Hr. 155 Zweites Natt
M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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General-Anzeiger für Gberhejjen
Mittwoch, S. Zu!i Mk
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcir Univerfttäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Einst und setzt.
Unser gegenwärtiges Ringen mit England wird oft mit den .Kämpfen verwichen, die Ncwvleon vor 100 Jahren mit Großbritannien führte. In der Tat finden sich in der da- maligen Kampsesweise England viele Analogien mit unserer Zeit. Am charakterischsten kommt diese Aehnlichkeit in der englischen See- und Kolonial-Kriegfübruug z^um Ausdruck. Damals suchte Errgbanö mit .Hilfe seiner Übermacht tigen Flotte Frankreich von seinen überseeischen Besitzungen abzuschlyeiden und die Zustchr a-ller kolomalen Rohstoffe nach dem europäischen Festlande z-u Unterbinden. Zur Durchs fnhrung dieser Politik brauchte England freilich noch nicht, wie in unseren Lagen, internationale Verträge zu brechen. Dies lag aber weniger an dem zarten Gewissen der englischen Regierung, als daran, daß die damalige Handel's- entwicklung fwch kein international vereinbartes Seekriegsrecht geschaffen hatte. So blieb die völlige Nichtachtung aller über den internationalen .Handel geschlossenen Verträge der jetzigen englischen Generation Vorbehalten.
Genau wie heute befruchtete vor 100 Jahren die Not der Zeit die Erfindungsgabe der blockierten Länder. Die damaligen französischen Kolonien waren mit ihren hoch entwickelten ZuckerrohrkEuren die Hauptlieferanten für den Zuckerbedarf Frankreichs und der angrenzenden Länder ge- :v>ejen. Als die englische Flotte die Zufuhr sperrte, herrschte zunächst eine gewisse Zmkernot. Mer unter dem Druck dieser Not gelangte man dazu, den Zucker aus Rüben herzustellen und so einen vollwertigen Ersatz für den ausgebliebenen, Rohrzucker zu schaffen. Das Verfahren verbesserte sich im Lause der Jahre. Als nach dem Sturz Napoleons die englische Flotte die Seesperre rvieder aufhob, zeigte sich bald, daß der Rohrzucker dem viel billigeren und «ebenso guten! Rübenzucker nicht mehr gewachsen war. So würden die Grundlagen für unsere heute so entwickelte Zuckerindustrie unter dem Druck englischer Willkür geschaffen. Dies nur ein Beispiel für viele!
In unserer Zeit liegen die Verhältnisse etwas anders. Es sind nicht mehr Millionen-Werte, sondern Miltiarden- Werte, mit denen die Kolonien uns heute versorgen. Vor dem Kriege bezog Deutschland für über 3 Milliarden Mark Rohstoffe und Produkte aus kolonialen Gebieten. Man braucht nur au Baumwolle, Gummi, Oele und Fette, Tränte und Leder, Holz, Kupfer, Kakao, Kaffee, Tee, Tabak zu denken, um die Wichtigkeit und Bedeutung der Einfuhr kolonialer Rohstoffe zu erkennen. Wenn heute die Hausfrau schweren Herzens ihre kupfernen Gefäße beschlagnahmt sieht, wenn sie über Fetttnappheit zu klagen hat, wenn Reis und Kakao nur schwer zu erhalten sind, wenn die Stiefels ohlen doppelt so teuer sind wie vor dem Kriege und die Gummireifen eines .Fahrrades nnmer kostbarer werden, so hat dies alles sdine Ursache in der fehlenden Zufuhr ans den Kolonien. Die englische Blockade hat mit einem Schlage zuwege gebracht, was jahrzehntelange Arbeit aller Kol'o- nialfreunde nicht vermocht hatte: Jedem einzelnen ist die Wichtigkeit kolonialen Besitzes klar geworden, denn jeder hat es am eigenen Leibe verspürt, was es heißt, bei dein Bezug kolonialer Rohstoffe von dem mehr oder weniger guten Willen anderer abhängig zu sein.
