Ausgabe 
4.7.1916 Zweites Blatt
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Arktzrbneft Ms hm Veftes.

Bvn njcffTHi ArLgsderLyterAsÄer.

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Beute-Sammelstelle.

G r. Hauptquartier, im. Juni.

Wir standen obeit am Rande der erstürmten Waldfeste La Wa- äirllle Unten auf die paar Miauerstümpfe, ivclche die Stell.' des ^Dorfes Berrumont bezeichnen, warfen die Franzosen alle Angen­blicke in ziemlich regelinäßtgen Abständen schwere Granaten Die Todesschluchl" eilte der mehreren, welche in der Schlacht von Verdun diesen Namen erhalten hat, lag unter Sperrfeuer, wie ^gewöhnlich. Den Hang nach Nordwesten, wo der Kamps wild getobt .chatte, bedeckten frische Grabhügel, aus kreideweißem Kalkgebröckel «nfgeschüttet, mit Kreuzen aus silbernen Birkenästen, Freund und -/Feind alle gleich. Hier irnd da sah^man einen Armierungssoldaten, ider suchend dein Hang abging.^ie halten Nachlese," sagte unser s Führer.Das Sc^achtscld ist schon ziemlich aufgeräumt, aber man findet noch genug." Dabei deutete er auf einen Haufen französi­scher Stahlhelme, die durch ihre frische Farbe aus einem Gewirr hratt Tornistern, L^erzeug, Mänteln heroorstachenHeute nacht nvrtb das abgefahren Bei Tage kann sich hier kein Wagen bewegen." Dabei bückte er sich:Sehen Sie, was iroch alles herumliegt," und hob eirye in die Erde getretene französische Patronentasche auf, die Mit gefüllten Gescho strähnten vollgestopft war. Er legte sie /später an einem Grabkreuze nieder, wo schon andere Funde, die < ihnen zufällig bei Gängen über das Schlachtfeld ausgefallen tvaren, vereinigt hatten.

Bei der Rückkehr las ich in jedem Orte, durch den wir kamen, neben anderen Aufschriften die Tafel:Zur Beutesaminelstelle".

* ganz vorn, wo nur noch Ruinen stehen, findet sich irgend

ein Keller, wo die Schlachtietderfunde einstweilen untergebracht wer­den können.

Betritt man einen solchen Raum, so sieht man ein Mittelding zwischen einem Zeughause und einem Lumpenmagazin. Am Ein­gänge überwiegt der Eindruck der Trödlerei. In. wüsten Haufen Ivttd aufgestapelt, was von den vorfahrenden Wagen abgeladen üDn den Wänden aber entwickelt sich schon die siegreiche Ordnung, "die dieses imenlwirrbar erscheinende Chaos besiegt. In getrennten lPropitezen und Regierungsbezirken marschieren in Reihe und Glied ;<mt hier französische, hier englische Gewehre, hier die spitzen vrer- ^tatigen Seitengewehre der Poilus imd dort die kurzen Dolchmesser lder .Kanadier, dazwischen als Raritäten, die mehr in ein ethnogra- sphffches dNufeum. als in eine Waffenkammer passen, ausschweifend «geformte Sichelmesser irgend welcher afrikanischer .Hilfsvölker. !Em paar Landsturmmänner, unterstützt von einer Anzahl Ge­fangener, haben tüchtig zu tun, um den gröbsten Schmutz von Massen und Mvnttetmngs stücken zu entfernen und alles in sorgfältig mbgezähltcn-Bündeln zu vereinigen. Der Verwalter der Beute- ffammtt stelle, meist ein nicht felddienstfähiger Unteroffizier, nimmt Die Bestände in Listen auf- So unablässig, wie die Gegenstände augefahren werden, strömen sie auch wieder ab, vielleicht erst noch in cm Zwischendepot, zuletzt in den zugehörigen Armeebeutepark. Solcher erster Sammelstellen befinden sich viele hinter jedem Front­abschnitte, überall da, wo die beguem stell rückwärtigen Ver­bindungen beginnen. Nach jeder Kamvieshandlung strömt die Beute automatffch nach den verschiedenen Stapelvlätzen, ohne daß sich sofort fe Mel len liehe, was an den einzelnen Stellen schock eingegangen, was unterwegs ist und was noch draußen aut der Wahlstatt liegt. Darunr können oft erst einige Tage nach einer Schbacht annähernde Angaben über den Umfang der Beute gemacht werden.

