Uevertreibung der Eiikzesheiten davon ab- halten, innerhalb seiner eigenartigen zeichnerischen Einstellung nur

aus eine expressionistische Gesamtwirkung auszugehen. TaS ruft mMichmal den Eindruck einer erschreckend grotesken Phantastik ^rvor, sobald man aber einmal ernstlich den Absichten des nachgegangen ist, wird man zum mindesten seinen illvsichten, gerecht werden können, wenn man sich auch nickst gleich damit besrewnden kann.^ Bequemer ist es ja allerdings, das aus ?^en Blick Unverständliche kurzerhand abzulehncn, wer sich aber die Muhe ernstlichen Bcschauens gibt, wird gerade bei Wachl- m»er tiefe Einblicke in die Bestrebungen unfern Modernen tun können. Zu diesem Zwecke loird man sich am besten zuerst mit g getönten Blättern befassen, unter denen der gelb-violette

.Rädchenkops ganz l)ervvrragcnde Werte in sich schließt.

Betrachtet man hiernach die Arbeiten von Pros. R. Hoff- mann, so kann man von dem Eindruck einer süßlickten Naivität scthver loskommen. Und doch sind unter seinen Aqtiarellen Blätter, Inte derDom zu Limburg", die durchaus beachtenswert sind, Es kommt eben m,s die künstlerische Einstellnng des Auges an, und es genannt immer mehr den Anschein, als seien die modernen Maler draus und dran, uns zu zwingen, uns ihrer ?brt der Wahrnehmung anzupasseti. Zz

»

rotener Lrnahrungrfragen.

. , Man schreibt uns aus Wien: Zunächst muß sestgestcllt wert», daß Wien vielfach besser daran ist als andere Städte. Wien z. kennt wie die nächstbenachbtrte größere Stadt Graz, imn noch keine fettlosen Tage, obwohl aber nur für Gastkückten wenigstens em solckter Tag der Woche, und zwar der Samslc sur die nächste Zeit ui "?lussichl genommen ist. Es hat pal Butter-noch> Fleischkarten. Und selbst die sogenannten zwei fleis losen Tage, am Dienstag und am Freitag jeder Woch-, sind mehr dem Namen und viellcickst auch (ans freiwilliger Sparsm CcU) der Uebimg nach als dem Wortlaitt der Brnschrist zusvst ZU 1 *Kf an Tagen werden in den Gasthöfen wie n

den Markten nicht nur Süß- und Seewassersische aller Art vr kauft, sviidern aucks Geflügel. Wild und Wiirstlvaren und v allem Hammelfleisch, an das sich der Wiener Gaumen aber ni, gewöhnen will. Eine wirkliche, obrigkeitlich sestgelegte Beschrä rung gibt es nur im Verbrauch von Bootsrucht nnd Zucker Alle drngs: auch beim Eier-, Schweinesleisck>- und Milcheinstruf könn, rI C - - Hausfrauen nicht so ivie im Frieden Mis dem Voll' schöpfen. Manchmal sind in diesem., manckimal in jenem Laden * fr® MM nächsten Tage auSverstruft, und darum stell sich 4Zor,lchttge einige Stunden lang vor Ladenöffmmgen an. u nicht mtt der leeien Eiickaufstasche l-eimgehen zu müssen. D ^Lplns^l rosten setzt nicht nur Geld, sondern muh Zeit, iind tx ist schlinini sich die, die durch die Zeit Geld verdienen solle Es werden allerlei Plane erwogen, wie diesem Ueb,^1stand abz- he wn nwre. Weniger die mat.wielle Seite der IHcnÄ tuschaffnng. als eben diese technische ist das Problem. Die Wien Grnahrungs fragen sind eine Mittelstands frage sich die unter, Mirgerlichen Schichten, namentlich überall dvrt, um die Frau Kwrucn, Kaufläden, Klcingelverbebetricben an die Arbeitsstelle d Mannes getreteli ist.

Dre Aermeren sind im Verhältnis besser daran. Seit Kriegs- beginn werden sie aus, Mitteln öffentlicher Wohltätigstüt gespeist. Gleich in den ersten Kriegsmonaten, trvck) im Oktober 1914, wurde aus Grund privater Anregung der Ausspeiseverein vom ./Schwarz- Gelben-Kreuz gegründet der»n sehr hübsches, von dem jüngst verstorbenen Bildhauer Karl Lchsverdtner entworfenes Wreirüen zu zivei Kronen für seine Zwecke verkaufen ließ. Und wer ein solckres Abzeichen anschasste, trug das gute Bewußtsein an der Brust, zehn KuZn.em nahrhaftes Mittagmahl b^ahlt zu haben. In allen dl Bezirken Wiens wurden Ausspeiseanftalten instchliert. es touren rund 25 int Oktober 1914, und rund 20 000 Prersonen, die täglich au^gespeist wurden. Damals betonten sic ein Stt'ick Wurst mittel- Unacrlang, etn Viertel Laib Brot und in den mitgebrachten Naps sollet -suppe. Die Wurftverteiltmg mußte seit der N!lUPretswrt»ierutig mittlerweile allerdings beschränkt werden.

^ invt ©emüft, Kram. Kohl, SülsenfrÄchte Tt ^^offeln. Aber mich diese Kost nährt ihreti Mann! Sic ist^cmsgielny, nahrhaft und von erprobten Köchinnen ausgezeichnet

An diesen vollständig kostenlos verabreichten Mittagsmahlen schon ungefähr der 10. Teil der Bevötkenina teil i tC der Beköstigten nämlich ans btC >1 der dlusspeyestellen ober hat sich zur raschesten .lbwicklung vervicr- oder versiinnächst: die Au-sveinuigen N3 Ausi^sestollen. di. h-MKsMi» l T n ^alwruen L'lmmrring. Rudolsslstüw. Her- gelegen sind. 427 grauen und Mädchn des Wiener ltaben dem Unternebmen. dessen obersw L. itung der städtische Magistrat lxtt. ihre Arbeitskräfte zur Beiffimmg gestellt Und man tonn sagen, das; mit dieser großzügigen Hiissglrion^ dre seit zw» wahren klaglos arbeitet. Wien allen änderen Städten Üch Zeitungen. Behörden. Gememderat ^ < ErnaluuiigSpivblem mehr als rrirber Iv.

E d ,0 . lwgt das daran, daß ztoar ffir die Arinen, nickst aber sin die .weniger Bemtttelten gesorgt ist. An Mittelstandskuchm ^ 75 » Äadtenbestehen nnd ein ganzes Madl ffir

Pfennig verabreich.,.. r>Mt es uns ganz!ul, Fast am ^x>ber wie Deutschland kein >ßriäq->wnabn ni'.antt ^ ähnliche Zentralstelle zur Reg?lnnq der Leben smi ttelzt ffuhr imd -Verteilung erhalten. Sie heßch intei- - Ministerielle >lp«pto^^n^mgs^mttniff,on" und die Haupt-

ausgabe durch geschickte Orgaüffatton den Zeitverlust beim täa- l>"m.ndcrn ^ nor «ms i»-r Wo» m f i l 5 l J U "'messen mich an die Eriichttmg von Krieitsküchen »».

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entwegten Jndnrchvsalisten ist ,p'rat>' die geringe Zalö die m dem genngen. sehr geringeil 'Breie des Ki-sirnskücheiimalü y m der abwkAstlungsre.ch znsamine,.gestellten Spnsew'q> ..

in der Natur ^ Wieners seinen Grmch ha0 sebr de.u-.Lch'

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