Darum wird auch beim Friedensschlüsse nuferen Kolonien ein größeres Interesse entgegengeftrackft werden müssen, als es Frankreich nach dem Sturze Napoleons 1815 tat. Noch unter Ludwig XVI. bchaß' Frankreich über 10 Millionen Quadratkilometer Kolonialgebiet, nach dem Wiener Kongreß 1815 sank sein kolonialer Besitz am wenige hunderttausend Quadratkilometer herab. England war der unnmschräirtte" .Herrscher der Welt geworden und konnte die koloniale Zufuhr jederzeit nach Gefallen regeln. Damals tröstete man sich bald über den Vertust mit den vott
England aus verbreiteten freihändlerischen Th^rien, wonach.man ja alles Gute von allen Gegenden beziehen könne, gleichgültig, unter wessen Verwaltung sie ständen, heute aber erkennt man in Deutschland, daß tvir nach diesem Kriege ein unseren Bedürfnissen entsprechet es Kolonialreich und nicht bloß allerlei. Zusicherungen uud handelspolitische „Grundsätze" seitens Englands haben müssen.
Man hört in letzter Zeit die Meinung äußern, daß ohne Beherrschung des Meeres, ohne bessere Küste, Deutschland ja dock) wieder von den Kolonien abgeschlossen würde im Falle eines neuen Krieges, Kolonien also nur Sinn hätten nach Erfüllung dieser Vorbedingungen. Ohne hierzu Uno damit zu den Kriegszielen Stellung nehmen zu wollen, auch nicht ablehnend, müssen wir diesem Gedankengang doch, wie es auch der Kolonialstaatssekretär Dr. Sols anssprach, entgegen halten, daß wir die Kolonien vor allem für eine hoffentlich recht lange Friedenszeit brauchen. Zudem werden die Erfahrungen dieses Krieges nidyt unbenutzt für die Verteidigung des deutschen Kolonialreiches nach dem Kriege auch zur See bleiben. Wir brauchen Kolonien, auch wenn uns der Friede keine bessere Küste bringen sollte. Unser Bedarf an kolonialen Produkten ist so groß und von so vitaler Bedeutung, daß wir uns den Bezug dieser Waren oder wenigstens einen Einsluß auf ihre Preisbildung sichern müssen.
Messbriefe aus dem westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Der englisch-französische Angriff auf die Westfront.
Großes Hauptquartier, am 3. Juli.
Auch während des zweiten Tages ihrer „großen Offensive" unternahmen die Engländer und Franzosen in der Absicht, uns an
Verschiebung unserer Reserven zu verhindern, allenrhatben Beunruhigungsunternehmungen. stark? Feuerüberfälle, die sich beim Prieüenvalde zu Trommelfeuer steigerten, Gasangrisse und Patrouillenvorstöße. Wo diesen Vorbereitungen Jnfcmterieangrisse folgten, wurden sie überall restlos abgewresm, stellenweise unter sehr blutigen Verlusten für die Angreifer. Sehr viele Tote haben die Engländer bei dem ergebnislosen Anrennen gegen unsere Stellungen in ihrem Frontabschnitte nördlicherer Somme liegen lassen. In den Häsen Kämpfen beiderseits der nomine treiben die Franzosen wieder Massen von Schwarzen als Sturmtruppen vor. Es ist bannt zu rechnen, däß'die Verbündeten ihre Anstrengungen noch erheblich steigern werden, i.acydem der wuästige erste Anprall statt des erhofften Durchbruches der deutschen Front in vierzig Kilometer Breite nur zu dein Eindrücken einiger erster deutscher Stellungen geführt hat. Bei Verdun versuchen die Franzosen mit erhöhten Kräften, uns txxi der inneren Verteidigungslinie der Festung abzudrängen. Sie behaupten dabei wieder ha Ü in ihren letzten Heeresberichten, bis in das Werk Thianmowt gelcmgt zsl sein, das sic dann allerdings immer wieder verloren hätten. Ta sie in Wirklichkeit nur einmal bis in die Nähe dieses Forts gelangt sind, hat es mir den Anschein, als ob sie ui ach dem berühmten Muster des „Toten Mannes" mm das Werk Thiaumont auf der Karte südwestwärts in eine der dem Werke „Kalte Erde" genäherten Batteriestellungen wandern ließen. Bei diesen imunterbrachenen Kämpfen itt uns die Wegnahme der „hohen Batterie" gelungen, die für die Franzosen nach dem Verluste von Fort Baux als Beob- achtungspunkt großen Wert besaß.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Arrs Hessen.
Anordnung von Polizeilreibjagdeu auf Schwarzwild im hinteren Odenwald.