Zuweilen aber sagt unser vorsichtiger Heeresbericht:Tie Beute ist unabsehbar." Was das heißt, erfährt man, wenn man errrrge Tage nach einer großen Schlacht, etwa nach Soissons, nach Nerrve-Chapelle oder jetzt nach einem der heißen Verdun Vorstöße, j -die Bestestrmmelstelle der Armee auffucht. Für deren Anlage ist sGrnnWedmgung, daß die gewählten Räume unbeschränkt <groß sind.

! Einen idealen Beuteplatz bot seinerzeit der .Hafen von Antwerpen, ^wv man die sänrtlichen Lagerhallen der großen Schiffahrtsgesell­schaften Mr Verfügung hatte. Die reichten gerade aus. Da solche . Vsrbebirrgamgen 'ich nicht leicht wieder 'inden, muß crmch für die ÄrmsebelttesamAOeLparks der Grundsatz beitend fern, möglichst wemg zu .sammeln", d. h. aufziustapeln und alle Eingänge, so rasch es geht, zu bewältigen, zu ordnen. Brauchbares von Wertlosem zu scheiden, und dann ine Bestände bald weiter zu befördern.

'Der Leiter der Armeebeutesammelstelle, die ich neulich bz* l'rchtiqte. Hauvtmaun V., ist im bürgerlichen Leben Bürgermeister einer Industriestadt, dem nun. wo ihn die knapp ausgebeilte zweite Verwundung vorerst an der Rückkehr zur Front verhindert, seine organffatottscta Talente sehr zu statten kommen. Da er die rLLemö^trchkeir erngesehen hat, die Gesamtbeute an einer Stelle zu /bergen, so hat er eilt ganzes Städtchen als Stapelplatz eingerichtet. Die Hallen einer Gießerei beherbergen die eingebrachten Kanonen. Die Gewehre wandern in zwei Maschinenfabrikelt, da eine sie nicht siassen tan, die Mäntel in eine Spinnerei, die Schuhe und das /L^erzeag müssen mit einer großen Färberei fürlieb nehmen. Oder prtttaht ist die Reihenfolge umgekehrt und die Spinnerei .ist eine Möbelfabrik. Als Hauptstapelptatz dient ein Güterbahn- !hof. Hier speien die Eisenbahnzüge und hochbeladenen Pfcrdewagen alles wahllos ans, was sie von den ersten Beutesammel stellen oder ^unmittelbar vom Schlachtselde aus heranbringen. Hier türmen sich Berge in wüstem Wust, so daß man sich davor grault, zuzu­packen Aber eine kleine Armee von Landsturmmännern, Garnison- dienstfähigen, Rekonvaleszenten schuftet nach dem Grundsätze: Sich regen bringt Segen! Das geht heidi, den Kochtopi in diesen Korb, den Tornister auf jenen Schubkarren, den einzelnen Stiefel auf den zum Berg anwachsenden Lederhaufen: schon ist der Stapel bezwungen, fast ebenso schnell, wie ihn die sechs Atänner in der Höhlung des großen Güterwagens ans dessen geöffneter Doppeltür haben schlendern können. Ern paar abgerissene Knöpfe und Schnal­len bleiben übrig. Sie kommen in die Messingtonne. Weg! Näch­sten Wagen Vorfahren! Nach ein paar Minuten ist cknch sein Inhalt hu Groben sortiert Das geht ohne Aufhören, vom Morgen bis zur Nacht, und manchmal auch tarn noch weiter beim Scheine dev BogenLmcven, daß einem die Augen flrmmern.

In den einzelnen Abteilungen beginnt dann die feinere Arbeit. Die Gewehre sind meist sofort an den ersten SammelfteNen von i-dem anbackenden Lehm und den Rostflecken, die Regelt und Tau chsreingefressen haben, gereinigt und ehrgefettet worden. Nun wer­den sie geputzt, geprüft, ob die Schloßteile noch alle in Ordnungl 'sind, ob der Lauf nicht ausgeschossen oder verbogen ist, der Kolben >wttd gefirnißt, und schließlich Wird jedes einzelne Stück, ehe es wieder zum Gebrauche berettgestellt wird, ausgeprobt. Dazu ist rdu Schießsßcmd in der Nähe eingerichtet, und so hat sich die eine Gewehrabteilung zu einem kleinen Arsenal für sich entwickelt, wie es ja das Wesen des unseren Feinden so unbegreiflichen deutschen Militarismus" ist, daß er jedes Ding, das er anpackt, so gründ­lich und vollkommen wie möglich gestaltet. Kleine Ergänzungeck und Repcrratttren von Gewehren werden gleich im .Hause vorgenom­men. Schwerer beschädigte Waffen werden in die Heimat zur .Wtederherstellung oder Verwertung ihrer Teile gesandt, soweit sie nicht von besonderen Sachverständigen zu Studvenzwecken aus- .gewählt werden, weil aus der Att ihrer Beschädigung Lehren zn ziehen sind.