Ter Mgeordnete Lang hat in der- Zweiten Kammer folgenden Antrag gestellt: „Die Kammer wolle Eft. Regierung ersuchen, alsbald zu veranlassen, in den Gemeinden, wo Wildschaden durch Wildschweine festgestellt worden ist. Polizeitreibjagden unter Aussicht des Forstperionals abzuhatten, daß diesem Uebelstand abge-
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halfen wird." Der erweiterte erste Ausschuß der Kammer beantragte daraus, „die Gr. Regierung zu ersuchen, daraus hinzuwirken, daß zum Zwecke des Abschusses von Schwarzwild im südlichen Odenwald ein militärisches Jagdkommando aus nicht lriegsverwen- dungsfähigen Militärpersonen l Forstschutz beamten,^ gelernten Jägern, Jagdpächtcru nsw.) unter Oberleitung elftes geeigneten höheren Forstverwaltungsbeamten gebildet werde, die Mschnßprä- mien evtl, erhöht und auch dem Erleger bei Treibjagden ausgezahlt werden. Ter Abschuß hätte spätestens Ende August planmäßig zu beginnen. Tie entstehenden Kosten möchten dem Kommunalverband zu Last zu setzen sein."
Aus Stadt und Land.
Gießen, 5. Juli 1916.
Die Leistung unserer Landbevölkerung.
Wenige Wochen trennen uns noch von der Ernte, die bestimmt ist, das deutsche Volk im uächsteu Jahre zu ernähren. Schon neigen die kornschweren Halme ihre Häupter uud die Bodenfrüchte strecken ihre grünen Blätter in die blaue Luft. Unendlicher Segen rcirff heran, treu behütet von Deutschlands tapferen Söhnen. Dankbar müssen und wollen wir unseren tapferen Helden sein, die Gut und Leben einsetzen. aber wir dürfen auch nicht gegen, die ungerecht sein, die unter Ueberwindung der allergrößten Schwierig- kecken ihr ganzes Können, ihre ganze Arbeitskraft einsetzen, um den schändlichen Plan unserer Feinde, uns durch Hunger zu dem zu zwingen, wozu sie uns dank der Tapferkeit unserer braven Truppen durch Waffengewalt nicht zwingen konnten und nie zwingen werden, zunichte zu machen.
Durch die allgemeine Teuerung der Lebensmittel hat sich ein recht unerfreulicher Gegensatz zwischen Stadt und Land berausge- bildet, ist doch der Städter mm zu leicht geneigt, dem Landwirt die ganze Schuch für die bestehende Teuerung in die' Schuhe zu schieben. Leider schließt sich diesem Vorgehen auch ein Teil der Presse an. Gewiß gibt es auch unter den Landwirten Leute, die das persönliche Interesse dem der Allgemeinheit voranstellen, aber cs muß doch einmal feftpeftellt werden, daß gerade unsere deutsche Landwirtschaft ein so stark entwickeltes Heinmtsgefühl, eine so große Baterlandslieba betätigt, daß bei ihnen wohl vor allen Dingen der Grundsatz gill: „Alle für Einen, Einer für Alle!"