Aehnlich wie die Gewehre werden die Maschinengewehre be­handelt, die manchmal, wenn sie aus verschütteten Gräben kommen, zuerst den Eindruck machen, als ob sie nur noch als altes Eisen -taugten. Aber manchmal genügt eine sachgemäße Reinigung. Das Maschinengewehr erfüllt bei bet Prüfung ans dem Schießplätze die Ansprüche Wenige Tage später ist es schon an der Front und spritzt die ungeheuren Mcugen französischer Munition, die wir erbeutet haben, gegen die eigenen Fabrikanten.

Die Munition füllt Räume und aber Räume. In Säcken, in Ktsten, in unerbrochenen Packungen bildet sie Wände, zwischen denen mir enge Gassen offen bleiben. Viele Millionen der nied­lichen spitzen Kupfergeschosse sind da unter einem Dache vereinigt, jeöee bestimmt, ein Leben auszublasen. Abereine jede Kugel trifft ia nidh" und das ist gut fv, denkt man sich, otchvohl jetzt oieic Gcschosse von uns verschossen werden.Denn träfe jebe fiugel akkurat ihren Mann" diese Masse, die allein hier lagert,

würde ausrerchen, um alle Männer der serndlichen Heere aus- zurotten, die gegen uns im Felde stehen. Und fortwährend werdeit neue Körbe mit Hunderten und Tausenden von Patronen aus- geschüttet.-e eutzelne wird geprüft, wenn nötig, gereinigt, nenverpackt oder ausgemustert.Tie guteit ins Töpfchen, die schlechteit ins Kröpfchen" sagt del-aglich der langbättige tl)üringer Landsturmmann, der die Aufficht über die große Schar der Pa­tronen sortieret hat.

Weniger umfangreich, aber unl>eimlicher ist das Artillerie­geschoßdepot. Hier lömmi ntcht soviel ein, weil die meiste Beute dieser Att an Orr und Stelle schon mit den Beutegeschützen ver­feuert werden kann. Nur ungangbarere Formate und dann die Unmasse der leeren Kartuschen findet sich hier zusammen. Aus einem Hausen stehen verbeulte, schwarz geglühte, zum Teil ganz formlos gewordene Messinghülseit, viele durchlöchert und zer­rissen. Das sind die Ueberreite eines französischen Artilleriedepots, in das ein deutscher Treffer gegangen war. Sie lassen nur ahnen, was mit allem Leben geschehen ist, welches sich dott nt der Nähe befunden hat.

In den Montrerungsabteilungen haben sich die zerknüllten Lumpen, die der ersten Sammelstelle den Eindruck einer Trödlerei gaben, aus dem Wege durch die Reinigungsiammer, den Tesinfet- tionsosen, die Schneider- und Büglerwerkstatt in ein ordentliches Kleiderlager verwandelt. Nach Größen geordnet, jedes Stück mit einer Notiz ausgezeichnet, hängen die dunkelblauen Mäntel, die Waffenröcke und Hosen da, Wäsche aller Att stapelt sich in Wandfächettt, sogar der Schlachtseldgernch ist gewichen, und es riecht wieder nachKammer". Wie viel tausend blaue Franzosen- mäntel sind hier schon ein- und ausgegangen! Denkt man sich zu denen allein, die augenblicklich an den Wänden häitgen, die Armee von Männern, die sie einstmals getragen habeit, so be­kommt man das Schaudern.