Was nun die Preissteigerung der landwirtsck>aftlichcn Eyeug- nisse betrisst, so muß zunächst festgestellt merben, daß ebenso selbstverständlich, wie sich durch den Krieg die Produktwnkosten auf jedem Wirtschaftsgebiet gesteigert haben, sie sich auch auf dem Gebiete der Landwirlschast steigern mußten. hierzu kommt, daß gerade in der Lanchvirtschaft mit ihrer außerordentlich schweren körperlichen Arbeit, der gänzliche Mangel au jungen, kräftigen Leuten viel schwerer empfunden werden mußte, wie in jedem anderen Betriebe. Der Städter ist nur zu gerne geneigt zu glauben, daß die landwirtschaftlichen Arbecken keiner Uebuug bedürften und daß jeder Mann sie leicht uird schnell ausftihren könnte, man glaubt, da werden dem Landwirte einfach eine Anzahl Kriegsgefangener zur Verfügung gestellt, und nun gcht die Sache und obendrein noch billiger, als wenn er seine eigenen Arbecker bezahlen müßte. Das ist natürlich weit gefehlt. Soweit es sich bei den Kriegsgefangenen um laudwirtschastliche Arbeiter häiwelt. mag es noch gehen, trotzdem die Bestellungsweisen bei unseren Feinden naturgemäß ganz anders sind, wie bei uns. Wo der Landwirt aber ganz - ungeschulte Kräfte erhält, da mag er sich manchmal wagen, ob es nicht besser sei. sich lieber ohne sie zu behelfen. Wie es mit denn Arbeitermangel bestellt -ist, so geht es auch mit dem Zugvieh. Wieviele Wirtschaften müssen ihr Milchvieh mit zur Zugarbeit I>erLUziehen, also eine doppelte Produktion von ihm verlangen, ohne ihm 'aber nun -auch die doppelte Ration Futter geben zu fömtcit. Naturgemäß leiden dadurch sowohl die Milch, wie die Mbeitsleistung, das Vieh magert ab, ivird zur Nachzucht untauglich und nimmt dadurch au Verbrauchswert ab: der gerade jetzt so sehr wertvolle Dünger geht zuni Teil verloren oder kann doch nicht so zur Ausrniwrug hermrgczogcn werden, wie das sonst der Fall war. llugezählte tausende von Zentnern künstlicherc Düngers, die tvir m Friedenszecken aus dem Mslande holten, müssen dem Boden vorenthalten iverden, wodurch, seine Nährkraft und fern’ Erzeugungssähigkeit erheblich geschwächt tvird. Wie schwer, manchi- mal unmöglich ist die Beschafsimg des Evaatgiits? Es können und lallen hier nur die größten Schwierigkeiten erwähnt toerden, mir denen der Landwirt zu käliipsen hat, alstdie tauseird lleinen Sorgen,
Aus ungedriickte» Briefen Gustav Zreytagx.
^ Das Juli he st der bei Gebr. Paetel in Berlin erscheinenden ..Deutschen Ruiidfcha-u" bringt einen wertvollen Beitrag zur Ge- 'ckrchtc des Lebens und Schaffens Gustav Frcytags, dessen aus den 13. Juli 'fallenden 100. Geburtstag das deutsche Volk zu begehen ini Begriffe steht. Es sind dies Briefe, die der Dichter in den Jahren 1856 bis 1862 mit dem Grasen und der Gräsckl Wolf Baudissin gewechselt l>at. Sie bilden nur einen Teil des« umfangreichen Brteftvechsels Mischen Fveptag und dem Baudissins, der bis zu Fretztags Tode mt Jahre 1895 reicht. Gras Wolf Baudissin ivar der bekannte, ausgezeichnete Shckßefpeareübersetzer; auch die Gräfin, eine geborene v. Kaskel aus Dresden, hat sich schriftstellerisch betätigt, indem sie unter dem Namen „Tante Aurette" als Verfasserin non Erzähluiigen für die Jugend an die Oefsentlichkeit getreten ist. Für diese Arbeiten vermittelte ihr Freptag im Jahre 1856 einen Verleger, rnid dabei entrvars er ein Bild von dem Betriebe uud dem Charakter der Jugeiidschriitem Verleger, das ganz den echten behaglich-drolligen Humor von „^roll und .Haben" atmet. Er macht seine „holde Gvnncrin" dar- aut aufmerksam, daß „Kinder- und Jugendfchriften eine eigeiie Branche sind, welche nicht mck Vorteil von jedeni Verleger in Deutschland genommen werden kann: denn das gmrze Geschäft muß Mif sie eingerichtet sein. So harmlos sie auch in der Regel sind, sie machen die Handlung, tvelche sich mit ihnen aogibt, m einem tropischen Charakter, voll der grellsteir .Kontraste. Neun Monate im Jahre die größte Mspannustg, Stille, tareirloses ^räumen, nur ununterbrochen durch gelegenttiches Ausbeffern ruinierter Bilder und bestoßener Teckel, und gleich darauf, einige Wochen vor Weihnachten, eine wahrhaft vulkanische Tcckig- keit, uugeheure Kraftanstrengungen, eine ins Bedrohliche gesteigerte Geschäftshitze. Natürlich sind üenrzufolge die^ Berleger von Kinder- 'chriften in der Regel gefährliche, entschlossene und doch uneder unberechenbare Naturen, mck denen un^ugechen ebenso intereftaur, als schwierig und verdienstvoll ist."
Im Jahre darauf geht durch den Briefwechsel Freytags nrck dem gräflichen Fremrdespaare die tracftsche Gestalt des Dichllws Otto Ludwig, der damals, schiver von - Krankheit heimgesucht, unter den bedrängtester^ Verhältuffscn litt. Frechag zeigt sich lremüht, dem geprüften Manne aus eine taktvolle Weise beizu- stehen und , richtet an Baudissin die Bitte, „Teilnehntm- eineB stillen Vereins zu werden, für fvelchen ich tneinen guten Gebieter zu Gotha und eiurge hiesige Freunde zu merfem Auchrcht habe." Besondereic Wert legt Fretztag dabei auf eine solche Nicrichllmg der Unterstützung, daß Lndivigs Stolz aus kerne Weise durch sie verletzt wird, und er inacht dabei e»ne lleine V’merkung, die als Beckrag zur Eharaktcristck B c r k h o l ds Au c rb a ch interessiert : „Mein kleiner' Auerbach wird wohl am besten von cmem solchen Plan ickchts erfahren. Er ist ein gutes Kerlchen, aber seine Verschwieaenhei:, sowohl gegen Lildwig. als gegen
ä^ere, ist unsicher. Er kräht ein wenig und fteut sich so herzlich über alles Guttun, auch über sein eigezres, daß ihm das Geheimnis wohl Herzdrücken verursachen kjftrnte." r- .Kreistag arbeitete in deir Jahren, denen der veröffentlichte ^erl des Briefwechsels an-gel)ört, Mnächst an den „Fabiern", vml dmiim denn auch ckr den Briefen wiederholt die Rede ist. So entschuldigt er am 15. Jckimar 1858 der Gräfin geglmübec seine Lässigkeit rvi Briesschxeiben mit dem Römerdrama: „Ich schlage mich noch immer mck ccnein altertümlichen Tyrannen herum, den rch durchaus nicht in der mir pafferrd erscheinenden Weise zum dramatischen Tod befördern kann. Das Gesindel, womit ich jetzt zu tun habe, ist hfftorisch und will absolut nicht sterbem Erst wenn ich die ganze Bande erschlagen Mid in einem Buche ^Zraben. lmbe, werde ich ivieder Mensch, prüsentabel, guter Gefühle fähig " Fi'cvtag ahnte damals nicht, daß sein „altertümlicher ^yvanu" ihm auch noch nach der „Erschtagung der gauzeii Banbe" sehr ernste Schwierigkeiten bereiten sollte. Darüber berichtet er am 8. März 1859 an Baudissin: „Nachdem die Beendigung des Druckes sich über Gebühr verzögert, ist gestern in der Druckerei rz-euer ausgebrochen uno alles Gedruckte und Gesetzte <10 Bogen bon 12) verbrannt oder vedorben. Auch das Nianuskript, von dem ich keine Mschrift hatte, war versckMunden, ist aber heute glümich wieder ermittelt worden." Dieses widrige Erlebnis trug der Dichter mit Fassuilg und mit Galgenhumor. „Ich Imbe zu- weileir rn meinem Leben Fortunas Launen erfahren, aber diese eil S lt ^^Mslhen zu ärgern, war mir neu. Und ich firtbe solches Beneh-ineu zu mcineul Bedauerm veräckitlckl)."
Ans ine „Fabier" folgten die „Bilder ans der deut- sche.u Ve r*g-amg e nh-e ick", über deren Absicht er in emem -öricfe vom 7. Dezember E859 interessante Aufschlüsse gibt: „Es war ber dieser Arb eck meine Absicht, dem Publikmu, das ich vor Augen habe, so oft ich zu schreiben versuche, eine Uebersickst von den Umbildungcil des deutschen Gemütes zu geben, gerade
Seite unserer geftlstchtckchtm Eickwickelung, welche in unseren Gefchichtswerken am wenigsten bervorckritt. . . Aicch ewige politische Hintergedanken hatte ich. Wird doch der große Entlvickwngsprozeß der^Niüwu seit Huß rnrd Luther immer iwch nicht so allgemein, verstanden, als mrs nottuk. Wer aber Menschen aus alter Zeit sprschen laßt, der kann nicht ;^anz verineiden, daß zuweilen Derbes und unser Ohr Verletzendes l-ervortouk. Möge meine oerehme Freundin, die mein ideales Damearpublikum vorstolll — freilich sonst noch etwas mehr — solche Rauheiten nicht für zu arg halten."