Jeder neue Raum bietet neue Beutesotten: Hier sind Fahr­räder, hier Flammenwerfer, hier kupferne Tragkessel, wie sie die Winzer ans dem Mcken haben, wenn sie die Reben mit Kupser- kalkbrühe sptttzen, die jedoch den französischen Soldaten mitge­geben werden,, um Gase zu verscheuchen. Ta häufen sich die Gasmasken, über die sich die Franzosen so sehr luftig gemacht haben, als wir sie einführten und die nun immer mehr den un­seren ähnlich werden. Da liegen die Reste einiger abgeschossener Flugzeuge: eilt unkenntlicher Haufen verbogener Metallteile. daran ein paar graue Tuchsetzen mit genügen Resten der blau-weiß-roten Kokarde, das ist alles, was von bejt stolzen Lu st feg lern übrig- aeblieben ist. Dann Tornister ohne Zahl, mit dem Namen ihrer Träger daran, mit Briefen und Kattengrüßen von .Hause darin, den letzten wohl, die der Träger erhielt. Kisten mit Leuchtraketen. Wie Zaubersterne stehen diese Lichtkugeln am nächtlichen Himmel, märchenhaft, wenn ihr peinlicher Glanz plötzlich den bisher von der Dunkelheit beschützten Wanderer besttahll und dem Feinde verrät. Hier sieht ntau zn dem Zauberkunststück den Zauber- kästen, der den Trick bervorbringt, die lleiue Krinoline ans leickstem Stoff, die den Leuchtkörper in der Schwele erhält und die Papp- hülje. welche die braimbare Salzmischnng einschließt.

Und dann kommen die grau-blauen Stahlhelme, die einen ganz großen Raum anssüllen und von denen jeder von heißem Kampi-" erzähleit könnte. Manck>e tim es. Kleine runde Schuß.löcher gehen durch viele, von Schläfe zil Schläfe oder von der Stirn zum.Hintcr- kops, oder haben eine zackige Furche über den Scheitel gettff'en. Große Schrapnellbreschen und schmale Granatsplittei'schnitte haben die Stahlplatte geöffnet und dem Tode eine Einlaßpiorte ausgetan Diese faustgroße Delle mag von einem Kolbenschlag herrühren, und hier den kleinen scharfen, vierkantigen Einhieb aus dem Wirbel hat eine Pionierpicke im Grabenkamps hinlerlassen.

Dann folgen Handgranaten. Minenwerser, blanke Waffen, und zwischendurch ist eine umfangreiche Lagerstätte, über welche der Lei­ter des Beuteparkes die neckische Jmchrift geletzt hat:Komme aus Katte. Zahle die höchsten Preise." Die wirklichen Lumpen und Abfälle, Dinge, die nur für die Weiterverarbeitungsindusttien als Material in Betracht kommen. Freilich, da es-sich hier um die Abfälle Moderner Volksheere bandelt, so würden alle betriebsamen Lumpenhändler des Berliner Ostens neidisch werden, wenn sie den .Lagerbestand" einer einzigen Armee sehen könnten.

Die HauptbeuteMcke, die erobetten Geschütze, kommen nur zu einer kurzen Gasttolle, zum Zwecke der Ausnahme, in den Bente- park. Ich sah eine Anzahl der berühmten französischen 75-Milli- Meter-Feldgeschütze. deren Zustand erkennen ließ, daß die Franzosen unter dem grundlosen Letzmschlamm der Straßen um Verdun noch mehr leiden, als wir. Die sraarzösischen Geschütze stich bekanntlich in iututtsttscher Weise mit grellen Farben gestrichen, die unregel­mäßig nebeneinandergellext werden, weil man die Erfahrung ge­macht hat, daß sie dadurch im allgemeinen besser als durch jede einheitliche Schutzsarbe der Flregereinsicht entzogen find. Aber von den ulttamarinblauen und orangeroten Klexen sah man fast nichts, denn die Gesckmtze waren von oben bis unten Mit einer natürlichen Schutzschicht ans gelbem Verdirnschlamm überzogen. Ebenso sahen die Protzen aus, ebenso die beiden schweren Geschütze, welche ich einbttngen sah, als ich eben Weggehen wollte.

Ich hatte mich genug umgesehen. Meine Augen und mein Kops waren müde, wie man nach der eingelwnden Bestchtigunq einer Galerie öder dem stundenlangen Verweilen ht einem Waren Hanse so abgespannt wird, daß Man die weitere Aufnahmefähigkeit ver­liert. Da sagten meine liebenswürdigen Führer zum Abschied: Schade, wtt haben Ihnen heute nicht viel zeigen können. Was Sie da gesehen haben, das hat sich in ein paar sogenannten stillen Tagen zusammengeläppett. Aber nach einer großen Sache sollten Sie eiirMal hierher kommen, wenn tagelang ununterbrochen ein Eisenbahnzug nach dem anderen und eine Kolonne nach der anderen hier airrollt und ablädt, daß wtt alle Mühe habep, die Fülle zu bergen! Dann würden Sie einen Begriff bekommen, was unser Heer^berichtunerschöpfliche Beute" nennt. Wirklich, unser heuti­ges La'ger ist ungewöhnlich klein!" Na, ich danke. Mtt genügte schon dasungewöhnlich lleine Lageiff^.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Die englisch-französische Offensive in der Picardie.

Großes HcrirpttMrrtttr, cmr 2. Juli 1916.

Die seit langem angekündigte und zuletzt von den Fran­zosen sehr irn geduldig herbei gesehnte Offensive der Verbün­deten hat gestern morgig um 1/28 Uhr begonnen. Der Feind hatte an großen Teilen der übrigen Front seit einigem Tagen Fenerüberfälle nnd mtderc Beunruhignngsnnter- ne'hmnngen veranstaltet m der Hoffnung, unsere Aufmerk­samkeit von der von ihm zur Offensive ausgesuchten Front­gegend abz-chziehen. Diesen Mschnitt von Armentieres bis zur Somme belegte er eine volle Woche lang mit Trommel­feuer, das er ^mit zahtteichen Gasangriffsvers^rchen begleitete. Während die Engländer nirgerrds einen nennenswerten Er­folg hatten, mußten wir südlich gegen die französischen Angriffe beiderseits der Sonrme unsere Stellungen etwas zurücknehmen, da an einigen Sollen die völlig einge- trommelten vordersten Gräben nicht mehr zu halten waren. Der Angriff fand schon vor den zwischen der ersten und zweiten Äellung gebauten Riegelstellungen Halt. Innerhalb seines Raumgewinnes liegen die zerstörten Ortschaften Fricourt, Mametz, Herbecourt, Assevillers und la Boisselle. Die liebliche reiche Picardie dürfte in der nächsten Zeit wieder zmn Schauplätze heißer Mmpfe werden. Der Pta des Feirches war, wie er offen verkündet hatte, mit einem gewaltigen Anlauf ohne Aufenthalt ganz Frankreich von der deutschen Besetzung freizulegen und sich den Weg nach Belgien zu öffnen. An Vorbereitmrgen, Munitionsanhän- fung, Ansarnmlung von frischen Truppen hat man es auch diesmal nicht fehlen lassen Einstwerlen aber ha,t der ge­waltige Anlauf nur einige zerschossene Schützengräben der vordersten Linie überrannt und hat dann vorerst schon vor den Zwischenstellungen stocken müssen. Die für solche Offen­

sive in vieler Hinsicht entschLÄnrnc^polle erste Tag dürfte also den sehr hochgespannten Hoffnungen der Atltierten wenig entsprechen.

W. Scheuermann, Kriegsbertchterstatter.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberhefien.

Kz. Gießen, 1. Juli 1916.

Ablösung der Steuersreiheit der freihcrrlick Riedesels chen Grund st ücke in den Gemarkunger Landen Hausen, Rixfeld, Reichlos und Schadges.

Nach dem Beschluß des Provinzial-Ansschusses in seiner letzten öffentlichen Sitzung am 11. März l. Js. waren inzwischen die Orts­grundbücher und Flnrkarten für die einzelnen Gemeinden als Be­weismittel erhoben worden. Nach ihrer Durchsicht war aus heute die zweite öffenlliche Verhandlung in der genannten Sache an­beraumt. Nachdem die Vertreter der Parteien ihre Anträge ge­stellt hatten, wurde bekanntgegeben, daß die Entscheidung des Pro- vinzial-Ausschusses in einer der nächsten Sitzungen verkündet werde.

Vereinigung zur Förderung deutscher Wirrschaftsinteressen im Ausland.

= Frankfurt a. M, 1. Juli 1916.

Die zweite Hauptversammlung der Verentigung zur Förderung deutscher Wirtschaftsinteressen im Ausland, die heute imFrank­furter Hof" tagte, erfreute, sich eines außerordentlich starketi Be­suches aus allen Teilen des Reiches, namentlich hatte der rheinffch- wesffälische Jirdusttiebezirk eine große Anzahl von Verttttern zu der bedeutsamen .^tundgebung entsandt. In seiner Begrüßungsansprache wies der Präsident der Bereinigung, Kommerzienrat Lindgens- Köln aus die durch die deutschen Waffenerfolge gesichette Fott- entwicklnng des deutschen Wirtschaftslebens hin. Wenn die deut- scheit Wirtschaftsverbände nunmehr sich fester denn je zusammen­schlössen, dann könne das Reich auch zuversichtlich dem drohenden Wirtschaftskriege der Erctentt entgegensetzen.