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Die zweite Krie-Lsspi-^l zeit der Mün-ch^ner Hoftheater. Aus München wird uns geschrieüeir: Die Hof- thcaler schließen chre Pforten zu mehrlvöck)emlichen Somwerferien. Ber dieser GelWenheit i)t sin lleiner Rückblick auf die Ärbcck im vergangenen Krisgswcklter von Interesse. D<^ Schauspiel tat
sich nicht übernnäßig durch glanzvolle Leistungen hervor. Wir laben im Herbst die tlraufführung der großarttgen Tragödie „Karrrnta von Orrelauden" von Dülberg und eine gute Aufmhrung der „Armut" von Anton Wildgans. Dann kamen Serien alter Stucke von Benedix, Kotzebue, Moser u. a. Mit Schnitzlers neuen Emakteru „Komödie der Worte" hinkte man Berlin, mit dem fthr oberflächlichen neuen Fulda „Der Lebensschüler" Hamburg ^ach. .Auch das Odysieusstück Gcrhan .Hauptmanns wurde nur kurze Jeck im ^prclplan gehalten. Der Shakespearezyklus ivurde um eine ^Othello"'Einftudierung int Residenzthcater bereichert. An gleicher stelle fah mau Halbes längstvergessenes Stück „Das tausend- f ahrige Reich" als verspätete Ehrung zu des Dichters 50. (veburis- In später stunde sahen wir eine gute Aufführung von „Komödie der Liebe", uird die Neu-Einstudierung von und mm" Hauptmanns ilt, besonders Schwanncckes Leiftung wegen, gleichfalls den positiveu Lfisttuigeu de^> Hoffchail- fMcls beizm-cchnen. Die Hofoper brachte in 249 Ausführungen 47 Werke, von denen Wagner allein mehr als den 5. Teil bestritt Mozart und Verdi wurden ebenfalls häufig gespielt, selteuw Met, rfivtow („Vdartha" imd „Alexanora Siradella" . Lorning. Atcyewecr und Gluck. Von neueren Kompornsteu kam Richard ^irautz mit „Rosenkavalier", „Salome" und „Ariadne" zu Wort auch 5dumperchncks „Hansel und Grete!" gab es zu hören. 14 Aufführungen erlebte Graeners Novität „Don Juans letztes Abenteuer". Vor allem aber erlebten wir im letzten Spielwinter die Uraufführung, der Opern „Violartta" uno „Der Niug des Polm krates" von E. W. l>dorugold, dem Wiener. Wunderkuaheu R R — Eine neue erfolgreiche Operette. Aus Kö-lu wird uns gef chrieben: Im hiesigen R e i ch s h a l l e n T h e a t e r das mm fchou den ganzen Winter und Frühling an lcbtzafte Qperettenersolgc gewohnt i>t, erzielte „Die rotc'Villa" von ll^^oseu und Kaufst ein, Musik von Eugen El aasen einen fclbu für tnefe Buhne außergewöhnlichen Erfolg Eine grös- liche -Lchwu'gernmtter inöctste verhüten, das; ihre Tochter ahn ! l .m tpübe Erfahrungen in ihrer Ehe erlebte, wie sie selbst, und ^oschrießt, das iunge Paar -aus der Hochzeitsreise zu dcgteuen Alv mefer Plan mißlingt, bringt sie ihre Tochter und den Schweegerfolm in ihrem eigenen Hause uuter. Mir ihre B3achsam reit fvrrd wiederum getärisckst. Das iutzge Priar entflieht bei Aacht m we „rote Villa", und als die ängstliche Gräffn dort ihren Schwiegersohn aus Muu'.feu zu ertappen meint, sinder sie. ihn zu ihrer Ueberraschung urit der ihin rechtmäßig augeckrauteu «vrau. Das Mut) ist reich an luftigen Szenen und belustigenden. Figuren, die Räuftk^des selu' bcgal'teu Komponisten Eugen Elaaseu fvirkt ungemein srrfch, höchst metodieureicl) und lmmvrvoll und ist auch im Orchestralen fein dedandeit. echte Operettcumun. u ] Schlagern urai ungewöhnlicher. Wirkung. Tie von dem ganz au - gezeictfucten Komiker Alois R eSiii vorbereitete und von Karen meifter Dwwrzak musikalisch geleitete Aufführung um vor treftRd),