Sodann sprach Universitätsprosessor Tr. Ja ft row-Bettin überTie handelsrolitische Zukunft Deutschlands". Entgegen den haßerftillt«t Beschlüssen der Pattser Wittschaftskonserenz müffe Deutschlands Zukuitftspolitik frei von Haß, aber auch frei von Liebe sein- sondern nationale Jittereffen vettreten und solche Ziele verfolgen, die in erster Linie nationalen Gepräges seien. Um das zu erreichen, müsse das deutsche Bol? in Zukunft mehr arbeiten und w e n i g e r g e n i e ßen. Ob das Ziel tatsächlich zu erringen sei, müsse mit einem entschiedenen Ja beantwortet werden, weil das Volk die Kraft dazu besitze. Zwar solle auch fernerhin Außenl>andcl getrieben werden, aber unter stärkster Be­tonung der nationalen Interessen. Nicht die Höhe der austze- fühtten Milliardewoerte sei entscheidend, fantan die absolute Güte der Waren. Eine verheißungsvolle Zukunft blühe dem deutschen Handel tu den Gebieten unserer Verbündeten, allerdings unter der Einschränkung, daß Oesterreich-Ungarit schon vorher seinen ganzen Handelsbedari in Deutschland deckte. Bei dem Fri^ensscA' müsse Deutschland die Meistbegünstigungsklausel durchsetzen und darnit die Normen der Pariser Beschlüsse durchkreuzen, dann aber unter allen Umständen alle zur See eingefühtten Waren mit hohen Zöllen belegen. Die Pariser Beschlüsse sind praktisch undurch­führbar, da Deutschland sick Handelspolftische Voffchriften niemals vorschreiben läßt. Das geben auch bereits nüchtern denkende fran­zösische und italienische Bolkswittschaftler zu. Nach dem 5kriege luirb in allen Ländern ein solcher Heißhunger nach Roh­stoffen eintteten, daß jeder, ob Freund ^ ober Feind, froh sein wird, nur etwas zu erhalten. Deutschland soll dank seiner miki- tättschen Uebcrlegenheit seine handelspolittschert Abstchten durch­setzen, aber ohne jeden Boykott gegen die Besiegten. Dagegen soll der Anstifter zum Boykott schadenettatzpflichtig gemacht werden. Diese Haftung darf aber nur zwischen den Reaiernn^n verembatt werden. Weitgehende Loyalität ohne Gefühlsduselei sei das Mo­tiv künsttger Verhandlungen. Für die weitere Arbeit in Fttedens- zeiten sei zu fordern: eine bessere Organisätwn der Handttswelt, ein umfassender Nachttchtendienst für das Ausland, wobei beson­ders dem Jnseratenwesen größere Aufmerksamkeit als bisher m schenken ist, und eine hohe, handelswiffenschaftliche Ausbildum, des kauffnännischen Nachwuchses. Mit einem warmen Appell, daß das Volk in Zubufft mehr arbeiten und weniger genießen möge, schloß der Rediter unter stürmischem Beifall.

In der Ausisprache äußerten sich alle Redner zuftnumend zu den Ausführungen Pros. Jasttvws. ^)tach einem Dankes- und Schlußwott von Fabrikbesitzer Kün nes-KÄn wurde einstimmiq folgeitde Entschließung angenommen.

Die aus alleir Gegenden Deutschlands stark besuchte BersaMtm- lung der Vereinigung zur Förderung deutscher Wittschaftsinteresten im Ausland sieht ht dieser Vereinigung eine für Deutschlands Wttt- schastslebeit geradezu iwtwendige Gründung und die beste Gewähr zur Erreichung des Zieles, im Auslande die deutschen Wtttschafts- interesseit aller Kreise energisch zu fördern und den Einfluß und das Ansehen Deutschlands zu hebeit. Die Versammlung erhofft, daß es gelingen werde, alle Kräfte, die dieses gleiche Ziel erstreben, zusantmerrzufassen auf dem Boden dieser Bereinigung zu gemein­samer Arbeit, wie sie zuversichtlich auch auf die Unterstützung dieser vaterländischen Besttebungen durch die Parlamente und die Regie­rung fest verttaut."

Meteorologische veodachtungen der Station Eietzen.

Juli

1916

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4. 7"

16,7

11,6

82

10

Bed. Himmel

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Höchste Temperatur am 2. bis 3. Juli 1916: -ff 23,7* c.

Niedrigste , 2. . 3. , 1916: + 13,0*0.

Niederschlag 6,7 mm.

Müller'sche Badeanstalt.

Wass crrv ärme der Lahn am 4. Juli 16° R.